Ur. 87 Erster Blatt
(77. Jahrgang
imttmodh 13. April 1927
t>n<r nb DfTlog: BriblW Untoersilätrvach an! Sttiabndtrti K Lange la Glezen. Sdfriftkitang UN- Aefd?dft$fteBe: Schaftttatze 7
Englands Finanzlage
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Freispruch im Colmarer Autonomieprozeh.
ungewohnte ll eberrasch ungen bringen, feiern die bet Schahkanzlers in Erfüllung
UTlflC , Hoffnungen gehen sollen.
Veränderungen in Nord-Osteuropa.
Don un’emn Sa.-Berichterstatler Warschau. April 1627. Ihr DettMplomatte zeigt ein« (kbjaftig- die alles Gewohnte üben risst, übn. Mn
Kabinetten der Kenhnente liegt eine Stimnuuig wie an erregten DbrseiUaoen. Hausse ober Baiff e. für Trieben oder für Krieg? Die «ablrrldxit Abkommen aber. Bündniffe.Rtchtangrisieveriräge. Reutralitätszufagen usw was sind fi« anders al» Termingeschäfte, Spekulationen i b hautac ober i b baistc des Statusquo?
Die Zone des nächsten Ostens", in deren Wttte sich der diesige Bevbachkungsposten befindet. spielt habet zur Zeit zwar nur d.e zweite oder dritte Rolle. Wan bclinbet sich hier so-
Erich»int täglich.anher Sewwiegt, um» Feiertage
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2 Retchrmori, enb K) Geichapsenniq fftr Träger» lohn, auch bet Nichterscheinen einzeln er Nummera infolge höherer <8<»alL
I Ferasprechanschläsfe: 61. 54 unb 112.
Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gletze«.
vaßscheckloato:
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last im Reich unb in den Ländern geaenübet- stehen. Weiter kommt hinzu, baß England die Hälfte der Staatseinnahmen für den Zinfen- dienst der Staatsschulden verbraucht, b« ist, da die
Nach» ma, voetze«.
Peet» ftr l ma hstze für Injetctw »an 27 mm Brette önkch 8, aaawäN» 10 Netchapfeamg- für He- biameantr-.ge« oen 70 m Breite 35 Keud»pfe«wg» Dbtzvorschri't 2D" . mehr.
Edesredabteur Dr. Fnedr Dich. Lange. verantMonltch für Doltttd
Feuileton Dr H Ibnriat; für den übrigen led Ernst Dlitmschein^ für den Tin- »et gen teil Murt Atlmenn, sämtlich in Gießen.
GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Zinsen ja *im größten ten zuritcksliehen.
Mn» intereffiert am meisten da» Schul-
staatoanwaU fragt. „Sinb Sie ein guter Franzose?" Haegy antwortet: ..Ich glaube Frankreich zu bienen, indem ich dem (H|afo biene.“ Der Verteidiger Hel- >/y», f)enrl-9tobcrt aue Pari», erhebt sich unb ragt: „Nehmen Sie Ihre Klage »urütf?“ stroste Verlegenheit bta tlbbt» Haeay. der sich an einen Mboofakn straehisttg wendet, der hierauf sollende» erflärt: „Nach der wunderbaren ‘.Rebe de»
richtsrat» v. Kaneke zu MinisterialMrektoren im Rerchsi»menmrnisterium von her Presse je nach Part ei st and punkt lebhaft diskutiert. 3n der Linkspresse, besonders im .Vorwärts'. wird heftige Beschwerde über die Ersetzung verläßlicher republikanischer Beamter durch ^Zugehörige des .Schwarz-Blauen Block» geführt, unb e» wird fo dargestcllt. al» ob es sich dabei um einen »ungewöhnlichen und unerhörten Vorgang le. ,
Bei objektiver Betrachtung wird man diele Auffassung nicht billigen können. Gewiß ist seit dem Gintreten einer relativen Beruhigung in unteren politischen Zuständen auch bei einem Wechsel in der Regierung mancher an sich wert- geschähe Beamte auch dann in seiner Stellung verblieben, wenn er politisch dem neuen ReiLö- kanzler oder Minister fernstand. Wer man hat nicht von ungefähr bald nach der Revolution hie Bestimm una geschaffen, wonach Staatstekre- täre und Ministertaldirektoven in politifchen M- nifterien al» politische Beamte zu gelten haben und jederzeit bei einem Wechsel des Reichs- tatuler» oder Ministers in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden Gmnm. um von dem verantwortlichen Leiter des Resioris durch Männer feines Vertrauens erlebt zu werden. Das ist mit dem Posten des Staatssekretär» der Reichskanzlei und demjenigen des Reicheprcl'e- chefs noch bei fast jedem Kabinettswecr'el ge» fchehen unb auch in anderen Rriforrs vorgekom- men. Gerade die Linke hat doch jedesmal, wenn sie an das Staatsrud.r kam. nach Grüften überall ihre Leute unterzuschieben versucht. Die Vergangenheit kennt Beispiele genug, wo man auf der Linken nur nach der Parteizugehörigkeit der führenden Beamten, nicht aber nach ihrer Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit fragte. Wenn je^i im Reichsinnenministerium die Kultur- und die Derfassungsabteilung in die Hände eines Zen-
ileser Reise »urückkehren unb ein flufer Franzose fein.“ Haegy erhob sich unb sagte ,Hch habe biefen Prozeß au» einem natio- nalen Gedanken heraus geführt, weil man gesagt hat, ich sei em Agent Deutschland». Der General-
denproblem. zumal hier die Derkeltung mit den Daweslasten besteht. Churchill beziffert die gesamte Staatsschuld Englands auf 150 Milliarden Mark. Die äußere Schuld beträgt rund 21 Milliarden Mark, von denen über 18 Milliarden Mark auf den Anteil der Bereinigten Staaten entfallen. 3n der oewattigen inneren und äußer en Verschuldung kommen Ne Kriegs- kosten zum Ausdruck, die durch die Sieaes- beule nicht entfernt ausgeglichen sind. England selbst hat von seinen Verbündeten noch rund 40 Milliarden Mark zu fordern, von denen die Sortierung an Rußland In Höhe von 16 Milliarden Mark mehr als zweifelhaft, wenn nicht gar uneinbringlich ist. Sn gl and gibt heute für Heer und Marine 2400 Millionen Mark aus. was eine erhebliche Derficherungsprämie für die Siegesbeute ausmacht. Die Genfer Ab- rüstungSverdandlungen haben auf den Dvran- schlag für 1927/28 keinen Einfluß ausgeübt Thur- chill läht den Posten unverändert, wobei auch hie Rücksicht auf die Verwicklungen in China eine Rolle spielt. Wer noch laßt sich nicht übersehen, wie hoch die Rosten für die Verteidigung des englischen Imperialismus tm fernen Osten sein werden. Das englische Dolr ist willens, die Derficherungsprämie weiter zu bezahlen. Ss hat im nahen und fernen Osten mehr zu verlleren. al» die Ausrüstungs- und Unter- haltungskosten für 20 000 Soldaten und 40 Schiffe.
Churchill hat unter dem Beifall de» Unterhauses betont, hast England trotz des Fehlbetrages. trotz her Strcikverluste. feine Stellung al» finanziellen Mittelpunkt der Erde aufrecht erhalten habe. Aber eine Verschiebung ist auch hier festzustellen. Gewiß. der englische Geldmarkt ist gewaltiger Anstrengungen und Leistungen fähig. Rur ist England nicht mehr wie in her Vorkriegszeit der Geldgeber. Während vor dem Kriege die englifche Regierung den eigenen Geldmarkt wenig oder gar nicht in Anspruch nahm. ist sie heute der Hauptkreditnehmer. Beispielsweise ging vor dem Kriege her Strom der Kredite in die Kolonien und in fremde Länder Da» schaffte jene finanziellen Verflechtungen, hie Me Zah-
»licke, den die wunderbare Rede be» Staatsanwalts hat entstehe» lassen, fordere ich den Abb» Haegy aus. sich zu erheben unb mit mir auszurufen ..Vive ia Franc«!" Der Abb» erhebt sich und ruft „Vive u France!" Der Verteidiger Henri-Robert erklärt odann ,Ln einigen Augenblicken, meine Herren Geschworenen, werben Sie eine Zeile her Geschichte ni«verschreiben." Eine unbeschreibliche Begeisterung bemächtigte sich aller Anwesenden. Man bemerkt Tränen in ben Augen der Geschworenen, der Mit- »lieber be» Gerichtshofes unb der anwesenden Zu- börer. Alles erhebt sich unb stimmt bie Marseillaise in. Die (Irregung ist allgemein, unb man kann wohl agen, da st man einer yistorilchen Szene beiwohnt mb dast Henri-Robert zweifellos richtig geurteilt bat. Nachdem die Geschworenen die Schuldsragen aemeinl haben, drucken Abbe riaegq und Helfet) sich Sie Hand 3n diesem Augenblick wird ein riesiger Blumen ft rauf) mit einem breiten Scibcnbanb in ben Farben der Trikolore umwunben, in ben Saal getragen. Man bietet ihn bem Abbe nnegn an. der seinerseits ibm einige Blumen entnimmt. *jb sie .'Seifen zu überreichen Riesiger Beifall. Der Saal leert sich langlam unter allgemeiner Erregung "
Pariser Presseecho.
Paris. 13 April. (WTB. Funkspruch.» Das Wrgebn.s M Colmarer Prvaesies wird von den meisten Blättern al» ein politisches Sr- clflni» gefeiert jedoch warnt ..Avenir" vor Heber- schäkmng Der ..Fgaro' schreibt: „Der Ab- cest ist beseitigt Das Unbehagen bleibt. Da» flab-.nclt d s LwlekarlellS hat es durch seine antiflcrilalcn Ungeschicklichkeiten verschärft Die Regierung möge allo ihre Aufmerksamkeit dem Verwaitungskörrxr. dem eine besonder» heikle Ausgabe zua w efen ist. zuwenden und möge nach den Bedürfnissen der Glsälser unb nicht nach der Bedeutung e.-.g, rechter Empfehlungen bie Beamten au^wahlen. Man must sich mit den Zeugen des Colmarer Vroielke» vor Augen hallen, dast ein autonome» vHfafj bedeutet: E.n deutsche» Gllah!". — Die -Ere Rouvclle" schreibt: „Welche Be'riri igung Wir auch darüber empfinden, dast Haegy zum ersten Male in feinem Leben ..Vive la Francel" acrunn hat. wir muffen doch abwarten, was fein« Prelle tut “ — 3m ..3c*rj;r schreibt H.lfetz: Deutschland hat gestern in o.e.idender Klarheit das wahre G e s ch i des ölsasi ge'ehen. Da» Sllast ist fran- zösifch vollkommen und unabänderlich französisch. Wir werden niemals erlauben, dast man an das Glsast rüfortr
nonalen übergegangen sind, dann ist das lediglich eine Auswirkung des Gintritt» der Deutschnationalen in die Reichsregierung, die sich übrigens in recht bescheidenen Grenzen hält. Bedauerlich ist es allerdings, hast unsere Parteien ohne Ausnahme überall in den Remtern ihre Vertrauensleute haben vollen und nach jedem Regierung»we<Ne1 im Sllmarfch anrüden, um bei bet Verteilung der wichtigsten Posten in den Ministerien nicht zu kurz zu kommen. Die S ch u l d an der Politisierung unserer mastgebcn- den Beamtenfc^'fl tragen aber einzig und allein diejenigen Kreise, die jetzt gegen sie Sturm laufen Sie fingen ban I an. fie haben allo auch kein Recht, sich über jede Personal Veränderung auf- zuregen.
Staats'ekretär Schulz, der al» sona.'demo- kratischer ‘21b geordneter dem Reichstag an gehört unb sich in feinem Ressort vorwiegend mit Bil- dung-angelegenheiten beschäftigt hat. steht in der Frage des ReichSschulgcfeye» zweifellos auf einem andern Boden al» der Minister, fo dast fein Verbleiben im Amt zu Unzutvöglich- keiten hätte führen müssen: lein Rachsvlger P ekle n g a h r steht dem Zentrum nahe was vielleicht gcwillc Lchküsfe auf die Rta» tung zu- lästt. in der die S-chulfrage weiter bearbeitet wird. Den Rücktritt Dr. Brechts, der DerufS- bcamter. früher in der R«chstan»lei unb als Leiter der Verfasiungsabteilung des Innenministerium». aber auch al» Reformator der h enft- lich^n Technik hervorragend bewährt ist. toirb man Diclkubt am lebhaftesten bedauern müllen, äs wäre zu wünschen, dast man besonder» bewährten Beamten gegenüber bie Anwendung der Bestimmung über politische Beamte vermeid«: aber fth’angc sie besteht, ftnb jedenfalls Schlülle agitatorischen 6 bar öfter» aus derart'grn Vorgängen nicht zu ziehen.
Llaatvanwalt» sage ich nur noch dav folgende- 3d) babr immer erklärt unb ich werbe diesen Saal niemals verlasien. ohne es zu betätigen, dast nie- manb, her Frankreich feinbfeiig gesinnt ist. auf Abb» hoegy zahlen konnte. Ich rimte diese Worte an «anz Frankreich, unb ich wunsckne. dast sie ben Rhein unb über bie Vogesen
4 e n. Frankreich möge an allem zweifeln, aber nicht an unferer Liebe! ,Ln diesem feierlichen Augen.
Srn an her rückseitigen Front, wähnend der tschauplatz der politischen Operationen In sien liegt Aber Wirkungen unb Rückwirkungen umspannen wieder einmal die Welt. Sin mindesten bie sogenannte alte Well Destn ese. die Id manches wiederderftellen sah. iah auch eine der großen Konstanten des 19. Zahr- bunbctlfe wiedererst^en: Rustland gegen Gngland, die aröfuc Landmacht gegen Me grofne Seemacht, der Bär gegen den Walfisch Rich» mehr als hie wiederum allgemein akzeptierten Prämisse sind es letzten Gndes. welche auch die letzthin deutlich gewordenen Veränderungen in »Vorder- ofteuropa" charakterisieren. An solchen Ve - änderungen fehlte e» fürwahr nicht. Unb wir
ßlrosik Atrsöhnungsszrntn tm Gcrichtssaal.
Kalmar, 12. April. (TU.) Am Montag be- | richteten wir eingehend über den Beklbigungepro- | ley. ben der Direktor bei Elsässischen Kurier, der i nbb4 /) u e g 9 gegen ben Redotteur be» Pariser Journal, Helseo, angestrengt hatte, der behaup- ' iet hatte, Haegy flehe mit beutfchen Politikern in ' Berbinbung und habe deutsche» Geld erhalten. Der
Angeklagte Hetsey wurde heute von dem Geschwo- renengericht freigefprochen, nachdem her Generalftaataanwatt Haegy ans Herz gelegt hotte, sich mit bem Angeklagten auszusohnen. tts wäre kesser gewesen, wenn der Hbbi nicht geklagt hätte. | tr möge sich in seinen Zeitungen mit seinen Geg- i Bem herunischlagen. wie er wolle, aber nicht mehr die Gerichte mit leinen Beschwerden beläftiaen. Die I äuherst theottalischc Schtustttene de» Prozesses schil- $ dert der Berichterstattcr der f)apa sagen tu r wie folgt: g Der Staatsanwalt forderte Abbe Haegy auf, eine I Reise durch Frankreich zu unternehmen unb sich '•en: „Eie werden. Herr
Schatzwcch'el aus bem Markt gezogen werden, die bie Regierung offenbar braucht, um noch größere Fehlbeträge zu decken. Gewiß, der Goldstandard be» Pfund Sterling hat auch während des Krisenjahres 1926 keine Erschütterungen erlitten. Ehurchill hat tm Unter Haus darauf hingewiesen, daß er für die Kursstützung die Reuhorker Ärebite nicht habe in Anspruch nehmen müssen. Auch das hat ihm das Unterbaut Haus mit einem Deifallsturm gelohnt
England hat ja immerhin noch Mittel und Wege, um der Gefahr eine» Angriffs auf den Sterlingkur» zu begegnen. Dazu gehört wohl der Au»bau der Zollschranke n, der mich Ankündigungen 1927 fortgdent werden soll. Daß es sich habet nicht um reine Ainaiu»ölle handelt, ist zweifellos. Der Außenhandel yat 1926 mit einem Fehlbetrag von 9 Milliarden Mark abge- schlosfen. ist allo höher, als er sich durch die ®in- nahmen aus der Zahlungsbilanz decken läßt. Hier sollen die Zölle helfen, die Einfuhr zu drvsieln, was Churchill mit dem Zwang begründet, die Einnahmen Im Haushaltsjahr 1927 28 zu steigern. Aber dieser Voranschlag ist trotz der von Thurchill zur Schau getragenen Sicherheit ein Krifenvvranschlaa. Der Schankan^ler rechnet mit Ginnahmen in Höhe von 16 Milliarden Mark. Darunter soll allein die Ginkommen- ftcuer 6.5 Milliarden Mark bringen, also rund 2 Milliarden Mark mehr, als sie im Verlustjahr 1926 eingebrachl hat. Das zeugt von unverwüstlichem Optimismus, zumal in Hinsicht auf die Ausfälle, bie der britische Handel in diesem Jahre im fernen Osten zu erwarten hat. Unverwüstlich ist auch Ehurchills Optimismus in Hinsicht aus die sichere örgiebigkit des Daves- planes. England rechnet für 1927/28 auf 500 Millionen Mark. Aber da» 3ahr 1927 muß ganz
beanspruchten G» bat daher noch gute Wege, bie Gesamtverschuldung England» zu senken durch Gmstellung von einer Milliarde Mark in den Haushalt als Rückzahlungen. Auf der anderen Seite steigen btt Summen, die auf
personalpolitische Wandlungen.
Eigener Srahtbrridn be» ..Gießener Anzeigers".
Berlin, 13. April Rachdem vor einigen Dagen die Berufung des Dcutichnationaien 3b- gcordneien Fürsten Bismarck ins Aus- wärtiae Amt, dann die Berieyung des Ministerialrats v. Keudell. Bruders deS Onnen- ministers. aus dem Innenministerium in» ®r- nährunasnnnisterium einige Grörtcrungen in der Oeffentlichkeil hervorgerufen Haden, wird nun die amtlich bekanntgegebene Berfetzun^ des Staatssekretärs Schulz und deS Ministerialdirektors Dr. B r e ch t au? dem Reichsinnenmini- fierium in den einstweiligen Ruhestand unter gleichzeitiger Ernennung des Ministerialrat» Pelleng ahr imb des Oberverwaltungsge-
lungsbtlanz Snalands so außevordenttich günstig gestaltete Seit einigen Jahren ist hier ein bebcuHamer Wvchs«! eingetre.-en. Der Inlands- bebarf an Kapital ist so groß, daß für das Ausland nicht mehr viel übrig bleibt. 3m ersten Quartal 1927 sind auf bem Londoner Geldmarkt fast drei Milliarden Mark an Anleihen untetgebradj worden, von denen bie Regierung unb das Inland alle n übet zwei Milliarden
fragen: Welche dieser längsten Grfcheinungen ver- sprechen Dauer? Bei welchen besteht bina^ien die Mglichkeit. daß sie in Kürze wieder um- schlagen?
Zu den Aenderungon mit längerer Dauer dürste die Wandlung des Verhältnisies zwischen ö n g I a n b unb Polen gehören Ts ist dies keine Grlrichterung für bie deutsche Politik, kein Plus für eine aufbauenb< Festlands- pvlitrk überhaupt. Aber da wir die ratsachen nicht ändern, wenn wir sie übersehen, fo heißt es auch mit bem Gegebenen rechnen Maßgeblich ist eben auch hier jene große Konstante des engllsch-rufsischen Gegensatzes Auch Polen ist mit seinem östlichen Rachbarn fozufagen organisch verfemdet: dieser Umstand mußte es schließlich in Englands Getolgschaft führen
Heute, da diese in zwei Äont nenten wir- fenbe Polarität wieder fo deutlich wurde, scheint es sogar eher verwunderlich, daß diese polnisch- englische Interessenberührung nicht früher offen» sichtlich wurde. An der schlechten Zensur, die Polen tn Snglands öffentlicher Meinung zunächst erhielt, waren jene manu militari unternommenen E-rpans wnsvvrftöße schuld, welche in ben ersten Jahre nach dem Kr.eg»ende eriolgd-7i. b erber gehörte Me niemals völkerrechtlich gon* bereinigte Lösung der ostgalizischen Frage ohne Erteilung der versprochenen Autoiwmie. ferner der Handstreich gegen Wilna, und der mehrfache Ausstand in vberschlesten. In England sah man. als diese Vorgänge sich ab» spielten, in ihnen vor allem Friebensstörun- gen unb verurteilte sie deswegen. Wie fleht es nun heute bannt? Heute ist über biefe Dinge, kurz gesagt, Gras gewachsen. Sie sind verjährt. Die Zett unb vor allem - die russische Frage haben sie vergessen gemocht.
Zu Metern erwähnte« Grunde kommen aber noch andere. Unmittelbar nach Kriegsende war die rusiische Vriabr noch latent, aktuell dagegen das französische Hegemooieftreben. Damals konnte Gngland habet nicht daran gelegen fein, auch noch Frankreichs Bundesaenos» sen gar zu groß werden zu lallen Auch vieles Bedenken ist heute verringert Italiens Gktr verstärkte sich. Deutschland erhobt sich rascher als man geglaubt hatte, damit wurde an sich her Ge- wichtsausgttich gefördert.
Diese ÜlkinMunfi bal sich tt-tzthln schon ver- schiehentlich bemerkbar gemacht. Sie zeigte sich schon bei der Frage der Zulalluna der beiden Oststaaten Polens und der Tfchechvllowakri zu ben Locarnoverlrügen herrwch bei der Erteilung eines halbstündigen VöllerbundsratSfitzes an Polen. endlich auch in der Behandlung unb L'ö<ung verschiedener Polen nabe angehender Fragen i« Oberschlesien und Danzig. Diele Symptome eines Reviremen!» waren für ein aufmerksames Auge schon längst auffallend Die B^günstiaung Pol-rn» durch Eirgland trug dabei stet» verschleierte Formen. denn die franaösischr Förderung stand immer noch in erster Reihe
Gedenken wir nun der nördlichen Rachbarn Polens. Mr Baltenstaaten, so finden wir hier eine etwa» abweichende Konstellation, bie überdies durch individuelle Ruancen tomjüi^ert wird Zunächst war die Entstehung Mrie» Rand- staalengürle'.K England an sich willkommen. C-» fehlte denn auch nicht an Förderung, wenn auch ohn? Lngag.ments. Seit sich Me oben geschilderte cnglifch-polnsiche Annäherung vollzog, sand diele ein naheliegendes Wirkung»feld auch tn den Baltenftaaten. Im besonderen betraf diese Litauen. R,ch« erst neuerdings, fett der bei mehreren Btttenstaalen aftreöitirrte englische Gesandte Vaughan im normalen Ortswechsel lernen Amtssitz nach Kowno verlegte, sondern schon fett Mor.aren hort Me lttauilche Regierung außer Frankreich auch Englands Ratschlag, neue Verhandlungen mti Polen auszunehmen. D<r Versuch dazu wäre ja an sich, was man teilweise im Auslande vergeben hat. kein Rovum. Schon die in Kopenhagen, dann in Lugano 1924 unb | 1925 geführten polnisch-litauischen Ämifereiwn I zielten daraus ab. unter Ausschaltung der unlos-
Die Ausdehnung des Frauen- Wah.rechles in England.
London. 13. April. (W. X. B. FunNpruch.) Die Blätter bestätigen, daß da» Kabinett gestern die Ausdehnung des Wahlrechtes aus alle Frauen vom 21. ßeb entfahre ab ohne Vorbehalte beschlossen hat. — Rach her ..Dally Wall" vermehrt sich infolgedessen bie Zahl der Wahlberechtigten um 4,5 bis 5 Millionen Frauen. Von Mesen sind zwei Millionen über 30 Jahre alt. Es war ihnen jedoch bisher durch gewissi einschränkende Bestimmungen da» Wahlrecht entzogen. Die Einschränkungen, die jetzt fallen sollen, bestanden in gewissen Vorbehalten betr. Mr Dauer des Wohnsitze», der wirtschaftlichen Betättgung ufw. Der Beschluß des Kabinetts soll erst nach lebhaften Crörte.unren und energischem Widerspruch einer Anzahl Minister und konservativer Parteiführer erfolgt fein.
Ehurchill hat im Unterlaufe ben Haushalt für da» Streikjahr 1926 27 vorgelegt Q» ist ein Derlustjahr. für ben bie englische Wirtschaft sowohl tote für bie englischen Finanzen. Englands Haushalt weist einen .Fehlbetrag in 5)obe von 740 Millionen Mark auf. der ursäch- lch rntt Oer Einbuße der Prohuktton-kraft während der acht Streikmonate zusammenhängt. Die Einnahmen erbrachten insgesamt 1610 M.llionen Mari, bie Ausgaben stiegen demgegenüber auf 1684 Millionen Mari, wobei bie Verschiebung deutlich im Rückgang be» Griraaes bet Einkommensteuer unb bet ZuschlagSsteuer zu erkennen ist. Das Dolksemkommen Englands ist für 1924 auf 80 Milliarden Mari errechnet worben. Unter Berücksichtigung des Prvbuk- tionsverlustes burch ben Streik wird es 1926 etwa 70 Milliarben Mark betragen haben Die Belastung mit 1684 Millionen Mari ist im Verhältnis «um Volkseinkommen nicht entfernt fo hoch als In Deutfch la n b, da hier einem Volkseinkommen von 50 Milliarden Mark etwa 13 bis 14 Milliarden Mari Steuer-


