Nr. IN Zweiter Blaff
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Sreitag, |5. Mai |927
„Ohne Kolonien Volk in Not!"
Ho« Gouverneur z D Tr t> C t" > t *Ä b. X*)
Wenn tn allen Zellen ter Roum für ein Ho« tu tag »utbt. fo zog die erwachsen« Jugrnb hUMu«. «m Raun, für neue 3n1leMungen zu ocetnnen Lp^.r«r irai an bu öielle bie 3u*- Konbnuna gr»h«t Boitiieile bie in bet Heimat fctn« 4cc.lommer.imfraU4>!‘U ballen Da» führt« Aut groß«- Überieeifcher Äolonien
Hbet Deutschland blieb davon
C«me Aus wanderet gingen ihm mangels eigener Kolonien grötzienteUs verloren.
ar f tne Reuzett lab eine 2tenterung. tne •ms dlung der modernen WeUwlrt'cha'i der Lechntt. der Jnbuftrte. der Efenbahn. Damps- ld>'Ubrt und fonftlaer Verkehrseinrichtungen bot bte Äögllchke « größere Volksmengen tn eine« Lande zu ernähren als der eigene Baden erhallen könnt« Aber ein übervölkertes Land erfordere al» Ergänzung überseeisches (Bebtet, um daraus Bahrungsmlttel und Rohstoffe zu gewinnen. um Inbustrieariikef adzufeven und Aus- Wanderer aufzunehmen l'Jw .rl bat dem deutschen Volk ein große» Kolonialre.ch erworben, bas bet längerer Entwicklung den deuttchen te- btirfnillen In wacht ende« Blaße entsprochen bähen würde
9« waren große u icnttt-tdclu Länder von etwa der sechsfachen Fläche des jettgen Deutschen Reiches Der Erfchließung ftanden mann g- lache f)u k itn non
die behunbtgni Kümpfe der ».ngeborenenflämme j.uerrinanber waren Erst nachdem Frieden und ung in de,
konnte eine großzügige wirtschaftliche Entwicklung einfetzen Ader die Zeit deutscher Kolonisation war zu kur», um eine volle Entwicklung zu ermöglichen Rur 30 Jahre waren die Kolonien m deutschem Besitz als der IMthieg ausbrach und die Enttr-icklung )db unterbracht In dem Tertailler Diktat f rieten ift bann Deutschland der Verzicht auf seine sämtlichen üterfea'tten Gebiete ausgezwungen wordei' Die Kolonien sind als Mantel« unter bie Mächte verteilt worben, wobei England und seine Dominions den Haupt- leil et ballen haben Begründet wurde die Weg- uuhme der deutschen Kolonien durch die langst als unttkibr ent Jene Behauptung, daß Deutschland sich al» unfähig und unwürdig zum Äolonl- Iteren erwiesen habe ©o ift Deutschland gegen- rärttg in>ch vollkommen ausgefchloffen von eigenem Äc li mulbv >t i>
Darauf beruht die Bot des deutschen To!MT 6te beruht darauf daß unser ständig zuneßmen- des grrße» Volk auf zu kleinem Raum zu - sammengeschlofsen ift. ohne eine für leine Erhaltung genügende Bodengrundlage zu besitzen.
Diele Bot iß eine wirtschaftliche Bot Deutschland ift übervölkert. Es vermag die für die Erhaltung eines großen Teils des deutschen Volkes «rford.'rNchen Bahrungsmlttel und Roh- Helfe nicht au' eigenem Boden zu erzeugen. Dabei nimmt die Bevölkerung beständig zu. De Vermehrung betrug in den letzten fünf Jahren durchschnittlich eine halbe Million Köpfe führflch. O» mu'kn für Milliarden Reichsmark Bohrung»- Hitttcl und für weitere Milliarden Beichsmark Aohstosfe für unsere Industrie jährlich aus dem Ausland eingelubrt werden Für die Bezahlung fiebt un» im wesentlichen nur untere Arbeit zur Verfügung Dir müssen aus ihr die Beträge lur Bahrungsmlttel und Bohstosfe an jene Böller vorwego. zahlen, bie im Besitz der überseeischen Rohstoffquellen find Das bedeutet, daß nir mehr arbeiten müssen und weniger für uns au» geben können als jene anderen Bationen. Es dar notwendigerweise zur Folge, bah die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters und schließlich des ganzen deutschen Volkes herab- sinken muß g<gtnüber der Lebenshaltung jener anderen Bationen. Boiwendig ist die Erweiterung der deutschen Bodengrundlage durch Wieder- eriangung von Kolonien
Die B« Zahlung unserer Einfuhr erfolgt baupt- «ächiich durch bieAusfuhrvonIndustrie- ar titeln In» Ausland Dem Abfav steilen sich große Hindernille entgegen, besonders in den
•) Bort rag gehalten auf der Tagung des Bundes der Kolonialsreunde In Gera.
Probleme der Weltwirtschaftskonferenz. Der Welthandel.
Die Senderungen in her Deinmristhaß seit dem Dteitknepe fommen am krossesten tn brr Verschiebung btt «Irntzanbes »umsatz,» der ein Minen pro- her. *y.r.'d>j':^9rt>'.eu ber <ktte |um flu»brud. Während ber hantel Europa» um 1') Prozent zu ruckgegangen :*! und her ber coroieiumon sogar um Prozent mrnigrr rst al» der der Vorkriegszeit weifen alle übrigen Länder (mit Hutncb nr fliger-rnt un? Euteinfo») eine recht erhebtiche Steigerung de» »anbei»umfaße, auf. fln der Spitze b»r*er Entwicklung der überseeischen Staaten stehen
b«e l'ereungten ök.- :e-i pon firnen la eu* einer Ui satzsteigerung von 12*< Piezent Der Leidtragende biefe» Hi/'dxrungf*. der ..txrKri’itwn Länder ist Europa desten mb-uunele 2u,fuhr durch di« 6ni- itehung neuer Industrien m den anderen ürbteikn immer mehr abninunt und da» antererfni» bie Aogiichto.en auf dem Marli, der Sowjetunion au» politischen Erwägungen bieder nur zu einem kleinen leti au»genutzt bat. Die Erschließ-ma neuer Sbsanmarktr <ür den ruropaildKn »anbei ilt daher ein Kernproblem der Weitwirtich.ill»konfe«nz
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Probleme der
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Der Welthandel Ö Steuerung (») ■i'err.ndemngi-ldes
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Zollschranken und in dem Bestreben de» Aufbaues neuer Industrien in den verschiedenen Ländern, deren Zahl durch die Friedensdiktate noch erheblich vermehrt ift Eigene Kolonien bieten dagegen sichere Absatzgebiete 3e größer btc Entwicklung der Produktion in den Kolonial- gebieten ift. um so aufnahmefähigere Absatzgebiete bilden sie auch für die Industrie des Mutterlandes
Endlich können eigene Kolonien zum mindesten einen Teil der Auswanderung auf- nehmen. Gegenwärtig müssen die deutschen Auswanderer ausnahmslos tn fremde Länder au»- wandern Die deutschen Kolonien, wie wir sie belaßen, würden nach ihren natürlichen Der- hältnisfen zwar nicht die gesamte deutsche Auswanderung aufnehmcn können, aber doch einen wachsenden Teil derselben. Auch würden sie in ihr, n 1 Ich! lur dauernde 4 oon 2uro-
Äaulleuten. Ingenieuren. Aerzten und Angehörigen anderer Berufe die Möglichkeit gekicherter wirtschaftlicher Existenz bieten.
Heben der wirtschaftlichen Bot fleht die feeIifche Boi Da» 3u|ammengebrangtfein eines großen Volkes auf zu engem Boden führt fu einer Verschärfung der Interessengegensätze, ührt aber auch zum Meberwuchern kleinlicher De- sichlSpunkte Es fehlt der Spielraum für den einzelnen, es leblt aber auch für das ganze Volk der weite Horizont. den die Kolonisierung weiter überseeischer Länder mit sich bringt Das Volk bleibt m engem, kontinentalem Denken belangen Die Fähigkeit zur richtigen Beurteilung und Behandlung fremder Völker wird nicht entwickelt Das bringt schwere Bachteile für die Bation mit sich.
Auch in kultureller Beziehung vermag d>e deutsche Bation sich ohne eigenen Kolonial- belitz nicht voll zu entfalten. Die die deutfche Wirksamkeit zur Entwicklung und Hebung der 0 ingeborenent'älter der deutschen Kolonien für diele den größten Segen bedeutet hat, so hat auch umgekehrt die koloniale Betätigung tue stärksten Bückwirkungen auf die deutsche Wissenschaft — es mag hier nur an die großen Erfindungen von Btlamv'ung irrrt'dxr Xtanf- beiten und Seuchen erinnert werden wie auf das gesamte geistige Leben gehabt. Ohne jene überseeischen Dirlungsmöglichkeuen vermag auch die deutsche Kultur sich nicht voll zu entfalten.
Angesicht» der modernen Hnabhängiglett»- betoegungen farbiger Völker ist die Frage aufgeworfen worden, ob es überhaupt noch an der Jett «ei. eine Kolonialpolttik mit Besitz eigener .Kolonien anzustreden Die Frage entbehrt nicht de» Grunde» In Ehina und anderen Ländern A'ien» sowie in llorbafrila sind starke nationalistische Bewegungen im Gange, die im Falle Shina« voraussichtlich »ur Wiedererlangung der vollen Souveränität führen werden und bei den anderen Völkern zum mindesten eine stärkere Beteiligung an der Regierung zur Folge haben dürsten als ihnen bisher gewährt wurde. E» handelt sich dabei durchweg um alte Kulturvölker welche die Fähigkeit besitzen, nationale Gedanken zu versolgen und zu verwirklichen. 3m Bereich solcher Völler strebt Deutschland keine Kolonien an. 2s würde aber ganz falfch jein, trenn man die für jene Kulturvölker gelten den Gedankengänge auch auf die Eingeborenen- stamme anwenden würde, die fene Teile Afrika» und der Südfee bewohnen, in denen die unter Mandatverwaliung gestellten deutfchen Kolonien liegen Jene Etngebvrenenstämme sind nicht genügend entwickelt, um solche Ideen zu hegen und durchzusühren. Sie sind außerbei-i in Sitten, Anschauungen und Sprachen voneinander so verschieden. daß auf lange Zeiten hinaus ein einheitlicher Zusammenschluß nicht als im Bereich de» Möglichen liegend erscheint. Dor allem ater sind sie noch weit entfernt von der Fähigkeit, jich leibst zu verwalten. Wenn die Weißen sich Sirückzieheu und die Eingeborenen lelbft sich verlassen würden, so würde lediglich der frühere Instand der gegenseitigen Kampfe wieder eintreten, der eine friedliche Entwicklung au»- schl'.ciien würde. Bei dieser Sachlage würde es völlig verfehlt sein, wenn D.utlroland sich mit Bücksicht aut die Seliständigkeitsbewegungen sar- biger Böller von der Kolsnifatton in jenen Ländern fern halten ivürbe. Aber leibst wem, einmal eine Seilständigkelt jener Böller eintreten sollte io würden lie naturgemäß mit jener Ba- tum in Derbmdung bleiben, die bis dahin die Verwaltung geführt hat, vorausgesetzt daß das ihren Anschauungen und Wünschen gemuh gc» schad Daß wir Deutschen in dieser Beziehung nichts zu befürchten haben, beweist die Treue, welche die 3 in geborenen unserer Kolonien uns un Weltkrieg bezeugt haben, ganz besonder» in Deutschostasnka. wo wir nur dadurch imftantc
-rarer, un» den ganzen Krieg hindurch zu hallen. Auch b.f vielen I<!chen der Zuneigung weiche be'onder» tn DeuiiSoßalrlli die E ngebote, en beim Wie de rern freßen Dc-ticher tn dem jetzige« Mandatgebiet gaben, lassen erkennen daß WC e n geborene Bevölkerung btc Auckiedr der heutigen .^errlcha't mit Freuden leben wurde
Welche» lind kie Wege i. n b Au » 11ch -
0» gilt einmal, die koloniale Schuldluge endgültig zu beseitigen In dic'er Beziehung hnb i ereil» große Fortschritte gemacht morden, in»* t-r'pndcre hat die ernst haße Prel'e der angel- 'achllschrn Länder ’ie un wesentlichen bere ts faNen gelassen Aber doch muß dreier Ka npf
halben die durch iHe krtegsprvl n,:anda geschallenen fallchen Ikidlellunger. bee tigt lind und in manchen Ländern noch weiter fvrrwirken S.» müllen aber vollständig au» der Zelt aeschaftt werden, da he etn -»mdemi» für den Dieder- emtutt Deutlchland» in die Beihe der Kolonialmächte bilden
Die deutsche Bcgterung bat in dem Memorandum vom September 1W4. in den die Ter* aUmsetzungen lür den Eintritt Deutschland» in den Völkerbund fe’igelegt wurden, auch die koloniale Frage berührt E» wurde Mein gesagt: .Deutschland erwarte zu gegebener Zeil aktiv an dem Mandat»ivstem beteiligt »u Werdern von den Staatsmännern der Alliierten wurde anerkannt, daß Deutschland nach seinem Eintritt tn den Völkerbund ebenlo wie andere Mitglieder desselben für Äolnnialmandaie kandidieren könne Hierin hegt im Gegensatz »u Na srüderen Boten zum Beesailler .Friedensdiktat. in denen Deutschland die .Fädigkeit zu kolonisteretr abgelprochon wurde die An.rkennung daß Deut'chland wieder geeignet ift Kolonien «u verwalten. Aber die praktilche 3u»iübrung durch '.Übertragung von Kolonialmandaten ist doch, obwohl keiitichland im Seplember vorigen Jahr.» al» Mitglied in den Völkerbund eingdreten ist, noch n.cht erfolgt Diese Forderung muß weiterhin mit Bachdruck erhoben werben
Aber es genügt nicht, daß die Begiftung Ansprüche erhebt 2» muh dahinter her einmütige Wille des deutschen Volkes handelt 'ich um eine
eine einheitliche nationale Front dem Ausland gegenüber bilden. Wir haben die Aussicht uns darchzusehen 2» hegt auch im Interesse jener anderen Bationen. dah das übervölkerte Deutschland einen Auslaß erhält, und daß dem deutschen Volk die Möglichkeit gegeben wird, auf eigenem Gebiet über See Bahningemin I und AvHftosse zu seiner Erhaltung zu erzeugen Die ständig zunehmende Bevölkerung Deutschlands
’ t tn sich bie auch ihre Au»w r'
Eine wirll'che bau.
.'erständigung zwilchen den Bationen. an der alle .in Interesse Haben, ist nur möalich wenn detr deutschen Lebensnotwendigkeiten Genüge geschieht
., Deutichland ale gleicht' ' on auch au' foloniakm
Dah diele» Ziel erreicht wird, daran muß
Gedanken ersaßt ist Ganz besonder» fällt BiHe . C.x feldst ui deutschen .". lonl n acwisen sind oder die sich mit den koloniale« yragrn befaßt haben ilbtc Arbeit ist notwendig, do ja die deutsche ÄolontaUeit zu kurz war. als
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hätte emgeben können. MU ber Vvt der Zeit ift bie Erkenntnis im Wachsen begriffen, aber e» bedarf noch der Mitwirkung jedes einzelnen Kolo-
- schlofsenheil erreicht wird, die notkoendig ift damit wir une in der Welt durchsetzen
Lprrchfkttnden der Ncdakkiott.
12 bh i Uhr mittag», 5 bl» 7 Uhr nathmlftafC Sam,tag nachmittag geschlossen
Jur unverlangt emgesandle Bl a naffr iplt über deigesügte» Rückporto wird keine Gewähr ■ übernommen
Albrecht Thaer.
Zu feinem 175. Geburtslage von Dr. Hellmul Thomafius
Dir wissen es gar mchi anders, als daß tue LanbwiNicholt eine Dii'e >lchaft ist. Ine sich aut ein ziemlich umlangreiches Gebiet erftreckt Ehernie und Phyfll. Botanik uod Zoologie Bak- leriologie. Meievrologic und Slimatolegit. sowie no4> zahlreiche andere selbständige Wissenschaften werden m ineitcm Umfange herangezogen. um landwinfchofthchc 2de!ge zu erzielen. Vicht immer ift es so gewesen! Wir können uns gar nicht mehr vorfteilen. daß man einstmals Land- virtschalt in einer Form betrieb, der jede willen- ichastiiche Grundlage fehlte. Man säte und erntete, man züchtete Tiere in genau der gleichen Weite wie cs schon ktze Väter, die Grob >.!er und deren Väter und Großväter getan hatten. Da hatte sich nichts, aber auch gar nichts geänberi Freilich traten verschiedene Erfahrungen gesammelt worden Aber he waren, betrachtet man fit vom Standpunkt der heutigen wissenschaftlichen Land- w'rischasl aus. nicht allzuviel wert. Bückschläge und Mißerfolge konnten nicht ausbleiben Man half fich darüber mit Aberglauben und mit allerlei Hausmitteln hinweg, die oft mehr schadeten als nützten
Immer deutlicher zeigten sich die Folgen, der Boden verarmte, der Baubbau. den-man an ihm treb. laugte ihn aus. Die Enrägnisse gingen zurück. Ilm sie zu steigern, ließ man die Selber brach liegen. Die Erfahrung hatte gelehrt, daß sic sich dann erhoben. Die Zeil der Brache trat aber außerordentlich lang 6k trug desyall» ba*u bet. das Srträgn.» noch weiter zu verringern. Die Gctvcidetonen. bte man anpflanzle. nciHcbcn nur bei günstiger Witterung. Starken Veränderungen des KlimaS vermochten fit nicht zu widersteven. Man erkannte nicht, daß c» möglich trat, die Brot frucht an ein behür.-te» fXLüna zu gewöhnen und durch richtige Auswahl bet Sorten widerstandsfähigere Arten heran- zuzüchrcn
Wie auf dem Gebiete des Getreidebaues, fo auf dem der Tierzucht. Seuchen wüteten unter Bindern. Schweinen und unter dem öe*lüget Der Milcherrraz war gering, die Wolle spärlich
und kurzfaserig. Mit den sonderbar sten Medizinen. mit abergläubifchern Tun wollte man dem entgegemrirlen
Was daraus entstand, erzähle, uns die alten EHrvniken. erkennen wir heute noch In den Mu-
Pa l egen immer noch in den innen die winzigen Brötchen, die in die4em oder jenem .Hungenabr gebacken wurden. Derartige Hungeriahre folgten aber ziemlich rafch aufeinander. E»n früher Winter, em später Frühling. Stürme und sonstige klimatische Beränderungen genügten, um sie herbeizufübren Mm die Blüte des neunzehnten Jahrhundert» fianb Deutschland vor einer Kata'trvphe Der Ertrag des Bodens war derart ^urüdgcganprn, daß er für die Bc- DöUerung bet weitem nicht mehr ausreichte, aus der zeitweiligen Hungersnot drohte eine chronische zu werden
Denn diese Gefahr mit ihren unabsehbaren Folgen abgewendet wurde, so ist es das Verdienst zweier Männer, m denen wir die Begründer ber modernen wissenschaftlichen Landwirrfchaft erblicken dürfen, bc» Verdienst Albrecht Thaers und Justus von Liebigs. Xhoer war damals, als man die nabende Katastrophe mit allen ihren Schrecken erfannte. schon g<- ftorbi-TL Aber die Grundsätze die er für die Bodenkultur sowohl wie für die Tierzucht auf- gestellt hatte, begannen sich gerate zur rcdfeUn Zeit allmählich durchzusetzen Man hielt damals m der Landw.rrfchafl am Allen fest, war Beuern wenig zugänglich Deshalb dauerte es saß an halbe# Jahrhundert ehe man sich m weiterem llnrfanac zu dem befanrae. was Thacr gdchrt hatte. In Thaer müllen wir den genialer. Bc- vbachier and kühnen Erperuneniator auf dem Gebiete ter Landwirtschaft erblicken. Ltebig voll- endete da» Werf durch die gründlichen wiUen- Ichaftlichen Forfchungen. aus denen er die richtigenFolgerungen zog
Albrecht Thaer war von Beruf nich: Landwirt. Al» Sohn eines Arztes am 14. Mai 1Z32 zu Selle geboren, soll« er wieder Arzt werten, um derer-ä de SkUung seine» Baters al» Hof- rncbihi» zu übernehmen Sem Baler ließ ihn durch Hauslehrer zum Studium vordere-.:e- Im Jahre 1771 bezog er die Mnwcrfiläl Göttir gen. Al» fein Vater starb, trat er an dellen Stelle. Er bekam eine auSgetehn« Praxi» und tourte
zum Hofinedilu». später zum Leibmediku» des König« ernannt.
BlerttoürtMgc Umstände waren es Vorgänge seelischer Batur. bte ibn der Landwirtschaft zu- jübrtCTi. Er ft and am Krankenbett seiner Freunde und kounle ihnen n.chl helfeti. bunte ch« Schmer- zen nicht andern Da verzweifelte er derart an ter Medizin, daß sogar seine Gesundheit darunter lüt. 2r suchte Ableitung in ter «Zucht von Blumen und von Obfl Draußen vor den Torrn Ieiner Vaterstadt erwarb er ein Grundstück, auf dem er bald mehr verweilte, al» am Krankenbett. Schließlich ging er von ter Blumen- und Oblt- fuliur zum Ackerbau über. Datei kamen ihm die Kenntnisse in hohem Maße zustatten tnc er sich -■ibmib I einer Stud.e^tzeit aus den Geotcien der Ehemie. der Botanik und der Zoologie erworben hatte Mit richtigem Blick ertön .tc er. daß vieles, was man in der Landwinfchast trieb, unwmunf- tig. unpraktisch ja manchmal sogar unmittelbar schädlich war. Bun batte Tiiacr eine neue Lebensaufgabe gefunden. Er gab seine Prans sowie den ärztlichen Beruf vollkommen auf und n>andtv sich ausfchliehl ch ter Landwirrfchas! zu
Mm die Bcrlabren in anderen Ländern kn- nenzulerne^ irmchee er ausgetetyte Reisen. Be- riit» 1796 ließ er sein drnbanNgt» Werk .Einleitung zur Äennm.» der engl 'chen Lcndwirf- schast" erscheinen, da» schon itn Jab« 1816 seine dritte Aullage erlebte. Aul seinen Feldern ater tegann er mit Berfuchen. über tee die Landwirte der damaliger. Zeit den Kops schüttelten. Dor allem erfannte er den Schaden ter langer. Brache. In der Grafschaft Rorfvlk in England hatte er die ’ogenarmtc .Borfol 6er Fruchwechfel wrrl- fchaft kennen gekernt. Hier wird zuerst Winter- get«idc kann Klee gepflanzt Thaer brachte tr.de Wechfelw rtschalr in Formen, wie fk fich für den deutschen Boden und für deur'ches Ge- irr.te eignete- Er gab chr eine forgfältig durch- grcrbcitctc w/'er.tchaflliche Begrün >u.ng und irigte vor allem, daß durch fie der Schaden ber fangen Brache wegfällt. Mm feinen Ideen und fernen Erfolgen weite« Verbreitung zu verschaffen. tegragten: er 1799 zu Geile eine land- wirrfchaflliche Anstalt ’ornic eine landwirtichafv' tchasll.che «Zeitschrift, btt .Banalen bet Bzebcr- fächltschcn ll'andw-.rrschafi . Die lanteviNschallliche Anstalt wurde bald darauf in «ne .Landwirt-
fchaftlichc Akademie" umgetDOndelt. zu ter er Schüler bet an zog
Wenn fich auch die Landwirtc zunächst sträubten, den bleuerer Thaer anzuetkennen her i*on Beruf ja nicht einmal einer der Ihren war. fo erregten 'eine tatiächlichen Erfolge doch bald Aufmi-rllamkcit Der König stellt ihm im Oder* bruch Land für feine Zwecke zur Verfügung Da sich aber hier btt Berhaltniffe ungunsllg ermtrien,
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[in einen eigenen Besitz, auf dem er unter gün* chen leben fonnie.
In Möalin .-ntfaltct Thaer eine reife und viel* teirige Tätigkeit Hier schreibt er feine .Grundsätze der rationellen Landwirtschaft", die auf lange omau» maßgebend bieten. Don Mäglin ging bte wtfsenla^llache Begründung des iand- wtrtfchaftlichen 'Betriebes aus. die fich auf die verfch ebensten Gebiete erstreckte. Bach tote voe bemüht sich Thaer um bte Einführung des Fruchtwechsels Dann aber pflanzt er Kartoffeln und rechnet ten Landwirten vor, welcher Gewinn sich aus dem Altbau dieser Frucht erzielen läßt, vorher hatte die Regierung Gewattmatzregeln antt-enben mü"m. um den Widerstand der Land- to'.rtc gegen den Karl off elbau zu b«chen Thaer zeigte, daß b e Kartv'teln nicht nur etn wichtiges Bohrung«mitel für ten Menfchen. sondern auch ein gutes Fuller für Schafe ift und daß man daraus mtt viel Vorteil Spiritus brennen kann. Ta ÄartoffeCbau und Schafzucht Hand tn H^and geben müllen, fo wendet er fich auch dreier zu. Hier ist es nun. wo er feine größten und das meist« Aufsehen erregenden Oriolge erutit Durch Kreuzungen durch ger-.gnele Pfleg« und vor allem durch vernünftig« Ernährung gewinnt er eine Wolle und Wolle«rägnille. btt un vergleich zu den gewöhnlichen Stiftungen wie ein 1Bunter anmuten, vor überall her eilen bte ßcnbtrr.rie nach t-em früher fo unbekannten Möglin wo rnzw 'chen gleichfalls eine Akatemte entfUmteit war. um. Jteert Schöpfungen zu besichtigen. Dieser selbst tenc nzwischmi gllseitige 2lnerfen* nung gefunden, er war zu hohen Öhren erntet* gestiegen und hotte einen uxrigetenten Einfluß auf bte lanter^ rtschaftliche Grfeygebu.ng auägeübt 2ll» et am 26. Oktober 1823 starb, hatten feine Itecn betx-.t» setzen Bober, gewonnen. Ihre Der- breitung war nicht mehr aufzuhalten.


