Einzelbild herunterladen

ltt. (65 Erstes ölalt

irr. Jahrgang

Zreitag, 15. Juli v)2i

Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monatr-Vezngrpreir:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech ans ch küsse: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

Postscheckkonto: Zrankfvrl am Main 11686.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck rmd Verlag: Vrühl'schr UniverfttätL-Buch- und Steinöniderei R. Lange in Liehen. Zchnstleitung und Geschäftsstelle: Zchulsttahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/n mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.TkMiot: für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in (Liehen.

Verbesserung des LiquidationsschSdengesetzes.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 15.Juli. Das Reichskabinett hat den Gesetzentwurf über ' die Entschädigung der Liquidattons- und Gewaltgeschädigten nunmehr genehmigt imb zwar in einer verbesserten Form. Den Bemühungen des Reichssinanzministers ist es gelungen, die für die Durchführung des Ge­setzes erforderlichen Summen wesentlich heraus- z u s e tz e n. Es bleibt bei einer Vollentschädigung bis 2000 Mark. Die in dem Gesehentwur vorgesehenen Sähe sollen jedoch nur Entwurzel­ten' und sog. Verdrängten zugebüligt werden. Bei Richteniwurzelten soll eine Ermäßigung der Sätze für Schadensbeträge zwischen 2000 Mark und 1 Million Mark um jeweils 5 Prozent ein- treten. Andererseits sollen diejenigen Geschädig­ten, die den W iederausbau ihrer ^Inter- 'Nehmungen in Angriff genommen haben, eine erhöhte Abfindung erhalten, und zwar durch Gewährung besonderer -^uschüs!". Hierbei

Internationale öanlentonserenz.

Relchsbautprasident Dr. -schacht über die Ergebnisse.

Reuhork, 14. Juli. (Wolffty Reichsbank­präsident Dr. Schacht hat um Mitternacht die Rückreise nach Deutschland angetreten. Zu seiner Verabschiedung sanden sich der Ge­schäftsträger Dr. Kiep und Generalkonsul v. Levinskr am Pier ein. Dor seiner Abreise empsing Reichsbankpräsident Dr. Schacht Ver­treter der deutschen Presse im Generalkonsulat, um kurz über die Themen und das Ergebnis der Besprechungen in Amerika zu be- rich' m, sowie gewisse vor kurzem veröffentlichte irrtümliche Darstellungen über die Konferenz zu berichten. Zunächst betonte Dr. Schachts daß sein hiesiger Aufenthalt durchaus nichts Mysteriöses in sich berge. Die Zusammenkunft wäre zuerst in Europa geplant gewesen, aus persönlicher Rüc^ sicht auf Gouverneur Strong sei sie jedoch nach Reuhork verlegt worden Bei den Leitern der großen Rotenbanken habe sich die Gepflogenheit entwickelt, alljährlich zusammenzukommen um gemeinsame Interessenfragen zu besprechen. Eine besonders erfreuliche freundschaftliche Rote habe Vie diesjährige Zusammenkunft durch die Be­teiligung Rists, des Dizegouverneurs der Dank von Frankreich, erhalten. Dr. Schacht führte aus: Es wurden keinerlei politische Fragen erörtert, insbesondere nicht, wie vielfach behaup­tet wird, die Reparationsfrage oder die Frage der Stabilisierung b ? 8 franzo- fischen Franken.

Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die Frage der Goldverschiffungen, wobei Mittel und Wege beraten wurden, die Ver­schiffungen auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken, zu vereinfachen und zu verbilli­gen Irgend welche Vereinbarungen sind nicht getroffen worden, es ist jedoch anzunehmen, daß ttinsttg in höherem Maße als bisher eine gegen- . fettige Verständigung der großen Rotenbcnnen bei den Goldverschiffungen stattfinden wird. ®r. Schacht glaubt, daß beispielsweise etwas plötzliche Golddispositionen, wie sie letzthin in London usnd Paris erfolgten, durch rechtzettige Verständigung oder Benachrichtigung vereinfacht werden können. Eingehend sei auch die Frage der Kaufkraft des Goldes besprochen worden, wobei ange­sichts der Ratur dieses Problems die Erörterun- aen sich zunächst mehr auf theoretischer Grund­lage bewegten Schließlich sei auch das Problem des Diskonts erörtert worden, wobei als selbstverständlich festgestellt wurde, daß das eigene Bedürfnis und die Interessen des jeweiligen Lan­des für die Gestaltung der Diskontpolitik der Rotenbanken maßgebend sein müßten. Darüber hinaus sei jedoch eine engere gegenseitige Füh­lungnahme und Verständigung im Interesse aller Beteiligten denkbar. .

2lbschließend bat Dr. Schacht, die Gesamtarbeit der Roterchanken, welche sowohl der Wirtschaft der einzelnen Länder, wie auch der Weltwirtschaft zugute kommen, nicht als eine politisch^ Aktion zu betrachten, an welche sensationelle Schlußfolge­rungen zu knüpfen wären, vielmehr sei mne oerar­tige Zusammenarbeit als erfreulicher Be­weis zunehmender internationaler Wirtschaftsbetätigung zu betrachten und durch sachliche Berichterstattung zu fordewu Dr. Schacht erflärte zum Schluß nochmals:Ich habe hier nichts gewollt und habe mit keiner Bank über Anleihen verhandelt oder gesprochen Ich habe jedoch sestgestellt, daß man Deutschland g roß es Vertrauen entgegenbringt". Dies Gefühl sei noch stärker als anläßlich seines letzt«! Besuches 1925. Es herrsche allgemein das Gefühl der Si­cherheit und die Ueberzeugung, daß Deuts ctz- land nichts unternehme, was finanziell unver­nünftig wäre. Auf eine Frage erllärte Dr. Schacht Nochmals daß der Dawesplan und die Elsen- bahnbonds während der Besprechungen mit keiner Silbe erwähnt wurden Die Frage der Eisenbahn­bonds sei ein Problem, das nicht außerhalb des Rahmens des Dawesplanes akut werden könne. Dr. Schacht vertrat persönlich die Auffassung, Daß der Dawesplan Alle Möglichkeiten vor sehe. Cs sei deshalb unrichtig, von einer Revision zu reden. In Frage kommen vielmehr zu gegebener Zeit eine Ergänzung des Planes Durch Ausfüllung noch offener Punkte, nämlich die endgültige Entscheidung über den Transfer und die Festsetzung der Höhe der Gesamt­zahlungen

Der Kamps um die Schule.

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 15. Juli. Auf die Verabschiedung des Reichsschulgesetzes durch das Reichskabinett soll die Veröffentlichung des Wortlautes fol­gen. Der Reichsrat wird den Entwurf an den zuständigen Ausschuß verweisen und Ferien ma­chen. Somit haben die Länderregierungen reich­lich Zeit, sich mit ihrer späteren Stellungnahme zu beschäftigen, was von besonderer Bedeutung für Baden, Hessen und die Provinz Hessen- Rassau ist. Mit diesem Augenblick jedoch beginnt im deutschen Volk in Wirklichkeit der große Kampf um die Schule.

Man wird sich erinnern, daß schon wäh­rend der Rationalversammlung in Weimar sehr heftig um die Schule gestritten worden ist. Damals standen sich Zentrum und Sozialdemokraten als die hauptsächlichsten Geg­ner gegenüber, obwohl sie zusammen in der Re­gierung saßen. Rach langem Hin- und Her- zerren einigte man sich aus das für alle Koa­litionen schließlich geltende berühmte Kompro­miß, worin das Zentrum den Sozialdemokraten das Zugeständnis machte, der Gemein­schaftsschule (Simultanschule) einen gewissen Vorrang einzuräumen, während die Sozialdemo­kraten wiederum einwilligten, die Entscheidung in diesem Kampf zu vertagen, in der ~ Form, daß die weitere Ausgestaltung einem später zu erlassenden Reichsschulgesetz Vorbehalten werden sollte. Da sich damals somit die Ratio­nalversammlung und die Koalition, Zentrum, So­zialdemokraten und Demokraten, um die eigentliche Entscheidung herumgedrückt hatten, hält das Zentrum jetzt den Zeitpunkt für gekommen, mit Hilfe der Deutschnationalen das Ziel zu erreichen, das es sich von Anfang an ge­steckt hat. Die nächsten Wochen und Monate werden widerhallen von dem Kampf der Mei­nungen über diese Frage.

In der Hauptsache handelt es sich um drei Punkte. Den eigentlichen Kern des Streites, die der Simultanschule neben oder über der Bekenntnisschule zuzuweisende Stellung, haben wir bereits angedeutet. Der zweite Punkt betrifft die Frage, bei welcher Schülerzahl man noch von einemgeordneten Schul betrieb" spre­chen kann. Der dritte Punkt bezieht sich auf die Form, in der die Beaufsichtigung des Religionsunterrichts in den Konses- ionsschulen vollzogen werden soll. So wichtig die beiden anderen sind, noch wichtiger ist die Stellung der Simultanschule. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß ein Reichsschulgeseh der Einrichtung der Simultanschulen den Todesstoß verseht, wenn es bestimmt, daß ohne jegliche Einschränkung auf Antrag der Eltern von Schülern Bekenntnisschulen errichtet werden müssen. Eine Bestimmung, wonach auf Antrag von Eltern auch Gemeinschaftsschulen er­richtet werden müssen, ist wertlos, weil ganz naturgemäß solche Anträge nicht kommen werden. Wohl aber ist überall, wo die Simul­tanschulen vorherrschen, also in erster Linie in Baden, Hessen und Hessen-Rass au, mit Bestimmt­heit das Eingehen von Anträgen zur Errichtung von Bekenntnisschulen zu erwarten. Man braucht sich auch darüber gar keinen Illusionen hinzu­geben, daß nicht etwa der Einfluß der Geist­lichkeit aller Konfessionen in dieser Richtung gel­tend gemacht werden würde. Wer Anhänger der Simultanschule ist, der stützt sich gerade auf den Gedanken, daß durch sie der konfessio­nellen Zerklüftung in unserem Volke vorgebeugt wird. Die logische Schlußfolge­rung hieraus ist, daß mit Beseitigung der Si­multanschule die konfessionelle Spal­tung begünstigt wird. Um diese Frage wird der Kampf der Meinungen gehen. Man kann wohl sagen, daß zum ersten Male seit Be­stehen der deutschen Republik unser Volk, das bisher nur um materielle Güter oder äußerliche Fragen, wie Symbole, Hoheitsrechte, Rational­feiertag usw., gestritten hat, vor die Entscheidung einer kulturellen Frage von höchster Bedeu­tung gestellt ist. So heiß und heftig der Streit sicherlich werden wird, vielleicht liegt darin doch der Vorteil, daß unser Voll aus fast schranken­losem Materialismus zur Betrachtung des Wer­tes geistiger Güter geführt wird.

Gegenüber der grundsätzlichen Bedeutung des Unterschiedes von Gemeinsamkeits- und Bekennt­nisschule tritt die Frage des geordneten Schulbetriebes einigermaßen zurück, obwohl sie in engem ursächlichen Zusammenhang da­mit steht. Man hat bisher im allgemeinen an­genommen. daß in einer schule mit we­niger als vierzig Zöglingen ein ge­ordneter Schulbetrieb nicht aufrechtzuerhalten ist,

daß bann also die Simultanschule eintreten muh. Wird diese Beschränkung aufgehoben, dann gibt es kein Halten mehr. Was die Frage der geistlichen Schulaufsicht betrifft, so sei daran erinnert, daß schon vor Jahren, lange vor dem Kriege, der Kampf darüber in dem Sinne entschieden worden ist, daß die Religions­gemeinschaften das Aufsichtsrecht verloren. Es ist richtig, daß sich seit der Revolution die Stellung des Staates und der Religionsgemein­schaften zueinander stark verändert hat. Für die katholische Kirche ist freilich die Frage, ob geist­liche oder staatliche Aufsicht, leicht gelöst, nicht aber für die protestantische Kirche. Es machen ich sehr gewichtige Stimmen dagegen geltend, mn wieder grundsätzlich die geistliche Schulauf- icht einzuführen.

Wie man sich im Reichskabinett die Lösung aller dieser Fragen vorstellt, werden wir aus dem Wortlaut des Entwurfes nach feiner Veröffent­lichung erfahren. Bekannt ist bis jetzt nur, daß ich die volksparteilichen Minister für die Erhaltung der Simultanschule in Baden, Hessen und Hessen- Nassau im Sinne der Verfassung eingesetzt haben. Es muß aber ausdrücklich betont werden, daß sich sämtliche Fraktionen, unbeschadet der Stellung­

nahme ihrer Minister im Reichskabinett, volle Freiheit des Handelns Vorbehalten haben. Wenn der Reichstag am 26. September zu einer kurzen Session wieder zusammentritt, wird sich die Entwicklung wohl klarer übersehen lassen.

Die parlamentarische Behandlung.

Berlin, 15. Juli. (Priv.-Tel.) Zur Beratung des Reichsschulgesetzes werden diejenigen Abge­ordneten, die als Vertreter lhrerFrak- tionen die parlamentarischen Vorverhandlungen über das Schulgesetz geführt haben, in Berlin erwartet, wo sie Gelegenheit haben werden, sich mit Regierungsvertretern zu besprechen. DieTägl. Rundschau" unterstreicht noch einmal, daß di e b c i - den volksparteilichen Mini st er ausdrück­lich erklärt haben, sie müßten ihrer Fraktion die Stellunngnahme zu dem Entwurf in voller Ent­schließungsfreiheit überlassen. DieVoss. Ztg." glaubt, daß eine Sondertagung des Reichsrats erforderlich fein werde, damit bis uir geplanten Septembertagung des Reichstages die Beratungen im Reichsrat abgeschlossen werden können.

die vreimächtekonserenz in Genf.

Die Beschränkung der Kreuzer auf der öffentlichen Sitzung.

Genf, 14. Juli. (Sil.) Die Seeabrüftungs- kvnfevenz hielt heute ihre zweite öffentliche Voll­sitzung ab, in Der sämtliche Delegierte und mili- tärische Sachverständige sowie der französische und der italienische Beobachter teilnahmen. Als Erster sprach der Führer der englischen Dele­gation, der erste Lord der Admiralität Brid­geman, der daraus hinwies, daß die großen Schwierigkeiten, die sich im» Laufe der Konferenz ergeben hätten, notwendigerweise durch die sehr verschieden gelagerten De - dürfnisse der einzelnen Länder an Seestteit- kräften bedingt seien. Gegenwärtig wäre auf Grund der Arbeiten des Sachverständigenkomitees im großen bereits eine Einigung über die Beschränkung der Zerstörer, der Unter­seeboote und der nichtkriegsverwendrmgs- fähigen Schiffe erzielt worden. In der Frage Der Beschränkung der Grohkampf- schiffe wären Verhandlungen eingeleitet wor­den, die alle Aussicht auf Erfolg hätten.

Das Ziel der englischen Vorschläge sei, ein Wettrüsten in der Klasse der Großkampsschifse unmöglich zu machen, und zwar durch Fest­setzung einer bestimmten Zahl und bestimmter höchsttonnoge für jedes Land. Es gäbe kein anderes Mittel, das Wettrüsten zwischen den Staaten zu verhindern, als ein Abkommen, in dem die Maximalgröße für die Schiffahrls- klasie als auch die Zahl endgültig festgesetzt würde. Die Erfahrungen des Weltkriegs hätten gelehrt, daß für England die Festsetzung einer bestimmten Zahl von Kreuzern eine lebens­wichtige Frage sei. England sei bereit, eine Höchsttonnage von 400 000 Tonnen für die Kreuzerklasse anzunehmen. Entscheidend für England sei jedoch, daß die Zahl und die Höchst­tonnage der Grohkampfschiffe für jedes ein­zelne Land feftgelegt würden.

Die englische Delegation sei zur eingehenden Prü­fung aller Vorschläge bereit, die eine Einigung in dieser äußerst schwierigen Frage herbeiführen könn­ten, und hoffte, daß bis zu der nächsten Sitzung eine Verständigung auf der Basis der englischen Vor­schläge zwischen den Delegationen gefunden werde. Der englische Admiral I e l l i c o e, der Führer der englischen Flotte im Weltkrieg, begründete dann im einzelnen die Notwendigkeit der Beibehaltung einer großen Anzahl von Kreuzern für England. Er be­tonte dabei, daß die englische Flotte bei Ausbruch des Weltkrieges 114 Kreuzer besessen habe, während England auf der gegenwärtigen Konferenz lediglich 70 Kreuzer anfordere, die das M i n d e st m a ß dessen darstellten, was England für die Sicherheit seiner Seeewege und seiner Kolonien bedürfe.

Im Flamen der japanischen Delegation gab hier­auf der japanische Botschafter Grat I s h i i eine Er­klärung ab. Er betonte, daß das hauptsächliche Ziel der gegenwärtigen Konferenz eine Herabsetzung der auf den Staaten lastenden schweren, drückenden Flottenausgaben sei. Die schwierigste Frage sei die Beschränkung der Kreuzerklassen. In dieser Frage schließe sich die japanische Delegation dem Vorschlag der amerikanischen Delegation an auf

Festsetzung einer Gesamttonnage von 450 000 Tonnen für die Kreuzer und Zerstörer für

England und Amerika und von 300 000 Tonnen für Japan.

Zum Schluß erklärte der amerikanische Bot­schafter Gibson, daß die amerikanische Dele­gation sich bei dem Vorschlag, für die Zerstorer- und Kreuzerklasie «ine Gesamtonnage von 450000 Tonnen für England und Amerika anzuneh­men, von der Ueberzeugung leiten lasie, daß das Bedürfnis «ft Seestreitkräften keineswegs für jedes Land eine feststehende Größe sei, sonDen« ausschließlich von der Anpassung der Rüstungen zwischen den einzelnen Ländern abhänge. Die amerllanische Delegation lehne daher den Ge­danken eines feststehenden Bedürfnisses an Seestreitkräften für ein Land grundsätzlich ab. Als beste Methode für die Herbeiführung einer Beschränkung der Seestveitkräfte halte sie die Festsetzung einer Gesa m t tonn a ge für jede einzelne Schiffsklasse, innerhalb deren es jedem Staat frei stehe, die ihm nach seiner be­sonderen geographischen Lage und der nationalen Sicherheit notwendig erschttnenden Zahl von Größen zu bauen. Äachdem der Botschafter dann noch betont hatte, daß zwischen der amerikanischen und der japanischen Delegation in einzelnen Fra­gen bereits eine weitgehende Verständigung erzielt worden fei, wurde die zweite öffentliche Sitzung der Seeabrüstungskonfevenz geschlossen.

Die Haltung Japans.

London, 14. Juli. (Wolff.) Der Reuter- Korrespondent hatte nach Schluß einer längeren Konferenz zwischen den Mitgliedern der japa­nischen Delegation mit Saburi, dem Führer der japanischen Delegatton, eine Unterredung. Dieser lehnte ein förmllches Interview mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen ab, äußerte aber, sein Ziel sei nach wie vor eine Einschränkung der Seerüstungen zu erlangen. Er betonte, daß die japanische De- legattvn mit ehrlichen Absichten nach Genf ge­kommen fei und unmöglich mit einem vergrößer­ten Dauprogramm nach Hause kommen könne. Er sagte weiter, die japanische Delegation hätte keinen Einwand dagegen zu machen, daß Großbritannien und die Vereinigt«" Staa­ten zu einer Vereinbarung gelangen, fei viel­mehr für eine solche Vereinbarung. Wenn sie aber Japan zu einer vermehrten Bau­tätigkeit zwinge, bann würde Japan es ab­lehnen, Verttagsbeteiliater zu fein. Saburi meinte aber, die japanische Delegation hege immer noch Hoffnung, daß ein allgemeines Abkvmemn erreicht werde.

Auf eine Anfrage wegen der Gerüchte von der Möglichkeit einer neuen Allianz erwiderte der japanische Admiral, die englisch- japanische Allianz sei für immer tot. Die Klagen über ihren Hingang seien ebenso groß, wie man den Heimgang eines treuen Angehöri­gen beklagen würde, aber wir haben uns damit abgefunden. Wir würden das : Bündnis ebenso wenig ins Leben zurückrufen, ! wie wir einen betagten Freund in diese Welt I zurückrusen würden, nachdem er ein nuh - I bringendes Leben beschlossen hat.

sollen jedoch Bewilligungen nicht über den Be­trag von 4 Millionen Mark hinaus erfolgen. Ber den Wertpapiergeschädigten soll, wie verlautet, gleichfalls eine abgestufte Ent­schädigung Platz greifen und zwar in der Weise, daß für Schäden bis 200 000 Mark 12 Prozent, für die nächsten 800 000 Mark 6 Prozent und für die 1 Million Mark überschietzenden Beträge 4 Prozent vergütet werden. Auch bei den Wert­papiergeschädigten soll die Entschädigung nicht 1 Million Mark übersteigen dürfen. Das nun­mehr dem Reichsrat überwiesene Liquidattons- schädengeseh sieht insgesamt einen Bettag von einer Milliarde vor, statt wie im ursprünglichen Entwurf 800 Millionen.

Kärntens Nationalitätenpolitik.

Klagenfurt, 14. Juli. (WB.) In der heutigen Sitzung des Kärntner Landtags wurde ein Antrag auf Erlaß eines Autono- mlege setz es für die slowenischen Minderheiten Kärntens dem Schulaus­schuß zugewiesen. In der Begründung heißt es u. a.: Kärnten soll unter allen deutschen Ländern den Vorzug genießen, die Frage des Schuhes der sprachlichen Minderheiten in günstiger Weise und restlos zu losen. Kärnten wünscht die Sicherheit des nationalen Friedens im Lande und ist bereit, dafür große Opfer zu bringen, Opfer, die auch in materieller Beziehung

trotz der Armut des Landes wett Ä>er die durch den Verttag von St. Germain auferlegten Verpflichtungen gehen. In der Bestrebung nach kultureller Befriedigung seiner na tionalen Minderheiten hat Kärnten alle Stinnnen beachtet, die auf dem europäischen Festlande in der Miickierheitenfrage laut gewor den sind. Ramentlich waren die Entschließungen der verschiedenen Minderheit en'on- grosse über die kulturelle Autonomie. Man erwartet von dem Gesetz eine günstige Rück­wirkung auf die Behandlung der deutschen Minderheiten in anderen Ländern.