Nr. 65 Zweites Blatt
Bessarabien.
Vergangenheit unb Gegenwart, Land und Doll. Don Dr. 2L Gaorielowitsch
Deffaraoien, daS ncuerdingS wieder durch die Ratifizierung des Rumänienaokommens von teilen Italiens m den Brennpunkt de- politifdcn 3n:er- efses getreten ist. ist m jeder Hinsicht eines der bedeutsamsten Gebiete Südeuropas. Schon in der Geschichte tritt es als solches hervor und zwar von den ältesten Zeiten an bis zur Gegenwart. Selten kann man in der Tat ein anderes ' Land nennen, da- sich in Mannigfaltigkeit der Landschaft und deS Volkstums. der Rassen und Sprachen, Sitten, Gebräuche und historischen Ge- schicke mit Bessarabien vergleichen liehe.
Schon in der ältesten Zeit war Bessarabien, dieses Landgebiet am südosteuropöischen User des Pontu- Euxinus, im Gegensatz zu den meisten Ländern Europas, eine gut broölune und teilweise auch kultivierte Gegend. Die Urbewohner des Landes waren die nomadisierenden und barbarischen Skythen, die Vorfahren der Slawen. Diele, noch bis zum heutigen Lage in Bessarabien erhaltene Grabhügel stellen lebende Denkmäler jener uraltem skytbischen Periode der bessara- bischen Dergangenheit dar. Weiter hatten die mittelländischen Kultur- und Handelsvölker teS Altertums: die Phönizier und Die Griechen, auch am Rorduser dcS Schwarzen Meeres, also im heutigen Bessarabien, zahlreiche Kolonien gegründet. Schon im sechsten vorchristlichen Jahrhundert stand z. B. an dem Orte, wo die heutige bessarabische Stadt Ackermann unweit von Odessa liegt, eine phönizische Siedelung namens Osiuso. Auch HerodoiuS erwähnt daselbst griechische Kolonien. die mit dem Mutterlande Handel trieben. 3m vierten vorchristlichen Jahrhundert lebten dort die Dazier, die sich mit den Galliern in ständigen Kämpfen befanden. Am Anfang des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung wurde Bessarabien von den Römern besetzt und zu chrer Provinz Dacium gemacht. Bald darauf gründeten dort die römischen Kolonisten ihre cicMungen; sie waren eben die Dorsahren der heutigen Rumänen. die auch ihren Ramen von chnen her- feiten. Aber schon vom 3. Jahrhundert an wurde Bessarabien zum Schauplatz grober Völkerwande- tungcn; Goten und Hunnen. Bulgaren unb Slawen. Awaren und noch viele andere nomadisierende Dollsstämme folgten einander auf bessarabifchem Boden und bekämpften sich gegenseitig. Als letzter der Rcnnadenstämme waren es die Mong. len. die im 13. Jahrhundert ähnlich t"’*' "'cd garje Osteuropa, so auch das untere Sonaujcbiet übe.schwemm en.
dcmscloen ^,ay. ,-ur.oert traten in Bessa- tarnen die Genueser auf. 3n die Fußtapfen der Phönizier und der Griechen tretend, gründeten sie dort ihre Kolonien. 3n der gleichen Periode fingen auch die Rachkommen der römischen Kolonisten an. sich zusammenzuschließen und in den Fluhrälern zu konzentrieren. Sie gründeten nunmehr in Bes arabien sowohl als auch in der westlich von ihm liegenden Gegend eine Anzahl von sogenannten Banaten, b. h. Fürstentümern. Eines der letzteren war auch die B a s s a r a 6 a, d. i. das heutige 'Bessarabien. Alle diese Banate einigten sich und bildeten im 14. Jahrhundert den moldauischen Staat; er wurde un 16. Jahrhundert von den Türken erobert. Diese letzteren gründeten dort einige Festungen und Burgen, die noch heute chre allen Ramen tragen: JSmaila, Dender u. a. 1812 siel Bessarabien unter die Herrschaft der Russen, Diese nahmen den alten Ramen des Gebietes. Bessarabien, wieder auf unb bildeten das bessarabische Gou- Jcrncment im russischen Reiche. Rach dem Zu- lammenbruche des Zarenreiches wurde Dessara- oien 1918 von Rußland abgetrennt und in den Nahmen Groß-Rumäniens ausgenommen. Es ist jedoch noch heule ein akutes Streitobjekt zwischen Rumänien und Rußland.
Bessarabien stellt eine geographische Einheit bar. ES liegt zwischen dem Dnjestr und dem Donaunebensluß Pruth. Im entferntesten Rordwesten hat eS im ganzen 20 b s 25 Kilometer Breite, während eS im Südosten 150 bis 200 Kilometer sind. Die alte russisch-rumänische Grenze bildete der Fluß Pruth. während die jetzige Grenze der Dnjestr ist. Bessarabien hat 45 629 Quadratkilometer Flächen'nhalt und zahlt etwa 3 Millionen Einwohner. Im Rordwesten
Der Unglücfcs^maragb der Romanows.
Don Dr. H. von Rosen.
In den sürstlichen Schatzkammern der ganzen Welt gab es von jeher große Mengen herrlicher Kostbarkeiten-. in Europa freilich nicht in der Fülle, wie in i>cn prunlliebenbcn Despotien des Orients Aber in >rn noch monarchisch gebliebenen Staaten Europas lenn man auch beule noch in den Krönungsdiademen L' btr Königinnen von England, Spanien, Italien und Belgien herrliche Kronjuwelcn bewundern. Reich an herrlichen Edelsteinen war bis 1917 der glänzende russische Zarenhof. Berühmt war in dieser Schah- lammet unter anderem der 1842 im Ural entdeckte, nach Alexander II. benannte Alcxandnt, der. ein- . dg in seiner Art, wunderbar in grünem und rotem Ächte erstiahlte. Auch herrliche Smaragde gab es | hort, die ßch bekanntlich, abgesehen von Südamerika, tast nut im Ural finden.
Mit dem gröhlen und schönsten dieser Smaragde ist eine Legende verknüpft, die die Schicksale des Herrschergeschlechtes der 'Romanows im Vaufe von brei Jahrhunderten in einem Bilde von zuletzt er- 'chütlernder Tragik enthüllt. Ihren Uribrung ver- egt diese Legende in den Beginn des 17. Jahr- »inderts, als der tatarische Fürst Boris Godunow >m Thron von Moskau ufurpiert halte.
Godunow batte als Tbronptätendenten besonder die drei Bruder Feodor, Joan und Rikita Roma- nvw zu fürchten. Der jüngste der Brüder. Rikita, her dem schönen Gesch echt sehr ergeben war. hatte sich zu jener Zeit in die ichönc Tochter des reichen Salarenfürften Buluk-Ehan verliebt. Es entspann sich ein Dethältnis, das nicht ohne Folgen blieb, vorauf der "Batet vom Fürsten Rikita verlangte, tr solle seine Tochter ehelichen. Das konnte dieser 16er nicht, da et im geheimen bereits mit einer Russin getraut war. Der erzürnte Duluk. Chan schwor i nun furchtbare Rache und wandte fich deswegen an einen tatarischen Zauberer. Dieser vetkaulte ihm einen herrlichen Smaragd und riet ihm, diesen mit einem furchtbaren Fluche behafteten Stein demRi- tita alS scheinbares Zeichen der Austöhnug zu schenken. Et sagte ihm: .Unter dem Fluche dieses tonnberbaren Steines wird nicht nur der Schändet
Sietzener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gderhesseu-
tiiittipod), März 1927
und in der Mitte ist Bessarabien ein Hügelland. Die Totgebirge der Karpathen erfüllen nämlich diese ganz« Gegend, und zwar bis zur Landeshauptstadt K i s ch i n e w. Roch heute schmücken üppige Wälder, d e Uebetbleibfel ältester riesiger Waldungen lind, viele der bassarabischen Hügel. Die Buche ist charakteristisch für diese Waldungen: daher stammt auch der Rame .Bukowina". Die Raturfchönhcir dieleS Landgebietes wird noch durch zahlreiche historische Denkmäler, die hier vorhanden sind, erhöht. Auf Schr.tt und Tritt begegnet man hier in den Betzen und aus den waldigen Hügeln Ruinen und erhaltenen Burgen und Schlöllcrn. Klöstern und anderen Denkmälern. die dem Reisenden von der grauen Der- gangenheit des Landes bunte Geschichten und packende Legenden erzählen.
Je mehr man südwärts geht, desto mehr nimmt daS Land einen Steppenchataktet an. was ja allgemein typisch ist für daS alte Rumänien und die Ukraine. Rach der Donau hin und am Küstenfaum stellt Bessarabien ein Tiefland dar. Wie in den Ebenen der Rachbargebiete, also in der Ukraine und den moldauischen und wala- chilchen Tiesebenen. ist auch in Bessarabien die Schwarzerde vorherrschend. Gegenwärtig s.nd alle diese Steppen bebaut, überall erstrecken sich kultivierte "21 oder und Gärten: es sind Kornkammern Europas. Ganz Bessarabien ist von zahlreichen größeren und kleineren Rebenflüssen des Pruth und des Dnjestr durchschnitten. Die Meeresküsten und die Donaudelten sind voll von kleineren, langgeftred en Seen, die oft durch schmale Wasserzungen mit dem Meere verbunden lind und Limane heißen. Manche der Flüsse trocknen im Sommer aus. Das Donaudelta ist bedeckt mit zahllosen Sümpfen. Auch das Klima Bessarabiens ist für die Landwirtschaft günstig. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt etwa Plus 10 Grad.
3n der Dorkriegszeit hatte Bessarabien etwa 2,5 Millionen Einwohner, heute werden deren schon 3 Millionen gezahlt. Die bessarabische Bevölkerung ist ein Döliergemisch: zahlreiche Ras "en und Sprachen sind aus diesem verhältnismäßig nicht großen Landgebiet vertreten: Rumänen und Slawen, Bulgaren und Ukrainer, Polen und Serben, Russen und Deutsche, Türken und Zarteren. Juden und Zigeuner, Griechen und Armenier und noch einige andere Dollsstämme des Schwarzmeerbedcns. Die Etammbevölkerung besteht jedoch aus Moldauern, einem der rumänischen Hauptstämme. Auch östlich von Bessarabien, also am linken Ufer des Dnjestr, ist eine, wenn auch verhältnismäßig geringe Anzahl von Moldauern ansässig, deren Siedlungsgebiet in letzter Zeit russischerseits autonom proklamiert worden ist. um eben dadurch diesem in der unmittelbaren Rachbarschaft der besfarabischen SlammeSgenoffen gelegenen Gebiet eine Anziehungskraft zu leihen. Die Moldauer bilden etwas mehr als die Hälfte der bessarabischen Bevölkerung. Die rumänischen Behörden tun in den letzten Jahren ihr Möglichstes, um Bessarabien zu rumänifieren. Denncxh trifft es nicht zu. wenn rumänischerseits behauptet wird, 64 Prozent der Gesamtbevölkerung feien jetzt Rumänen. Das Moldauische ist ein Dialekt des Rumänischen, also eine der Tochtersprachen der romanischen Sprachfamilie. Es ist jedoch vom Slawischen und namentlich von dessen Wortschatz stark beeinflußt. Sehr zahlreiche slawische Stammwörter sind im heutigen Rumänien bzv. Moldauischen vorhanden. Hierdurch, wie auch durch den Umstand, daß sie orthodoxe Christen sind, stellt die Bevölkerung einen Ucber- gcmg von der. romanischen zu den slawischen Böllern dar. Auch die Lebensweise und die Dolkstrachl sowohl, als auch das ganze Dollsund Familienleben der Moldauer ist von den Slawen stark beeinflußt. In dieser Hinsicht überwiegt das fiawische Element. In ihrem äußeren Leben und in der Kleidung kann man die Rumänen schwer von den Bulgaren unterscheiden. Wie die Bulgaren tragen auch tue rumänisch- moldauischen Bauern lange Beinkleider, kurzes Hemd, schwarzen Ledergürtel, weiße Weste, kurzen Rod, kurze wollene Strümpfe und Mützen aus Schaffell. Die Stauen tragen Kopftücher — Mädchen gehen barhaupt — geftridtc Hemdröcke und Doppelschürzen mit langen Gürteln und Wollstrümpfe. Die Moldauer haben zahlreiche Dolkslieder: sie fingen, musizieren und tanzen gerne.
deiner Tochter, sondern sein ganzes Geschlecht zugrunde geben!"
Und in der Tat wprde der junge Fürst schon wenige Tage, nachdem er das Geschenk an fich genommen, vom Detderben ereilt. Bon den Schergen Godunows in der Rächt überrascht, wurde et in Ketten nach Sibirien verfchleppt und dort in eine tiefe Grube geworfen, die er lebend nicht mehr verlieh.
Der Smaragd war mit Dikita in feinem frühen Grab in der fibirischen Erde verschwunden. Als aber im Jahre 1689 die Regentin Sophie, die Halbschwester Peters des Großen, den BJchl erteilt hatte, das Grab dieses Romanow in Sibirien aus- zusuchcn und die Leiche nach Moskau zu schaffen, fand fich der verhängnisvolle Stein unter den Resten der Bekleidung. Die Herrscherin trug den schönen Stein an einer Kette und verlachte den Aberglauben ihrer Höfiinge, die fie dringend davor warnten.
Aber noch in demselben Jahre cre'Üe fie ihr Geschick. Sie wurde von ihrem Halbbruder Peter gewaltsam entfernt und in ein Kloster gesperrt. Vielleicht in böser Absicht hatte fie zum Abschied das verfluchte Juwel ihrer Schwägerin Eudoxia Lopuschina, der ersten Gattin Peters des Grvhen, geschenkt. Und auch diese ereilte daS gleiche Geschick fie wurde verstoßen und in ein Kloster verbannt. Beim Abschied von ihrem Sohne Alexei übergab sie ihm ahnungslos das gefährliche Kleinod. Alexei wurde bekanntlich auf Befehl seines Vaters hin- gerichtet.
Unter der Regierung Peters des Drohen und der Herrscherinnen des 18. Jahrhunderts ruhte der Stein unberührt in der Schatzkammer, denn der Glaube an seine verderbenbringende Wirkung war allgemein. Erst Kaiser Paul I. interessierte sich wieder für das wunderbar schöne Kleinod und lieh es alS Degenknauf umarbeiten. Am 23. März 1301 trug er den Degen zum erstenmal, der in der Rächt, die diesem Tage folgte, im Kampfe mit den Zaren- mörbern in Stücke brach. Alexander I. lleh den Smaragd aus dem Degenknauf brechen und ihn in einer Schatulle auf bewahren, in der er dann bis 1881 unberührt geruht bat.
Im März 1881 äußerte die ungekrönte Gattin Alexanders II., die Fürstin Dolgoruky-Jurjewskaja, den Wunsch, den mysteriösen Edelstein zu sehen.
Die Slawen find zusammengenommen kaum mehr als ein Fünftel der Gesamtoevölkerung; sie find größtenteils keine Russen, sondern Ukrainer: von den etwa 500—550 030 Ulra.nem und Russen sind die ersteren in überwiegender Mehrzahl vertreten: 75 Prozent. Groh ist treiter die Zahl der bessarabischen Juden, die schon zur Vorkriegszeit ein beträchtliches Element der bessarabischen Stadtbevölkerung waren. Ihre Zahl beträgt 250—300 000. Kisch.new kann man ruh.g eine jüdische Stadt nennen. Verhältnismäßig groß ist auch die Zahl der Deutschen: etwa 60 000. Die Ansänge der deutschen Sicdrtung in Bessarabien fallen in das 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und stehen im engsten Zusammenhang mit der Kolonisationspolittk des ru[- flf '.en Zaren Alexander 1. Richt weniger als «00 schwäbische Familien waren es. Männer und Frauen, alte und junge, die zu Wagen donauabwärts den Weg nach dem ..gelobten Lande" nahmen. Wie einst der Rüctzug der 10 000 Griechen unter Tenophons Führung, so hatte auch der Auszug der 8000 Württemberger allzu große Schwierigkeiten zu bekämpfen, die den Teilnehmern empfindliche Deriuste brachten. Kaum an der unteren Donau angelangt, unterlagen etwa 1100 Auswanderer dem furchtbaren Sumpffieber. Rur 500 Familien gestattete die russische Regierung, weiter über die kaukasische Gebirgskette nach dem Süden. Transkaukasien, zu ziehen: der Rest mußte eben in dem Gebiete der unteren Donau sitzen bleiben. Die Rachkom- men jener und späterer deutschen Auswanderer sind als die heutigen Kolonisten in Bessarabien, die dort ihre zahlreichen musterhaften Siede- hingen haben.
Die überwiegende Mehrzahl der bessarabischen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Der Mais ist der Hauptertrag des Landes. Auch die Tabaktultur ist in Bessarabien wett verbreitet, ebenso Obst- und Weinbau. Zur Russenzeit war Bessarabien an Weinbau das bedeutendste Gebiet des gesam.en Zarenreiches, wenn auch der bessarabische Wein sich keiner hervorragenden Qualität rühmen konnte. Die Hauptstadt des Landes, K i s ch i n e w. hat etwa 150 030 Einwohner: annähernd die Halste davon sind Rumänen. Den Rest bilden hauptsächlich die Juden, erst dann kommen die Russen und andere Dollsstämme.
Trommelfeuer auf Elfatz-Lothrtngen.
Metz, Mitte März 1927.
Immer mehr verstärkt sich der konzenttische Angriff der französischen Oesfentlichkcit aus die elsaß-lothringischen Heimatforderungen. Hatte im Dezember der Pariser »Temps" mit sensationellen, alsbald ins Leere verpufften .Enthüllungen" gearbeitet hatte dann im Januar das Pariser .Journal" seinen Mitarbeiter Ed. Helsey ein noch heftigeres Kartätschenfeuer abgeben lassen, so sind nunmehr die gröbsten Kanonen aufgefahren worden: Dir .Aktion Fran^aise" hat mit der ihr eigenen Grob» schlächti gleit »den unflätigsten Ton angeschlagen und babei sowohl den Vatikan als auch die „Boches" und selbst den »kläglichen Poincare" fie lamentable Poincar^) der Unterstützung der schlimmsten antifranzösischen Umtriebe beschuldigt. Einen doppelten .Erfolg" hat es dabei bereits gegeben: eine wehrlose Reichsdeutsche, die frühere Sekretärin des den Franzosen verhaßten ehemaligen Ehefredakteurs des.Elsässer Kuriers", ist kurzerhand auSgctoiefen worden, und zum anderen: unser Volk hat einen neuen kräftigen Beweis für die .Liebe" der französischen .Brüder" vordemonstriert bekommen' eine Lehre, die diesmal sitzen wird.
Roch in anderer Weise ist die französische Oeffentlichkeit — recht erfolgreich! — bemüht, dem gegenseitigen Verstehen der .Befreiten" und .Befreier" entgegenzuarbeiten. Sowohl in der akuten Sprachen frage als auch in Bezug auf die Autonomieforderung haben wir von französischer Seite Ansichten zu hören bekommen, die nicht nur von erschreckender Verständnislosigkeit zeugen, sondern von hohnvoller Gehässigkeit. In Blättern der verschiedensten Richtungen ist auf beiden Gebieten die Unmöglichkeit einer Erfüllung
unserer Forderungen bargetan worden. Und was schlimmer ist: bet den gesetzgebenden Faktoren (Pon deren .wachsender Einsicht" un- viel erzählt worden ist« ist dieser selbe Deist offenbar geworden, Io etwa in bet Elsaß-Lothringen- Kommission der französischen Kammer, die bei den Terhandlungen über die Anträge Seitz (Sprachen- und Schullommissionl und Walter (Autonomie für Elsaß-Lothrmgen) sich völlig unbelehrbar gezeigt hat die Ernennung eines anüauionomjh,d)en und nicht-elsaß-lorhringtschen Berichterstatters macht das anschaulich. Der Vorsitzende dieser ausschlaggebenden Kammerkommission. der — algerische Deputierte Mallarme. hat in einem Bries an den .TempS" ausdrücklich erklärt, von Zugeständn.ssen in der Sprachenfrage könne für Da» Gebiet der Schule überhaupt keine Rede fein, da Frankreich durch .Hlachgiebigkeit" hier die schlimmsten Folgen herbeiführen könnte
»Wir predigen tauben OhrenI" — rief da der Straßburger .Elfässer" aus. der mit Strahendemonftrationen und dem Sprachenstreit droht. waS bei dem Blatte, dem Organ der Leitung der .Elsässischen DollSpartei" und der weitverzweigten katholischen Organisationen, keine leere Drohung ist. Daß andere Blätter, die nicht wie der .Elsässer" an Kompromißlerei kränkeln, noch schärfer sprechen, daß man bei uns aus der Straße und in Versammluttgeir wahrhaftig nicht sanfte Töne anschlägt, ist selbstverständlich.
Die Franzosen spielen ein gefährliches Spiel. Sie reden und schreiben beständig von ihrer .Friedensliebe", häusen aber an einer so explosionSbereiten Stelle, wie fie unsere Grenzprovinz zweisellos darstellt. Zündstosl mit einer unglaublichen Naivität an. Sie verkennen eben noch immer, wieweit die Unzufriedenheu in diesen acht Jahren schon in die Liefe gegriffen hat. Daß alle diese Ungeheuerlichkeiten von jenseits der alten Grenze gegen den Willen der Regierung Poincarö geschehen sollen, vermögen wir nicht mehr zu glauben. Im Gegenteil dürsten offiziöse, wohldotierte Stellen ihre Hände kräftig bei dieser planmäßigen Mißachtung des Wille n S unseres Landes mit im Speele haben. Möge eS ihnen und ihren Auftraggebern so wohl bekommen, alS sie s um ihreS .Friedens"-Werkes willen verdienen!
Die hessischen Steuern für 1927.
Don Bürgermeister Dr. Dölsing, AlSfeld.
Die Deranlagung und der Ausschlag der Steuern sür das Rechnungsjahr 1927 wird sich noch schwieriger gestalten alS in den früheren Jahren und zwar durch daS Moment, daß vom 1. April 1927 ab die Länder und die Deinemden und Gemeindeverbände die neuen Einhe.tswerte nach dem Reichsbewertungsgesetz ihrer Besteuerung zu Grunde legen muffen. Diese gesetzliche Dorschrift ist aber zunächst nicht durchführbar, weil die ReichSeinheitswerte noch nicht endgültig feststehen, insbesondere ist die nach der x;er- legungSverordnung über die Einheitswerte lehr schwierige Zerlegung der Werte unter 5000 Mk. noch vorzunehmen, was eine erhebliche Arbeit für die Finanzämter bedeutet Es bleibt daher unter diesen Umständen, zumal die Finanzämter mit Arbeiten völlig überlastet sind, nichts andere- übrig, als auch für das Rechnungsjahr 1 9 2 7 daS System der vorläufigen Steuererhebung auf der Grundlage der seitherigen Landessteuerwerte nochmals beizube- halten. Die Regierung hat dem Hessischen Landtag soeben ein bcsonde.es Lieueroo auszahlungs- gesetz für daS Rechnungsjahr 1927 zugehen lassen, worin vorgesehen ist, daß bezüglich der Staats- steuern für das Rechnungsjahr 1927 vorläufig dieselbe Summe weiter erhoben wird, wie im Rechnungsjahr 1926. Anders verhält es fich bei den Gemeindesteuern, bei denen diese Anordnung infolge Verschiebungen und Änderungen im Umlagcnbcbctf nicht übernommen werden kann, zumal sich insbesondere auch gerade bei den Geineindeverbänden lKreise) vorn Rechnungsjahr 1927 ab eine wesentliche Verschiebung des Umlagenbetiar 6 durch den Ueber- gang der KreiSstraßen auf die Provinzen vollziehen wird. ES wird deshalb in den, Steuer- vorauszahlungsgefey vorgesehen, daß für die Gemeinden für das Rechnungsjahr 1927 eine
Das Kleinod gefiel auch dem Zaren so gut, daß er es am 13, März, als er seine Kufine. die Großfürstin Katharina Michailowna. zum Frühstück besuchte, mitnahm. um es ihr zu zeigen Don dort begab er fich zu einer Parade, und auf der Rüdiahrt wurde er das Opfer des schredlichcn Bombenattentats. Ein diensthabender Offizier fand später den Smaragd im blutigen Schnee der Mordfielle und brachte ihn inS WinterpalaiS zurüd. Die Gattin Alexanders III., bte Kaiserin Maria Feodorowna, hatte eine so heilige Scheu vor dem Unglüdsstein. daß man ihn in ihrer Gegenwart nicht einmal erwähnen bürte.
Aber der unglücklichen Kaiserin Alexandra, die invielenBeziehungen imGegensatzzu ihrerSchwiegcr- mutter stand, gefiel der schöne Smaragd so sehr, daß fie fich ein Pendrtogue daraus machen lieh und es beständig trug. Eine Dertraute der Zarin, die Fürstin Radziwill. meint, fie habe den Schmuck auch am 18. Juli 1918 getragen, alS die in der Weltgeschichte beispiellos dastehende Metzelei in Jekaterinenburg von den vertierten Schergen der Tscheka veranstaltet wurde. Sehr wahncheinlich ist es nicht, weil die unglüdliche Kaiserin in jenen entsetzlichen Tagen wohl kaum daran gedacht habn wird, fich mit Juwelen zu schmücken.
In dem von der Sowjetregierung angefertigten "Verzeichnis der Pretiosen der Zarentamilie soll dieser Smaragd angeblich nicht erwähnt sein. So weih man nicht, in Westen Besitz dieser Unglüdäftein fich jetzt befindet, ob ihn eine Milliardärsgattin oder die im höchsten Luxus prunkende Geliebte eines Dolsche- wifienführers fragt.
Bemerkenswert ist bei der ganzen Legende jedenfalls, dah fie bereits von 1689 an immer mehr ein historisches Gepräge annimmt
Frankfurter Theater.
Direktor Arthur Hellmer brachte un Reuen Theater Franz Molnars „Spiel im Schloß" in einer ungemein flüssigen und temperamentvollen Aufführung heraus. Dieses Spiel gehört wohl zu den besten Lustspielen, die seit langer Zeit über die deutschen Bühnen gegangen sind. Hier ist Idee, Witz und. waS Die Hauptsache ist, Esprit, wie der Franzose sagen würde. Sin lustiges Quintett belebt die
Handlung: ein Librettistenpaar (Doppel-Dichter- Firma), ein junger, hoffnungsvoller Komponist, bemuttert von den beiden Librettisten, eine scsche Soubrette mit sehr großem Herzen, die die offizielle Braut des Komponisten ist, nebenher aber eine inoffizielle Liebelei mit ihrem früheren Lehrer, dem Herrn Hoffchauspieler hat. Im zweiten und dritten Akt wird eine im ersten zustande gekommene, peinliche Begegnung sehr ge- schickt, einfallsreich und komisch wieder zurecht gebogen, der Komponist wird von der Unschuld seiner Braut überzeugt, die Operette wird starten, die Soubrette die Hauptrolle fingen, und der Komponist feiner verliebten Seele die schönsten Melodien entlüden. Das ganze Spiel ist so sprühend, dah man Molnar, dem Reuen Theater und dem Publikum zu dem anregenden Abend gratulieren kann. Prachtvoll Georg L e n g - bach (der geborene Molnarspieler) als der Mann, der die ganze Angelegercheit managt, nicht minder gut Karl Staudt als sein Kom- paanon, dazwischen Lucie Englischs lebendig gestallete Soubrette. Karl GüntherS famos tarifierter Hofschauspieler. Kner und Lingen. Das Publikum applaudierte auf offener Szene, und so wurde daS »Spiel im Schloß'" ein Erfolg auf der ganzen Linie. L. W.
Uraufführung eines oberhessischen Dramatikers in Bamberg.
Man schreibt uns: 3m Stadtthealer Samberg wurde dieser Tage das Drama „Der (Bottgeborene8 von Dr. Bernhard Schwarz, geboren in Echzell, unter großem Beifall des Publikums aufgeführt Dr. Schwarz, ein gewesener Jurist, hat letzt im Alter Don 53 Jahren seinen dramatischen Erstling in Bamberg auf die Bühne gebracht. In formschöner Sprache gestallet er bas große Problem des Kampfes zwischen der aüumfaffenoen Liebe und Machtbestre- den der weltlichen Gewalten in den Begegnungen Alexanders des Großen mit Diogenes, dem Ph,lo« fopyen in der. Tonne. Eigenes Zeiterleben, eigene Lebenserfahrung im Kampf für die allesbeglückende Menschenliebe yat in diesem Drama einen edlen Niederschlag gefunden.


