Märtyrer der Liebe.
Roman von 2. Schneide--Förstl.
25 Fortsetzung Nachdruck verboten
„Mensch!" — schrie Reichmann und schüttelte ihn roh am Arm.
„Es ging nicht anders. Herr Doktor. Bei Rächt '.äuscht die Entfernung," fügte dieser ohne Erregung. .Und dann — die Wegbäume standen ollen — Leide.' Das hot mich irregeführt."
Reichmann lehnte sich wieder zurück. Der Mann hatte recht. Ihn traf kein Verschulden Einige Mi- nuten später stoppte der Chausseur so unvermittelt, daß der Doktor beinahe aus dem Wagen geschleudert wurde. An der Straßenböschung, die Füße nach der Chaussee gekehrt, lag ein Mann Das Warum der offenen Strecke erklärte sich nun. Der Bahnwärter, welcher diese zu bedienen hatte, war vom Blitze gestreift worden und aus seinem Standort der hoch oben am Bahnkörper thronte, herabgeschleuden worden. Reichmann untersuchte ihn. Er begann sich zu regen. Sah sich um und sand sich gleich darauf zurecht. Der Doktor rieb ihm die Schläfe, gab ihm aus der mitgenommenen Weinflasche zu trinken und hall ihm, während der Chauffeur am Wagen blieb, wieder die Böschung hinauf. Der Dank des alten Mannes war überschwenglich.
Nun noch einmal einen solchen Aufenthalt wie hier und an der Grenze, bann bekam man unmöglich vor drei Uhr Prag zu sehen. Reichmann begann nervös zu werden.
Aber es gab keinen Zwischenfall mehr. Der Wagen lief brav, ohne jede Panne. Auch das Unwetter hatte sich ausgetobt. Das Knattern und Dröhnen verstummte. Nur mehr ein fernes Wetterleuchten zuckte hin und wieder am Westhimmel auf.
Nach zwei Stunden schweigender Fahrt legte sich ostwärts ein matthelles Band um den Horizont. — Prag sandte seine Lichter empor. Noch war nichts zu unterscheiden. Aber jede Umdrehung der Räder verminderte die Kilometerzahl. Dann rauchten glänzende Punkte auf, mehrten sich, bildeten eine Kette, die ersten Villen stießen bis dicht an den Fahrweg. Das holpernde Pflaster der Iosephsstadt machte schütteln. Dann glitten die Gummireifen über die Karlsbrücke mit ihren Bogen, Standbildern und
Heiligengruppen, hinüber nach der Kleinfeite auf dem linken Ufer der Moldau.
„Halten Sie!" Reichmann legre jemem Chauffeur die Hand auf den Arm. „Steigen sie mol aus und fragen Tie nach dem Palasthorel.'
Der junge Mann kam nach wenigen Minuten ziemlich erregt zurück. „Kein Mensch will mir Antwort geben. Herr Doktor. Hier kann anscheinend niemand Deutsch."
Reichmann lachte belustigt auf. „Probieren Sie's auf tschechisch."
„Das kann ich nicht.
Der Doktor stieg mir schweren Beinen aus. Er horte sich rasch eingelaufen und ging geradewegs auf einen Herrn zu, der in die Brücke einbog. Frage und Antwort klappten radellos höflich
„Nun wird's doch endlich etwas werden" dachte Reichmann mit kribbelnden Nerven. Don der Sr. rtaurenzokirche. die auf dem höchsten Punkt der Kleinseire thronte donnerten erst vier helle, dann zwei weithallende, dumpfe Schläge. Der Dom auf dem Hradschin gab die Bestätigung der Richtigkeit der Zeit. Fast ohne Ruck, in eleganter Kurve ein- biegend. hielt das Auto vor dem Palace Hotel
„Bleiben Sie hier am Wagen." befahl der Dok- ror. „Ich schicke Ihnen ein warmes Frühstück heraus."
Der Chauffeur griff bejahend an die Leder» mütze. Dann klappten die Windfänger des Hotels hinter Reichmann zusammen. Eine laue, parfüm- geschwängerre Luft schlug ihm entgegen. Musikklänge schmeichelten sich ins Ohr. Lachen und Plaudern 'chwirrte durcheinander. Unter dem Grün der Palmen, die wintergartenartig die große Halle belebten, staild eine Gruppe von Herren, die ihn ungeniert musterten. Reichmann gab zornblitzend den Blick zurück und hielt einen Boy, der eben die teppichbelegte Haupttreppe hinaufspringen wollte, test.
Das schlanke, pagcnartig gekleidete Bürschchen schüttelte verständnislos den Kopf. „Kein Deutsch!" tagte der Junge etwas von oben herab
„Ganz richtig", dachte Reichmann. „Warum foll's mir besser gehen als meinem Wagenlenker." Er wiederholte die Frage auf tschechisch, tat sogar noch ein übriges und druckte ihm ein Geldstück in die Hand.
„Sofort, mein Herr!" war die rasche Antwort.
Verblüfft sah ihm der Doktor nach. „Verfluchter Bengel! — Für zehn Kronen kann er Deutsch!"
Kaum hotte er es sich in einem Klubstuhl bequem gemacht, lieh das Rauschen von seidenen ^rauenge- wändern ihn umsehen Eine Wolke von Fliederdusi schwang sich zu ihm
„Das ist ia ein herrlicher Einfall von dir, mich hier aufzusuchen", rief Nella und streckte ihm die Rechte zum Kusse entgegen. Aber er ließ sie noch kühlem Drucke wieder sollen. Seine Brauen wölbten sich drohend über den blanken Augen Er hatte be- merki. wie die Gruppe der Herren lüstern nach ihm und Nella herüberspähle.
„Annemarie ist krank,' sagte er halblaut, „es ist notwendig, daß du heimkommst!"
„Ach, deswegen", meinte sie gedehnt. „Ich bitte dich, was soll ich auch noch zu Hause! Ich kann ja doch nichts helfen. Mein Mann ist ohnedies da. Zuviel Menschen in einem Krankenzimmer sind niemals wünschenswert."
„Du wirst mitfommen!" stieß er unbedachtsam laut hervor
„Gut! Ich will iehen ob ich den Schnellzug noch erreiche!"
„Ich bin un Kraftwagen gekommen, dich zu holen! Mach' rasch'" befahl er.
eie empfand Furcht vor leinem Blick seinem Ton und dem Herrischen seines Wesens.
„Ich habe dem Grafen Chertek noch eine Tour Foxtrott versprochen", wandte sie trotzdem wenn auch etwas verschüchtert, ein
Er sah sie nur an.
Sie begriff, es war für den Augenblick nicht zu spaßen mit ihm. Lässig winkte sie einen Diener herbei und ersuchte ihn um ihre Garderobe. Reichmann überließ die Sorge, sie in Mantel und Pelz zu hüllen, _gana dem Bediensteten. Er selbst rührte keinen Finger dabei.
„Hast du Kronen, Georg?"
„Jo", sagte er barsch.
„Bitte, gib das Trinkgeld für mich."
^Wieviel?"
Sie zuckte die Achseln. Er gab nach Gutdünken! Es mußte a'ber reichlich gewesen sein, denn die Flügeltüren öffneten sich angelweik als das Paar aus der Halle schritt.
Gras Chertek kam einen Augenblick später aus dem Oberstock ins Vestibül herabgesprungen.
,^hol niemand meine schöne Tänzerin geiehen? Sie ist mir durchgewischt!"
„Donk deinem Schöpfer", lochte der Jüngste aus der Herrengruppe. „Ihr Mann hot sie geholt. Donnerwetter! Der hätte dich mit dem kleinen Finger in die Luft gehoben. Weißt du, wie sie sich vor ihn, gekuscht hoi. Kein Wort der Gegenrede. Ach, die Weiber! Je derber man sie anfaßt, desto anhäng, 'kicher sind sie und . .
Er sprach den Satz nicht fertig. Reichnionns Hünengestalt schob sich noch einmal durch den Windsänger „Das ist er!" tuschelte man Chertek zu. Den juckte das junge, übermütige Blut und der Sekt und bas genossette Diner. Er trat auf den Doktor ZU „Empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlin' Sie hat mir . .
Ein Blick, von oben noch unten gleitend, schnitt jeöes Wort ab.
„Verschlasen Sie erst Ihren Kaier", sagte 9er Doktor grob. Ein deutsches Schimpfwort prallte hinterdrein. Rellas vergessene Tasche an sich nch- menb, schritt er dem Ausgang zu.
Ein wieherndes Gelächter ergoß sich gleich dar auf in Cherteks Ohr. „Brüdertein, das roar'obenbrcm ein Deutscher. Köstlich! Was werden wir nicht alles noch erleben in der Slowakei!"
„Tschechoslowakei'" lallte ein dicker, angebundener Junggeselle. —
..Ist zu lang!" warf Chertek dagegen. „Die Frau des deutschen Hünen soll leben! — Prost'"
Während er das Glas eines seiner Klubfreunde bis zum letzten Tropfen leerte, huschelte sich Nella in der rechten Ecke des Dagenfonds kuschelnd zu- - jammen. Es war so angenehm gewesen droben im großen Festsaal des Palasthotels, und in Graf Cher- teks Arm. und nun diese Kalte! Das Gewitter hatte ordentlich abgefrischt.
„Mich friert!" klagte sie verärgert zu Reichmann, der eben Öen Schlag zukkappte und die Handschuhe abftreifte.
„Mich auch!" sagte er lakonisch
Mehr sprachen sie nicht. Jedes saß mit zusammen- gekniffenen Lippen in seiner Ecke. In Reichmann regte sich das Gefühl des Kavaliers. Ohne etwas zu sagen, erhob er sich, hüllte ihre Füße in die von Renkell milgegebenen Decken und breitete seinen Mantel über ihre Knie. ..Frierst du noch""
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