bildungsschulrvesens Aach hir^cr arschichtlicher Gtnlü';rung behanbeltc er mit öadbT'nntn’.i alle <dbn>cbcn?e’i ; ragen, ire cionbete ?lngc.egen- beiten der Lehrplans, der Lehrerausbildung. de- Etunde.-.plai^e. Cr forderte die Spaltung eines b c f f ; f <j) c n Berufsschulgcs etzeo und b<c Gründung vrn Berufsschulämtc rn. Sie Einführung van (Blternbcuäten für die Veruss- f<tuk bä.i er nidil für nosnxnviq. aber er tritt wann für tue L'ärkung de« dtcra en Ginfluffe< in den ödtutbotitänb.* i ent ?ieb<.. der faßlichen Berufsausbildung büre die 2lllqeme.nbil- uu.ig, vor al.e.n die üaa svurgerUche urj eouna. nicht zu kurz tommen -Schulrat Löse' empfahl auch den D such des (Ketre.be e >icr e - i-ar-, da- ab 1 Tlprtl der ilninerfilät Frankfurt to eher an- gegl.cdert wird lieber die Aufgaben der neu- ze.tiichen Geuec beschul« re c~ie c ti^er c le'chul- bireltor Ocllrug (Stuttgart) Er tebanbclte mehr den gewerblich-technischen Unterricht und wiee bezüglich der Ausbi düng der (Je erbe ehrer auf da« vorbildliche Teifpiel BadenS om. Sie Tagung gab mannigfache Anregungen Eine Besprechung der Dienstanwei'ung *ür die Fortbildungsschule war anschließend tiV'aenftanb einer genu-infamen Vorstands!.düng beider Verbände.
•• Auftrieb auf d e m heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt' 260 OÄren. 62 Bullen, 627 Rübe, 302 Färsen, 560 Kälber, 73 Schafe, 5141 Schweine.
Bnchertifch.
- Dr. iS. 5t t o 11 m a n n Amtliche Politik und vaterländische Vewegung 1 807 bis 1813. Langensalza. Herrn. Veher und Söhne ( Veher Manul 27 6.. Preis 0 65 Mark Das Heft bringt einen übersichtlichen Gang durch die Ereignisse aus Preußens iln- glückstagen und Frciheitstampi unter einem ganz bestimmten, an Titel gekennzeichneten Geßchts- punkt GS ist ein rein geschichtlicher Rückblick, der aber auch unausgesprochen die innere Berechtigung einer vaterländischen Bewegung der Gegenwart erweist und sehr zum Aachdenken anregt. Eine kleine, aber wichtige Schrist. 128
Briefkasten der Redaktion.
(AechtSgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.)
3.100. 15 Proz. van der Friedensmiete. Sie tonnen diesen Saß jedoch nicht ohne das Einverständnis des Vermieters von der Miete od-iehen. Der Prozentsatz bedeutet lediglich die Feststellung des Betrags, der für Instandsetzungsarbeiten auszuwenden ist.
Uns der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 14 März 1927
Der Bolkstrauerlay in Gieszen.
3n einer würdigen Feier, die einen tiefen Ein. druck hinterließ, wurde gestern auch In unserer Stadt der tm Weltkrieg gefallenen deutschen Brüder 30 dacht. 3" dieser Gedenkfeier hatte der Volksbund Deutsch« StricgsgräberhiriorQv’. Ortsgruppe Gieß-n. n die Jlcue Aula der Universität eingelaöen. Der außerordentlich starke Besuch — es waren in allen Teilen des weiten Raumes nicht nur sämtliche Stuhle besetzt, sondern viele Spätgekommene muß- : n sich noch mit einem Stehplatz begnügen — fegte ! Zeugnis dafür ab, daß diese Gedenkfeier zu - hren unserer gefallenen Krieger dem mpfinden breitester Beoölkertingsfchichten ent- pricht. denn Angehörige aller Rreife der Einwohner- chast nahmen an der eindruck vollen Feierstunde il. Alle Behörden waren durch ihre obersten Be- .nten vertreten, man sah ferner Herren der Geist ichkeit, der Schulen, zahlreiche andere hervor ngenbe Mitbürger und bann die vielen, vielen lieber unserer Dürgerfamilte, die allesamt hier n einem Gedanken. In einer Stimmung uer int waren.
Die Kapelle des 1. (Hess., Grenadier-Ball. 15. Inf.-Rgts unter Leitung des Obermusikmeisters 2 ober eröffnete die Gedenkstunde mit Beethovens Trauermarsch aus der 3 Symphonie (Eroica). An- djliefoenb lang der Bauersche Gesangverein unser Leitung seines Chormeisters P 0 rlach Mendelsohn-Bartholdys Chor „Selig sind die Toten".
Hierauf hielt Unioersitätsprofeffor D. Hans 5 chmidt die Gedenkansprache, die Selbst- rlebtes und Eigenempfundenes an der Front uer janb mit tiefgreifenben Gebankcngängen, unb die ,m Empfinden derer, die ebenfalls mit in der Front gestanden haben, ganj besonders starken Wider- hall auslöste. Er erinnerte einleitend daran, daß es aun ein Jahrzehnt her sei, seit der Krieg auf der Höhe war, unb bie Farben bes Erlebten in unserer Erinnerung nun schon etwas verblassen. Denn der Tag unb seine Aufgaben nehmen uns in Anspruch. Aber dieser Trauertag soll das Gewesene in unserer (Erinnerung wieder lebendig werden lassen. Mit aller Macht unserer Seele wehren mir uns gegen das Dergeffen. Denn das graste Sterben ist ein Erlebnis, roe.t, der Zeit enthoben unb etwas allezeit Gegenwärtiges, ein ewiges Symbol zu werden. Unb bann liest ber Rcbner seine Zuhörer einen kurzen Einblick tun in eines seiner Fronterlebnisse, im Winter 1914 bei Lyck in Ostpreußen, wo seine Kompagnie zum erstenmal ins Feuer kam und bas grohe Sterben kennen lernte. Ein Einzeldilb. Unb boch. wie jeder ehemalige Frontsoldat weist, ein Bild, das sich in hem gewaltigen Kriege hunderttausend«^ an allen Fronten wiederholte, und nicht nur damals die babei weilenden gemütreichen Kameraden unb die Angehörigen bes Gefallenen tief erschütterte, sondern sie auch heute noch bis ins Innerste packt. Der Redner erinnerte an Le jungen Regimenter, die bei Langemarck mit den, Gesang des Deutschland- i■ "bes gegen die feindlichen Linien vorgingen unb 'lamit ein heiliges Treugelöbnis ablegten, bas auch •iir uns Ueberlcbcnbe Pflichtgebot fein must. Das ' aterlanb. bie Heimat über alles, und wenn wir unsere Leiber hinwerfen müssen. Das Gedenken an 1 ufere gefallenen Brüder macht diesen Tag zu einem Trauertag. Wieviel hat unser Volk verloren, was hätten sie wirken können, mit wieviel Fäden war icbes dieser Leben in andere Leben verwoben. Tiefe Trauer ist der erste Sinn dieses Tages. Trauer hat eine hohe, reinigende Bedeutung, sie ist anders als Schmerz. Dieser macht verbittert unb ungerecht, in Trauer ist Andachtstimmung, ist Dankbarkeit. Wir brauchen das Bild unserer Gesollen.n nicht zu ver- großem. Ihre Schar bedeutet einen Querschnitt aus 'icui Baum unseres Volkes, alle seine Fasern sind darin. Unsere Gefallenen gaben uns ein hehres Beispiel des Gehorsams im Dienste gegenüber ber Gesamtheit. Diese Unbebingtbeit ber Hingabe für bie Gesamtheit, für bie anbern ist bas, was wir als ben Geist von 1914 empfinden. Sie gaben sich ganz. Die
Kraft bes Ernstes, der Kühnheit, ber Ganzheit unb des Opfersinnes geht aus ihren Gräbern hervor. Sie setzten ihr Leben ein. Das ist niemals umsonst unb ohne Folge, wenn es auch äusterlich so scheinen mag. Jede ganze, rbk Hingabe wirkt fort in ber G schichte Und so wird auch die opferstarie Hingabe unfrrer gefallenen Brüder In uns unb ireitrrhn lebendig und Kräfte entfesselnd fortroirlen. Unsere Gefallenen sind uns ein Vorbild, in Trauer unb Dankbarkeit verneigen wir uns vor ihnen die wir nie oergesien werden
Die Militärkapelle liest anichliesteud den Vortrag von Aases Tod auf der 1. Orchesterjuite zu ..Peer CBrjui“ von E. Grleg folgen, lobann sang der Bauersche G tanaoerein den befenntnisharfen Chor „Vaterland" von G. Wohlgemuth.
Dem Redner, der Kapelle, den Sängern und der Leitung brr Volksbunb-Ortsgruppe gebührt Dank und Anerkennung für die weihevolle stunde.
Die Gottesdienste in unseren Kirchen waren natürlich ebenfalls gam auf bie tiefe Bedeutung bes Lclkctrauertagcs eingestellt unb würben damit bei Stimmung der Oemeinbcglicber in vollem Maste gerecht. Den Kriegergräbern auf- dem Reuen Friedhof hatte der Volksbund Deutsche ftricgsgrä- berfürforge Kranzschmuck angedeihen lasten um hiermit der Dankbarkeit gegenüber unseren (Hefal- knen Ausdruck zu verleihen. Die städtischen Gebäude und — soweit wir bemerkten — von Privaten das Haus der Freimaurerloge ..Ludewig zur Treue" hatten Halbmast geflaggt. Seinen feierlichen Ausklang sand der Tag in einem geiftlitten Rezitationsabend in der Stadtkirche. Hier über werden wir morgen noch berichten
Bornotizen.
Tageskalender für Montag. Freiw. Gailschen Feuerwehr. 81 . Uhr. bei Karne- rab Dippel: Monatsverkammlung. (Saannel. Stadtmission 8'Uhr: Vortrag Lichtspiel
haus. Bahnhofstrahe. „Das Mädel auf der Schaukel Astoria-Lichtspiele »Die Gesunkenen".
— Loheland-Vorführung. Man schreibt uns: 2lni lk. März findet in Giesten eine Gymnastik- Vorführung der hier schon bekannten Loheland-Schule (Schule für Körperbildung. Landbau unb Handwerk, bei Dirlos in ber Rhön) statt. Gegenüber der Vorführung vom Vorjahre zeigt bie diesjährige ernt’ weitergehende Entwicklung ber Schule in ihrer Arbeitsweise. Auf einer mit wissenschaftlicher Klarheit unb Objektivität aufgebaukn Bewegungslehre fußend, bringt sie weiter vor in das Gebiet des Pädagogischen unb sucht immer mehr bie Bebeutung einer Vewegungsschulung für bie Entwicklung bes Menschen herauszustellen. Wohl ber wichtigste Punkt an dieser Schulung ist. bast Gymnastik bie Eigen- tätigten bes Menschen beansprucht, seine Aktivität wachruft unb burch Hebung seine Kräfte entwickelt. Und da Bewegung, wenn man sie umfassend kennt, einen Reichtum an Erscheinungen offenbart wie man ihn ähnlich in der Musik mibet, ’o kann man sich deutlich mndjen, ein wie reiches und lebendiges Auf- gäbengebiet sie für den Menschen darstellt. (Siehe Anzeige in der Samstag-Ausgabe.)
“ Tine öffentliche Sitzung der Stadtverordneten findet am kommenden Freitag nachmittag, 5 Tlhr beginnend, im Stabt- verordnetensihungssaale im Stadthaus, Bergstraste, statt.
*• Personalien. Zum Vorsteher deS Hauptzollamtes Giesten wurde Zollrat Horn, seither beim Landesfinanzamt Darmstadt, ernannt. — Ferner wurden ernannt: der Gen- darmerie-Oberwachtmeister Heinrich D a u t h zu Alsfeld zum Gendarmerie-Kommissar mit Wirkung vom 1. März ab; die praktischen Aerzte Dr. Friedrich K u 11 m a n 11 aus Vilbel zum Amtsarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Büdingen in Bad Salzhausen und Dr. Karl H 0 f - mann in Wieseck zum AmtLarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Main) mit Wirkung vom 1. Mai ab; der Studienassessor Dr. Wilhelm Weber
aus Dortelweil zum Studienrat an k:r August.nerschule in Friedberg mit Wirkung vom 1. März ab; der Derwaltungsinspektor bei der Bade- und Kurverwaltung Bad-Tlauhe.m Hans Schnell vom 1. Qfor.I ab zum Äaffcn-Ober- nsvektor beim Cai.nenrentamt Bat-Aauheim In den dauernden Ruhestand vers.yt wurde der im e.ns.weÜiqen Buhe st and befind! He Cetrelät Jak Lamp -de m KreiSamt Giesten mit W rkung vorn 1. Mat ab.
" 3 m städtischen S 1 c . n b r u cb 1 ui otabttoalb bei der Hochwert find gegenwärtig Erwcrb-lole mit dem Verschleisen der alten Steinbruchränder beschästigt Hierdurch sollen die steilen Bö chungen. die durch die Druch- orbeiten im Lause der Jahre entstanden find, beseitigt werden, so das; man zur Wiederaufforstung des Geländes schreiten kann. -
" Verkehrssünder. In der 3eit vom 1. bis 28. Februar wurden folgende Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeuolührer bs'-v Kraft- und Radfahrer gegen Verkehrspolizei- liche Vorschriften erhoben: 6 Anzeigen wegen Jahren- zur Nachtzeit ohne hellbrennende La- ternc, 2 Anzeigen wegen Fahrens, ohne die rechte Strastenfeite einzuhalten, 4 Anzeigen wegen Fahrens durch gesperne Strasten und 3 Anzügen wegen I am tiger Zuwiderhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht
*• Italienreisen. Es sei darauf hingewiesen. dast unser Mitarbeiter Albert H. Bausch, der bekannte Dichter. Verfasser der soeben im „©ieftener Anzeiger' beendigten italienischen Auf'ayreihe. einer der besten zcttgenösst» Ichen Kenner Italiens, am 1. April und l.Mai künstlerische Führungen durch Italien von Genua bis Syrakus unternimmt Es können sich, wie im heutigen Anzeigenteil zu ersehen ist. zu beiden Reisen noch Teilnehmer melden. Die Reifen dienen ausgesprochenen Bildungszwecken. Sie haben nichts mit den üblichen Malsenreisen zu tun. Höchstzahl der Teilnehmer ist elf. Prospekte können auf dem Sekretariat der Moaktion eingc- sehen werden. Für 1. August ist ferner eine sehr lohnende und interessante Reise durch das Innere Kalabriens geplant, an der sich insgesamt sieben Herren beteiligen können. Anmeldungen dazu sind bis zum 1. Mai erforderlich.
*• Einbruchsdieb stahl. In der Rächt zum Samstag wurde )um Rachteil eines hiesigen Bäckermeisters ein Einbruch ausgeführt. Der Täter ist von außen durch das Klosettfenster eingestiegen und hat aus der Ladenlasse und einem weiteren Schubkasten etwa 15 Mark entwendet.
<3> Dogelkundlicher Osterkursus in Hessen. Die Biologische Vereinigung für Hessen, die beide Hessen, Nassau, Waldeck. Wetzlar und Nach- bargebicte umfaßt, und die sich dem Schutz und ber Erforschung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt widmet, veranstaltet in den kommenden Osterferien auf dem Kühkopf, dem in ornithologischer Hinsicht bemerkenswertesten Gelände am Altrheingebiet bei Stockstadt-Erfelden, einen naturkundlichen Kursus. Der Kursus wird nicht nur Anhängern viel Neues bieten, sondern es wird auch der fortgeschrittene Aogelkenner dort Vogelarten beobachten, die er anderswo vergeblich sucht. Die Ferienkurse sind für Lehrer und Schüler gedacht, eignen sich aber auch für jeden Naturfreund. Auch im Herbst findet ein ähnlicher Kursus statt.
Fortbildungsschultagung Die gemeinsame Tagung der hessischen Arbeitsaemein- schäft hauptamtlicher Fortbildnngsfchulleyrer in Hessen und des Verbandes hessischer Gewerbe- schullehrer, die dieser Tage im Volksbildungs- Heim zu Frankfurt a. M. stattsand, war aus allen Teilen Hessens stark besucht Gewerbelehrer Gleber, der Vorsitzende des Gewerbe'ehrer- verbandes, leitete die Versamnttüng mit Umsicht U. a. konnte er auch die Vertreter der hessischen Diplom-Handelslehrer und der Frankfurter Berufsschullehrer begrüßen Schulrat Lösch (Darmstadt) verbreitete sich in längerem Referat über den derzeitigen Stand des Hessischen Fort-
(Geschäftliches.
Der deutschen Hausfrau hat die Sunlicht-Gesellfchast in ihrem Suma ein neues Waschmittel zur rationellen ^Reinigung per großen Wäsche gebracht. Suma soll vermöge seiner neuartigen Zusammensetzung die Wäsche in weitestgehendem Maste schonen und durch eine ganz eigenartige, lebendige Durchschäumung im Kochkessel von allem Schmutz befreien. Fachleute und führende Hausfrauen bestätigen, daß Suma auch die schmutzigste Wäsche ohne Äeiben oder Bürsten, durch bloßes Kochen, auf schonendste Weise blüten- weist macht.
Ich unternehme am 1 April und 1. Mai eine künstlerische Führung durch Italien, von Genua bis Syrakus, am 1. August eine Reise durch die Waldgebirge von Kalabrien. Es können sich noch Teilnehmer melden, für die kalabrische Reise nur Herren. Auskunft in der Redaktion des Gießener Anzeigers. ALBERT H. RAUSCH.
24641)
—» ■ in— r - 1 J—w
Märtyrer der Liede.
Roman von I. S ch n e i d e - - F ö r st I.
23 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Als Elisabeth wieder eintrat, saß er in den Kiffen und blickte sie an.
„Mir ist nicht ganz wohl!" sagte er.
Ratlos erschrocken, trat sie an sein Bett. Ob es ar^ sei, frug sie ihn.
,Lch telephoniere sofort an Hans Jörg!'
Da lachte er unbändig. Er ist wirklich krank, dachte sie verängstigt. Sie ahnte nicht, daß er Unwohlsein zum Einlenken vorschüßte, er hatte io gar keine Hebung im Verzeihungerbitten. Elisabeths Sorge und Mitleid niußte die Brücke zum 23er stehen schlagen. Er zog sie zu sich herab und küßte sie. Ein liebes Wort fand er trotzdem nicht Es fiel ihm wahrhaftig keines ein. Was sagte man denn auch Immer Zärtliches? Er mußte doch wieder einmal einen Roman oder derlei lesen. Die Schriftsteller waren gewandter in dem Zeug, als er. Die warfen mit den Kosenamen nur so herum. „Mein Herz'. Mein Schatz'. Mein Liebling!" — Brr! machte er laut.
„Was ist dir?" sagte die junge Frau in neuer Sorge
„Nichts nichts! Schlüpf in dein Bett, mein Häschen!"
Van draußen pochte Hanna an die Tür.
„Ist der Herr -Doktor noch wach?" .äawohl' Was gibt’s?"
„Sie werden gerufen, Herr Doktor!"
„Von wem?"
„Von Herrn Renkelt auf Regendach'" „Schicken Sie zu Hilbertl!"
. Herr Hildektt ist nicht zu Hause. Er ist in ®e- srUichost gegangen, aber die Haushälterin weiß nicht, wohin'"
„Dann soll man ihn suchen! Ich bin nicht Haus- 7zt auf Regendach!"
Er drehte sich gegen die Wand utzD schloß die Augen.
„Zoll ich fragen, ob es dringend ift?" lieh sich Tun’ Elisabeth hören. Er zuckte gleichgültig die eine Schulter. Sie steckte sich das Haar wieder hoch.
warf ein Tuch über und begab sich in das Sprechzimmer, in welchem das Telephon stand. Ihre Hände zitterten, als sie die Kurbel dfehle und den Hörer ans Ohr fetzte. Dann meldete sich das Herrenhaus. Ja, es sei dringend. Die kleine Annemarie liege in hohem Fieber, 39,9 — Herr Renkell sei in großer Sorge. Eine Männerstimme, die um möglichst rasches Kommen bat, sprach darein.
,La! Gewiß! Mein Mann wird söwrt kommen!" antwortete Elisabeth automatisch.
Sie lief in das Schlafzimmer zurück und jagte, noch ehe sie die Tür geschlossen hatte, ganz atemlos: „Du mußt hinüber, Georg. Es ist um Annemarie. Die arme, kleine Annemarie. Dir darfst dii nicht im Stiche lasten!"
„Gut! Hanna soll dem Chauffeur sagen, daß er antiirbelt. Ich bin in fünf Minuten fertig!“
Che er das Zimmer verließ, hob er ihr Gesicht zu sich empor. „Vergiß nicht, diß du selbst es willst, daß ich fahre. Ich verbitte mir jeden Vorwurf und jede Szene hinterdrein. Du weißt alles. Ob ich sie treffe, kann ich natürlich nicht jagen. Jedenfalls."
Sie nickte. „Komm gut nach Haufe!" sagte sie. und trat mit ihm in den Flur. „Bis roaitn gedenkst du heimzukommen?"
Er wollte die Uhr ziehen, doch enthoben ihn die hellen Glockenschläge des Rathausturmes dieser Muhe. „Ich denke, daß ich spätestens so gegen elf Uhr zurück bin. Jetzt ift es zehn'" sagte er und nickte ihr von der Tür aus. die in den Garten führte, zu.
Sie dankte grüßend. Dann kam das Rattern des Kraftwaaens von der Straße herauf. Elisabeth war ganz rahig. Sie hätte ihren Gatten nach Regendach geschickt auch wenn es sich um Nella gehandelt hätte. Ein edles Herz zieht in der Stunde der Not ferne Grenze zwischen Menjchcn die ihm Gutes, und solchen, die ihm rrchlechtes getan haben. In den Taaen der Trübsal sind sie chin gleich, er laß! beiden Hilfe werden. Nur ihre Hände hob die junge Frau bittend zu dem Kreuzbild über ihrem Bette: Behüte mir mein Glück unb laß ihn sein ganzes Herz wieder heimbringen zu mir'“
Regendach lag ganz in weichem, weißem Mond- licht gebettet, nur wo die Schatten der Hochwald- tannen sich über bas kleine Dorf legten, gähnte
tiesschwar.zes Dunkel. Aus einem Fenster des Herrenhauses rann ein Licht in die Sommernacht, ruhig, flackerlos bahnte es sich den Weg, lies ber. Park entlang, zitierte auf den Wellen des Flusses, schlich wie ein feiner Hauch über bie Waldwiese und versickerte zwischen den Stämmen. Kein Blatt regte sich im Astwerk der Rotbuche, die einsam zwischen den Blmilannen träumte. Nur hin und wieder schwarrkte einer ihrer Zweige, auf denen ein liedeseliges, schlaftrunkenes Vogelpaar sich zurecht- rücffc.
Das Fenster, aus welchem das stille, weiche Licht tarn, öffnete sich, Renkell bog sich weit über die Brüstung, horchte, sprach ilüfternbi Worte ins Zimmer zurück und lauschte von neuem nach ber Straße, die vom Hochwald heradbog. Nun ein Hupensignal' Zwei mächtige Scheinwerfer über fluteten das Gelände mit blendender Helle
„Endlich!" stieß ber Hüttenkönig aufatmend hervor. Er trat eilig in das Dämmer bes Zimmers, das er mit einem raschen, sorgenvollen Blick auf Annemarie verließ.
Er ließ Reichmann kaum Zeit, im Vorraum Hut unb Mantel an den Diener abzugeben. „Rasch, lieber Doktor", sagte er hastend. „Bitte rasch.'
Annemarie lag mit fieberglänzenden Augen und brennenden Wangen in den spitzenbesetzten Kissen ihres Himmelbettes Als sie Reichmann eintreten iah. streckte sie abwehrend beide Hande aus.
„Vati! Ich will nicht, Valerie'."
Renkell fetzte sich zu ihr und nahm ihre heißen Finger zwischen seine kühlen .Mein M.iusi ist ein liebes, tapferes Mädelchen und weiß, wie ber Papa sich sorgt, und mein Kind tut alles, was Herr Doktor Reichmann haben will! Ja?"
„Ja", sagte sie leise und widerstrebte nicht mehr, als ber Arzt sie zu untersuchen begann Sie oer. spürte keinen Schmerz. Nicht im Halse, nicht in der Brust, auch der Leib schien in Ordnung zu, sein, denn sie reagierte nicht mit einem Zucken auf Reichmanns festen Druck. Er ichüttelte den Kops frug, begann von neuem zu untersuchen und anzuklopi-n. Nichts. „Tut es h er weh?" — „Nein?" — „Auch hier nicht?" — „Nein? Wo dann, mein Kleines?"
Annemarie schwieg. Sie fckstoß die Augen, ober
Reichmann» scharfer Blick hatte das Zucken, ro<*(*c5 i ihren Körper durchglitt, bemerft. Sie verschwieg I
ihm, wo die schmerzhafte Stelle saß. Er glaubte auch zu misten, roanrm.
„Würden Sie mir ein frisches Glas Wasser bringen können, Herr Renkell?"
„Aber gewiß! Sofort. Ich hole es selbst, bas gehl am raschesten."
„Kaum hatte er die Tür hinter sich zugedluckt, bog sich Reichmann zu dem Kinde herab.
Habe ich nicht Wort gehalten, Annemarie?"
„3a, Onkel Doktor!"
„Warum bist bu bann nicht lieb zu mir unb willst mir nicht sagen, wo dir's fehlt?"
Sie schwieg.
„Das ift nicht hüblch von dir, Annemarie. Ich meine es ber Mama erzählen. Ich brauche bann auch nicht weiter auf deine Bitte zu achten!"
Er wollte sich ausrichlen, aber sie hielt ihn mit beiden Aermchen fest. „Sei nicht böse, Onkel Doktor. Ich will dir's ja lagen. Sieh, — hier!"
Mit einem Schmerzensruf ließ sie ben linken Ann fallen.
Hilf mir, Onkel Doktor. Es tut so weh. Hier!" Ihr kleiner, fieberheißer Mund stöhnte auf.
Er hatte sofort begriffen.
„Wo hast du dich verletzt? Hier an dem Daumen? Womit"-''
.Thessa — weißt du, Onkel Doktor, bie Doggen- Hündin, die roir (jaben, wollt" ihren Jungen ein großes Be.n aus der ftüdje bringen. Das habe ich ihr abgejagt. Die Hundekinder waren sicher daran erstickt. Die Tb.esfci Hot es nicht hergeben wollen, und als ich Ihr s aus dem Munde nahm, hab' ich mich^am Be'.n gekratzt."
I „So!" machte der Doktor. „Wann war bas?"
I „Schor, vor vier Tagen.“
'.'Jor vier Tagen!" wiederholte Reichmann unb I schob den linken Aermel ihres Nachthemdes zurück.
Ein fch^rtgezeichneker, roter Strich zog sich vom Daumen bis unter bie Achsel. Er nickte und ging nach einem Meinen Tischchen am Fenster, auf das Renkell fein? Instr: mententasche gestellt hatte. Einen Augenblick später trat der Fabrikherr ein, Reichmann gab ihm ein Zeichen, näher zu kommen, i Blutveraiftung!" sprach er leise.
Das G'as in Renkells Hand schwankte. Er verschüttete einen Teil des Inhalts auf ben dunklen Perser.
(Fortsetzung folgt.)
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