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von diesen Einzelverträgen zu einem allge­meinen Sicherh-eitspakt überzugehen.

Das Wahlergebnis in Südstarvien.

Der Sieg der Regierungskoalition.

Berlin, 12. Sept. (Priv.-Tel.) Die Wahlen zur Skupschttna l)aben sich diesmal wesentlich ruhiger abgespielt, als das sonst in Jugoslawien der Fall war. Bor allem war von einem aus­gesprochenen Wahlterror, durch den sich zu Lebzeiten Paschitschs die Radikalen auszuzeichnen pflegten, sehr wenig zu spüren. Ueberhaupt kann die Feststellung gemacht werden, daß die Regierung Bukitschewitsch eine kräftigere Entfaltung der Wahlpropaganda zu- tieß und von dem Gebrauch ihrer Machtmittel zur Beeinflussung der Wahlbewegung, vor allem aber der Abstimmungsergebnisse absah. Sie unter­scheidet sich dadurch vorteilhaft von der Regierung des rumänischen Nachbarstaates, in dem vor kurzem auch Neuwahlen stattfanden, die aber dank der Methoden Bratianus mit einer restlosen Zer­schmetterung aller opposittonellen Parteien endigten. Soweit sich die Abstimmungsergebnisse übersehen lassen, sind auch diesmal wieder die Radikalen zahlenmäßig am stärksten aus der Wahl heroor- gegangen. Ihre politische Stoßkraft haben sie aber durch die Spaltung in drei Lager erheblich ein­gebüßt. noch mehr durch die erbitterte Feindschaft der Führer untereinander. Erfreulich sind die Wahl­ergebnisse für das südslawische Deutschtum, für das die Wahlen zu Paschitschs Zeiten stets einen Zeitabschnitt heftigster Verfolgungen und Unter­drückungen darstellten. Sie haben bei dieser Wahl eigentlich zum erstenmal unbehindert zur Wahlurne schreiten können und auch restlos von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Nach einem im Laufe des Tages eingegangenen Ergebnis erhiel­ten die Radikalen 112, die Demokraten 67, die süd­slawischen Mohammedaner in Bosnien 22 Sitze, die zusammen der Re g i e r u n g s k o a l i t i o.n angehören. Auf die Opposition entfielen: Ra- ditschpartei 53, Unabhängige Demokraten 30, Slo­wenische Dolkspartei 19, Landb V-ler 6 und Deut­sche 4 Sitze.

Attentat aus dem italienischen Generalkonsulat in Paris.

Der Bizekonsul Graf Nardini erschossen.

Paris, 12. Sept. (£11.) Heute vormittag um 11.35 Ahr erschien auf dem Italienischen Ge­neralkonsulat ein ärmlich gekleideter Italiener, der den Vizekonsul, Grafen Vardini, in einer persönlichen Angelegenheit sprechen wollte. Graf Rardini empfing den Fremden in seinem Arbeits­zimmer in Gegenwart eines Sekretärs. Der Ita­liener, der anscheinend von Beruf Arbeiter ist, bat den Konsul, ihm die Rückreifeerlaub­nis nach Italien erteilen zu wollen. Er be­klagte sich darüber, daß seine Heimatbehörde ihm die Zustimmung zur Rückreise noch nicht bewilligt hätte. Als Graf Rardini nun seinerseits f i ch weigerte, unter diesen Amständen daS Rück­reisevisum zu geben, zog der Anbekannte seinen Revolver und gab zwei Schüsse auf den Konsul ab, die beide trafen. Der erste Schuh berührte den linken Arm, der zweite durchbohrte Das Herz. Rardini sank zu Boden. Er wurde von den herbÄeilenden Kvnsulatsbeamten in die Klinik geschafft, wo er gleich nach seinem Eintreffen verschied. Unterdessen gelang es, den Mörder beim Verlassen des Konsulatsgebäudes zu v er - haften. Auf dem Polizeikommissariat verfiel er in Rervenkrämpfe, so dah es nicht möglich war, ihn zu verhören und nach den Beweg­gründen seiner Tat auszuforschen. Seine Taschen enthielten nichts, was über seine Personalien hätte Aufklärung geben können. Gxaf Rardini, der 56 Jahre alt ist, lebt seit 27 Jahren in Paris und ist seit 15 Jahren italienischer Dize- lonsul.

volksparteiliche Innenpolitik.

Eine Rede des Frattionsvorsitzenden Scholz

Königsberg,' 12. Sept. (WTB.) Der Vorsitzende der Reichstagsfraktton der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. Dr. Scholz bezeichnete auf einer ostpreuhischen Parteikonfe­renz das Reichsschulgefeh als eine der wichtigsten Fragen der Innenpolitik. Die Deutsche Dolkspartei werde keinem Entwurf zustimmen, der die absolute Schulhoheit des Staates nicht völlig unangetastet läßt. Zur Konkordatsfrage äußerte sich Dr. Scholz dahin, dah nach dem heutigen Stande der Reichs- geschgebung ein Reichskonkordat überhaupt nicht in Frage komme. Eine Vereinbarung mit der katholischen Kirche, wie sie auch immer genannt werde, wer sie auch abschliehe und welchen Inhalts sie auch sei, dürfe unter keinen Amständen die Schulhoheit des Staates an­tasten. Die Deutsche Volkspartei werde jeden Versuch in dieser Richtung ablehnen. Der Red­ner behandelte dann

die Flaggcnfrage

und fügte hinzu: Die Weimarer Mehrheit hat eine Flagge festgesetzt, die wir nicht lieben und an die wir uns nur schwer gewöhnen können. Der Berliner Flaggenstreit ist durch den Magi­strat der Stadt Berlin auf das Gebiet des Wirtschaftsboykotts geschoben wor­den, der natürlich nicht nur von feiner Seite angewandt werden wird. Bis jetzt war es ein Kampf um Ideen und jetzt bedroht die Flaggen­frage die Existenz einzelner. Es wäre unter die­sen Amständen richtig, den Weg des Volks­entscheids einzuschlagen. Zwei Voraussetzun­gen wahrscheinlich unerfüllbare müssen allerdings erfüllt werden: alle prominenten Persönlichkeiten müssen absolut festgelegt wer­den, die Stimme des Volkes anzunehmen unb darf vorher unter keinen Amständen ein Wahlkampf geführt werden. Gegen die Be­denken über das W e i te r b e st ehe n der jetzigen Regierungskoalitivn führte der Redner aus: In dem fast dreivierteljährigen Bestehen hat d.e jetzige Regierungskoalition ihre Lebensfähigkeit erwiesen. Sie hat sich als viel stärker gezeigt, als dies bei einem Bündnis mit der Sozialdem kratie hätte der Fall sein können. Ein schwerer Prüfstein wird

das Rcichsschulgeseh sein. Die Deutsche Dolkspartei wird dabei an ihrem alten Grundsatz lesthalten: Wir wollen national sein bis auf die Knochen I Wir wollen unb müssen dabei auch eine liberale Partei bleiben Der Entwurf des Schulgesetzes wolle

Differenzen im Abrüstungsausschuß.

Genf, 12. Sept. (Wolff.) Anter starker Be­teiligung hat der Abrüstungsausschuß (3. Der- sammlungsausschuß), in dem Deutschland durch Graf Dernstorff und verschiedene Experten ver­treten ist, unter dem Vorsitz von B e n e s ch seine Arbeiten mit einer von diesem gegebenen Dar­legung des Arbeitsplanes ausgenommen. L o u - d on-Holland, als Präsident des vorbereiten­den Abrüstungsausschusses, erstattete einen län­geren Bericht über diese Arbeiten. Er lehnt die Bezeichnung der bisheri gen Ergebnisse als Miß­erfolg entschieden ab. Sie Enttäuschung in wei­ten Kreisen der Oeffentlichkeit beruhe darauf, daß man ihr falsche Hoffnungen ge­macht und gewissermaßen verschwiegen habe, daß die gestellte Aufgabe sich nicht auf die Ab­rüstung, sondern nur auf die Limitierung der Rüstungen auf den gegenwär­tigen Stand bezogen habe. Er erhob jedoch den Vorwurf einer ungenügenden Vor­bereitung der Arbeiten durch die Regierun­gen und schloß mit einer Aufforderung an die Regierungen, die weiteren Arbeiten durch die Vorbereitung der primären moralischen Ab­rüstung zu- fördern.

Der deutsche Dele^i rte Gras Dernftors,

gab dann eine Erklärung zu einigen Punkten der Darlegungen Loudons. Er legte größtes Gewicht darauf festzustellen, daß er mit vielen Mitglie­dern des Abrüstungsausschusses der Auffassung ist, daß die Aufgabe der geplanten Abrüstungs­konferenz nicht eine Limitierung, son­dern eine Herabsetzung der Rüstun­gen betrifft. Nachdem Deutschland vollkom­men abgerüstet sei, handele es sich darum, daß die allgemeine Abrüstungsver­pflichtung auch von allen anderen Staaten durchgeführt werde. Aus diesem Grunde sei das Problem der Beschränkun­gen der Rüstungen für Deutschland bedeu­tungslos. Dagegen sei von größtem Interesse für Deutschland das Problem der A b r ü st u n g. Graf Bernstorfs richtete an den Präsidenten die Bitte, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Es handele sich hierbei um eine grundsätzliche Frage, denn in dem Bericht der vorbereitenden 2lb- rüstungskommission befinde sich ein deutscher, ein

englischer und ein französischer Entwurf für die Präambel. In allen drei Texten werde von der Herabsetzung, nicht Beschränkung der Rü­stungen gesprochen. Der Vorsitzende D e n e s ch habe in seiner Ausführung auf den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz hingewiefen, ohne je­doch hierbei den Termin für den Zusammen­tritt zu erwähnen. Es müsse jedoch daran erinnert werden, dah bei dem Abschluß der Tagung der vorbereitenden Abrüstungskommission der Vor­sitzende Loudon nachdrücklich erklärt habe, daß die Konferenz noch indiesemIahre wieder zusammentreten werde. Graf Dernstorff erklärte, er müsse dringend auf baldigen Zusammentritt der Konferenz drängen. Loudon sagte in einer kurzen Erwiderung, seine Auffassung, daß es sich' zunächst nur um eine Konferenz zur Limi­tierung der Rüstungen handeln könne, sei rein persönlich. Er sei aber mit Graf Bernstorfs in bezug aus die allgemeine Ab- rüstungsverpslichtung vollkommen einverstanden.

Schluß der Generaldebatte

Genf, 12. Sept. (Wolff.) Bei Fortführung der Generaldebatte bezeichnete der schweizerische Bundespräsident Motta die vorangegangene Diskussion als wertvoll durch ihre kontradiktorische Gestaltung. Der Vorschlag Hollands dürfte die Abrüstungsarbeiten anspornen: derjenige Polens sei zwar von Scialoja vom juristischen Stand­punkt aus mit Recht kritisiert worden, aber wegen seiner moralischen Bedeutung und angesichts deren Anterstreichung durch Sokal und Dr. Sttesemann empfehle er gleichfalls feine Behandlung im Ab- rüstings.Ausschuß. Danduraud, Kanada, emp­fahl die Behandlung des Minderheiten- problems nach dem kanadischen Muster und unter­strich die Verpflichtung der Staaten, im Interesse des Friedens ihre Minderheiten großzügig zu behandeln. Rach einem kurzen Appell von Dil- legas-Chile zugunsten einer eingehenden Behand­lung des polnischen, wie des holländischen Vor­schlages wurde die Generaldebatte um 12,55 Ahr geschlossen und die Vollversammlung bis nächsten Donnerstag mit der Tagesordnung: Wiederwählbarkeit Belgiens" vertagt. Die DonnerStag-Rachmittagssitzung soll die Rats- Wahlen bringen.

dem Wortlaut nach zwar die absolute Schul- Hoheit des Staates festlegen, aber es seien doch noch einige Hintertüren vorhanden, durch die praktisch eine geistliche Schulaufsicht hineinkommen könne. Wir verlangen weiter die Gewissens­und Lehrfreiheit der Lehrpersonen. Sie ist äußer­lich auch nicht angetastet, aber auch hier gibt es einige bedenkliche Stellen. Ein fernerer Haupt­punkt ist die Stellung der Gemeinschafts­schule. Die Verfassungsbesttmmungen über die Schule erweisen sich immer mehr als ein unseli­ges Kompromiß. Gin Paragraph widerspricht dem anderen. Die Gemeinschaftsschule war da­mals als Regel gedacht. Aber auch das Elternrecht soll möglichst berücksichttgt werden. Ich bin der Meinung, daß die erste Bestim- mung der zweiten vorgeht. Jedenfalls werden wir daran festhalten, dah die Gemeinschaftsschule, die ja dasselbe ist wie die Simultanschule, un­bedingt alsRegelschule anzusehen ist, daß sie bestehen bleiben muh, sofern nicht eine ausdrücklich zugelassene Option für die Konfes­sionsschule vorliegt. Die Simultanschule muh da, wo sie gesetzlich strittig ist, also in Baden, Hes­sen, im früheren Herzogtum Rassau und in der Pfalz erhalten bleiben denn es gibt ja gar kein besseres Mittel, um Die konfessionellen Ge­gensätze zu mildern.

Der Reichspräsident in Stralsund

Stralsund, 12. Sept. (WTB.) Reichs­präsident von Hindenburg traf, begleitet von feinem Adjutanten, Major von Hindenburg, und von Oberleutnant von der Schulenburg in Stral­sund ein. Auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem zahlreiche Vereine und Schulen Aufstellung ge­nommen hatten, begrüßte Hindenburg die Alt­veteranen und zog vor allem den einzigen, noch überlebenden Gardeiürassier von der Kaiser- prollamation in Versailles in ein Gespräch. So­dann fuhr er durch die Hauptstraßen zum Markts Platz, wo sich die städtischen Körperschaften ver­sammelt hatten. Die Stralsunder Wassersport­vereine und Fischer sowie einige Flugzeuge ge­leiteten die Fähre, die den Reichspräsidenten nach Rügen brachte.

Die deutscheReichsangehörigkeit

Berlin, 12. Sept. (WTB.) Die demo­kratische Fraktion brachte im Reichstag einen Gesetzentwurf ein, der für ganz Deutsch­land ein einheitliches Bürgerrecht einführt und die besonderen staatsrechtlichen Lan­desangehörigkeiten durch die Reichsangehö­rigkeit ersetzt. Der En'wurf, der übrigens ver­fassungsändernden Charakter hat, sieht u. a. noch vor, daß den Deutschösterreichern unter gewissen Voraussetzungen ein im Verwaltungs­zuge verfolgbarer Rechtsanspruch auf Einbürge­rung in Deutschland gewährt werden soll, wäh­rend sie gleichzeitig die österreichische Staats­angehörigkeit beibehalten können.

Die Desoldungsresorm bei der Reichsbahn.

Berlin, 12. Sept. Die Reichsbahn Wird der von der Reichsvegierung beschlossenen De- soldungsreform für ihre Beamten folgen. Der Verwaltungsrat der Reichsbahn wird in ertoa 14 Tagen zusammen treten, um die entsprechenden Beschlüsse zu fassen. Eine Erhöhung der De- arntenbezüge, wie sie für die Reichsbeamten beschlosst ist, bedeutet bei gleichem Vorgehen für die Beamten der Reichsbahn eine Mehr­ausgabe von etwa 180 Millionen Mark.

Reformen bei der Post.

Berlin, 12. Sept (Priv.-T l.» Auf Grund eines Erlasses des Reichspostministers stellt zur Zeit die einzelnen Oberpoüdirektionen i n Reiche darüber Erwägungen an, wie Der gefami? Post- verkehr entsprechend den Wünschen des Publi­kums verbessert werden kann. Nachdem die Finanzlage der Post sich infolge erhöhter Ein­nahmen aus den Portogebühren zu bessern an­fängt, steht eine weitgehende R eforrn im gesamten Po st verkehr bevor.

Aus aller Welt.

Schweres Erdbeben auf der Krim.

Moskau, 12. Sept (WTB. Funkspruch.) 3n dec Rächt vom Sonntag jum Montag wurden an der Küste des Schwarzen Meeres drei heftige Erdstöße mit unterirdischem Getöse wahrgenom­men. Am stärksten war das Erdbeben in S e b a ff o - p o l und den umliegenden Kurorten an der Südküste der Krim. 3n Sebastopol stürzten mehrere Häuser ein. £aff alle Häuser der übrigen Städte haben Beschädigungen daoongetragen. An einigen Orten dauerten die Erdstöße bis zu 40 Sekunden. Schwä­chere Erdstöße wurden auch in der Gegend von Odessa wahrgenommen. Die Geologen vermuten, daß der Herd des Erdbebens im 6au- kasus war, wo sich noch ein geologischer Prozeß der Gebirgsbildung vollzieht. 3n Sim­se r p o l wurden drei Personen getötet und 65 verletzt. 3n Korei; wurden durch Einsturz einer Mauer drei Personen getötet. 3n 3alta, wohin die Drahtverbindungen unterbrochen sind, sollen gleich­falls Menschenleben zu beklagen sein. 3m Gebirge ereigneten sich Bergeinstürze. 3n jlamangan im ^erghana-Gebiel, das am 13. August von einem heftigen Erdbeben heimgesucht wurde, wobei meh­rere tausend Häuser zerstört oder beschädigt und 400 Personen getötet oder verletzt wurden, dauern die Erdstöße noch immer an. Am 1. September wurden im Verlaufe einer halben Stunde 15 Erd­stöße verzeichnet. Obwohl die Erdstöße nicht kata­strophaler Ratur sind, kehrt die Bevölkerung noch nicht in die stehengebliebenen Häuser zurück.

Der 3nternalionale Kongreß für vercrbungs- wiifenschaft.

Irn Langenbeckschen Krankenhaus in Berlin wurde der 5. Internationale Kongreß für Dcr- erbungswifsenschast eröffnet, der bis zum 17. September tagt. An dem Kongreß, der eine der größten wissenschaftlichen Zusammenkünfte überhaupt darstellt, die in Berlin abgehalten wurden, nehmen die namhaftesten Bererbunas- forscher des In- und Auslandes teil. Professor Baur- Berlin, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Dererbungswissenschaft, eröffnete den Kongreß und wies auf die Bedeutung der Vererbungssorschung hin. Die Genetik biete die wichtigsten Grundlagen für ein zielbewußtes Vor­gehen in Bevölkerungspolitik und Eu­genik, sowie auf den arideren Gebieten der Me­dizin. Don ebenso großer Bedeutung sei die Dererbungswissenschaft für Pflanzen- und Tierzüchtung. Reichsinnenminister v. K e u» dell begrüßte den Kongreß im Ramen der Reichsregierung, wobei er erklärte, es fei für die Reichsregierung eine besondere Genugtuung, daß diese Tagung auf deutschem Boden stattfinde. Weitere Begrüßungsansprachen hielten Land- wirtschaftsminister Dr. Steiger im Ramen der preußischen Regierung, Medizinalrat Dr. D r h g a l s k i als Dertreter der Stadt Berlin und Prof. Kniep als Vertreter der Berliner Universität. Hierauf konstituierte sich das Prä­sidium des Kongresses.

3n eine Gletscherspalte gestürzt.

Auf dem Dreidamerkur-Gletscher stürzten ein Po st reifer und sieben Po st Pferde in einen plötzlich sich auftuenden Spalt. Rur drei Pferde tonnten gerettet werden, während der Postreiter, vier Pferde und die Post als ver­loren anzusehen sind. Der Rest der Karawane erreichte in stark ermattetem Zustand einen rn der Rähe gelegenen Hof.

Schwerer Unfall auf einer Vergnügungsfahrt.

Auf einem Ausflug, den ein Karlsruher Ge­sangverein nach St. Blasien unternahm, löste sich auf der Rückfahrt in einer Kurve bei einem der Last automobile die Kippvorrichtung, die nut mit Draht befestigt mar. Die Insassen, 32 Per­sonen, stürzten heraus. Fünf erlitten ernsthafte Verletzungen, während die übrigen mit Haut­abschürfungen davonkamen.

Zusammenstoß von Motorrad und Auto.

Ein Motorradfahrer ans Reucv'.ed, der einen Herrn und eine Dame als Beifahrer mit^atte, stieß bei Weißenthurm (Rhld.) in der Ounxel- beit mit einem Kraftwagen zusammen. Die Dame wurde dabei getötet, während der Führer

des Motorrades und der Beifahrer schwer ver­letzt wurden. Beide Fahrzeuge wurden zer» trümmert.

Sturz aas der Dachrinne.

In der Frankfurter Allee in Berlin be- obachtcten Passanten zwei kleine Kinder, die aus dem Fenster einer Mansardenwohnung geklettert waren und an der Dachrinne des Hauses spielten. Bevor noch beherzte Män- ner auf das Dach klettern konnten, war bereits der vier Jahre alte Sohn Hermann des Schuhe machermeisters Migelski auf die Straße ge­stürzt. Mit schweren inneren Verletzungen und einem Schädelbruch wurde das Kind nach dem Krankenhaus gebracht, wo es hoffnungslos bar» niederliegt.

Gordon-Bennett-Rennen der Lüste.

Von den 15 zum Gordon-Bennett-Rennen der Lüfte gestarteten Freiballons sind folgende sieben bisher nicht gesichtet: Die deutsche Ballons Barmen" undMünster", der englische Dee", die amerikanischenGoodyear" und Detroit", der französische ,2a Fahette" und der italienischeRex".

Flugzeugtrümmer derOld Glory" gefunden?

R e u h o t k, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Zeitungsmeldung wurden Teile des FlugzeugesOld Glory" auf 51,7 Grad nördlicher Breite und 39,23 Grad westlicher Länge im Meere gefunden. Die Mannschaft wird vermißt. Das Steuer und ein Teil einer Tragfläche eines Flugzeuges wurden in Rewq uah (Cornwall) an ßanb gespült. Die Teile waren hüt silber- grauem Stoff überzogen, trugen jedoch keine Erkennung szeichen.

Zwangshaushalt für die Stabt Koblenz?

Die Stadtverordnetenversammlung wird sich an erster Stelle mit der Beanstandung der Steueroorlage 1 927 durch die Aufsichts­behörde und mit der Beschlußfassung über die Deckung des für das Jahr 1927 noch vorhandenen Fehlbetrags zu befassen haben. Die Stadtverord­neten stehen vor einer ebenso schwierigen wie be­deutsamen Entscheidung. Wie bekannt, hat die Auf­sichtsbehörde der Stadt mit einem Zwangs- haushalt gedroht, wenn nicht der im Haushalts­plan 1927 enthaltene Fehlbetrag von 1,1 Mil- lionen Mark gedeckt wird, wobei zu bemerken ist, daß die Stadt auch noch 1,4 Millionen Defizit aus den Jahren 1925 und 1926 mit sich schleppt. Die Aufsichtsbehörde ist der Ansicht, daß die Stadt Kob­lenz die ihr zur Verfügung stehenden Steuer- quellen noch nicht ausgeschöpft und so­lange keinen Anspruch auf besondere staatliche Hilf« hat, bis sie nicht alle Steuern in ähnlicher Höhe wie andere Städte ausgenutzt hat. Demgegenüber vertte- ten die wirtschaftlichen Organisationen der Industrie, des Handels und Gewerbes den Standpuntt, daß die Koblenzer Geschäftswelt in größerem Maße als in anderen Städten unter der Not der Zeit leide.

Polizei und Presseberichterstattung.

In einer kleinen Anfrage im Preußischen Landtag wurde zur Sprache gebracht, bah die deutsche Presse durch die Art, wie sie beim Empf ang der Ozeanflieger Cham- berlin und Levine am 6. und 7. Juni auf dem Tempelhofer Feld bebanbeit wurde, sich auf bas schwerste gekränkt fühlt. Wie der Amrttche Preußische Pressedienst auf Grund der Antwort des Ministers des Innern mitteilt, Hw die polizeilichen Anordnungen von der Ab­sicht audgegangen, alle Zwischenfälle auSzuschal- ten, die, wie die Erfahrungen besonders bei den Landungen des Fliegers Lindbergh in Paris und London lehrten, sowohl Fliegern als auch Zuschauern drohten. Es ist Dorsorge getroffen, daß grundsätzlich den Belangen und Wünschen der Presse bei ähnlichen Veranstaltungen im weitesten Umfange Rechnung getra­gen wird.

Die Wetterlage.

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^Voraussage.

Obwohl über Mitteleuropa der Barometer­anstieg fort bauert, so deutet dies jedoch zur Zeit noch auf keine Hochdruckwetterlage hin. Da die ozeanische Westluftströmung die Vor­herrschaft hat, ist mit zeitweisem wolkigen' Wetter und einzelnen Rieberschlägen zu rechnen. Die Temperatur steigt langsam etwas an.

Wettervoraussage: Wolkig mit Aufheiterung, mäßig warm, vereinzelte Rieberschläge, westlich Winde.

Witterungsaussichten für Donnerstag: wesentlichen keine Aenderung.

Lufttemperaturen am 12. September: mittags 14 Grad Celsius, abends 12 Grad Celsius; an 13. September: morgens 10,5 Grad Celsius. Erd temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 12. Sep lembcr: abends 14,8 Grad Celsius; am 13. Sep.em der: morgens 11,9 Grad Celsius. Maximum 14,2 Grad Celsius, Minimum 9,1 Grad Celsius. Nie verschlüge 0,8 Millimeter.

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