Äur der provWalhcmpistadt.
Gießen. den 16. September ISN.
Totentanz?
Der oberflächliche Betrachter nimmt das f al* Hube Qaub als eine Olaturnottoenbigfeit zur Doti-. Manchen berührt dieser .Fall' tiefer, unb eS stellen sich dann Die melancholrschen Ge- dankengänge über .Das große Sterben in der CRatirt1' ein. Dicht mit Unrecht, obwohl Sterben und Sterben zweierlei Abgang sein kann. Der eine legt sich hin und ist tot Sin anderer mmmt Abschied vom Leben, als ob er zu einem Fest geladen seil Frohgelaunt (nicht zu verwechseln mtt Galgenhumor!) und läßt mit Übermullgen Ern* fällen den Schmerz und die Ditterkert der Stunde vergessen. Dichts ist darum Plöter und Poefre- loser, als in dem fallenden Laub nur einen Totentanz zu sehen.
Wie der allzu phantafleretche Einfall ernes Revuetheater-Regisseurs einen farb^flrrrendsn Wirbel tanzender Mädchen über dr« schemwerfer- bunte Bühne jagt, wie einen Krater sprühender L> oenslust aufbrodeln läßt, so stürmt es an einem herbstsonnemibergoldeten Tag im anfeuernden Spiel des Windes über grüne Dasen und sand* bestreute Parkwege. als ob ein letztes Trunkensein noch einmal alle Daseinswvnne auskosten wolle. Berauschend durch den ungehemmten Rhythmus, der das einzelne Blatt in den Vollakkord des Gesamtbildes hineinreißt Wie ein triumphierender Reigen über dem offenen Grab künftigen Moders. Wie ein tücherschwenkendes: Auf Wiedersehn!
Dann scheint es geschehen zu sein. Tanzenden Derwischen gleich, di« erschöpft zu Boden fallen Bon dem Uebermaß leidenschaftlichen GrregtfetnS. von dem Taumel einer fanatischen Verzückung erschlafft. Bis ein neuer Luftzug di« ermüdeten Tänzerinnen wieder zu einem mänabischen Ballett hochpeitscht, daß sie wie Irrlichter über den Plan zucken Hin- und her- geistern, wie von einem Gesicht gehetzt In wilden Sprüngen sich suchen und finden, und bann, wie zusammensinkende Körper an dem Stamm herabgleiten, der ihnen nährende Mutter war und dem sie dankbare Kinder sein werden, mit ihrem Tod das Leben anderer zu erhalten.
Fallendes Laub ist farbensprühendes Finale, bas der Winter zu der Ouvertüre des nächsten IahreS umkompvtüert K. 3. G.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Palast-Lichtspiele: „Sie, die Einzige". — Astoria- Lichtspiele: „Betrogene Frauen".
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•* Neuer Pfarrer der evangelischen Gemeinde. Zum Pfarrer der neuerrichteten zweiten Pfarrstelle an der Johannesgemeinde Gießen hat die Kirchenregierung den Stiftsdechanten zu Lich, Pfarrer Otto Lenz, ernannt Pfarrer Lenz wurde in Klein-Linden als Sohn des vor wenigen Wochen in hohem Alter hier verstorbenen Schreinermeisters und langjährigen Mitglieds des Kirchenoorstandes Johannes Lenz geboren. Er war drei Jahre Pfarr- assistent in Wackernheim, dann Pfarrer in Stock- Hausen. 1912 wurde er als zweiter Pfarrer an das
Viakonfffenhaus Ellfabetdenstfst nach Darmstadt bi- rufen. Seit 1917 ist er Pfarrer in Lich.
— Gl« i Serweiterung auf dem G i«h euer Güterbahnhvf. Auf Dem hiesigen Güterbahnhof werden gegenwärtig umfangreiche Erweiterungsarbeiten ausgeführt. Di« Dammelgleise, in welche die Wagen vom Rangierberg aus ablaufen, erweisen sich bei dem außerordentlich starken Güterverkehr als nicht ausreichend. Die Dahnverwaltung war daher gezwungen, dies« Gleise zu verlängern. Sie werden teilweise näher an den Ablaufberg heran* gezvgen, neue Weichen werden angelegt, Signale umgestellt und eine neue Gleisbremse eingebaut. Ein Sammelgleis mit einer Länge von etwa 300 Mtr. wird vollständig neu gewonnen. Die Leitung der Arbeiten hat Oberbahnmeister K ö m p f. Etwa 150 Rottenarbeiter sind hierbei beschäftigt.
** Sonderzüge zur Landwirtschaft- lichen Ausstellung in Darm st ad t. Der erste Sonderzug zur Landw. Ausstellung nach Darmstadt verkehrt am morgigen Samstag, und zwar von Alsfeld ab 5.59 Uhr, Grünberg ab 7.00, Gießen ab 7.30, Butzbach ab 7.57, Darm- stadt an 10.20 Uhr; der zweite Sonderzug wird im gleichen Plane von Bad Salzschlirf ab gefahren. Die Rückfahrten erfolgen am Sonntag von Darmstadt ab 18.15 Uhr, Butzbach an 20.09, Langgöns an 20.23, Gießen an 20.36, Grünberg an 21.11, Alsfeld an 22.02 Uhr, bzw. von Darmstadt ab 18.40 Uhr, Gießen an 21.00, Grünbera an 21.37, Alsfeld an 22.26, Salzschlirf an 23.13 Uhr. Die vorstehen- den Züge können nur mit Sonderzugfahrkarten benutzt werden, deren Ermäßigung ein Drittel der üblichen Fahrpreise beträgt. Der amSamstag fahrende Zug hält nicht auf den Stationen: Nieder- Ohmen, Göbelnrod, Saasen, Reiskirchen, Rödgen; das gleiche gilt auch für den ersten Rückzug Darm- ftadt ab 18.15 Uhr. Der amSonntag verkehrende Zug häll nicht auf den Stationen: Rieder-Ohmen, Göbelnrod, Saasen und Rödgen. Bei der Rückfahrt von Darmstadt ab 18.41 Uhr sind keine Haltestationen in Rödgen, Saasen, Göbelnrod, Rieder-Ohmen und Renzendorf vorgesehen.
•• Ein« Üble Schießerei. Wie man unS mitteilt, wurde gestern von einem Jäger in der Rähe unserer Stadt eine Brieftaube angeschossen. Das Tierchen wurde von dem übereifrigen Schützen in den Schenkel des rechten Beines getroffen, blieb aber noch flugfähig, so daß es sich in den heimischen Schlag flüchten konnte. Das arme Tier, das uns mit der frischblutenden Wunde vorgezeigt wurde, muhte natürlich getötet werden. Mit Recht vertrat der Züchter den Standpunkt, daß die Schießerei auf Tauben ein jagdlicher Frevel sei, der aufs schärfste gerügt werden müsse. 3m vorliegenden Falle ist Der üblen Schießerei ein Tierchen zum Opfer gefallen, das bei dem letzten Preisflug des Gießener Briestaubenklubs einen glänzenden Erfolg erzielte Man muß hoffen und wünschen, daß dieser Fall vereinzelt bleiben möge und daß künftig alle Schützen mit ihrer Büchse etwas weniger rasch bei der Hand sind.
•• Fremdenverkehrs-Statistik in Hessen. Auf Weisung des hessischen Ministers des 3imern wird die Hessische Zentralstelle für die Landes stall stik von jetzt ab auch eine Statistik über den Fremdenverkehr in Hessen durch-
führ«. 3tf*m HokeDefch« tfrtb Gastwirt werden Fragebogen zugeleitet, auf denen eine Anzahl Rubriken für Die Zwecke der erwähnten Statistik auszufüllen sind. Di« Fragebogen haben nicht nur die llebernachtungen von Fremden arm Gegenstand, sondern sind auch der Derov stalllmg von Ausstellungen, Kongressen, Sänger- festen, Turnfesten, Sportdarbiellrngen_ usw. gewidmet. Die Fragebogen ftnb halbjährlich an die Zentralstelle für die Landesstallstik einzusenden. von wo aus dann die Verarbeitung der Angaben und die Bekanntgabe des Resultates erfolgen wird. 3m 3nteresse einer gut fundierten Fremdenverkehrs Werbung kann man diese Ar
beit nur begrüßen.
•* D i e Ablösung der Markanleihen der hessischen Gemeinden. Nach einer neuen Verordnung des hessischen Ministers des Innern läuft die Frist für die Anmeldung der Markanleihen der hessischen Gemeinden und Gemeindeoerbände vom 1. Oktober 1927 bis 14. Januar 1928, sofern nicht gleichzeitig mit der Anmeldung die Gewährung von Auslosungsrechten beantragt wird. Das gleiche gilt für die Anmeldung solcher MarkatÄeihen hessischer öffentlich-rechtlicher Körperschaften, auf die die Vorschriften des Anieiheablösungsgefetzes über die Markanleihen der Gemeinden und Gemeinde- verbände für anwendbar erklärt worden sind.
*” Beteiligung des hessischen Staates an den Oberhessischen Obst- Werken in Büdingen. Der hessische Finanzminister beantragt in einer Vorlage an den Landtag die Zustimmung zur Beteiligung des hessi- fd>en Staates an der neugegründeten Obstverwer- tungsgenvfsenschaft „Oberhessische Obstwerke e. ©. m. b. H. in Büdingen" mit Geschäftsanteilen in einer Gesamthöhe von 500 Mark und mit einer Haftsumme von 2000 Mark. Der Genossenschaft gehörten am 1. 3uli d. 3. bereits 86 Mitglieder mit 126 Geschäftsanteilen zu je 100 Mark und einer Haftsumme von insgesamt 63 000 Mark an. Das Unternehmen hat bekanntlich in dem Müller-Thüringischen Anwesen in Büdingen eine komplette Obst-Konservenfabrik eingerichtet.
** Verbotene Pserdeeinfuhr. Der hessische Minister des Innern hat die Einfuhr von Hengsten und Stuten aus Italien und Spanien nach Hessen wegen der in jenen Ländern herrschenden Beschälseuche verboten.
** Neue 50-Psennigstücke. Seit einigen Tagen sind die neuen 50-Pfennigstücke im Verkehr. Die neuen Münzen sind etwas kleiner als die 10- Pfenniostücke und bestehen aus einer Nickellegierung. Auf der Vorderseite steht die Zahl 50 inmitten eines Stroh mbündels, umrahmt von einem Eichenkranz. Die Rückseite enthält den Reichsadler und die Inschrift „Deutsches Reich 1927".
** Schloßbeleuchtung in Weilburg. Am nächsten Sonntagabend veranstaltet Der Kur- und Verkehrsverein in Weilburg eine Beleuchtung des dortigen Schlosses, verbunden mit einem Feuerwerk. Die Beleuchtungseffekte werden von dem Pyrotechniker Beisel (Heidelberg) ausgeführt. Sonderzüge nach allen Richtungen werden Den aus- roärtigen Besuchern Die Heimkehr ermöglichen. Man beachte Die heutige Anzeige.
"DerhessischeKinDergottesDienst- verband hält am nächsten Sonntag seine zweite Landesversammlung in Bad-Rauheim ab. Der auch als Dichter bekannte Pfarrer Knodt aus Wimpfen wird vormittags in Der Dankeskirche predigen. Einer
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der hervorraaendstrn süddeutschen Führer der Äht- Dergottesdienstfache, Pfarrer Schmidt aus Augsburg. hält nachmittags den festlichen Kindergottes- Dienft und spricht in Der Wilhelmskirche in einer Hauptversammlung über Die Erziehung Der Kinder zum praktischen Christentum.
WSR. Born Verein für das Deutsch- tum im Ausland«. Dieser Tage hatten die Borständ« der Landesverbände Hannover, Hessen- Rassau und Hessen-Darmstadt des Vereins für das Deutschtum im Ausland« (D. D. QI.) im Kurhaus zu Bad-Rauheim eine gemeinsame Besprechung. 3m Mittelpunkt der Verhandlungen, di« unter Vorsitz von Staatsrat Block auS Dem hessischen Landesamt für Bildungswesen stattfanden, stand die 3uaendfrage im D. D. QI. und Die Teilnahme der 3ugenb an dem jährlichen Pfingsttreffen des Vereins; das nächste Treffen soll in Gemünden (Ober-Oesterreich) statt- ftnden. Zwischen den Verbänden Hessen-Rassau und Hessen-Darmstadt wurde die Veranstaltung einer Schulungswoche vereinbart, die im kommenden Frühjahr an einem geeigneten Ort an der Bergstraße abgehalten werden soll.
** Verschobene Tagung. Wie wir hören, ist Die für Anfang Oktober in unserer Stadt in Aussicht genommene Reichs-Bundestagung des Bundes für christliche Erziehung in Haus und Schule wegen Erkrankung des Bundesdirektors Winkler auf das nächste Jahr verschoben worden.
* Deutschnational erHandlungs- gehilfen-Verband. Dieser Tage hielt daS Mitglied der Gießener Ortsgruppe d es D. H. D. Fr. H i r s ch in einer Versammlung des D. H. V. des Katholischen Vereinshauses einen interessanten Lichtbildervortrag über „Die Herrschaft der Fünfhundert". Der Vertragend« machte seine Hörer in fesselnder Weis« bekannt mit der Ar» beit der etwa 500 Abgeordneten, die bei der letzten Wahl in den Deutschen Reichstag eingezogen sind, ferner zeigte er in Lichtbildern Die Parlamentsgebäude der wichtigsten Staaten der Welt und zahlreiche bemerkenswert« 3nnenauf* nahmen aus dem Reichstagsgebäude, wobei er die Stärke der einzelnen Parteien im Reichsparlament an Hand von aufschlußreichen Tabellen veranschaulichte. Dem Vortragsstoff aus der Gegenwart schickte der Redner ei«e Betrachtung über die in das Thema des Abend- passende Geschichte der früheren 3ahrhu7rd«rte voraus. Wenn in dem kurzen Rahmen dieses Vortrages der Stoff auch nicht nach allen Richtungen hin erschöpft werden konnte, so gewannen die Hörer doch einen tiefen Einblick in Ding« und Verhältnisse, di« ihnen bisher zum großen Teil fremd geblieben waren. Der lehrreiche Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall belohnt.
*■* Briese an Die Redaktion. Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir. alle für die Redakllon bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Redakteure zu versehen, sondern allgemein „an die Redakllon" zu richten. Rur Dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden.
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