Oberfläche gewachsen. — Der Teich ist mit Karpfen besetzt. In diesem Jähr soll junge Brut hineintominen. — Allgemein ist das Bedürfnis nach einer Gelegenheit zum Baden im Freien. Manche Kinder suchen den »Tümpel" bei Trohe auf; Erwachsene gehen vereinzelt in die Wieseck beim Stolzen Qltorgen. Aber die Ufer der Wieseck sind sehr steil und das Wasser ist, jedenfalls weil es so tief und eingeengt fliestt, verhältnismäßig kühl. Es wäre gut, wenn bei der Regulierung der Wieseck, die ja in absehbarer Zeit einmal vorgenommen wird, an einer günstigen Stelle ein Flachufer geschaffen würde, damit sich jeder im Sommer den Genuß eines Freibades verschaffen könnte.
V L ich, 14. Aug. Wenn in diesen Tagen Landwirtschaftsämter und andere berufene Stellen auf die große Gefahr aufmerksam machen, die unserer Gemüseernte durch dieRaupendesKohl- weißling-Schmetterlings droht, so hat das seine volle Berechtigung. Zu Tausenden kann man diesen Falter täglich ausschwärmen sehen; die Weibchen suchen sich an Gemüsepflanzen geeignete Stellen zur Eierablage. Wie stark diese ist, zeigt ein Versuch, der hier auf einer ca. 150 Qm. großen Gern iisefläche gemacht wurde. Hier fanden sich an den Blättern von Weißkohl, Wirsingkohl, krauser Kohl und besonders an Blumenkohl insgesamt 80 Eierhäufchen. Bei einzelnen dieser Häufchen wurden die Eier gezählt, oft waren es mehr als 100 Stück. Nimmt man die Häuschen mit durchschnittlich 75 Stück an, dann hätten sich aus diesen 80 Häufchen 6 0 0 0 Raupen bilden können. Man kann wohl annehmen, daß nicht alle Eier ausgehen, auch Raupen durch alle möglichen Umstände zugrunde gehen, aber wenn auch nur 3000 Stück übrig geblieben wären, dann hätte das sicher genügt, um sämtliches Gemüse zu vernichten. Darum ihr Gartenbesitzer, die Augen auf! Die Eier müssen unbedingt vernichtet werden! Sind die Raupen erst geschlüpft, dann wird es in den meisten Fällen zu spät sein. Bei dieser Gelegenheit soll nicht versäumt werden, auf den Schutz der Singvögel hinzuweisen, diesefmbdie besten Gehilfen im Gemüse- und Obstbau. Man vergesse auch die Kröte nicht, sie ist sehr nützlich und vertilgt viel schädliches Ungeziefer.
Kreis Friedberg.
—Friedberg, 14. Aug. Die Wette r a u e r Zuckerfabrik Friedberg-Fauerbach beschloß in ihrer ^gestrigen Generalversammlung eine Dividende von 8 Prozent zu verteilen. Auf Den Zentner Aktienrüben soll eine Nachzahlung in Höhe von 6,5 Pfennigen erfolgen. Damit stellt sich der Preis für den Zentner Zuckerrüben auf 1 Mark 71,5 Pfennig. Der bisherige Aufsichtsrat wurde einstimmig wiedergewählt.
/ Bad-Nauheim, 14. Aug. Zur Teilnahme an den deutschen Meisterschaften der Deutschen Turnerschaft in Berlin sind die bekannten Volksturner K. May und A. Langsdorf vom hiesigen Turnverein abgereist. Auf Grund der Leistungen beim Kreisturnfest in Darmstadt ist ersterer zu der Meisterschaft im 800-Meter-Lauf. letzterer zu der Meisterschaft im Kugelstoßen zugelasfen. — Die am 4. Mai 1879 eröffnete Kinderheilanstalt Elisabethhaus hat sich aus bescheidenen Anfängen zu einer der angesehensten deutschen Kinderheilstätten entwickelt. 1660 Kiick)er hatten im. vergangenen Jahre darin Aufnahme gefunden, wie bei der letzten Jahresversammlung vom Vorsitzenden, Pfarrer Knodt, berichtet werden konnte. Neu in den Vorstand wurden Bürgermeister Dr. Ahl und Prof. Dr. Weber berufen. Die Rechnung des letzten Geschäftsjahres schließt ab mit 140 049 Mk. rn Einnahme und 129 398 Mk. in Ausgabe.
pb. Butzbach, 14. Aug. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurden die Aaicäge um Ueberlassung von Bauplätzen und kleinen Geländestreisen am Zipfenweg ohne Widerspruch genehmigt. — Der Vereinbarung des Kreisamtes Friedberg mit den 6 Guten Bad-Nauheim und Friedberg über die Benutzung der Motorspritze bei auswärtigen Branden soll auch seiteirs der Stadt Butzbach beigetreten werden, jedoch soll als De:gütung für die Bedienungsmannschaft der Betrag von 1 Mk. und nicht 0,75 Mk. für die Stunde festgesetzt werden. — Weiterhin wird beschlossen, daß W o h n u n g s b a u t en,, die im Kalenderjahr 1927 begonnen werden, für das zur Zeit der Fertigstellung laufende und für die nä bstsolgenden fünf Rechnungsjahre auf Antrag grundsteuerfrei bleiben. — Bei allen Neubauten in solchen Straßen, in denen bereits Randsteine für erhöhte Fußsteige gesetzt find,
Geschichten von Joseph Joachim.
Joseph Joachim lebt in den Herzen aller derer fort, denen es vergönnt war, fernem seelen- vollen, von einer einzigartigen Harmonie getragenen Geigenspiel zu lauschen, und dankbar toiro die große Gemeinde, die er in der ganzen Welt besaß, seiner gedenken, da in diesen Tagen zwei Jahrzehnte seit seinem Hinscheiden Der« güK.en sind. Joachims Schaffen lebt nicht nur in der Geschichte des Diolinspiels fort, sondern i her Musikgeschichte überhaupt, da seine Per- sö. ck. icit mit den Großtaten deutscher Musik im 10 ^ahrhutzdert von Liszt bis zu Brahms eng verbunden war. Don seiner Persönlichkeit ging ein bezwingender Zauber aus, eine Güte und Bescheidenheit, von der so manche Geschichte er ,lt. Bezeichnend für ferne Schlichtheit ist l r . ers ein Zug, den der große Arzt Prof. Bi hesm Ebstein in feinen Erinnerungen er- z. । . Es war an einem Sonntag 1894, als der $ unor in seinem Sprechzimmer in der Götti r.r Klinik die Visitenkarte Joachims auf seb- r u Schreibtisch sand. Joachim wollte wegen f. er Hände um Rat fragen, da ihm seine ge- schwolleneir Fingergelenke Sorge machten. Er er» kündigte sich über die Aussichten, die ifjm für die Zukunft beim Gebrauch seiner Hände biet« ben würden, und obwohl er damals bereits Welt- bc..i)mt war, fügte er doch erklärend hinzu: „Ich brauche meine Hände sehr nötig. Ich geige nämlich!" Ebstein, der den Meister schon oft gehört hatte, versicherte ihm, daß er das wohl Wicke; er konnte ihm auch über seine Hände beruhigende Auskunft geben und ihm eine wirksame Behandlung empfehlen. „Joseph Joachims Ausspruch: .Ich geige nämlich0, schließt der Professor. „ist für mich immer ein geflügeltes Wort gerieben, das als eins der vielen Zeichen seiner rührenden Bescheidetcheit Wohl verdient, auch weiteren Kreisen bekannt zu werden: es charakterisiert den Mann!" Als Joachim noch Konzertmeister in Hannover war, wollte er auch gern Schlittschuhlaufen lernen. Ein Bahnseger Dull- meyer bot sich ihm als Lehrmeister an: „So, Herr Joachim," nach beendigtem Anschnallen,
soll der Bauherr verpfliichtet werden, zukünftig gleichzeitig den Fußsteig anzulegen. Die Versammlung stimmt oieser Vorschrift zu. — Weiterhin genehmigt sie den Nachlaß von 1410 Mk. Obligationszinsen an die Butzbach—Licher Eisenbahn-Gesellschaft zur Deckung des Fehlbetrags aus dem Rechnungsjahr 1926. — Weiterhin beschließt die Versammlung, um den durch den stets stärker werdenden Fuhrwerks- und Autoverkehr verursachten s ch l e ch t e n Z u st a n d des H a u p t st r a ß e n z u g s der Stadt in der Richtung Frankfurt—Gießen zu verbessern, die Weiseler und Wetzlarer Straße aus chüeßlich Marktplatz, sowie auch die Bahnhofstraße bis zum Bahnübergang mit Asphalt-Tetckn (Tapelabelag) zu versehen. Die Arbeiten werden im Anschluß an die Fertigstellung der Ortsausgänge, die mit gleichem Material versehen werden, ausgeführt. Die Kosten betragen etwa 40 000 Mk., die durch Kapitalaufnahme aufgebracht werden sollen. — Zur Unterbringung der Kleinkinderschule muh ein Neubau errichtet werden, da die Räume in der Langgahschule für über 120 Kinder zu klein geworden sind. Nach dem Kostenvoranschlag betragen die Baukosten etwa 40 000 Mk. Der Kugelhausfonds ist bereit, zu den Baukosten einen Zuschuß von 20 000 Mk. zu 2 Prozent Zinsen gegen hypothekarische Sicherung zu gewähren, wenn ihm die Benutzung der Räume an einigen Abenden in der Woche zu evangelischen Gemeindezwecken zur Verfügung gestellt wird. Die Versammlung beschließt den Dau und ist mit der Her gäbe von 20 000 Mk. zu 2 Prozent einverstanden, verlangt jedoch vertragliche Festlegung mit dem Kugelhausvorstand. — Zur Aufbringung des Gemein beum« lagebedarfs für das Rechnungsjahr 1927 in Höhe von 149 000 Ml. werden folgende Ausschlagsätze beschlossen: 1. Gebäudesteuer 0,12 Mk. von 100 Mk. Wert, 2. Grundsteuer 0,24 Mk. von 100 Mk. Wert, 3. Sondergebäudesteuer 40 Prozent der staatlichen Sondergebäudesteuerzahlungen, 4. Gewerbesteuer a) 0,80 Mk. von 100 Mk. Anlage- und Betriebskapital, b) 1 Mk. auf 1 Mk. des staatlichen Gewerbeertragssteuersolls für das Rechnungsjahr 1925. — Weiterhin wird auf speziellen Antrag des Stadtverordneten Iontz beschlossen, zur Alnterstützung der Gesangvereine einen Betrag von 300 Mk. zu bewilligen, womit die Vereine die jeweils zu zahlende Vergnügungssteuer decken sollen. — Ferner wird auf Anregung der Feuerwehr beschlossen, unter dem Marktplatz einen Wasserbehälter für Feuerlöschzwecke mit einem Fassungsvermögen von 100 Kubikmeter zu chrichten. Die Kosten betragen etwa 3700 bis 5000 Ml., die durch Kapitalaufnahme gedeckt werden sollen.
—Rockenberg, 14. Aug. Sein 50-jghriges Priesterjubiläum beging heute unser Ortspfarrer, Geistlicher Rat Dekan Waldmann, der zugleich als katholischer Seelsorger am Zuchthaus Marienschloh tätig ist. Er wirkt seit 27 Jahren hier. Dekan Waldmann ist 1853 in Seligenstadt a. Main geboren, während des Kulturkampfes wirkte er in Bayern, bis er später in Gonsenheim, Viernheim, Gcm- Dickolheim, Großsteinheim mrd seit 1900 in Rockenberg Verwendung fand.
tz Ossenheim, 14. Aug. Eine der ältesten Wetterauer Dorfkirchen ist unser kleines Gotteshaus, das zur Zeit im Innern renoviert wird, nachdem vor kurzem ein neuer Turm aufgesetzt worden ist. Das ehrwürdige Kirchlein ist in der Zeit des steigenden Einflusses des Klosters Fulda gegründet worden und zwar als eine Filiale der Dergkirche zu St. Johannis bei Bad- Nauheim Ein noch vorhandener Taufstein, der der Zeit um 1200 entstammt, beweist, daß unsere Kirche um diese Zeit das Taufrecht besaß. Das Gotteshaus erlebte 1608 und bann wieder im 18. Jahrhundert größere bauliche Veränderun- gen, bei welchen jedenfalls auch die wertvollen Malereien entstanden sind, die man jetzt beim Abkrahen der Südwand entdeckt hat.
t Assenhsim, 14. Aug. In dem Gemarkungsteil „in der alten Burg" konnte der Friedberger Altertumsforscher Prof. Dr. Blecher im Vorjahr Reste einer römischen Siedlung fest- stellen. In seinen diesjährigen Sommerferien hat nun der eifrige Forscher die Ausgrabungs - arbeiten mit Erfolg fortgesetzt. Die Grundmauern einiger römischer Gebäude sind bereits freigelegt. Bei den Arbeiten schnitt man auch Siedlungen aus der jüngeren Steinzeit an. Die gemachten Funde sind von neuem ein Beweis für die ununterbrochene Besiedlung der Wetterau aus den frühesten Zeiten der Vorgeschichte bis in unsere Tage.
Kreis Schotten.
□ Gonterskirchen, 13. Aug. Nachdem unsere Gemarkung vermessen ist, beginnt nunmehr die Feldbereinigung. Gleichzeitig soll auch der Lauf der Horloff neu reguliert werden, da bet Bach die Gemarkung in Versumpfung bringt. — llnfer.' Kirche wirb gegenwärtig wiederh:r- gestellt. Sie sollte vergrößert werden, da ihr Raum für unsere Gemeinde zu klein ist. Der Denkmalpfleger Prof. Walde (Darmstadt) hatte jedoch erklärt, baß wegen des landschaftlichen Bildes vom Dorfe aus nur die Rordwanb geändert werben dürfe. Man hat deshalb von einer Vergrößerung überhaupt abgeschen. Untere Kirche, Die der politischen Gemeinde gehört, wirb von Sachverständigen in ihrem ältesten. Teil dem 13. Jahrhundert zugewiesen.
£ Helpershain, 14. Aug. Dieser Tage kam aus den unbenutzten Wirtschaftsräumen der hiesigen Schule eine Henne mit neun Küchlein daherspaziert. Sie hatte die Schar ganz unbemerkt ausgebrütet und mußte sich und ihr Volk, bis ihr Besitzer sich ihrer annahm, von den Frühstücksresten der Schulkinder ernähren.
Kreis Alsfeld.
! O-ber-Ohmen, 14. Aug. Die Frei- herrlich Riedesel sche Verwaltung hat die V e r s e tz u n g der beiden hiesigen Forstbeamten, des Reoiersörsters Hansult und des Försters Falk, rückgängig gemacht. Infolgedessen bleiben beide Beamte, die es während ihrer seitherigen Wirksamkeit verstanden haben, sich geachtet und beliebt in unserer Gemeinde zu machen, in Ober- Ohmen. — Unsere Gemeinde hat nun auch eine Badegelegenheit. Nachdem die Riedeselsche Reoieroerwaltung im vergangenen Winter den im nahen Berggarten gelegenen Teich instand gesetzt und mit Wasser gefüllt hat, erlaubte Revierförster Hansult in entgegenkommender Weise das Baden in dem Teich. Inmitten des Teiches befindet sich eine kleine Insel, die durch eine Brücke mit dem Ufer verbunden ist. Da die Insel mit Bäumen und Gebüsch umgeben ist, eignet sie sich sehr gut als Aus- und Ankleideplatz. Hoffentlich wird nun von den Einwohnern Oder-Ohmens recht reger Gebrauch von der Badegelegenheit gemacht. — Die Schüler der hiesigen Schule haben während ihrer freien Zeit innerhalb einer Woche 15 000 Kohlweißlinge gefangen, ein Beweis dafür, in welch ungeheuren Massen der gefürchtete Schädling in diesem Jahre auftritt. Reichlich drei Viertel der Schmetterlinge waren Weibchen. Da jedes Weibchen 200 bis 300 Eier legt, hätte ihre Nachkommenschaft mindestens 2i Millionen Raupen betragen, die genügt hätten, um die gesamte Gemüseernte in der hiesigen Gemarkung zu vernichten. Trotzdem ist die Gefahr noch sehr groß. Wenn aber in allen Orten mit demselben Erfolg gegen die Kohlweißlingsplage oor- gegangen wird, so würden gewaltige Werte vor der Vernichtung bewahrt.
Kreis Lauterbach.
4= Eichelhain, 13. Aug. Die diesjährigen Reichsjugendwettkämpfe für den Bezirk Engelrvd wurden in der Nähe von Eichelhain auf einer großen Hutweide auSgetragen. Auf die sieben beteiligten Ortschaften wurden die 32 Preise für Jungen und 4 für Mädchen wie folgt verteilt: 6 nach Dirlammen, 4 nach Eichelhain, 1 nach Eichenrod, 4 nach Engelrvd, 7 nach Hörgenau, 3 nach Hopfmannsfeld, 7 nach Lanzenhain. Die beste Leistung im Dreikampf fiel nach Gichelhain (71 Punkte). Drei Mädchen aus Lanzenhain und eines aus Hopfmannsfeld konnten preisgekrönt werden.
Rheinhessen.
WSN. Mainz, 13. Aug. Der hn 84. Lebensjahre stehende Domkapitular Engelhardt kann am Montag, 15. August, (dem Tage Mariä Hinmrelfahrt) sein 60- jähriges (diamantenes) Priesterjubiläum begehen,
Preußen.
Kreis Wetzlar.
O Aus dem Kleobacht al, 13. Aug. Der Schnitt des Roggensist im Kleebachtale im großen und ganzen beendet. Die Ernte des Hafers und der Sommergerste ist im vollen Gange. Hier und da war schon damit begonnen, den Roggen in die Scheunen einzufahren. Nach den bis jetzt vorliegenden ersten Ausdruschergebnissen ist der K ö rncr er trag gut. Der zweite Grasschnitt zeigt einen sehr guten Stand, so daß mit einer guten Grummeternte gerechnet werden kann. Auch der Stand der Kartoffeln
„nu stellen Sie sich mal auf die Schrittschau — so — un nu smieten Sei bat eine Bein so un bat andere so herut un da loprn Sei hen." Joachim folgte der Weisung, fiel aber bald unsanft auf dem Eis hin. „Ja, ja," meinte Düllmeyer, indem er ihm wieder auf die Deine half; „so licht is bat nich als Viggelinspeelen!" Joachim erfreute sich des bei den Musikern traditionellen üppigen Haarwuchses. Als er einmal in London Konzerte gab, trat er in einen Laden, um sich rasieren zu lassen. Der bienftbefliffene Figaro wollte ihm durchaus die Haare schneiden, und als Joachim die mächtige Künstlermähne energisch schüttelte, sagte er schließlich im Ton bet Verachtung: „Wollen Sie denn wirklich genau so aussehen wie ein deutscher Musiker?" Eine hübsche und wenig bekannte Geschichte von Joachim hat der langjährige Pastor der amerikanischen Kirche in Berlin, Dr. I. F. D i ck i e, ausgezeichnet. Die amerikanische Gemeinde wollte damals in der Reichshauptstadt eine amerikanische Kirche bauen, und in einem Konzert, dem auch Joachim beiwohnte, bemerkte bet Gesandte Der Vereinigten Staaten, Andrew White, baß bet Meister besonberS guter Laune war. Er gab also dem Geistlichen einen Wink, er solle Joachim bitten, ein Konzert für den Kirchenbau zu geben, und ihm versprechen, er werbe bann „in den amerikanischen Himmel" kommen. Als der Geistliche sein Sprüchlein vorbrachte, fragte Joachim mit verschmitztem Lächeln, ob denn der amerikanische Himmel so besonders schön sei. Der Geistliche bejahte dies, als aber Joachim humorvoll Gewißheit darüber verlangte, ob er auch in den amerikanischen Himmel kommen werde, sagte Dickie: „Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen. Ein reicher alter Schotte, der auf dem Sterbebette lag und wegen seiner vielen Sünden die ärgsten Beklemmungen hatte, ließ einen Geistlichen kommen, und fragte ihn, ob er wohl ins Paradies käme, wenn er der Kirche 20 000 Pfund vermache. Der Pastor erwiderte, garantieren könne er ihm nicht, aber die Sache wäre unter allen Umständen eines Versuches wert." Joachim lachte und sagte, er werde es auch auf einen Versuch ankommen lassen, worauf er ein Konzert
gab, das für den frommen Zweck eine stattliche Summe erbrachte.
Kater Murr.
Don Margarete Friederici.
Nicht von dem in der deutschen Literatur berühmt gewordenen Kater sei hier die Rede, sondern von einem leibhastiaen modernen Namensvetter, der ein sehr angenehmes Leben in den Räumen einer Redaktion führi. Mit bewundernswerter Grazie und absoluter Selbstverständlichkeit steigt er zwischen Manuskripten, Büchern, Tintenfässern, Leimtöpfen und allerlei Schreibgerät umher. Seine Person wäre dort einfach nicht fortzudenken, und er ist von seiner Wichtigkeit auch durchaus überzeugt. Er weiß etwas, das wahrscheinlich noch nicht einmal allen Menschen bekannt ist, nämlich: daß die Menschen zur Bedienung der Katzen auf der Welt sind. Diese Tatsache tritt besonders sinnfällig in Erscheinung, wenn Murr fein Lieblingsspielzeug, einen winzigen Ball, unter Schränke und Regale zu rollen beliebt und die Menschen das Spielzeug wieder hervorholen müßen.
Inzwischen kann er seine Spaziergänge und Entdeckungsfahrten über die Schreibtische antreten. Es geht sich gar zu gut über Berge von Manuskripten und Zeitungen, auf denen man sich gelegentlich zu einem kleinen Schlummer niederlassen kann. Und wenn die unvernünftigen Menschen durchaus ein Blatt Papier hervorsuchen wollen, auf dem er gerade ruht, so ist das zwar störend, aber für ihn, durchaus fein Grund aufzustehen. Auf dem Schreibtisch gibt es sonst noch interessante Dinge, Scheren, FederhaUer und Bleistifte, mit denen er spielen kann. Tintenfässer und Leimtövse, zwischen denen er sich geschickt und graziös hinourchwindet, ohne je etwas umzustoßen. Keiner seiner bewundernden Zuschauer könnte ihm das nachmachen!
Sein höchstes Interesse aber erregt der Mechanismus der Schreibmaschine, wie es bei einem Redak- tionskater ja auch selbstverständlich ist. Er ist eine Forschernatur; mit angespannter Aufmerksamkeit beobachtet er das Hochspringen der Typen, und zuweilen tastet er mit seinem weißen Pfötchen vorsichtig in die Maschine hinein, um des näheren zu
und sonstigen Hackfrüchte läßt auf ehre ertrug* reiche Ernte schließen. Der zweite Kleeschnitt dient vielfach der Gewinnung von Kleeheu. Was die Ob st aussichten anlangt, so kann wohl gesagt werden, daß es Aepfel reichlich gibt Der Behang der Aepfelbäume ist ein guter, daß die Bäume zum größten Teile gestützt oder gebunden werden müssen. Die Aussichten auf die Zwetschenernle sind gering. Der Behang der Birnbäume läßt auf eine mittlere Ernte schließen. Das Frühobst ist zum größten Teile bereits geerntet. Pflaumen gab es Diel; sie fanden meistens auf den Wochenmärkten in Gießen und Wetzlar Absatz. Mit den erzielten Preisen war man zufrieden. — Um eine bessere Verwertung des Obstes zu gewährleisten, hat sich in Wetzlar ein Ob st Verwertungsausschuh gegründet. Ausgabe des Ausschusses soll es sein, die besseren Obstsorten als sortiertes Spezialvbst zum Versand zu bringen, um einem Absatz zu Schleuderpeisen. wie er im vorigen Jahre hier und da vdrgekommen ist, vorzubeugen.
Kreis Biedenkopf.
T Waldgirmes, 14. Aug. Die Kanalisierung unseres Ortes schreitet rüstig vorwärts. Die Arbeiten hat der hiesige Tiefbau- untemehmer Karl Weimer für 23 000 Mark übernommen. Da die Gemeinde keinen Zuschuß erhält und keine Anleihe machen darf, wird für die genannte Summe vorläufig nur der untere Teil des Dorfes kanalisiert. Jeder Hausbesitzer bezahlt eine einmalige Abgabe von 40 Mk. Del den Arbeiten durchschnitt man ein Feld von Knochen und Hufeisen, die von einem spanischen Reiterregiment auo dem Jahre 1632 herrühren. Gleichzeitig verschwindet mit der Kanalisierung auch ein Stück alte Geschichte von Waldgirmes, nämlich der Brauhaus-Weiher. Die Mauern vom alten Brauhaus sind geschleift, der Wacher wird ausgefüllt. Dis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts braute hier jeder Bürger nach einer gewissen Ordnung selbst sein Gebräu, das war dünnes Bier. Am 15. August 1807. also vor genau 120 Jahren, hatten die französischen Offiziere von hier und Umgegend im hiesigen Pfarrhaus eine Versammlung. Da die Gemeinde nicht genug Fleisch, Butter usw. liefern konnte — 28 ötücf Vieh waren nur noch da, und zwar Im Walde —, zerschlugen die „gebildeten Söhne der Großen Ration" im Gemeindebrauhaus alle Bottiche, Fässer und Fenster.
ff Gladenbach, 14. Aug. Auf der Ehauffee zwischen hier und Erdhaufen wurde dieser Tage ein Mann bewußtlos aufgefunden. Es stellte sich heraus, daß der Verunglückte von dem Soziussitz eines Motorrades gestürzt, und dessen Lenker, nichts merkend, weitergefahren war. Der herbeigerufene Arzt stellte eine schwere Gehirnerschütterung fest.
DiMreis.
bL Breitscheid, 14. Aug. Beim Steinbruch Reeh in unserer Gemarkung wurden von Arbeitern.Urnen gefunden, die sehr wahrscheinlich aus der Römerzeit stammen. Leider zerfielen drei noch gut erhaltene Almen bei den Ausschachtungsarbeiten. Man fand auch Aschen« refte. Es wird angenommen, daß sich'hier noch mefjr alte Gefäße befinden.
Mairrgair.
WSN. Frankfurts. W., 13^ Aug. Gestern vormittag gegen 1/t10 Alhr sollte ein 17V9 jähriger Kassenbote namens Max aus Frank-- furt a. W. im Auftrage seiner Firma beim hiesigen Postscheckamt den Betrag von 6500 M t abhvlen. Nachdem er die Summe ab geholt hatte, begab er sich nach Hause, zog sich um und fuhr dann mit einem der Firma geljorenM den Rade bis zum Forsthaus Hinkelstein, wo später das Rad unter Reisig versteckt aufgefunden wurde. Der Ausreißer scheint sich von dort aus nach Mainz oder Wiesbaden begeben zu haben. Er ist 1,75 Meter groß, bartlos, dunkelblond und trug einen blaugestreiften Anzug. — Gestern nachmittag kurz vor 3 Alhr stürzte ein mit zwei Pferden bespannter Wagen, der dem Fuhrunternehmer Duch- wald gehörte, am Deutschherreickai. in den Mairn Die sofort alarmierte Feuerwehr holte das Gespann wieder heraus; die beiden Pferde waren jedoch leider bereits ertrunfen.
WSN. Bad Homburg, 13. Aug. In der vergangenen Nacht drangen Einbrecher in ein Villengrundstück in der Tannenwaldallee ein und raubten Alleren, Schmuckfachen und Juwelen im Gesamtwerte von etwa 20 000M. Die polizeilichen Ermittelungen sind im Gange, doch fehlt von den Tätern bisher jede Spur.
untersuchen, wie inwendig eigentlich alles zugcht. Er kann auch selbst schon sehr gut schreiben. Mit den Vorderpfoten tritt er auf die Tastatur, um jedesmal erschrocken zurückzufahren, wenn die Typen hochkommen.
Auf seinen Spaziergängen über die Bretter der Regale nimmt Murr zuweilen in einem der Manuskriptkörbe zu einem Schläfchen Platz. Dann kann es geschehen, daß er mit den physikalischen Gesetzen in Konflikt kommt, wenn er seinen „Schwerpunkt" im Körbchen zu weit über den Rand des Regals hinausverlegt. Meist geschieht das hinter dem Rücken eines in Gedanken Versunkenen, so daß der Fall und das Umherwirbeln der mitgerissenen Manuskripte auf alle Fälle überraschend wirkt.
Um seine unsanft gestörte Ruhe fortzusetzen, nimmt Murr dann wohl, ohne zu fragen, auf dem Schoß eines der Anwesenden Platz. Es ist ihm höchst gleichgültig, ob diese „Anwesenden" seine Freunde oder etwa fremde Besucher sind, die von seiner Existenz keine Ahnung hatten, und für die es daher eine große Ueberraschung bedeutet, plötzlich einen fremden Kater auf dem Schoß zu halten, der sich .-.ans fapon zum Schlummer zusammenrollt. Bis jetzt hat aber noch jeder diese Bevorzugung von selten Murrs zu schätzen gewußt, und es erscheint überhaupt unmöglich, sie zurückzuweisen.
Murrs liebster Spielkamerad und bester Freund ist ein grauer, zottiger Hund. Mit ihm jagt er sich spielend durch alle Räume, läßt sich von ihm bewundern und die rosigen Ohren lecken. Einträchtig wie Max und Moritz laufen beide zur Tür, wenn es klingelt und sehen, sozusagen Kopf an Kopf, mit neugierigen Augen den Eintretenden entgegen. Ein überraschender Anblick für den Besucher und ein in Geschäftsräumen gewiß außergewöhnlicher Empfang! Murr ist weiß, mit einem außergewöhnlich dicken, buschigen Schwanz und einem vorwitzigen dunklen Fleck auf der Nase. Mit großer Anmut leckt er das Milchschälchen aus, das auf einem der Schreibtische immer für ihn bereitgestellt wird. Im Vor« übergehen wirst er dann wohl einen Blick in eine illustrierte Tierschutzzeitung, entdeckt das wohlge« lungenc Konterfei eines Vetters und spielt mit den Pfoten in den raschelnden Seiten des Heftes.


