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Nr. 24t Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderhesten)Zreitag, H. Gttober 1927

Die Diktatur beginnt!

Die Berliner Wonatvschrist .(«( saß-Loth ringen" i ^etmatft.rnmen" weilt in ihrem Oktoberh« auf die Dikta.urabllchten Frank e.ch« m EI- '-Lothringen hin. die eingeletzt haben, um da- elsaß-lothringische Trlf mundtot zu machen.

Die Feinde der eUah-lothringischen Heunat- bewegung haben erreicht, was fie durch wohl- uberkgh Enthüllungen", durch lügenhalte Ent­stellung der Forderungen des elsaß-lothringischen Dolle«, durch da« laute Gezeter über ..deutsche Vachenlä-alten". durch ihre heuchlerischen Klagen Uber die Gefährdung des europäischen Frieden» und der französischen Sicherheit feit Jahr und Lag dp:bereitet haben!

Die sranzösischc öffentliche Meinung ist reif, die von der Regierung für nötig gehaltenen rechts- und gesetzwidrigen HnterbrüdungAmoft- regeln zu billigen, mit denen der Kamps EUaf.- üothringens um sein Recht aus Leben erdrosselt werden soll.

Frankreich« ..Prestige" erträgt nicht, daß ge­gen die Jahrzehnte hindurch verbreitete Legende vorn ..urlranzösischen" Elsaß-Lothringen tue schlichte Wahrheit gestellt wird. Franlreich will dem Rolle, da» e«befreit" hat, nicht zugestehen, ach .inen besonderen LcbenSbedtngungen sich zu entfalten. SS darf fein Elsaß-Lothringen mehr geben, fein ellah-lothringische» Voll olS lebendige, volkhast«. seldstbewußie Einheit.

3m Kampf ber Deister und der Ideen setzt die französische Propaganda den Staate an­walt mit dem Hochverratsparagraphen ein. den chauvinistischen Terror, eine be-ahlte Presse. Renegaten ouS aller Herren Länder und bas Heer seiner Spitzel.

Die Diltatur beginnt!

Minister Tardieu hat es am l. Oktober in Straßburg versprochen, und die französische Re­gierung hält in solchen Dingen Wort

Wider alle Grundsätze eine» Rechtsstaates wird die Herausgabe der ..Wahrheit". deS Blat­te« de« ..Elsässischen Oppositlon«blods" Elau« dorn von Bulachs, durch polizeiliche Heber» wachung der Druckerei verhindert.

Wider alle Pressefreiheit droht der Straß- burger Präfekt der autonomistischen ..Zukunft" Beschlagnahme an. wenn fie von der neuen .Autonomistischen Partei" oder überhaupt von Autonomie sprechen sollte!

Einen unliebsamen Gegner tote Bulach sucht man durch ein Justizverfahren au« der Kampf­front feineS Volke« herauszuholen. Man bezich­tigt ihn des Verbrechen« der Bedrohung de« französischen Präfekten mit dem Tode!

Andere Männer werden folgen: die fran- zöfische Presse fordert längst ihre Köpfe. Schon genügt e« den französischen nationalistischen Ver­bänden nicht mehr, bah man die Autonomisten Ineble; sie zeigen bereit« auf Führer der größten Partei de« Lande«, auf Dr. Haegy, auf Pros Rvssö. auf andereKomplizen der Agenten des AuSlande«".

In den Augen der Franzosen ist eS fluch­würdig. wenn da« Elsaß und Deutschlothringen ben Schutz feiner deutschen Muttersprache ver­langt. wenn da« elsaß-lothringische Voll Aner- fennung al«nationale Minderheit" von dem gleichen Frankreich verlangt, da« sich vor der Welt al« Vorkämpfer der Rechte und Freiheiten der kleinen Völker ausgibt.

Frankreich entrüstet sich über den elsaß- lothringischen ..Separatismus". ES hat vergessen, wa« ihm alsbald nach seiner zweiten Annerion de« Lande« ein Dorkämpser der französischen Büderoberung. der Elsässer Pierre Bucher, war­nend zugerufen hat: Sollte Frankreich die be­sondere Eigenart Elsaß-Lothringen« mißachten, so wären separatistische Bestrebungen unvermeid­lich.

Roch hat e« Frankreich in der Hand, dielen Separatismus dadurch zu bekämpfen daß e« von «einem kulturfeindlichen Kamp« gegen da« Volks­tum der 8. an-Lothrier absteht Roch bieten ihm die Führer der cl'ab-lothrlngischen Heimat- rechtSbewegung immer wieder die Hand zu einer friedlichen Lötung eine« Problem«, da« nicht auf dem Dege der Gewalt, sondern nur auf der Grundlage des naturlichen Rech'« jebc« Rlenfchen und febc? Bolle« zu . 'en i(t Roch fetzen diese verleyerten Auloi.omll:en' ihre Hoffnung auf die Einsicht und den Edelmut Frankreich«, an die wir nach den lahrhunderlelairgrn Erfahrun­gen ur.'erer Gelchiäue au« dem leidvollcn Ge- 14Id unserer 5>eimat nicht zu glauben vermögen.

Die El'ä ser und Lo'.hrinaer außerhalb der Heimat haben die Hn!rr>rüdung herankommen sehen. Sie wissen, baß dcm geschlossenen Ber- nichtunaewillen der französischen Ration ein eben­so einheitlicher Wille zur Selbstbehauptung gcgenübcrgcftclll werke» muß. Cie ve.kennen nicht Frankreich» Hebermacht gegenüber dem zahlen­mäßig io viel kleineren Gegner » Naß-Lothringen, sie willen aber auch, baß em Boll, da« um sein Leben kämpft der Sympathien der Welt sicher sein kann, und daß Frankreich einim entschlossenen Dillen e ne« opferwilligen Bolle« gegenüber unterliegen wirb.

Politik und Petroleum.

Von Arthur L y.

In der internationalen Oclbolüd machen sich neue Hmgruppicrungen bemerkbar. Die Ur- fache für diese Verschiebung der Krästeverhält- niffe liegt auf den russischen Erdöl- feldern. Die Scwjel-Hnwn hat jetzt den Wert diese« Besitzes erkannt und umsangreiche Aus» beutung«pläne für die nächsten Jahre aufgestellt. Gegenwäriig beträgt der russische Anteil an der Weiterdölproduktion nur 5 Prozent; er ist aber zur Deckung de« steigenden Bedarf« der in der Rähe liegenden»l»e nicht mehr fcu entbehren. Durch technische Bcrbeiferungcn Aufschließung neuer Felder. Transpotterleichterungen ufw. soll in dem Jahrfünft 192^27 bi« 1931 32 die rus­sische Gesamterzeugung auf 77,5 Mlllionen Ton­nen gehoben werden. Die Ausfuhr ist jetzt schon erheblich großer aU in der Vorkriegszeit. Das Raphtasyndikat. die HandelSabtellung deS Petroleumtrusts, treibt ben Ausbau der Abfatz- organifation rasch vorwärt«; sie umfaßt bereit« Dmitschland. Frankreich, Italien, die Türkei und ist- bis nach England, dem Hoheitsgebiet der Shell- Gruppe, vorgedrungen. Ferner steht daS Syndikat seit 1924 mit der Vacuum DU Eomp.. einer Hnlergefellschaft der Standard Oil, in Verbindung, die das russische Petroleum auf den ägyptischen Markt bringt, da sowjetrussische Schisse ägyptische Häsen nicht an laufen dürfen. Dieser neue Wettbewerber wirb von den beiben Oel-Großmächten. der amerikanischen Stan­dard Di! und der englisch-holländischen Ro­yal Dutch Shell -Gruppe viel ernster be­urteilt al« die übrigen Heineren Gesellschaften und Konzerne.

Seit 1921 herrschte zwischen ben beiden Oel- mächten Frieden. Der Wettbewerb auf ben Welt­märkten war durch Abkommen geregelt. Inner­halb der amerikanischen Gesellschaften der Rodefeiler-Trust wurde 1911 durch Gesetz auf­gelöst erhielt die Standard Oil of Rew - Jersey ben europäischen Markt zugewiesen. Sie schloß mit der Shell-Gruppe einen Vertrag, der die Märkte in Europa unter diese beiden Interessenten aufteilte. Auch für die übrigen Weltmärkte wurden ähnliche Vereinbarungen ge­troffen. 3m Rahen und Fernen Osten liegen die Abfatzgebiete der Standard Oil of Reu- D o r L Diese Gesellschaft knüpfte nun Verbindun­gen mit dem russischen Raphtasyndi- kat an. Die Grundlage der Verhandlungen bildete der Vertrag der Vacuum Oil. der eine

Das wattburgfest von 1817.

Bon Dr. Earl Walbrach.

Zur 110. Wiederkehr be« Jahrestages des Dartburgfefte« werden sich am 16. Oktober 1927 Tausende von Burschenschaftern in Eisenach zu- fammenftnben. um diesen Tag ernst und würdig zu begehen, wa« infolge de« Kriege«, da der größte Teil der Burschenschafter im Felde stand, unausführbar war. Deshalb hat man ben 110. Jahrestag zur örinnerung«feier bestimmt.

Für da« Wartburgfest von 1817 war der Gedanke maßgebend gewesen, entfprechenb dem Ziel der zwei Jahre zuvor in Jena gegründeten Burschenschaft Einigkeit unter allen deutschen Burschen b. h allen Stubierenden zu er­reichen. Da das 300. Reformationsjubiläum an allen 13 protestantischen Hochschulen begangen werden sollte, lag es nahe, diese« mit dem Jahrestag der Leipziger Schlacht und dem beab­sichtigten Verbrüderungsfest zusammen zu be­gehen. Die von bet Jenaer Burschenschaft aus­gehenden Einladungen zu dieser dreifachen Feier waren aber nicht nur an die örtlichen Burschen­schafter gerichtet, sondern in vielen Fällen auch an die LandSmannschafter. Denn das Berfcäl'.ni« der Burschenschaften an den einzelnen Hoch­schulen zu den dort bestehenden Landsmann- 1 ebaften war durchaus ungeklärt. 2Dahrcnd diese die vergangenen Zeiten der Kommeniherrschast fort Auf üoren bestrebt waren, wollte Die Burschen- Haft sämtliche Studierende zu einer E nheit zu- 'ammenfassen. ähnlich, wie es heute die Deutsche Ztudentenschast tut. Daß es zwischen den am Althergebrachten Hängenden und den reforme­risch Ge innten zu dauernden Kämpfen kommen mußte, versteht sich von selbst. Hm nun die dellen Parteien auf der Grundlage gleicher vater- lältdiicher Gesinnung und gleichen Glaubens zu bereinigen, hatte man den Planeiner ersten freudigen und freundschaftlichen Zusammeukunll deutscher Barschen" auf der Wartburg gefaßt, Mc der freiheitlich denkende Earl August von Weimar gastfreundlich zur Verfügung gestellt hätte.

Am 11. August 1817 hatte Wesselhö«: im Barnen der Jenaer Burlchenschast die Sinladun- ccn ergehen lassen. Hnd schon bald darauf konnte man in den Zeitungen Hinweife auf ben großen Tag le'en. Denneine freie Zusammen- nnift von D.utschen aller Länder allein um des Battr'.anbe^ willen war diesem Geschlecht eine so erstaunliche Erscheinung, daß fie ihm fast w.ch- tiger vorkam als Die weltbewegenden Ereignisse Der letzten Jahre".

Am 16. und 17. Oktober trafen, von schönem Herbstwetter begünstigt. Die Burschen in Eifenach ein, zu Pferd, zu Wagen und viele, wie z.V. die Jenaer und sogar Die Kieler, zu Fuß. Jeder Ankommende mußte sich einschreiben und ent­sprechend einem Ausschuß-Beschluß ehrenwört­lich Burgfrieden geloben. Die Zahl der Teil­nehmer, zu der aber noch später Ein treff ende hinzuzuzählen sind, betrug 463. Von Jena hatten sich auch vier Professoren eingefunden: Frie«, Kiefer. Oken und Schweitzer.

..Der ?8. Oktober brach an. Ein heiterer Herbstmoryen hatte die Rebel der Berge in sil­bernen Reif niedergeschlagen und von den Stroh- lep der ausgehenden Sonne beleuchtet, glänzte die Wartburg in seltener Klarheit aus dem Dusle der Berge emporsteigend, und al« die heilige Stätte dieses Tages von jedem mit stillem Ernst begrüßt." Hm 8 30 Hhr marschierten die Burschen vom Markt ab. unter dem Geläute aller Dioden und von den Einwohnern deS Städtchens be­gleitet.

Voran schritt Scheibler, der zusammen mit Riemann und Horn als Gründer der Jenaer Burschenschaft gilt, mit dem Burschen- Ichwert; ihm folgten vier Burgmänner, dann Graf Keller, der die fchwarzrote mit Gold­stickerei verzierte Fahne der Jenaer Burschen­schaft trug, und bann kam der lange Zug bet Burschen.

Im Rittersaal war ein Redncrftuhl auf­gestellt. ben bet mit dem Eiserne t Kreuz ge- Idbmüdic Lutzower Riemann, nachdem Luther« ..Sin' fette Burg verklungen war. betrat, um die Festrede zu halten. Er sprach über d.e Haoct- punkte die'er Ze.er und ging bann zu bem u.cr. wo« jetzt nottue". Er be'chwor die Manen Luther« unb aller für Recht und Freche a ge­fallenen Helden, und feine Rede klang n da« Gelübde au«, sich lebenslang le.ten zu laf'en von dem Geist der Wahrheit und Gerechtigleit.Daß wir. alle Brüber, alle Söhne eine« und des eiben Vater lande«, eine eherne Mauer b.lden gegen jegliche äußere und innere Feinde dieses Vater­landes; daß nimmer in uns erlösche ba« Streben nach jeglicher menschlichen und vater- ländi'chen Tugend"

Tiefe 5huc herrsch»* nach die en Worten. Mc ,cbrn Anwesenden an« Herz gegr.f-en hat- tet ..R. S den q:onen der Hnfltrbl <cn schien bi« Geisterreich 'ich atu getan eu habe:t da« Gelübde der frommen Ina-nd anzunehmen unb den Schwur des Kam?^z f^r Frea-er» und Recht mit ihrer Gcgenwari za befiege'n." Au' '<n Bfunrd) feiner Schüler fpr<r>h nun Prof 3 r ; e « nod> einige herzliche Wone. wonach man in den Burghof hinabstieg und sich in Heine Gruppen

Bcrlänae r a ng«Hti u<el enth.clr Zunächst wurde bi Her Vertrag unter Erhöhung ter S?iclerung«- menge auf weitere zwei Iahte verlanget:, außer­dem fichcne 'ich die Standard Oil auf die Daaer von se:.'S Iahnci. .ährltch 100 000 Tonnen Heizöl unb das Recht 'ür ihre Schiffe. Heuöi tn ben ruttischen e einzunehmen. S»c eth:e.t ferner die Konzession »um Bau einer Raffinerie in Batum die nach 'anf Jahren in da« Oiaenta der Sowreiu^ . n übergehn Dieser haup»sächi ä»e Inhalt des Aalommen« spielt mengenmäßig eine unter geordnete Rolle; er gewinnt aber ganz an­dere Bedeutung wenn man ihn im Rahmen Nr amerikanischen Oe.Politik die immer auf weite Sicht eingestellt ist. betrachtet Die refige Sa- r11almacht der Standard Oil versucht damit ihren Einfluß auf die russische Petroleuminbu- strie auSzudehnen. Der Smlpcuch de« Präsiden­ten der Shell-Gruppe. Dcterding gegen diese russisch-amerikanische Verbindung erfolgte nach außen hin mit der Begründung daß durch diele« Vorgehen der Oelfriede gestön werden könnte.

Der Kampf um da« Erdöl hat nicht mehr wie in den ' ruberen Jahrzehnten den politi­schen Besty der 5unborte zum Hauptziel Die Hindernisse, die auf diesem Wege liegen, find nicht mehr so leicht zu überwinden. Der Vorrat der bekannten Gew innungSstätten ist auch noch lange nicht erschöpft. Rach einer ötatif'.d der Geological Survcn vom Jahre 1922 soll zwar da« amerikanische Gebiet nur noch 13 Jahre, also jetzt nur noch 8 Jahre auSbeutungiiiähig fein. Diele Schätzung wird aber von anderen Fachleuten nicht anerkanm Eine mieniaticxnak Konferenz, die 1924 in London tagte schätzte die Dauer des WelterdölvorkommcnS auf 300 Jahre Der Reichtum der r p s s i s ch e n Felder wurde 1922 mit ein bis drei Milliarden Meter- tomien beziffert. Auch biefe Schätzung durfte eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sein zumal man damal« die außerordentlich reichen Vor­kommen im Hral-Embagebiet noch nicht lanntc. Auch in Latein-Amerika befinden sich noch wenig oder gar nicht abgebaute Srdölfchätze. Der Kampf geht heute um die Absatzmärkte

Der Zwang, stets Petroleum zu erwerben wo es nur möglich ist erklärt da« Bestreben, bas russische Produkt durch Kampf ober Ver­trag zurüdzugewinnen. Schon vor bem Kriege unb auch nach der Revolution haben bie großen Oelgesellschaften privatrechtliche Ansprüche in der russischen Petroleurnindustrie erworben. Die Standard Oil übernahm die Forderungen der Rohelgruppe im Baku bezirk, bie englvfib- bolländische Grlellfchafl Beteiligungen im Grosny- Gebiet. D.e Shell-Gruppe wollte fich mit bem russischen Peiroleum unb ber Ausbeute der sel­ber in Südperfien unb in Mesopotamien einen riesenhaften Srbölkvmpler sichern. Dieter Plan ist vorläufig gescheitert. Die Sowjet-Hnion ver­staatlichte die Erdölindustr.e und denkt vorläufig nicht daran, die alten privatrechtlichen Ansprüche anzuerkennen. Verhandlungen, bie nach b efer Richtung hin eingeleitet wurden, verliefen er­gebnislos. ebenso mißlang der Versuch ber Shell- Gruppe. von Rußland einen Monopolvertrag au erhalten. Die Sowjet-Hnion lehnt arundfäylich jede« private Monopol ab unb schließt nur Lie­ferungsverträge unb Konzessionen ab, aber auch nur unter der Bedingung, daß der Kontrahent bereit ist. größere Kredite zum Ausbau der Srd- ölinduftrie herzugeben. Wahrend nun Präsident Del er ding auf d.e Hmgcftaltung ber politischen Verhältnisse in Rußland wartete unb fie hinter ben Kulissen eifrig betreibt. ergriffen bie Amerikaner da« Räherliegende und sicher­ten sich die Bezugsquellen in ber Rühe ihrer Oftmürhe.

Die Absichten ber Standard Oil gehen na­türlich weiter, als eS diese« Abkommen au«brüdt. Die Amer.laner schalten Damit zunächst ben rus­sischen Wettbewerb auf ihren Absatzmarkt n au«. In ber Rähe ber kaukasischen Erdölfelder liegen

verteilte. Da ergriff auch Pros. Ofen ba« Wort in kleinerem Kreise und warnte in beson­derer Weise davor, sich um politische Dinge zu kümTnern. Die Burschen hätten nicht zu bereden. waS im Staate geschehen solle, sondern nur bas zu überlegen, wie sie sich toürbig auf ihre spä­tere Mitarbeit im Staate porbereiteten. Er sprach damit ungefähr ba« aus was al« dauernder Gewinn für bie studentische Reform von bet Versammlung wohl insgesamt bewußt ober un­bewußt empfunden wurde.

Inzwischen war im Winnefängersaal ba« gemein'ame Mittagsmahl vorbereitet worden, bei dem manches fröhliche Lied gelungen unb eine Anzahl Trinffprüche aufgebracht wurden. Rach dem Essen ging ber Zug in gleicher Orbnung wie am Morgen zur Stabt zurück um am Fest- gotteSbienst teilzunehmen. MilgliedetE bet Je- raet unb Berliner Burschenschaft füllten bie Zeit bi« zur Dämmerung mit turnerischen Vor­führungen aus.

Hm 6 Hhr traten alle zum Fackelzug auf ben Wattenbetg an. wo zum viettenmal em Er- innerungsfeuet an bie Schlacht bei Leipzig yc.i Himmel lohte. Der Jenaer L. Rödiget heil dort eine Ansprache, in bet et neben Luther» Tat und ber Befreiung ber Da ter lande« b.e politischen Mißstände in Deutschland stark in den Vordergrund schob In einem gewissen Gegen­satz möchte man tagen zu ben von Pros. Oien geäußerten Gedanken, erklärte er. bas deutsche Voll habe n ben FrecheitSkriegen nur bie Kraft des Sc. ^vertrauen« gewonnen; und ..wer bluten darf für ba« Vaterland, bet darf auch davon reden, wie er ihm am besten biene im Fr.eben". Erst zum Schluß kam er auf das zu sprechen, was die eigentliche Veranlassung zu 'em Fest gewesen war: Die Einheit ber Bur- 'eben: er wün.'chte. bah ber Btubcrbunb von Iaht zu Iaht wach e und segenSvvll, au« ben Quellen des Lichte« unb ber Wärme über alle« deutsche Voll ströme.

Rachdem damit bie eigentvche Feier zu Ende wat. kehrten fast alle Burschen nach ber *Ctabt zurück,d bah sich nur vor wenigen radikal Ge- .nnten das bedauerliche Possenfpiel ber Ver­brennung« zene abspielte. bi< von ber schon längst auf bie Burschenschait mißtrauischen Reaktion al« willkommener Anlaß benutzt wurde, mit offenen Verfolgungen zu beginnen. Oer Ged^ tke bieser, bie r u ge Feier des WartburgscsteL verletzen- den. ..Eulrn'piegelc." scheint nach allen*, von bem Kreis der Berliner Turner auszegangen zu fein. Jedenfalls steht unbed.nat fest, baß wek« bie Leiter de« Festes noch bi« gtDr:e Mehrzahl bet Teilnehn« bas gcr ngste damit zu hm hatten.

Am Vormittag des 19. Oktober fanden such

aber auch die nordperfischen, bie noch nicht aus- gebeutet w rde Pte Standard O ! gewinnt ic .a.-.gcr und ic testet fie infolge ihrer Kapital­macht ür. tuN.fchen Srdölgelchall fitzt inbitehcn Zutx.u «m den notbpet 'chen Vorkononen Der Do.^t . auch tn 'Per len kbr yagkdfr.g unb räumt 'ehr schnell Hindern ffe L'cifei e Hier ' ßt et aXr auf starte englische Ontcrtren. Die 'üdversi'chen Oclftlbrr ge ören der Anglo- Pe 11 i a n - Gele l haft, deren Aloen ßch zum größten Teü .n ben Händen be« driki'chen Mm; .e.stets bd.nben. An dieser Stelle *inb die Engländer fetzt empfindlich; dort, auf bem W^,'c nach Jod cn von der Türke, bl* naa) 4kr icn leherrfchen >»e alle Erddlgebiete Diele leormachistellung wird durch d.e russische Erdöl- inbustr.e bedroht

Hier l egt einer der Angelpunkte der eng- li'chen Polittk gegen die Sowjet-Hinon Die Zeit für eine klare Stellungnatzun- th aber noch nicht gekommen; es ist alkk noch in der Schwele und au' Warten eingestellt Daraus crflart sich auch ba* zweideutige Ikrbalten bet englischen Re­gierung. Da« Sowjet-Svstem wird in der offi­ziellen Politik sowohl England« al« auch ber Bereinigten Staaten i'erutte.lt; auf wirt­schaftlichem Gebiet traut man sich aber ge- genseitig nicht In Lotidon werden sanftere Toi.» nach Moskau hin angeschlagen; unter der Hat tz weist man aber b« Vertreter de« Raphtasyndi- kat« aus Der Honbei mit Rußland 'oll nicht unterbunden werden; die Banken erhalten aber Ai toe 'ung Geschälte mit Rußland nicht au fi­nanzieren D.e Politik Dashuigwn« ist schroff abwcifend. aber die Wirtschaft knüIfl uitmet neue Berbinbungcn mit dem rusfistcheti Markt an. Frankreich geht sein« eigenen Wege. 2« find hier Bestrebungen im Dange, ein Pe­troleum-Monopol zu errichten und große Lieferu«g«verträge mit bem Raphtafnndikat ab- zu'chlleßen Vie Versuche ber Shell-Gruppe mit Hilf« dienstbarer Prelleorgane bi« Stimmung gegen Sowjet-Rußland nicht erkallett zu lafsen, finden keinen starken Widerhall. Dcw L'einedt ber iKTbuffte Vorstoß be«Watin", bet vor kurzem große Enthüllungen über sowjettussische Umtriebe in den französischen Kolonien brachte

Be. dieser Sachlage spielt bie Sowjet-Unton bie Rolle des Gew nners. Sie hat aber bei ihrer ungünstigen Wirtschaftslage nur den einen Wunsch, die Erdölproduktton und den Absatz mit allen Mitteln zu heben Die Meldungen, bie von Annäherungsversuchen Hvi'chen der Shell- Gruppe unb bem Raphtasvndikat ber.chu n. sind deshalb durchaus verstanbltch Bei einem neuen Oelkrieg kann es nichts gewinnen. Die Lon­doner Oelkonserenz im Ottober wirb die ä-runblagcn für eine neue Zr^edenszeit finden, die aber mehr einem 'Waffenstillstand ähnelt.

Oberhessen.

Landkreis liefern

n. Großen-Linden. 11 Oft Der Kriegs­teilnehmer von 1870/71, Jakob Lutz, dahier, ooll- endet am morgigen Samstag fein 80. Lebens­jahr. Der Veteran biente nn 1. Hessen Darmftadti- scheu Jägerbataillon.

Lang-Göns, 14. Oft. Am kommenbett Sonntag rindet zwif^n den beiden Gemeind« tat*- Mitgliedern Anton Müller unb Karl Faber Stich wähl für bie Wahl zum Beige ordne- t e n statt. Als Nachfolger in den Gimeindemt kommt bei der 'Wahl von Müller der Maurermeister Karl Konrad Schäfer, bei ber Wahl von Faber der Händler Karl Rühl in Bettacht.

$ Gründe rg. 13. Olt Dte verkehrsreiche Provinzial st raßc Gteßen Grunderg Riüdr Ales.'Id wird augerrbltdlich mix einer staubfreiem Teerung neuangerl4>tet. Gne 2111*101 Arbeiter aus Grünberg haben bter loh­nende Beschästtgun: gefunden Dte neue Vater-Hnser-Glvde. die dieser Tage hier

K,L»HII« IM-r/B JO- TU»

'. ter ber Hochschulen unb auch v eie andere zu einer Versammlung auf der Wartburg ein. wo zunächst bieRebe an bie deutschen Burschen" von Prof. Fries burd) Rödiger verlesen würbe, unb bann bet Heidelberger la - roße eine wohlburchbachte 2lnlprache htelt. die man als bie beste Rede des Wartburgsestes be­zeichnen bad Sr rief bie Versammelten zur Einheit in L.oöe. Ehre unb Recht" auf unb zum Kampf gegen alle« Hndcutsche. ber von den Hochschulen ausgehen müsse, nm bann das Be­wußtsein der Volkseinheit in weitere Kreise zu tragen.Frei ist ber Bursche nur dadurch, daß er mit allen seinen Genossen in Einem Gesetze vereinigt; frei ist bie Burschenschaft nur bann, wenn fie mit allen übrigen in der Bruderliebe als ihrem gemeinsamen Herzen, in ber Volks­seele als ihrem Demexngeiste vereinigt unb ge­festigt ist."

In den folgenden Verhandlungen Um ba« Verhältnis der Gießener Schwarzen zu ben dortigen Landsmannfchaftln zur Sprache. Es fiel babei manch schades Wort aber endlich ge­lang doch eine Versöhnung ber Parteien, und einer rief: Kommt, laßt un« alle bem Beispiel ber Gießener folgen unb un« bie Hänb« reichen! Unb Bekannte und Unbekannte brudten sich bie Hänbe unb hielten sich fest umschlungen, unb waren verloren in Freude und Liebe

^lach der Versammlung gingen btc meisten Aum Gottesdienst, well sie ba« Bebürfnul fühlten, bie nun erreichte Einheit vor Gott zu fefhgen. Im Laufe des Rachmtttag« sand noch eine Aus- iprache ber ..Reformer" statt, wo insbesondere bie unter bem E.nsluh Carl Folien« ftehenten .Gießener Schwarzen" für die politische Sntwid- lung ber burschenschaftlichen Bewegung eintra­ten. Am 20. Oktvber schieden bie letzten Bur­schen von dem gastlichen Eifenach mit bem Be­wußtsein. schöne unb inhaltsreiche Tage dort verlebt zu haben. Und sie baden alle ihr Leüten lang noch gern an ba« Fest zurücfaebachv ba«, wie selbst Gegner erklärten, ohne Mißton ver­laufen war.

Das Dartburgjest war weniger ein pro­testantische« Jubelfest Luther war für bie Teilnehmer, unter denen auch Katholllen waren, vor allember Bettreter g n't.ger unb politischer Lelbftänd.Lkeit seines Volles-. al« vielmehr ein naf.onale«, denn c« war ba« erstela« qanj D:u^chlcmd in feiner Jugend feier.«". Unb «eine Hauptbedeutung liegt darin, daß von ba ab Burschenschaft und deutsche Einheitsbewe­gung untrennbar verknüpft waren. Beiden 'chwedte für Iahrz«Hnte als Losungswort vor: 2inheit und Freiheit be« Bat«< lande«!