Ausgabe 
16.4.1927
 
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Nr. 89 Zweiter Matt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfen)

Samstag, lb- April (927

Max von Baden und die Novemderrevolution.

Aus den Denkwürdigkeiten des letzten kaiferlichen Reichskanzlers.

3uwrftd)t zerbrach: Die find zu den tluffiänbi»

Naumburger

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Beginn, e« muhte

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Schläge dröhnten.

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galen Bahnen bc» Wahlkampfe» zu

Die Situation entwickelt sich reihend schnell zu«

ler ernennt, bann besttht noch eine schmale n fl r b i e Monarchie Vielleicht >, die revolutionären Energien in die le- lenken..

selsel- chrvnte und aus den unbegreiflichen ÄLonfl cuf dem UnflSD'.ncn lauschte: unb t-ann würde et sich auch d.cker Gesichter erinnern müssen, die chn jetzt beinahe ehrfurchtsvoll betrachteten, der Ellern und Grohellern.

T-.c Schläge toaren verhallt. Der Infanl rat die grof.en Äugen aus unb sah die Den- schen um sch nacheinander vrüsend an; seine Lugen funkelten, sein Gesicht war hart und

BevölKerungsbewegungundSterblichKeit in Gießen im Jahre 1926.

I gab, alle» zu tun, um die ver- echizeftig herau »zubringen."

Gleich noch 10 Uhr tarn die Schrectenenachrichl. welche die Grundlage aller Zuversicht zerbrach: Die

l<tr.rf>CTL D e Stunden bauten ihn auf und zer- ftorten chn. Monate umschlossen chn m.t e.lernen Klammern, Jahre und Jahre legten R.ng nach Ling um chn. ein unvermeidliche- Schicksal voll­endete ftch. 54 war nicht auSzudenken, wie ost er diese nächlltchen Zwöll noch erleben, wie er sie immer anders empfinden würde, als gll ch- aU Wend«

Dom KretSgesundhektSamt teilt un« Amtsarzt Dr. Orth mit:

3m Jahre 1926 wurden tn der Stadl ® i c 6 c n von einheimischen Muttern 528 le­bende Kinder geboren, gegenüber 558 im Jahre 1925 (in folgendem sind die entsprechenden Zah­len de« Dorjahre- m Klammern gesetzt-, und zwar 456 ( 484) eheliche und 72 (74) uneheliche. Der in den letzten Jahren zu beobachtende ® t - burtenrüdgang in der Stadt setzte sich allo auch im vergangenen Jahre fort. Aus eine

ses war ein AuShofen. ein Beginn, es muhte jetzt etwa- folgen, damit sich der Anfang

völlige Zerrüttung der Reich»«rwaltuna herbei g> fuhrt. Diese» Bild stand mir mehr ob Anschauung wie in klaren Begriffen vor der Seele, ab ich dein Prinzen meinen Rat

Prinz Max von Vaden, der letzte >anzl,r Ire Kaiferreiche» veröffentlicht soeben In einem mit Unterstützung de» bekannten Mün­chener Historiker» Hermann Dndrn zusam­mengestellten Bande ..Erinnerungen und Dokumente' (Deutsche Verlagsan­stalt Stuttgart) seine Denkwürdigkeiten an bie Wochen des Umsturzes in denen er in der Reich«Hauptstadt an leitender Stelle ge­standen yat. Der solgende Buszug schildert den 9. November 1918:

M.nute nut einet groben D^utllchkeit. dich fie eiiuig durch diesen ungnädigen kleinen Könia in da« Unendliche fortlebten, bah sie nur durch dieses Kind immer wieder auferstehen wurden. In dieser Empfindung fanden sich all.- So ge­schah e». bah sich der ganze Kret« mit Gelich­tern und Blicken enger um den kleinen Dieter

Rcgierung-maschine zu verhindern. ES galt, an Legalität und Kontinuität zu retten. waS noch zu retten war. Der KriegSmtnifter gab ein leuchtende« Beispiel Al« Scheidemann sagte, die Posten de« Kriegsminister« und bei Oberbefehls­haber« in den Marken mühten mit Partei­genossen besetzt werden, erklärte der Ge­neral Scheuch Er bliebe auf seinem P o st e n. Da« Heer stehe am Feind, seine Ver­sorgung müsse geregelt bleiben. Die Mafsenstill- standSverhanblungen feien im Gange, et würde auShareen unbeschadet seiner persönlichen Ueber- Aeugung. e« sei denn, bah er weggesegt wurde. Rach Erfüllung seiner Ausgabe wurde er wieder frei in seinen Sntschliesiungen werden.

Scheidemann lieh seine Bedenken fallen, be­zeichnete c« aber al« nötig, bah zur Garantie nach auf)en ein Sozialdemokrat dem Äriegöminiftcr

Frankfurter Theater.

Berliner Gastspiel im Neuen IHeater.

Bier Abende hinteretnanber dreht sich auf der Beftenbbubnt l'oui» verneuil, . Saruffell". Drei Ikitplicber de» Berliner Deutichen Theater» sind die Gäste. Maria Dr»f a . Johannes Ri«- mann, in der Provinz durch .zohlrochr Filme be­ton nt. und Arthur Schröder. Man könnte diese» Lustspiel .ach Russische Schaukel' nennen, denn was zu hinterst war. dreht sich zu oberft. Dies hat nun nichts mit der Verichieb.-ng loyaler Schichten tu tun. sondern lediglich mit de." Herzen einer sehr raffinierten Frau. Bei Charlotte gibt er fol­gende Gelchöstseinirellung. einen Mann für» Herz und einen fürs nicht minder anspruchsvolle Porte­monnaie. Alles dreht sich nun; zuerst zahlt der eine, und sie liebt den andern, die Sorte spielt verhäng- nisooll dazwischen, der Arme kommt zu Gelb und zu der ehrenvollen Aufgabe, für die Ansprüche Charlottens zu formen, wahrend der bisherige Geld- fleber Courbube wird; Pech an der Sorte, Gluck in der Liebe' Das SaruffeU dreht sich mit lustigem Wortgeklinpel rundum. Die Ausführung war tem­peramentvoll und witzig, obwohl da» ®ieberfel>ai mit Maria Lrsko. dieser fon*t fo faszinierenden Künstlerin, nach der langen Pause ihre- .jernfein» etwas enttäuschte. Gerade in diesem Lustspiel Iahen wir sie vor Jahren merklich sprühender und leben­diger. Johannes Kiernan n und Arth'ur Schrö­der waren die sympathikch flotten Vertreter der bei­den in ihrer Gunst auf und absteigenden Liebhaber. T-as Publikum hatte sichtliche 'reubt an dieser Karusielfahrt und dankte den Gölten mit lebhafte» Beifall. l- W.

tobet 1918 für bie Ankündigung einer Stellvertrr- tung ausgesetzt hatte .Rachdem Ich zu ttr lieber- zeugung gelangt bin. bah Meine Perlon ein Hindernis für da« deutsche Volk xur Örlangung eine« Jreben« bildet, der seinen staatlichrn Be­stand und seine Zukunft nach fo unerhörten Helden- haften Opfern und Leiden sichersiellt. habe Ich Mich entschlossen. von der Regierung zurückzu- treten. Bi« zur Regelung Meiner Aachsolge und einer etwaigen Aegentschast habe Ich. da dieselben Hindernisse in der Person Meine« ältesten Sohne«. Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit de« Kronprinzen de« Deutschen Reiche« und von Preusien. vorliegen Meinen »weiten Sohn. Seine Königliche Hoheit den Prinzen Eitel Friedrich von Preusien mit Metner Stellvertretung in der Führung der RegicrungS- geschäfte beaus tragt."

Die Zusammensetzung der neuen Regierung wurde erörtert. Ich gab den Staatssekretären zu bedenken, ob sie nicht ih Entschlusi zum Rücktritt revidieren wollten; denn ich war von der Aotwendigleit durchdrungen, unter allen Umständen den Zusammenbruch der

güit-.gcn Schlag, al« neuen Tag. al« Wende. Er würde ent llhr ungewisier Gestalt betrach­ten. er würde sel.g oder seufzend sagen, schon wieder zwölf!, er würde vielleicht i» einem groben Augenblick auch bai Fettster öffnen und den Schlag ent« Kirchturm« zählen und e« war n.cht unwahrlchcinlich. dah er sich auch, dieser kindlichen Erschütterung bann einmal flüchtig er­innern würde, w.e er auf der Lehne de« Kluo-

schen überaegangen.

Ich »ob dle Rachrtcht nach epa weiter, ebenso wie bie nachfolgenden sich hausenden Dielbunarn über D<r|agrnbr und meuternde Truppen Ich for­derte bie Entscheidung und habe logen lassen, es handele sich nicht um Stunden, sondern um Mi­nuten.

Koch 11 Uhr lauteten die Nachrichten bestimmter; bie für mich matzgebenden Telephonmeldungen waren:

Die Angelegenheit sei setzt sachlich entschieden; sie seien setzt bei der Formulierung. Der Kaiser habe sich zur Abdankung entschlossen. Wir wurden In einer halben Stunde die Formulierung erhalten.

Ich verständigte mich mit Simon». .Hhr Gedanke von gestern ist richtig. Ebert ist in dieser Situa- lion Der einzig mögliche Re 1 ch »kanz - ter."

Ich sagte mir Die Revolution ist im Begriff, siegreich zu sein; wir können sie nicht niederschlagen, vielleicht aber ersticken. Jetzt herau » mit der Abdankung, mit der Berufung Ebert», mit dem Appell an da» Volk, durch die verfassimgegebendc Nationalversammlung seine eigene Staat»sarm zu bestimmen. Wird Ebert mir al» volkstribun von der Strafte prifenhert, dann kommt die Republik ist e» Liebknecht, auch der Boljchewismu». Aber wenn der abdankende Kaiser Ebert zum Reichskanz-

früheren Mitarbeitern wiederholt

richtet worben. Ich erwiderte Herrn 9bm: .Ich weist, dast Sie im Begriff sind, mit den Unabhän­gigen ein 2lbkvmmen zu treffen, und mit den Un­abhängigen kann ich nicht zusammen arbeiten.* An der Tür wandte ich mich noch einmal zurück: .Herr Ebert, ich lege Ihnen da« Deutsche Reich an« HerzI' Er antwortete: .Ich habe zwei Söhne für diese« Reich verloren.*

0.2 9G acn tuui uue u.cnr

w ochsen en den einzigen Dun'ch. von dem Kinde beobachtet zu werben, denn sie wollten in dreien erschütterten Augenblick feine« Leben« mit ein­begriffen sein. Vie erkannten in dieser stellen

Die Eltern betrachteten seine Haltung mit einem Staunen, an dem sie die Alten te.lnehmen heben Man begriff, wa« diese abweisende Ma- jestät plötzlich so tief erschütterte h er trat zum erstenmal in fein Leben ein ferner Klang, bellen Ursprung er n.cht erraten konnte. Disher hatte er Ursache und Wirkung verbinden können hter aber drang ein Ton au« einer unbegreif­lichen in feine faßbareSeit. Da« Kinde»tier erwachte und wurde Mensch, es wollte n.cht länger nur wissen und sehen e« war geneigt, auch zu ahnen und zu glauben; e« Helt bie Augen geschlossen, seine verlchwommencn Zuge waren grübelnb*unb hart geworden, und wäh­lend c« noch überlegte, woher da« Dröhnen der Sa-läge komme, war tfc von ihnen auch schon überwältigt. Da« dumpfe Kind war. für zwölf ®lodenf<6Läge, zum Menschen aufgewacht.

Die Erwachsenen blickten auf ihn. Alle emp­fanden he da» gleiche. Sie sahen diesen kleinen Baum m verschwommenen Umrissen empor-

btängte.

Aber der hatte schon wieder seine abwe.senke Miene aufgesetzt und barg da« Geheimni« hicsee österlich.n Aachtstunde hart und verichkvssen in sich Sie blickten ihm alle nach, wie ihn bie 3&uttcr hoch und tr umphierend au« dem Zimmer trug, und schw egen. von der Une-rgründlichkelt

Leben« ergriffen und bedrückt

b<«gegeben werde £tt OeirtU Sch uch erklärte sich.-inverstand'-i. jnn benannte den Ld-

irortneten Göhre Ich räumte H<rrn Edert da« Biblirthekzinmer ein für fette Ikrbanblungen. 9t Itatte bie Führer der Unabhängrgen zu sich be­teilt; Haafe war roch nicht au» Riet zurück die Abgeordneten Sohn- Aordhau en D lt» mann und BogIherr batten sich engefun- den Obtrt entlieh dann d e Abgeor' ten mit einer lehr kurzen Frtst für die Abgabe ihrer Erklärung unb fuhr in da« Artchötag-gebäude zurück wo bie sozialdemokratische Parteileitung zusammengetreten maf-

Da trat um 2 Uhr n ntttao* bte Rachr'.cht ein. Scheidern a nn hebe von der Rampe be« Reichstag« die Republik auSgerusen.

Da« wäre im Munde eine« Unabhängigen keine i nwiderru'liche Proklamation ,'ewefen bie Unabhängigen heften leit Monaten bie lou.rfe Republik hoch leben D e Erklärung de» Siaat«- fekctäri* aber band seine Partei Scheibe­mann führte den letzten Stost gegen bie Monarchie

Ich habe später erkbren. hab C Hbemann ben Au«ru> S» l*be d.e Repvlik! zunächst nur al« ein grunb'änhdx« 3rfntninU zu feiner Partcidoktrin gemeint hat. ohne die 2l icht. ben unmittelbaren Gang ber Ereignisse zu beein­flussen

Ebert kehrte in bie Reichskanzlei zurück, um feine Verhandlungen über bte Regierung«- bilbunq fvrtzuluhren Er war immer noch bemüht, den organtlchen Zusammenhang mit der2kr- gangengeit nicht zu lösen Landsbera und Scheidcmann gedachte er al« Staats'ekreiäre zu berufen, die bi «her gen Staatssekretäre aber wollte er bitten ihre Aemter vorläufig weiter zu fuhren. Hausimann wurde erfucht. es dauernd tu tun Er erwiderte, die Antwort daraus werde leine Fraktion erteilen. Ebert bat ihn in jebem Fall an der ersten Proklamation mitzuwirken htlse entstanden zwei Ausrufe. 3n dem ersten verkündete Sbcrt die Uebernahme der Kanzl r- schall. Der zweite richte:» sich an die Kräfte der Ordnung, die den Staat vor dem Zerfall lchützen sollte. .An alle Dcdorden und Beamten!"

Zwischen 5 und 6 Uhr ging ich zuLett, um Abschied von ihm zu nehmen. Ebert lage zu mir: .Ich bitte Sie dringend, zu bleiben Ich fragte: .Zu welchem Zweck?" Ebert: .Ich möchte, dast Sie a l « A e i ch « v e r w e s er

Bitte war in den lFtzten Stunden von meinen

fein und Gemeinschaftsgefühl nähere; die Eltern wusitcn zahlreiche Beispiele au» der Kinder- ftubc anzuführen, dast ihr Knäblcin wirtlich noch in dem dunklen Strudel eine« triebhaften Da­fein« dahintreide. mancherlei vielleicht verstehe, wengie« aber erst au«brüden könne, und dast sein augendllcklicher Zustand einer dumpfen, aber immer bereiten Ruhe gliche, au« welcher er knurrend unb gereizt nur auffährt, wenn man e« wage, chn hart anzurühren oder sich an seinem Zeug zu vergreifen

Diese Schllderung der kleinen. letzt auf bet Lehne eine« Klubsessel» thronenden und von den grosten mütterlichen Händen gestützten Ma­jestät erweckte immerhin einige Ehrfurcht unb der Grostvater mühte sich, den ungnädigen König zu unterkalten, indem er ganz kindlich unb al­bern läch i:c unb an sein Bowlengla« klopfte in der Hoffnung, bie Zuneigung be« Tyrannen durch solche» Kllngklang zu erwerben

Kaum, dast diese« einige Augenblicke ge­lang; sogleich hatte bet Infant ben Ursprung der Töne unb de« Alten SSiel durchschaut, et blickte abweisend und fast feindselig auf diese« kindische Beginnen unb fein strenger Blick drückte die Sortierung au«, man möge chn für kein un­wissende« De'en hallen

Stärker schwel ba« Wehen ber osternacht durch ba» offene Fenster; man hüllte ihn in feinen weihen Mantel unb et thronte.

müttcri-.dxn Händen gestützt, auf ber Lehne be« Klubsessels: eine kleine unwilliae Majestät.

Indem begab es sich, dast Die nahe Kirchen- uhr de« Stättchen« sich zur Mitternacht bereitete, s.e hakte einmal stark ein. raffelte, surrte schnarrte ber neue Xag kündete sich an

Jetzt beginnt Ostern, sprach jemand in dir Stille be« Augenblick«. Der Seine Infant aber wat von einet erstarrten Erschütterung ergriffen worden Sr hatte diese« Staffeln. 6-irren unb Schnarren wahrgenommen er

Um die zwölfte Stunde war die WTB.-Depesche über die A bba n k u n g de» S als er c in den Stroben Berlin» bekannt, gast pleichzettig wurde mir eine Abordnung ber Sozialdemokratischen Partei gemeldet. Sie wurde von Ebert geführt. Scheidemann unb andere ParteigeNosien, darunter Heinrich Schulz unb Brolat, gehörten ihr an Ich empfing die fyrun in Gegenwart be» Vizekanzler», der SaiatilrtrrtQ golf. Graf Noebern. Haußmann und be» Botschafters Gras Bernstorfs Simon» trat bald hinzu. Er war im Rrich»amt de» Innern ge- wesen, um bie Frage Regentschaft oder Stellvertretung verfoslungsrechtlich zu klären.

Herr Ebert begann: ..DarnU die Ruhe und Ordnung gewahrt werden, haben unsere Parteige- neffen un» beauftragt, dem f)erm Reichskanzler zu erklären, dast mir e» zur Vermeidung von Blutoer- gtesten für unbedingt erforderlich haften, dast die Re- rungsgewalt an Männer übergeht, die ba» volle vertrauen be» Volke» besitzen. Wir ballen e» be»- halb für notig, dast ba» Ärnt des Reichskanzler» und das des Dbertommanbierenben in ben Marken durch Vertrauensmänner unserer Partei besetzt wird. Wir haben in dieser Sache sowohl unsere Partei al» auch die Partei ber Un- abhängigen Sozialdemokraten geschlossen hinter un». Auch die Truppen sind |ür un» gewonnen. Ob bie Unabhängigen in bie neue Regierung eintrelcn wol­len. darüber finb sie sich noch nicht einig; fall» sie sich dazu entschliesten, inüflen wir wünschen unb ver- langen, bah sie ausgenommen werben. Dir haben auch nicht» gegen bie Ausnahme von Vertretern der bürgerlichen Richtung; nur mühten wir bie ausge- sproch-ne Mehrheit in der Regierung behalten. Darüber wäre noch zu verhandeln."

Ich erinnerte Herrn Scheidemann kurz an seine Eigenschaft al« Staat«sekrrtär. Gr er- klärte, dast er sich nicht mehr al« Mitglied der Regierung betrachte.

Ich erklärte Herrn Ebert: »Ich habe dem Kaiser bereit« vorgeschlagen, dast im Reichstag ein Gesetzentwurf vorgelegt wird, ber bie OB a h- 1 en zu einer verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung au«- schreibt. Diese Versammlung würde dann ent­scheiden. wie Deutschland künftig regiert werden soll. " Sbert: »Mil dem Gedanken dieser Aational- versammlung könnten wir un« einverstanden er­klären."

Ich zog mich mit den anwesenden Staat«- sekretären und Gras Vernstorss zurück, um die endgültige Antwort zu beraten, die Herr Ebert erhalten sollte. Al« ich meinen Sntfchlust mtt- teilte. Herrn Ebert das Amt be« Reichskanzler« zu übertragen, erfolgte von keiner Seite Ein­spruch Edcrl und die übrigen Mitglieder der Abordnung wurden hereingerufen. Ich fragte ihn, ob er bereit sei. den Posten de« Reichskanz­ler - anzunehmen.

Ebert antwortete _E« ist ein schwere« Amt. aber ich werde e« übernehmen.'

Der Staat«sekretär de« Auswärtigen richtete alsdann die Frage an ihn: »Sind Sie bereit, die Regierung innerhalb der Dersasfung zu führen?" ____________

durchschnittliche Einwohnerzahl von 33 000 Om- wohnern berechnet kommen 16 Geburten auf je tausend Etnwobner (16,9). Etnschttrstlich der in der Frauenllintk unb den andern Kran« fenanftalien geborenen Kinder vrte'remte Müt­ter lürr.en in Diesten im Berichtsjahr i.n ganzen 1032 (1032/ Kinder zur Welt Lotgeboren sind im ganzen 39 (39). darunter 27 ( 22) Kinder ortsfremder Mütter Davon entfallen aus Gie- ticner Mütter 7 (13) eheliche unb 5 (4) un­eheliche Totgeburten.

Ostern um ein Kind.

Bon Peter Warmund.

DaS junge Ehepaar ist nach gern geübter Gewohnheit zu ben Eltern auf österlichen Besuch gekommen. Man hatte s.ch ein Jahr nicht ge­sehen unb blieb noch lange in d e Rächt hinein zusammen, der Dech'ellälle ber vergangenen Monate gebenkend. Freude unb Trübsal gegen- einanber abmägenb Chcrlanuta^ war e«: durch bie Schwärze beS geöffneten .-lenster« trat »arm und wehend der Atem deS Frühlings

AuS einem entfernten Zimmer quarrte in eine GesprächSpaule eine ungewöhnliche Unter­brechung Wan blickte sich an unb lächelte ver- SändniSvvU. da« war Dieter, bet jungen Ehe­leute Söhnchen, da« frühzeitig mS Bett gesteckt nun in einer unbekannten »mfamleit aufgewach: »ar und sich vor ber Dunkelheit fürchtete. Blutter- liche Bersuche da« winzige We'en zu beruh gen. erwiesen sich sogleich al» erfolglos unb wollten bie Eltern nicht ber kindlichen Tyrannei nach- geben und da« Schlafzimmer auftuchen aber dazu bestand, schon auS einer berri4>en: O^o- sition. keinerlei Reigung so blieb nichts an- bete« als den Buben au« der Derlasfenheit seine« Lager« in bie Ge'ellfchaft der Erwachfenen tu bringen. Soll er. lächelte man voll Milde unb Wohlwollen, doch ben Anbruch be« Ostersonntag« mitfeiem!

Solche« wurde mit dem überheblichen Lächeln der «F1 rt>fcni vorgeschlagen, bie sich durch eine Bowle unb übereinstimmende« Geplauder m wefts.chere Stimmung versetzt haben; denn e» war ja selbstverständlich, dast der Heine Pr.:^ ben seine Mutter jetzt hoch und triumphierend herantrug, sich noch keineswegs mit menschlichem Verständnis an ben Dingen unb Kuständen be« Leben« beteiligen könne. E« war .1 .*« in diesem Kindergesicht noch früh, vorweftlich unb erst durch unentwickelte Formen angebeut et: einzig die Augen waren schon unendlich groß und rnen'chen- ähmich unb funleUen, nachdem fie sich an bie Helle be« Zimmer« gewöhnt hatten wie bte eine« Infanten, den Deiaegue^ gemaü hat.

Da« wurde übereinstimmend feftgcuelu. im übrigen aber die scharfsinnige Drobachtung ge- macht, bah ba« kleine Wesen, da« allfogleich den Ostertag miterleben sollte, sich noch in dem be­klagenswerten Zustande eine« öeinrn -tiere« be­fände, ba« sich ber Gesellschaft ohne Bemüht-

möglich wat, oder od durch bluttae Revo­lution bte Gewalt an die Spartakisten gehen wurde. Im letzteren Falle wäre nicht nur die Monarchie, sondern auch do» Heer verloren gewesen, besten Bestand von brr Zufuhr au» ber Heimat ad- hin g. Rur inbem bie Veam:en«choft be» allen Reich» sich Eben tur Verfügung stellte, war ba» Heer zu retten und S d e r t war. wte ich n>uMt. kein grundsätzlicher Gegner der Monar­ch I e. Der Uebergang an bie Spartakisten baue nicht nur eine Revolution i U Moskau, sondern auch die

Er vollendete sich. Die _ . _

Der Infant zuckte beim ersten leise zusammen, beim zweiten regte sich seine Beine $>anb. Krim dritten raffte er sich zu einer sonderbaren Ge- sahcheit, beim vierten streckte er den Zeigefinger vor. beim fünften unb sechsten erhob er feinen Arm langsam gegen fein Ohr. Er lauschte. Die Schläge hallten fort.

gunsten ber Reoolutionäre

Bei ben Militärbehörden liegen bestätigende Rachnchtei, vor über da» Meutern der Truppen. Sie weigern sich, gegen ba» Bott vorzugehen. Da» Bet- spiel der sterniruppe wird die Garnison mitreihen da» war sosort bie Auffassung, bie sich alsbald bestätigt.: Schlag auf Schlag ireffen Meldungen ein über die Gehorsamiverlv.igeruna anderer Truppen­teile (Rordreseroe. Jüterboger Artillerie), verschie- bene Formationen verdandcln mit ben Mchrheits loziaftsten unb wollen sich dem Volk zur Verfügung stellen. _ . .

'2Uir versuchten einmal über ba» anbere, den staifer zu erreichen. Ein Telephon In ber Villa Kraineuse war abgehängt, da» andere besetzt. Ich Iah mich vor die Wahl gestellt, entweder abzuwar- ten unb nichts zu tun. oder auf -'S/ne Der- antwortung zu handeln. Ich wusite, dast ich lonncU nicht berechtigt war. ohne Einverständnis- erklarung des Äaijtrv die veröjfentlichung vorzu- nehmen «ber ich hielt e» für meine Pflicht, den mir al» feststehend mitgetcilten Entschluh de» Kaisers dekanntzugeben. so lange er nach einen toinn b-dlc. «uher mit Simons sprach ich mit niemanden über mein Vorhaben. Er riet dringend, sich über formale Bedenken hmwegzusetzkn. In diesem «ugenblitf. wo e» vielleicht noch möglich roäre, die Monarchie zu ^^"Reichsgerichtüpräsident Simon» hm sich später über die damaligen Beweggründe folgenbrnnahcn fleduhert: ..Cs handelte sich für mich um bie Cnt- scheibung. ob aut gewaltlose m W e g e der Uedergang der Reichvfeitung tt^die^Hande^Cbert»

Ebert bejahte. Sols fragte zum vveitenmal. .Auch timrrbalb der monarchischen Ver­fassung^"

Ebert« Amwvrt war .Gestern hätte ich diese Frage unbedingt bejaht, heute must ich mich erst mit meinen Freunden beraten."

Hieraus erklärte ich .Run mülfen wir die

ist zu spät." Hinter ihm wiederholte der Lhor seiner Parteigenossen .Zu spät, zu spät!"

Ich durchlebe diele Stuiiden immer wieder aus« neue und sage mir Die ander» wäre die Freiheit meine» Handeln« gewesen, wenn ich aus da« .Zu spät" brr Sozialdemokraten hätte ant- Worten können .Der Kailcr hat einen S.cL'.'cr- tret er ernannt." Da« war die einzige Lblung. die geeignet war. rasch eine vollendete T-atfache zu

Dährenb der Drucklegung kommt mir ein Ent­wurf wieder vor Augen, ben ttnterstaatSsetretär L e w a l d vom ReichSaml brt Innern am 31. Of-