Don
Oberhesfen.
Ium BahnprojekL
Drei ausen — Mücke, be. Ruddingshausen, 12. Ian.
Friedl elften« Biller.
Das Königsduell.
Von Hans Franck.
Es war in der Dezcmbernachi, bevor rich der Große samt seiner Armee zum
der Hessischen Arbeitsgemeinschaft zur Weiter'ü^rung dec Marburger Kreisbahn bis Mücke wurrde gestern abend in der Gastwirtschast Müßig dahier eine außerordentlich zahlreich besuch e Versammlung veranstaltet, deren Zweck war, die Gründe, die für den Weiterbau sprechen, darzulegen und den Weg zur Durchführung des Planes zu zeigen. Die positiven Unterlagen für die Rentabilität sollen von den Bürgermeistern der interessierten Gemeinden geschaffen werden. Am Schlüsse der Erörterungen wurde folgende Ent» schliehung einstimmig angenommen: „Die heute in einer öffentlichen Kundgebung für die Durchführung derMarburger Kreisbahn nach Mücke fast vollzählig erschienene Einwohnerschaft von R ü d d i n g s h a u s e n, sowie die Vertretungen der Ortschaften Deckenbach. Weitershain, Wermutshausen, Roßberg, Leidenhosen und D r e i h a u - s e n stimmen den Ausführungen der Kreistagsabgeordneten Peil, A a u und Waldsch rnidt zu und fordern erstens: die Verstaatlichung der Kreisbahn, zweitens: von den zuständigen Persönlichkeiten, daß sie sich voll und ganz für den Eisenbahnbau Marburg -Dreihausen—Mücke einsehen. Die Versammelten fordern diesen Weiterbau aus volkswirtschaftlichen und kulturellen Gründen. Der Arbeitsausschuß der Interessen» gemeinschast wird beauftragt, die erforderlichen Schritte bei der Regierung in Kassel über die Kreisverwallung Marburg und bei der Kreis- direrrion Gießen unverzüglich zu unternehmen."
QI nm. d. Red.: Die Bestrebungen, die in der vorstehenden Kundgebung gelten) gemacht werden, sind unter dem Gesichtswinkel der Wirt- schasts- und Verlehrserschliehung der bisher abseits von der Bahn gelegenen Gemeinden wichtig und darum beachtenswert. Ob diese Bemühungen aber von Ersslg gekrönt sein werden, steht nach der vorläufig vbll-g ablehnenden Stellungnahme der Marburger K-eisve.waltung (Vergl. Vieh. -Anz. Qlr. 7 vom 10. San.) noch dahin.
Landkreis Gretzen.
CO Klein-Linden, 12. Jan. Am nächsten Son.nag hält der für unsere Gemeinde neu ernannte Seelsorger, Pfarrasiistent Göbel, seine Antrittspredigt. Er stand seither in Worms und wurde als Rachfolger des nach Rordheim versetzten Psarrverwalters Ackermann
wird, könnten nicht nur die Enke! Blüchers, sondern vor allem die Aachkommen Gneisenaus Einspruch erheben. Denn man wird diesem bedeutenden Manne wirklich nicht gerecht, wenn man ihn als eine jener problematischen Staturen darstellt, die sich in keiner Lage zurechtfinden, die immer mit ihrem Schicksal hadern und so den Eindruck der Gröhe, den ihnen die Gesch:chte gegeben hat. in dieser Darstellung verlieren. Ein Ministerialdirektor, der vier Akte hindurch läuft und jammert, dach er nicht Staatssekretär sei, obwohl er ebensoviel oder mehr leiste als dieser, ist wirklich nicht Sinnbild preußischer Pflicht- auffossung und sicherlich nicht Vorbild. Richt nur die Verbündeten Friedrich Wilhelms, die hier zur Karikatur abgewandelt werden, sondern auch das ganze Zusammenleben der Befehlshaber, die Art, wie hier Blüchers Rede an Scharnhorst dargestellt wird, müssen zurückgewiesen werden. Bork war sicherlich kein bequemer Mensch. Seine Aeuhe- rungen über Stein sind unerhört, aber die Art, wie Blücher sich immer wieder bemüht, den alten Kameraden bei der Stange zu halten, ist menschlich herzerfrischend und zeigt einen Charakter, den man lieb haben muh.
Die poetische Lizenz gibt dem Dichter Freiheit. Er kann, wie Schiller es in seinem wundervollen Prolog von Wallenstein sagt, den QKen» schen in seines Lebens Drang sehen und Geschichte formen, so wie sie sein Dichterauge sieht. Aber es scheint mir, als wenn man hier, um den Konflikt entstehen zu lassen, nicht nur die Rebenfiguren, sondern Die Helden des Stückes selbst herabseht. Das Stück selbst ist anregend in höchstem Mähe und hat viele feinempfundene Szenen, so das; sein Erfolg verständlich ist. Aber es regt auch an zur Kritik, und es scheint mir, als wenn diejenigen, die in dieser Zeitperiode gedanklich leben und die geschichtliche Gröhe eines Rapoleon neidlos anerkennen, auch die Pflicht haben, sich dagegen zu wenden, daß große Männer der preußischen Geschichte uns hier kleiner gezeigt werden, als sie waren.
mal in Schlesien einbrach. Christian von _______
deck stand mit seinem marschbereiten Regiment hart an der Grenze des Schwiebuser Kreises, der nach den Plänen des Königs überrannt sein sollte, nocy ehe Die Welt begriil, was geschehen war. Da tagüber aheS bis auf den letzten Gamaschen- knops von ihm in Ordnung befunden war, hatte Major B:Il:rbeck die Offiz ece sci. es Regiments, ausgenommen die beiden ältesten, denen et die Runde übertragen hatte, in das Pfarrhaus, wo er sein Quarcker aufgcschlagen hatte, zu einem Bierabend eingeladen. Wacker hatten die Dekade,.en, fast alle junge, kecke Kerle, die nach dem Krieg, den sie nur vom Hörensagen kannten, wie nach einem Liebesabenteuer Verlangen trugen, darauf losgezecht. Immer wieder muhte eine Ordonnanz über die Straße ins Wirtshaus lou'en und die leeren Krüge gegen volle ein- tauschen. Schlag zwölf erhob sich der Major. Mit einem Ruck standen die Offiziere. Selbst -Die Berausch.esten hielten sich, als wären sie aus Erz geflohen. Während jedermann auf das „Gute Rächt!" des Majors wartete, wurde von allen Überlegt, was mit den drei St-.nden biß zum ikbctfdjrei en der Grenze am besten anzusangen wäre. 2m Wirtshaus we.terzeche.i — nach Hause schreiben — Verse machen — Arm in Arm, die Glut zu kühlen, die kaltklare S.ernennacht durchwandern —: Das und man-
Qveih man heute, wie Blücher als Redner einst auf die Zeitgenossen gewirkt hat?
„Das Siegesmahl im Saale des Schlosses von Wartenburg," so schreibt Schert, ..verwandelte sich aber sozusagen in eine „Trauerloge , aufgetan zum Chrengedächtnis deS groben und guten S^arnhorst, welchem die T)on ihm so neu vorbereiteten Tage des Sieges zu sehen nicht gegönnt gewesen. Ein Meister vom Stuhl, nahm der Gebhart Lebrecht zum Preise seines dahingegangenen Freundes das Wort „und nie — so hat ein Ohcenzeuge berichtet, — nie hörte ich eine ergreifendere Rede, nie eine Darstellung der Verdienste des großen Kriegers anschaulicher, herrlicher, lebendiger vortragen. Der unwilllürliche Erguß von Blüchers Rede War ein wunderbares Produkt dichterischer Begeisterung. Am Schlüsse derselben ries er dei anwesenden 'Sohn des verstorbenen Hellen zu sich, und der Gerufene, dem greisen Redner sich gegenüberstellend, vermochte es nicht, seine Erschütterung zu verbergen." Damit vergleiche man die entsprechende Stelle im Schauspiel.
Auf dem Bewillkommnungsbanlett, das die Berliner gr.imautcr Blücher gaaen, ging er in seiner Rede, die er hielt, von dem Loo seines Freundes Gneisenau auf das des so seit.g Heimgegangenen Scharnhorst über und schloß mit den tief empfundenen schwungvollen Worten: „Bist Du gegenwärtig, Geist meines Freundes, mein Scharnhorst, dann sei du selber Zeuge, daß ich ohne dich nichts würde vollbracht ha- bcn!" Ein noch viel bedeutsameres, ein für Preußen geradezu historisches, den S.nn und Geist des soeben bestandenen Befreiungskrieges bestimmt und scharf ausprägendes Wort sprach er bei einem anderen ihm zu Ehren gegebenen Fest, indem er den Toast ausbrachte: „Auf die glückliche Verbindung des Krieger- und Bürger- standes vecmittelst der Landwehr!" Daß ihm dieser Toast nicht irgendein aus dem Moment geborenes Schlagwort war, beweist eine Stel- nungnahme nach dem Kriege, als man ihm zu Ehren ein Ballfest arrangierte, das streng in eine adlige und bürgerliche Gesellschaft geteilt war. Der Fürst Blücher von Wahlstatt ging ostentativ erst zu dem bürgerlichen Ball, und als er später zu den Junkern kam. sagte er ihnen folgendes: „Das ist man dummes Zeug! Die ' Söhne von Bürgern und von Edelleuten haben den Krieg gleich wacker mitsammen aus- gefochten, und darum sollen sie jetzt auch mit- sammen tanzen und sollen zusammenhalten und des Sieges brüderlich miteinander sich freuen."
Freimut und Freisinn liegen ferner in dem Trink pruch, den et aut den F irsten von Schwarzenberg einmal ausbrachte und In dem er sagte:
„Aus das Wohl des Fürsten von Schwarzenberg als desjenigen Feldherrn, welcher drei Monarchen in seinem Lager hatte und den Feind d c n n o ch zu schlagen verstand."
Man lacht vielfach über die Briefe, über das Deutsch und die Orthographie in den Briefen. die er geschrieben hat. Run. wenn man Friedrich den Großen nur nach dem Deutsch in seinen Briefen beurteilte, würde man wahrscheinlich auch zu einem sehr einseitigen Urteil kommen.
Wenn Blücher sich hineinstürzte in das Schlachtgetümmel — und er hat oft mitten im Strudel der Kämpfenden mitgefochten —, wenn . dieses erschöpfte und zerlumpte Heer sah, daß der mehr als Siebzigjährige wie der 3üng- t ft en einer mitfocht uni) mitftritt dann war das für die Durchführung der Generalstabsplane ~ ebenso wichtig wie diese Plane selbst. Die geistige Arbeit derer, die eine militärische Idee ausdenlen. kann nicht zum Erfolg führen, wenn die Soldaten in ihrem Herzen nicht gewillt sind, um einer Idee oder eines geliebten Führers willen ih r Letztes daran zu geben, um diese Pläne zur Durchführung zu bringen.
So war der Generalstabschef und der Führer des Heeres eine Einheit, und sie haben ihre Siege zusammen erfolgreich erfochten, ilnb charakterlich stand der alte Blücher, auch wenn ihm wissenschaftliche Erziehung und Bildung nicht zuteil geworden war, nicht hinter seinem General- stabschef. In dem Schauspiel ist diese Stellung gar nicht herausgearbcitet. Wie unschön, den doppelten KrankheitZausbruch Blüchers während der Freiheitskriege so zu verwerten, wie es hier geschieht! Wer in diesem Alter persönlich kämpft wie Blücher und dann einmal mit den Rerven zufarnmenbrach und Wahnvorstellungen hatte, dem soll man dieses Ermatten der geistigen Kräfte nicht nach mehr als 130 Jahren vorwerfen, um einen anderen an seiner Stelle emporzuheben. Gneisenau und Blücher gehören zusammen. Gegenüber der Art, wie es hier oargeftellt
Erschauern lief über die Offiziere hin, daß ihre Berauschtheit zerstob, wie ein kre fender Taubenschwarm vor einem Schuß in alle vier Winde auseinanderstiebt, „meine Herren, Sie wisien, daß Ich Ihnen keinen Satz so oft und so tief ins Herz gehämmert habe, wie den: Der König ist der König! Daß ich Sie immer und immer wieder ge.ehrt habe: Das Anrecht, das einem preußischen Offizier von seinem König kommt, ist nicht Anrecht. Es ist Geschick. And Ist zu tragen, wie man trägt, was der da oben einem an'.ut. Ich wiederhole: In Stock und Eisen laste ich den schließen, der auch nur mit der Wimper muckt, wenn ihm vom König Anrecht geschieht. Der König ist der König! In dieser Stunde jedoch will ich meinem Lebensleitsah einen weiteren hinzusügen, für den ich nun jeden von Ihnen reis genug erachte. Der König ist der König! Aber: Einen Hundsfott heiße ich, wer nicht auch dem König gegenüber seine Ehre zu wahren weiß. Lassen Sie mich — daß wir uns ganz verstehen — ein Vorkommnis aus meinem Leben erzählen:
Ich stand, als ich so jung war wie der jüngste unter Ihnen, In Küstrin. Eines Tages kam der König zur Revue. Sie wissen oder wissen nicht —: Friedrich Wilhelm war ein jäher Mann. Es lag ihm weit näher, seiner Meinung mit dem Stock als mit dem Mund Ausdruck zu geben. Manchen Rekruten hat er aller- höchsteigen''ändig verprügelt. Schade um jeden Schlag, der daneben ging! Die Kerle sind nicht anders als mit Prügeln zur Raison zu bringen. Auch Offiziere hat König Friedrich Wilhelm ge'chlagen. Bis zu jenem Tag, von dem ich spreche. Ich war damals mit einem Regimentskameraden. Dietrich von Deg^.ifeld befreundet. Wie man nur in jenen Jahren befreundet fein kann, wenn man nicht weiß, wohin mit all seiner Liebe Jedermann A.terte vor dem Kommen des Königs. Rur Dietrich und ich lachten. Die Rächt vor dem Tag. zu dem der König angesagk war, legte sich alles mit den Hühnern schlafen. Am
cheS andere noch wurde gedacht. Das nächstliegende: Schlafengehen! dachte nicht einei Der Gute-Racht Wunsch des Mawrs b'ieb wider Er warten aus. So lehrten die ausschwärmenden Gedanken der Offiziere zu dem Borgeietz'.en zurück. Erst als et alle Augen in die seinen gc- 'i zwungen ha'te, begann Major Billerbeck zu
fprechcn. „Meine Herren", faHte er und ein
in unsere Gemeinde berufen. In den letzten Wochen wurden die kirchlichen Amtshandlungen durch Pfarrer aus den Rachbargemeinden vorgenommen.
• Daubtlngen. 12. Ian. Sonntag fand die diesjährige Hauptversammlung des Arbeiter-Gesangvereins „Sängerlusf unter der Leitung des Vorsitzenden Kart Schultheiß statt. Das Jahr 1926 hat dem Verein oft Gelegenheit gegeben, fein Können in der Öffentlichkeit zu zeigen. Der Jahresabschluß zeigte ein günstiges Resultat. Die Wahl des Vorstandes ergab zum größten Teil die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Es wurde beschossen, im Jahre 1928 eine größere Festlichkeit zu veranstalten, verbunden mit einer Jubiläumsfeier. -
f Lang-Göns, 12. Ian. Die Bautätigkeit war im verflossenen Jahre hier recht rege. Es entstanden fünf Wohnhausneubauten, darunter ein Gemeinde-Doppelhaus. Weitere Wohnhausbauten stehen für dieses Jahr in Aussicht. — Für langjährige treue Feuerwehrdienste wurden kürzlich folgende Mitglieder unserer Freiwilligen Feuerwehr mit den üblichen Ehrenzeichen ausgezeichnet: Heinrich Boller, Gg. Schäfer, Konrad Spies, Karl Kd. Bern, W. Ph. Boller, Joh. Spies, Karl Belke, Karl Rühl und Heinrich Wentzel. Die Feuerwehr zählt gegenwärtig 80 Mann.
* Grüningen, 12. Ian. Bei der V o r - standswahl Der israelitischen Religionsgemeinde Holzheim und Grüningen wurden die seitherigen Vorstandsmilg'ieder Moses Weinberg, Meier Lindheimer von Holzheim und Ferdinand Heß in Grüningen wiedergewählt.
is. Steinbach, 12. Ian. Gestern abend kam in unserer Kirche der erste Teil des B e t h e l f i l m s zur Vorführung. Der Film hinterließ einen tiefen Eindruck. Die Vorführung war von hier und von Albach fe^r gut besucht.
t. Hattenrod, 12. Jan Unsere kleine Gemeinde hat für sich eine Kochschule eingerichtet. Im Rathaus war dazu em geeigneter Raum vorhanden. Nachdem dieser gut hergerichtet worden ist und die Kochgeräte beschafft sind, hat am Montag der Kochunterricht begonnen. Es nahmen 14 Mädchen von hier und 5 Mädchen von Harbach daran teil. Den Unterricht erteilt eine Lehrerin von Reiskirchen.
* Grünberg. 13. Ian. Am morgigen Freitag, 14. Januar, begehen bet Rendant Julius Karl tn) Frau E n.l e geb. H f in .nn das F.st der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar, der 43 Jahre lang das Rechneramt der hiesigen Be- zirkssparka.se bekleidete und in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens von dem früheren Großherzog den Titel „Rendant" erhielt, ist in weitesten Kreisen der hessischen Bevölkerung bekannt und hochgeschätzt. Das Jubelpaar erfreut sich noch bester körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische.
* Rodges, 12. Jan. Um er bisheriger B ü r- germeifter, Landwirt Wilhelm Metzger, wurde zum Bürgermeister unseres Ortes ohne Gegenkandidaten wiedergewählt.
Kreis Fricvbcrg
Pb. B u tz b a ch, 12. Ian. Die hier eingerichteten Autobuslinien erfreuen sich fortgesetzt einer guten Benutzung, so daß die Hoffnung besteht, daß sie für die Dauer aufrecht erhalten werden können.
* Kirch-Gölls, 12. Ian. Der.Gesangverein Germania begeht am 11., 12. und 13. Juni (Sonntag nach Pfingsten) fein 6 5 jährig e s Jubiläum und verbindet damit einen Gesangswettstreit.
00 Rieder-Flor st adt, 12 Jan. Eine Kommission Der Vervandskeitung des K raff- verkehr-Zweckverbandes besichtigte ein Auto, das nach der Genehmigung durch den gesamten Borstand wahrscheinlich in den nächsten Tagen gekauft wird. Damit könnte der Lastwagen als Personenbeforberungs- mittel ausfcheiden.
Kreis 2llSfcld.
Alsfeld, 12. Jan. Aus der S t a d t v o r - stanbssitzung: In der gestrigen Sitzung beschäftigte man sich In ber Hauptsache mit bet Errichtung einer Freibabeanstalt, bie schon in einer früheren Sitzung im Prinzip beschlossen worden war. Es handelte sich nunmehr um die endgültige Genehmigung des vom Stadtbauamt vorgelegten Projektes, dessen Kosten sich insgesamt auf rund 45 000 Mi. belaufen. Es wurde eine Rentabilitätsberechnung vorgelegt, wonach sich die Badeanstalt aus den zu erwartenden Babegebühren ungefähr selbst tragen wirb.
am Morgen frisch zu sein. Wir beibe, Dietrich unb ich, burchzech'.en sie. Ein Dab vorm Dienstantritt — federnb standen wir vor unseren Kerlen. Aber während mir aufs Beste geriet, was der König mir auszuführen auftrug, hatte Dietrich Pech. Seine Kompagnie schwenkte schlecht ein. Sobald wir zur Kritik im geöffneten Care angetreten waren, schritt der König, ehe er begann — da ihn nichts mehr verdroß, als wenn die Richtung verloren ging — wutbebend auf den Sünder zu und versetzte ihm mit den Worten: „Das für Seine miserable Richtung, Monsieur Gegenfeld!" einen schallenden Schlag mitten Ins Gesicht.
Da verläßt Dietrich von Degenfeld das Glied, baut sich drei Schritte diesieits des Königs, der vor dem Carre Posto gefaßt hat, nach der Vorschrift auf und spricht — während uns das Blut im H rn gerinnt —: „3d) fordere Cw. Majestät zur Sühne für die einem preußischen Offizier angetane Schmach auf Pistolen!"
Ich will zuspringen und den Wahnwitzigen zurückreißen. Bernichteiid sieht mich der König, der mein Vorhaben gewahrt, an. Wie in der Erde verwurzelt bleibe ich stehen.
Schon hat Dietrich die Pistole aus dem Gurt gerissen. „Bedingungen" — höre Ich ihn durch das Brausen meines Blutes sagen — „Bedingungen: Drei Schritt Distanz. Einmalig 'r Kugelwechsel. Den ersten Schmß mir. Als dem Beleidigten."
And damit fjebt er die Pistole, legt an und zielt auf das Herz seines Königs.
Jetzt hält es niemanden von uns mehr. Hin- fiürzen! Zupacken! Aus der Hand schlagen! Zu- rückreihen! Aeber den Schädel hauen! saust es in allen Hirnen. Der König hebt abwehrend seine Hand gegen uns, und wir -- ber Kön g ist ber König! und wenn er ft erben to ll, so Ist es seine Sache, nicht Sache seiner Untergebenen! — tolr bleiben, bes Angeheuersten gewärt g, im Glied stehen. Da reiht Dietrich von Degenfeld die
Rach längerer Aussprache wurde beschlossen, dl« Badeanstalt nach dem vom Stabtbauamt vorgelegten Plan zur Ausführung zu bringen, jedoch mit der Einschränkung, daß sich ber Stadtvorstand bezüglich ber Ausgestaltung ber Ausbauten, Kabinen usw. seine Entschließung noch vorbehält. Die Betonarbeiten wurden der Gesellschaft für Beton- und Eisenbetonbau in Gießen übertragen, die Erdarbeiten, und zwar die Hauptarbeiten, dem Kurt Steinbach und Justus Merle in Alsfeld zum Preise von 1.20 Mark pro Kubikmeter.
(-) Kestri ch, 12. Ian. Am Sonntag konnte der hiesige Gewerbeverein auf sein 2 5- jähriges Bestehen z rückbl.ck n. Aus d esem Anlaß fand vormit ags F.stzottesdienst sta t, dem am Rachmittag eine festlich ausgestattete Generalversammlung felgte. Zunächst wurde an Ste:le des von hier verziehenden Vorsitzenden Kaufmann Rühl der Cat.Icrmcifter Louis Dölzing einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Anschließend fand die Festsitzung statt, in ter^ic Handwerkskammer. bie Gemeinde-, Kirchen- und Schulvorstande, brr Gewerbeverein A l s s c l b usw. vertreten waren. In ber Festrede bes 1. Vor- sihenben unb ben Absprachen zahlreicher Gäste wurde bas b:b:utunc8'DDlle Wirken des Vereins gebührend g.toir.D gt. Der hi sige M nnergPang- verein verschönte bie Feier burch den Vortrag einiger Chöre.
Kreis Lantcrbackr.
tz S ch l i tz, 12. Jan. Aus fein 60j 2hri ges Bestehen kann in diesem Jahre der hiesige Turnverein zurückblicken. AuS diesem Anlaß soll eine schlichte Jubiläumsfeier stattfinden, zumal die 50-2ahrseier während des Krieges nicht festlich begangen werden konnte. Der Berein hat beschlossen, sich um das Gausportfest des Gaues Hessen zu bewerben und damit die Jubelfeier zu verbinden. — Eine Poll- z e i j a g d, die am Samstag bei Reuschnee unternommen werden konnte, hatte das Ergebnis, daß ein Wildschwein im Revier Rimbach zur Strecke gebracht wurde.
Kreis Schotten.
Gedern, 12. Ian. Der Handarbeitsunterricht an den Bolks- und Fortbildungsschulen der Gemeinden Gedern, Ober-, Mittel- u.nd Rieder-Seemen wurde durch da- Landesamt für das D.ldunzswcsrn einer hauptamtlich tätigen Lehrerin übeilragen. Ferner plant man die Einrichtung von K o ch - tursen, um der Heranwachsenden weiblichen Jugend Gelegenheit zu geben, sich eine gründliche Fertigkeit im Kochen anzueignen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
L Münchholzhausen. 12. Jan. Zur Ergänzung ihrer Jeuerlöschgerätschasten hat die hiesige Gemeinde von der Stadt Wetzlar eine Feuerspritze gelaust, die dort wegen An- schassung einer Motorspritze entbehrlich geworden ist. Die Gemeinde besitzt nunmehr zwei Feuerspritzen. Die hier bestehende Feuerwehr ist eine Pflichtwchr: Rcigung zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr war bisher wenig vorhanden.
^aingau.
WER. Frankfurt n. M., 12. Ian. Ab- Händen gekomn rn t|l in der Rähe deS Güterbahnhoscs a.n 8 dS. Mts- eine Kiste Cyandoppelsatz im Gewicht von 118 Kilo, gezeichnet F. D. 2963. Es handelt sich hierbei um ein außerordentlich gefährliches Gift.
WSR. Hanau, 12. Jan. Gestern abend brach in der Z i g a r r e n k i st e n s a b r i k H. C. Deines Großfeuer aus. Ein Lagerraum mit Holz- und Pappliften brannte vollständig aus, wahrend das Hauptfabrikgebäubc gerettet werben konnte. Der Sachschabcn, der besonders durch das Wasser angerich.et wurde, ist bedeutend, doch ist er durch Besicherung gedeckt. Die Brandursache ist noch nicht bekannt.
Dorslirchen-Aeltesten-Tagung in Vuteithosen.
hr. Aus dem nördlichen Oberhcfsen, dem Kreis Wetzlar unb den Rachbargebieten hatten sich am Dienstag mehrere Hundert Kirchen- vorsteher mit ihren Pfarrern in Dutenhofen (Kreis Wetzlar) zur Dorfkirchen-Aelte- sten-Tagung zufammci g fun'en. D e e n.ueste Einrichtung der „Dorfkirche' hat besonoeis feit ber vorjährigen glänzenden Tagung In Großen- Linden einen bedeutsamen Aufschwung genommen.
Pistole, die noch immer auf das Herz des unbeweglich wartenden Königs grrichtet ist, mit einem Ruck hoch, duß sein Arm senkrecht gen Himmel schreit, und knallt ins blaue Firmament hinauf.
„Die Kugel war für Eto. Majestät bestimmt", kommt es langsam, Silbe um Silbe gemeißelt, aus seinem Mund. „Leider habe Ich gefehlt. Den nächsten Schuß haben Ew. Majestät. Da ich indessen nicht erwarten darf, daß der König nach dem Willen seines Untergebenen auch nur einen Finger krümmt, bitte ich untqr- tänigft um bie Erlaubnis, für Ew. Majestät abbrücken zu bürfen."
Sprichts. Reißt bie noch immer gen Himmel gereckte Pistole herunter. Kehrt sie biesmal gegen sein eigenes Herz. Drückt ab. Sinkt tot zusammen.
Anbeweglich steht der König. Dann tritt er zwei Schritte vor, beugt sich nieder, streicht dem Toten über das roggenblonde Haar, das durch den Fall unbedeckt geworden ist, und spracht: „Dir habe ich Anrecht getan. And um deinetwillen werde ich memals mehr einen Ossiziev schlagen. Auch dann nicht" — dabei richtete er sich auf und faßte wieder uns Ina Auge — „auch dann nicht, wenn sie es verdienten unb, im Gegensatz zu bir, ertrügen.“
Der König hat Wort gehalten. Seit diesem Tag hat er keinen Offizier mehr geschlag<iM.
Ich denke, meine Herren, wir haben uns verstanden. Der König ist der König, In Stock und Eisen schließ ich den, der mit der Wimper muckt, wenn ihm vom König Anrecht geschieht. Aber: Einen Hundsfott heiße ich, wer seine Ehre nicht auch gegen einen König zu wahren weiß. And damit: Gute RächtI"
, Dicke Rächt I'
„Auf Morgen!“
,Aus Morgen!^
„Aird: Divat König FriÄrrichl“
,Vivat Friderlcus!!''


