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'fier Form für d i e Saarbevölkerung . n setzte: der Appell Dr. Ettesemanns in einer außerordentlich geschickten Rede dürfte »u mindestens auch hier beigetragen haben.

Nachdem Dr. Stresemann nach Erneuerung der Mandate der Mitglieder der Saarkommission noch cn Wunsch ausgesprochen hatte, daß schließlich eine teutrale Mehrheit der Regierungstommission geschaffen werd«, den Banderoelde auch ausdrücklich i'illigle, wurde die Tagung geschlossen. Sie brachte einen großen Erfolg für uns, sie brachte wenigstens mch leinen vollkommenen Mißerfolg. Hoffen wir, daß nun die Bahn zur Verständigung in anderen großen politischen Fragen freigegeben ist.

Weder Sieger noch Besiegte."

Das Urteil Chamberlains über die Ratstagung

London, 14. März. (WTB.-Funtfpruch.) Sir 'Austen Chamberlain erklärte nach seiner Rückkehr nach London einem Reutervertreter u. a.:Wäh .end dieser Ratssession hatten wir keine Zusammen iünste von Gruppen, keine geheimen internationalen Versammlungen. Daß über das Saargebiet eine Vereinbarung erzielt wurde, ist ein hinreichend sicherer Beweis für den Fortschritt des Völkerbun­des. Bei dieser Gelegenheit gab es weder Sie­ger noch Besiegte. Ich halte die Regelung für iehr gut, denn jede Seite hat erreicht, worauf sic _">8n größten Wert legte. Von den vorliegenden drei schwierigen Fragen wurden die beiden a i ch t i g st e n geregelt. Die Frage der d e u t - chen Schulen in Oberschlesien wurde tat­sächlich geregelt durch ein Uebercinkommen der Po- 'en und Deutschen als den beiden unmittelbar be­teiligten Parteien. Dies bedeutet eine befriedigende Lntjpannung zwischen Polen und Deutschland und ich glaube, daß es zu einer befriedigenden Lösung auch der anderen noch msstchenden Fragen führen wird. In der Saar - 'rage zeigten die Vertreter Frankreichs und Deutschlands das freundschaftlichste Verständnis für den Standpunkt des anderen, selbst wenn sic sich ihm nicht anschließen konnten. Dies war sicherlich eine ' der wichtigsten Sitzungen des Völkerbundsrates, denen . ich beigewohnt habe. Rach meiner Ansicht arbeitet der erweiterte Völkerbundsrat außerordentlich gut. Es ist bemerkenswert, daß wäh­rend dieser Rätsle',sion viele Einzelbesprc ch u n g e n zwischen verschiedenen Staatsmännern stattgesunden haben, aber keine Konferenzen außerhalb des Völkerbundsrates. Dies S, wie anders die Beziehungen zwischen Deutsch- und uns seit Locarno geworden sind. S t r e s e- in q n n darf man zu der sehr glücklichen und erfolg­reichen Tagung Glück wünschen.

Englische Kommentare.

London, 14. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Genfer Berichterstatter derDaily News" schreibt:Für jemanden, der unter dir Oberfläche blickt, war die Sitzung des Völkerbundsrates am Samstag in manchen Beziehungen die wichtigste in der ganzen Geschichte des Völkerbundes. Der Geist, in dem die Debatte über die Saarfrage ge­führt wurde, und der Charakter des erreichten Kom­promisses, stellen eine übrzeugende Antwort an die Pessimisten dar, die prophezeit hatten, daß Deutsch­lands einzige Beschäftigung in Genf sein werde, Obstruktion zu treiben. Die ganze Ratssitzung hat gezeigt, daß der deutsche Minister des Aeußern be­reits eines der persönlich wertvollsten Mitglieder des Völkerbnndsrates ist." Daily News" bezeichnet das Saarkompro miß als befriedigend und sagt:Der Versuch, den Bezirk zu französieren, ist völlig mißglückt. End­lich, wenn auch widerwillig, haben die französischen Staatsmänner sich ins Unvermeidliche geschickt. Die ' vollkommen überflüssige Besetzungsstreitmacht von 3000 französischen Soldaten wird in drei Monaten \ zurückgezogen werden und an ihrer Stelle wird eine unseres Erachtens ebenso < unnötige Truppe von 800 Belgiern, Franzo jen und Engländern treten. Auch diese müssen be­stimmt zurückgezogen werden, wenn das Rheinland völlig geräumt ist. Die Umstünde werden die Rück­gabe des Saargebietes an Deutschland lange vor her V o l k s a b sl i nrm ung von 1935 erzwingen und i e eher dies erfolgt, umso besser.

Daily Ehronicle" schreibt:Vom europäi­schen Standpunkt aus ist cs von größter Wichtig­keit. daß die Hände eines Mannes, wie 'Dr. Stresemann. gestärkt werden. Ebenso wie in FrankreichBrianö. tritt er (Stresemann) für die vernünftige Politik des Zusammenarbeitens und des guten Europäertmns im Einklang mit dem Völkerbünde ein. Zweifellos Ift der größere Teil des deutschen Volkes für seine Politik. Aber diese Politik erscheint den Rationalisten noch minier, gelinde ausgedrückt, verdächtig. Jedes Zugeständnis, das Dr. Stresemann für fein Land durch Vernunft gewinnt, ist ein Argument zu­gunsten der Vernunft. Wenn die Franzosen sich bereitfindcn. in der Rheinlandfrage nicht aus ihrem Pfund Fleisch zu bestehen, und durch eine schöne Geste die Vesahungsfrift verkürzen, dann würde dies ihre eigene Sicherheit erheblich vergrößern."

Der Eindruck in Paris.

Scharfe Äritif der Rechtspresse.

Paris, 13. März. (Wolff.) Während die Regierungspresse Befriedigung darüber zum Aus­druck bringt, daß Briand Deutschland in der Saarfragc gestern gewisse Konzessionen gemacht hat, greift die Rechtspresse Briand an und be­nutzt die Gelegenheit, feine Entspannungspolitik zu bekämpfen. DerGaulois" ruft aus: Wieder ein Kompromiß! Das ist die typische, den Genfer Diplomaten genehme Lösung. Durch Schi­kanen hat Stresemann schließlich gegen nichts­sagende Zugeständnisse einige Gewinne erzielt." DerAvenir" schreibt: Wie bei jeder inter­nationalen Zusammenkunft verläßt Deutschland Genf, indem es das mitnimmt, was es haben wollte, und zwar zum Schaden Frankreichs und seiner Alliierten. Vielleicht verdient das nicht einmal besondere Beachtung. Man darf aber nicht vergessen, daß Deutschland selbst in unter­geordneten Fragen feine Zugeständnisse gemacht hat. Frankreich wird immer um des Ver­ständigungswillens nachgeben. Trotzdem wird Briand dank einer geschickten Darstellung der Tatsachen vor der öffentlichen Meinung wieder als Triumphator nach Paris zurückkehren. - Das ..Journal des D e b a t s" schreibt: Dr. Stresemann hat sich als ein Mann gezeigt, der eine Rolle bei den diplomatischen Ereignissen spielen und Leitsätze Vorschlägen will. Seine Rede vor den Vertretern der internationalen Presse hat klar zum Ausdruck gebracht, welche Stellung er einzunehmen gedenkt. In dem Augenblick, in dem

Chamberlain die bolschewistische Gefahr auf­zeigt und sich in diskreter Weise erkundigt, welchen B c : st a n d er finden könne, fürchtet sich Deutschland nicht, seinen Wunsch kundzugeben. gute Beziehungen zu den Sowjets zu unterhalten. Andererseits kündigt Deutschland in dem Augenblick, in dem F r a n k r ei ch ein Militärgesetz diskutiert, das besagt, daß noch mehrere 3afjrc nötig find, um die französische Grcnzverteidigung zu organisieren, an, daß es sehr bald die Beendigung der R h e i n l a n d b e s e h u n g fordern werde. Das sind sehr wichtige Ereignisse, die eine Ent­wicklung der deutschen Politik voraussehen lassen, die dis französische öffentliche Meinung stark beeinflussen wird. Großbritannien und Frank» reich werden die Irrtümer der letzten Jahre bezahlen müssen. Großbritannien hat zwei schwere Fehler begangen. Es hat den Sowjets eine politische Autorität gegeben, die diese nie­mals hätten erlangen dürfen und es hat Deutsch­land zu rasch emporlommen lassen, um die Spu­ren seiner Riederlagen beharrlich zu beseitigen. Frankreich hat diese Politik angenommen, und schließlich daran mitgearbeitet. So finden Eng­land und Frankreich Sowjetrußtand und Deutsch­land vor. vereinigt durch Abkommen und ent» schlossen, die Macht zur Geltung zu bringen, die ihre Einigung darstellt. Wäre deshalb nicht die Stunde getommen, so sährt das Blatt fort, eine sranzösisch-bri tische Entente wieder auszubauen und lönnten die Bedenken Chamberlains über die kommunistische Gefahr hierzu nicht eine Handhabe bieten?

Die Dreimächte-Konserenz Amerikas Einladung zur Besprechung der Abrüstung zur See.

Washington, 12. März. (WTB.) Unmittel­bar nachdem der japanische Botschafter in Washing­ton das Staatsdepartement von der Annahme des Vorschlages einer Drei-Mächte-Konfersnz durch d i e japanische Regierung Mitteilung ge­macht hatte, wurden im Staatsdepartement die formellen Einladungen fertiggestellt, die heute dem britischen und dem japanischen Bot- chaster übersandt wurden. In der Einladung ist vorgesehen, daß die Delegierten in Genf zu einem möglichst frühen Termin nach dem l.Iuni zusam­mentreten. Das Staatsdepartement hat keine Schritte unternommen, um Frankreich und Italien zur Entsendung von Beobachtern einzuladen. Es wird jedoch als wahrscheinlich betrachtet, daß durch Vermittlung der amerikanischen Botschafter in Paris und Rom insofern eine Zustellung der Einladung erfolgt, als die französische und italienische Regie­rung informativ von dem Wortlaut der an England und Japan ergangenen Einladungen in Kennt­nis gesetzt werden.

Die Lage der Kuomintang.

Die Radikalen in der Neberhand. Die Flotte schließt sich Kanton an.

Han kau. 13. März. (Reuter. Funkspruch.) Daß dieRoten" im Hauptvollzugsauschuß der Kuomintang-Partei noch in der Mehr­heit sind, geht aus den von ihm angenommenen Entschließungen hervor. Diese Entschließungen drängen auf die W e i 1 e r f ü h r u n g der Po­litik des Bündnisses mit Rußland und den Kommunisten im allgemeinen und be­tonen die Rotwendigkell,die feudalen Ideen einzelner Persönlichkeiten" zu korrigieren. Letz­teres bezieht sich augenscheinlich auf General Tschangkaischek.Times" meldet aus Schanghai, der Oberbefehlshaber der chinesischen Flotte in den Gewässern von Schanghai. Admiral Pang, hat in einem Rund­schreiben bekanntgegeben, daß er sich derSa ch e der Kantonesen anschliehe. Alle Offi­ziere ständen hinter ihm. Sämtliche Marine­archive wurden aus dem Admiralitätsgebäude an Bord des Flaggschiffes, KreuzerHaitschau", geschafft. Die Flagge der Kuomintang wurde gehißt. Die Flotte befindet sich gegenwärtig bei Wusung und besteht aus vier Kreuzern, fünf Zerstörern und drei Kanonenbooten. Die Schiffe sind sämtlich alt und infolge Geldmangels seit Jahren nicht ausgebessert. Cs heißt, daß der Admiral selbst nicht sehr auf einen Kamps be­dacht ift.

England verhandelt weiter.

London, 13. März. (WTB.) Reuter meldet aus Hankau, es verlaute, daß die diplomatische Fühlungnahme zwischen der britischen Regie­rung und der nationalistischen Regierung, die seiner- zeit durch eine Zusammenkunft des britischen Ge­sandten in Peking mit Dr. Tschen hergesteUt wurde, aufrechterhalten wird dadurch, daß ein Mit­glied der britischen Gesandschaft in fjanfau seinen Aufenthalt nehmen und der britische Gesandte Lampson von Zeit zu Zeit Hankau einen Besuch abstatten werde.

Der Volkstrauertag.

Berlin, 14. Mäpz. (WTB.) Am Sonntag ge­dachte das deutsche Volk in wehmutsvoller, dank­barer Erinnerung der Millionen Opfer des Wclt- trieges. Halbstock gehißte Flaggen auf amtlichen Ge­bäuden und zahlreichen Privathäufern bekundeten schon äußerlich den Anlaß der Feier. Im Mittel­punkt der sieben großen Berliner 'Veranstaltun­gen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfür­sorge stand die Feier im Reichstag, zu der Reichspräsident von Hindenburg in Begleitung von Staatssekretär Meißner erschienen war, und an der die in Berlin anwesenden Mitglie­der des R c i ch s k a b i n e t t s , der preußische Mi­nisterpräsident Braun, der Chef der Heereslei­tung, General Heye, iind der Chef der Marine- leitung, Admiral Zenker, teilnahmen. Der Präsi denk des Voltsbundes feierte in seiner Gedenkrede den Volkstrauerwg als den Tag, an dem wir alles vergessen sollen, was uns drückt und hetzt, und sprach zum Schluß die Hosfmmg aus, daß der Volkstrauer­tag, den man als den Versöhnungstag des ganzen deutschen Volkes bezeichnen könnte, nun bald zum gesetzlichen Feiertag werde. Mit dem Spiel Ich halt' einen Kameraden" und dem gemeinsamen Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes schloß die ernste Feier, die bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterließ. Auf bem Platz vor dem Reichstagsgebäude schritt der Reichspräsi­dent, der beim Erscheinen wiederum mit brausen den Hoch und Hurrarufen begrüßt wurde, dir Front der E h r e n k o m p a g n i c ab worauf er mit Staatssekretär Meißner sich im Kraftwagen in sein Palais zurückbegab.

Die Miete.

Erörterungen im Reichstag.

Berlin. 12. März. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums. Beim Abschnitt ..Wohnungs- und Siedlunaswesen" be­kämpft Abg. Düll (Hem.) die Wohnungspolitil des preußischen Wohlfahrtsministers. Der Red­ner^ polemisiert gegen die Mieterhöhung und erklärt Wir werden nichts mitmcchen. was die Lebenshaltung weiter belastet.

Abg. Hüttmann (Soz.» beantragt:Die Friedensmiete darf bis 1. März 1928 nicht über­schritten werden". Ferner verlangt er. die Re­gierung solle ihre Verordnung über Erhöhung der Mieten zurückzie^en. Auch die preußisch.' Verordnung, die die gewerblichen Räume frei- gibt, müsse zurückgezogen werden.

21bg. Paeth (Sn.) bittet namens des Ans­chusses die Anträge zur Aendecung der Miet» lesehgebung abzulehnen. Statt dessen solle man n das Mielcrschuhgeseh eine Bestimmung ein­igen, die Geldstrafe oder Gefängnisstrafe an- >roht für die Forderung. Annahme oder Der- prechung einet Miete für von der Zwangswirt- chaft befreite Räume, sofern diese Miete den von der Landesregierung festgesetzten Hundertsay übersteigt. Die von den Demokraten bean­tragte Einsetzung Don Schiedsstellen für Miels­streitigkeiten bei solchen Räumen, hat der Ans­chuß abgelehnt.

Abg. Winnefeld (D. Dpt.) erllärt. der Mieterschutz komme auch wirtschaftlich starken Mietern zugute, während zahlreiche Hausbesitzer bittere Rot litten. Zur Unterstützung leistungs­schwacher Mieter müsse ein Teil der Hauszins­steuer verwendet werden. Baugenossen - schäften dürften nicht anders behandelt werden, als jeder Private. (Lärm links.)

Ministerialdirektor C o n z e - Preußen äußert Bedenken gegen den Ausschuhantrag, mit Geld­strafe oder Gefängnis zu bedrohen, wer einen Mietzins sich zahlen oder versprechen labt, der einen von der Landesbehörde festzusetzenden Pro­zentsatz der Friedensmiete übersteigt. Es fei unmöglich, daß ein solcher Prozentsatz festgesezt werde, der für alle Verhältnisse im ganze«. Lande gelten solle und ein solcher Höchstsatz für die Miete würde geradezu einen Anreiz bieten, immer b i s zu diesem Höchstsatz die Miete zu steigern.

Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns stellt fest, daß sich alle Partein einig seien in den Grundsätzen. Beseitigung der Wohnungs­not. der Arbeitslosigkeit, Senkung der Baukosten. Darüber hinaus sei ober die Beteiligung des Privatkapitals und Angleichung der Reu - und Altmieten nottoenbig.Här­ten seien natürlich nicht ganz zu vermeiden. Rosig werde die Lage der Mieter nicht sein, aber die Zeit für eine Mictsteigernng sei heute günstiger als im vergangenen Jahr. Die Lohne wiesen eine steigende Tendenz auf. (Wider­spruch bei den Kommunisten.) Die Freigabe der gewerblichen Räume sei nichts neues, sei aber auch Sache der Länder: der Arbeitsminister könne also die preußische Verordnung nicht aufheben. Das Ministerium werde aber die Anrufung von Schiedsstellen vorschreiben.

Abg. Tremmel (Zentr.) berechnet an Hand von Beispielen, daß private Bautätigkeit immer noch die doppelte Friedensmiete erheben müße, so- lange die K r c d i t v e r h ä l t n i s se sich nicht bes­sern. Ohne öffentliche Bauzuschüfse komme man also vorläufig nicht aus. Auch die Zwangswirtschaft könne daher noch nicht aufgehoben werden. Eine allmähliche Mietsteigerung sei jedoch unvermeid­lich, so schwer erträglich sie auch für die ärmere Be­völkerung sei. Es wäre besser gewesen, wenn man die Mieten schneller den Verhältnissen angepaßt, die Erhöhung aber zum Wohnungsbau verwendet hätte. Wucher mit gewerblichen Räumen müsse mit allen Mitteln bekämpft werden. Der Redner bean­tragt Schiedsstellen und Strafbestimmungen zu die­sem Zweck.

Abg. Dr. rissen (Wirtsch. Part.) erklärt, der Hausbesitzer bekomme heute nur 20 bis 30 Proz. der Miete. Tatsächlich sei der Hauswirt bei der Zwangswirtschaft der einzig Leidtragende. Aus­wüchse, wie das preußische Städtebaugesetz, das den Eigentümer einfach enteigne, müsse die Wirtschafts­partei bekämpfen. Der Redner stimmt einem neu­eingebrachten Antrag der Regierungsparteien zu, der nur Reichsrichtlinien für die Bekämp­fung des Wuchers mit gewerblichen Räumen ausgestellt sehen will.

Abg. B e ck -O p p e l (Zentr.) verlangt eine energischere Durchführung des Stedlungs- programms Den Zustrom zur Industrie könne man nur dämmen, wenn man die Land­bevölkerung durch Siedlung auf der Scholle halte. Das Verhältnis zwischen Groß- und Klein­betrieben in den östlichen Provinzen fei sozial außerordentlich ungesund. Der Redner warnt jedoch vor einer Enteignung des Großgrund­besitzes. Es genüge, wenn man die Siedlungs­kredite verbillige.

Abg. We st ermann (D. Dp.): Sic S.edlung werde rentabel sein, wenn man den Schutzzoll- Wünschen mehr entgegenkomme. Leider habe der Großgrundbesitz sich zum Teil gegen die An­liegersiedlung gewehrt.

Abg. Ronneburg (Sem.) beantragt Ein­stellung voic 200 000 Mk. zur Förderung der Kleingartensiedlung.

Abg. Behrens (Dn.) meint, man müsse den landwirtschaftli cht n Arbeiter als Siedler gewinnen Ser jetzt vorgelegte Entwurf genüge nicht.

Ser Rest des Haushalts des Reichsarbcits- Ministeriums wird unter Ablehnung zahlreicher kommunistischer Abänderungsanträge im wesent- sichen nach den Vorschlägen des Ausschusses an­genommen. Angenommen wird ein Gesetzentwurf der Regierungsparteien, der Richtlinien der Reichsregierung zur Bekämpfung des Miet­wuchers für gewerbliche Bauten Vorsicht. Sämt­liche Anträge zum Mieterschutz werden auf Vor­schlag des Wohnungsouslchusfes abgelehnt.

Die Neuregelung der Invalidenrenie.

Berlin. 13. März. (BDZ.) 3m Sozial­politischen Ausschuß des Reichstages machte am Samstag die Reichsregierung wer Vorschläge zur Reuregelung der Invalidenrente. Sic Vor­schläge besagen im einzelnen:

1 Erhöhung der Zusatz steigerung für die Zeit vor der Inflation um durchschnittlich 50 Prozent.

2. Gleich st ellungd er Grundrenten mit den jetzt laufenden Renten für die vor dem 1. April 1925 festgesetzten Hinterbliebenenrenten.

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3. Gleichstellung der vor dem 1. Januar 1912 festgesetzten Invaliden- und Hinter­bliebenenrenten mit den laufenden Ren­ten und

4. für den Bezug der Witwenrente wird die 65jährige Witwe der Sauennvalidenwitwe gleichgestellt. Die darüber hinausgebende For­derung auf Erhöhung des Reichszu- f ch u f s e s und der Grundrente bilden noch den Gegenstand von Berat nngen innerhalb der Regierungsparteien und mit der Reichsregierung.

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Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 12. März. S.r Finanzaus­schuß des Hessischen Landtags fetzte feine Bera­tungen des Staatsvoranschlogs bei Kapitel 6 (Salzwerk, Badeanstalt und Tiefbauamt Bad- Rauheim) fort. Es lag ein Antrag Dr. Leucht­gens vor. der wünscht, daß ein größerer Betrag aus den Einnahmen dieses Kapilels an die Haupt- staatskasse abgeführt wird. Die Regierung sprach sich dagegen aus: der Antrag wurde abgelehnt. In einem Antrag wünschte der Abg. Drngeldey eine vergleichende Darstellung der Kurtaxen. Bäder usw. von Dad-Rauheim und anderen deut­schen Bädern. Von der Regierung H^irde eine Antwort darauf erteilt, doch soll sie noch schrift­lich dem Antragsteller zugehen: daraus ist zu entnehmen, daß die Preise in Bad-Rau- Heim nicht höher sind als in anderen Bädern, eine Reihe von ihnen ist sogar ungünstiger für die Besucher. Der Antrag wünschte ferner, baß mit dem Leiter des Kurorchestcrs Verhandlungen angeknüpft würden wegen ganzjährigerDe- schäftigung des Orchesters Dieter Teil des Antrags wurde später behandelt. Außerdem wünschte Abg. Dingeldey, daß 50 000 Mk. an den Kosten der Werbetätigkeit für das Bad gestrichen werden sollen. Dieser Teil des Antrag- Würde abgelehnt. Abg. Dr. Greiner beantragte statt Palmen und Lorbeerbäumen für die Kur­terrasse anzufchafsen, einheimische Pflanzen zu wählen. Der Antrag wurde abgelehnt, weil durch den ständigen Wechsel der Pflanzen, sich dte Aus­gaben dann höher stellen würden. Der Ausschuß stimmte einem Antrag Haury-Dingeldey zu. in dem verlangt wird, daß bei Angeboten für Wäschelieferungen auch der Herkunftsort ange­sehen werden muh. Ein Antrag Kindt wünschte Vtrschläge. wie die stellungslosen früheren Mit- glisb.?r des Orchesters im Winter erhalten und im ©Dmrtcr beschäftigt würden. Dieser Antrag wurde zusammen mit dem vorhin genannten Antrag Dingelde» beraten und mit einer Eingabe der Orchestern^siker. Aus einer Erklärung der Re­gierung hie zu war zu entnehmen, daß noch sechs Mus.k er stellungslos sind: die Re­gierung will Vit sie sorgen, falls sie nicht dem­nächst Stellung^ erlangen. Die Anträge und die Eingabe wurden foer Regierung als Material überwiesen. Das Reiche geschah mit einer Eingabe des CBürgcrmeiften von Bad-Rauheim wegen eines Anteils der C>abt an den Einnahmen auS Kurtaxen usw. 3m Ausschuß war wenig Stim­mung dafür: man war b-r Ansicht, der Staat habe große Kapitalien in dar Bad gesteckt und Rau- Heim habe den Vorteil bQ»On. Das Kapitel wurde gegen zwei Stimmen ongx^ommen.

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Glieder

Mus nller Welt.

Schwerer Unfall des Staat&fefreärs v. Kuhlmann.

Der ehemalige Staats,ektcta. fog Auswärti­gen Amts Exz. v. Kühlmann w rdc am Sams­tagnachmittag in Berlin, als er de Straße Unter den Lindep an der Ecke der Wilh'lmstraye über­schreiten wollte, von einem Motorrad von hinten ersaßt und im Dogen auf d i e Straße ge schleudert, wo et be­wußtlos liegen blieb. Dc Motorrad­fahrer stürzte mit feiner Maschin gleichfalls. Kühlmann wurde mit einem S ch ä d «lbtuch in die Universitätsklinik in der Z'.egestraße ge­bracht. Gegen Abend hatte et für 'urze Zeit das Bewußtsein wiedetetlangt. Sei. Zustand wurde als ernst, aber nicht als hoffnungslos be­zeichnet. Der Fahret des Rades trug einen Bruch des Rasenbeincs davon. 3n dem Beiden des Staatssekretärs ist seit Sonntag eine letzte Besse­rung eingetreten.

Schweres Grubenunglück in Oberschikien.

Aus der Kleophas-Grube in Beuchen fuhr am Sonntag früh um 6 Uhr ein Steig r mit fünf Mann nach einer Strecke des Zlüchet- schachtes, um eine in Brand geratene Strecke abzudämmen. Alle sechs gerieten dabei ü dichte Schwaden. Sic wurden von einer Rettungimann- schast nur noch a l s Leichen aufgefur^

Max Reinhardt in Paris.

Max Reinhardt wurde bei seiner Ankunft m Paris von Tristan Vernarb im Namen dc fran­zösischen Bühnenschriftsteller und von Harry a u r im Namen der französischen Bühnenkünstl»r am Bahnhof empfangen. Reinhardt ist m der be^djen Botschaft alsGastbcsbeutschcn Botjchgf. ters abgestiegen. Samstag abcnb gab Botjhofier v. Hösck zu Ehren Max Reinhardts ein großes (^n mit anschließendem Cmpsang, wozu über 156 (ftn- ladungen ergangen waren. Sonntag mittag bif tz.e Bereinigung der Korrespondenten h c r deutschen Zeitungen in Paris ein Irühläck gegeben, dem als Vertreter der Pariser Büh,^- direktoren Gemier und als Vertreter der ler, tinigunfl der Bühnenkünstler Harry Baut be­wohnten. Gemier versicherte in einer Ansprache Reinhardt, daß, wenn dieser sich entschließen mert£ im Juni im Rahmen einer internationalen Theaie-, Veranstaltung mit seiner Truppe n a c, Paris zu kommen, er beste Aufnahmc findei werde. Am Dienstag mittag veranstalten die Der, Ireter der Pariser Thcaterwelt zu Ehren Max Rein, Hardts ein Frühstück, an dem, wie man erfährt, aud maßgebende Kritiker der Pariser Presse teilnehmer werden.

Schneestürme im Fernen Osten.

In der Mandschurei smd durch einen Schnee- sturm. wie er an Starke seit vierzig Jah­ren nicht vorgekvmmen ift, alle Ver­bindungen unterbrochen. Schwere Stürme übet dem Meer zwischen Japan und dem Festland haben die Kabelverbindungen unterbrochen. Uebcr Japan wüten Schneestürme, aber die Eisenbahnen verkehren.

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Wettcrvorauösaqe.

Unbeständig, wechselnd bewölkt, Temperaturen keine wejentlichc Aenderung, vereinzell Mederschlägt.

Gestrige Tagestcmperaturen: Maximum: 12 Grad Celsius, Minimum: 1,8 Grad Celsius. Nieder­schläge: 1,5 Millimeter.

Heutige Morgentemperatur: 0,7 Grad Celsius.

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