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Nr. 242 Lrfktt Matt

ITT. Jahrgang

Samstag, 15. Vltober 1927

Erich«»»» »s g 11 th, a»ß<r Sonntags int> Vertag*.

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2 Bd4>»marii unb 80 Reichspfenoi^ ftr Traget» lohn, auch btt Alch »er­scheinen <inidner51ummrm infolge höher er ©rtoatt. Fernsprechans chlüss«: 51, 54 und Hl

Anschrist f*r vrohtusch. d*ten: Irriger <ltfc«a.

Detf^tflewte: Ifrowffirt am Main 116M.

GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

t>md wut Dfrlag: vrLhl'fche UwlwrStätpBi±. mtb Stctnbmderd B. Cangt tu Gieren. Sdfriftlettmg und Geschäftrftelle: 5chulltraß< 7.

liMbe« Mi l»)tie«e ftr bte Idgi»neewi<r t>U zum NachmMag oorbeib

Prtl» t»r I em höbe ftr ?ini«isjcn 801 27 rutn Brette Ottbch 8, ausroäds 10 Reichspf en,q. ftr Ro- hlamtan'.rigen von TU mm T-rril« 35 ReichspfenNig, Platzvorschrist 20*. mehr, dbdrtbahlcur

Dr 3n»br TBifi) Vang». BerantroanUch 'ur Dehnt Dr 7rr. Will) Lange, ftr (VeuiOfion Dr Jb-Tbonot; Sr den übriqen Ird Ernst lum'chein; für b«n In-

Jetgen,eil Aur» H,?mann, ILmUich in ©te' en

Rheinlandnot.

Reichskanzler Dr. Mar» hat in seiner Oigenfchasi alS ReichSmtnister für die brieten Gebiet« Anfang der Woche da« besetzte Rhein­land besucht. 3n den Reg l«rungSz«nl ren der drei von der Mibung betrogenen deutschen Länder hat er mit Tkrtretem der Regierung uno aller Bevölkerungskreif« Fühlung genonnnen und die dielen nur allzu berechiigten «lagen angehörr, die au« allen Teilen de« besetz len Gebiete« chm entgegen gebracht tour den d« ist schon an s-ch nach auf! en hin ein erfreuliche« Dokument t»on der Dichtigkeit, die heute im Rahmen der Gefamt- gltif de« Reiche« der Für sorge für die be­ten Gebiet« beigelegl wird, daß der Ghes der gierung in eigener Person die Betreuung de« besetzten Rheinland«« übernommen Hai. lind Herrn Dr. Mar?, dem geborenen Rheinländer und rhcinifchen Abgeordneten liegt gewiß die Rot feiner Heimat und seiner engeren DolkSge- »offen in ganz besonderem Mähe am Herzen. Da mut ft e« doppelt tragisch an. wenn dieser Matm die erschütternden 5rijQcn au« allen Teilen de« besetzten Gebiete«, au« der preußischen Rhein- Provinz. au« Rheinhessen so gut wie au« der bayrischen Pfalz, mit herabhängenden Armen entgegennebmen muh. denn e« sind ganz andere Dachte, al« der deutsche Reichskanzler, die hier in deutschem Lande zu sagen haben. Heute, bald neun Jahre, nach Beendigung de« Kriege« hat Deutschland die Souveränität über sein ihm in Versailles belassene« Gebiet noch nicht wiederer- langt. Fremde« Militär und fremde Zusrtzherr- schen heute noch, trotz der mancherlei Milde­rungen. die inzwischen Platz gegriffen haben, fo unumschränkt, wie In den ersten Tagen der Be- sitzung. Diese betrübende Tatsache hat der Besuch de« Reichskanzler« im Rheinland wieder einmal unverhüllt aller Welt vor Augen gesührt. Aber obwohl man kaum hoflen darf, bafl der Kan^ier- besuch praktische Ergebnisse von besonderen AuS- masien zeitigen wird denn Ina« die Reichs - r.gierung in ihrer Fürsorge für die besetzten Gebiet« von sich au« tun konnte, da« ist gewiss geschehen so must man e« doch begrüsten, dast den Vertretern de« besetzten Gebiete« wieder ein­mal Gelegenheit gegeben war. die Rot de« Rhein- lenbe« in ihrem gairzen schauerlichen AuSmaste vor der Oesfentllchlell klarzulegen.

Da steht in erster Linie die furchtbare Woh­nungsnot. die namentlich de rcheinh. ;.dxn läMe trifft. Wa« hier der Oberbürger me.fter der Stadt Mainz in nackten Zahlen mitteilte, er­gab ein Bild so erschütternden Glend«, dast da« unbesetzt« Deutschland e« sich nicht oft genug )?r Augen halten kam», um sich klarzumachen, was unsere rheinischen Brüder in diesen acht Jahren unter der Herrschaft französischen M-.li- äv« gelitten haben. Rheinhessen leidet ja unter der Besatzung toeitau« am schwersten und hat dabei, wie der Reichskanzler leider betonen rußte, die geringsten AuSNchten. in abseh- farer Zeit irgendwelche Erle chterungen zu er- -ähren. Ramenilich di« Stadt Mainz al« wich- -'.gster Brückenkopf am Mittelrhein darf auf keinerlei BesatzungSm nderung rechnen. Sic ist noch heute mit 15 ODO Mann belegt, während dort Im Frieden nur 10 003 Mann al« Besatzung der preustischen Rheinfestung gamifonietten. Durch die v.elen Stäbe, d e in Main». alS dem Litz de« Oberkommanb.« der französ schen Rhein- nrme« zusammengezogen sind, werden unverhält- niSmüstig viele Privat Wohnungen von den Fran- tMen beansprucht Fast 2203 Wohnungen sind beschlagnahm: und c« ist nicht damit zu rechne:,. Vast hier nach der jetzt endlich in Angriff ge­nommenen DesatztmgSverminderung irgendwelche Freigaben erfolgen. Auch Worms und Bin­gen Verden von der Wohnungsnot schwer be­drängt. Da ist es denn kein Wunder, dast ge­rade die rheinhefsuchen Städte einer drohenden Beschneidung der A u S l a n d kre di t e. kie sie für den Wohnungsbau dr ngend benöti­gen. mit sehr gern.sch! en Gesu »en en! gegen- schen. Sind he doch n.cht einmal in der Lag?, au« den ihnen zustehenden Reichsub^wcZungen und eigenen Steuereinkürriten d e ^^obm

V Men. die ihnen aus der neuen Belol- dungsresvrm erw<ichsen. Hier im be cylen -ebie: wird jede Erhöhung der Real teuern.^d.e «-Hon diesseits dcs Rheins sür dre M.rtfchai Cium tragbar erscheint, einfach ülnrnog! chkett angesichts der Tatiache. dast bte W.rtfchaft be« besetzten Gebietes seit einem Jahrzehnt um chre ruckte Griftenz ringt

3m Reichs rat wurde am Donners ag öem Reichsfinanzmini st er von fetten der Länder der Vorwurf gemach:, dast er sich vor der Reuord- iimg der Beamtenbesoldung nicht mit ihnen über he finan,iicllen Rückwirkungen in Ikr? nöung gesetzt habe. Der S.aatssckretär de« R.ichs'itBarz- rrtnifteriumJ hat diesen Dorwurf zwar zurück- gewiesen, vielleicht mit Recht. Zmm.-rhin w rb rtan doch das sagen müssen, das) die Länderver- treter kaum vorher ihre Zustimmung zur Sefol- kxrngörcsorm gegeben hätten, werm fie ma?t crußten, wie sie selbst die Mittel sür ihre Durch- 'ichrung auf bringen sollen. Lieber das 01 u s - rast scheint also eine ^Verständigung zto7ch?n xrich unb Ländern doch nicht erfolgt au fein. Kan hat allo kaum Grund, sich zu wandern, renn letzt Länder und Gemei rden mit offener Hand in Berlin erscheinen, um sich hier d e Mit.cl p verschaffen, die ihnen aus ngmer Kraft xblcn, um ihre (Beamten entsprechend der für die Reichs beamten getroffen en Oiefern b zahlen au leimen, wobei allerdings fe '.geha ter wer c i muh. >4) durch eine großzügig.- 'Berta alt u n g s - teform gerade in den Ländern und Gemeind.n zveisello« ganz erhebliche Mittel ein gespart wer-

Der Neichrral lehnt den Reichrfchulgefetzentwnrf ab.

Keine geschlossene Oppofttion der Länder. - Das Reichskabinelt wird die Regierungsvorlage im Reichstag einbringen.

Bet all den verschiedenen Äombtna Honen, die über den Dang der Beratungen des Recchs- rate« in Lachen Schulgesetz angestellt worden waren, ist dte eine Möglichkeit. btt jetzt zur Tat­sache geworden ist. überhaupt nccht berücksichtigt worden, dast der Reich «rat da« ganz« Gesetz a b l e h n e n würde. 8« zeigt sich eben, das, der Reichsrat eine ganz eigenartig« Körperschaft ist. die mit besonderen Maßstäben gemessen wer­den will. Ist e« schon nicht ganz einfach, in den Parlamenten au« den Beschlüssen der Kom­missionen Rückschlülle auf die Abstimmung im Plenum zu ziehen, so ist da« im Reichsrat über- yaupt ausgeschlossen. weil die Gtimmverlellung »nnerhalb der Kommissionen und de« Plenum« ganz ander« ist: in der Kommission wird nach einzelnen Personen abgeftimmt. da hat also auch der Qäettrvter PreulxnS nur «ine Stimme, während im Plenum da« Schwergewicht der groben Staaten sehr viel stärker in di« Wag­schale fällt; wozu noch der ewig unsichere Fakwr der preustischen Provinzialstimmen tritt, bie In allen Schattierungen schillern und bald zur Aufhebung der Stimmen der preustischen Regierung, bald au ihrer Verdoppelung führen. Die staatliche 3nftihition de« ReichSrate« ist tn der Weimarer Qkrfaflung bewustt auf da« M i - nimum von C.nfluf, herabgebriicft worden, eben weil der Bundesrat in den Augen der Oppo­sition aus dem kaiserlichen Deutschland den Rim- bus eine« geheimnisvollen undemokrattschen Olp- parate« hatte und weil deshalb der gesamte Sinflust. soweit e« mit der Konstruktion deS Reiche« al« Bundesstaat überhaupt noch zu ver­einbaren war. auf den Reichstag konzentriert werden sollt«.

Go ist denn auch rein sachlich bie Ablehnung der Regierungsvorlage durch den ReichSrat für den wetteren Dang ztmächst vollkommen be­deutungslos. Die Reichsregierung braucht sich jetzt aar nicht den Kopf darüber zu zer­brechen, tote sie zu den Qlbänderungsvorfchlägen, mit deren Annahme man gerechnet hatte, end­gültig Stellung nehmen und wie toeit sie ein« Doppelvorlage einbringen toill. Der Artikel 69 der Reichsverfassung gibt ihr da« Recht, ihre alte Vorlage unverändert dem Reichstag zugehen zu lasten, woran sie lediglich die Wid» tcilung zu knüpfen hat. dast der ReichSrat da« Gesetz abgelehnt hat. Und eS wirb dann Sache Des Reichstages fein, tn seinem AuSschuh die Vorlage so umzugestalten, dast sie mcht nur im Plenum deS RccchStll.jeS eine Mehrheit fin­det. sondern auch nachher der Zustimmung einer Mehrheit deS ReichSra:eS sicher ist. Denn wenn i'a« nicht gelingt, ist tatsächlich tue ganze Arbeit, die jetzt im Reichstag gelöst werden soll, für den Papierkorb. So stark sind immerhin die Rechte der einzelnen Länder in der Reichsverfassung

noch, dast sie nicht ohne weitere« auS- g« schaltet werden tonnen. Rach dem Ar­tikel 74 muh eine Regierungsvorlage nach der Destaltung. die sie im Reichstag erfahren hat, noch einmal zum ReichSrat zurückgehen, der dann entweder zuftimmen ober Dtnspcuch erheben kann Drhedt er mit einer Mehrheit ©mlprucb, dann muh bet Reichstag voch einmal befinden. Bringt er eine Zweidrittelmehrheit aus. bann kann der Widerfpruch des ReichSrate« übergangen werden. Der Reichspräsident kann aber auch einen Volksentscheid an­rufen. Lehnt dagegen der Reichstag nur mit einfacher Mehrheit den Einspruch des Reichsrates ab. dann ist entweder das ganze Gesetz fldollen oder der Reichspräsident hat auch da die Mög­lichkeit, durch Ausschreibung eine« Volksentschei­des cine endgültige Sntlcheidung herbeizusühren.

ZedensallS liegen nach^r die Dinge sehr viel verwickelter, wenn der Reichstag bei feinen Be­schlüssen auch noch auf bie Gefahr einer er­neuten Anlehnung durch den Re^chsrat Rück­sicht zu nehmen hat. Denn dast sich für da« Schulgesetz im Plenum deS Reichstage« eine Zweidrittelmehrheit finden sollte, ist ja ohne weitere« al« ausgeschlossen )u betrachten. Allerding« da« ist für die Regiei-ung QHan- Äeubdl ein PluS - hat sie sich im Reichvrat n l <y t einer gefchlofsenen Mehrheit gegenüber gesehen, die Mehrheit war eigent­lich nur negativ, weil die Gründe, au« denen heraus sie fchliestlich gegen da« Gesetz ftimmte, vollkommen ver schie den waren Datzern stimmte mit Rein, weil ihm durch bie im Reichs­rat angenommenen AbänderungSanträg« daS Ge­setz gewissermahen zu sortschrittlich ge­wesen war, die mitteldeutschen Staaten stimmten mit Rein, weil ste auch jetzt noch, obwohl eine Verschiebung der ursprünglichen Re­gierungsvorlage in der Richtung der preustischen Anträge erfolgt war. bte Vorlage für zu reak­tionär hielten. Aber gerade diese Ge-ienpole -igen auch bie gaiuc Schwierigkeit de« Pra­hlern«. Schliestlich sieht es ja in der Regie- rungSkoa lition selbst nicht viel ander« aus Die Deutsche Volk«Partei hat sich gegenüber tem Sntwurs de« Herrn v. Keudell frei« Hand Vorbehalten; es stellte sich heraus, dast ihre Bedenken gegen einen Gntwurs. der um die preustischen Anträge verbessert war, wesentlich geringer waren. Wenn jetzt aber schon auf der Vtnic der preustischen Vorschläge im Reichs rat eine Mehrix-il nicht au sch .s»en ist. bann steht stark zu befürchten, dast im Reichstag selbst die Dinge einen ganz ähnlichen Verlauf nehmen werden Unb deshalb ist der Gang der Beratungen im ReichSrat symptomatijch für die krisenhafte Entwicklung, die da« ganze Schul- gefetz im Reichstag selbst nehmen kann.

um zehntausertd Marrn auf sechzigtausend zurück- gefüb't werden würde Wir haben allen Grund zu fürchten, dast auch diese« gegenüber der Lo­carnozusage stark herabgeminderre Versprechen nicht restto« erfüllt werden wird. Heute schon werden in der französischen Presse komplizierte BercchTwngen cmgcstellt, um bie von der Dot- fd>;f terfrmfercra genannte Zahl weiter zurück- zuschrauben. Man scheint hier schon sämtliche vor dem 5. September voraeno-nmen.'n Truppen­verminderungen un« in A^rrechnung bringen zu tpollen und erreicht auf diese Weife einen Rest von süTtftaufendfünshunderi Mamt, der von feiten Frr. i.lreichS jetzt au« dem Rheinland zurück- zuziehen sei. S« wäre natürlich ein kralle« Täu­schungsmanöver, wenn bie französische Re­gierung sich btrien Standpunkt zu eigen mache-1 wellte. Ds handelt sich um die strikte GrI äliuna einer formellen Zusage der Datschasterkon'erenz, die Rhemarmee um zehntausend Marm zu ver­mindern. Wetrn davon je taufend Mann auf die engnfchen und belgischen Truppei» entfallen, so Herben volle achttausend Mann, tun bte Frank- rech seine Truppenmacht am Rhein zu rebu# zieren hat. wenn e« nicht erneut wortbrüchig werden will. Mit ber Rückführung ber Truppen scheint es der sranzösrich« Generalstab kerneswegs eilig zu haben. Alle ÄTrzelch.m beuten darauf bin, dast er die Umorganisation, bie sich selbstveritänd'.ch au« bet Verminderung ber Be­satzung notwendig macht, so lange wie mögl.ch h.n..uSzusch-eben gedenkt. Alle nur möglichen CtütOc müssen her halten, um bie« Zögern zu erklären. Aber mit allem Rachdruck wird bie Re i.» reg.enmfl in Paris unb ber Reichs ko m- mtfiar für He besetzten Gebiete seineriei s beim Cbcrlcrnmanbo der Rhernarmee auf ev?.c be­schleunigte unb genaue Durchführung les De- schlulses der BotchasterLonserenz bringen;,en. Wenn der Glaube an bie Wiri^amke.t be« Geist<« von Oocamo im deutschen Volle nrcht rc'tl:*» crirerbe» soll, wirb sich Fr:n.'rc-.ch errdl ch zu ^cfer Gelte einer loha'.en Auslührung feier- hcr. übernommener Versprechungen berriifmben müHcn.

W hrend ber Reg er-n sches am Rhein weilt«, scheint man in der Re.chshauptstad'. ..r.-'i alten zu machen, bie für die W.ntermonate ohrwhin ställige RegierungskrisiS in Szene zu fetzen. Die kurze Ztoischentagung des Reich«, tazs soll dazu bienen, den ersten Vor'tost gegen die Regierungskvalition zu führen. Die Sozml- bemüfruten fühlen sich fett ihren Wahlsiegen

ben könntet». Wa« hier im allgemeinen gesagt wurde, gilt in ganz besonderem Ma^c für hie Städte des besetzten Gebietes, die austerdem angesichts bet nationalen Gefahr, die in einem seiner Souveränität-rechte beraubten Lande fiel« vorhanden ist. genötigt sind, für kul­turelle Zwecke austerorden.llche Aufwendungen zu machen. Gs ist also verständlich, dast die Vertreter der rheinhessischen Kommunen, als beten Sprecher Obcrbürgcrmeifter Külb von Mainz dem Reichskanzler bic Verbaltnille Rar- legte, ben dringenden Wunsch haoe.t, dast das Reich ihnen Mittel und Wege zeigt für die Fi­nanzierung ifrrcr groben kommun alpolttlfchen Aufgaben, die in so hohem Maste eine nationale öadx dar stellen.

Der Besuch de« Reichskanzlers im Rheitt- land fiel gerade in bie Ze.: da die AlliierveiH die ersten ernsthaften Anstrengungen machen, »hoe in S?xamo feierlich gegebenen Versprechun­gen auf Dermi nderung ber Befahung zu erfüllen. Wieviel von diesen Deriprrchungen im Laufe der Zähre übrig geblieben ist. wissen wir alle. Zweifellos hatten die Besatzungsmächte zugesagt, bie alliierte Rheinarmee auf die Stärke ^urückaufuhren, die die deutschen Garni'onen im Rhein»a»»d zu Friedenszeuen gehabt hatten. DaS hätre eine Minderung bet Besatzung«truppen um nrecht als zwanzigtausettd Marrn bedeutet. Zahte- lang ist hin unb her gefeilscht um den Begriff fer .Rormalziffe r n". Heute wissen wir, dast Briand sich angriicht« der verändertet» inner- rtxtrJdNm Lage Ztankreich« gegenüber den butch Poincat.- und bie Rechte im Kabinett ge- stütznm Militär« nicht hat durchsetzen können. Wan wollte sich fn Pari« um bie Desatzungs- vcrmrnderung als der unangenehmsten Beigabe des Lxarnvp<tkte« nach MägH^>keit herum- br ü dc n unb hak es beim ja auch erreicht, bah jetzt kaum zehntausend Mann zutüdgezogen werden. Rur zwei Städtchen, Diez an ber Lahn und Kreuznach merben, wenn man ben neueften Berichten Glauben schenken darf, be- satzungsfre. Dabxi must re Diez auch noch bie ^ilfe der dem alten Stammlanbe der Orunter besonders zugetanen Könrgrn ter Riederlande in Anspruch nehmen, um bic« zu erreichen. 3m übrigen wird ;edoch von bei .spürbaren Er­leichterung". bie unS seinerzeit in Locarno zu- criwurde, nicht viel übrig bleiben Am 5. Leptemhet ist dem ReichSauhenininistet in Gens durch Briand namens ber Botschafter- koiiferenz zugesagt worden, dast bie Besatzung

Die Reichsratssitzung.

Tic Abänderungsantrage der Länder.

Berlin, 14. Oft. (VDZ.) In ber heutigen Sitzung bet Reich,lats ftanb ber Reichtschulg.ictz. eiitivuij zur Beratung. Der Berichterstatter, URini* fterialblrtMor R a t ft n r r miet zunächst bar aus h.n, dast nach dem Vorlchlag ber Butschusse b*e Borlage ben RamCN R«ich«volt»schulgesetz tragt n lalle. Die Autschäste waren sich darüber einig, bafj bat erste Gebot für bk Schaffung bet Gefestet b e peinlich genaue Beachtung unb Durchführung ber Reichtoerfassung sein rnustte. Üt mür­ben jetzt folgenbe ocrsch>ebenen Formen der effent» lichenBoiktfchule in bie Erfcheinung treten: bic W e mein|d)afM|d)ulf, die Bekenntnis­schule, zum mindesten für bie beiden grasten Be­kenntnisse, unb bie be f e n n t n I e f r e i e Schul e. Zum ersten Male trete in brm Gesetz ber »Ile der Srziehungtberechtigien In bk Ur- scheinung 2m Autschust feien ungefähr 300 Der- schiebene Anträge gestellt warben, deren wesentl trifte dahin gehen, das im 'Barograph 12a eine Fassung beantragt werbe, bie sich au» der Heber^i gung der Mehrheit der Ausfchüsse von einer durch Art 140 der 'Reichsaersastung bearünbeten bedingten 8or- jugeftellung der Gemeinschaftsschule ergibt ferner wirb eine Fassung beantragt, bte es ben NeUgionsgeseUschasten erm glicht, sich die Ueberjeugung von der Uebereinstimmung bet Reli­gionsunterrichtes mit den Grundsätzen ber Reii» gionsgesellschaften gemäß Art. 149 der Reichsver- sassung in ben verschiedensten in ben Ländern ge­malten Formen und auch ahne Einsichtnahme in den Religionsunterricht zu verschaffen Die bean­tragte Bestimmung über bie Ä o ft e n bei Geses-.es cntsaricht bem Verlangen ber Länber Da» Reich müsse die erforderlichen Mittel mitübernehmen, da bie Länber unb Gemeinden dazu außer- ft o n b e seien

Di» Ausschüsse beantragen weiter eine 5"- aänzung h^r Mtjtdxn» S«rüiri>ung der D.->rla.is in rvm J^rtr.c. vafs Vke DcziR-ang im Schul­wesen auf der Grundlage d«« reli­giösen Glauben« zu erfol»m hat, ber all« Bekenntniste verbindet, unb day dabei Tole­ranz geübt werden soll.

Reichsinnenminister v Keudell er- flärte, dost bie Regierung in vielen Punkten beni AuSfchuhbefchlüfsen nicht zusttmm«. Sie werbe sich ihre Stellungnabme Vorbehalten.

Der sächsische Deiandte Dr. Gradnauer erklärte, bie sächififche Retper-ung würbe brr Re­gierungsvorlage nicht zuftirmnen körnten, weil dies« Borlag«» eine unerträgliche Zersplitte­rung de« sächsischen Schulwesen« bervorruf c. Unfrieden erzeugen würde, und well diese Dor^ läge auch derDersassungwiberspreche.

in Hamburg und Königsberg wieder stark ge­nug zu einem srllch-fröhlichen Kriea. Sie hab.-n eine große 3nlerixHarten vorbcrreitet, di« toirt- schaftstche Forderungen auf stellt, von denen fle selbst genau wissen, daß ihre Srfüllung Staat ui cd Wirtschaft ruin.eren muffen. Daneben wol­len sic aber auch eine Aussprache über d^ Ge» fanttpolitik der ReichSregcerung erzwingen, in der sie vor aller Welt tie mancherlei schmutzige Wäsche zu waschen gedenken, die sich im Laufe be« LommerS naturgemäß angehäuft hat. Wenn in dieser Aussprache nach dem Wunsche der Opposition namentlich auch die Außenpoli- t i k zur Debatte gestellt werden soll, so ist c« einigermaßen uners-ndllch. wa« gerade hier nut irgendwelcher Aussicht aus ein positives Er­gebnis erörtert werden könnte. Eine solche Aus­sprache könnte nur dann Sinn Haden, wenn He BesahungSverrninderung am Rhein nicht ben berechtigten EtTwartungcn de« deutschen Volles etctspräche. Da» läßt sich aber zur -lcsi der Herbsttagung de« Reichstage« noch krine«- wcgs Überehen. Man wird allo erwarten dür­fen, daß tic Regi. eine zw

und in biriem Augenblid vielleicht sogar n t,t ungefährliche AuSIprache über die Aa'impvlittt auf einen 3e»t|>unft Oertagen wird, an dem d e RnlkSverttetung be» Rocht hat, Rechenschaf > zu fordern über einen neuen Abschnitt deutscher Außenpolitik, die die Befreiung des Rheinlan^es von frember Briatzung zum Ziel hat.

Der Zwischenfall in Cronberg.

Frankfurt a M, 15. Oft. (WTD. Funk- spruch i Die . Frankfurter Zeitungs' meldet au« Wiesbaden, der Zwi chensall in Lronberg mit den drei englischen Soldaten, tr t ben ter Feldhüter Haas den Tod fand, hat. trt die hier erscheinende ertglifche Zeituna mitteilt, zur Festnahme be« einen der Soldaen ge­führt Der Bericht über die von einem englt'chetr Arzt in Gegenwart eine« beut'chen Arzte« au« Höchst vorgencmmene Sezierung der Leil-e des Haas liegt zwar an deut cher amtlicher Si lle noch nicht vor. doch hört man, daß dl« Totesur- Iache eine schwerer Schädelbruch mit Bluterguß im Gehirn festgestellt worden ist. Der Schlag des Soldattm muß mit großer Wuchi geführ. worben feir b daß Haa« schwer zu Boden stürzte. Man kann allo von einer Körperverletzung mit tödlichem Aus­gang sprechen.