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58s?SZ-

nr. 155 (Elftes Blatt

177. Jahrgang

Montag, 13. Juni (927

Erscheint lLglich,a»tzer Sonntags nnb Feiertags

Vrllagrn: Eiehener FamilienLtLHer Heimat im SUb Die Scholle.

Monat,-vezug^rei,: 2 Rrichsmarli nnb 30 Reichspfennig ftr Träger, lohn, auch bei Dichter- scheinen einzelnerDn-nmern infolge höherer Gewalt. FernsprechonschlÜffe: 61, 54 «nb 112.

Anschrift fitr Drahtnach­richten' »«zeiger Gieße«. poIfcheckkoitto: $t«wfhirl an mati 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmd nnö Dcrlog: vrüdl'sche Universilälr Buch- und Sleinöruderei R. Lange in Sietzen. S^rifikimng und Sejchästssteile: Zchnlittatze 7.

Annahme »on Anzeigen für btt Tagesnllmw.er bi« zvm Nachmittag vorher, prei» für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, an»wärt« 10 Reichspsennig; für 9?e- klameanzeige-, von 70 mm Breite 35 Rrichspfennig, Dlatzvorschrift 20' mehr.

Chefrebaliteur

Dr. Fnedr. ?vrlh. Lange. BerontwortUch fürDobn» Dr. Fr. Wilh. Lanoe; fitr Feuilleton Dr H THyriot; für den adrigen Teil Ernst Blumschein: für den ?ln- teigenteil Ünrt Hivmann, lärntlich in Giehen.

Die Arbeit des Dawesplans.

Ein Zwischenbericht des Reparationsagenten.

Berlin. 12. 3tnri. iWTB.) Der ®cneral- agertt für die Reparation-Zahlungen hat zugleich mit den Berichten be« Vanüommlstar«. den Stsenbahi ' und be» ÄommiHjr# für

verpfändete Einnahmen und der Treuhänder für Eisenbahn- und Fnduftrievbligationen am 10. Juni einen Iwilchenbenchr über kne fett dem 1. Geb- lernber l/2b verflnchene Zeit erstattet Der Be­richt behandelt die Handhabung des Plane» sowie di« t tg kei t de» Tran» - fer-Ztvmitee» und der Kommistare und Treuhänder de» Hau»halt», die öffentliche Schuld. Kredit und Währung, den au»wärttgen Handel und die deutschen Wirtschasi»ver hältniffe. Mil Rück- stcht auf d,e befondere Bedeutung der verflossenen Periode widmet der Generalagent dem Kapitel über den AeichShaushalt und die deutschen Kre­dit- und Währung»verhaltnisse diesmal eine ein­gehendere Schilderung. Der Bericht schließt u. a. mit folgenden Bemerkungen

Die Sreignifse der letzten DerichtSmonate haben sür sich selbst wenig Anlaß zu allgemeinen Schluhfolgerungen hinsichtlich de» Arbeiten» des Berständigungsplancs gegeben. Auf der anderen Seile hat der letzte Monat ein ungewöhnlich lebhafte» Zeugnis über do» Spiel der verschiede- .um Kräfte abgegeben und ist in diesem Sinne reich an Erfahrungen gewesen. Der Lachver- äändigenplan hol vor allem versucht, aus dem Aeparationsproblem ein praktisches und geschäftsmäßige« Programm zu schas­sen. auf Grund dessen die Reparationszahlungen, anstatt den Wiederaufbau Deutschland» und Euro­pa» zu stören und zu hindern, einen produkti­ven Sinsluh in der Frage der Stabilität und de» wirtschaftlichen Wiederaufbaues haben können Der Plan hat da» Ziel. Deutschland al« ,.KoinK concern wiederherzustellen und unter Verhältnissen der Sicherheit und des gegenseitigen Bertrauen« eine gerechte Probe anzustellen, so­wohl der Fähigkeit Deutschland« zu zahlen, al« auch der Fähigkeit der Gläubigermachte, die Reparationszahlungen zu empfangen. Die Erfahrung würde erweisen, was durchführbar sei.

Der Plan selbst hat während der Berichts- Periode normal gearbeitet. Deutschland hat die vereinbarten Golddarzahlungen an den Generalagenten loyal und pünktlich weiter be­werkstelligt. Auch die Uebertragungen sind regel- mähig und lausend an das Transfer-Komitee vor sich gegangen, ohne die Stabilität der deutschen Währung in Mitleidenschaft au ziehen Dabei haben die Uebertragungcn in fremder Währung einen wachsenden Anteil gehabt.

3m allgemeinen ist der Fortschritt der deutschen wirtschaft sländig. wenn nud) nicht allgemein und frei von Schwierigkeiten aiifroärlsgrgan- gen. Starke Arbeitslosigkeit Höll immer noch on. aber alle Anzeichen beulen aus gesteigerte Pro- duktion und verbrauch und auf eine gewisse Bei » Lebensstandards. Auch die (tr-

pamisse find weiter gestiegen. 3edach wirst der frohe Umfang der Einfuhr ohne eine ent prechende Ausfuhrsiei- jng die Frage auf. ob ich Deutschland Im Innern nicht überentwickelt bat. ohne seine Fähigkeit zu Heinern, in wirk­samen Wettbewerb auf den Weltmarkt zu treten, was wichtig für die Entwicklung und Ausdehnung de» Außenhandel» wäre.

Der große Einfuhrüberschuß der letzten fechs Monate war in der Hauptsache für die kürzliche Beanspruchung der Aeichsbankreien en und für die Errichtung deS Dolderportpunktes durch die deutsche Währung verantwonlich. Die BerichtS- perivde bat weiterhin unter dem Cinflufj der Pvli t i k der Aerchs bank, die von wider­strebenden Einflüssen bestimmt und nicht in der Hauptsache auf den Schutz ihrer auswärtigen Guthaben gerichtet war. gestanden, die Reichsbank. als der Wächter der deutschen Währung, hat we.tgebende Mittel und Ermächtigungen. und die Stabilität der deutschen Währung blecht völlig gesichert.

WaS den deutschen Haushalt anbetrifft fo find die Erwartungen deS Sachverständigen hinsichtlich der Sinnahmenseite völlig gerecht­fertigt worden. Llngeachtet der Steuerherab- fetzungen zeigen die Haushalte des vergangenen und laufenden Fahre» eine Sinnahmesteigerung, die die Erhöhung der Haushaltting^steigerung nach dem Sachverständigenplane überstieg. Auf der anderen Seite sind die Ausgaben im allgemeinen einschließlich der Zahlungen an die Länder und Gemeinden beträchtlich gestie­gen, so dast die Ausgaben nunmehr die Ein­nahmen übersteigen. Zum ersten Male seit der Inkraftsetzung des Sachverstäntngenplanes ist es zur Stabilisierung des Haushaltes nötig gewesen, auf Anleihen zurückzugreifen

Die Ueberjchüsie der früheren Jahre hoben so den Üblichen Haushaltung-r'cchattnisten Platz gemacht, nach welchen Sparsamkeit und strenge Prüfung neuer Ausgaben einerseits, sorg- faltige Schatzung dertei.ereinnabmen andererseits notwendig sind, um das Gleichgewicht hcrzustcllcn. Zu gleicher Zeit bleibt die beabsichtigte 5 t a bilität des Hau shaltes unberührt, und es besteht kein Zweifel, daß sie mit Erfolg gewähr­leistet bleibt, wenn die deutsche Regierung die nor­malen Lorkehrtmgen treffet will, die in ihrem eige­nen Interesse notwendig sind. Di« En'ahrungen dieses Monats, m denen die deutsche Wirtschaft so

vielen Veränderungen unterworfen wurde und sich Im ganzen gebessert hat. gestatten wiederum. Nach­druck auf die dem Plane zugrunde liegende Auf­fassung zu legen, nänüich. bah", was den Interessen der deutschen Wirtschaft nützlich ist, auch den Inter- esten der Ausführung de» Planes entspricht.

In ihren Gutachten haben die e-achoerftandigen ausgeführt. daß der Plan seine eigene Sicherung darin finden muh. daß es im Interesse aller Par­teien liegt, ihn im guten Glauben durch­zuführen. Guter Glaube und aegenseitiaes Verstand- nis haben seit Beginn des Planes bestanden, und das fortdauernde Interesse der deutschen Regierung und der Gläubigettnachte an feinem regelmäßigen Fortschritt entfalten die stärksten Grundlagen für feine Weiterentwicklung.

Weiterer Rückgang der Erwerbslosigkeit.

Berlin. 11. Juni. (Wolff.) Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbs- lofenfürforge zeigt auch in her zweiten Maihälfte einen erfreulichen Rückgang, und zwar um rund 94000 = 12,6 Prozent. Die männlichen Hauptunterftützungseinpfänger hoben sich in der ge­nannten Zeit von 603 000 auf 924 000 vermindert.

die der weiblichen von 140 000 auf 125 000, die Ge­samtzahl von 743 000 auf 649 000. Die Zahl der Zu- fchlogsempfänger ist im gleichen Zeitraum von 835 000 auf 727 000 gesunken, der Gesamtruckgang in der Zahl der fiouptimterftüfoungscmpfänger im Mai beträgt rund 221 000 = 25,4 Prozent (870 000 am 1. Mai gegenüber 649 000.om 1. Juni).

Arbeitsnachweis und Arbeitslosenversicherung. Eigener Drahtbericht des ..Gteßener Anzeigers'.

Berlin, 13. Juni. Der Aeichstagsauofchuß für soziale Angclegenhe tcn behandelte im Zu­sammenhang mit der Beratung deS Gesetzentwurfs über die Arbeitslosenversicherung auch in ein­gehender Weise die Neuregelung der Or­ganisation der Arbeitsnachweise, die hn Rahmen des Arbeit»!osen-Dersicherungs- gesetze» eine grunMegenbc Aendorung erfahren soll. Dor allem soll dabei auf eine großzügigere Organisation als bisher Wert gelegt werden, um auf diese Weise, wie toir es an dieser Stelle vor längerer Zeit in Vorschlag bringen konnten, die Frage der Arbeitslosen von der Wurzel a u s zu lösen. Daß die bisherige Organisation

Die polnisch-russische Spannung.

Warschau in -er Zwickmühle.

Es ist ganz offenbar: Polen befindet sich in dem englsiä»-russischen Streit, in dem es durch die Ermordung de» Warschauer Sowjetgesandten mit hineingezogen worden ist. in arger Verlegen­heit. Die Sprache der Aussen gefällt ihm durch­aus nicht, e« möchte am liebsten energisch auftrumpfen, das würde aber praktisch ein Einschwcnken ; n daS englische Fahr­wasser bedeuten, was man in Warsck-au mit aller Gewalt vermeiden will. Denn mit Recht sagen sich die Polen: gehen wir mit England gegen Sowjetrußlatrd. dann fefren wir uns eines Tages einem an beten Rußland gegenüber, von dem wir nicht wissen, ob eS nicht mit unserer Selbständigkeit auf räumt Daher auch die auffallende Bereitwilligkeit der Warschauer Regierung, auf russische Moirarchisten Jagd zu machen, daher die scharfe Sprache der polnischen Presse gegen die antikommunistisch ein­gestellten russischen Kreise, weil sie von diesen befürchtet, daß sie als erste bereit fein werden, ein militärisches Abenteuer gegen die Sowjets mitzumachen. Die Polen sind gewiß nicht die Freunde der Moskauer, aber schließlich stehen sie doch vor folgenschweren Entscheidungen. Ihnen ist natürlich ein rote» Rußland viel lieber al» ein monarchistisch einge­stelltes. Wir glauben gerne, daß die Londoner Regierung fdjon wiederholt in Warschau er­klären ließ, sie werde dafür sorgen, daß ein neue« Rußland den jetzigen Zustand in den ehe­maligen russischen Grenzgebieten nicht ändert. A r das sind doch nur Versprechungen, an die sich nach der Vertreibung der Bolschewisten kein Mensch mehr halten wird. Wenn die Polen heute ihre Situation als höchst unbehaglich emp­finden. bann kann man ihnen bas nachfühlen. Moskaus Forderungen.

Moskau. 12. Juni. (IDofff.) In der heule dem polnifd^n Gesandten palet überreichen Ant­wort auf bie Rote der polnischen Re­gierung vom 9. Juni nimmt die Sorojdrrgitrung mit Befriedigung Kenntnis von dem Ausdruck des Bedauerns der polnischen Regierung anläßlich der Ermordung Maikows, erklärt aber, diese nicht ledig­lich als individuellen Akt eines wahnsinnigen an- fchen zu können. Sie betrachte diesen Mord als eine der Aeußerungen des systemati­schen Kampfes der dunklen Mächte der öcltrealtion und der Friedensgeg­ner gegen die Sowjetunion und sie besitze zahlreiche Beweise für die Duldsamkeit der polnischen Autoritäten gegenüber den die Sowjetregierung bekämpfenden Organisationen und pen'oncn, ja sogar sür die direkte Unter­stützung der letzteren in manchen Fällen. 3n der nächsten jeit werde der polnischen Regierung einiges Material zu dieser Frage oorgclegt werden. Ferner sei festgestcllt, daß der Mörder polnischer Staatsangehöriger sei. Die Sowjetregie- rung gibt ferner in ihrer Rote der Erwartung Aus­druck. daß die polnische Regierung alle nötigen Maß­nahmen zur umfassenden Untersuchung der Angelegenheit zur Feststellung der Schuldigen und zur Aufdeckung aller Fäden des ver­brechens foroie zur raschen und strengen Bestra­fung der Sdmlöigen. insbesondere des direkten physischen Mörders treffen wird. Außerdem erwarte sie. daß die polnische Regierung einen Vertreter der Sowjetregierung zur Teilnahme am Untersuchungsoerfahren in diesem Prozeß zulasten wird. Drittens fordert die Sowjetregierung, daß die polnische Regierung die die Sowjetregirrung be­kämpfenden Organisationen und Personen zur Einstellung ihrer Tätigkeit auf polnischem Ge­rn et zwingt und sie aus Polen a u 5 ro e i ff. Die Sorojefregierung erwarte, daß die polnische Regie­

rung ihr ohne Zögern die entsprechende Mitteilung darüber machen wird.

Die Beisetzung Woikows.

Moskau, fl Juni. (WTB.) Ilm 16 30 Uhr traf hier ber Sonderzug mit ber Leiche Woikow» ein, begleitet von einer Ehren - beleget ion, Vertretern des Volkskommissariats bes Aeußern und der Sowjetgefandtschaft in Warschau, ferner von Roscngolz. Angehörigen bes Ermordeten und vom Sekretär bes polni­schen Außenministers Zalefki. Auf bem Bahn­steig wurde ber Zug von Mitgliedern ber Regie­rung, be» diplomatischen KorpS. von Verwandten und Freunden, sowie von zahlreichen Arbeiter­belegationen empfangen. Der Sarg würbe von Regirrungsvertretern binau«getragen, auf eine Lafette gestellt unb nach bem Roten Platz ge­bracht. Vertreter ber Regierung, ber Kommu­nistischen Partei unb bet Gewerkschaften hielten Trauerreben, worauf bet Sarg von Rokow. Bucharin. Litwinow unb anderen Persönlichkeiten zum VestattungSort an ber Kremlmauer getragen wurde. 3m Augenblick, wo der Sarg in bie Gruft versenkt wurde, gaben bie Geschütze Salutschüsse ab. Dis spät in bie Rächt hinein zogen viele Tausende von Demonstranten, die dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen woll­ten, am Grabe vorbei. .

Der russische Terror und das Ausland.

Eigener Drahtberichl desGießener Anzeigers".

Berlin, 13. 3uni. Die Moskauer Hin­richtungen, die in der ganzen Welt Entsetzen hervorgerufen haben, haben eine gewisse Rn> vosität in den europäischen Hauptstädten im Zu­sammenhang mit ber englisch-russischen unb brr russisch-polnischen Spannung erregt unb auf tiefe Rervosität sind wohl auch bie Melbungen zurück­zuführen, bie von einer Fortsetzung ber Roten Terrotjustiz in Rußland sprechen. 3n Berliner biplomatischen Kreisen wirb j?ben- falls nicht angenommen, bah Moskau weitere Blutmaßnahmen gegen die antisowiet.st.schcn Kreise in Rußland durchführen wirb, nachdem bie russischen Machthaber bie Wirkung bes Terrors im Auslanbe erfahren haben. Auch im Hinblick auf die Genfer Rats­tagung. auf der das Problem bet englisch- russischen unb auch des ber russisch-polnischen Beziehungen zur Erörterung kommen werden, bürste bie russische Regierung nichts weiteres unternehmen, ba8 bie Stimmung außerhalb Ruß­lands gegen bas Sowjetsystem noch mehr ver­schlechtern würbe. Auch dürste Tschitsche­rin, wenn er nach Moskau zurückgelehrt fein wirb, dort von ben Eindrücken berichten, bie er in Frankreich und in Deutschland empfangen hat unb bie sicherlich geeignet sein werden, bem SchreckenSregiment em Ende zu machen.

Britische Kriegsschiffe in Gdingen.

Danzig, 12.3unt (WB) Geltem traf in bem polnischen Ostseehafen Gdingen ein aus dem Ll-Doot-Muttcrfchiff .Electo" und vier 11-Booten der ki-Klasse bestehendes leng lisch es Ge­schwader ein. RamenS des polnischen Flotten- kommandos wurde es von einem MarineDftizier begrüßt. Darauf stattete das englische Flotten- komrnanbo bem Kommandierenden ber polnischen Flotte sowie bem Eeeküsten-Starosten unb bem Gbinger Bürgermeister einen Besuch ab. Einige englische Offiziere begaben sich auf Einladung Marschalls Pilsublli nach Warschau, wo sie sich voraussichtlich zwei Tage aufhalten werden. Gestern abend wurde zu Ehren ber englischen Offiziere vorn polnischen Fwttenkommando auf einem polnischen Kriegsschiff ein Esten gegeben.

alle» nur Menschenmögliche geleistet hak dürste trotz ber zahlreichen grvß.n Mängel iv.dbt nb- zulcugnen sein. Es war aber in Anbetrach: d r bisherigen Form her Orgamsatton c.nfach nicht möglich, durchgreifende Maßnahmen in N: W:ge zu leiten.

Die Besprechungen über all die Oin^clbcutn be» gesamten Gesetzentwürfe» ber Ar: c tsiosen- Versicherung sind nunmehr mit Abschluß der ersten Lesung be» Gesetzentwürfe« a d g e s ch l vs- fen: man darf gespannt fein, inwtewe.t sich diese Refvrmpläne auch im Rahmen des Deseve» durchsetzen werben. Auf alle Fälle ist e» > r- freulich, feflftellen zu können, baß man endlich eingesehen hat. eine Lösung der ErwcrbSlolen- ftage nicht nur einseitig auf bem Wege einer Lösung ber Erwerbslosen - Unter ft ü^ung«- frafle zu fördern, sondern vielmehr dadurch, baß man btc Frage ber Arbeitsbeschaffung in erster Linie in Erwägung zieht. Wenn e» sich hier auch zunächst nur um formale R«Uerunae t handelt, fo ift es doch immerhin schon Anlaß genug, bann eine Inangriffnahme ber Lösung de» ganzen Problems nach dieser Richtung bin zu sehen: hoffentlich bleibt es aber nicht nur bei ber bloßen Theorie.

Minister Krausneck f.

Tödlichcr Ilnsilücksfall de» baßrifchcit Kinanzminifterc-

München, 12. Juni. (Wolff.) f)rutr vormittag gegen 10.30 Uhr verunglückte der bayerische Staats­minister der Finanzen Dr. strausneck beim Ein- springen in die Straßenbahn an der Arnulsstraße am Starnberger Bahnhof in München tödlich

Dr. ttrausneck wollte seine Gemahlin besuchen, die erkrankt ist und In der chirurgischen Klinik liegt. Als der Minister am Starnberger vahnhos die Straßenbahn besteigen wollte, kam er zu Fall und erlitt einen Bruch der ßalswlrbetsäule sowie Verletzungen des Rückenmark« und an den Augen. 3n einem Kraftwagen wurde der Minister, der zunächst, da er keine Ausweispapiere mit sich führte, nicht erkannt wurde, nach der chirurgischen Klinik gebracht, wo er wenige Minuten nach der (Einlieferung gestorben Ist. Da der Minister, wie bereits gemelbel feine Ausweio- papierc mit sich führte, laqeralsunbefannfcr Toter nach der (Einlieferung in die chirurgisch? Klinik dort bis nachmittag» 3 Uhr. Inzwischen turnen die Sühne des verunglückten Ministers wegen des Ausbleibens ihres Vaters besorgt und wandlen sich direkt an den Ministerpräsidenten Dr. Held, um Auskunft zu erlangen, desien Mahnung sich in der Rah? der Wohnung bes Finanzministers befindet. Ministerpräsident Dr. Held vertröstete zu­nächst die Angehörigen und zog hierauf direkt Er­kundigungen bei der Polizeidirektion ein, wo ihm mitgeteilt wurde, daß In der chirurgischen Klinik ein Toier liege, der an seinem Finger den Ehrenring des Deutschen Museums trage. Dem Ministerpräsidenten war bekannt, daß Dr. Krausneck bei (Eröffnung des Deutschen Mu­seums durch die Zueignung des Ringes feilens der Museumsleitung geehrt worden war, und begab sich hierauf persönlich in die chirurgische Klinik, um zu seinem jähen Schrecken in dem Toten seinen ver­unglückten Minislerkollegen zu erkennen. Reichspräsident von Hindenburg und Reichzkanzler Dr. Marx haben noch am Sonntag Beileidstelegramme an den Ministerpräsidenten Dr. Held gesandt.

Friedrich von Payer.

Tie Keier seines 80. Geburivtagco.

Stuttgart, 12. 3uni. (Wolff.) linier großer Bet.-iligung fand am Samstagabend die Feier des 80. Geburtstages des bekannten demo­kratischen Politikers, ehemaligen württembergi- schen Kammerpräsidenten. 1917/18 deutschen Vize­kanzlers Erzellenz Friedrich v. Patzer statt. Die Reihe der Festansprachen wurde eingeleitet durch eine Rede des Vorsitzenden der Dcntschcn Demokratischen Partei Württembergs, des Land» tagsabgevrdneten Geheimrat Dr. Bruck mann, der die Verdienste Payers um daS Vaterland und die Partei in eindrucksvollen Worten wür­digte und am Schluß seiner Rede eine goldene Vase, eine Arbeit der Goldschmicdekunst au« dem Jahre 1847, dem Geburtsjahre Patzers, dcm Jubilar überreichte. Hierauf sprach der Vor­sitzende der Deutschen Demokratischen Partei des Reich«, Reichsminister a. D. K o ch Er gab einen Ucbetblid über da« politische Leben v Patzers, über die Höhepunkte seiner Tätigkeit als Partei­führer unb über seine Wirksamkeit al» B,ze- kanzler. Der Redner überreichte bann dem Ju­bilar ein kostbares Ehrengeschenk, ein Wer! dn? Bildhauerkunst, einen P^erdebändig<5r darstellend, ber bas Wesen der Lebensarbeit Patzers trefflich symbolisiert.

Von stürnnschem Beifall begrüßt, ergriff hierauf Geheimrat v. Patzer selbst da« .Wort. Er schilderte bie Verhältnisse, unter denen et einst ins politische Leben eintrat, unb hob her­vor. was ihn zur Seimrfratie geführt habe, näm­lich die Grundauffassung de» gleichen Rechts für alle und des gleichen Rechts aller. Am schönsten erscheftHe ihm jetzt kn Lichte der Ge­schichte die Zeil, da seine (Bartet noch keinerlei Varcnttwvrttrng hott«, unb Re die bemr4eatischy,