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Iwan Kutisker 1°.

Berlin, 13.3u(L (Wolff.) 3rooti Kutisker m heute mittag 13 Uhr in der Charite verschie­den. Die Verhandlung des Kutiskerprozesses, in der am Donnerstag das Urteil gefallt werden sollte, hat in dauernder Anwesenheit eines Assistenz­arztes der LharitL stattgefunden. Roch am 7.3uli hat Professor Hitz die Verhandlungsfähig­keit Kutiskcrs vor Gericht erneut feslgeslellt. An­scheinend ist dec Tod durch eine plötzlich aufgetretene Lungenembolie herbeigefuhrt worden.

Mit Kutisker ist eine Persönlichkeit dahin- geschieden, die den Zeitabschnitt deutscher Ge- fchichie charakterisiert, in dem es in Politik und Wirtschaft drunter und drüber ging, eine Persönlichkeit, in der sich die ganze Periode der deutschen Währungsinflatton mit ihren übelsten Begleiterscheinungen symbolisiert. Mtt dem Tode Iwan Kutiskers wird nun wohl auch der mit den größten Mitteln und dem größten Aufgebot aufgezogene Prozeß, der in das Dunkel seiner mannigfachen und mitunter sehr zweifelhaften! Geschäftsmanipulativnen ein Licht werfen sollte, frühzeitig zum Abschluß kommen, noch ehe all die trüben Inflationserscheinungen und deren skrupel­lose persönliche Ausnutzung durch Leute wie Iwan Kutisker restlos aufgeklärt worden sind. Der weitere Verlauf des Prozesses gegen Iwan Kutisker hätte sicherlich noch manche hochinter­essanten Zusammenhänge geschichtlicher und wirt­schaftlicher Art zutage gefördert. Mit dem Verstorbenen ist zweifellos einer der übelsten Zeitgenossen dahingegangen. Rücksichtslos, nun? auf den eigenen Vorteil bedacht, bereicherte er sich an deutschem Volkseigentum, verschob und ver­schleuderte es, betrog, wo er nur konnte. In Rußland kam er hoch, die Revoluttonswellen

trugen ihn nach Deutschland, wo er ein neues Betätigungsfeld fand, auf dem er sich im wahr­sten Sinne des Wortes austobte. Wahrend das deutsche Volk nicht wußte, wie es di« Not und das Elend abwehren follte, lebte Kuttsker auf Kosten dieses Volkes in Saus und Braus. Uni) mit ihm die Darmats, deren Anhang die Schuld daran trägt, daß der Raub deutschen Volkseigen­tums organisiert werden und zu höchster Blüte gelangen konnte.

Neue Unwetter in Franken und Schtesien.

Berlin, 14.3uIL (TU.) Lieber die Pro­vinzen Riederschlesien unb Oberschlesien, gingen) schwere Unwetter mit Hagelschlag und Sturm nieder, die neuen, in die Hunderttausende gehen­den Schaden anrichteten, und auch mehrere Men­schenleben forderten. Im Kreis Kreuzburg in Oberschlesien warf der Sturm zahlreiche Scheunen und Gebäude um, Bäume wurden entwurzelt, der Verkehr vielfach lahmgelegt. Im E u l e g a u wurde durch die Fluten die Ernte so gut wie vernichtet. In Diederschlesien, wo das Unwetter besonder- in der Gegend von Brieg und Oels schweren Schaden anrichtete, wurden allein sechs Personen vom Blitzschlag getötet. Heber Bres­lau ging am Mittwochvormittag ein schweres Gewitter mit Wolkenbruch nieder. Die Feuerwehr muhte in über hundert Fällen eingreifen. In dem bekannten sVchweidnitz er RatÄveinkeller stand das Wasser einen Meter hoch in den Restaura- tiorrsräumen.

Auch in Hnterfxamlen&rt ein schweres Unwetter mit Wolkenbruch großen Schaden an* gerichtet. Kurz vor der Station Rentweins­dorf wurde der Bahndamm unterspült, so baß auf einer Strecke von 50 Metern die Schienen frei in der Luft hingen und der in ©bern ab» fahrende Zug kurz vor der Gefahrstelle zum Hatten gebracht werden mußte. Im nördlichen Franken wurden mehrere Personen durch Blitz­schlag getötet und verschiedene Häuser einge* äschert.

Die Not in Sachsen.

Berlin, 13. Juli. Berichte aus dem Un­wettergebiet im Muglitz- und Gottleubatal be­zeichnen die Lage der von der Katastrophe heim­gesuchten Ortschaften und ihrer Bewohner als geradezu trostlos. Angesichts der Zerstörun­gen der Sttahen und Brücken ist ein fahrplan­mäßiger Personenverkehr mit Kraftwagen vor­läufig unmöglich. Zunächst soll deshalb eine einigermaßen den Verkehr ermöglichende Wieder­herstellung der Verkehrswege in Angriff genom- men werden. Es wird jetzt angenommen, daß insgesamt etwa 100 Millionen Mark nötig fein toeröcn, um die Zerstörungen zu beseitigen. Weitere Tote sind nicht mehr gefun° Den toorben, so daß man annehmen kann, daß ?on 145 die endgültige Dotenziffer ist. Die Wiederherstellungsarbeiten, für die zwei Sabre vorgesehen sind, werden nach einem Ge - nera{beb (TaungS^ Ian burchgeführt wer­den. Die letzten Opfer der Katastrophe wurden am Mittwoch beerdigt.

x>m Zwischenausschuß des sächsischen Landta- ges gab Ministerpräsident Heldt eine kurze ©djUoerung der Lage im Unwettergebiet. Etwa S^uzlich verschwunden und über 100 in einem solchen Zustande, daß sie ab» g ebr ochen werden müßten. Die Wiederausbau­arbeiten dürften in etwa 14 Tagen so weit geför- ein ? oiverkehr auf den zer- y. icnStraßen wieder ausgenommen werden könne und die Elektrizitäts-, Gas-, Wasser- und Nl^bonaickagen wiederhergestellt sein würden. Die sächsische Regierung habe heute beschlossen, weitere 10 Mil livnen Mark zur Ver­fügung zu stellen. Reichswehrminister Dr. Geß- vTJSf^^^ommissa r e aus Berlin I eingetroffen, um Unter-

Sg^-^iches zu gewinnen. Der Ausschuß beschloß einstimmig, die Regierung zu ermächtigen, nicht nur für die ostsächsischen die westsächsischen vom Unwetter ra^blGte fur eine Hilfsaktion not­wendigen Gelder zu verausgaben.

Die Hilfsaktion

Berlin, 13 Juli. (Wolff.) Rach Mit­teilungen der Reichsgeschäftsstelle der Deut­schen Rothilfe in Berlin W ist bie Spende bon Kleidungsstücken und Lebens- °PfcT sächsischen Hoch­wasserkatastrophe dringend erwünscht. Es wird

Jlra:«fle öbenben unmittelbar an das Sächsische ArbeitS-und Wohlfahrts Ministerium, Dresden R.6, zu senden der Gesamtschaden auf 93 bis 100 Millionen Mark geschäht wird, möge jeder nach f c nen

Str äfte.n dazu beitragen, den von der Kata­strophe Getroffenen zu helfen.

Die Regierungskommission des Saargebiets hat an das Auswärtige Amt in Berlin folgendes Telegramm gerichtet:An­läßlich der Katastrophe, welche eine der schönsten Gegenden Deutschlands verwüstete und zahlreiche Opfer an Menschenleben forderte, spreche ich hier­durch der deutschen Regierung das aufrich­tige Beileid der Regierungskom- missivn des Saargebiets aus. Die Re- gierungskommission beschloß, der deutschen Re­gierung für die Hilfsaktion zugunsten der Opfer der Katastrophe einen Betrag von 5 0 0 00 Franken zur Verfügung zu stellen, gez. Wil­ton."

Die deutschen Offiziere bei den britischen LustmQnöoern.

London, 13. Juli. (WTB.) Im Unterhaus richtete der Arbeiter abgeordnete Kirkwood an den Staatssekretär für Flugwesen die Frage, ob bei den Manövern de r englischen Luftflotte in Hendon auf Einladung des Luft- fahrtministeriums irgendwelche deutschen Offiziere zugegen gewesen seien. Wenn dem so sei, wieviele Offiziere und welchen Ranges an­wesend waren. Sir Samuel Hoa re antwortete, die jährlichen Manöver der Luftflotte wären öffentlich. Dach den ihm zugegangenenDach- richten waren 14 deutsche Offiziere neben vielen anderen Offizieren fremder Mächte an­wesend. Diese Offiziere haben die Vorführung der englischen Luftflotte auf ihre eigene Initiative besucht. Sie waren mit den üb­lichen erweiterten Zulassungskarten versehen, die den fremden Offizieren ausgestellt werden. Der Staatssekretär fügte hinzu, daß nach seiner Kenntnis von den deutschen Offizieren fünf den Rang eines Obersten hatten.

EngLische Phantasien.

Berlin, 13. Juli. (Wolff.) Eine Meldung desTemps" bespricht die deutschen Bestrebungen auf Island und bringt öie Anwesenheit des deutschen Gesandten in Kopen­hagen auf Island mit den Trennungs- beftrebungen der Isländer von Dänemark in Zusammenhang. Wie die Blätter erfahren, ist allerdings der deutsche Gesandte in Kopeichagen zur Zeit auf einer Reise begriffen, die ihn auch nach Island führte. Zu der Erklärung des Vertreters der isländischen Dauern ist weiterhin zu sagen, daß auf dem Programm dieser selb­ständigen Partei die Trennung von Dänemark schon längst steht. Daß deutsche Gelehrte und deutsche Geschäftsleute Island besuchen, ist nichts D e u e s. Daß sie Hand auf die Reich­tümer Islands gelegt haben sollen, ist sehr un­wahrscheinlich, denn die Reichtümer Islands be­stehen hauptsächlich in Wasserfällen, und auf diese wollen die Engländer die Hand legen.

Amerika und die Dreimächtekonserenz.

London, 13. Juli. (Wolff.) Reuter meldet aus Washington: Präsident Coolidge hält sich in seiner Sommerfrische in Rapid Gith übet die Verhandlungen in Gens genau auf dem laufenden. Die Umgebung des Präsidenten äußert, daß der Präsident die Hoffnung auf ein Kompromiß, daS sich im Einklang mit ben amerikanischen Zielen befände, nicht auf* gegeben hat. Kellogg scheint die vpttmistische Auffassung Coolidges nicht zu teilen, er lehnt eS aber ab, die Möglichkeit eii^s Scheiterns der Konferenz in Betracht Ausziehen. In nicht amtlichen, aber gut unterrichteten Kreisen in Washington herrscht die Meinung, daß das Staatsdepartement, ehe es die Konferenz- schei­tern ließe, die Annahme eines Kompro­misses vorziehen würde, wonach Großbritan- meir den Bau großer Kreuzer ein­stellen würde, bis Amerika die Parität falls bessere Bedingungen in den nagten Dagen unmöglich erscheinen sollten.

Gegen die chinesischen ZoNzusÄiläge.

Schanghai, 13. Juli. (WB.) Die Ge- n e r a l o a n d e l s k a m m e r, die aus gewählten Vertretern Oer amerikanischen, belgischen, briti- oeu tschen französischen, italienischen, holländischen, japanischen und schwedischen Han­delskammern besteht, hatandenDohendes K on su l a r l o r p s ein Schreiben gerichtet in toelcpem Je scharf gegen die illegalen Zuschla9 e und Erhöhung der Tonnagegebüh-- ren durch die D a n k i n g - Re g ie r u n g pro- testtert. Der amerikanische Generalkonsul hat als ältester Konsul eine Abordnung empfangen. Wie verlautet, machte er jedoch se h r w eni g H o f f- nung Darauf, daß die betreffende Angelegenhett von den in Betracht kommenden Konsuln aufae- würde. Er betrachtete die Aus- sichten für den auswärtigen Handel in China als außerordentlich ungünstig.

Die Werfafiungsfeier.

Berlin, 14. Juli. (Prio.-Tel.) Zwischen der preutzi chen und der R e i ch s r e g i e r u n g haben gestern Besprechungen über die Verfassungs- feier am 11 August stattgefunden. Es ist vereinbart worden, daß eine gemeinsame Feier in den Funkhallen auf dem Berliner Messegelände statt- sinden soll. Die Festrede wird der preußische Kultus­minister Dr Becker halten, das Hoch auf die Ver­fassung wird Reichskanzler Dr. Marx ausbringen.

Aus qsttzr Wett.

Die Beisetzung des Generals Hoffmann

In der Jnvalidenkirche fand Mittwoch nachmittag die Trauerfeier für den in Bad Reichenhall Z S verstorbenen General Hoffmann statt. Vor Beginn $2£aUx-^'erlichkeiten nahmen zwei Reichswehr- O|fixere die Ehrenwache zu beiden Seiten des Sar­ves ein. Unter der zahlreichen Trauerversammluna sah man den Ne ich s p r ä s i d e n t e n v. h j n d e m b uxr 0 -den Ehes der Heeresleitung, General he n e und viele Vertreter des Offizierkorps der Reichswehr und i <5 alten Heeres. Auch die bulgarische Ar- mee Hal : einer Vertreter entsandt. Rach Orqelvor-

0 t) r i n 0 ö.e Trauerrede. Der Sara wurde hier- auf von Reichswehrsoldaten auf eine Lafette qe- tjoben, bann bewegte sich der Lrauerzug zu den-

nahen Jnvalidenfriedhof. hier wurde der Sarg unter Öen Klängen des Liedes vom guten Kameraden in die Gruft gesenkt. Eine Abteilung des 8. Regiments Berlin gab zu Ehren des verstorbenen Heerführers eine dreifache Salve ab.

Das Erdbeben in Palästina.

Rach zuverlässigen Dachrichten über das Erd­beben in Palästina entfallen nahezu die gesamten Verluste an Menschenleben auf rein arabi­sche Städte und Dörfer. Die Zahl der Todes­opfer steht noch nicht fest. Es ist jedoch als sicher zu bezeichnen, daß die Angabe von 1000 Opfern an Menschenleben übertrieben ist. Die zionistischen Siedlungen in Emek und das übrige jüdische Ko- lonisationsiverk sind von dem Erdbeben nicht be­troffen worden, hingegen hat die neue hebräische Universität in Jerusalem einen erheblichen Sach­schaden zu verzeichnen.

Schweres Unglück in einem Steinbruch.

In Stromberg (Hunsrück) ereignete sich im Steinberg der Firma Wandsleben ein schwe­rer Anglücksfall, der drei Menschenleben forderte. Von niederstürzenden Steinblöcken wurde der Schießmeister Bröckel aus Eckenroth und sein Gehilfe Fritz G u t h m a n n getroffen und begraben. Guthmann verlor beide Arme und Beine und wurde außerdem am Kopfe erheblich verletzt. Schießmeister Bröckel konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Sein Körper wo* gänzlich verstümmelt. Auch der 22 Jahre alte Arbeiter Schmitt wurde, im Begriff, sich vor den herabstürzenden Felsblöcken zu retten, von diesen erfaßt und erschlagen. Er war so­fort tot. Die Ärsache zu dem furchtbaren UnN fall bildet der seit langem anhaltende Regen, der die Gesteinsmassen gelöst und sie zum Her­abstürzen gebracht hatte.

Tragisches Ende eines Eisenschluckers.

In Mannheim hatte ein 44 Jahre alter Tagelöh­ner, der sich wegen eines Verbrechens in Unter­suchungshaft befand, mit Gewalt Blech- und E i f en ft ü cf e von seiner Bettstelle gelöst und diese verschluckt, wodurch er sich der Untersuchungs­haft entziehen wollte. Der Mann mußte ins Kran­kenhaus überführt werden, woselbst er nach der not­wendig gewordenen Operation v e r st o r b e n ist. Beinahe 400 Gramm Eisenteile wurden aus dem Magen und der Luftröhre entfernt

Der Nachlaß eines Multimillionärs.

Vor dem Gerichtshof für Erbschaftssochen wurde die Erllärung abgegeben, daß der be­kannte Finanzmann James White, der kürz­lich durch S e l b st m o r d aus dem Leben schied, derart verschuldet war, daß niemand, nicht einmal seine Witwe, etwas erhalten werde.

Eröffnung des Trierer Weinmuseums.

Im ehemaligen Landesarmenhaus fand die Eröffnung des Weininuseums der Stadt Trier statt. An dieser Feier nahm u. a. auch Oberpräsident Dr. Fuchs teil. Oberbürgermeister v. Bruch- Hausen (Trier) hielt die Eröffnungsansprache. Im Keller des Museums wurde die Eröffnungsurfunde in einer Kapsel zusammen mit mehreren edelsten Weinen vermauert.

Eine Grotzviehmarklhalle in Mannheim.

Die Stadtverwaltung LNiannheim plant die Errichtung einer zweigeschossigen Großviehmarkt- halle mit einem Kostenaufwand von 500 000 Mk., die der Unterbringung von ZOO Pferden und Großvieh dienen soll. Eine entsprechende Vorlage ist dem Bürger ausschuß bereits zugegangen.

Eröffnung

der ersten Woolwockh-Einheitspreisladen.

Di« ersten deutschen Einheitspreisläden der Woolworth werden, wie wir erfahren, im Laufe des Monats August in Berlin und Bremen eröffnet. Weitere Läden sollen in Düsseldorf, Wiesbaden und Bochum eingerichtet werden. Das Verkaufs- und Zahl- shstem sowie die innere Einrichtung werden in allen Laden einheitlich durchgeführt. Bestimmte Waren sind nur an bestimmten Verkaufstischm erhältlich, von denen jeder eine besondere Zahl- kasse erhält. Die Verpackung der gekauften Gegen­stände besorgt der Käufer selbst. Durch die un- mitteivare Aushändigung der Ware an den Käufer kommen besondere Warenausgabestellen in Fortfall, wodurch Ersparnisse gemacht werden, und auch das Publikum schneller ab gefertigt wer­den kann. Ob sich diese neue Art des Verkaufs- systems in Deutschland wirklich einbürgern wird, erscheint nach ben bisher speziell in Berlin gemachten Erfahrungen mit Änheitspveisgeschäf- ten für Artikel des täglichen Bedarfs, fraglich. Jedoch muh man bedenlen, daß die neuen Ein­heitspreisläden von den Woolworthkonzern fi­nanziert werden, und daß bei ihnen alle bie Erfahrungen des in Amerika mit Erfolg in Ge­brauch befindlichen Systems um so besser ver­wandt werden können.

Ein lcmggefuchter Hoteldieb gefaxt

Eine Serie von Hoteldiebstählen, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahres in Berlin ohne Entdeckung des Täters geglückt waren und damals großes Aufsehen erregten, hat eine un­erwartete Aufklärung gefunden. In Brüssel gelang es der dortigen Kriminalpolizei, den 28 Jahre alten Diomede Dhszliuk, der aus der Likraine stammt, festzunehmen und einen Teil der ®eute beschlagnahmen, die aus sieben Hotel­diebstählen in Berlin stammt. Der nunmehr ver­giftete Hoteldieb, der in den Großstädten und Luxusbädern aller europäischen Staaten arbei- tete, hat als Transportmittel fast ausschließlich das Flugzeug benutzt. So ist festgestellt, daß er im Juli vorigen Jahres von Zoppot ab- flog, einen Tag in Berlin weilte, dort einen ! Hoteldiebstahl verübte, und schon am nächsten Sage mit dem Flugzeug nach Brüssel I werterflog. Im Besitz des Verbrechers fand man nicht weniger als ein Viertelpfund ungefaßter Brillanten und Sa­phire. Cs kann kaum einem Zweifel unter- ttegen, daß er einen großen Teil seines Raubes L*1 ^Kontc Carlo verspielt hat. Seine Verhaftung erfolgte in einem Hotel in Brüssel, wo er Juwelen im Werte von 250 000 Franken gestohlen hatte.

Wettervoraussage.

. bwlkig, teils heiter, warm und meist

oqo ro" TeHn9e Tagestemperaturen: Maximum 23,9 Grad Celsius, Minimum 16,8 Grad Celsius. ?xnnS$-,nbauet: 31/< Stunden. Diederschläge-

Heutige Morgentemperatur: 1<,2 Grad Celsius.

, ,.?^tt"^6saussichten für Samstag: Vielfach _c.ng auch aufheiternd, warm und durchweg troden. u

Zeitungsschau.

Unter der äleberschristVon kommenden Dingen" betrachten die »Leipziger Deue° ft e n D a ch r i ch t e n" die parlamentarische Zu­kunft. Das Blatt schreibt:---Unter dem

Kaiserreich lebte derschwarz-blaue Q3IocT, der Bund von Zentrum und Konservativen, der be­währten ^Stützen von Thron und Altar", von dem unbewiesenen Axiom:Die Sozialdemokratie darf nicht mitregieren! Das sucht die Sozialdemokratie, gedankenarm, wie sie geworden ist, jetzt zu ihren Gimsten umzukehren. Solange die Äeutschnatio- nalen außerhalb der Regierung ftanben, war die Sozialdemokratie weder von den Demokraten noch vom Zentrum zu überreden, in die Regierung einzutreten. Kaum aber waren die Deulschnatto- nalen drin, so wurde das Leitmotiv soziawemvkra- tischer Reichspolitik: Die Deutschnationalen müssen aus der Regierung heraus! Wie die Deittsch- nationalen regierten, daraus kam es gar nicht an, sie sollten und muhten heraus^ Wie nach ihrem Austritt regiert werden sollte,' davon war nicht erst die Rede, und doch Watte das die Hauptsache gewesen! Denn da die Sozialdemo- ftaten nein zu sagen pflegen, wenn ihnen der Eintritt in die Regierung angeboten wird, und fra ®oäiaIbemoEraten Demokraten unb Zentrum noch gar keine Mehrheit ergeben, so wäre die Frage, was nach der Zerstörung der regierenden Koalition werden solle, die wichtigste Dorftage gewesen. Aber nein, davon wollten die Sozial­demokraten nichts hören, sie wollten nur zer­stören, um des Zerstörens willen, um ihre An­hänger durch Kampflärm und Schlachtgebrüll unter Atem zu halten und nur nicht zum Nach­denken kommen zu lassen: was nachher kam, davon sollte nicht die Rede sein. Die Demokraten waren ganz mit dieser Takttk einverstanden.--

August Winnig, der ehemalige sozialdemokratische Oberprasident von Ostpreußen, ist gu Den Alt­sozialisten gegangen.---Wirmig hat als

deutscher Arbeiter und deutscher Sozialist nur den innigen Wunsch, daß sein deutsches Vaterland frei werde von der Schmach der Unterwerfung unter Das Versailler Diktat, daß es wieder gleich­berechtigt und stark und frei dastehe unter den Völkern dieser Erde. Das ist eine Gesinnung, bie zweifellos auch sonst vorhanden ist in den sozia­listischen^ Reihen, die die Drahtzieher derVer­einigten" Sozialdemoftatischen Partei ober um keinen Preis aufkommen lassen möchten, well sie nicht wüßten, wie sie die Partei dann noch einheit­lich lenken und leiten sollten. Daher das große taktische Ablenkungsmanöver der Hetze gegen die Koalttion mit den Deutschnationalen. Möglich ge­macht wird ihnen das Qltonöber nicht erst durch die ülnterstützung der Demoftaten die bedeuten an sich nicht viel, sondern erst durch die Polittk mit doppeltem Boden, die das Zentrum treibt. Das Zentrum besteht daraus, in Preußen mit der Sozialdemokratie weiter zu regieren, während es im Reiche mit den von der Sozial- demvkratte auf Tod und Leben bekämpften Deutschnattonalen regiert. Dadurch ist es mög­lich geworden, den Reichsrat unter Führung der preußischen Regierung in den Dienst des sozial- demokrattschen Ablenkungsmanövers zu -stellen. Den Lärm auf der Linken hätte man hören mögen, wenn der ReichSrat e5 sich hätte ein» falten lassen, seine parlamentarische Entlastungs- vffensive gegen eine LinkSkoalition ins Werk zu setzen! Dieführende" Linkspresse der Reichs- harchtstadt wäre doch ans doktrinären Tobfuchts- anfällen nicht mehr hevausgekommen. Die Kern­frage dessen was da kommen will, wird also tzin, ob das Zentrum es sich zutraut, das neckische Spiel auf der Wippschaukel zwischen Preußen und dem Reich zwischen Sozialdemoftatte und Deutschnationalen bis zu den Wahlen des näch­sten Jahres weiter zu spielen. Die anderen Par­teien der regierenden Koalition im Reiche wären von allen guten Geistern verlassen, wenn sie nicht einen vorzeitigen (terfall der Koalition ernschaft ins Auge faßten. Ramentlich die Deutschnationalen würden gut tun, wenn sie die Kunst des Mitregierens endlich unter anderen Gesichtspunkten würdigen wollten, als m der monarchistischen Zeit Geltung haben mochten. Für die damaligen Kvnservattven, die im Bunde mit dem Zentrum das Lieich und Preußen oeherrsw- ten, kam es nicht so sehr darauf an, ob die Ver­trauensleute, die sie in der Regierung sitzen hatten, für das Amt auch besonders geeignet waren. Das System trug die MänNer, auch wenn sie sich ohne das System auf dem Posten den sie auszufullen hatten, nicht behauptet haben würden. Das System von heute hat solche Trag­kraft aerobe für die Rechte nicht mehr. Wenn man schon in einer Koalitionsreaierung sitzt deren verfassungsmäßiger Kopf auf 'Führung be­wußt verzichtet, um die Kreise seiner Partei im größten deutschen Lande nicht zu stören, so hätte man allen Anläße das Innemninifterium mit der tüchtigsten Kraft zu besetzen, worüber man zu verfügen hatte. Denn, wenn der Kanzler nicht führt, muh der Innenminister in den Hauptfragen der inneren Politik ftühren. Vom Justizministerium auS geht das auf die Dauer «"fach nicht. Herr v. Keudell ist gewiß ein ernster Mann, ein kenntnisreicher Mann, ein gewissenhafter Mann. Aber der Mann, die aus­einanderstrebenden Kräfte der Koalition zu bän­digen und geschlossen gegen die von Preußen unterittchte Koalition »u führen, ist er nicht. Unb was einer nicht ist, kann ein klangvoller Ttame allein heule nicht mehr ersehen. Hier also ist die schwache Stelle der Koalition, daß die Deutschnationalen noch allzusehr an Methoden

.^O^runggtunft festhalten, die gründlich ungenügende Umstellung der stärksten Regierungspartei kann uns die Krise bringen, wenn sie am wenigsten erwartet wird. Aus der anderen Seite wird die zukünftige Cnt- wicklung bestimmt durch die Gedankenhohlheit der le* te71 Oppositionspartei, die nach den Me­thoden, die sie der wilhelminischen Aera abge- guckt hat notwendige innere Kämpfe nicht durc^zufechten wagt und innere Leere und Zer­rissenheit durch lärmendes Auftreten nach außen h^rdecken sucht. Die Sozialdemokratie kämpft mtt verzweifeltem Mute um Zeitgewinn, um -Verschleierung ihrer inneren Schwäche bis ju den nächsten Wahlen. Sollte der Schleier vorher reißen, so würde automatisch auch das <tentrum gezwungen sein, sein unmoralisches, aber gewinnbringendes Doppelspiel aufzugeben. Was kommen wird, vermag im Augenblick noch niemand zu sagen, aber daß alles darauf an» wach zu bleiben und Oel auf der Lampe b^ben, das können auch Parteien wissen, die ttch fcen beginnenden Sommerschlaf durch solche -oetrachtungen vielleicht nur ungern stören lassen.