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Donnerstag, 13. Januar 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

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Die fünf Särge des Mikado.

Das Begräbnis des verstorbenen Kaisers von Japan wir erst Ende Februar stattsinden, und dann wird auch erst die eigentliche Trauerzeit von 50 Tagen beginnen, während deren das ganze Land in die Trauer um den dahingegan­genen Herrscher versenkt ist. Bei der Ueberfüh- rung seiner sterblichen Reste nach dem Kaiser­palast erleuchteten Tausende von Laternen den 5 Kilometer weiten Weg durch die nachtdunklen Straßen, die von Soldaten- unö Polizistenspa­lieren abgegrenzt waren, hinter denen eine ehr- sürchtigc Menge sich in tiefem Schweigen beugte. Japan ist heute wohl dasjenige Kulturland der Welt, das noch am strengsten an alten Z-^remonien festhält. Da gibt es eine besondere Feierlichkeit für alle Dinge, von der Wiege bis zum Grabe, und das ganze Jahr ist umkränzt von solchen alter­tümlichen und feierlichen Handlungen, in denen man sich mit der uralten Vergangenheit und den Geschlechtern der Vorfahren verbunden fühlt. Die größte und bedeutsamste aller Zeremonien aber ist das Begräbnis des Tenno, des Himmelssohnes, wie der Mikado genannt wird. Es gibt keine Familie in Japan, die nicht an dieser Trauer um den Herrscher teilnimmt, und die Vorberei­tungen. die für die Bestattung notwendig sind, nehmen längere Z:it in Anspruch. Taufende von Japanern arbeiten gegenwärtig an den zahllosen Dingen, die zu der Beerdigung des Mikado ge­hören. Die fünf Särge, in die der Körper des Mikado eingeschlossen wird, werden von Hand­werkern angefertigt, deren Familien die kaiser­lichen Särge gemacht haben seit den Tagen deS ersten der MikodoS. Sogar die Ochsen, die den Leichenwagen ziehen werden, entstammen einem erlauchten Geschlecht heiliger Tiere, sindhof- fähig", und ihre Hamen werden auf den ge­weihten Täf'lchen d-S Schintv-Dienstes verzeich­net. Die Räder des Leichenwagens werden von einer anderen Familie verfertigt, deren Mit­glieder seit uralten Zeiten die Räder der Kata­

falke der Mikados zu ar^e.ten hatten, und das ist keine leichte Arbeit, denn die Räder muffen so gebaut sein, baß sie bei jeder Umdrehung sieben verschiedene schwermütige Laute von sich geben als Begleitung auf der letzten Reise des Herr­schers. Stangen von besonderen Bäumen, deren jeder genau 21 Fuß hoch fein muß, w-rden bei der Prozession getragen und sorgfältig dafür hergerichtet. Die Ehrenwache, die ihm das letzte Geleit gibt, seht sich auS Angehörigen der alten Samurai-Familien zusammen, und die 25 000 Auserwählten werden dir kostbarsten und ölte' en Rüstungen anlegen, die sie von ihren Ahnen her in den herrlichen alten Lackschränk-n bewahren. DaS Begräbnis des Vorgängers des jetzt ver­storbenen Mikado het die Summe von 4 Millionen Mark verschlungen. Man schätzt die Ko ten der diesjährigen Bestattung auf 5 Mil io-en. d nn die Zeremonie wird ganz nach den aTten Vor­schriften und mit höchstem Prunk vor sich gehen.

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wird. Die Welle wird gedreht, und so bezeichnet bald ber größere, bald der kleinere Teil des Tierkreises bei den Umdrehungen die je nach der Jahreszeit kürzeren oder längeren Stunden. In den einzelnen Sternbilvern befinden sich näm­lich so viele Löcher, al- jeder Monat Tage hat. Ein in diese gestecktes Knöpfchen zeigt die Stundenlangen an. Dies Knöpfchen, von einem Bohrloch bis zum Monatsende in daS andere gesteckt, verfolgt seine Bohn. Wie also die Sonne bei der Fahrt durch die Sternbilder (nach antiker Ansicht) die Tage und Stunden verlängert, bzw. verkürzt, so gibt das Knöpfchen jeden Monat das Abbild der Stunden und Tage an, indem es von einem Loch zum andern täglich in der Linie gegen den Mittelpunkt vorrückt und in der einen Zeit durch weitere, in der andern durch engere Räume kreist.

Soweit Vitrup (nach Reber), dessen Schil­derung allerdings trctz aller Ausführlichkeit nur teilweise verständlich ist und der nachschaffenden modernen Technik eine lohnende Preisaufgabe stellte. Ganz unklar ist nach Reber die Be- schasfenheit des Drahtnetzes. Er meint, es war für jeden Monat eines Halbjahres eine eigene Uhr in je einem konzentrischen Kreise vor- aezeichnet: nur in einem Monat aber schloß sich der Kreis der 12 Ziffern vollständig, näm­lich in der Sommersonnenwende. In den fol­genden 6 Monaten wurde mit der zunehmenden Kürze der Tage der Zwischenraum, den das Knöpfchen nicht mehr durchlief, immer großer, weshalb das Knöpfchen versetzt werden mußte, mit Rücksicht auf den Anfang der Slundenbahn und auch auf die konzentrischen Kreise, innerhalb derer die Stunden für jeden einzelnen der sechs Monate verzeichnet waren.

Dieser Erklärungsversuch ist plausibel, aber es lassen sich wohl auch andere Deutungen geben. Jedenfalls sehen wir. daß man bereits im Alter­tum auf das Problem der Zeitmessung allen Scharfsinn anwandte. Es ist ganz falsch, un­sere Zeit dem Altertum gegenüber als die tech­nische zu bezeichnen. An technischem Wollen und genialen Versuchen hat es keinesfalls gefehlt. Rur an den nötigen Mitteln und Vorkenntnissen fehlte es. Vitruv ergeht sich noch in technischen Einzelheiten über die Regulierung des Wasser- zugangs usw. Im ganzen beruht der Mecha­nismus au) der Ausnutzung der Gravitation, obgleich diese erst von Rewton entdeckt worden

Mit *6,e6:

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In der Reichshauptstadt ist die Ausführung eines Schauspiels von Wolfgang Goetz .Reid- hart von Gneisenau" das große Theaterereignis. Tausende empfangen hier angesichts der traditio­nellen geschichtlichen Unbildung der Deutschen den Anschauungsunterricht über das Bild ihrer füh­renden Manner in der Zeit der Freiheitskriege. Wir sehen Blücher, Gneisenau. den König, Vork, den russischen Zaren, den österreichischen Kaiser und sollen nach des Dichter« Meinung die see­lische Tragödie eines Mannes verstehen lernen, der nach der Sonne strebte und immer im Regen der Mißgunst sich von seinem Ziel entfernt sah. Gneisenau gegenüber Blücher, Gneisenau ge­genüber dem König: das sind die beiden Pole der Entwicklung deS Schauspiels. Der Jubel der VolkSgunst gilt dem Manne, in dessen Hamen das Heer geführt wird, während Gneisenau als der eigentliche Führer erscheint, der von der Menge nicht beachtet und von seinem König schlecht behandelt, immer auf den falschen Platz gestellt, sich zerfrißt und in den Momenten leidet, in denen Preußen, dem er dient, die größten Triumphe feiert.

Vielleicht mußte der Dichter, um sein Stück wirksam zu gestalten, diese Gegensätze gehalten. Aber es fei mir gestattet, zu dem, was hier auf der Bühne vor sich geht, einige kritische Be­merkungen zu machen, ohne irgendwie den Histori­kern und Militärschriftstellern vorzugreifen, die sicherlich bessere geschichtliche Anmerkungen zu diesen Vorgängen geben können. Ist Gneisenau von Preußens König wirklich so in seiner Be­deutung übersehen worden, so absichtlich an die zweite Stelle gestellt unö schlecht behandelt wor­den? Gneisenau. der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und seinen Degen verschiedenen Staaten zur Verfügung stellen mußte, wurde von Fried-

brr König ihm irgendwie unfreundlich gesonnen oder feiner Bedeutung nicht Derechrigkctt hält« widerfahren lassen.

CS ist demgegenüber nicht gerecht, den König so kleinlich darzustellen wie eS bei Goetz ge­schieht. Die Art und Weise, wie der König den Großen sci.-es Landes gegenübertrat, ist Gegen­stand bi.tcrster Kritik gewesen. Der 'Abschied, den er dem Freiherrn vom Stein gab, ist Dafür ein Beispiel. Aber vielleicht fei daran erinnert, daß auch Friedrich der Große einst Blücher den Ab­schied gab mit den lapidaren Worten: »Der Rittmeister von Blücher soll sich zum Teufel scheren." Jedenfalls muß anerkannt werden, daß Friedrich Wilhelm lll. doch auch die See.e größe befaß, Stein wieder in feinen Dm st e nzustellen. und nur den Drohungen Rapoleons wich, als er sich von ihm trennte. Ich habe selbst al« junger Student Vorlesungen über Geschichte gehört, in benen Friedrich Wilhelm lll. alS der gekrönte Philister und alS Gamaschenhengst bezeichnet wurde. Diese Charakteristik scheint mir ungerecht. DaS seltsam Hemmende in diesem König war die Ang st davor, selbst eine Entschei­dung z u treffen, obwohl seine eigenen Fä­higkeiten, namentlich auf militärischem Gebiete, durchaus nicht gering waren. Wenn ich mich recht entsinne, find eS seine Ratschläge gewesen, die nach der Schlacht von Dresden dazu sührlen, Hapolcon um die Frucht des Sieges zu bringen. Er nahm den religiösen Fragen und geistigen Bewegungen gegenüber eine vorbildliche Hal­tung ein. Die Tat Preußens, nach der Hiebet» läge die Universität in Berlin zu begründen, zeugt von Größe.Daß der Staat an geistiger Kraft wtedergewinnen mühe, was er an mate­rieller Macht verloren hatte," war eine der schönsten Sätze, die je nach dem Riedecbruch eines Staates gesprochen wurden. Wahrschcin- lich ist der König großen Rasuren gegenüber nie den Stachel losgeworben, ihren Gedanken- slügen nicht folgen zu können. Daß er einen Mann wie Stein nach feinem Eintrej en in Bres­lau krank in einem elenden Gasthof liegen ließ, ohne sich um ihn zu kümmern und ihn erst wie­der gelten lieh, als der Zar ihm seinen Be­such machte, ist ein Zeichen dafür. Aber speziell Gneisenau gegenüber kann man von einer Un­dankbarkeit oder einem Ucberfehen wirklich nich' sprechen, und die Art, wie er hier im Schau­spiel geschildert wird, hat nichts zu tun mit ge­schichtlicher Wahrheit.

3m Verhältnis zu Blücher mag Dnei- fenau darunter gelitten haben, daß Blücher ber Volte-Held war unö ihn die Legende schon bet Lebzeiten umwitterte, wie der rauschende Emp- fang zeigt, den Blücher in England nach der Hlebertoerfung Rapoleons fand. Es wird aber immer im Leben der Völker so sein, daß die füllen Gehimarbetter zurücktreten gegenüber den« jentgen, mit deren Hamen die Erfolge für das Volk verbunden sind. DaS war wohl immer das beste des preußischen Beamtentums, daß . es ohne äußere Anerkennung von draußen l e * digiich für b i e Sache arbeitete. In dem Verhältnis Gncifenaus zu Blücher zeigt sich die größte Schwäche dieses Stückes. Es geht un­möglich an, Blücher als Trottel hinzustellen, wie es hier auf der Bühne geschieht. Schließlich hatte dieser Blücher doch vor dem Kriege 1813 auf militärischem Gebiete alles mögliche gelei­stet. 11 wenn seine kühne offensive Act, öle schließlich den Feldzug entschieden hat, nicht sein eigenstes Werk war, sondern wenn et in eng­ster lieber e-tnfltmmung mit seinem Generalstabs- ches arbeitete und dessen Gedanken in der Heeres- führung sich auswirken ließ, so darf doch zu­nächst festgestellt werden, daß keiner dieses Zu­sammenwirken so neidlos und großzügig an­erkannt hat wie Blücher selbst. Dieser Mann, der uns immer als ein Polterer hin- gestellt wird, war in Wirllichkeit ein sehr sein- sinnig empfindender Mensch. D.e Art. tote er die Größe Scharnhorsts in Gegenwart seines Sohnes nach Scharnhorsts Tode feierte, diese Art, wie er Gneisenau anerkannte aiS seinen Kopf in jener berühmten Tafelrunde, als et fragte, wer seinen eigenen Kops küssen könnte, unö wie et dann auf Gneisenau zuging unö ihm die Stirn küßte, fmb eil Beweis dafür.

Antike Uhren.

Von Prof. E. FrieS.

Don der Technik der alten Griechen und Römer wissen wir durch antike Derrckte ziem­lich Diel: daß sie auch verschiedene Methoden cer Zeitmessung kannten, ist uns von den «riechi- fchen Rednern her vertraut, die chren Reue.trom mit der tröpfelnden Wasseruhr in Einklang brin­gen mußten. Aber es gab auch vollkommenere iUjten, über die der römische Baumeister Vi- truvius manches Interessante zu erzcchlen weih.

Die Sonnenuhr sollen die alten Chaldäer et- funden haben. Eine verhältnismäßig kompu- zierte Wasseruhr soll Ktefileias von Alexandr.a erfunden haben. Er erbaute Wasserorgeln und Wasserdruckwerke, und dann auch Uhren. Er stellte aus einem Stück Gold oder einem durch­bohrten Edelstein eine Mündung her. Wenn ^is Wasser gleichmäßig durch diese hindurch^lieht, hebt eS ein umgestürztes Decken. Auf diesem ist ein Stab angebracht, der mit gleichen Zähn­chen besetzt ist. wie die damit kommunizierende Drehscheibe. Diese Zähnen veruriachen c ne langsame regelmäßige Drehung. Die Stunöcn t>en sind auf einer Säule oder einem Pse.ier verzeichnet, und eine menschliche Figur weist auf die Stunden hin. Den Verschluß zur Regu­lierung des Wassers beschreibt Vitruv so: Man lasse zwei Kegel anfertigen, deren e.ner massiv, der andere hohl ist: der erstere muß sich dem letzteren einfügen. Die Lockennig. bzw. engere Zusammenfügung durch einen J*"

wirkt ein lebhafteres, bzw. sanfteres Einfließen des Wassers in jene Gesäße.

Eine Winteruhr wird angeferf.gt. inöemman radiale Kupferdrähte vom Mittelpunkt einer Fläche zieht, um diese dann Kreise lpamU. cne die monat.idjcn Zeiträume grenzen. §;nter diesem Drahtnetz wird eine Scheibe be'eiLgt. auf der das Weltall mit dem Tierkreis ver­zeichnet ist. Au' der Rückseite der Scheibe ist, in i>er Mitte das Ende einer drehbaren Welle ein- gefügt. Heber diese ist ein weicher Kup^erdraht gezogen, an dessen einem Ende eine Hohl!chewe angebracht ist. die vom Wasser gehoben wird. . Am andern Ende hängt ein Sandsack, der das ; gleiche Gewicht hat wie Zr.e Hohlscheibe vo t wird das Sandgewicht in demselben Maß Un­ten, wie die Hohlscheibe vom Wasser gehoben

Dollar-Imperialismus.

Don Otto E o r b a ch.

DaS Vorgehen der Regierung des Präsi­denten T o o l i d g e gegen die Republik Hica- tagua und ihre drohende Haltung gegenüber Mexiko bedeuten für panamerikanische Verhält­nisse an und für sich nichts Heues. Schon immer hat man im Weißen HauS zu Washington die Monroe-Doktrin so aufgesaßt. daß sie nicht nur kolonialpolitischen Absichten europäischer Regie­rungen auf Gebiete der Heuen Welt ein für alle­mal einen Riegel vorschieben sollte, sondern, daß sie auch der Union eine Art Dormund- schast über dieSchwesterrepubliken" sichere, die sie berechtige, solchen latein-amerikanischen Staaten, die sich als unfähig erwiesen, geord­nete Verhältnisse innerhalb ihrer Grenzen her- zustellen, mit demgroßen Stock" die erforderliche Vernunft beizubringen. Es sind jedenfalls viel weniger die kultischen Regeln der Washingtoner Diplomatie, die sich gewandelt haben, als die Z e i t v e r h ä 11 n i s s e. in denen sie zur An» Wendung', kommen. Die Union übt heute nicht nur in der Heuen, sondern auch in einem sehr großen Teile der Alten Welt eine Macht aus. die sie. wenigstens hinter den Kulissen, den Gang der wirtschaftlichen wie volitischen Dinge aus­schlaggebend beetnfluffen läßt. Andererseits kön­nen sich diejenigen latein-amerikanischen Repu- bliken. die gegen den Stachel des Dollar-Jm- periallsmus des Bankeetums zu loten wagen, als Organe d er erdumspannenden Verschwörung unterdrückter Völker gegen die toelterobernbe Ge­walt deS Dollars fühlen. Die scherzhafte Rede­wendung von einemOnkel Sam mit dem großen Stock" ist auch bei Öen gewaltigen Ausmaßen, die sowohl die Machtmittel des Bonkee-Jmperia- VSmuS wie die Widerstandskräfte nationaler Un- abhängigkei!sbestrebungen angenommen haben, auf Streitigkeiten zwischen der Union und latein­amerikanischen Ländern nicht mehr gut anwand- bar. WaS früher eine rein panamerikanische Zwi­stigkeit bedeutete, kann heute leicht zum Aus­gangspunkt eines neuen Weltkrieges werden. Es ist ia bezeichnend genug, daß das Washingtoner Staatsdepartement Menko als einenHord des Bolschewismus" brandmarken läßt, der ganz Mittel-Amerika anzustecken drohe. Damit hat der amerikanische Imperialismus seine Ausein­andersetzungen um feine Macht in und am Kari­bischen Meer auf denselben Generalnenner ge­bracht, wie der britische Imperialismus seinen Kampf gegen die chinesische Freiheitsbewegung, so daß es fast den Anschein hat, als handele es sich in beiden Fällen nur um Vor spiele zu der schließlich vielleicht unvermeidlichen gewalt­samen Abrechnung der angelsächsi­schen Mächte mit Sowjetrutzland.

Zum Glück gibt eS sreilich in allen Ländern noch Leute genug, die dieWelt" weder sow- j e t r u s f i s ch noch angelsächsisch werden lassen wollen, und von deren Einfluß wird es in Zukunst abhängen, ob die neuen kriegerischen Brandherd« auf die Dauer lokalisiert wer­den können, oder schließlich zu einem neuen Weltbrande anwachsen müssen. 2n den Hereinig- fe i Staaten selbst bc ^net die Politik des Stea s- departements gegenüber Hicaragua und Mexiko in weiten Kreisen heftigem Widerstand. ..Was Präsident Eoolibge in Hicaragua und Mexiko tut", schreibt dieHeuyork World",besteht darin, ganz Latein-Amerika gegen die Der- einigten Staaten aufzubringen. Er sät eine solche Saat deS Hasses und Mißt'.auens, daß es wahr- scheinllch auf Jahre hinaus m den Landern süd­lich ber Vereinigten Staaten ein Merkmals des Patriotismus sein wird, anti-amerikanisch" zu sein." An anderer Stelle me.nt dasselbe Blatt: , Wenn die gegenwärtige Politik blinden, unbe­sonnenen. ungelenken Angreisens noch viel länger fortgesetzt wird, dann ist der Schutz de« Panama­kanals wirklich bedroht, dann find die amerua- nischen Handelsintereisen in der Tat gefährdet. Obgleich aber selbst eine so einflußreiche Persön­lichkeit wie Senator Dorah. der Vorsitzende deS Senatsausschusfes für auswärtige Angele- genbeiten, denselben Standpunkt bertrUt, ift kaum mehr damit zu rechnen, daß die Regierung

Neidhardt von Gneisenau

Von Dr. Gustav Stresemann, Reichsminifier deS Auswärtigen.

Sanierten, Ml usw. frei, IRäusburg 1?

MsteigMg emeinbenrolb Lhboch am 17. Januar 1927, vormittag» tt Gastwirtschaft Weber in 379D

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Mluitzbolz, 4 m lang «nmiMz, 2 m lang flämme 3. und 4. Klasse mit

kämme mit 152,65 Im angtn 1. bis 3. Klasse angen i bis 6. filaffe ämme mit 3,78 Im rnnutfniippel, 2 m Mtz munt mit 2,5 iw.

dinyuWN werben im icr- ltgtben.

is, den 10.Januar 1927. )er Bürgermeister.

Brockmeier.__.

dem Grund und Boden de« Lande« Fremden reich, Spanien, Portugal und die Schweiz zu­sammengenommen. Rach dem Wortlaut der am 1. Januar diese- JahreS iif Kraft getretenen neuen Gesetze über die Beslhrechte Fremder sollen solche innerhalb 1OO Kilometer von der Grenze kein Land mehr besitzen dürfen. WaS tu dieser Zone ihnen gehört, soll den gegenwärtigen Be­sitzern biS zu ihrem Tode verbi nben. Die Erben sollen darüber zugunsten mexikanischer Bürger verfügen. Fremde Gesellschaften, die über die Mehrheit der Aktien menkanischer Gesellschaften verfügen, müssen ihre Anteile innerhalb zehn Jahren auf eine Minderheit reduzieren. Die Eigentumsrechte Fremder an mexikanischem Oed­land sollen in fünfzigjährige Pachtverträge ver­wandelt werden. Der Widerstand der Vereinigten Staaten richtet sich dagegen, daß diese Gesetze rückwirkende Kraft haben sollen. Gerade auf diese aber muß es dem merikanifchen Volke ankommen, daS nur auf solche Weise wieder all- mähich Herr im eigenen Hause werden kann. Prälldent EalleS ist der Washingtoner Regierung soweit entgcgengclommen, daß er durch ein .Gent­leman-Agreement" Bürger der Union möglichste Schonung bei der Anwendung jener Gelehe zusichern will, und es unterliegt keinem Zweifel, daß sich auf diese Weife ber wesentliche Inhalt der Rechte aus alten Verträgen retten Netze. Für den Imperialismus des Washingtoner Staatsdepartements genügt daS aber nicht. Es steht unter dem Drucke der Tatsache, dah sich die Einfuhr von Rohstoffen in die Unionsstaaten feit dem großen Kriege verdreifachte, während fich die Autzenhandclsziffem an und für sich durch­schnittlich nur verdoppelten. Don Alaska bis zum Panamalanal soll binnen kurzem der Wille des Washingtoner Staatsdepartements unmittelbar, in ganz Südamerika mittelbar den Ausschlag geben, damit sich der Dollar-Imperialismus auf beide amerikanischen Kontinente als eine sichere Macht­basis im Kampfe um die Herrschaft im Stillen Ozean stützen kann.

rich dem Großen als Premierleutnant in preußische Armee ausgenommen. Schon in Schlacht bei Jena führte er eine Brigade: er Kolderg glänzend verteidigte, berief ihn König in die Reorganisationskommislion für Armee und gab ihm die Möglichkeit, an bet

Wiedergeburt des preußischen Staates mitzuar­beiten. Schon vor der Erhebung war er Ver­trauensmann des Königs in verschiedenen diplo­matischen Verhandlungen mit England, und als der Krieg ausbrach, wurde er Generalquartier­meister deS Blücherfchen Korps und nach Scharn­horsts Tode Ches deS Generalstabs der Schlesi­schen Armee. Hach der Schlacht bet Leipzig wurde er zum Generalleutnant ernannt. Hach dem ersten Pariser Frieden erhob ihn der König in den Drafenstand, und eS wurde ihm gestattet, sich eine preußische Domäne auszuwählcn, die 10 000 Taler jährliches Einkommen verbürgte. Als besondere Auszeichnung erhielt er nach Be­endigung be» Kriege« den Schwarzen Adlcr- orden, ber nach ber Schlacht von Belle-Alliance in Rapoleons Wagen gefunben worden war. Hach dem Kriege war er Gouverneur von Ber­lin und Mitglied des Staatsrates und wurde 1825 zum Generalfeldmarschall ernannt. Er starb, als et eben den Oberbefehl über öle vier östlichen preußischen Armeekorps erhielt, die wegen des polnischen Ausstandes ihm unterstellt werden

Der Roman einer Landkarte.

Ein Rechtsstreit zwischen Heufundland und Quebec, der feit 20 Jahren ausgefochten wird unb bereits vier Millionen Mark Kosten ver­schlungen hat, bürste jetzt durch eine zufällig auf­gefundene Karte entschieden werben. Es handelt sich babei um die Grenzfestsetzung von Labrador, bie vor dem obersten englischen Gerichtshof ver­handelt wird. Heufundland verlangt ein Fünftel dieses riesigen Gebiete« und stützt sich dabei auf alte Ansprüche au« dem 18. Jahrhundert. Hun bot vor einigen Wochen ein Vagabund an der Tür eines Londoner Hause« ein Bündel mit alten Karten und Schriften feil, unö ein Ge­lehrter erstand es für ein paar Schillinge. Als er den Inhalt des Paketes durchfah. fand er eine Karte von Rordamerila und Labrador, die eine ganz bestimmte Grenzlinie auswics. Er glaubte, daß dieser Fund vielleicht von Huhen fein könne, forschte näher nach und sand heraus, daß die Karte aus ber Mitte be« 13. Jahr­hunderts stammte und eine offizielle Geltung beanspruchen durfte. Die alte Landkarte, bie ein Unikum ist, wurde darauf dem Gericht übergeben, unö sie dürfte bad wichtigste Dokument sein für die Entscheidung dieses Rechtsstreites, durch den überaus folgenreiche Gebietsveränderungen sest- gelegt werden sollen.

be« Präsidenten Eoolidge sich von bet einmal eingenommenen Haltung noch abbringen lassen werbe. Richt nut wirb General Diaz in Rica- ragua gegen ben Willen ber überwiegenden Mehrheit bet Bevölkerung mit amerikanischen Bajonetten am Ruder erhalten bleiben, sondern man ttitö diesem inbitel.en Schlage gegen das Regime des Präsidenten Calles in Mexiko andere Schläge folgen lassen, die diesen in seinem eigenen Lande treten sollen. Wichtig ist", heißt es in einem Bericht des Washingtoner Kortefpondenzen der Londoner Times ,sich zu erinnern, daß alles das (was gegen Nicaragua geschieht), gegen die Colles- regierung in Mexiko gerichtet ist. aus welchem Lande immer beunruhigendere Meldungen kommen. Die reoolutionären Elemente sind ermu­tigt worden und das zu einer Zeit, wo die Probe auf die Land- und Oelgesetze, denen die Vereinig­ten ^Staaten widersprechen, nicht mehr viel länger verzögert werden kann. Die Ereignisse bewegen sich bereits auf den Punkt tatsächlicher Einmischung in die Verhältnisse Mexikos au, es sei denn, daß Prä- bent Calles, was unwahrscheinlich ist, auf der gan­zen Linie nachgäbe. Nachdem man auf jeden Vorwand der Neutralität in Nicoragu verzichtet hat, braucht wenig Zweifel darüber zu bestehen, daß dem Staatsdepartement vom Weißen Hause ge­stattet werden wird, eine Lösung in Mexiko zu erzwlngen, und ein Regierungswechsel liegt dort keineswegs außer dem Bereiche der Möglichkeit. Ob irgendeine Regierung, der dos Staatsdeparte­ment zustimmen würde, lange im Amte bleiben könnte, ohne sich auf Bajonette der Vereinigten Staaten stützen zu können, ist eine andere Frage."

Für das mexikanische Voll be beutet ber Widerstand gegen den amerikanischen Imperialis­mus ein unbedingtes Gebot natio­naler Selbstbehauptung. Bürger bet Vereinigten Staaten verfügen in Mexiko über ben dritten Teil des auf 2 500 000 000 Dollar ge­schätztennationalen" Wohlstandes. Ihnen ge­hören 73 Proz. der Oelselder, und auf sie entfällt ber Löwenanteil an ben 54 874 557 Acres, bie von

Königs von Preußen, so muh man deshalb wohl die Frage auswerfen, welche Auszeichnung ber König ersinnen sollte, bie er Gneisenau nicht gegeben hätte? Er ist als Felbherr Preußens in einer Weise geehrt worben, wie außer ihm nur Blücher, und alle Auszeichnungen unb bie Art ber Auszeichnungen zeugen nicht bavon, baß

ist. Ohne von ihr zu wissen, hat man sie als Gesetz erfahrungsgemäß gekannt und verwertet. Denn all biefe Technik arbeitet schließlich mit Schwere und Erdanziehung de« Wassers. Mit ben später entdeckten HaturZräften liehen sich freilich ganz anbere Wirkungen erzielen.

KW

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