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Roman von Robert Misch.
Copyright by Carl Dunker. Berlin SW 62.
15 ßonifBunfl Nachdruck verboten
,Homme Sie nur, Direktorchen, und sage Sie unserer schönsten Adele-Isa was Nett's!" rief ihm der Kommerzienrat Zongerle zu, der stellvertretende Vorsitzende des Theater- und nurf) des heutigen Festkomitees. Der alte f)crr fnifi ganz be- ge.stert die Augen zu und flüsterte Direktor ’JJlci- ncrt ins Ohr. n „
„Ra, was sage Sie zu der Adel ?! Wie die Jenny Stubel und die Palmci, die ich in Berlin und Budapest gesehen hab' ... Natürlich nehme wir das ins Repertoir aus ... und wir gebe als noch eine zweite Operett', ehe der Fasching da is, mit dem Sotansmädel. — Nun schau«- Sie sich das an ... Alle jungen Herren mache ihr den Hof und die älteren auch. — Na, Spaß — so ein süßer Racker! Und sie nimmt das so gelasfe und ruhig auf wie eine Königin."
Mit ihren Kabarettnummern und Chansons erregte sie einen Jubelsturm, so daß sie noch zwei Bolkslietchen dazugeben mußte, die sie einmal in einem Schülerkonzert in Berlin gesungen hotte.
Todmüde fuhr sie in Begleitung der Heimel K' chs Uhr früh heim. In ihrem kleinen Wohn- fand sie ein riesiges Blumenarrangement, Kamelien, Flieder, Rosen, dos dies kleine Zimmer in eine Wolke von Wohlgerüchen hüllte. Von wem? — Eberhard? — Aber der Junge wurde von dem gestrengen Vater ziemlich knapp gehalten. (Unsichtbar.) Ein Stadtverehrer ober--? Sie glaubte
zu ahnen, von wem es stammte Unsichtbar, kühl und zurückhaltend, aber mit lästiger Zähe, streckte Dr. Kyllenborg seine Hände noch ihr aus ...
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Eberhard machte ein etwas enttäuschtes Ge- ficht, als ihn Isa nm nächsten Tage recht kühl behandelte. Zum Abschied küßte er ihr lange die Hand, blickte ihr tief in die Augen und flüsterte ihr trotzig- lachend zu:
„Du wirst doch meine Frau! — Vergiß mich nicht!" __________________
Als er endlich fort war, lächelte die Heimel.
„Wirklich ein netter Junge — und wie toll in Sie verliebt, Kindchen! — Na, dos wäre doch schließlich ein ganz netter Zukunftsanker. Der braust sich jetzt aus. Später wird so etwas der beste Ehemann von der Welt ..."
Isa wurde rot. .
„Ich weiß nicht — errate es nicht einmal. — Uebrigens, Ihr wollt alle etwas anderes für mich, als ich es selbst will."
,,2anad) fragt das Leben nicht , erwiderte die alte Dame mit einem resignierten Ton. „Was wissen wir von der Zukunft! Alles kommt anders."
Als Isa bei der fünften Wiederholung der Fledermaus" kurz vor Beginn der Vorstellung an bas kleine Guckloch des Vorhangs trat — die Musiker stimmten schon ihre Instrumente, — schrak sie zusammen. In der linken Proszeniumsloge des ersten Ranges saß Dr. Gyllenborg und blickte mit seinem liebenswürdigen, etwas ironischen Diplo- matengesicht auf das Publikum herunter. Und in einer Parkettloge rechis saß der Kommerzienrat Rettebohm und beäugclte die Leute durch fein Opernglas War das ein Zufall, etwa bei der Durchreise? Und sie machte die Heimel auf die beiden Herren aufmerksam.
„Na, Kindchen — dann legen Sie mal heule los! Zeigen Sie Ihrem früheren Brotherrn und Wohltäter, was Sie können! Sind Sie bei Stimme und Laune?"
Ifa war bei Stimme und Laune; und sie straffte alle ihre Kräfte und Fähigkeiten auf. Sie tollte, wie von einem Rausch ergriffen, über die Bühne und schonte ihre Stimme diesmal nicht Ihr großes Chanson-Couplet: „Spiel ich die Unschuld vom Lande, natürlich im kurzen Gewände" sang sie mit einem so parodistischen Uebermut und grazilen Humor, daß ihr ein Jubelsturm von unten antwor- tete und sie den Schluß wiederholen mußte.
Der zweite Kapellmeister, ihr Korrepetitor und im Gegensatz zum ersten Operngewaltigen ihr guter Freund und Verehrer, machte ihr Elogen; und der Chef höchstselbst, Direktor Meinert, kam nach diesem Akt aus die Bühne, tätschelte ihr die Wange und legte sein strenges, gelbes, stets etwas süßfaures Antlitz in so freundliche Falten, wie es ihm nur möglich war.
„Gut, Kindchen, wirklich sehr gut! Na, Sie machen sich ja. Da werden wir ja mit der Niiouche schon Erfolg haben "
Dann ging er schnell fort, als hätte er schon zuviel gesagt, und fürchte, um einen Vorschuß angegangen zu werden, wovon er bekanntermaßen kein Freund war. (Er klagte auch stets über schlechte Geschäfte und das undankbare Publikum.)
In ihrer Garderobe wurden nacheinander zwei Blumenarrangements abgegeben. Ein kleineres mit der Sorte des Kommerzienrates: „Auf der Durchreise erlaube ich mir. Sie morgen vormittag aufzu- suchen. Ich bin aufrichtig entzückt." —
Das große bestand nur aus roten Rosen — es lag auch keine Harte dabei, war aber von derselben ersten Blumenfirma wie die früheren Sendungen. Sie vermutete asto den Spender in der großen linken Proszeniumsloge ...
Frau Perlackcr kam am anderen Vormittag ganz aufgeregt herein, mit spitzen Fingern eine Karte tragend, als ob sie eine kostbare Schale oder einen Schmuck in der Hand hielte:
„Der Herr Kommerzienrat Nettebohm!"
Und nun saß er ihr gegenüber Nach der üblichen Begrüßung, die von seiner Seite zeremoniös war, musterten sie sich beide.
Der Kommerzienrat konstatierte, daß sie sündhaft schön sei, reifer und schöner noch als früher — aber etwas matt und angegriffen. Berufliche Anstrengung oder — bummelte sie, führte sie ein zügelloses Leben? grübelte er.
Und Isa fonftatierte, daß er älter geworden sei; beide versicherten sich aber, wie ausgezeichnet der andere aussah.
,Hein Wunder — bei Ihren Triumphen, mein gnädiges Fräulein!"
„Um Gotteswillen, nennen S i e mich nicht so! Für Sie bin ich noch immer die kleine Isa."
„Das würde sich durchaus nicht mehr schicken", protestierte der alte Herr mit einer chevaleresken Handbewegung. „Das Kind ist eine Dame und eine Künstlerin geworden."
„Das bißchen Operette! Was ich erreichen wollte, habe ich noch lange nicht erreicht" —.
„Ich weiß ... meine Geschäftsfreunde erzählten mir. Ich sehe als Kaufmann das wohl anders an als Sie. — So viel mir davon bekannt, verdient
man bei der Operette mehr und schneller Geld." — Er blickte sich im Zimmer um, das mit Blumen gefüllt war. .jedenfalls haben Sic Erfolge und — Verehrer."
„Die hat man schnell beim Theater, wenn man nicht mordsgarstig ist."
Der Kommerzienrat räusperte sich, bann ging er rasch zum Angriff über.
„Mein Sohn gehört auch zu diesen Verehrern, wie ich erfahren habe. Er ist zu der „Fledermaus"- Premiere und zu diesem großen Bühnenbasar extra aus Heidelberg nach Mainz herübergekommen, und hat sogar in Ihrer Sektbude verkaufen helfen, Fräulein Isa."
Sie fühlte, daß sie errötete und ärgerte sich im gleichen Moment darüber.
„Ja, er kam ganz unerwartet, hatte es in der Zeitung gelesen."
„Unerwartet?! — Sie haben ihm also nicht ge- ichricben?"
„Nein — Gott bewahre! Sie glauben doch nicht etwa —?'
Die Falten auf der Stirn des alten Herrn kauften sich zusammen; eine corgenfalte lief plötzlich bis zu den schmalen Lippen herunter.
„Ich muß es fast glauben, mein liebes Kind. Bei dem Charakter meines Jungen, bei feiner Jugend und Unbesonnenheit ... Auch seine Mutter ist in Sorge, nachdem man uns das geschrieben hatte. — Und wir haben es ja wohl um Sie verdient, daß Sie — daß Sie nicht ... nicht wahr?"
Zwei flehende und gequälte Augen blickten sie an. Das gab ihr ihre Sicherheit wieder.
„3d) bin sehr froh, daß Sie gekommen sind, und ich mich mit Ihnen aussprechen kann. Nun ja — ich habe ihn gern — aber nicht f o ... nur als Jugendfreund."
„Und Eberhard?"
„Ist verliebt . . die erste Jugendliebe! Mein Gott, er ist ja noch ein Junge in meinen Augen."
„Wirklich? — Hat er Ihnen denn —?"
„Ja, er hat mir, wie das in seinem Alter üblich ist, wo man gleich immer heiraten will, einen Antrag gemacht.
„Einen Heiratsantrag?"
(Fortsetzung folgt.)
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