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Nr. 190 Erstes Blatt

17Z. Jahrgang

Dienstag, 16. August (92Z

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

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Die neue Revolution in Portugal.

Don S. von Alngern-Sternberg.

3n der Serie der portugiesischen Revolutionen Ivar eine längere Atempause eingetreten. General Carmona hatte die Zügel der Diktatur straff in die Hand genommen, und man glaubte schon, daß das schöne Land an den Ufern des Tejo von weiteren Erschütterungen verschont bleiben würde. Die meisten Putsche hatten zwar einen operettenHaften Charakter gehckbt. So wurden die Aufrufe der Revolutionäre gewöhnlich ganz fried­lich, trotzdem sie von kühnen Worten überschäum- ten, neben den Gegenplakaten der Regierung an­geschlagen. Regierungstruppen und Aufständische defilierten, voran die Offiziere, mit gezogenem Säbel, durch die Straßen. Man gab einige Cuft- schüsse ab, eine verirrte Kugel verwundete irgend­einen Zivilisten, der Rocio wurde abgesperrt, die diskutierenden Kaffeehausbesucher durften nicht die Avenida betreten... und dann schloß man Frieden. Die erste Ausnahme im ungestörten Verlaufe der Revolutionen hatte das Jahr 1921 gemacht, da war viel Dlut geflossen, aber das war schon lange her und man vergaß schnell. Man zeigte in den folgenden Jahren Touristen das Kriegsschiff, das jeweils bei einem Aufstande seine Kanonen auf die Stadt zu richten pflegte, oder man bewunderte eine Mauerstelle, in die eine blinde Kugel eingeschlagen. Auch der Ge­neralputsch, der dem jetzigen Diktator zur Macht verhalf, hatte einige operettenhaste Momente. Die Generäle de Costa und Carmona bil­deten nämlich zunächst mit dem Marinekomman­danten Cabezadas ein Triumvirat, das den Staatspräsidenten zum Rücktritt zwang. Cabe­zadas trat an die Spitze der Regierung, wurde aber, da er sich vom General Gomez da Costa, dessen Truppen vor Lissabon lagerten, unab­hängig machen wollte, seinerseits aus der Re­gierung vertrieben. Gomez da Costa fühlte sich nun als Alleinherrscher und ernannte, um sich von seiner Gegenwart zu befreien, General Car­mona zum Gesandten beim Vatikan. Carmona aber kehrte den Spieß um, sammelte einige ge­treue Offiziere um sich, ließ General da Costa verhafte.n, und verbannte ihn nach den Azoren. Alm die bittere Pille zu versüßen, ernannte er ihn bald darauf, noch in der Verbannung, zum Feldmarschall.

Die Herrschaft Carmonas wurde aber bald durch eine wirklich ernste Revolution im Winter des Vorjahres getrübt. Durch einige Tage wütete rin wirklicher Bürgerkrieg in den S - aßen Lissa­bons und Oportos, die Arbeiterorganisationen, die stark mit Kommunisten durchweht waren, und die sich, angeblich auf Befehl Moskaus, an den Barriladenkämpfen beteiligten und die Regie­rungstruppen von den Dächern und Fenstern aus beschossen, rechneten nicht ohne Grund auf die Unterstützung einiger Truppenteile, da ein Teil der Republikanischen Garden und der Poli­zei, je nach den Almständen, bald auf der Seite General Carmonas, bald auf der seiner Gegner dampften. Aber schließlich gelang es dem Dik­tator doch, den Aufstand niederzuwerfen. Die linken Parteien unter Alfonso Costa, Alvaro ie Castro und Horton de Mattos mußten sich ihm auf Gnade und Alngnaöe unterwerfen. Der Eieg General Carmonas war unbestritten.

Man verglich seine Diktatur mit der Primo de Riveras im Rachbarkönigreich. Aber wenn i -auch gewiß eine Analogie besteht, so sind die ; Verschiedenheiten doch sehr groß. Die Diktatur in Portugel kann nicht mit der traditionellen, Termittelnben Macht eines Monarchen rechnen. -3n Portugal sind persönlichen Einslüs en Türen -und Tore geöffnet. Im Gegensatz zur spanischen ist die portugiesische Armee mit politischem "Älüngeltoc'en durchseucht und scheint Prätorianer- Gelüsten nicht abgeneigt zu sein. Man kann nie Lasur bürgen, daß die siegreichen Regierungs- truppen, wenn ihren Wünschen nicht Genüge geschieht, nicht wieder die Fahne des Aufruhrs * erheben.

Die Politik Carmonas, ebenso wie die Primo iie Riveras, war es. vor allem die Ruhe im Lande wiederherzustellen, das frühere Partei- vesen zu vernichten und das parlamentarische System zu begraben. Trotz der Ablehnung des Parlamentarismus führten aber beide Diktatoren (ine durchaus soziale Politik, stützten die kultu- rften und Arbeiterinteressen so weit, daß der Führer der portugiesischen Sozialdemokraten Dr. Karewa Surto in einer seiner letzten Reden <uf Die Rotwendigkeit hinwies, die Diktatur n ihren sozialen Aufgaben zu stützen und den Standpunkt der absoluten Opposition aufzugeben.

Aber wenn in Spanien das frühere korrupte 'Parteiwesen wirklich vernichtet erscheint und die llerat.ende Kammer scheinbar ohne alle Hemm- > i.isse im Oktober in Madrid zusammentreten fcirö. so war in Portugal das Parteiwesen rvohl unterdrückt aber nicht erloschen, im ge» feimen wurden Verschwörungen angezettelt, 'an denen sich Offiziere beteiligten, und wieder ein- mal brach, für die Oesfentlichkeit recht uner» j wartet, eine Revolution in Lissabon aus.

Alm eine Versöhnung aller Volksschichten zu fördern, hatte der Diktator General Carmona den Obersten Passos Sousa, dessen links gerich- (tete politische Anschauungen bekannt waren, zum Vizepräsidenten des Ministerrates ernannt und dadurch die Empörung der monarchischen Partei In der Armee und eines Teiles der Minister selbst erregt, die, wie hauptsächlich der Finanz- minifter, selbst Monarchisten sind, oder doch radikal rechts gerichteten Anschauungen huldigen.

Bremen" bricht den Ozeanflug ab.

Durch Sturm und Nebel zur Umkehr gezwungen.

Als am Sonntagabend dieCBrem en und dieEurop a" in Dessau glatt und ohne Schwierigkeiten starteten, wird sich so manchem die Frage aufgetirängt haben:Werden sie es schaffen, werden sie ihr Ziel erreichen und die Alnwetterzonen des Atlantik überwinden?" Die Antwort darauf ist ziemlich rasch erfolgt; noch in der gleichen Rächt mußte dieEuropa" über der Rordsee kehrt machen, einmal weil Motor­störungen eintraten, zum anderen, weil die Führer der Maschine klug genug waren, die lieberquerung des Ozeans nicht ertrotzen zu wollen und dabei vielleicht sich dem gleichen Schicksal auszuliefem, das die beiden wackeren Franzosen R u n g e s s e r und Coli ereilte. Sie gaben das Rennen aus. Anders dagegen vorerst dieBremen". Sie konnte die schweren Stürme, die widrigen Winde und Gewitterbarrieren, wenn auch schwer kämpfend, überwinden und bis über die irische Westküste hinaus auf den Atlantik Vorstößen. Dann aber zeigte sich das Wagnis des Alnternehmens erst in seiner ganzen Gröhe. Aussichtslos erschien es den mutigen Piloten, bei einer Windstärke, die sogar größte Ozeandampfer in Mitleidenschaft zieht, mit dem schwer beladenen und tief flie­genden Flugzeug die amerikanische Küste zu er­reichen. Auch sie kehrten heim, weil Wind und Wetter stärker waren.

Der Versuch, den Atlanfik von der euro­päischen Seite her zu überfliegen, ist zunächst mißlungen. Er ist aber damit keineswegs aufgegeben. Das dürfte wohl schon zur genüge aus dem Start am Sonntagabend her­vorgehen, der erfolgte, obwohl die Wetterberichte alles andere denn günstig waren, und der unter diesen Almständen auch deswegen vor sich ging, weil es den Fliegern an Mut und Entschlossen­heit nicht gebrach. Wir bedauern es auf das tiefste, daß ihr erster Angriff von der Kraft der Raturelemente abgeschlagen wurde. Aber schließlich galt es hier doch nicht, ein toH» kühnes -Unternehmen auszuführen. Der Welt sollte gezeigt werden, daß es unter Umständen möglich ist, einen Passagierverkehr zwischen den beiden Kontinenten einzurichten. Wer sich von diesem Gedanken leiten ließ, konnte natürlich nicht blind drauflos fliegen. Damit wäre der deutschen Fliegerei, die doch schließlich in dem kommenden europäisch-amerikanischen Verkehr eine nicht unerhebliche Rolle spielen will, ein sehr schlechter Dienst geleistet. Wer sich zur Ausgabe gemacht hat, einmal Personen von einem Festland zum anderen zu bringen, der muh auch zeigen, /) er Verantwortung s- bewuhtsein genug besitzt, um sich das Ver­trauen derjenigen erwerben zu können, die einstmals unter deutscher Führung den Ozean überfliegen werden. Die Flieger haben gezeigt, daß sie dieses Verantwortungsgefühl besitzen. Mag das auch das einzige Akfivum ihres miß­lungenen Fluges fein. Ihr Wille, wieder auf­zusteigen, sobald es die Wetterlage zuläht, ist durch diesen Fehlschlag aber nicht gebrochen.

Die Umkehr der Bremen.

Wir wir in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe noch berichten konnten, überflog die Bern en" gestern früh 7,05 Uhr die irische Westküste und flog auf des offene Meer hinaus. Indessen zeigte sich, wie weiter unten be­richtet wird, sehr schnell, daß der Weiter­flug bei den schweren Stürmen ein Ding der Unmöglichkeit war.Bremen" kehrte deshalb um und tourDe um 11,15 Uhr auf 5326 0 nörd­licher Breite und 1,14 0 östlicher Länge mit Flugrichtung O st-Süd-Ost gesichtet. Die Heimkehr erfolgte erfreulicherweise glatt.

Dessau, 15. Aug. (Wolff.) DieBremen" ist um 16,30 Uhr auf dem Flugplatz Dessau glatt gelandet. An Bord ist alles wohl. Die Maschine befindet sich in bester Verfassung. Die Flieger hatten den Entschluß zum Rückflug gefaßt, weil die Stürme über dem Ozean ihn vom Standpunkt der Vernunft ratsam erscheinen ließ.

Auch G. 31 wieder in Dessau.

De s s a u , 15. Slug. (WB.) Heute abend gegen 6 Uhr ist auch das Begleitflugzeug der Ozeanflieger, die Großmaschine G 31, von Bre­men wieder auf dem hiesigen Flugplatz gelandet.

Einige Offiziere drangen mit Revolvern be­waffnet in die Wohnung des Präsidenten ein und der Leutnant Moraes S a r m e n t o forderte von ihm unter Drohungen seine Demission. Da sich General Carmona zur Wehr setzte, fielen einige Schüsse, wodurch der Sekretär des Finanz­ministers verwundet und der Iustizminister durch einen Streifschuß ganz leicht verletzt wurde. Andere Offiziere versuchten unterdessen die Trup­pen aufzuwiegeln und den Major Filiomeno d a Samara zum Diktator bzw. zum Statthalter des Königs zu proklamieren. Da die aufständi­schen Offiziere geflüchtet waren und die Re­gierung die Tragweite des Putsches nicht über­sehen konnte, zog sie es vor, sich auf den Flug­platz von Amadora zurückzuziehen und dort Trup­pen um sich zu sammeln, um für alle Vorkomm­nisse gewappnet zu sein.

Man behauptet, daß der Bevollmächtigte des Königs, Sr. Rorton, in Lissabon eingetrof­fen sei. Iedoch glaubt man nicht recht, daß

DieE u r o p a" wird a b m o n t i e r t und nach Dessau verladen.

Sturm über bem21 Jantifo.

Berlin, 15.21ug. (Wolff.) Nach soeben hier eingetroffenen amerikanischen Wettermeldungen herrschte auf dem Atlantik schwerer West- sturm der Stärke 11:12.

Der AmtlicheBritischeFunkdienst mel det heute abend, daß wegen der einlaufenden U n - Wettermeldungen in ganz England große Besorgnis über das Schicksal des zweiten deut schen OzeanflugzeugesBremen" geherrscht habe. Heber das Unwetter meldet der Amtliche Funkdienst: In der vergangenen Nacht und im Lause des heuti­gen Tages herrschten in vielen Teilen von England heftige Stürme, die größtenteils von wol­kenbruchartigen Regenfällen begleitet waren. Das Unwetter hat großen Sach­schaden angerichtet. Verschiedene Straßenbahn- und Autobuslinien mußten ihren Betrieb einstellen. In Cumberland war die Eisenbahnlinie zwischen Car­lisle und Applebey infolge Dammrutsches gesperrt, und der Hauptgüterverkeyr nach Schottland mußte umgeleitet werden. Auch an der Südküste wurde durch die schwere See großer Schaden angerichtet. Die Sturmfahrt derBremen."

Dessau, 15. Aug. (Wolff.) Rach den Be­richten der Piloten hat dieBremen" .eins Sturmfahrt hinter sich, wie sie in der Ge­schichte der Luftfahrt geradezu einzigartig dasteht. Am bezeichnendsten ist wohl die Tatsache, daß die Maschine an manchen Stellen nur zwei Meter über dem Erdboden fliegen und Bäume und andere Hinderniffe mit einer gewaltsamen Kraftanstrengung gewissermaßen überspringen mußte. Während der Motor sonst bald nach dem Start gebroffelt zu werden pflegt, mußte er diesmal während des ganzen Fluges unter Vollgas arbeiten. Er hat diese Leistung vollbracht, ohne daß sich irgendein! Schaden gezeigt hätte. Al eher der Rordsee traf die Maschine ein furchtbares Ge­wi tter, das sie zwang, etwas von der Route abzuweichen. Als die Unwetter sich dann heute vormittag immer mehr steigerten, faß­ten die Piloten den Entschluß zur Rückkehr.

Kurz nach der Landung derBreme n" hat der eine der Flieger, Hauptmann a. D. Köhl, dem Berichterstatter derBoss. Ztg." eine kurze Dar- stellung des Fluges gegeben, in der er u. a. sagte: DieBreme n" verließ das deutsche Fest­land ungefähr in Höhe von Norderney und nahm dirett Kurs nach Nordengland, und zwar auf 91 e ro c a ft l e zu. Dort fand das Flugzeug, das zunächst das Glück gehabt hatte, zwischen zwei über dem deutschen Festland und der Nordsee lagern­den Gewitterfronten hindurchzuschlüp­fen, im Norden seiner Route so schweren und d i ch t e n , 91 e b e l, daß es unmöglich war, weiter den beabsichtigten nördlichen Kurs zu verfolgen. Es drehte nach Südwesten ab, und zwar in Richtung Liverpool-Birkenhead, wodurch es über eine Stunde verlor. Bei dem fabelhaft er­leuchteten Birkenhead ging dieBremen" auf die Irische See hinaus und südlich von Jsle of Man auf Dublin zu. In Irland traf dieBremen" g e - naufo schwere Wetter. Nordirland war vom dichtesten Nebel bebeeft, so daß wiederum nach Süden abgebogen werden mußte.

Wir flogen bei diesem hin und her über Ir­land fast nur in 5 bis 10 Meter höt^.

Hauptmann Köhl versuchte nun, an der Süd­küste von Irland entlang auf den Ozean hinaus­zukommen, wo aber so schwerer Gegenwind blies, daß ein Hinausgehen auf den Atlantik sich als völlig zwecklos erwies. Das Flug­zeug versuchte nun, Irland nach Norden zu um ­fliegen; aber auch dieser Verbuch mißlang voll­kommen, worauf beide Flieger sich entschlossen, den Rückflug anzutreten.

Eine jMort nach der Landung in Dessau vor­genommene Untersuchung ergab, daß das Flug­zeug allen Ansprüchen tadellos stand- gehalten hatte. Direktor Sachsenberg von den Junkerswerken äußerte sich dem Berichterstatter gegenüber über den Flug derEuropa" undBre­men", die beiden Maschinen hätten erwiesen, daß sie den ihnen gestellten Anforderungen vollkommen

genügt hätten. Ob es unter den gegenwärtigen Wetteroerhältnissen möglich sein wird, noch einen zweiten Versuch eines Ozeanfluges zu unternehmen, bleibe dahingestellt. Morgen wird eine Unterhaltung zwischen der Direktion der Junkerswerke und den Piloten stattfinden, iji der weitere Entschlüsse gefaßt werden sollen, lieber die: endgültigen Maßnahmen soll in den allernächsten Tagen ein Bericht heraus- g eg eben werden.

Die Flieger werden jetzt zunächst eine gewisse Zeit zum Ausruhen brauchen. Inzwischen wird dieBremen" genau untersucht und der Motor­in allen Einzelheiten Überprüft und überholt wer­den. Die Erfahrungen des Fluges sind für den nächsten Versuch der Ozeanüberquerung zweifellos von erheblichem Wert. Wann er unternommen wird, das hängt von den erwähnten Besprechun­gen und der Äenderung der Wetterlage ab. Die Piloten derBremen" erklären, daß die Bravour, mit der die Maschine diese gewaltige Sturm­fahrt überstanden hat, ihr Vertrauen in das schließliche Gelingen des Unternehmens nur noch verstärken konnte.

Edzard über seine Notlandung.

Bremen, 15. Aug. (Wolff.) Der Ozean­flleger Edzard gewährte einem hiesigen Presse­vertreter ein Interview, in dem er u. a. aus­führte:Zwischen Oldenburg und Emden ge­rieten wir in ein schweres Gewitter. Aln- aufhörlich umzuckten uns Blitze, und schwere Wetterwände schlossen uns ein. Gut 100 Kilo- zmeter nordwestlich Borkum wurde unsere Ma­schine von Gewitterböen furchtbar ge­schüttelt. Plötzlich stellten wir fest, daß auch noch unfer Motor überaus unregelmäßig arbeitete. Ich entschloß mich daher, im Einver­ständnis mit Risticz, schweren Herzens zur Almkehr. Ich habe das Gefühl, richttg gehandelt zu haben, indem ich umkehrte. Ich flog also Bremen an und landete auf dem Flugplatz. Infolge der im Verhältnis zum Leergewicht dreifachen Belastung zerbrach das Fahr­gestell, und der Schwanz des Flugzeuges wurde zusammengdrückt. Rumpf und Ka­bine biteben heil, die Insassen unverletzt. Ich hoffe, den Flug baldigst abermals an­treten zu tonnen. Die Entscheidung darüber liegt bei den Iunkerswerken."

Telegramme an Prof. Junkers.

Dessau, 15. Slug. (WTB.) Professor 3un­ters erhielt von dem amerikanischen Bot­schafter in Berlin folgendes Telegramm:Es tut mir leid zu erfahren, daß Ihre Flieger durch schreckliche Gewitter und Nebel gezwun­gen worden sind, dieBremen" und dieEuropa" wieder nach Deutschland zurückzubringen. Ich gra­tuliere ihnen zu ihrer Geschicklichkeit und guten Führung und hoffe zuversichtlich, daß die Un­wetter bald nachlassen werden, so daß sie ihren Flug wieder aufnehmen können, auf den ganz Amerika wartet. 9JHt freundlichen Grüßen an Sie Schur- m a n."

Der Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd, Geheimrat Stimming, sandte an Professor Junkers nachstehendes Telegramm:Beglück- wünsche Sie zu den Leistungen Ihrer Flug­zeuge. Daß dieBremen" nach 22stiindigem Fluge in schwerem Gewitter unbeschädigt nach Dessau zurückkehren konnte, ist eine Glanz­leistung des Materials und der Besat­zung. Der bei der schlechten Landung derEu­ropa" entstandene Bruch ist in Anbetracht der Um­stände geringfügig zu nennen und hat weder mit den Eigenschaften des Flugzeuges, noch solchen des Bremer Flughafens das geringste zu tun. Schätzen wir uns glücklich, daß die Güte Ihres Materials die großen Vorbehaltungen, Vorbereitungen und die Tüchtigkeit der Besatzung trotz der unerwarteten Wetterkrise Unfälle verhütet haben. Wir wollen aus den gewonnenen Erfahrungen lernen. Grüßey Sie die braven Besatzungen beider Flug- zeuge und seien auch Sie auf das herzlichste gegrüßt. S ti mm i ng."

Berliner BlütLerstimmen.

Berlin, 16. Aug. (Priv.-Tel. des WTB.) Die Berliner Blätter sprechen in ihren Kommentaren zu der Rückkehr derBremen" den kühnen Pi­loten ihre Hochachtung für die hervorragende

Dom Manvel, der jetzt ein schönes und ru­higes Leben in England führt, wirklich Sehnsucht danach verspürt, den ihm entrissenen Thron zu besteigen. Sein Vater, Dom Carlvs, und fein ältester Bruder, Dom Luis Felippe. wurde,: durch Flintenschüsse ermordet, und der Thron der Braganzas ist heute im Lande der ewigen Revo­lutionen wirklich kein Ruhesessel. In den sechs­zehn Iahren seit der Vertreibung des Königs, hat es 40 verschiedene Regierungen und etwa 400 abgesehte Minister gegeben. Erst unter dem Diltator General Carmona schienen die portu­giesischen Verhältnisse wieder stabil zu werden, bis der jetzige Offiziersputsch die Ruhe unter­brach.

Es ist wahrscheinlich, daß der Putsch unterdrückt ist, und so nimmt man ihn in Lissabon nicht tragisch. Alle diese Revolutionen greifen nicht an die Wurzeln des Volksempsindens, man sieht auf sie wie auf ein unvermeidliches Uebel. Natürlich ist eine strenge Pressezensur verhängt, und Telegraph und Telephon

sind gesperrt, so daß man sich über die Entwicklung der Bewegung in der Provinz vorläufig kein rechtes Bild manchen kann. Mer da General Carmona schon einmal bewiesen hat, daß er einen Auf stand nieder­zuwerfen versteht, und da er ein tapferer und energischer Mann ist, so wird es ihm auch diesmal gelingen, Herr der Sage zu bleiben.

Vollkommene Ruhe."

Lissabon, 15. Aug. (WTB.) Fast die ganze letzte Rächt hindurch hat der Minister- r a t getagt, tum über die Durchführung der im Hinblick auf die Alnruhen in Aussicht genom­menen Maßnahmen zu beschließen. Es herrscht vollkommene Ruhe. Die Truppen, die um Lissabon zusammengezogen waren, sollen wahrscheinlich heute zurückgezogen werden. Die Regierung beschloß die Auflösung des 5. Iägerregiments zu Fuß.