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nietung deS Freiherrn v. Diegeleben freigewordene Posten wird in der Zwischenzeit von den jeweils zuständigen Ressortministern interimistisch verwaltet werden.

Eisatz-Lothringen.

TerElsässer"andiedeutschenAonservattvcn

Straßburg, 14. März. (Havas.) Das ka­tholische Straßburger Organ »Der Elsässer" veröffentlicht einen an den Grafen Westarp gerichteten offenen Brief, in dem gegen dessen Ausführungen in Frankfurt a. M. protestiert wird. Das "Blatt erklärt, man solle jede Ein­mischung in die elsaß-lothringischen Angelegen­heiten unterlassen. Jeder Deutsche, der eine wahrhast friedfertige Politik unterstützen wolle, müsse sich zur Richtschnur machen: ..Rühren wir nicht mehr an Elsah-Lothringen." Den deutschen Konservativen wird in dem Brief angeraten, sie möchten sch in Elsaß-Lochringen vergessen machen, wenn sie nicht wollten, daß der Haß gegen Deu»-Hland geschürt werde. Das Blatt erklärt ferner es wolle dem Friedensgedankrn, den der Papit ausgesprochen habe, Folge leisten, aber man begegne in Deutschland einer Stellung­nahme der nationalistischen Konservativen in der lu?.ß-lothringischen Frage, die soweit ginge, das Recht der Heinen Völker anzurufen.

Der lettische Staatspräsident gestorben.

Riga. 14. März. (WTB) Der Präsident der Republik Lettland, Tschalste, ist heute abend 8.45 Uhr im 68. Lebensjahr gestorben. IahniS Tschalste wurde nach Absolvierung der Moskauer Universität Rechtsanwalt in Mll.au und gab dort zeitweilig die lettische Zeitung Tehwija" (Vaterland) heraus. 190ö wurde er >um Abgeordneten in die erste russische Reichs- duma gewählt, wo er mit dem sogenannten Ilutonomistenklub in Fühlung tcasi der eine Autonomisierung der Fremdvölker in Rußland rstrebte. Währ.n) des Welsir e e) war Tsch'k'ie in Petersburg und in Dorpat Vorsitzender des lettischen Flüchtlingskomitees, das später den Grundstock der eisten Regierung des 1918 proklamierten lettländischen vtaateS bildete. 3m späteren Verlauf der russischen Re­volution bereitete Tschalste im Auslands die An­erkennung des werdenden Staatswesens vor. Rach der Ausrufung der Unabhängigkeit wurde er Präsident des Volksrates, des provi- '^rischen Landesparlornenls und später Präsident Oer 1920 gewählten Konstituierenden Versamm­lung. Bei der Wahl des ersten Staatspräsi­denten von Lettland im Rovember 1922 fiel ebenfalls die Entscheidung einer Mehrheit von °2 unter 98 Stimmen auf Tschakste. der sich also des Vertrauens in allen Lagern, bei den Bürger­lichen und den Sozialisten, bei Letten und Richt- Letten. erfreute. Politisch stand er sonst der Demokratischen Partei nahe.

Die radikaleMehrhettin Kanton

London. 15.'Mär;. (TU.) Wie aus Schang­hai gemeldet wird, hat das Zentralkomitee der Kuomintang während seiner Hankauer Konferenz scharfe Angriffe gegen General Tschangkaischek gerichtet. Der General soll jedoch in seinem Amte bleiben: eine Anzahl feiner Anhänger, darunter der Leiter deS poli­tischen Bureaus, wurde verhaftet. Die Oppo­sition stellte eine Reihe von Forderungen auf. bie vor allem den Zweck haben, den r e v o l u t i o* . nären Charakter der Partei stärker zu betonen. Ferner wurde eine baldige gemeinsame Kon- fcreiu zwischen den Vertretern der Regierung und Denen der Parteiorganisation gefordert.

1 Schwere Kämpfe vor Nanking.

London, 15. März. (WTB. Funkspruch.) Die Kantonesen stehen 20 Meilen südlich von Ranking. 3n der dortigen Gegend wurde gestern schwer gekämpft. Die Eisenbahnverbindung % ist unterbrochen. Angesichts der großen Zahl der in Rauling lebenden fremden Missionare, darunter allein 430 Amerikaner, haben die briti- -schen und amerikanischen Behörden Vorberei­tungen zur schnellen Räumung ge­troffen.

Kleine politische Nachrichten.

Der König und die Königin von Dänemark und Island passieren auf der Rückreise von Frankreich am nächstlommenden Donnerstag Berlin, wo der König dem Reichspräsidenten einen Besuch abstatten wird. Der Reichspräsident wird den Besuch Sr. Majestät auf der dänischen Gesandtschaft am selben Tage erwidern.

Reichstagspräsident Löbe wird am Mitt­woch die Klinik verlassen und in seine Woh. nung zurückkehren. Sein Befinden ist nach wie vor gut, doch wird er «inen längeren Er­holungsurlaub nehmen müssen

Das Befinden des verunglückten Staats­sekretärs a. D. von Kuhlmann ist noch immer ernst. Obwohl Hoffnung besteht, den Verun­glückten am Leben zu erhalten, so läßt doch sein Zustand infolge des Schädelbruchs einst­weilen noch großen Befürchtungen Raum.

Der SchultreuzerH a m b u r g wird nach einjähriger Abwesenheit am 19. März, nach­mittags 4 Uhr in Wilhelmshaven einlaufen.

Die Frau des deutschen Gesandten beim vapstlichen Stuhl in Rom, Dr. von Bergen, hat in Anerkennung von Verdiensten während deS Jubiläumsjahres da» goldene Kreuz ..bene merenti" verliehen bekommen.

Der deutsche Journalist Delius, Korrespon­dent der »Berliner Illustrierten Zeitung", der unter der Anschuldigung verhaftet worden war, seiner x3eüun^ Bilder und Artikel übersandt zu haben, die eine He rabsehung Italiens dar stellten, wurde wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutze des Staates zu 3 0 Tagen Gefängnis verurteilt.

Das ehemals dem früheren deutschen Kai­ser gehörende sequestrierte Schloß Jroille bei Metz ist für 347 000 Franken versteigert worden

Deutschlands Wirtschaftspolitik

Minister Curlius im Reichstag.

Berlin, 15. März. (VDZ.) Bei der zweiten Lesung deS Haushalts des Reichswirtschaftsmini- steriums gibt

Reichswirtschaftsminifter Dr. Curlius.

einen ileber&üd über die Tätigkeit seines Mini­steriums. Rur auf gewissenhaften Erkenntnis­grundlagen sei das Zusammenwirken der ver­schiedenen Wirtschaftskreise und der Ausgleich der großen Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit möglich. Deshalb verfolge das Wirtschaftsmini­sterium eingehend die Aufgaben periodischer Un­tersuchungen und ständiger wissenschastlicher Durchdringung des Wirtschaftsgefchehens. Die treibhausartige Entwicklung der Berufsorgani­sationen nach dem Zusammenbruch habe einem Beharrungszustand Platz gemacht. Die Zusammen­arbeit mit den Behörden erstrecke sich auch aus wirtschaftspolitische Aufgaben. Trrtzdem könne man ein Zentralorgan, den Reichswirtschaftsrat, nicht entbehren. In der Rationalisierung sei mir die erste Etappe erreicht. Die Vervoll­kommnung der Teck)nit stehe noch bevor. Sobald Der Plan eines Großspannungsnetzes fertigpeftclü sei, dürfe seine Durchführung nicht durch Schwie­rigkeiten bei der Verleihung des Enteignungs­rechtes gestört werden. Bei Besprechung der Zoll- und Handelsvertragspolilik betonte der Redner, daß der Antell Europas an der deutschen Aus­fuhr zugunsten des außereuropäischen Anteils stark gemindert sei. Die Ausfuhr nach den euro­päischen Ländern sei im ganzen genommen ge­ringer als vor dem Kriege, wobei den Haupt- ausschlag die verminderte Aussuhrnach Rußland und Frankreich gebe. Bei den änderen Ländern zeige sich in manchen Be­ziehungen eine günstige Auswirkung Dec mit ihnen abgeschlossenen Handelsverträge. Asien und Afrika nehmen wachsende Mengen deutscher Aus­fuhrerzeugnisse auf. So sehr Deutschland darnach trachte, das Handelsvertragssystem zum Ab­schluß zu bringen, so sei man noch immer vom Ziele entfernt und habe noch schwere Aufgabe, wie die Handelsoerträge mit Polen, Frankreich und der Tschechoslowakei zu regeln. Der Minister erhofft sich von Der im Mai in Genf ftattfinDenDen

IDeltroirlfdjaffsfon'eren;

eine aemifje Erleichterung der allgemeinen handels­politischen Lage. So wenig befriedigend im ganzen Deutschlands handelspolitische Lage zur Zeit auch sein möge, so werde die Reichsregierung doch eine Aenderung der Methoden und die Schaffung eines neuen Zolltarifs in nächster Zeit nicht verantworten können. Die Einbringung eines neuen deutschen Zolltarifs würde im Augenblick nur noch größere Verwirrung Hervorrufen. Der Minister kündigte eine Vorlage der Reichsregierung über die Gestaltung der Agrarzölle für nach dem 31. Mörz dieses Jahres an und verwies auf die neuen Wege, die man zwecks Steigerung der Aus- stihr zu gehen beabsichtige. Dem Auslande müsse klar gemacht werden, daß die Garantieleistung für sog. Russenkredite, die Exportkreditoersicherung und anderes Maßnahmen seien, die auch andere Staa­ten träfen und daß gerade die besondere Schuld- n e r l a g e Deutschlands zur Förderung der Ausfuhr dränge.

Auf dem Gebiet der Geld- und Kreditpolitik hätten die Geldsätze der Auslandanleihen und des Jnlandkapitals im vergangenen Jahre eine beträcht­liche Verminderung erfahren. Trotzdem sei aber die Zinsbelastung noch immer sehr hoch und be­denklich. Man müsse jetzt daher ernst überlegen, ob und welche Maßnahmen zur Verbesserung des Geld- und Kreditsystems ergriffen werden können. Bei den Besprechungen zwischen Dr. Schacht und dem Reichs­kabinett sei auch von den Rückwirkungen die Rede gewesen, die von den Bewegungen des Geld- und Kreditmarktes auf die Zahlungen für Repara­tionsleistungen ausgehen.

Die bisherige Erfüllung der Reparaiionsoer- pfüd)hingen, die im wesentlichen daraus hinaus- laufe, Annuitäten durch Ausnahme neuer Schul­den zu schaffen, führe zu Substaniverlusten und sei daher alles andere als eine ordnungsmäßige Erfüllung des Dawesplanes.

Der Minister betonte weiter, daß sich der Staat mit besonderer Sorgfalt des Handwerkes und des millelftändischen Gewerbes annehmen müsse. Ein wie starker Wille zur Selbstbehauptung im Hand­werk lebe, lehre auch ein Blick aus den winzig fort­schreitenden Aufbau der Kreditgenosienschasten, deren Mitglieder zum großen Teil dem Handwerk angeboren.

Der Haushaltsausschuß beantragt Die Strei­chung der von Der Regierung angeforDerten 3/4 Millionen zur FörDerung Des Deutschen Außen­handels, insbesonDere zur Zinsverbilligung für Darlehen an Deutsche Exporteure. In einer Entschließung regt Der Ausschuß Die Zusammen­legung Des Statistischen Reichsamtes unD Des Preußischen Statistischen Amts an.

Abg. Frau SenDe r (Soz.) weist aus Das Miß­verhältnis zwischen Produktion unD Verbrauch hin. Die Rationalisierung habe sich bis­her nur zugunsten Der Llnternehw.er ausgewirkt, nicht in einer Preissenkung. Hätten Regierung unD Unternehmer Die zur UeberwinDung Der Krisis wichtige BeDeutung Des Massen- absah es rechtzeitig erfannt, so hätten sie zu­nächst Die Reallohne steigern müssen. Wie wenig Dem Minister an der Hebung der Kauf­kraft Des Bolkes liegt, Das beweise Die Tatsache, Daß er auf Die Mietsteigerung hingewirkt habe. Als Ziel Der Arbeiter stelll Die ReDnerin zum Schluß auf: PrvDuktive Sozial­politik Durch Verkürzung Der Arbeitszeit unD Stei­gerung Der Kaufkraft, sowie Abbau Der Zoll­mauern.

Aus aller Welt.

Das Urteil im Jirrgensprozeß

3m Prozeß gegen Den Stargarder Land­gerichtsdirektor Jurgens und feine Frau wegen Meineids unD Versicherungsbetrugs wurde Mon­tag vorn Berliner Landgericht III das Urteil gefällt. Die Angeklagte Frau Jürgens wurde Wegen Meineides zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Unter- fuchungsyast als verbüßt gelten, und im übri­gen freigesprochen. Der Angeklagte Landgerichts- Direktor Jürgens wurde freigesprvcheu.

3n der Urteilsbegründung wird u. a. ausge- I fuhrt Das Gericht halt einen Meineid der Frau

Abg. Dr. Reichert (Dn.) bekämpft Die Uebernahme wirtsä, aftl-cher Betriebe Durch Die öffentliche HanD, n?.u die Betriebe dann unren­tabel würden und sie außerdem, von Steuern befreit, eine unfaire Konkurrenz für Die schwer belasteten Privatbetriebe würden. Die Sozialdemokratie habe selbst auf Rationalisierung gedrängt. Jetzt dürfe sie sich nicht über die Folgen beklagen.

Aber die Rationalisierung habe endlich einmal wieder eine Rente geschaffen, und Bebel habe ja selbst einmal gesagt:Ohne Prosit raucht fein Schornstein." Außerdem habe die Ratio­nalisierung den Export wieder ermöglicht und Geld und Rohstoffe wieder ins Land gebracht.

Arbeitszeit dürfe man nicht rationieren nach Schema F. Während des englischen Streits hätte man ohne Ueberstunden z. B. manchen Austrag nicht ausführen können. Wenn einzelne Ar­beitslose litten, so dürfe man doch auch nicht vergessen, wie die Lohne der Beschäftigten ge­stiegen seien. Rach dem kleinen Ausgleich des Dorjahres sei unsere Handelsbilanz wieder passiv. Man scheine sich im all­gemeinen nicht genügend llar zu machen, daß die zwci Milliarden Daweslasten 4 bis 5 Prozent dcs gejan.tcn deutschen VollS^mlommens ausmachen. Bon einer allgemeinen Te e jung der deutschen Wirtschaft, die die Repara.ionssach- verständigen erwarteten, sei noch keine Spur vorhanden. Das Ausland müsse zum mindesten durch seine Handelspolitik die Erfüllung der Dawesverpslichtungen ermöglichen.

Abg. Schlack (Z.) will aus verschiedenen Erscheinungen erkennen, daß es mit unserer Wirtschaft vorwärts gehe. Aber Der Wieder­aufbau sei noch lange nicht gesichert. Erfreu­lich sei die Besserung der Handelsbilanz. Aller­dings fei sie auf eine starte Einfuhrdrofse- lung zurückzuführen gewesen und auch in ihrer heungen Form sei die Handelsbilanz und vor allem auch die Zahlungsbilanz auf die Dauer unerträglich.

wenn wir die Daweslast für uns verwenden könnten, würden wir 600 000 Menschen mehr beschäftigen können. Die Erfüllung des Dawes- planes fei überhaupt nur durch Steigerung der Ausfuhr möglich. Deshalb muffe der Rclkerbund dafür sorgen, daß die Zölle international a b - gebaut werden. Deutschland solle aus diesem

Wege oorangchen.

Das Ausland müsse endlich aufhören. Deutsch­lands Wirtschaftslage viel zu günstig zu beur- teilten. Unsere Ausfuhr bleibe noch 35 bis 40 Pro-, hinter der der Vorkriegszeit zurück. Das Mini­sterium solle dahin wirken, daß die Verschuldung an das Ausland eingeschränkt wird und die deutsche Wirtschaft, ihren Kapitalbedarf i m Inland decken kann. Die Rationalisierung sei nur Unternehmern zugute gekommen. Das be­weise die Verdoppelung der Kurse im letzten Jahre. Für den Aufstieg unserer Wirtschaft komme eS aber nicht auf die Reserven der In­dustrie an. sondern auf die Hebung der Kaufkraft der großen Masfe.

Abg. Albrecht (DVP.): Roch seien nicht alle Industriezweige von der Rationalisierung erfaßt. Gerade die noch ausstehend« Erneuerung und Durchorganisierung Der Betriebe koste Geld. Deshalb seien auch die Borwürfe, allein die Arbeiter hätten die Lasten der Rationallfierung zu tragen, unberechtigt. Der Redner betont, daß es der deutschen Wirtschaft in der letzten Zeit ohne Zweifel gelungen sei, auf dem Weltmarkt zu konkurrieren. Das ganze Dolk habe an der Rationalisierung daö größte Interesse. Wenn sie auch vorübergehend Arbeitslosigkeit schaffe, so sei sie doch das einzige Mittel, um durch wett­bewerbsfähige Preise größere Marktge­biete zu erschließen, die Produktion zu erwei­tern, und damit die Einstellung neuer Arbeitskräfte zu ermöglichen.

Die Lösung des Reparationsproblems fei da­von abhängig, daß unserer wirtschaft keine übermäßigen Lasten aufgebürbet mürben.

Abg. Koenen (Komm.) erklärt, die Arbeiter müßten sich wehrlos niederrationalisieren lassen. Es sei richtig, daß Thyssen und Dögeler zusammen mit Strefemann an Der Riviera mit Mussolini über ein Geschäft mit Munition für Den Stahl­trust verhanDelt hätten, wobei das Reich eine Garantie von 1000 Millionen Rm. übernehmen sollte.

Abg. Meyer- Berlin (Dem.) begrüßt DaS Bekenntnis Des Regierungsprogramms zur E x - portförDerung. glaubt aber nicht an ihre Durchführung, weil er bezweifelt. Daß Die Deutsch- nationalen Die entgegengesetzten Interessen Des GrohgrunDbesitzes Derlengne-i Er befürchte Des­halb, Daß Die Regierung Den Entscheid über wich­tige Handelsverträge hinausschieben werbe, um innerpolitische Krisen zu vermeiden. Einer Durch- peitschung DeS neuen Zolltarifs, wie es bei Der letzten Rovelle geschehen sei, würDen sich Die Demokraten mit allen parlamentarischen Mitteln widersetzen. Der Redner polemisiert ferner gegen die Verlängerung des Agrarzollproviforiums, die künstlich Dorgenommen würde. Gr unterstützt den sozialdemokratischen Antrag, Die Roggenzölle auf­zuheben. Die FuttermitteHölle führten zur vor­zeitigen Abschlachtung DeS Viehes, zur Beschrän- fung Der Flcischversorgung unD müßten Daher be­seitigt werben.

Abg. Drewitz (Wirtschaftliche Vereinigung) schllDert Die schwierige Lage Des M i 11 e l st a n - Des. Er verlangt Beseitigung Der Auswüchse Der Gewerbefreihteit.

Weiterberatung Dienstag.

Jürgens für erwiesen, hat Die einjährige Zucht­hausstrafe aber auf GrunD Des strafmilDernden § 157 auf eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten herabgesetzt. Die Durch Die Untersuchungshaft ver­büßt sein soll. Bei Den übrigen Delikten reicht daS. was in Der Verhandlung zur Sprache ge­kommen ist. nicht aus. um die Angeklagten zu überführen. Bei den Kreditbetrügereien sind von den 36 Fällen der Anklage nur 3 übrig geblieben. Sie scheiden schon deshalb aus. weil eine Ver- mögensschädigung nicht festgestellt werden form. Die Verhandlung hat keinen Anhalt dafür er­geben, daß der Angellagte Jürgens bei Dem ihm vorgeworsenen Meineid schuldig ist. Sie Ehefrau hat zweifellos ihren Mann Hintergan­

ge n. und es ist also anzunehmen, daß er nichts von ihren Schulden gewußt hat. Bei allen Diesen ihm zur Last gelegten Straftaten spricht Der Sachverhalt für Die Unschuld DeS 2n- gefiagten.

Tödlicher Absturz des Flieger» Ungemittet.

Auf Dem Flugplatz Staaken ist einer Der ältesten unD beDeutenöftcn Deutschen Flieger, Der Chefpilot Der Albatros-Werke. Un­geteilter. beim Ausprobieren eines neuen Sport- ttugzcugeS tödlich verunglückt. Seine 200-PS- Maschine überschlug sich, stürzte aus 80 bis 100 Meter Höhe senkrecht mit Dem Propeller nach unten zur Erde und wurde vollstän­dig zertrümmert. Ungeteilter wat etwa 38 Jahre alt.

Verhaftungen rot gen Durchstechereien.

Direktor Albert Wagner aus Ludwigs­hafen, der seinerzeit in dem Hölle-Prozeß eine Rolle spielte, ist auf Deranlaflung der Staats­anwaltschaft Frankenthal wegen großer Durch­stechereien verhaftet worden. 3n der gleichen Sache wurde der frühere Leiter des Pofthochbau- bureauS Ludwigshafen. Baurat E a st e 11, ver­haftet. Die Durchstechereien, über Deren Höhe noch nichts befanntgegeben wirb, fallen bei Der Vergebung von Postbauar 5^i t en er­folgt sein. Auch gegen einen Beamten Der J.-G- FarbeninDustrie ist Haftbefehl erlasfen worden. In letzterem Falle soll Der Beamte Dem ver­hafteten Fabrikanten Wagner bei Der unrech.- mäßigen Vergebung von Postarbeiten Vor­schub geleistet haben.

Line Ohrfeige für Kerenski.

In Neuyork wurde die russische Monarchistin Katharina 'Barg, die dem vormaligen russischen Premierminister Kerenski vor einer Versamm­lung von 5000 Personen am Samstagnachmlltag ins Gesicht geschlagen hat. zu 4 Dollar 50 Cents Geldstrafe verurteilt. Diese Summe ent­spricht dem Preis des Blumenstraußes, den sic angeblich hatte Kerenski überreichen wollen. Sie erklärte später:Das ist dos Geld wert g e ro c f e n."

Ein sinkender Berg in der Eisei.

In Dollendors in Der Eisel wird eine über* raschenDe Beobachtung gemacht. Die ungesähr eine Viertelstunde von Dollendors entfernt lie­gende Dollendorfer Höhe ist in ihrem Mittel­stücke zwischen Der Höhe selbst unD Dem EiserrS- berge ungefähr in einer Breite von 3 * Kilo­meter a m Sinken. WährenD vor Jahren luxfr beiDe Höhen Durch eine gleichmäßige Rückenhöhe verbunden waren, ist heute zwischen Den beiden Gipseln kein Berg mehr zu sehen, sondern eine T a l e b e n e. Ueber die Ursache Des Sinkens Der Berghohe ist man sich nicht llar.

DieEiserne Bücherei" in London gesährdet.

Die sogenannteEiserne Bücherei" des Britt- j ch e n Museums, die vier Millionen unerscw bare Bücher umfaßt, ist in großer Getehr. Sie droht mit ihrem ungeheuren Gewicht von Taufenden von Tonnen, das jeden Monat durch einen Bücherzu- wachs von rund 30 000 Bänden vermehrt wird, das Gebäude in die Tiefe zu reißen. Die Angelegen- hell ist so dringend, daß eine Deputation den Mi­nisterpräsidenten Baldwin bereits informiert hat. Die Sachverständigen sind der Auffassung, daß die Sanxe Struktur des Gebäudes unter den gegebenen mftänben einer dringenden Renovierung be­darf. Der hierfür erforderliche Kostenaufwand wird mindestens 20 Millionen Mark betragen.

Grober Unfug.

Einem Dienftknechl In Ummerstadt bei Roburg hat ein noch Unbekannter i n die Tabakspfeife yeimlich Schießpulver gestopft, da» beim Anzünden der Pfeife explodierte und den Knecht so schwer im Gesicht verletzte, daß sein Augenlicht gefährdet ist.

Zur Hinrichtung aosgetoft.

Der bolivianische Gerichtshof hat Das Urteil gegen Die vier Des Mordes an Dem früheren Präsidenten. General P a n D 0. für schulDig et» Härten Personen gesällt. Durch Das Los soll bestimmt teerten, teer Die ToDeSstrafe er« leitet, WährenD Die übrigen je 10 Jahre Ge­fängnis erhalten werden.

Wettervoraussage.

Zunächst teolkig. später unter Zunahme ter ßuftbetoegung auch langsame Bewölkungszunahme mit Riederschlägen und geringem Temperatur­anstieg.

Gestrige TageStempcraturen: Maximum 2A Minimum 0,7 Grad LelsiuS. Rteterfchläge: 0,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur.- 0,3 GraD CelsiuS.

Kunst und Wissenschaft.

Zum Tode

Professor Dr. Eduard vou Bambergs.

Arn Vormittag DeS 12. März 1927 teurDe Der Goethesorscher Prof. Dr. EDuarD von Bam­berg auf Dem WalDfrieDhof zu Darmstadt zur letzten Ruhe gebettet. Am 29. Juni 1852 zu Frankenberg in Thüringen geboren, hatte er Die letzten zwölf Jahre seines LedenS in BraunS- harDt bei WeiterstaDt zugebracht, teo er tm Februar 1915 Das von Dem Prinzen Georg Wikhelm von Hessen. Dem Großvater Der Köni­gin Luise von Preußen, erbaute Schlößchen er­worben hatte. Seinen LebenSberus hatte er in Der Erforschung DeS Zeitalters GoetheS erblickt. unD noch im Frühjahr 1927 war es ihm vergönnt. Die Erinnerungen Der Karvline Jagemann nebst zahlreichen unveröffentlichen Dokumenten au- ter Doethezeit im Sibyllenverlag zu DreSDen her* auszugeben unD Damit eine Quelle ersten Ran­ges für Die Geschichte jener Zell zu erschließen. BIS in Den Rovember hinein arbeitete er an Der Herausgabe DeS Briefwechsels Karl LuDwig von Knebels. Dann machte ihn Die Krankheit. Die am 9. März feinem Leben ein Ziel setzte. Die Weiterarbeit unmöglich. Im Rovember hatte er DaS Schlößchen BraunsharDt an Den EarilaS- Dcrein veräußert, weil er Die Darauf ruhende Steuerlast nicht tragen konnte, nachdem er in Der Inflationszeit fein beträchtliches Vermögen ein» gebüßt. Die Dann einsetzende Rieterlegung teS iDhllifch schönen ParkeS. Deren Zeuge er sein mußte. Da er nicht rasch genug eine passende Wohnung fand, hat infolge Der Durch sie hervor- gerufenen Gemütserregungen feinen Tod beschleu­nigt. Auf Die Geschichte DeS ehemaligen Fürsten- siyes BraunsharDt. Dessen EnDe mit tem seines Lebens nun zeitlich zusammenfällt. teerDen tetr