Nr. 267 Erste, Blatt
177. Jahrgang
Montag, U. November (927
Erich«'«! tlf!»Ä. n^n 3eeal»v *«* 3twrti|t
Wlifci
At^rnrt ^aeiUruMtoa tycxmai t* Piltz
TH« Lchovr
7 7tndH*arii e*b 20 K^ch«pf,,,lg ftz Ir&qrt» L«b*. such bei 7hd)lrr» kNinmrtmdnftTluwirm ilfelg« höherer ®ra-lL ;t«rn|pr «d)aR|d)iaile:
II, M inb 112
für Vrvhrnach« ri*tr*
.tteeflnri cm Blei« I16M.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Ttv6 irb Dfrlog: VrLhl'sche Uiitütrft6tS'Be(fr mb $tdibrederd R. taige ti Bietzen. Sdjriftldhing vn) 6e|d>5ft$WeBe: SduftreM 1.
l«««|e« »m SijriHi fir Iw btt
>«■ A»ch»Ui»4 vorder.
Prrte ttr I *• beb» ttf lupticr* Hl 27 nm Berti» »nlich tz, «t«»ärt«
10 Kttchepttni'g. lit Tir. klaaran ngee vs» 70 n Inin 36 ,Kti4»»l««ne, Platzv.'i ichri l 20* . *t|c. gbefretabtriir
Df 3nt»t v'.tz Cenqt. t)«Tomeenhd) ttr
Dr Dilh Cengr. für J«uiCrtoi Di f> Ibgrot; ftr btn übri^re I«xi v^rist liiuei -Ui*. |ii Mn St»« F'5«ntril Äun AiDmaim, i4mihä> t« (Bkhm.
Das Ergebnis der hessischen Landiagswahlen.
Die Quittung.
Itol hessische Volk ha! sich «inen neuen Qanb- tag gewählt To» tfraebnl« entipridx durchaus b« Lauheit bce Wahlkamps'-». Lrotz aller 'UUfr- • jnflm. die besonder« noch in den letzten logen Parteien und Presse aller polltttchen Schatt ieeun- »e an die Oefsentlichkeil richteten, ist die -Liste aller Wühler am gcftrigen Somi- :j| |u Hause geblieben. 6inc Wahlbeteiligung. tme wir fte bei einer Parlamentswahl in -essen so jämmerlich noch nicht auszuweilen batte« Dur der Dolksentschcid bleibt mit 5 Prozent -36) darunter 3« braucht taum besonder» her- »egehoben zu werden, dass gerade im bürget- sichen Vager die Anteilnahme an dem politischen Geschick de» Lande» wieder einmal be- ‘rrhert gering war und e» ist mir ein schwacher Trost, wenn auch bei der sozialdemokratischen Partei eine Abnahme der Wähler um 29 Prozent zu verzeichnen ist. Siebt doch diclem Ttudgang rin 3uto a d) I der Äommuntften von 25 Prozent gegenüber, la» bedeutet auf lOAiali- Äscher Seite eine neue Wendung zum Aadikalis- ru». die im Hinblick auf den an wirtschaftlichen Lchwlettgkeiten gewiss nicht armen Winter und ht möglicherweise im Frühjahr folgenden Wahlen -um deutschen Deichst ag bt»ä> recht bedenklich ‘ nm en muh. um so mehr, al» bei der im Augenblick wenigsten» an sich nicht ungünstigen Witt- bastskonjunktur verständliche Gründe für diele» Ueberbanbnebmen der ertremen Richtung Inner- bald der Arbeiterschaft schwerlich vorlicgen. Der trupellose <tdmpl und die mafilole Heye, die die Lozialdemokratte in den letzten Monaten gegen nne Deich» reglerung geführt hat. an der sie richt beteiligt ist und gegen ein Staatsoberhaupt, k» ausnahmsweise einmal nicht ihrer Partei an- ,chött. rächt sich hier an seinen Urhebern selbst «m bittersten.
Wenn bei den bü rgerlichen Parteien Ile Wahlmüdigkeir besonder» kratz in Srschei- tueg trat, so hat dies verschiedene Gründe, ter Kampf gegen den Fortbestand der Wei- rarer Äoalitiontreglcrung hat starke Kräfte der Tiechten vorzeitig absorbiert. Der ergebnislose :.u»gang de» Volksentscheid» führte offenbar dazu, datz jetzt grabe WLHlermaffen gerade caI diesen Kreisen allzu früh refianierenb aus rn< Einwirkung aus ihr polilische» Schicksal ver- uchteren Auch die Bildung der Splitter- rar i c l e n hat zweifellos da» Wahlergebnis erheblich beeinllutzt. denn es sind gcw'tz viele in Hause geblieben, die ihre Hoffnung auf eine tiefer neuen Gruppen gesetzt halten und nun. citf diefe nicht in der Lage waren, eine eigene v.te aulzustellen. von ihrem Wahlrecht keinen v^fbraud) machten Wenn dazu noch eine bieder Splitterparteien in einem Appell an die Wähler -cradezu zur Stimmenthaltung auf • orderte, so kann dies nicht scharf genug > rurteilt werden Wir müssen da dem ehe- -öligen Deichskanzler Dr Luther in allem > ipflichten wenn er in einem Artikel zur Wahl ltDgt: »Wie ist e» vorstellbar, datz eine bürger- che Gruppe grundsätzlich aus die Ausübung he# Wahlrechte» verzichtet? Deswegen, weil eine i.'iße nicht zustande gekommen ist? Jfl da» ein Gesichtspunkt wo es sich um höchstes Dolks-
interesse handelt? Wilsen da» die Beran- I ft alter jene» Aufrufe» zur Wahl<mthaltung nicht. I dah. wenn man ernst Hail nachdenlt. Wahl- f recht und Wahlpflicht basfelbe Ist? Wer nicht wählt verzichtet ja nicht nur auf eine ihm cr.eilte Vergünstigung der Derfas ung Tein! Qr trägt ganz perfonlich die Verantwortung t-a'ür. dah ein falsches Gesamtbild des Volkswillens zustande kommt. Gerade ein christlicher Mensch muh tolflen, dab Aechte, an deren Ausü ung auch andere interessiert lind. Pflichten Und. Mit einem abgewandel- ten Wotte der Bibel rufe ich jedem zu: Gebt dem Volke, was des Volke» istl Also wählt!" Der fo schrieb. bat durch seine unermüdliche Arbeit für da» Wohl der Gesamtheit de» deutschen Volkes hinlänglich bewiesen, datz er allen kleinlichen Aspirationen und jedem verbohrten ';xaneiegol»mu» völlig sernsteht ®* wäre kein fchlechte» Zeugnis staatsbürgerlicher Gesinnung gewesen, wenn man dem Weckruf diese» Manne» in letzter Stunde gefolgt wäre, statt Verwirrung in die Weihen des Bürgertum» zu tragen und dadurch mitschuldig zu werden, wenn jetzt der Kommunismus — der doch wohl kaum dem evangelischen Lhnstenlum freundlicher gesonnen ist. als eine her bürgerlichen Parteien, für die man nicht eintreten zu können glaubte — um 25 Prozent verstärkt in den neuen hessischen Landtag einzieht
Unter der Zersplitterung de» Bürgertum» hatten diesmal am meisten zu leiden die Deutschnativnalen. die 40 Prozent ihrer Wähler cingebübt haben, während Demokra » t e n und Dolkspartei um 30 Prozent, der Bauernbund nur um 26 zürückgegangen lind und da» Zentrum sich mit einem Minus von 15 Prozent von allen an der Wahl beteiligten Parteien überhaupt am günstigsten gehalten hat. Die öinbufK der Deut schnationa len dürste wohl darauf zurückzusühren sein, datz bei der vorigen Landtagswahl im Jahre 1924 der Vorkämpfer der Aulwertungsbewegung. Ober- landesgcrichtspräfident Dr. Best, durch sein Auftreten als deutschnationaler Aeichstagskan- didat auch viele seiner Freunde der Landtag»- liste dieser Partei zugeführt hatte, während er jetzt al» Haupt einer eigenen Partei 24 000 Stimmen aus sich vereinigen konnte. Die Aufwertungspartei wird also mit drei Abgeordneten im neuen Landtag erscheinen. 3m übrigen hat nur der Bauernbund seine alte Stärke von 9 Sitzen upten können Die Sozialdemokraten Haden zwei Mandate an die Kommunisten abgeben müssen. Don den beiden bürgerlichen Koalitionsparteien haben die Demokraten ebenfalls einen Sitz einaebüfit, während es dem Zentrum gelungen ist, die Zahl feiner Abgeordneten um zwei, nämlich von 11 auf 13. zu erhöhen. Da» Zentrum ist damit von den Koa- linonsparteien die einzige, die mit Gewinn aus dem Wahlkampf hervorgegangen ist.
Obwohl also eine erneute Schwächung de» Bürgertum» innerhalb der bisherigen Degie- rungskoaütion vermieden werden formte, so werden sich die beiden bürgerlichen Parteien doch
I ernsthaft die Frage vv-zuleaen haben, ob sie angesichts de» starken Druck» nach links auf
| selten der Sozialdemokratie sich zur Erneue
rung de» alten Bündniffes bedingungslos bereit erklären Polen. 8.ne Bejahung d es er Frage ist um o bedenklicher al» d e Sozialdemokratie nach dicier Wohin.ek^-ri 'ten de» C
faleren Genollen von link» in Zukunft mehr noch al» bisher der eit rem en Dichtung in ihren Aechm Gehör schenken wird, au» der begründeten Furch: heraus, anbemfall» bei den nächsten Wahlen im Frühjahr de» lo.nmenben Jahre» von neuem Wähler aboröckeln zu sehen. Besonder- im demokratischen Lager sche nt man schon vor der Wahl diese immerhin bedenkliche Eilua'.on geahnt zu haben 3n der demokratischen Preffe wurde befoider» in den letztm Tagen der Wahlkampf in schärfster F vnt gegen den bisherigen B an t»^gen ollen. die Soziald in^> fratie, geführt. Wir können nicht glauben, datz die» lediglich auf Aechnung der Wahlagitation gegangen sein sollte, und möchten wohl annehmen. dah Zentrum und Demokraten eine Erneuerung der Koalition m t der Sozialdemokratie nur eingeben werden, wenn da» bürgerliche Element Im neuen Kab nett durch Hinzu- tritt der Deutschen Dolkspartei gestärkt wird. Möglich wäre immcrtfin bei der neuen Konstellation ein bürgerliche» Koa- lltion»fabinett. allerdings mit Ginbezie- bung der Demokraten, die sich jedoch für c ne solche Kombination b »lang noch nicht haben entichkietzm können. Aber angesichts ihrer Stellung im Wahlkampf und ihrer neuen Derluste wäre dieser «ntschlutz doch denkbar. Zumindest mutz e» sich aber bei der neuen Kabinct sblldung um eine ^Verbreiterung de r Regie- rungebaf i» handeln, wenn Zentrum und Demokraten nicht den hessischen Staat auf unbeschränkte Zeit dem Sozialismus ausliesem wollen und zufehen müssen, wie sattsam bekannte Sozial ifierung-erperimente Kultur und Wirtschaft de» Hessenvolke» zerschlagen.
Oae Wahlergebnis.
Sozialdemokraten: 157 289 (220 108). Zentrum: 85 418 (100 384).
Demokraten: 37 750 (53 301).
Canbbuab: 61 067 (82 742). veutschnatlonale 24 013 (43 717). Kommunisten: 41 160 (33 689). Deutsche Bolf»parttl: 51 638 (73 930). volksrechtpartrl: 24 166.
Vie Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen beträgt 482 531, die Wahlbeteiligung 50 bl» 52 Prozent.
0ie Mandaisverteilung.
Rach dem amtlichen Lrgebni» stellt sich die Verteilung der Mandate Im neuen hessischen Landtag wie folgt:
Sozialdemokraten
24
(26) -
2
Zentrum
13
(11) +
2
Demokraten
5
(6) -
1
Bauernbund
q
(8) +
1
Deutschnationale
3
(6) -
3
Kommunisten
6
(4) +
2
Deutsche Boll»partei
7
iS) -
2
Volksrechtpartei
3
(-) 4-
3
»l|o 42 Stimme (43) der Äoalltlenepaf t e l e n steht eine Opposition von 28 (27) Stimme» gegenüber
Die neuen Abgeordneten.
Sozialdemokratische Panel: Ul» rich Adelung. Lu». Aaab. Kaul. Zinnkann, Mann. Doll. Leuschncr. Harth. Stesian, Schaub, Widmann. Anthe». Dotz. Deuter, Maurer. Dltzel, Weber. Sturmfei». Lückel. Dechlhien, Storck, Delp.
Zentrum: Dutz. Schük. Blank. Wesp, Hat- terner. Hoffmann. Weckler. Heinstadl. Späth, Lautenbocher. Winter, Lang.
Demokratische Partei: KoreN. öbetle. Deiber, Balser. Schreiber
H e s f l scher Landbund und Dhein» hesti'che Landliste. Dr. v. Helmolt, Fenchel. Dr. Leuchigen». Jost. Wolf, Glaser, Müller, Dr. Möbus. Goehring.
Deutfchnalionale Volkspartei: Kindt. Werner. Böhm.
Kommunistische Partei: Galm,
Angermeier, Schäser. von der Schmitt. Sumps, Hamann.
Deutsche Dolkspartei: 2) in gclbet), Schott. Birnbaum. Scholz. Haury, Dr. Diepoth. Dr. Keller.
Vvlksrechtpartei: Dr. Best. Asst, Dr. Wolf
Einzelergebniffe.
Bic Hessischen Ltadlc im Wahlfamps.
Das Gesamtergebnis der besfischen Landtags wählen für den Kreis G testen finden uniete Leser in einer übersichtlich ungeordneten Tabelle im provinziellen Dell im dritten Blatt lene Leders icht der OrybniHe nach Kreisen und Provinzen gibt die untenstehende Tabelle. 3m folgenden geben wir einige bemerkensweite ®bv- zelergebnisse in hessischen Städten, bei b$pe also die Landkreise unberücksichtigt geblieben TmO.
Stadt Giesten.
Wahlberechttgte 23 367, abgegebene Stimmen 12026 . Sozialdemokraten 3775 (4756). Zentrum 632 (867). Demokraten 1204 (1954). Höflicher Landbund 116 (77). Deutschnationale 1830 ( 3013), Kommunisten 491 (732), Deutsche Dolkspartei 3743 (4251). Dolksrcchtpartei 867 (—).
Stadt Lad-Dauheim.
Soz 974 (1054). Zentr 246 ( 344), Dem 623 (625). Landb. 115 (90). Dn. 502 (785). Korn. 196 (133). DDP. 519 (747). Dolssr.-P 238. Wahlbeteiligung 60 Prvz
Stadt Jrlebberg.
Soz 1217. Zentr. 343. Dem 607, Landb 241, Dn. 26M. Korn 262. DDP 545. Dolksr-P 254. Wahlberecht.gt 7095, abgegebene Stimmen 3790.
Stadt Vuhdach.
Sozialdemokraten 641. Zentrum 199. Demokraten 270. Landbund 60. Deutfchnaf.cmale 311. Kommunisten 146. D. D. 367. Dolksrechtpartei 82. Wahlbeteiligung 60 Prozent.
Abstimmungsergebnis der Landtagswahl 1927
in Vergleich gestellt zum Ergebnis vom 7.12. 24.
«ozial- demotratZschc Partei
13.11.27 7.12.24
Zentrum 13.11.27 7.12.24
Deutsche Temotratische Patte'
13.11.27 7.12.24
Hestifcher Lanbbund unb rheinhesjischc Landlifte
13.11.27 7.12.24
Teutichnationale PolNpartei
13.11.27 7.12.24
Kommunisten
13.11.27 7.12.24
Deutsche volk»pattei
13.11.27 7.12.24
Lolksrecht- Partei
13.11.27
Vrooia» Ztartenburg:
H. ........................
. .........................
Zusammen . .
Orvoinj Cbfrleljeu: irrt» Bietzen.................
, 'Älejelb..................
, Bübinnen................
, Fnebbcrg.................
, Vauhrbad»................
„ -£ (tollen ..............
Zusammen . •
Sroum", T.* cietcl’.ee: , ..........................
a " nen . .
26525
5588
6771
5562
9979
3121
28117
32161 9434 9964
M175 13WJ0 5520 34^74
2945 6760 5392
691 2002 6338
14611
3834
7ASO 5937
894
2498
7895
16660
4797 1026 1048
912 2653
MIO 4120
6601 1572
1326 1525 2951
1414 6002
35)6
2486
4875
3034
4114
1151
2229
3674
3786 6421
3780 4957 1652
3003
4009 991
753
917
428
300
2709
9395 1885 2332 1649
784 Ml
5276
3453
1361
2036
739
3015
1114
17955
2926
2098
1342
744
2601
1909
12537
14066
1986
1003
1016
1689
702
5332
18137 3228
1712 1921
2563 1372
7067
6108
970 1001 1102
749 619 3150
836J3
113928
38739
45418
15356
21391
21407
27473
10082
22162
29672
24167
25793 36000
13644
12941
1798 .”.*50 1356»
1871
1325
16796
3106
5416
16286
2975
2572
716
622
148
3984
397
31
1060
935
299
480»
574
64
2327
669
728
2644
449
498
3766
820 1157 3100
041
636
7996
4729
5046
7444
3667 4873
10266
6738
6763
9092 49* «5
6807
3257
560
569
1606
599
313
6781 1473
1416
2935
1287
659
1076
373
580
2316
148
168
1481
148
740
2100
164
88
4063 664
712 2283 1497
361
6204
1179
1217
3420
1600
734
1372
550
130
1089
221
267
14445 47151
5898 7740
7315
10120
33775
44571
69**4
13551
4660
4721
9570
14363
3629
.1*262 .14» 2534 3123
h*2M
2Ä74O 4561 4766 6607
15335
18879 9'11 7212
.'549 "060
21780
3856
7710
5643
8237
6767 2151 2137 1807 2217
962 1125
796 1261 1750
1816
1769
1642
2531
2940
2145
1227
340
1114
2191
3075 1286
315 1251 2077
4465
209
487
148
1618
3112
96
282
110
1212
3850
1428
1003
1647
8257
4725
2567
1787
2710
11778
3249
406
427
2438
*9151 59021'
47226
I5«'79 21790
5894 10698
| 7027
8004
6827 4811
16275
23567
6893
1572^9
220108
8544■»
100384
37750
53301
61067
82742
24013
43717
41160
33689
51638
73930
24166


