Nr. 37 Erster Blatt
177. Jahrgang
Montag, U. Abrnar ^27
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Agrarische Wirtschaftspolitik.
Das Programm des Reichsernährungsministers Schiele.
Königsberg. 12. Febr. (WTD) Bei einer Veranstaltung der Deiuschnatioualen Volk-Partei erllärte Reichsrnmister Schiele zur Frage der ‘Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung, diese habe sich aus der politischen Grundeinstellung der Partei als notwendig erw.esen. Opposition sei nur ein vorübergehendes Mittel. Dauernde Opposition schädige die 3ntcrellen der in der Partei vertretenen Volkskreise und daS Gesamtwohl. Wolle man die Zeichen der Zeit verstehen, so müsse man das ländliche und bäuerliche Wesen wieder zum Mittelpunkt der gesamten Innenpolitik machen. Devölterungspolitisch gesehen, bedeute daS eine völlige Umgestaltung des im letzten Jahrhundert von Ost nach West gegangenen Wanderzieles wie auch deS Arbeits- zieleS, das von den überfüllten und arbeitschwachen Städten auf das entvölkerte Land gerichtet werden muffe. Das bäuerliche Volkstum sei der sicherste Schutz eines national bedrohten Territoriums. Die gewaltige Vahrungsmitteleinfuhr der letzten Jahre und der Leerlauf der Wirtschaft weisen mit Vaturnotwendigkeit auf
eine verstärkte agrarische Einstellung unserer wirtschastspolitik
bin. Die technische Möglichkeit einer Wirtschaft- llchen Umstellung fei nicht mehr zu bestreiten. Unerläßliche Voraussetzung sei jedoch die Sicherung deS Ertrags der landwirtschaftlichen Arbeit. Die Interessen der heimischen Landwirtschaft mühten wieder fester in den Rahmen der Gefamtpolitik eingespannt werden. Das sei auch der Weg aus der Wiri- schastS- und Arbeitskrise. Darum sei innere Kolonisation das Gebot des nächsten Menschenalters. Die schwere Wirtschaftskrise zwinge zur Besinnung auf die wirklichen Grundlagen unseres Staatswesens und Volkstums. Von den Strukturwand- lungen. hie Deutschland im Verfolg binnen- wirtschaftlicher und weltwirtschaftlicher Veränderungen erlitten habe, seien am unmittelbarsten die Städte betroffen, besonders die Städte und Grohstädte im Westen, die eigentlichen Herde der Krisis und der Arbeitslosigkeit. Aus dieser Erkenntnis heraus würden unserer Devölkerungs- und Wirtschaftspolitik neue Dahnen gewiesen. Gewih könnten sich die Städte durch Schassung gewisser Arbeitsmöglichkeiten in etwas selbst helfen, aber schon beim Wohnungsbau in den Stätten entständen schwere Zweifel.
wo nicht gleichzeitig neue, organisch aus dem Mrtfchaftsprozeh herauswachsende, also bodenständige Arbeitsgelegenheit gegeben sei, müsse sich die Errichtung neuer Wohnungen als ein Hemmnis in der Beseitigung der Arbeifsnot auswirken.
Wirklici-e Hilfe könne den Städten nur vom Lande kommen. Es gelte die Landwirtschaft zu stärken, ihre Crtragsfähigkeit zu sichern, damit sie in der Lage fei, ihren eigenen Bevölkerungszuwachs festzuhalten und darüber hinaus brach liegende Arbeitskräfte aus dein Heere der Arbeitslofen a b z u . ziehen. Eine solche agrarische Wirtschaftspolitik werde auch die Arbeitsmoglichkeiten in den Stä toten vermehren. Eie sei auch die zweckmäßigste Politik vom Standpunkt der Städte und des Konsumenten, denn vermehrte ländliche Arbeit führe naturgemäß auch zur Vermehrung der Erzeugung von Nahrungsmitteln und zu ihrer Verbilli- g u n g. Unser wirtschaftspolitisches Ziel müsse deshalb auf eine Umschichtung der Bevölkerung und auf einen gesunden Ausgleich zwi- schen Stadt und Land gerichtet sein, hier sehe er ein großes nationales Lebensziel, welches das ganze Volk zur Ueberroinbung unserer Not zusammenschweiße.
Finanzreform l
Reichsfinanzminister Dr. Köhler für Vereinfachung der Ltcncrgcfctze.
D e r li n , 13. Sehr. (WTD.) 3m preußischen Landtag sand heute in Gegenwart des Reichs- sinanzininisters die Einigungstagung der Reichssteuerbeamten statt, in der die Verschmelzung der Deutschen Finanzbeamtcn- Gewerkschaft und des Dundes oberer Reichssteuerbeamten mit dem Bunde deutscher Reichssteuerbeamten zu einem einheitlichen »Bund deutscher Rcichssteucrbeam'.en" vollzogen wurde. 3m Verlauf der Tagung ergriff Reichsfinanzminister D r. Köhler daS Wort und führte u. a. aus: Unfcre Finanzämter stehen tatsächlich vor dem Zusammenbruch. So wie in den letzten 3ahren kann es nicht mehr weiter gehen. Was wir heute Veranlagung nennen, ist gar keine Veranlagung mehr, sondern nur Terminarbeit. Es ist lediglich eine Forderung der Gerechtigkeit, daß endlich einmal in die Veranlagung und die Sieuererhebung die Ordnung einkehrt, die das deutsche Volk verlangen kann. Dr. Köhler kündig.c schon für die nächsten Tage entsprechende Maßnahmen an und fuhr dann fort:_ Die Sperrung der Dramtenlaufbahn muh aufhören, weil man sich dadurch jedes tüchtigen Nachwuchses beraubt. Man muh wieder qualifizierte Anwärter aufnehmen. Für die nächsten 3ahre können wir kein ein
ziges neue- Steuergeseh mehr brauchen, sondern wir werden an die Vereinfachung unserer Steuergesetzgebung denken müssen, linktet Beamtenschaft, schloß der Minister, gebe ich die Zusage, daß ich alles tun werde, was in meinen Kräften steht, um ihr« materielle und rechtliche Lage zu bessern. Einmalige Beihilfen sind v.rschlt. Man muß endlich zu der erforderlichen Besoldungsreform kommen. Auch das Beamtengesetz muß sobald tote möglich erledigt werden.
Der Rrichswirtschastsrat.
Die Festlegung seiner endgültigen Form.
Berlin, 13. Februar. (VDZ.) Der Ver- fassungsausschuh des vorläufigen Reichswirtschaftsrates beendete seine Beratungen über die Gesetzentwürfe für den endgültigen Reichswir!- schaftsrat. 3n fast allen wichtigen Fragen ist trotz anfänglich vorhandener Gegensätze eine Verständigung erzielt toorden. Der Reichswirt, schastsrat schlägt vor, soweit nicht innerhalb bet vorhandenen öffentlich-rechtlichen Derussvertre- tungen daS Zusammenwirken von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretem sichergestellt wird, neben und in Verbindung mit ihnen, öffentlich rechtliche Organe vorzusehen, in denen Arbeitgeber« und Arbeitnehmerver:roter die genuin- famen Fragen auf Grund gemeinsamer Beratung vom fachlich regionalen Standpunkt
Die Franzosen haben dem amerikanischen Präsidenten eine gründliche Ablehnung zuteil werden lassen. Sie fürchten sich weniger vor der vorgcschlag:nen Abrüstung als v o t d e r a m e r i- kanisch-englischen Alliance, die plötzlich in die Erscheinung tritt und die Frankreich aus der Abrüstungskonferenz des Völkerbundes herausmanöverieren und in eine Sonder- k o n f e rr e n z hineindrücken mochte. Wie auf ein Kommando erklärt die französische Presse, daß die Abrüstung Sache des Völkerbundes bleiben müsse. Und das aus dem Grunde, weil Frankreich hier eine ausgezeichnete Position inne hat, während es auf einer Sonderkonferenz zu Beschränkungen seiner Seerüstung gezwungen werden könnte, die ihm nicht angenehm sind. England z. B. hat ein besonderes 3nteresse daran, die U-Bootswaffe Frankreichs zu zerschlagen. wie überhaupt die Zahl der fraanzösischen Kriegsschiffe beträchtlich eingeschränkt zu wissen.
Frankreich dagegen, bad seine Streitkräfte in immer größerer Anzahl im Mi11elmeer zusammenzieht. fürchtet um seine Derbinbungen mit Rordafrika, bie ihm nach -vollzogener Abrüstung von England durchschnitten werden könnten. Coo- lidge aber denkt hauptsächlich daran, die K r ie gs- schulden Frankreichs als Druckmittel zu benutzen, um es zu wesentlichen Rüstungseinschränkungen zu zwingen und so auch die finanzielle Stabilität Frankreichs sicherzustellen, an der die amerikanische Wirtschaft ein nicht unerhebliches 3ntereffc hat. Die Debatte über die Pläne Eoolibges wird zwar noch hin und her gehen, es sieht aber so aus. als ob die französische Regierung dem amerikanischen Präsidenten eine Absage erteilen und auf die Abrü stungs- konferenz des Völkerbundes Hinweisen wird, durch die nach französischer Ansicht jede andere Konferenz überflüssig wird
Ablehnung Frankreichs.
Paris, 13. Febr. (WTD.) Der diplomatische Mitarbeiter der Havasagentur glaubt in der Lage zu sein, den 3nhalt der Rote, die die französische Regierung an Präsident Coolidge in der Frage der Seeabrüstung übermitteln wird, wie folgt darstellen zu können: Frankreich fei bereit, sich jeder 3nlliative anzu- schliehen, die die Abrüstung und die Aufrechterhaltung dos Friedens bezweckt: aber eine Konferenz tote diejenige, die Präsident Coolidge Vorschläge, und die nur die Vertreter der fünf großen Seemächte, Vereinigte Staaten, England, 3apan, Frankreich und 3talien, vereinigen würde, würde einen doppelten Mangel aufweisen: einerseits würde sie zwei Kategorien von Mächten schaffen, die eine, die der Seeabrüftung unterworfen würde, die andere, die ihr vollkommen entginge. Um beispielsweise nur die Mittelmeermächte anzusühren. so würden allein Frankreich und 3talien aufgefordert werden, die Zahl ihrer Kriegsschiffe herabzu etzrn, während Spanien, Griechenland, bie Türkei unb Sowjet- rußland vollkommene Freiheit für bas Bauen von Schiffen behalten würden. Man sehe an diesem Beispiel, zu welchen Ungerechtigkeiten der amerikanische Vorschlag führen könnte. Andererseits würde die amerikanische 3nitia:.ve. die sich ausschließlich auf die Herabsetzung der Scerüftun- gen erstrecke, gegen den fundamentalen Grundsatz verstoßen, bet auf Anregung bet französischen Delegation in bet vorbereitenden Kommission des Völkerbundes für die Abrüstungskonferenz maßgebend gewesen sei, nämlich der der
behandeln 3m übrigen folgte der Ausschuß im großen und ganzen Dem Grundgedanken des aus den früheren Beschlüssen des Verfassungsausschusses aufgebauten Regierungsent- w urss. 3nsbeiondete ist es dabei verblieben, daß der Reichswirlfchaftsral wie bisher oberstes Gutachterorgan bleiben und keine legislativen Rechte erholen soll.
3n der Arbeitgebetabteilung sollen erhalten Die Landwirtschaft 12 Vertreter, die 3ndustrie 12, das Handwerk 6, der Handel 7, die Banken und bas Privatverficherungswe en zusammen 5, der Verkehr und bie Fischerei zusammen 6 Vertreter. Die gleich« Gesamtzahl hat bie Arbeit- nehmerab.eilung. 3n der Adle lung 3 erscheinen die Kommunalvertreter mit 10, bie öffentlich- rechtlichen Derfichcrungs- und Kreditanstalten mit zusammen 3, die Konsumgenossenschaften und Hausfrauen mit zusammen 5, die landwirtschast- lichen und gewerblichen Genossenschaften mit zusammen 4, die Tagespreise mit 2, die Vertreter der Beamtenschaft mit 2, die freien Berufe mit 3 Mitgliedern. Dom Reichsrat waren 9, von der Reichsregierung ebenfalls 9 Mitglieder und außerdem ein Vertreter des Auslandsdeutschtums vorgesehen, zusammen 144. Rach- dem der Dersassungsausschuß nun .iehr feine Arbeiten beendet hat, werden die Entwürfe voraussichtlich demnächst dem Reichsrat unb sodann dem Reichstag zugehen.
Verbundenheit der Streitkräfte zu L a n d e, zu Wasser und inderLuft, sowie der industriellen und bevölkernngS- p o l i^t i s ch e n Momente. 3n der öffentlichen französischen Meinung werde der Standpunkt vertreten, daß die bewaffnete Macht eines Landes auf allen ihren Gebieten kontrolliert werden müsse, u. nicht nur in gewissen Teilen. Um wirksam u. dauerhafte Arbeit in der Abrüstungsfrage zu leisten, dürk man weder Gegenstand noch Zahl der der Abrüstung unterworfenen Elemente begrenzen. 3m übrigen würden ja die Fragen der Abrüstung in ihrer Gesamtheit in Genf bereits ft ub iert, und es sei unmöglich, die Frage der Seeabrüstung bavon zu trennen.
Die Genfer Konkurrenz.
Paris, 12. Febr. (Wolff.) Der französische Delegierte beim Völkerbund, Paul Doncour, erllärt zu EoolidgcS Vorschlägen für die Abrüstung zur See: Die Einberufung einer Konse» reiu zur Behandlung der Abrüstung zur See hieße, das Problem, mit dem auch der Vorbereitende E n t wa s f n u n g s a u s s chu ß des Völkerbundes befaßt ist. doppelt behandeln. Deshalb kann ich mich dem von dem amerikanischen Präsidenten auselnander- gesehten Standpunkt nicht anschließen, und zwar um so weniger, als die Arbeiten des Vorbereitenden Vötterbundsausschusses für die Entwaffnung auf gutem Wege sind und als Grundlage für die allgemeine Abrüstungskonferenz dienen können, die für dieses oder spätestens nächstes 3ahr vorgesehen ist. Die Vereinigten Staaten haben in Genf einen Vertreter, der an den Arbeiten der Vorbereitenden Kommission teilnimmt. Es_ wäre also leicht gewesen, den interessierten Mächten einen Seeabrüstungsplan, wie sie ihn ausfahten, vorzulegen. Rur innerhalb der Vorbereitenden Kommissionen für die Konferenz könne in nützlicher Weife die Frage geprüft werden, ob man hinsichtlich der gesamten Frage zu einer Lösung kommen könne oder besser tn-a Frage der Abrüstung zur See lostrennt unb ihr Studium allein den fünf Signatarmächten von Washington anvertraut. 3 e b e Ration möge für die am 20. März beginnende Beratung der Ent- wafsnungskommission präzise Vorschläge mitbringen. Bedauerlicherweise sei Rußland darin nicht vertreten. Sicherlich könne eine Konferenz für die Abrüstungsbeschränkungen nicht zu beachtenswerten Ergebnissen kommen, wenn sich Rußland femfjalte. 3mmerhin werde man. den allseitigen guten Willen vorausgesetzt, zu einer ersten internationalen Vereinbarung kommen können, und dann müsse man weiter sehen.
Besorgnis in Eng'and.
London, 14. Febr. (WTD. Funlspruch) Die führenden Dlätter beschäftigen sich mit der Wahrscheinlichkeit, daß ein Dreimächteabkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien und 3a» Pan über die weitere Ausdehnung der Flotten- abrüftung. das wirkliche Ziel sei, bas Coolibge mit seinem neuen Vorschläge verfolge. Demgegenüber wirb betont, daß ein 5lcttenabtDmm.cn das nicht die Flottenmächte Europas ein» schließe und das insbesondere den zwei Mittel- meer m ächten ihre volle Aktionsfreiheit belasse. für Großbritannien als unannehmbar zu gelten hätte. Die Abrüstung Frankreichs fei für England wesentlich. Besondere
Aufmerksamkeit wird Rachrichten au8 Amerika gewidmet, wonach es bereit sei, Frankreich cin< höhere Unterbootrate zuzugesteheii „Obse'vci schreibt. EoolldgeS Abrüstung-Vorschlag werde in Großbritannien grundsätzlich begrüßt, aber ce werde auf die vitale Wichtigkeit von K r e u z e r i. für die Sicherheit der britischen Hande l s to e g c hingewiesen.
Mussolini winkt ab.
R o m, 13. Febr. (Agencia Stefani Funlspruch.) Wie von zuverlässiger Seite verlautet, war das Memorandum Eoolibges ©egenftanb einer eingehenden Prüfung durch Mussolini, der bereits mit dem Generalstabschef der Marine eine erste Besprechung hatte. Ohne einer Antwort borgreifen au wollen, kann man fajon jetzt versichern, daß Italien, nachdem es sich |üt fein bescheidenes Marineprogramm entschieden hat, nicht Maßnahmen zustunmen könne, bie, wenn auch nur indirekt, feine LebenSinter- offen in Gefahr bringen würden. Man muß übrigens noch hinzufügen, daß seit bem 3ahre 1925 bis jetzt einige neue Tatsachen festzustellen waren, so der Bankerott der Konferenz der kleinen Seemächte in Rom. ferner das FlottenrüstungSprvgramm einiger großen und kleinen Mächte, bie am Mittelmeer liegen bzw. dort eindringen können.
Kühle Aufnahme in Japan.
Berlin, 12. Febr. (TU.) Wie die Abendblätter aus Tokio melden, wird der amerikanische Abrüstung-Vorschlag dort sehr reserviert ausgenommen. Man erllärt zwar, daß 3apan prinzipiell damit einverstanden sei, lehnt jedoch unbedingt eine Rationierung derHilfsschifse gemäß derjenigen der Groß- kampfschiffe im Verhältnis von 5:5:3 ab und ver- langt statt der Einzclrationierung eine einheitliche sowohl für Kreuzer. Unterseeboote und Zerstörer zusammen. ES wirb betont, baß sich die Situation im Pazisic seitens der Washingtoner Konferenz grundlegend verändert habe. Die CBefeftigung des Hafens von 6mga- bore, die Umftationierung des amerikanischen AtlantikgeschtoaderS sowie das amerikanische Ein- wanderungsverbot hätten gegen den Vorschlag der Washingtoner Konferenz verstoßen.
Dor einer neuen amerikanischen Intervention in Nicaragua?
Reuhork, 13. Febr. (TU.) Washingtoner Meldungen zufolge rechnet man mit einer baldigen neuen 3ntervention der Vereinigten Staaten in Ricaragua. Man will beide Präsiden- ten, sowohl Diaz wie Sacasa zum R ü d 11 i 11 veranlassen unb Reuwahlen ausschrei - bei lassen. Es ist aber anzunehmen, daß Sacasa nur der Waffengewalt weicht. Marinesclretär Wilbur erklärte, Amerika stehe jetzt nach bem Bürgerkrieg und nach dem Weltkrieg einer dritten Prüfung gegenüber. Der Bolschewismus strecke seine Finger auch nach den südamerikanischen Schwesterrepublilen ans. er schasse Unruhe in China, in Ostasirn unb in Ricaragua. Er wünsche baher nichts sehnlicher als bie Aufrechterhaltung einer Harfen amerikanischen Flotte unb Armee, damit Amerika, wenn nötig, den Schwächeren helfen unb mit seinen Streitkräften eingreifen könne. Aus biefem Grunde hätten bie Bereinigten Staaten auch in Ricaragua Truppen gelandet.
DkeFrauimKampfumChinas Freiheit.
London, 14. Febr. (WTD. Funkspruch.) 3n H a n k a u wurde ein politisches Ausbil - dungSinstitut für Frauen von der Schwester Sunjatsens eröffnet. 3n ihrer Rede führte sie aus, das moderne China verlange, daß Frauen nicht nur gute Mütter, sondern auch gute Bürgerinnen seien. Die Revolution werde nicht vollendet werden, wenn die Frauen nicht bereit wären. Sie erklärte, diese Schule ist eine militärische Dorbereitungsschule für Frauen. Der Kamps beschränke sich nicht auf China, sondern berühre die ganze Welt und eS sei daher notwendig, daß die chine i- schen Frauen am Kampfe für die Freiheit aller unterbrüdten Völler teilnähmen. Laut .Times" waren alle Minister ber nationalistischen Regierung auf der Tribüne. Merkwürdigerweise seien die russischen Ratgeber ber Regierung nicht anwesend gewesen, es feien auch keine Aeußerungen gegen England gefallen. Sowjetrussische Industriepolirik.
Moskau, 13. Febr. (Telegraphenagentur ber Sowjetunion.) Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistifchen Partei hat in Entschließungen über die K a p i t a l b i l d u n g s- tätigleit in der 3ndustrie gebilligt, daß für b’.efen Zweck im laufenden 3ahr 1,1 Milliarde Rubel bereit gestellt werden. Dabei wurde die Rotwendigkeft betont, der Metallindustrie unb bem Maschinenbau badurch ein rascheres Entwicklungstempo zu sichern, daß außer den bereitgestellten Summen noch weitere Quellen, wie ausländische und in»
Der amerikanische Abriistmgroorschlag.
Ungünstige Ausnahme bei den anderen Grohmächlen.


