Rr. 293 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dbcrhcssen)
Donnerstag, 15 Dezember 192?
Mahraun über jungdeutsches Wollen.
a.ri'adKn cpdtuffhtenrn im Jt«UbNt|t. die #r tn brL'i.'cher BWrie j (futterte Und |o etaxis nenne man ctddt7<nttfm. er läge. oms sich von !<bon oft ab» flclplfli habe. sei ein S.. Haufen. (Stürm Beifall.)
Der Hochmeister des Zungdo
Der Iungdeutlchr Orden in Sieben bette gestern einen groben Tag Seine tli.i- lobenfl 4« dem Dortrage des -ochneister» de- Iungdeu- Hen Ordens Artur Mahraun hotte tu dtabt und L'anb einen leiten starten TBiberball ge unben. Der grob. Saal des Leib war d cht gedrängt bis au' das letzte Plätzchen belebt, es war ein Gedranae. das lich bis in den Vorraum des Saales hinaus fort- lebte Die'e Kundgebung des Iungdeutlchen Ordens war mindestens ebenlD start belucht. wie die bis gestern abend hinsichtlich des Besuchs einzig tn unterer Stadt dastehende Dersarnm- iung des Reichsbanners Lchwar,-Rot-Gold mit Hörftng und Dr Strlb als Redner gelegentlich des «üngsten Wahllamp-e» Den weitaus größten Teil der Besucher (teilte natürlich Stesien. aber auch aus der Umgegend, ja zum Teil fogar aus der Gegend von Aidda. waren Jung.T-^rapi-cn erschienen. un ihren obersten Führer sprechen zu hören Gewaltige Spannung lagerte über der Versammlung. und stärkste» Interesic an dem. was der Hochmeister Wahraun zu lagen hatte, erfüllte die Zuhörer bis zum Schluffe der Kundgebung in unverminderter Ära’t. Mah- roun verstand es durch seine Perfönlichteit und seine tesielnde. oft humorvolle, gelegentlich sar- tastische. dann aber auch in ehrlichem Zorne mit scharfen Dorten anklagende Rede die gewaltige Zuhörerschar ganz in leinen Dann zu schlagen Die ‘ikrlammlung war Infolgedessen ein flr» elg n I « für unsere Stadt, das must feder — mag er zum Iungdo stehen wie er will zweifellos anertennrn.
Rnchdem die Danner der zahlreichen Iungdv- ®nippen unter den Klängen des von der ria: eile Topp schneidig gespielten Präfent.er.narfches tu den Saal gebracht worden waren, eröffnete der Komtur der Daliei Oberbetten. Studienrat Schmidt, die Kundgebung, indem er nach altem Brauch durch den Ordensbruder Real- lebrtr WuIch einen gehaltvollen, packenden Dorspruch sprechen liest. Daraus sprach
Komtur öhiMenrof (Schmidt
.m ‘Samen der Dalle, Oberhc' en herzliche Will- ckommen^Worte an die vielen Gäste und die zahlreichen Ordensangehörigen, vor allem aber an ..den verehrten Drüder Hochmeister Wahraun. den von den Gegnern viel aehatzten und verleumdeten. i'vn ‘einen jungt rutschen Drüdern ater geliebten unb hochverehrten Führer'. 3n kurzen Worten des Wollen des Iungdeutlchen Ordens schildernd betonte der Redner, das, der Oungbo leine Vchuytruppe irgendeiner Parte, tei Qt sei stets leinen eigenen Weg gegangen und lies, sich nie von 3ntert11enfämpfen ein- langcn. Das habe ch i Vorwürfe von rechts und links eingetragen, mit deren Degrisien er nichts gemein habe. Der 3ungdeutsche Orden kenne nur ein Ziel:
den Aufbau des wirklich freien. reirNich sazialeo, wahrhaft gerechten volkssiaales aus der Grundlage der reirNicheo volksgeweinfchast.
Am nächsten Senmtag werd« in Derlin das Jung- deutsche Manifest der Oessentlichkeit Übergeben werden, das Vorschläge für den neuen Staatsaufbau enthalte. Dor einigen Wochen habe der Oberprälident a D Hör sing in diesem Saale gesprochen und dabei die Unparteilichkeit des Reichsbanners betont, zugleich aber habe er empfohlen sich für die Linksparteien einzusetzen. Andere verbände seien für die Rechtsparteien eingestellt. Ter Iungdeutsche Orden aber halte Uch grundsätzlich von allen Parte.en fern. G r lehne das jetzige Parteifystem ab. Aber er mache auch Vorschläge zum D.'s eren. wr suche zur ö rreichung seiner Ziele gründliche, vorbildliche Srneuerungsarbeit zu leisten. Das schwarze Kreuz auf meistem Grund deute die christsiche Grundlage der fungdeatschen Bewegung an. Der jungdeutsche Drudergedanke sei der Tat- gedanke. die christliche Rüchstenliebe der Tat. Der Iungdeutsche Orden erstrebe den neuen
Kameraden.
Roman von Felix M o e f ch I i n.
Copyright by Carl Duncker. Berlin U 62
36. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Jtannft du wirklich nicht etwa» lagen?* schmollt fie. Beisinei der Noland in Bremen, der so in»ld aussteht in seinen Waffen.*
„Gut. der Noland in Bremen *
„Der ift noch da'.* jubelt sie. Und was sagst tu zur Dsictyaeliskirche tn Hildes heim*. fragt sie.
..Gut. die Michaeliskirche in Hildesheim*, lagt er.
..Die ift auch noch da*, jauchzt sie. „Uni unb.. ach. |o kommen nnr ja mcht weiter. Nürnberg ist da. und Naumburg ist da und Dresden unb Rain unb Münster und Lüneburg ... nein, so gchls auch nicht " lacht sie. ..ich kann doch nicht alle deutschen Stabte aufzahlen.*
..tlber die Menschen ... sind auch die Menschen nach da?* „ _ „ .
..Natürlich sind die Men'chen noch da. c?ie find nur ein wenig mitgenommen worden, ein wenig beschädigt, kann man lagen. Da und dort ist ein kleine» etürf abgeschlagen, wie an alten c la tuen, ober sie itnb nach da. Ich bin doch auch noch da. oder nicht? Und Go<che ift noch da. ur.r baden im letzten Sommer wieder tn den Dörfern brausten .Faust' grfpieiL Unb fetzt hab ich auf Norderney fingetu5 öüeftus gehört. Kennst du ibn mit <einem .Cherubinischen Wandersmann'?*
Er schüttest den Kops.
..N,m gut. da» ift einer gewesen, der auch gebich tet bat. früher einmal, für» Theater hat er nicht» geschrieben. aber ich kenne >hn doch, denn ich habe meiner Mutier immer ein paar Sprüche rorsagen müften, sie bitte ihn so gern. Und fey hab ich auf Norderney diese Sprüche wieder gehört. E» waren junge Burschen und «unge Mädchen .rnd abwechselnd Haden sie» hergesagt ... Es hat mich ergriffen, al» fei ich in der Kirche, der Wind fuhr über die Düne, und man hörte das Meer.*
Sie hebt den Oberkörper, sie stützt die fyänbe auf seine Brust und fährt fort: Das waren die heben alten Sprüche, der von der Braut: .Die Braut verdient sich mehr mit einem Rust um (Bott als
gegen die Parteiwirtschafi uni
Staat als eine deutsche Volksgemein- chast auf christlicher Grundlage, übti lntum unb Deutschtum sc.en die Wurzeln lungdeutlcher Uri: aus ihn et lamme der jung- deutlche Tatgedanle der sich in sozialer $;llf leistung ausgiebig t»elütige allerdings ohne viel Aufheben« davon zu ma; en. ganz in der Stille.
Gegner gegen den Orde.'- und feinen Hochmeister hin und bekannte sich voll zu der Führung durch ber Hochmeister Wahraun. Der 3unodeut'che Orden stelle ,etzt dem internationalen Manifest Karl War»' ein vsltsnationales Manifest gegenüber. Der Kamps gehe gtgen Kaste und Geld und für den sozialen Dolttstca Darin sei Mahraun t-er Führer, die De:ri> . rung des jung- deutlchen Erne^eiungswillens der Führer zu einer belferen deutlchen duhinft. <Lebh Deifall.)
Hockmeistci- Artur Mahraun wurde bei fernem Erscheinen am Rednerpult mit langanhast^ndim ftürrn s^e n Beifall be^rütU. 3n etwa V .stündiger freie und lebendiger Rede nahm er zu den wichtigsten politischen fragen des deulschen Dolles Steilung. Ra» feinem Dortrage sind folgende beher.schrnde Hauptpunkte festzubalten Der Redner erinnerte einleitend an den Äamtrf der Gegner gegen den O.den. insbesondere gegen ihn (den Hochmeisters: er erzählte zur Illustration in humorvoller Weile ein Rei'eerlebnis. bei dem ein M treisender ihm gegenüber ohne zu willen, wen er vor sich hatte, den Hochmeister Mahraun in Grund uni) Boden hinein verdonnerte unb ihm alles Sck)lechte ar.- h ng. dann aber, als er «Mahraun) «ich -,u erkennen gegeben, sogleich beteuerte, bah er (der Ichvätzerilcve Mit rettende» natürlich an diese Geschichten nicht glaube. Da» fei da» Beispiel eines Staates, der keine Struktur habe: denn wie hier im Kleinen, so geb? cs im b.-urigen Staate im Drohen, mit der Olali n unb ihren Führern: es werde überall geraunt. ge'cha>ayt und verleumdet. aber wenn man zusasse. wolle ja keinen etwa» getagt haben. Mahraun erinnerte dann an die Leit der Ordensgründutg vor 10 3ahren. wo nur trcnigc sich zum Karp»s für eine 3dee grfunben Hütten. 3n mühevoller 2lrbcit fei es gelungen, allmählich den Orden über das gan^e Gleich zu verbreiten, und heute stehe er mit über 10 0C0 Ortsgruppen feftgefügt da. Obwohl der Orden in den verslosienen 3ahron manches habe crk.ben inüf cn fei er stolz daraus, bah die 3dce sich durchgesetzt habe. Rm 17. Dezember 192Z werbe bie t 3bec zum erstenmal össenttich geformt im Iungdeutschen QBanikfL Darin sei der Wille unb Dunsch alles betten enthalten, was die Iungdeutschen im Kriege erlebt und tn der aktivistischen Leit zusammengesastt hätten zu einer Uehre von einem neuen deutschen 6tuat. Do» sei der Inhalt. Lum letzten Male spreche er vor dem Tage der Verkündung diese» Mantseste». und zwar mit einem gewissen Gefühl der Entlastung. Der Redner kam dann auf eine Versammlung am Abend vorher in Frankfurt j. TO. zu sprechen, wo Nattonoisoria- sisten di, jungdeutsche Versammlung durch Krokehl unmöglich zu machen suchten und stblietzlich nach einigem Balgen mit Gewalt an die frische L'uft befördert wurden. 6o mäste sich der Orden, besten Ortsgruppe sich übrigen» auch in Frankfurt a. TO. durchgefent habe, auch nach dieser Seite hin wehren, weil er seinen Charakter und seine Idee wahren wolle Mahraun polemisierte dann gegen die ..Frkf. Ltg.*, die den Iungdeutschen Orden noch dem Dor- gang mit den Nationalsozialisten angegriffen Hobe, und sagte, die ..Frkf. Ltg * habe da» grosie Bekennt- nie de» Iungdeutschen Orden» hören muffen:
„IDir wollen von eurer ganzen Demokratie, von eurem ganzen Partcirocfrn nicht» mehr reiften, wir wollen die Ration unb nicht die jnlereften Einzelner.*
3n Frankfurt Hube er von Der S hnkucht Tauten- her gesprochen, bi? was and res suchen. aU was ihnen bie Republik g*be. 2ll» alte Soldaten unb als 3ungbcutf4>c muhten al.e Ord.nsmttg!t-der eines festhalien: Die Freiheit ber Döl- alle Mietlinge nut Arbeit di» in lob' ... und der von Gott: ,3d) bin so grvh al» Gott I er ift al» ich so klein er kann nicht über mich / ich unter ihm nidjt fein*.*
Georg flüstert .3d) bin so grost al» Gott ...
.La. ist das nicht herrlich? und der andere Spruch: 3ch bin mcht aufjer Gott / und Gott nickst aufjer mir / ich bin sein Glanz und Lickst I und er ift meine Lier. "
kEr fast! ihre beiden Hände mit einem krankhaften Griff.
..Wo» ift dir?* fragte sie.
„Nichts, nichts*, stammelte er. ..Und das sprachen die jungen Burschen und Mädchen auf der Infel. und bat Meer raufchte dazu?*
^a.* söhn sie eifrig fort. ..und sie sagten den Spruch von der Freiheit: .Schleus, mich so streng du willst in tausend Eisen ein ich werde bock, ganz frei und unaefeftelt sein. Und den Spruch vom Menschen, er ift mir immer durch und durch pegangen: .Da» grösste Wunderding ift doch der Menfck, allein er kann, nachdem er» macht Gott ober Teufel sein. *
Er hebt ihre Hönde von seiner Brust und le^t sich im Bette auf. ..Darum sagst du mir bas alle»?* fragt er heiser und greift noch seinem Hal». „So ist mein Beutel * fragt er und zündete da» Licht an.
»Aul dem Tisch- 2't er dir so mel wert?*
Ja. dort liegt er. aufalmenb sieht er es. „ffr ist mir viel wer.', sagt er langsam unb fragt darauf zum zweitenmol ..Darum dost du mir da» alle» gesagt? Seiht du. das, dos gefährliche Spruche sind? Du mutzt mir keine solchen Sprüche mehr sagen.*
^Du hast mich doch oefragt. ob die Mlnjchen noch ba feien, und ich hab' oerftanben. was du meinst unb herum habe ich dir von diesen jungen Menschen erzählen wollen. Dar'» nickst recht* Sa» soll ich denn sogen? Ich will dir nicht weh tun.* Die Irenen stiegen ihr in die Augen.
,^u tust mir nickst web. nein, nein, bas mein ich nicht * Er tröstete sie. Do er ihre Särme spürt unb ihr Beben, begreift er sich fetter nicht mehr. Nun ist er ja nicht mehr allein auf der Seit Ein Mensch ruht an seiner Brust und sagt dos Tieffte. Deutschland lefct noch, Deutschland ist nickst tot Warum quält er sich?
für den sozialen Dolksstaai.
ker fei eine Frage ber M cht ihrer Geister und ihrer Körper D r .Franks Ltg." und ihren Anhängern mütte gcfagt werden: Wenn ihr von Sniwaf nu-g nbet. Io sprecht ihr noch lange nich vo.n F.sieX". B" Frtedc.i reden aber die 3angd utfch n, w I! sie ihn^w>llen Aber noch lauter reden sie von b.r F. ihrit. weil sie sie heb n iS.ürm Ich r 3 ifali.) Der Reb er nahm tn bie cm Lu a:nm rbange kurz Stcllu.ig zu brr Abrüstung. k »nsie nz In G n» deren Kamödir er klar b r iu3ft ll: unb habet betörte, hast Abrüstung noch l inge nicht Fr > n bti^ute Krt g. w-rd es tm.-nrr geben, solange es Gegen äa. zwt'chen b.n Döl. m gebe, solange etploiive Gewal.en In den Böllern da feien Darum h.ihe kein Dolk ein Rech!. I rlne Wehr- baf .ig’rii zu vernach'.ä l grt Sin Bott, bi» fe ne Weh.hif i'kei ver.iachlä f.g' tn dem Glauben, dasi eJ keine Kn g rn.-hr geben w-rbe müsse Rechen chaft vor seinen Rachkommen oblegen, wenn bi Je in Cb mach u ib S.l vr i v r al en. Deut chl n> sei auch heut? noch nicht v rl r-n. es sei nc»ch nie so gr>si gew s.-n wi heut , weil sich m.t Prut chl^nbs Glück oder Ung.üi noch nie so viele Deutsch
bcUä igf hätten wie heule Bedauerlich unb gefährlich sei nur die Indolenz des Dü . g e r t u m S. das Im wr von gm ci D.-uts^ l nb t.be unb in 2D rllich! tt I.einbürg T- lieb uni» faul hinter dem Ofen sitze 3 Bt h<tsie cä: hinein in den Kamps, der um ui» all- g h I Der v»ungbeuttche Orden mass: alle samm In, b.e noch ID Len hä ten unb bie noch bi.nen wallten in ber Leit, ba die Schicksalsfrage um da» Deutschland der G.genw.rt vor uns st he und bie der 3ungdeutsch. Orden in b. • Wort fasse Dolk gegen Kaste und Geldl Da h ist: eS Entweder sieg' die Ration oder um: Gewalten, Die mit der Ration nicht» zu tun haben, oder mit ihr nich.» zu tun haben wollten. Dabei müsse die heutige Generation in bt1 deutsche Gefch chte zurückblicken und an den Geist der Däter an- knüpfen. 3cnc alt? Bergung nb.U sei grosi. die jüngere Dergangenh il mit ihren Niederlagen müsse abg> streif, n^erd n. 3etz! h »sie es: nicht rechts um) nicht links, sondern zur G r ö fi c deutscher Dergange n hei t zurück, die wer:voller ist al» unsere Leit.
vorwärts zu dem Geiste jener Aeiik Das Hal sich der JungbculjdM Orden ootgenommen. Auch die frankfurter Zeitung* wird ihn nicht davon athnllcn, dafz er In einer Erneuerung unseres Volkstums die einzige Garantie für die Sicherung des Deutschen veiches und der deutschen
Zukunft erblickt.*
Der Redner kam nun aus bie Stellungnahme zur Deutschen Republik zu sprechen und betonte: ..Diese Republik ist nicht da», wo» unser Volk sich gewünscht und ersehnt hat, sie ist doch auch für Sozialisten nicht das, was sie gewollt haben. Sir haben doch heute keine Dolksherrschafl, sondern eine Geldfackhrrrschaft. Jetzt klage ich an bas System ber Gegenwart, I ch klage an den BarteilsmusalsStaotssyste m* Mit Geld könne sich heute feder politischen Einslutz erkaufen, wie man on Hugenbero sehe. Man kaufe Leitungen. ftnanziere den Sahlkamps von varteien unb überschwemme in Sohlzeiten bas Volk mit Flugblättern Also mit Geld könne man auf diesen Staat einwirken.
»Hier sehen wir Iungdeutschen den gordischen knoten, den wir zerschlagen wollen. Dir sind nicht nur die Linke fall, sondern auch die Rechte. Wir sogen: die Schuld liegt am parkifnflrm. das das ganze Vo!k gegencinandcrhetzt. Dieses System soll ersetzt werden durch ein System der Perantroortunq.
Senn bas Volk heute gewählt hat. sind alle Der- sprechungen der Parteien vor ber Sahl wieder vergessen. Und wenn es nicht mehr anders möglich ist, dann hilft Parker Gilbert. Alles Ist ein flroher Schwindel, ein grotzer Betrug an der Nation. (Stur- mifchcr Beifall > Um biefes System zu kennzeichnen, verwies ber Nedner mit deitzenber Ironie auf die
Er löscht bas Licht Eine Weile liegt sie still. Dann flüstert sie: „Soll Ich nicht» mehr sagen?*
„Doch.* antwortet er, „erzähl von den Menschen, es tut gut*
„Es gibt einen Geiger,* flüstert sie, „ich bin Sanz verliebt in ihn* Sie griff entschuldigend nach üner Hand. „Du muht da» nicht so wörtlich nehmen. Er «st ein M ister und ift ein Kind. Er spielt Bach, und der Musikfaal ist eine Kirche. Er konnte ber Stolzeste sein unb ift der Demutigfie. 2ch hab immer gedacht, wenn ich ihm nur einmal seine Hand küssen dürfte. Hättest du etwas dagegen, wenn ich ihm die Hand kutzte?*
„Nein. nein*, sagte er.
JX du wirst sicherlich auch seine Hand küssen wollen. Und es gibt eine Tänzerin, die hat au» dem Ton; etwa» ganz Heilige» und Hohes unb Hinreitzen des gemacht. Senn sie tonit bann sehe :ch zuerst bie Frau, unb bann sehe ich sie auf einmal nicht mehr, barm sehe ich etwas ganz andere», ich weitz nicht wie ich es nennen soll, ich bin ganz in sie verloren, verstehst du, so tanzt sie. Bist du mir böse deswegen?*
„Nein. nein.
„Unb es gibt einen Bildhauer, aber er ist tot Bon ihm ist eine Statue in Berlin im Museum, da» heiht. nicht nur eine, aber eine besonders. Es ist eine kniende Frau. Die Leute sagen, sie habe zu lange Beine. Diese Statue ist io, bah ich weinen muh. wenn ich sie sehe, vielleicht, weil sie so schön unb demütig unb still ift*
„Liebe Hilde*, sagte er weich
„Ach. es gibt noch viele Menschen in Deutsch- lanb.* lagt sie lebhafter, „siehst bu. man schimpft immer über Berlin unb sagt, es sei ein Wasserkopf, em feelenloier Steinhaufen unb gar keine deutsche Stabt, unb doch gibt’s gerade auch in Berlin Leute, wie bu sie meinst Dann, es war nach dem Krieg, mitten im Sinter, in der schlimmsten Leit, kalt und dunkel, man hat geschossen unb man hat getar.jt Da war eine kleine Versammlung in einem Saal. Menschen, die sich yjjammenflefunben hatten, kein Verein, verstehst bu, sie hatten nur bas Bedürfnis, zusammen zu kommen unb mitein ander zu reden. Ich kannte einen von ihnen, einen jungen Maler, ec ging ihm schlecht, unb mir ging es auch nicht besser, denn ich war feit zwei Monaten ohne Enga-
Wie ber Iungbeutschc Orden sich die Gefun- burg denke, werbe das am 17. Dezember heraus- kommende Manifest zeigen. 33 enthalt* nicht nur einige Lätze sondern eine 3dee !ris an die Türme ber dtp.ngburgen der fey gen Partei- unb Geldsackherr'cha t seien die |ung- dcut'chen TOitlämr er am nationalen Werden jetzt gekommen Die'e Türme könne nur der er» steigen, .ber an Ltelle des fluchwürdigen Systems von heute ein neues System au bauen kann'. .Die Stunde ist gekvmmen Wir hoben mehr Geld als bie ganzen Trust» in Deutschland, west trir mit Blut unb ßk e bezahlen unb nicht mit totem Pa' .er unb Scheinen. 3dr ward Mbn Jahre lang mit eurer Liebe zum Dater- lar.b Goldgräber unb habt auf Berg und Haid« gearbeitet Dieses Gold wol'en wir jetzt au»- geben. Sagen Sie allen, datz da» Partei- 11) fi e m uns keine Rettung bringen kann. Wir wollen euch den Glauben an eine neue Welt und an eine neue Ltaatsauffaftung geben. Die Revolution des 2 0 Jahrhundert» ift in vollem Gange um den Absolutismus de» Geldsack« zu stur- z c n Deutschland« Schicksal ist noch im Werden begriffen Der Weltkrieg ist noch nicht vorbei Wohl ist der Kampf der Materie beenM. nun kommt ber Kamps der Geister! 3n unserem iungdeutschen Manifest ist e# ge- lchrieben. wie w r es packen, w'.e wir aufbauer wie wir Stein auf Stein fügen wollen. Da» sind die GedankengSnge unseres Jahrhundert«!"
Der Redner beschäftigte sich dann kurz mit der Frage der deutsch-französischen Än- Näherung, wobei er der nationalen Stand- bafrigleit de« Rh nnlande» gegenüber dem Iran- zc i chen Liedeswer. en huld.gte Mahraun ist einer deuttch-französischen Ruriöhnung geneigt, aber nicht unter dem Zeichen de» Berfa i 11 e r Diktat«. Sine Ru«skhn.mg mit Frankreich gebe e» nur auf ber Grundlage zweier gleichberechtigter freier •Böller! ..Da« Diktat von BerfaiUes erkennen wir niemals an“
Der Kampf für b en Bolk « staat fei nicht nur eine beut'che, sondern eine abenb- ländische Rngelegenheit. denn in allen Abend- lünbern herrsche die Plutolrafte. 3eyt gebe es nur einen Weg: den Weg der Wahrheit, der Ehrlichkeit und des Kampfe» für ein bettete», ehrliche« Deutschland. Deshalb müsse man h i n- au« aus dem Wust de« Parteli»mu». in dem nur Der Geld'ack bestimme.
„Oie Iungdeutschen find die Grenadiere des 20. Jahrhunderts Sie müssen bea willen des jungdeu Ischen Mauiseskes hinaustragen, das Stein aus Stein füaen will zu einem neuen gotischen Dom der Zukunft unseres Volkes. In dem nur deutscher Geist und deutscher Wille herrscht, im Gegensatz zu der stonjunkturpalllik von heute.
Gin neue» Deutschland gilt es zu schaffen: im Gegensatz zum heutigen Staat, für den kein Mensch durch» Feuer geht. Denn für viele ist dieser Staat nut — dck» Finanzamt, unb für da« Finanzamt geht keiner durch« Feuer, fAciterMtJ Der Staat mutz ber höchste Bell» des Menschen unb des Dollstum« sein. Diese» Staat wolle» wir schassen und ihm einen Vinn geben, ber dem alten Geist des Frontgefchlechts emspricht unb der mit Pa rteiwesen nicht» zu tun hat." Mit einem flammenden Ausruf an die Ordensbruder unb alle Dolksgenosfen. bie mit den jungdeut- fchen Gedanken übercinftimmen, zum Angriff gegen da« System be » Parteiismus. ba» Deutschland verderbe, zur Wiederanknüpfung an die ruhmvolle alteDer- gangenheit. zur Herlx-lfuhrung eine« harmonischen Zusammenklang» zwischen Dolk und Staat, schlost der Redner ferne mit langanhaltendem. begeistertem Beifall ausgenommene Rnsprache.
Rach dem Rusmarfch der Banner wurde bie ohne jede Störung verlaufene Kundgebung geschlossen.
gement, unb er fragte mich, ob ich nicht em paar Sachen oortragen wollte, un Anschluß on eine Netze. E» sprachen ein Holländer, ein Schweizer, ein Schwede und xreei Deutsche. Nach dem Schweden sollte ich an die Neihe kommen, mit Stücken aus einem aus dem Schwedischen übersetzten Buche, das von Sari Xll. handelte, wer'» geschrieben hatte, weitz ich wirklich nicht mehr, Strindberg ift es nicht gewesen. Doch zwei Stucke weitz ich immer noch, unb bas erste Stuck hietze so.* Sie hebt die Stimme: ..Senn Gott die Dornenkrone ouftetzt, ist nicht ber Mann der grötzte, der sie bequem zur Seite schiebt, sondern der sie sich fester und fester aufbrurft und dabei sagt: Vater, hier stehe ich, um dir ^zu bienen!*
las ruft sie in ber stillen Nacht des stillen Städtchens, die Stube nur schwach erhellt vorn Schrine des ausgehenden Mondes, und Georg ist es, al» höre er eine Stimme wie em Donnern. Wieder fragt er erschüttert unb in die Höhe gerissen: „Warum fjqft du mir bas?*
35.
„Seil du nach Menschen gefraat hast, wievielmal muh ich dir ba» nodi sagen * Unb im gleichen warmen und i Tone fafjri sie fori „Unb
bas andere Stück hietz: „D. Gott, weshalb sollte ich allein trinken, wenn alle die anderen durften? Senn du uns in die Wüstenei führst, dann ist es nur. damit bu bereinft wirst sagen können Bon eurer armen schneebebeckten Heimat lieh id)_ euch in die Seit hinausgehen, die Muskete auf der Schulter. um als Helden unb Sieger begrützt zu werben, aber als ich in euren Herzen los und sah. datz sie rein geblieben, datz ihr meine Kinder märet, da ritz ich eure Klkider in Stücke und gab Krücken in eure Hände unb stellte Holzbeine unter euren Leib, damit chr nicht länger nach Macht über den Menschen trachtet, lonbem euch unter meine Heilige^ Der- fcmthelL So viel Grötze habe ich euch vergönnt.*
sagt er heiser, .chist du em Kind, das nicht weitz. was es vlauderi? Halte mich fest, wenn du nicht willft, datz ich ausstehe und davon gehe, halte mich test unb schweig von solchen Worten, denn es sind gerade die Sorte, die ich selber im Herzen ae- tragen habe wenn ich es auch nicht mutzte. Ja. Hilde, wecdolb sollte ich allein trinken, wenn olle andern dürsten ...*
(Fortsetzung folgt)


