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Wasrika ein neuer britisches Dominium.

Tas Mandatsgebiet wird einbezogcn.

London. 15. 3ulL (XU.) Die englische Regie­rung hat eine Kommission eingesetzt, die die politische und Wirtschaftsoerfassung für ein D o - millium rein tropischen Charakters in Zentral - und Ostafrika ausarbeiien soll. Zuerst sollen die beiden alten englischen ostafrika­nischen Kolonien Kenia und Uganda mit dem Mandatsgebiet Tanganyika, dem ehemaligen Deutsch-Oslasrika, zu eine r Wirtschaftsein­heit verschmolzen werden. Diese drei Kolo­nien sollen nach Art der Linzelstaatcn der Süd­afrikanischen Union ihre provinzialver- f a s s u n g e n erhalten, aber in wichtigen poli­tischen und Wirtschaftsfragen als Einheit aufkreten, vor allem einen einheitlichen Zolltarif be­kommen. Den Kolonien Zansibar. Uyassa- land und Nord-Rhodesien soll zu einem etwas späteren Zeitpunkt gestattet werden, als selb­ständige Einheiten dem neuen Dominium beizu- trelen. In der Begründung zu dem gestern ver­öffentlichten Auftrag der Kommission heißt es aus­drücklich: Die Tatsache, daß wir bezüglich des Ge­bietes von Tanganyika die Pflichten als Man­datsmacht übernommen haben, schafft keine Schwierigkeiten oder Verwicklungen bei der Lesung des Problems der engeren Vereinigung der ost- afrikanischen Kolonien.

Die Schließung des polnischen Sejm.

Pjlsudskis Kamps gegen das Parlament.

Warschau, 15. Juli. (Wolff.) Die polnische Regierung hat den Sejm, wie schon kurz gemeldet, Durch einen Erlaß des Staatspräsidenten ge­schlossen. Wie die Polnische Lelegraphen-Agen- tue aus maßgebenden Kreisen erfahr', hat sich die Regierung hierbei von folgenden Motiven leiten lassen:

1. Die Arbeiten des Sejm und des Senats an den Regierungsvorlagen, wie auch hinsicht­lich der Ratifizierung der aus internationalen Gründen notwendig erscheinenden Verträge waren bereits erschöpft.

2. Rachdem die vom Standpunkt dec allge­meinen Staatsinteressen gebotenen Arbeiten be­reits beendet waren, wurden gerade in den letzten Lagen Fragen angeschnitten, die einerseits das Bestreben auf Einschränkung bestimmter Prärogative des Staatspräsiden­ten, andererseits aber auch alle Anzeichen eines ernstes Konfliktes zwischen den beiden parlamen­tarischen Körperschaften verrieten. In der Ab'icht, den Folgen dieser Lage vorzubeugen, hat sich die Regierung entschlossen, dem Staatspräsidenten gemäß den Artikeln 25 und 37 der polnischen Staatsverfassung einen Antrag auf Schlie­ßung der außerordentlichen Session des Senats und des Sejm vorzulegen.

3. Die beiden legislativen Körperschaften sind als für die Dauer von einigen Monaten suspen­diert zu betrachten Während dieser Zeit sollen Vertrage ausgearbeitet werden, die dann den Kammern zur Beratung vorgelegt werden.

Die Morgenpresse nimmt in lebhaften und teilweise sehr drastischen Aeußerungen zu der demon^ strativen Schließung des Parlaments Stellung. Die meisten Blätter nehmen schärf st e oppositio­nelle Haltung gegen die Regierung ein.War- szawianka" fragt, wozu der Sejm überhaupt einberufen worden sei, und erklärt, wenn die Reaieruna die Haltung des Sejm nicht teilen wollte, so hätte sie ihre Stellung lieber offen erklären und den Sejm auflösen sollen. Der sozialistischeRobot- nik" schreibt, die Methode der Regierung konnte nur das Ziel haben, das Ansehen des Parla­mentarismus herabzudrücken und seine Stellung im Staate zu schwächen. Die Regierung zerstöre die Achtung des Volkes vor den demokrati­schen Grundlagen. Die offiziöseEpoka" jagt, es handele sich um einen Kampf zwischen Sejm und Regierung. Die Regierung hätte eine Schwächung ihrer Stellung durch den Sejm nicht zulassen können. Die Abgeordneten müßten zu der Ueberzeuguna kommen, daß man an der Konstitution nicht immer schon nach Maßgabe äußerlicher Situa­tionen etwas stückeln könne. Man könne aus den Fundamenten des Staates nicht immer Einzelteile herausnehmen und neue hinein setzen, weil dies zur Zerstörung des Staates führen werde. Das Pilsudski-OraanGlos Prawdy" erklärt, die Schließung der Session sei dasein zig richtige Mittel zur Bekämpfung des Gespöttes der Natio­naldemokraten auf die Konstitution, (lieber die all­gemeine politische Lage in Polen unterrichtet ein Brief unseres Warschauer Korrespondenten, den unsere Leser im Beiblatt finden.)

Die Regierungsbildung in MeckSenburg-Strelitz.

Neustrelitz, 14. Juli. (WB.) Nachdem die Versuche der sozialdemokratischen Frak­tion, eine Regierung auf Grund des Wahlergeb­nisses zu bilden, infolge der ablehnenden Haltung der Fraktion für Handwerk und Gewerbe au keinem Ziel geführt hatten, wurde seitens der oeutschnationalen Fraktion mit der Frak­tion der Handwerker, der Volkspartei und der Demokraten verhandelt mit dem Er­folg, daß es nach langen Verhandlungen nunmehr ge­lang, eine neue Regierung mit den beiden bisherigen Ministern Dr. Hustädt und Schwabe zu bilden. Der neue Landtag wird vom Staatsmini- sterium auf den 26. Juli einbernfen werden, um die Präsidentenwahlen und die Bestätigung der beiden Minister zu vollziehen.

Die chinesischen Wirren.

Schanghai. 14. Juli. (Reuter.) Der Bür­gerkrieg in China scheint eine neue Wen­dung zu nehmen. Aus Peking eingetroffeno Rachrichten besagen, daß Tschiang Kat­sch e k sich in der Richtung Pukau zurückziehe, weil er den Angriff aus Ranking von Hankou aus befürchte. Rach einem Funkspruch aus Kiu° kiang sind Truppen aus Hankau in Kiuliairg unter dem Befehl des Generals T s ch a n g Fu - tuet angekommen, der die Absicht äußerte, Ran- king anzugreifen. In Peking ist man der Mei­nung, daß die Haltung Feng Ju-hs längs, falls es zu einem Kamps zwischen Hankou uiw Ranking kommen sollte, von großer Bedeutung sein werde. In gut unterrichteten Kreisen gezweifelt, daß sein vor kurzem mit Tsti;c,;tg Kai-schek abgeschlossenes Bündnis a u f r i ch , ,7

gemeint ist. Man hält es für wahrscheinlicher, daß Feng auf die Seite Hankaus trete. Die vor einigen Monaten von gruppen Tschang- tsolins auf einem Schiff des Vangtseflusses ge­fangengenommene Frau Borodin, dre Gat­tin des russischen Beraters der Regierung von Hankau, ist in diesen Tagen mit drei russischen Kurieren zusammen wieder f re i ge l a ss en wor­den In Peking herrscht über die sreilassung große Erregung. Die freigelassenen Russen halten sich augenblicklich im G e s a n d f ch a f t s- viertel auf. Die chinesischen Behörden haben beim holländischen Gesandten, dem Doyen des Diplomatischen Korps, Schritte unternommen und die Auslieferung der Russen gefordert. Rach einer Beratung im Diplomatischen Korps lehnte es der holländische Gesandte ab, die Rus- sen nach ihrer formellen Freilassung wie Ver­brecher wieder auszuliefern.

Das Steuervsreinheillichungs- gesetz.

Berlin, 14. Juli. (WTB.) Das Reichs­kabinett verabschiedete in seinen letzten Sitzungen außer dem Reichsschulgesetz u. a. das eo t e u e r - Vereinheitlichungsgesetz, welches als Mantelgeseh vier Einzelgesehe umfaßt. Cs handelt sich dabei um das Grundsteuerrahmengesetz, das Gewerbesteuercahmengeseh, das Gebäudeentschul- dungssteuergeseh und das Steueranpassungsgeseh. Diese vier Gesetze werden durch ihren gemein» famen Zweck miteinander verbunden. Sie dienen der Vereinheitlichung und Vereinfachung der Steuern selbst und der Steuerverwaltung und sollen auch eine Ersparung an Verwaltungskosten und größere Bequemlichkeit für die Steuerpflich­tigen herbeifuhren.

Aus <xüer Welt.

Deutscher Fwttcnbesuch in Danzig.

Zum Besuch der Freien Stadt Danzig ist vor einigen Tagen das LinienschiffHessen" mit einigen kleineren Schiffseinheiten im Danziger Hafen eingetroffen und von der Bevölkerung aufs herz­lichste begrüßt worden. Der Senat der Freien Stadt veranstaltete im Artushof einen offiziellen E m p - f a n g s a b e n d. Im Verlaufe des Essens hieß der Präsident Dr. Sa hm die deutschen Marineange­hörigen in einer längeren Ansprache herzlich will­kommen. Er erinnerte daran, daß Danzig seit 700 Jahren eng mit dem Meere und der Schiffahrt ver­bunden sei. Noch stärkere Bande, nämlich die Bande des Blutes, seien es, die Danzig mit den deutschen'' Seehelden eine. Die alte deutsche Kriegsflagge des ehemaligen deutschen KreuzersDanzig" habe zu Ehren der deutschen Kriegsmarine in Danzigs herr­lichstem Repräsentationsraum, im Artushof, einen Ehrenplatz erhalten. Der Redner erinnerte dann an den großen Danziger Seehelden der Hansezeit, Paul Beneke, und betonte besonders, daß die erste preu­ßische Dampfkriegskorvette den NamenDanzig" mit Ehren geführt habe. Das deutsche Kriegsschiff Nymphe" habe Danzig am 21. August 1870 vor der Blockade und der Beschießung von vier französi­schen Kriegsschiffen geschützt. Nachdem Präsident Sahm noch der für das deutsche Vaterland ge­fallenen toten' Helden gedacht hatte, schloß er mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die deut­sche Flotte sowie die beiden Schiffe Hessen" und T 190". Nach dem Absingen des Deutschlandliedes dankte der Kommandant des Linienschiffes, Kapitän zur See Junkermann, dem Senatspräsidenten für dessen herzliche Begrüßungsworte und gab seiner Freude über den begeisterten Empfang Ausdruck, den die deutschen Kriegsschiffe in Danzig gefunden haben. Er schloß mit einem dreifachen Hurra auf die Freie Stadt Danzig.

Das Urteil im Kutisker-Prozeß.

Berlin, 14. Juli. (Wolff.) Im Kutisker- prozeß beantragte der Verteidiger des verstor­benen Hauptangeklaaten Iwan Kutisker im Hin­blick auf den Tod Kutiskers die E i n st e l l u n g des Gerichtsverfahrens. Der Staatsan­walt schloß sich diesem Anträge an. Der Vor­sitzende teilte nach Beratung des Gerichtshofes mit, daß jede gerichtliche Maßnahme gegen einen Verstorbenen unzulässig sei. Es sei infolge­dessen auch keine Einstellung des Verfahrens er­forderlich. Das erste Urteil sei nun rechts­kräftig geworden, doch seien also auch keine Folgerungen nötig. Die Strafe für Alexander Kutisker wird von sechs Monaten Gefängnis auf vier Monate Gefängnis herabgesetzt. Auch bei den anderen Angeklagten werden die Strafen z. T. herabgesetzt: bei einigen erfolgt Frei­sprechung.

(Eröffnung

der elektrischen Bahn Kufstein-Rosenheim.

Am Mittwoch wurde die Fernleitung der Bahnlinie RosenheimKufstein unter Strom ge­setzt und ab Freitag werden öie ges amten Züge elektrisch gefahren. Aus Anlaß der Eröffnung und Aufnahme des elektrischen Be­triebes MünchenKufstein und des durchgehen­den elektrischen Verkehrs zwischen Bayern und Oesterreich findet am Dienstag, dem 26. Juli, in Kufstein eine Feier statt, an der Vertreter der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft und der österreichischen Bundesbahnen, sowie der Regie­rungen der beiden Reiche und der Länder teil- nehmen. Don der österreichischen Regierung wird Bundesminister für Verkehr, Dr. Schürf f, er­scheinen.

Wiederaufnahme des Verkehrs auf der Harzquerbahn.

Heute mittag soll der Verkehr auf der Harz­querbahn wieder aufgenommen werden. Die Auf- cäumungs- und Wiederherstellungsarbeiten sind soweit gedieheü, daß an der Unglücks stelle die Fahrgäste durch Um st ei gen aus einem in den anderen Zug weiterbefördert werden können. Inzwischen ist man eifrig am Werk gewesen, eine Schuhmauer von großem Ausmaße zu schaf­fen und nach ihrer Errichtung den Damm über den die Gleise der Bahn gehen, erneut aufzuschütten, eine Arbeit, bis zu deren Beendigung noch 10 bis 14 Tage vergehen dürf­ten. Jetzt, nachdem die ungeheuren Wasser­massen. die vor einer Woche zu Tal gingen, sich verlaufen haben und die Möglichkeit gegeben ist ein einigermaßen zuverlässiges Urteil über die Entwicklung der Katastrophe zu geben, hat die Direktion der Rordhausen- Wernigeroder Eisen- bahngesellschaft beim Reichsverkehrsministerium in Berlin die nochmalige Entsendung von Sachverständigen beantragt, um alle zur Aufklärung der Unglücksurlachen erforderlichen Feststellungen zu machen Diese Kommission, der 'Seheimrat Fritz- Berlin und Vizeveäsident Riemann-Magdebu.g angeboren ist bereits ' einqe-roffen. Eine Abteilung Pioniere stellt ein

einheitliches Bett für die Holtemme her, die sich seit dem Unwetter in mehrere Arme ge­gabelt hat.

Neues Unwetter in Sachsen.

Donnerstag mittag ist über Liebstadt und das obere Seydewihtal abermals ein über­aus heftiger Wolkenbruch nieteraegangen, der eine etwa 3Vr Meter hohe Flutwelle hervorrief. Die Pirnaer * Feuerwehr sowie die im Unwetter­gebiet arbeitende Reichswehr wurden alarmiert, doch ist irgendein erneuter nennenswerter Per­sonen- oder Sachschaden nicht zu verzeichnen.

Acht tödliche Vadennsälle in der Elbe.

Beim Baden in der Elbe ertrank bei Wer­ben ein 19jähriges Dienstmädchen. Ein polnischer Arbeiter, der das Mädchen zu retten versuchte, ertrank gleichfalls. Tags zuvor wurde bei Wer­ben die Leiche eines jungen Mädchens ange- schwemmt. Bei Dlekede ertranken ein ^jäh­riges Mädchen aus Hamburg und zwei Knechte, in Boizeuburg eine 10jährige Schülerin, in Dömitz zwei junge Leute, die in einem Rach­bardorf bedienstet waren. Ein Schüler rettete bei Dömitz ein lOjähriges Mädchen.

Bei der Rettung tödlich verunglückt.

Ein junges Mädchen geriet bei Höch stä d t in Schwaben beim Baden in der Donau in eiinen Strudel. Ein vorbeigehender Postassistent, der ihr zu Hilfe eilte, wurde ebenfalls von dem Strudel erfaßt. Beide fanden den T0d in den Wellen in Gegenwart der Frau des Post- assistenten und des Vaters des Mädchens.

Vater und Sohn vorn Blitz erschlagen.

Im Kreise Guhrau wurden ein 60jähriger Landwirt und sein Sohn, die auf dem Felde mit Heuen beschäftigt waren, vorn Blitz getroffen und sofort getötet.

Unwetter aus dem Westerwald.

Auf dem Westerwald sind schwere Gewitter mit heftigen Regenfällen niedergegangen. Unweit von R e u st a d t wurde ein Hilfspoliz^ibeamter, der in seiner dienstfreien Zeit mit ©mtearbeiten auf seinem Felde beschäftigt war, vom Blitz erschlagen. Der Unglücksfall ist um so tragi­scher, als 10 unversorgte Kinder an der Bahre ihres Vaters trauern.

Die deutsche Kolonie in Palästina unversehrt.

Rach den Meldungen des deutschen General­konsulats in Jerusalem sind bei dem schweren Erdbeben in derdeutschenKoloniekeine Personen zu Schaden gekommen. Die , Beschädigungen sind verhaltnismüßin gering. D.e deutschen Kolonien im Lande sind, soweit bisher festzustellen war, wenig von dem Erdbeben betroffen worden. Die deutsche Anstalt in Jeru­salem ist mit Ausnahme der Oelbergstif- t ung, die leider überaus schwer beschä­digt worden ist, nur wenig in Mitleidenschaft gezogen worden.

Eine Hitzewelle in den vereinigten Staaten.

In Aeuhork und anderen Städten an der Küste war Donnerstag der heißeste Tag des Jahres. Die Temperatur schwankte zwi­schen 32 bis 38 Grad Celsius. In Reuyork sind sieben sPersonen, in Philadelphia acht und in mehreren anderen Städten zwei Personen an Hihschlag gestorben. Diele Geschäfte hat­ten am Rachmittag ihre Betriebe ge­schlossen, um den Angestellten Gelegenheit zu geben, sich im Freien zu erholen. Feuerwehr­leute setzten die Schlauchleitungen der Wehr in Tätigkeit, so daß die Kinder sich an den kühlen Wasserstrahlen erfrischen konnten. Mehrere tau­send'Personen blieben nachts am Strande.

von der Mähmaschine zerschnitten.

In Domih bei Könnern an oer Saale er­eignete sich ein gräßlicher Unglücksfall. Als ein landwirtschaftlicher Arbeiter die in Unordnung geratene Mähmaschine nachsehen wollte, zogen die Pferde plötzlich an und der Unglückliche wurde von den Messern der Maschine buchstäblich zerschnitten. Er starb kurz daraus.

(Ein Aulo vom Zug überfahren.

Aus dem unbewachten, aber übersichtlichen Uebergang der zweigleisigen Rebenstrecke Ger­stungen-Heringen (Werra) zwischen den Bahnhöfen Dankmarshausen und Heringen wurde ein Lastkraftwagen von einem Güterzug überfahren. Der Kraftwagenführer und sein Be­gleiter wurden getötet. Der Lokomotivführer des Zuges hat rechtzeitig Alarmsignale gegeben, die von einem Radfahrer, der gleichzeitig mit dem Kraftwagen über den Weg fahren wollte, beachtet wurden.

Die Kreuzotter und das Finkennest.

Eine dramatische Szene aus dem Tierleben, die die Mutterliebe und die Klugheit eines Finkenweibchens in helles Licht seht, wird von Franz Hohen in derUmschau" mitgeteilt. Auf einer Wanderung durch den Spessart be­obachtete der Erzähler einen kleinen Vogel, der ängstlich mit den Schwingen schlug und klägliche Rufe ausstieß. Ein Anlaß dieses furchtsamen und erregten Benehmens war nicht zu erblicken. Das Tierchen flog aber immerfort hinter dem Wanderer her, rief und klagte immer ängst­licher. Es war klar, daß der Fink um Hilfe bat. Der Erzähler folgte nun dem kleinen Rot­rufer, der unruhig vor ihm herflatterte und schließlich vor einem dichten Haselstrauch anhielt, um dort immer lauter und heftiger zu piepsen. Ich schaue mich scharf um, kann aber nichts entdecken", schreibt Hohen.Doch das ganze Ge­bühren des Vogels, der den Strauch mehrere Male durchdringend klagend umflattert, läßt er­kennen, daß der Ort Der Gefahr erreicht ist. Ich biege behutsam einen dichtbelaubten Zweig zur Seite und spähe unter das Schattendach: mir stockt auf Augenblicke der Atem: auf einer Astgabel erblickte ich das Restchen mit vier noch unbefiederten, reglos zusammcngeduckten Jungen und, kaum handbreit daneben, den Kops einer starken Kreuzotter, ein fünftes Junges im Rachen haltend, aus dem nur noch die Füße des Opfers hervorragen. Die Otter hatte den Ast eng um­wunden und rührte sich nicht. Ich überlegte: schlug ich die Schlange mit einem raschen Stock­hieb herunter, so stürzte auch das Rest mit ab; also was tun? Ich hole den schweren und scharfen Genickfänger, den ich auf einsamen Wan­derungen bei mir führte, hervor, schützte mit ber Joppe Hand und Unterarm so gut es ging, und führte einen raschen und wuchtigen Wesser- hieb dicht hinter dem Kopf durch die Wirbel­säule der Schlange der diese in zwei Teile zerlegte. Ein jähes, kurzes Aufzucken, die Ringe losten sich langsam, während ein konvulsivisches Zittern Den enthaupteten Körper durchrann.

* "Ud nun kam der schönste Augenblick des Tages:

Das Vogelmütterchen, das während der Exekution immerfort laut schreiertd auf der Spitze eines nahen Dogelbeerstrauches gesessen hatte, flog verstummend heran und deckte die Kleinen mit den Schwingen zu. Ich trat noch einmal an das Restchen heran, ohne daß die gerettete Familie sich dadurch stören ließ; dann wanderte ich weiter, um eine schone Erinnerung reicher."

Die Verwaltungsresorm im Untermaingebiet.

Der Südwestdeutsche Rachrichtendienst in Frankfurt a. M. veröffentlicht eine Zu­schrift, die sich mit der brennenden Frage einer Verwaltungs- und Dehordenreform am Untermain befaßt. Der Aufsatz zieht auch die sogen, hessische Frage, also die staatsrechtliche Umgestaltung des Volks- staates Hessen in den Kreis seiner Be­trachtungen, ein Problem, das wix aller­dings heute noch nicht in dem gleichen Maße aktuell halten, wie der Schreiber der folgenden Zeilen:

Im engsten Zusammenhang mit der Reu- gliederungsfrage steht die z. Z. aufgerollte Ve r- waltungsref0rrn und Behörden­reform am Untermain. Die Rotwendig- teit, weiträumigere Kreisverwal­tungsbezirke zu schaffen, zwingt die preußi­sche Landesverwaltung, der Stadt Frankfurt heute schon als Eingemeindungsgebiet den Bezirk von HöchstHomburg bisDoringheim einschließlich zuzuweisen. Diese Eingemeindungen auf preußischem Gebiete taffen in Gleichzeitig­keit mit den Eingemeindungen von Wiesbaden westlich und östlich von Frankfurt neue Einfluß­sphären entstehen, deren natürliche Zentralen Wiesbaden und Gelnhausen geworden sind. Hanau, sowohl zu Frankfurt als auch zum Kreis Gelnhausen beiderseits peripher ge legen, wird als kreisfreie Stadt auch hier neue Eingemeindungen zur Abrundung seines kommu­nalen Cinflußgebietes nach sich ziehen und so in Berücksichtigung seiner Eigenart innerhalb des großen Zweckverbandsgebietes Geltung erhalten Bei der bevorstehenden Lösung derhessischen Frage", die mit dem Reugliederungsproblem zu­sammenhängt. wird dem neuen Kreisgebilde um Gelnhausen ein Teil des Kreises Büdingen zufallen. In der Uebergangszeit wird es den Restkreis Hanau, sowie Teile des Kreises Schlüchtern mitumfassen und damit an den um den Kreis Gersfeld sowie ebenfalls uir Teile des Kreises Schlüchtern erweiterten Kreis Fulda direkt anschließen.

Im Westen ist es ähnlich, wenn auch wesenl lich einfacher, da Höchst durch seinen Charakter engstens mit Frankfurt verbunden ist, im Gegen satz zu bem peripher gelegenen Hanau im Osten, und außerdem im Westen nur ausschließlich preußisches Gebiet in Frage kommt. Im Süden und Rorden von Frankfurt kommen nämlich noch hessische Gebietsteile, im Osten außer den hessischen noch bayerische Gebiete in Betracht. Im Westen finden die Restkreise Höchst und Wiesbaden, sowie Teile der Taunuskreise Homburg und Schwalbach in Wiesbaden das natürliche Zentrum eines neuen geräumigeren Kreises.

Auch die bevorstehenden Eingemeindungen von Mainz zeitigen für Hessen die gleichen Fol­gen. Die Einflußsphäre von Mainz greift näm­lich weit über seinen jetzigen Kreisumfang hinaus und vereinigt rheinhessische und starkenburgische Gebietsteile und zwar Teile der Kreise Op­penheim. Bingen und Grvtz-Gerau. Das gleiche trifft zu für die neuen natürlichen Kreiszentren Friedberg. Darmstadt und Aschaffenburg. Bei den beiden ersteren handelt es sich um eine in natürlicher Zwangs­läufigkeit gegebene Entwicklung, die die Einver­leibung der hessischen Vororte Offenbach. Kelsterbach, Buchschlag, Isenburg, Vilbel usw. mit Frankfurt ermöglicht, was nur im Zusammenhang mit der Lösung derhes- fischen Frage", die auf einen baldigen Zufam- menschluß der beiden Hessen hinstrebt, erfolgen kann. Preußen und Hessen müssen jedoch beide fchon heute ihre Dispositionen zur Verwal­tungsreform mit Rücksicht auf diese nahe Ent­wicklung treffen. Diese große Derwaltungs- und Behördenreform wird für Preußen aber auch eine Umgestaltung der Provinzen hier nach sich ziehen, die gleichfalls so erfolgen muh, daß ein Zusammenschluß der kleineren Länder und Landesteile nach Möglichkeit gefördert wird, bzw. sich möglichst ungehemmt vollziehen kann.

In Südwestdeutschland bedeutet dies die Z u° sammenfassuna der Regierungsbezirke Kassel, Wiesbaden, Koblenz und Trier zu e'.'.v neuen, größeren, territorial zu- sammenhä enden Provinz mit ihrer Zen­trale in Frankfurt. Mit der gleichzeitigen Einführung der für Preußen vorgesehenen Pro- vinzial-Autonomie Dürfte eine wesentlich erleichterte Anschlußrnöglichkeit für die angren­zenden Länder und Landesteile gegeben sein und so in Verbindung mit -em Saargebiet zum Z u - sam menschluß von Südwestdeutsch­land im neugegliederten Deutschen Reiche füh­ren. Die Zweckmäßigkeit territorialer Zusam­menfassung und Umgestaltung sowie die wirt­schaftliche Form der Verwaltung wird sich dabei erst finden lassen, wenn die Selbstverwaltungs­körper (Gemeinde, Städte, Kreise, Zweckverband, Bezirke, Provinzen) unter Verzicht auf jede Kirch­turmspolitik nicht mehr nur an sich selbst, son­dern auch an den größeren Verband denken, in den sie eingeordnet sind. Daß diese organische Entwicklung einer großzügigen Flur­bereinigung unseres territorial so zerfetzten Deutschlands hier am ilntermain ihren Anfang nimmt, ist mehr als erklärlich, wenn man be­denkt, wie nachteilig gerade hier ein nicht zv überbietendes Musterbeispiel deutscher Klein­staaterei sich auswirken mußte. Damit nimmt aber auch Die Reugliederung Deutschlands im Schatten Der Paulskirche praktisch ihren Anfang

ZeLtervoraussage.

Vielfach heiter auch warm, außer lokaler Ge­witterneigung mit Riederschlägcn, trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 24,4 ®rab Celsius, Minimum 12,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 5 Stunden. Riederschläge 0,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 15,5 Grad Celsius.

Witterungsaussichten für Sonntag: Keine wesentliche Aenderung Der Wetterlage.