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Die Burg Der Künstler-

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Rahnefeld (Mittelst.

berget (Soz.) sprechen sich entschieden gegen die Steuer awä; von den Rednern der Sozial- bemofraten wird besonders und wiederholt her- vorgehoben, daß die ^Brauereien als Hersteller die Biersteuet doch nicht selbst übernehmen wür­den, das Gastwirtsgewerbe die Belastung nicht tragen könne, mithin die Steuer auf die Konsu­menten abgewälzt werde; die gleichen Gesichts­punkte hebt Dtadtv. Rahnefeld hervor. Stadtv. Ricolaüs (Mittelst. Dgg.) macht gel­tend, die Einführung der Biersteuer habe zur Voraussetzung, bah die Realsteuern gesenkt wür­den. Das sei hier aber nicht der Fall, im Gegen­teil feien die Rralsteuern noch erhöht worden. Soweit seine Fraktion nicht gegen die Vorlage stimmen werde, enthalte sie sich der Stimme. Die Stadtv. Dr. Krausmüller (Di. Vp.), Fischer (Dem.) und G o erz (Fr. Dgg.) treten inamenS ihrer Fraktionen für die Steuer ein. Diese Redner erkennen gleichfalls die schwierige Sage des Gastfrirtsgewerbes an, aber sie er­warten unter Hinweis auf die durch hohe Divi- Dendezahlungen bewiesene gute wirtschaftliche Lage des Brauereigewerbes, daß die Bonue-

aus ist der Sonnenuntergang besonders schön. Ja so", lacht sie,das wäre noch etwas füc Sie". Ich sah sie fragend an.Ich meine die Sandalen", war ihre Antwort.Ohne diese unternehme ich keine Reise in die Berge mehr. Diese Sandchlen bestehen aus Leinenstoff mit einer Sohle aus geflochtenen Hanfschnüren. Mit ihnen beschuht, kann man die steilsten, steinigsten Wege hinabgehen, ohne auszugleiten. Sie schmie­gen sich förmlich dem Wege an. Man verstaucht sich in ihnen nie den Fuß, läuft sich keine Blasen an und schreitet so leicht dahin, als habe man Flügel. In den Pyrenäen tragen Männer und Frauen nur diese Sandalen. Die mitleidigen Blicke schwerbeschuhter Wanderer, die mich im Vorbeigehen treffen, kümmern mich toenig. Wüß­tet Ihr, wie viel leichter ich es habe mit meinen! Sandalen als Ihr mit Euren Nagelschuhen, ist mein stiller Gedanke. Ratürlich gilt dies nur für trockenes Wetter. Bei Regen wandern meine Sandalen in den Rucksack und dienen mir am Ziel des Weges als Hausschuhe."

Hiermit verliest mich meine freundliche Tisch­genossin. Ich aber probierte ihre Rezepte und fand sie ausgezeichnet. And darum möchte ich sie vielen meiner toanbernben Mitschwestern zugute kommen lassen.

Ein Antrag der Stadtverwaltung fordert Die Erhebung einer Viersteuer in der Stadt Gießen. Der Steuer unterliegt der örtliche Ver­brauch von Bier, das entweder im Gemarkungs­bezirk hergestellt oder hierher eingefuhrt wird, mit einem Sah von 7 Prozent des Hersteller­preises. Steuerpflichtig ist der Hersteller oder derjenige, der Bier in den Verbrauchssteuer- bezirk einführt. Die Steuerordnung soll am 1. Oktober 1927 in Kraft treten. Der Finanzaus­schuh hat mit Mehrheit beschlossen, der Steuer­ordnung zuzustimmen. Die Vorschriften lehnen sich eng an eine vom Ministerium herausgegebme Mustersatzung an. Die Zustimnnmg der Fw.anz>- ausschuß-Mehrheit erfolgte mit Rücksicht darauf, idast die Realsteuern für 1927 nicht so erhöht worden sind, um ohne diese Steuer den Fehl­betrag des Haushalts für 1927 decken zu köimen. Auch über diese Vorlage wird sehr lange de- '' - Beckmann (Soz.),

Hauses bekannt, daß er durchaus kein Grundsatz sicher Gegner des Viehhofes gewesen sei. Da derGießener Anzeiger" die Aufnahme eurer Berichtigung dieses Inhalts gegen die oben, zi­tierte Bemerkung abgelehnt habe, müsse er (Red­ner) die Sache hier richtigstellen, damit falsch? Anschauungen in der Bürgerschaft korrigiert wür­den. Im Anschluß an diese Darlegungen des Stadtv. Balzer wendet sich Stadtv. S chm ah l (Fr. Vg.) an die Verwaltung mit dem Ersuchen, in Zukunft derartige persönliche Erklärungen in der Stadtverordnetensitzung nicht mehr zuzulassen, zumal wenn das Haus noch eine so lange und wichtige Tagesordnung vor sich habe wie heute. Zum Schlüsse bemerkt Stadtv. Schmäht noch wörtlich: ..Die Stellungnahme des Herrn Bal­zer zum Biehhof interessiert uns hier gar nichl' Weitere Wortmeldungen erfolgen nicht. (Wir ver­weisen auf unsere Antwort an Herrn Balzer in der Einleitung des Berichts. D. Red.)

lieber die übrigen Berhandlungspuntte wer^ den wir morgen beachten.

gerichtet und außerdem durch einen Anbau erweitert - cherden soll. Alle diese Vorteile, die eine allseitig be- friedigende Lösung der Schulhausfrage darstellen, rnachen den Entschluß zur Ausbringung der Mittel leicht. Wenn auch nicht alles so wahrgenommen werden kann, wie es ursprünglich geplant und von der Lehre^chaft gewünscht war, wenn auch angesicyts der Finanzlage ein starker Verzicht hingenommen werden muß, so sollte man nun aber von werteren Einwendungen absehen. Jetzt ist eine Mittellinie ge= sunden worden, auf die man sich einigen rann, -ia) bitte angesichts dieser Sachlage, von einer werteren Erörterung abzuseyen und die Vorlage einstnnmrg anzunehmen, damit umgehend die letzten Vorberer- timgen getroffen und die Arbeiten noch in diesem Jahre begonnen werden können. Mit dem heuttgsn Beschluß soll der Weg freigemacht werden zum Han­deln. Der Aufforderung des Ausschußbericht­erstatters entsprechend wird die Vorlage ohne weitere Aussprache einstimmig genehmigt.

Ern weiterer Antrag der Anterkommrssron beantragt folgende Beschlußfassung:

Für Behebung des bei der gewerblichen Fortbildungsschule bestehenden Mangels an An- terrichtsräumen wird für die Erstellung von Be­helfsbauten mit bis zu 7 Klassenzimmern ein Kredit von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt. Die Entscheidung über das für die Aufstellung der Bauten in Anspruch zu nehmende Gelände, das sich in nächster Rähe der Gewerbeschule befinden mühte, und die Art der Ausführung soll die Baudeputation treffen, nachdem von dem Stadtbauamt ein entsprechender Vorschlag aus­gearbeitet ist. , _.

Als Ausschuhberichttrstatter bemerkt Stadw. Dr. Krausmüller: Diese Vorlage ist eine Ergänzung zu der vorhergehenden. Gegenwärtig sind Klassen der Fortbildungsschule auswärts untergehracht, auch in Gastwirtschaften. Cs ist notwendig, daß bis zum l.Rovember 7 Schnl- säle beschafft werden; hierfür sollen die 20 000 Mark dienen. Diese Schulsäle sollen in Baracken­form in der Rahe der Schule erstehen. Diese Ba­racken sollen so hergerichtet sein, daß sie nach dec Vollendung des neuen Schulhauses wieder abgebrochen und an anderer Stelle als 2^t- wohnungen verwendet werden können. Die Vorlage wird gleichfalls einstimmig angenommen.

Ausbau von Strafen.

Auf Antrag des Bau-Ausschusses wird eine Erhöhung des für 1927 vorgesehenen Kredits für Kanalbauten um 200 000 Mk. genehmigt. nach­dem Beigeordneter Dr. Hamm als Bericht­erstatter pie Notwendigkeit dieses Beschlusses mit dem Ausbau noch weiterer Strahenstrecken be­gründet hat. Stadtv. S ch w i e d e r (Dt. W>.) Bittet, bci dieser Gelegenheit auch an die Er- | schliehung des Rordost-Biertels zu denken. Bei­geordneter Dr. Hamm antwortet, Paß dahin­zielende Maßnahmen bereits vorgesehen sind.

Städtische Spende für die Anwettergcschädigten in Sachsen.

Oberbürgermeister Keller gedenkt am Ende der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung in herzlichen Worten der bedauernswerten Volks­genossen in Sachsen, die durch die furchtbare Un­wetterkatastrophe so schwer betroffen wurden, und spricht namens der ganzen Stadt die tiefe Anteilnahme und das warme Mttgesühl mit den schweren Verlusten an kostbaren Menschen­leben und wertvollen Gütern in dem Rotgebiet aus. Als äußeres Zeichen der Anteilnahme der Stadt Gießen bewilligt das Haus auf Antrag der Stadtverwaltung einstim'ittiq den Betrag von 3000 Mark zur Linderung der Rot ber leidenden Volksgenossen in dem Unfrei tergebiet.

Sladkv. Daher gegen denGießener Anzeiger".

Am Schlüsse der öffentlichen Sitzung nimmt Stadtv. Balzer (Mittelst.-Vg.) das Wort zu einer persönlichen Erklärung gegen denGieße­ner Anzeiger". Stadtv. Balzer glaubt, mit unserer Bemerlung in dem Bericht über die vorige Sitzung des Hauses im AbschnittGe­nehmigung des Viehhof-Projekts":Da­für stimmt auch Stadtv. Balzer, der diel es Projekt im vorigen Jahre so entschieden bekämpft hat", hätten wir gesagt oder sagen wollen, er sei grundsätzlicher Gegner des Diehhofes gewesen und habe nun doch f ü r das Projekt ge­stimmt. 3n einer langen Erklärung, wobei er mehrfach Bruchstücke avä von uns abgebmdten, aber auch ab gelehnt en Artikeln qus seiner Feder vorliest, gibt er bei wiederholter Heiterkeit des

reimt einen Teil ihres auhero^entllchen Ge­winnes dergestalt der Allgemeinheit zur Vsr> fagimg stellen, daß sie diese Steuer Ä auf sich übernehmen. Eure Abwalzung dieser Steuer auf das Gastwirtsgewerbe und dann auf die Konsumenten fei nicht berechtigt. Dm einem Preis von 35 Mk .ie Hektoliter werde die jetzt vorgeschlagene Bierst^ier sage und schreibe 1 Pfennig für ;edes Glas Bier aus­machen, und diesen einen Pfennig Biersteuer brauchten die Brauer nicht abzuwalzen, so daß also eine Belastung der Gastwirte oder eine Er­höhung der Ausschankpreise durchaus mcht am Platze sei. Durch diese Steuer komme für die Stadt ein Betrag von 50 000 Mk. in ^^ttacht, an dem man angesichts der stark beanspruchten anderen städtischen Steuerquellen mcht voruber- gehen könne. Oberbürgermeister Keller bringt ?um Ausdruck, daß ihn der Verlauf der Aus­sprache nicht befriedigt hat. ^Wenn ,notwendige Rahrungsmittel im Preise erhöht wurden, habe er im Stadtparlament keine Klagen gehört, wenn aber - wie hier - ein Getränk mft 1 Pfennig je Glas besteuert werden solle, muffe man so lange Debatten erleben, obwohl doch das Reich den Gemeinden kaum noch eine Steuerquelle ge­lassen habe. Die sozialdemokratische Fraktion m Offenbach habe der Biersteuer zugestimmt. Wenn unsere Stadt nicht alle lohnenden Skeuerquellen ausschöpfe, verliere sie das Recht, sich an Mfr9 ren maßgebenden Stellen zu Beilagen. Ger Red­ner gibt zum Schluß zur Kenntnis daß die so­zialdemokratische Fraktion namentliche Abstim­mung beantragt Hal. Aach einigen Bemerkung^ -des Stadtv. Beckmann (Sog.) wird die Aus­sprache geschlossen. Es folgt nun die nament­liche Abstimmung. Dem Antrag der Ver­waltung und des Finanzausschusses auf Er­hebung der Biersteuer stimmen z u: die Stadtv. Frau Diermam', Fischer, Goerz, Hanbach. Hohn, .Horn, Kirchner. Kreiling, grau Kramer. Dr. Krausmüller, Löher. Leop. Mäher, Frau Ro­mann, Schmahl. Schfrieder, Wenzel, sowie die Beigeordn. Klinqspor, Dr. Rosenberg. Dr. Hamm, Dr. Frch. Dr. Seid und Oherbiirgermelster Keller. Dagegen stiinmen: die Stadtv. Balzer, Baum, Beckmann, Christ, Diener, Hornberger, Kästner, Jos Meier, Mann. MovSdorf. Frau Otti.ie, Raßnefeld. Frau Reh. Schmidt und Vetters. Stimmenthaltung üben: die Stadtv. Kurz, Lannsbach. Ricolaus. Ringel. 'Drißbecker. Die übrigen Mitglieder des Hauses fehlen. Mithm ist die Vorlage mit 22 gegen 15 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen angenommen.

Errichtung von Echulhausbauten.

Die Unierkommission für Schulhausbauten und des Bau- und Schulausschusses beantragt folgende Beschlußfassung:

a) für die Errichtung neuer Schulhausbauten und Ergänzung der Schillerschule wird ein Kredit von 2 Millionen Mark zur Verfügung gestellt.

b) Die Schulhausfrage soll dadurch gelöst wer­den, daß die Pcstalozzischule für die Berufsschulen zur Verfügung gestellt wird, daß 1j Volksschul­neubauten mit 24 bzw. 12 Klassen und ein Anbau an die Gewerbeschule errichtet werden, sowie daß die Schillerschule durch einen Zwischenanbau ergänzt und in ihrem jetzt bestellenden Teil instandgesetzt wird.

c) Die Stadtverwaltung wird ermächtigt, etwa erforderlich werdende Enteignungsverfahren einzu­leiten und durchzuführen.

Stadtv. Fischer als Ausschuhberichterstatter bemerkt zu diesem Antrag: Das Ergebnis von mehr­jährigen Beratungen liegt jetzt vor uns. lieber die Notwendigkeit einer durchgreifenden Verbesserung unserer Schulverhältnisse braucht man heute kein Wort mehr zu sager.. Die Volksschule an der Nord­anlage (Pestalozzischule) wird als Volksschule auf­gehoben und der Gewerbeschule mit allem, was dazu gehört, überlassen. Ein Anbau an die Gewerbeschule soll dazu dienen, hier den erforderlichen Raum für die Fortbildungsschulen zu schaffen. Dadurch wird er­reicht, daß diese Schulen dahin kommen, wo sie hingehören: in die Mitte der Stadt. Durch die letzige Regelung kann aber auch ein großer Uebelstand un­serer bisherigen Volkschulplätze beseitigt werden: wir bekommen nun eine richtige Verteilung der Schul- 1) auf er, denn für das aufgegebene Volksschulhaus an ber Nordanlage wird ein Neubau an ber Wolfstraße und ein anderer in der Crednerstraße erstellt werden. Durch diese Verteilung werden vielen Kindern in Zu­kunft weite Wege zu den Schulen erspart bleiben. Ein weiterer Vorteil der jetzigen Lösung ist der, daß das Schulhaus in der Schillerstraße völlig neu her-

Wie ein Fleckchen Seligkeit, aus einem moderten RitterbUderbogen gehascht, so liegt die Reuburg bei Passau. Eine trutjig*? Burg: Mit Türmen und Bastionen. Einst zerfallen, verludert und vergessen. Jetzt reckt sie sich wieder wie ein aufwachenden Ritter, der sich d^i Schlaf aus den Augen reibt und erstaunt unter feinen Füßen das flitzende Band des 3nn blitzen sieht und zu Häup- ten die Kronen grüner Bäume quirlen hört.

Einst tafelte und saß hier ein hartes, ränke­süchtiges Geschlecht in seiner Landsknechtsglorie. Adlerhaft frarf cs sich Über die reichen Schiffe, die von weither, bis an den Rand gefüllt, der Donau zustrebten. Hier wurde gefochten, gesungen, gefoltert und geliebt. Hier glitten die knisternden Schleppen zärtlicher Burgfräulejn über die zier- sichen Treppen. Hier war eine Welt, über die sich schützend ein frischer Himmel spannte, der nachts

sein Millionenheer der Sterne in die Butzenschei­ben frars. Käuzchen schreien. Und der Mond ließ Schwerter und Lanzen aufblitzen. 3n den Rischen rußten und zuckten Fakeln. An den weiten Ka­minen schaukelte sich auf den Spinnweben eine Zeile aus einem silbernen Minnesänrnwgesang. Draußen tropfte der Brunnen: Jeder Klang ein Märchen. Rosen hauchten ihre Farben in die Rächt: jeder Hauch ein Liebeslied.--

Das ist wohl lange her. And die Stürme sind über die Burg gegangen. Die Mauern wurden angefressen. Feuer loderten. Zugbrücken verfaul­ten. ilnb eines Tages kam ein schwerreicher Mann, erwarb für blanke Taler dieses halbver­kommene Ritterhimmelreich und wirtschaftÄe hier in seiner Großmannssucht, schwindelte sich in einen adeligen Glanz hinein, bis er's satt hatte und dieses klobige, bärbeißige Spielzeug stehen lieh.

IXnb dann kam ein bayerischer Professor, er­warb den ganzen Kram für eine lächerliche Summe und fing nun an, mit künstlerischer Begeisterung und mit Zuschuß seiner Regierung diesen Fund für deutsche Künstler zu entdecken. Er tat das mit einer künstlerischen Frömmigkeit, die jeden Stein andächttg betrachtete, jeden Raum liebevoll um­fing, jedes Fenster zärtlich abtaflete, jeden QU* tan wie ein großes Wunder auf sich wirken lieh.

Rach einigen Jahren hatte er die Burg so freit, daß sie wieder ritterlich stehen konnte, daß sie wieder Geschichte in sich fühlte.

And nach weiteren Jahren riß die Burg ihre vielen Zimmer gastlich auf, ihre Säle, ihre Kirche, ihre Kemenaten. Änd alles war fast wie vorher, als hier noch Panzer klirrten und Pagen sich im Bogenschießen übten.

Maler strömten hin in die Burg, und sie liehen sich's gut fein. Unb die Burg stemmt sich schützend vor das Malervoll, damit der wüste Atem dieser Zeit die Flügel ihrer Seele nicht versenge. Hier, auf Reuburg, in diesen Räumen dieser Luft, hier leben sie für einige Monate ir.i Jahr: sorgenlos, billig. Dem reisigen Geschlecht ist ein lustiges, buntes Geschlecht gefolgt: das im Dnrgteiche herumschwimmt, mulattenbraun wird, bei Windlichtern im Rittersaale tanzt, auf hohem Altane deklamiert und im Grase vor Staffeleien liegt. Ein Geschlecht, das sich in diesen Tagen Kräfte holt zum Siege.

Allerlei praktischez für die Reife.

Von Frieda von Oppeln.

Drückend liegt die Sommerhitze über der Stadt. Alles sehnt sich nach grünen Matten, nach Wald und Berg. Schon der Gedanke, den Tag über auf einer Wiese zu liegen und auf das Rauschen von Wasser und Wind zu hören, hat etwas Erfrischen­des. Wohl denen, die ihre Wünsche in die Tat umsetzen können! Hinauswandern dürfen in die herrliche Bergwelt. Wandern! Welch ein Zauber liegt in dem Wort. Frei, ungehemmt, bald hier bald dort zu rasten, frie es die Stimmung mit sich bringt. Der Koffer wird vorausgeschickt und soll uns an einem der größeren Plätze des Harzes, Thüringens, des Schfrarzwaldes oder der Baye­rischen Alpen erwarten. Wir aber wandern mit aufgeschnalltem Rucksack fröhlich ins Weite. Er enthält alles, was man füx einige Tage und Rächte braucht. So rücken wir denn abends in unser erstes Nachtquartier ein. Auf der Terrasse des Reinen, gutempfohlenen Gasthauses sehen wir einige hellgekleidete Frauengestalten. Run, auch wir können, nachdem wir den Wanderstaub abge- waschen, eine frische Batist- und Voilebluse an» ziehen. Sie steckt nebst einem zweiten Rock im Rucksack. Doch mit Entsetzen fast ziehen wir ein zerknittertes, kaum mehr kenntlicyeL Etwas heraus. Was ist aus der zarten, blütenweißen Bluse ge­worden! Und nicht viel besser sieht der helle Trikotrock aus! Ueberall Falten, wo keine hinge­hören. ZumAushängen" ist keine Zeit mehr, es läutet zum Essen. Wenn auch nicht bedrückt, so doch sehrzerdrückt" kommen wir in den Speise­saal. Ich erhalte meinen Platz neben einer jungen Frau und bald kommen wir in ein Gespräch. Halb lachend, halb ärgerlich erzähle ich von den Tücken des Rucksacks.

Ja", sagte sie freundlich,mir ging es ganz ähnlich, bis ich eines Tages die Bekanntschaft einer praktischen, vielgereisten Dame machte, die mir eine Fülle von weisen Lehren gab".

Darf ich davon einige bescheidene Brocken ab­bekommen?" frug ich.

Gern", eutgegnte sie lustig,ich werd- Ihnen ein Privatissimum halten. Also erstens: Um eine Bluse im Rucksack tadellos frisch zu transpor­tieren, nehme man zunächst einen Pappendeckel. Dieser darf nur die Große von der Breitenfläch"

des Rucksacks haben, also daß man ihn bequem in diesen hineinschieben kann. Dann legt man die Bluse zusammen, so daß ihre Fläche dem Umfang des Pappendeckels entspricht. Um dies zu er­reichen, breitet man die Bluse auf den Tisch. Aer- mel, Kragen, Falten werdet mft kleinen Steck­nadeln gegen den Stoff befestigt, wie man dies häufig bei fertiggekauften Blusen in den Geschäf­ten sieht. Dann steckt man die so in sich selbst ge­festigte Bluse mit etwas größeren Radeln auf dem Pappendeckel fest und breitet noch ein fri­sches Taschentuch darüber, damit auch das Reiben anderer Gegenstände die Bluse nicht beschmutzt. Vorsichtig schiebt man hie derart präparierte Bluse in den Sack und zieht sie glatt, sauber und hübsch, auch nach langer Wanderung, wieder heraus.

Qlun der Dock. Dieser wird glatt auf den Tisch gelegt, gefaltet und dann gerollt. Ja, so fest gerollt, daß er fast den Eindruck einer dicken, kur­zen Wurst hervorruft. Um ihn in diesem Zustande zu erhalten, steckt man ihn mit Sicherheitsnadeln zusammen.

Wie einfach", rief ich freudig erstaunt,und wie praktisch!"

Meine liebenswürdige Lehrerin lächelte. Ich will Ihnen noch eine ebenso einfache Sache ver­raten. Auf Wanderungen kann man nie genug saubere Taschentücher haben. Ist der Vor­rat aufgebraucht, so findet man nicht immer Wäscherinnen. Oder man muß am nächsten Mor­gen fort und hat keine Zeit zu warten. Ratürlich kann man selber waschen, doch ungebügelte Ta­schentücher sehen immer wie ungewaschene aus. Da lehrte mich die prakttsche Dame folgendes: Das gewaschene und. gespülte Taschentuch wird leicht auSgedrückt, also noch recht naß an eine Fensterscheibe geklatscht, dann sorgfältig auf dessen Fläche ausgestrichcn, bis keine Falte oder Blase mehr zu sehen ist. Dies so geglättete Tuch läßt man an der Scheibe trocknen. Scheint die Sonne daraus, dann geht dies sehr schnell, wobei das Tuch auch n< > gebleicht wird. Ist es ttocken, so löst sich das Tuch von selbst ab und sieht fast schöner aus, als wenn es gebügelt wäre.

Unser Mahl war während dieser lehrreichen Unterhaltung beendigt. Meine Rachbarin erhob sich.Ich will rasch meine Sandalen anziehen,

Herr Balzer semerzett falsch gettppt hEe, frtoe ZjedmUls für ihn besser gewesen, über diese Angelegenheit nun Gras wachsen zu lassen, an­statt mit einerBerichtigung" die in Wrrllich- feit nur ein Lufthieb ist, noch einmal vor Zue Oeffentlichkeit zu treten. Datß er dabei nicht gewinnen würde, hätte er sich von vornherein falber sagen können, und welchen Eindruck er jetzt auf das Stadtparlament gemacht hat, geht omS der widerspruchslos hingenvmmenen Er­klärung des Stadtv. Schmahl, die wir im nachstehenden Bericht reqisttieren, zur Genüge iyertxyr

Sitzungsbericht.

Anwesend: Oberbürgermeister Keller, die Beigeordneten Dr. S e i b, Dr. S r e t), Dr. Hamm, Kommerzienrat Klings Po r, Justiz- iat Dr. Rosenberg und 37 Stadtverordnete. Der Zuhörerraum ist nur schwach besetzt.

Erhebung einer Filialsteuer.

Die Stadtverwaltung beantragt, einem Orts­statut über die Erhebung einer FcklMeuer in der Stadt Gießen zuzustimmen. Rach § 1 des Ent­wurfs sollen Gewerbetteibende, die im Gememve- bezirk -- ohne in ihm ihren Wohnsitz oder Äauptt betriebssitz zu haben - Verkaufsstellen oder Lager unterhalten, von denen aus Waren zum Verkauf abgegeben werden, zur Zahlung einer besonderen Gewerbesteuer Filialsteuer ver­pflichtet sein. Die Filialsteuer soll in der Form eines Zuschlags zur gemeindlichen Gewerbesteuer in Höhe von 200 Prozent der letzteren mu Wir­kung ab 1. April 1927 erhoben werden, lieber die Borlage entspinnt sich eine längere Ausspracye. Die Linke Sozialdemokraten und der 5wmmu- nistlehnt diese Steuer ab, weil sie auf die Verbraucher ab gewalzt werde, mithin eine mm« reffe Besteuerung der Konsumenten bedeute, wah­rend die übrigen Parteien für die Steuer sind, da sie keine Verteuerung der Preise bringen toerOe und vor allem den Zweck habe, für vlle Geschäfte gleiche Wirtschaftsbedingungen zu schaffen atso mit der bisherigen steuerllchen Vorzugsstellung der hiesigen Filialbetriebe auswärtiger -Unter­nehmungen ein Ende zu machen. Die Vorlage tmrd schließlich mit allen Stimmen qegen die der So­zialdemokraten und des Kommunisten angenommen.

Erhebung einer Bicrsteuer.

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= .= @ebe qtbeiten an uns

Die GrgünisMon der Gewerblichen Nitteiftande.

Die Vertreter einer großen Anzahl v Spitzenverbänden aus Handwerk, Handel unu C' werbe, der Kleinindustrie und den freien Bexwe. versammelten sich zu einer Beschlußfassung üb: die Errichtung einer dauernden Arbeitsge meinschaft. In der Aussprache wurden k viele wichtige wirtschafts- und sozialpolitische fr: ideelle Interessen als allen mittel ständischen Be­rufsständen gleich bedeutungsvoll festgestellt, daß es zu einer einmütigen Anerkennung der Ro! frendigkeit kam, sie gemeinsam zu verfolgen. Di' Geltendmachung der Gemeinschaftsinteressen ge^ genüber den Regierungen, Parlamenten, Behör­den und anderen Wirtschaftsverttetungen ist dabei so gedacht, daß sie die vitalen Grundlagen der großen Verbraucherschaft stets sihützen^ mit einbezieht und sich gegen jede einseitige Begünstigung kleiner, aber mächtiger Wollsteile wendet. Das mittelständische Gewerbe fühlt sich in dem ihm aufgezwungenen Kampfe um feine berechtigte Existenz den Verbrauchern am nach/ st en und schicksalsverbunden So gelangt es auch in der einstimmig angenommenen nachstehender Entschließung zum Ausdruck:Die immc stärker in die Erscheinung tretende Einflußnahw von einzelnen Jnteressentengruppen auf die G. setzgebung und die Wirtschaftspolitik hat de gewerblichen Mittelstand und die Verbrauch?: schäft bis zur Unerträglichkeit mit Steuern ur anderen Abgaben überlastet, nachdem sie dut> cie Inflation und die Auffrertungsgesetze berei ihrer Renten und Betriebsreserven beraubt wvi den sind."

Sim diesem Zustand ein Ende zu machen, un um die der volkswirtschaftlichen Bedeutung Oc gewerblichen Mittelstandes und der in der D: friedigung ihrer Dekürfnisse von ihm abhängig. Verbraucherschaft entsprechende wirkliche Geltun zu ^erzwingen, haben die Spitzenorganisativnen de Gewerbes beschlossen, die im Äovember v. I errichtete Abtve'hrfrvnt gegen die Hirtsiefer Verordnung zu einer dauernden auf Brei testen Grundlage auszugestalten Unter Ausrechterhaltung der Selbständigke' jeder Organisation in reinen Derufsangelegen Heiken soll die Geltendmachung gemeinsamer so­zial- und frirtschaftspolittscher Interessen gegen­über den in Betracht kommenden öffentlichen> - perschaften und Instanzen geschlossen erfolgen. Das Organ hierzu soll dieReichs g cm e i n - schäft der Handel- und Gewerbetrei­benden, der Kleinindustriellen un der freien Berufe" sein. Der Beitritt ftei; jeder gewerblichen Fachorganisation und den A» gehörigen aller gewerblichen Stände ohne llncc. schied der parteipolitischen Einstellung offen, fremi sie sich verpflichten, die Solidarität in Gemeinschaftsfragen gemäß den Satzungen zu wahren.

Sprcürftnndetr der NeDaktio».

12 bis 1 Ahr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschloßen.

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