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Der Wahlkamps in Frankreich im Zeichen -erDeutschen Gefahr". Eine Rettungsaktion für den nationalen

Block.

(Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".) Berlin. 16. Sept. Wenn auch die Kammer-

Wahlen erst im konrrnenden Frühjahr fällig find, so werfen sie bereits jetzt ihre Schatten voraus. Das gesamte politische Leben Frankreichs steht schon im Zeichen der Wahlkämpfe, die sich zwar vorläufig noch in bescheidenen Dahnen bewegen, aber doch erkennen lassen, daß ftarfe Kräfte am Werke sind, um die unter Poincarss Führung marschierenden Parteien nicht auseinanderlausen zu lassen, sondern den alten Regierungs- block, wenn möglich noch zahlenmäßig verstärkt, in das neue Parlament hinüberzuretten. Es gibt aber auf dem Gebiet der Znnenpolittk so manches, was die Geister scheidet und bei einem Auspauken der Meinungsverschiedenheiten ülm- gruppierungen herbeiführen könnte, die ein Weiterbestehen der Regierung Pvincares in Frage stellen würden. Kein Geringerer als der Ra­dikalsozialist Franklin Bouillon ist nun auf den Einfall gekommen, die innere Einigkeit auf dem Llmwege über die Außen­politik sicherzustellen. Er, der seine Lands­leute sehr gut kennt, hat das ThemaSicher­heit und deutsche Gefahr" in die Wahl- bebatte geworfen und damit eine Wahlparole ausgegeben, auf die so ziemlich alle Parteien nicht nur eingehen müften. sondern auch eingehan werden. Franklin Bouillon will anscheinend mit dem Schreckgespenst der deutschen Revanche nicht nur die Wählerschaft der für die Aufrechterhal­tung der Rheinlandbesatzung eintreteirden Par­teien sicherstellen, sondern gleichzeittg noch die Volksbewegung" auslösen, die Poincare schon so oft gute Dienste geleistet hat, wenn es galt, die Unantastbarkeit des Versailler Ver­trages zu betonen und alle Versuche, auch nur ein Wort dieses Diktats auf friedlichem Wege abzuändern, zum Scheitern zu bringen.

DerTemps" gegen Bernstorfs.

Das Echo einer unbequemen Rede.

Paris, 15. Sept. (WLB.) DerTemps" veröffentlicht sirren heftigen Artikel gegen die gestrigen Ausführungen des Grafen Bernstorfs in der 3. Kommission des Völkerbundes. Rach seiner Ansicht ist im Versailler Vertrag nicht ein Wort enthalten, aus dem man her­leiten könnte, daß Deutschland seiner Entwaff­nungsverpflichtung ledig wäre, wenn die all­gemeine Entwaffnung nicht vollzogen wird.

Ganz abgesehen davon, daß Graf Bernstorfs eine derartige Behauptung nicht aufgestellt hat, sucht das Blatt die Präambel zu Abschnitt 5 des Versailler Vertrages dadurch eigenartig aus­zulegen, daß es den Hauptwert auf das Wort vorbereitet" legt, mit anderen Worten, in spitzfindiger Weise sucht derTemps" zu er­klären, man brauche nur eine allgemeine Ab- rüstungsbeschrankung vvrz übereilen und habe damit, selbst wenn man zur Durch­führung Lkahrzehnte brauche, dem Vertrags­text Genüge geleistet. 3m Munde eines Blattes, das von der genauen Erfüllung des Versailler Vertrages nach seinem Buchstaben und nach seinem Geist so oft zu schreiben pflegt, nimmt sich diese Textesauslegung recht seltsam aus.

3m übrigen fahrt derTemps" fort: .Die Deutschen sind wirklich nicht diejenigen, die sich darüber beklagen dürfen, daß die Sache der Abrüstung nicht genügend rasch voranschreite. Sie vergessen, was notwendig gewesen ist, um sie selbst so weit zu bringen, den Verpflich­tungen ihrer eigenen Entwaffnung zu entsprechen. Außerdem stellt die materielle Eirtwaff- mmg nicht eine wirkliche Sicherheits- garantie für Europa dar, da sie nicht parallel mit einer aufrichtigen morali schen Abrüstung vor sich gegangen ist. Die nationalisttfche Pro­paganda und die reaktionären Machenschaften, der Revanchegeist, der in den deutschen Schul­büchern unteichallen und gefördert wird, alles das beweist nur zu sehr, daß die Friedens­gedanken sich noch nicht in der Gesamtheit des deutschen Volkes durchgeseht haben. Die Ent­waffnung besteht nicht allein darin, Gewehre und Karwnen a^uschaffen, sie ist nur in dem Maße vorhanden, als es gelingt, den Haß in Len Herzen der Völker zu ersticken. Die Ereignisse beweisen, bah daS deutsche Volk noch nicht soweit ist."

Poren sabotiert die deutsche Schule.

Deuthen, 15. Sept. (WTD.) Aus Mhs- l o w i h wird berichtet: Nachdem vor kurzem der 600 Kinder zählenden deutschen Min­derheitsschule von den ihr zur Verfügung stehenden 12 Räumen drei entzogen wuvden, versetzte die Woiwodschaft mmmchr vier der bewährtesten deutschen Lehrkräfte in Mys- lowih nach anderen Orten. Diese Verfügung der polnischen Schulbehörde rief in den Kreisen der Deutschen Bürgerschaft große Erregung hervor.

Die Auswirkungen der Portoerhöhung.

Die Finanzlage der Reichspost bleibt ernst.

Berlin, 15. Sept. (Wolff.) Der Re ichs- p o st m i n i ft e r gab in der heutigen Sitzung des Berwaltungsrats der Deutschen Reichspost Auskunft über die finanzielle Wirkung der Postgebühren­erhöhung:

Rach dem Finanzergebnis für den Monat August wird für das laufende Rechnungsjahr mit einer Mehreinnahme in Höhe von etwa 146 Millionen Reichsmark aus der Gebührenerhöhung zu rechnen fein. Doch läßt sich über das Jahres- Ergebnis noch kein abschließendes Urteil fällen. Die fu erwartenden Mehreinnahmen aus der Gebühren- erhühung werden durch die bevorstehenden Mehr- ausgaben, namentlich auch für die Beamten­besoldung, großenteils aufgebraucht werden, so daß die Finanzlage der Deutschen Reichspost auch nach der Gebührenerhöhung sehr c r n ft bleiben wird. Gegenüber dem bei der Beratung der Gebührenvorlage festgestellten Bedarf bleibt nach wie vor eine große ungedeckte Spanne be­stehen. Daneben ist eine Anleihe in dem vorgesehe­nen Bettage von 174 Millionen Reichsmark erfor­derlich. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, ttti in der nächsten Zeit durchzukommen, wenn die Deutsche Reichspost unabhängig vom übrigen

ver Reichspräsident bei der deutschen Marine.

Sonderbericht desGießener Anzeigers".

Swinemünde, 15. Sept. 1927.

Badeorte erleben alljährlichein letztes Glück und einen letzten Tag". Für Swinemünde gestaltet sich der 2llfchied vom Sommer diesmal besonders eindrucksvoll, denn die Flotte ist hier versammelt und der Reichspräsident anwesend. Schon am Dienstag, 13. Sept., gab es etwas zu sehen. Von der See her dampften Torpedo­boote, Minensucher, Kreuzer und Linienschiffe heran. Die lleinen Schifte liefen in den Hafen ein und machten gruppenweise fest, von den großen folgte ihnen nur das Linienschiff Schleswig-Holstein" .wahrend die an­deren auf der Außenreede blieben. DieSchles­wig-Holstein" war dazu ausersehen, den Reichs- präsidenten zur Flottenschau zu tragen.

Roch bis vor kurzem hatte prächtiges Spät­sommerwetter geherrscht, nun aber wehte eine kühle Brise mit Regenschauern. Gewiß hat es Swinemünde nur der Flottenschcru zu danken, daß auch die Herbstwinde und herabwirbelnden gel­ben Blätter viele der Badegäste nicht verscheuchen konnten. Roch weit größerer Zuzug stand in Aus­sicht, denn eine ganze Reihe von Dampfern sollte am 14. Zuschauer mit hinausnehmen, und für den 15., 16. und 17. werden Besichtigungen der Schiffe durch das Publikum und gesellige Veranstaltungen angekündigt. So war am 13. Stadt und Bad in froher Erwartung und der Hafen von frischem Leben erfüllt. Kohlen- und Tankwagen rollten auf der Hafenbahn hin und her, Boote und Dampfer tarnen und gingen, Flaggen- und Lichtsignale wurden ausgetauscht.

Lieber Rächt besserte sich das Wetter, aller­dings nur genau für die Dauer der Schau, und die Morgensonne beschien in Stadt und Hafen das übliche bunte Bild eines Präsident en- Empfanges. Ein Marinetender brachte H t n- denburg, ferner den Reichswehrminister und den Chef der Marineleitung zur nahenSchles­wig-Holstein" hinüber, die ihn mit Salut begrüßte und sofort in See ging. Viele Personendampfer, dicht mit winkenden Menschen gefüllt, folgten unter den Klängen ihrer Kapellen nach, darunter auch die schmucke neuePreußen", die ich, tags zuvor von Zoppol kommend, verlassen hatte, und die erst am Abend die übrigens höchst emp­fehlenswerte regelmäßige Tourenfahrt nach Ostpreußen wieder anzutreten braucht. Die Ma­rine-Leitung hatte für ihre Gäste und die Presse den großen LlohddampferRoland" igcns von Bremen kommen lassen. Eine an Bord be- fiirdliche Regiments-Musik lieh sich vernehmen und rasch ging es, an dem kleinen Kadetten- SchulschiffRiobe", einem uralten Segler, vorbei, dicht derSchleswig-Holstein" nach.

Rauchwolken am Horizont verkündeten das Nahen der Flotte. In Kiellinie dampfte sie heran und in nächster Nähe vorüber. Es waren die LinienschiffeSchlesien",Hessen",Elsaß", die KreuzerBerlin",Amazone",Nymphe", die erste und zweite Torpedobootsflottille mit 20 und die erste Minensuch-Halbflottille mit 7 Einheiten unter dem Befehl des Vizeadmirals Mommsen. Die Matrosen in ihren weißen Uniformen halten sich bei den Händen gefaßt, standen in mehrfachen Linien Front zu Hindenburg In Parade und bildeten schmucke, lebend« Kränze auf den tadellos sauber

gestrichenen und geputzten Schiffen. In wenigen Minuten war ein Ueberblitf über die gesamte Flotte gewonnen. Wir wußten es, fast alle Schifte waren alt, die großen z. B. sämtlich aus den Jahren 1899 bis 1906, aber ihr Aussehen, die Ordnung, in der sie fuhren, und das Bewußtsein, daß der 80jährige Reichspräsident, weithin sichtbar in seiner Feld­marschall-Uniform, ihnen ein Beispiel seltener Pflichterfüllung gab, ließ die technischen Mängel vergessen. U-Boote und Flieger, unentbehrliche Be­standteile jeder neuzeitlichen Seestteitkraft, fehlten, den Bestimmungen des Friedensvertrages gemäß, ganz. Gewiß, eine Seeschlacht gegen einen gut aus­gerüsteten Feind wird die heutige deutsche Flotte nur mit wenig Aussicht auf Erfolg wagen können, aber dazu genügen die Schiffe offenbar doch, den guten Geist der alten Marine aus ihren besten Zeiten zu bewahren und fortzusühren.

Die Schifte formierten sich neu,Schleswig-Hol stein" übernahm die Führung, und nun gab es volle Fahrt seewärts. Wir auf unserem seetüchtigen Damp­fer bemerkten die rasche Fahrt kaum, da alles, mit Ausnahme der sehr langsamen und daher ausschei­denden Minensuchboote, sich gleichmäßig vorwärts bewegte. Allmählich wurde sie dadurch offenbar, daß die begleitenden Paradebummler, die Rad- und son­stigen Personendampfer, mehr und mehr zurück­blieben. Schließlich gehörtenRoland" und die er­wähntePreußen" nur noch allein zu dieser Klasse.

Die Flotte selbst führte eine Reihe von Dewe- Smgen aus, auf deren Einzelheiten ich mich als andratte Hier nicht einlafsen darf. Alle möglichen Namen und Bezeichnungen von Formationen unh Manovern schwirrten umher, den Sachverständige genug waren an Bord. Am tätigsten erwiesen sich unter uns die Pressephotographen. Wie Maschinen- gewehrfeuer knatterten die Kameras, Schlitzver­schlüsse sausten, und sicherlich werden in den Kinos die Wochenschauen und in den illustrierten Zeitungen und Zeitschriften zahllose Stehbilder dem In- und Auslande in den nächsten Tagen und Wochen ein anschaulicheres Bild dieses überaus bewegten, sich jeden Augenblick verschiebenden, großen Flotten­oerbandes geben, als Worte es vermögen. Di« wehenden Gimpel und Flaggen, die dicken Rauch­wolken, im frischen Westwind davongetrieben, die kleinen und großen Fahrzeuge wie im wirbelnden Reigen wendend, schwankend, auseinander- und zu- scrmmenstrebend, alles dies vereinigte sich zu einem reizvollen Schauspiel voller Kraft, Disziplin und Leben.

Cs sand sein Ende, indemSchleswig-Hol­stein" von rückwärts her in Volker Kraft nach­einander alle in Kiellinie fahrenden großen Schiffe überholte, die sich ihrerseits wieder ihr anschlossen.Roland" machte kehrt und eilte in voller Fahrt dem Hafen wieder zu. Prompt setzte nun, da alles vorbei war, Regen ein. Rach scharfer zweistündiger Reise waren wir wieoer auf festem Boden.

Heute wird Hindenburg auf dem Kreuzer Berlin" nach Königsberg fahren, um an der Tannenberg-Feier teilzunehmeir. So ist er rastloS unterwegs und im Dienst, so verbindet er die lebendige Gegenwart mit der größten Stunde jüngster deutscher Dergangenhett, so Flotte, Heer und Volk. Es ist trie Einheit und Mnigkeit aller Deutschen, die er betreibt und verkörpert. B ö l ck e, Oberstltn. a. D.

Reichshaushall sich selbst decken und ihre Ausgaben durch eigene Einnahmen bestreiten soll. Die Be­fürchtung, daß die Gebührenerhöhung einen außer­gewöhnlichen Verkehrsrückgang Hervorrufen werde, hat sich nicht bewahrheitet. Ebensowenig haben sich die zahlreichen Voraussagen einer Infla­tion nicht verwirklicht. Die Gesamtmeßziffer für Le­benshaltungskosten betrug im Juli 150, im August 146,6, so daß im August ein Rückgang von 2,3 o. H. eingetreten ist. Der Verwaltungsrat ge­nehmigte die Richtlinien für den Sparkommissar, der, wie die anderen Reichsverwaltungen, nunmehr auch die Geschäftsführung der Reichspostverwaltung nachprüfen soll.

Verwaltung und Wirtschaft. Der Großhandel verlangt eine großzügige Berwaltungs- und Vcnaisnngsrcforrn.

Hannover, 15. Sept. (Wolff.) Der Reichs- ausschuh des Reichsverbandes des Deutschen Groß- und Ueberseehandels nahm heute eine Entschließung an, in der es der Ausschuß be­grüßt, daß di« Spitzen verbände der deutschen Wirt­schaft es übernommen Haden, auf eine baldige groß­zügige Reform der Verwaltung der öffentlichen Körperschaften hinzuwirken. Darüber hinaus sei eine möglichst baldige Ver­fassungsreform notwendig, da nur so wirk­lich durchgreifende Ersparnisse erzielt werden könnten. In einer weiteren Entschließung heißt es:Die Schaffung einer wirksamen S t e u e r- erleichterung sei nur möglich, wenn rücksichts­los der Kampf gegen den übermäßigen Länderpartikularismus für eine Ver­einfachung der Staatsform aufgenommen wird. Der Reichsverband des Deutschen Groß- und Seehandels ist entschloffen, diesen Kampf aufzuneh­men. Der Großhandel begrüßtes, daß die Steuer­vereinheitlichung für die Realsteuern angeftrebt wird. Der Großhandel muß aber feine Zustimmung zu einer Steuervereinheitlichung davon abhängig machen, daß der Grundgedanke einer Senkung der Realsteuern wieder in den Vorder- gründ tritt." Die bevorstehend« Gehalts­erhöhung der Beamten wurde außerordent­lich ernst beurteilt. Man glaubt, daß eine allgemein« Lohnbewegung die Folg« sein wird, die die Gefahr neuer Preissteigerungen mit sich bringen würde. Große Unruhe rief das Gerücht hervor, daß maßgebende Persönlichkeiten eine Preissenkungsaktion befürworteten. Dem­gegenüber wurde betont, daß die frühere Preis­senkungsaktion der Reichsregicrung ein völliges Fiasko bedeutet hab«.

Die Finanzlage der Gemeinden.

Berlin, 15. Sept. (Wolft.) Der Finanz­ausschuß des Deutschen und Preußi­schen Städtetag es verhandelte über wichtige Fragen der tommunalen Finanzpolitik. Der jetzt geltende Finanzausgleich in Preußen, ins­besondere die gegenwärtigen Einkommen- und Körperschaftssteuerverteilung wird, so wurde er­klärt. von den Gemeinden als unzulänglich empfunden. Es wird eine stärkere Berücksichtigung des örtlichen Auftommens gefordert. Starre Kritik wurde an der Politik der Beratungsstelle für Ausländsanleihen geübt. Der be­

rechtigte Kredttbedarf der Stabte für werbec.de Zwecke und für Wohnungsbau müsse wenigstens in gleichem Maße Berücksichtigung finden wie der Kreditbedarf der privaten Wirtschaft. All­gemein wurde die Rotwendigkeit einer durch­greifenden Besoldungsresorm anerkannt, jedoch wurden ernste B^orgnisse laut, wie die dadurch notwendig werdenden Mehrausga­ben ohne eine Aenderung des Finanzausgleichs aufgebracht werden sollen. Während das Reich die Befoldungsreform aus laufenden Ein­nahmen bestteiten töirne, sollen die Einnahmen der Gemeinden durch die in Aussicht genommenen neuen Steuergesetze weiterhin abgebaut werden.

Aus aller Welt.

Könncckc startet zu einem Europa-Asien-Landflng.

Von unterrichteter Seite erfährt das Wolft- bureau, daß der Start Könneckes zu einem neuen Antern^men tatsächlich dicht bevorsteht. Sein Plan hat in den letzten Besprechungen in* sofern eine Abänderung erfahren, als die vor­geschrittene 3ahreszeit einen Flug über den Stillen Ozean als sehr bedenklich erscheinen läßt. Könnecke hat deshalb den Entschluß zu einem großen Fluge um Europa und Asien gefaßt. Die Route dürfte etwa folgendermaßen verlaufen: Schwarzes Meer KleinasienBasra Kalkutta Hongkong Japan Sibirien über Rußland zurück. Schätzungsweise wird die Gesamtstrecke etwa 22 000 bis 25 000 Kilometer umfassen. Schon daraus geht hervor, daß auch dieses neue Projekt außerordentlich große Anforderungen an Piloten und Maschine stellt. 3n Berliner Luftfahrtkreisen be­grüßt man die Umstellung der Pläne Könneckes außerordentlich und hofft, daß auch dieser Flug einen neuen Beweis für die Leistungsfähigkeit des deutschen Luftfahrtwesens erbringen wird.

Einen Vertreter derAssociated Preß" über die Ausgabe seiner transatlantischen Flugpläne verwies der Flieger Könnecke auf die Trostlosig feit der Wetteraussichten für einen Flug über den Ozean. Der plötzliche Rückschlag in der Wetter­lage habe auf ihn und auf Graf Solms außer­ordentlich deprimierend gewirkt und Veranlassung zu ernstlichen Erwägungen über die Erfolgaussichten eines noch späteren Abfluges gegeben. Um der auf die Nerven gehenden Zeit des Wartens ein Ende zu machen, hätten er und Graf Solms sich dann entschlossen, den Plan zu ändern und den gemein- samen Flug, der ursprünglich erst nach dem Trans- ozeanflug unternommen werden sollte, unve r z ü g- lich zu unternehmen. Die Ausrüstung des Flug­zeugs fei den veränderten Plänen entsprechend be­reits fertiggestellt. Ein geeigneter Funker sei ge­wonnen. Sämtliche in Frage stehenden Vorbereitun­gen seien mit dem heutigen Tage beendet, so daß der Flug unverzüglich begonnen werden könne.

Das Unioerfitätsjubiläum in Upsala.

Die 450-3ahrfeier der Universität Upsala wurde mit der Enthüllung eines Denkmals ihres Gründers, des Erzbischofs Jacob LIlffsen Oerne- fot, im Beisein des Königs bei pracht­vollem Wetter eröffnet. 3n seiner Festrede be­tonte der Rektor der Universität, Stavenow,

die vierfachen wissenschaftlichen Bindungen mit Deutschland. Der Rektor der Hniberfität Greifswald, Prof. v. d. G ö l tz. erinnerte an die 200jährige Zugehörigkeit Greifswalds zu Schwe­den. die aber keine Fremdherrschaft gewesen sei. Professor LI h l i g - Tübingen überbrachte die Grüße des württ em bergischen Altersgenossen und dankte Schweden für seine Hilfe bei der Wieder- aufrich-.ing der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen nach dem Weltkriege.

Berlin ehrt den Reichspräsidenten.

Rach einem Beschluß des Magistrats Berlin soll das neu zu errichtende Stift in der Schönholzer Heide den Ramen Hinden- b u r g - S t i f t erhalten. Dem Reichspräsidenten werden darin 30 Zimmer mit Küche zur Unter­bringung von 30 Männern, Frauen oder Ehe­paaren. die in Berlin wohnberechtig! sind, zur Verfügung gestellt. Dem Reichspräsidenten wer­den ferner 10 0 Neubauwohnungen für Kriegsbeschädigte mit einem Mietszu- schuß von jährlich 300 Mark je Monat zur Verfügung gestellt.

Das Erdbeben auf der Krim.

Aus den weiteren über das Erdbeben vorn 12. September begannt werdenden Einzelheiten geht hervor, daß in Koreis und anderen Orten des Gebietes von Jalta viele Erholungsheime und Sanatorien erheblich beschädigt worden sind. In Simeis ist der große Napoleonsfelsen ab­gestürzt. Das riesige Wasserreservoir in Dreanöa hat Risse bekommen, denen täglich 350 000 Liter Wasser entströmen. Bedeutende Zerstörungen werden aus den Tatarendörfern gemeldet Im Dorfe Lomen und den benachbarten Ortschaften wur­den 700 bis 800 Häuser zerstört oder beschädiAt. Heute nacht wurden in Simferopol, Jalta und Se» baftopol neue Erdstöße wahrgerxommen. Die Geologen schließen einmütig auf einen tektonischen Charakter des Erdbebens. Im Erdbebengeoiet herrscht vollkommene Ordnung. Es ist kein einziger Fall von Plünderung bekannt geworden. Heute traf Rykow, der eine Erholungsreise noch der Krim angetreten hatte, in Sebaftopol ein. Er unterrichtete sich in einer Unterredung mit Vertretern der örtlichen Gemeinden über die Lage im Erdbebengebiet.

Die Unwetterkatastrophe in Japan.

Rach einer Havasmeldung aus Tokio, hat der Taifun in 3 okoh ama Sachschäden ange­richtet, die auf eine halbe Million Ben geschätzt werden. 30 Personen wurden verletzt, zwei große Gebäude und mehrere Häuser zerstört. Rach Mel­dungen von der Insel Kiushiu sirrd 2000 Sol­daten mit Rachforschungen nach den infolge der Sturmflut vermißten Personen beschäftigt. Bis­her konnten 4 0 0 Leichen geborgen werden. Außerdem wird gemeldet, daß 500 Fischerboote auf der Höhe von Ragasaki gekentert und dabei 25 Fischer ums Leben gekommen sind. 3m Badeort Karaschi wurden 12 Hotels durch den Wirbelsturm vernichtet und ein dreizehntes schwer beschädigt.

25 Todesopfer der hihe in Lhikago.

Die Hitzewelle in Chikago dauert bereits den vierten Tag an. 25 Todesfälle werden gemeldet. Die Schulen sind geschlossen. Die Kauf­läden stehen leer. Der Wassermangel ver­ursacht ernste Angelegenheiten.

Sprengff offunglütf.

Bet Rödingen (Luxemburg) fanden svielend- Kinder auf einer Wiese eine Sprengstofskop- se l mit Zündschnur. Sie warfen dieselbe in ein schnell ang«3Ünoet«s Feuer und hatten ihre Freude er der zischenden Zündschnur. Dabei explo­dierte di« Kapsel und die sechs umstehende Kinder wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das im Rordwesten zwischen den britischen 3nseln und Island liegende Druckfallgebiet hat sich weiter vertieft. Da es eine mehr östlich: Zugrichtung einschlagen wird, dürste es wenig Einfluß auf unsere Wetterlage gewinnen. Die westlichen kleinen Deilwirbel dagegen werden sich auf die Witterung Mitteleuropas auswirken. Vordringende Kaltlust auf Rückseite der Wirbel gibt neben wechselnder Bewölkung auch Anlaß zu vereinzelten Regenfällen. Die Luftwärme geht dabei wieder etwas zurück

Fortdauer des veränderlichen, wolkigen, auch vorübergehend aufklarenden, wieder etwas küh­leren Wetters, vereinzelt Riederschlage.

Witterungsaussichten für Sonntag: Roch immer veränderliches Wetter.

Lufttemperaturen am 15. September: mittags 18,8 Grad Celsius, abends 14,5 Grad Celsius; am 16. September: morgens 14,5 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 15. Sep­tember 11,9 Grad Celsius: am 16. September 13,5 Grad Celsius. Maximum 18,8 Grad Celsius, Mini­mum 11,9 Grad Celsius. Niederschläge 1,4 Milli- '* meter.

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