Ausgabe 
12.11.1927
 
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Ur. 266 Swetttt Blatt

Skletzener Anzeiqer (General-Anzeiger für Gderheffen)

Zarnstag. U^November 1921

Amerika und der Dawesplan.

fl*fcr*pülitif*r Nmschau.

Herr Pros. Dr Otto Hvetzf ch. H. t>-X

um mir

Äriti! Ja cigentlld) fchvn txr Forderungen «hiftrrftr Sparsamkeit. '2cnberung bei Finanz- aus gleich». Aenderungen in dem Bcrnxiltmg»- <iii*bau und der Sinan tgebarung Deutschlands, da» TMentU4mr zu nennen.

8» bat feinen 3a*d. vüdbMrnb darüber sich OM*dnanderzueyen. wie es zu dem Memorandum de« Reparat onsagenten und den, Sche-.t'.wechiel der deutschen Ä^pminj gekommen ist. Die*e Auseinanderfetzungen vrrthrnMn höchste « bei Blick für den sehr gro'xn Ern» der CUuatten. Mr nunmehr für De-^t'ch'.and entstanden ist und en» gait) sicher au* eine lange Zet belchüf- eigen Wird

Die Apparat-vnOfrage im weitesten Umfang ist damit aufgerollt und zu einer Zeit, unter Umstände^ die für Deutschland nur ungünftlg liegen. Denn Im Sinne dellen. Was wir unter Xthtf l en de« Dawesplane« verliehen. dH. einer Herabsetzung biHrr auf dt« Dauer für Deutschland nicht *u tragenden Loft, kann und wird unter keinen Umständen au« der jetzigen Grdrierung irgendettra« herauskommen. 8« lei w-.ederhoit von dieser Seite au« wird ba« Problem schlechterding« erst reisen, wenn M< Gntlcheidung über die amerikanische Präsidentenwahl gefallen ist. alle» frühe- Gen« Ende 1928 oder genauer gesagt im Früh­jahr 1929. wenn der neugewühlte Präsident fein Amt antritk. Unb baw ist Weller nütig. was bi« dahin ja auch ge'chehen sein Wird, bah da« Schuldenarra normen t -.in'chen Frankreich und Bardamen ka den Schuh stein in ba« Gebäude dieser Schuldenab'o-nmen eingefügt hat. Gs ist unbedingt nertombig. bah man sich diele Lat- fachen unb diese Lage unautgrfeM not lugen hält

Dorum dreht es sich bann jetztAach feinem Zwifchenbericht im So.nmer hui der Äcpora- ktonsagenl in diesem fogenannle-i Alemoranbmn eine In der Form rufo.ge. in der Sache auher- oedentlich scharfe Kritik an der deut­schen Finanzgebarung geübt. Alan über­sehe dabei nicht, bah der lehr vorf.chtige unb sachliche □Rann ganz unzweifelhaft dabei der Rückendeckung durch die amerikan schc Regierung unb die amerikan Iche Finanz vollständig sicher Ift. Unb man wolle infolgedeften da natür­lich auch die Repa rat c» .»gläubiger. Frankreich unb Gnglanb in erster Lin e. unbedingt darin mit Herrn Gilbert ein q geben sich in Deutsch- land darüber nicht täuschen, dah hiernnt eine Aktion begonnen ist. b.t unter keinen Um- st 2 nben im Sande verlaufen wird □Venn dieser Apparat so In Bewegung geletzt und wenn hier Schritte d.eler Ar' unternommen sind, vielleicht auch für Herrn Gilbert früher aekommen. al« er selbst wollte, so ist die andere Seite. Rordamerfta mit den Acparationsgläu- bigem. ohne Zweifel dahin entschlossen. bah dabei etwa« herauskommen soll. 8« wird alle, um ba« Sprichwort *u gebrauchen, auf unse­rer Seile schlechterdings lein □RunblPitzen Hellen. 8« wird gereiften. es wird gehanbelt wer­den müssen!

Was Will unb war Mi llett der Agent? 8r ist ein Finanz mann unb sieht nur ba« finanzielle. 8r ordnet bie wirtschaftlichen 8rfcheinungen unb Tatsachen, die er al« Aus­länder gewih kennt, aber doch In ihrem ganzen inneren Zu lammen Hang für Deutschland schiech- terbings nicht vbliig durchschauen kann, in lieber- t Tribun gen in einen Zusammenhang ein. Or mischt lich nicht in Me inneren CfterlhUmiUe Deutschlands ein. Formell erbebt er ja nichi Einspruch gegen Gel etz Maßnahmen, die nach seiner Ansicht zu gro 'e s.nanzielle Lasten tn sich schließen. Tatlächlich aber tu! er es - och. wenn er aus die Schwierigkeiten der Äo .junttur unb die ilnlicherhe.t in ber Berechnung der Staats- cnmabn*n fointr-eift. wenn er. in zwei fei 06 über­triebener Benutiung eine« Satze« au« bem Da- n^esplan. die deutsche Regierung an ihre Der- pllichtung erinnert, für den Xtan«fer. für ble Ueberiührung deutscher Reparnto «-Mark­zahlungen in fremde Währung, auf alle Weile dem Agenten behlftich »u len. wenn er die deutsche Anleiher v Utf tm Auslände eben'n zwei­fellos einfeit.g behandelt. Gr übt eine Kritik non gröMer Schärfe im Jnicrcfk de« Funktio­nieren« de« Dawesplane« und stellt mit seiner

Gewih logt er (ba« ist wohl der wichtigste politische Satz brr Denkfchr*: überhaupt», bah .tn bem □Rabe, wie d.e deut'chc Ausi-Hr durch von auhen in den Weg gelegte ^nbewuOe gehemull werden, andere Länder die Ber- attKtBM taagaiAUhT, . r BmMmIhi nämlich dah der Inmftet nicht m bem von den Repa rat onsgläudigern gewünschten □Rahe möglich ist. Aber jedermann weih bah bider an sich richt ge Satz tm Augenblick in die

Luft gesprochen ist. Jeder weih, bah Herr Gllberi die anderen Länder. Frankreich Gr.g- land, und nicht zu veegeflen. vor allem lein eigenes Cant. Rordamercka doch gar nicht zwingen kann die IkrxmUrortiing zu trugen, ihre Handelspolitik in bem fttrau zu ändern, dah deutsche 2u-ftrhr mit ber allein her Da wesp'.an au< die Dauer bezahlt werben kann, in gröberem □Eafk möglich werde als bisher. Dagegen bte zweite Hälfte diele« Satzes

Italien zwischen zwei Krönten, von unterem rSmifchen Äorrefponbraten.

Rom. 10. Rovemder.

Da es in Italien eine Presse im Sinne der öffent­lichen Meinung nichi mehr gibt, sondern nur noch, axe sie sich selber nennt, »ein Werkzeug nn Ihrrrfte des Duce unb der Recherung". ist e» nicht nur für den fremden Zeiwngslefer. sondern auch für Beruf»- pcHihfrr schwer, sich ein Bild von Öen fl b sichten Muss otini, zu machen, der kvaft seiner beiipiellofen Machtfülle ein Vierzigmillionenvotk noch Belieben auf bem internationalen Schachbrett ein- setzen kann Man muh schon in Rom selber leben, mit geschärften Sinnen, um zu sehen, wie die Zeiger stehrm. Immerhin babm ja auch die Deute, die nicht gerade auf der Äenerroane hpen. ihre Wetleriahnen. Um zu wisfen. woher der Sturm kommt, braudx man nur bie sogenannten Pazifisten zu betrachten, die mit ihrer RorperfttUung. deren plum­per Somit fie felber kaum dewuht find, alle» ver­raten. Um ihre Auftraggeber, bie Wettermacher, zu decken, wenden sie sich »eist wieder mit foioflakr Ke, darbe gegen Deutschland, gegen den toten Militarismus, die schwarze Reichswehr und wie biefr weit erschütternden Kanonen eine» waffenlosen Volkes alle heihen, das ebenso ohnmächtig wie friedensbe. dürftig ist. Der strieg kommt also von Westen her. vielleicht auch von Süden, nur nicht non Deutschland

Gegen Frankreich und Italien können bie als Pa­zifisten maskierten agents provocaleurs lhr Gift nicht Ipoften, daher hat ftch, wenn auch ächzend. f)err Lloyd George bemühen müssen, einmal rund­heraus zu sagen, dah in Ber lallte» der zweite Weltkrieg emgeleitet wurde und daß er nun bald ausbrechen muffe, wenn die Alliierten nicht endlich da» unfaire Spiel gegen Deutschland auigcüen, um felber abzurüsten, wie es der Grieben »vertrag oorschried und ber Dol- kerbund versicherte.

Aber bie Herren. d,e es ongeht. find taub auf beiden Ohren unb |o bleibt nichts übrig, al» sich halt In Gottesnamen wieder zu schieben.

Soeben wird m Pari» ein Vertrag unterzeichnet. In bm sich Frankreich unb Jugoslawien verpflichten, bei ber erftbeslen Gelegenheit die Lunte an ba» italienische Pulverfaß zu legen. Artikel 3 und 5 drücken da» inplomatifd) so aus: ..Sollten Frank­reich ober I'.igo'! 'wien ungeachtet ihrer friedlichen Absichten und ohne jemand provoziert zu baden, angegriffen werden. |o setzen sich die beiden ^Regierungen unverzüglich miteinander in Ver­bindung, um eine Aktion zum Schutze ihrer nationalenInteresfenzu unterneh­men. Sie verpflichten sich ferner, sich gemeinsam jebem gegen bie gegenwärtige politische Lage geriet^ teten versuch zu widerfetzen/'

Hier sind castr» foederis und asu» belli tn ge­radezu klassische Abhängigkeit gebracht. Da» krie- aer Ische Bündnissystem, wie es bie große ttzeuchelei dem Dreibund vorwarf, wie es. so lange es ben Alliierten tm Kriege schlecht ging, al» bie Ausoeburt ber f)öüe hmgeftelli wurde, wie es m Gens feierlich bestattet werden sollte, e» blüht in Reinkultur auf. Wer nur einen Funken Ahnung»- vermögen besitzt, weiß, daß dieses Bündnis gleich- bedeutend Ist mit Krieg, mit dem Kampf um» Tt I tl e( me e r, mit dem zweiten Dritkneg. daß aber trotzdem, nein, daß de-ha Id gewisse Herrschaf'.en fortfahr,n werden, in Frankreich, ben fjort des Frie­den» unb in bem weit ab liegenden Deutschland ben Störensried zu erblicken, vielleicht wirb man sogar, wenn schon das Blut zum Himmel dampft, einen der Kämpfer in» Unrecht setzen, oennullich Italien, und ihm einen Frieden-vertrag ab pressen. In dem es seine verbrecherische Schuld" bekennt, aber die Rüpel zu entfernen, bevor fie In den Lauf geschoben wird, da» fällt keinem em. Wahrlich, die Menschen, bie schaudernd ben kommenden Krieg riechen, die mahnend auf feinen Schatten beuten, follte man

immerhin ein bißchen ernster nehmen al» die ande­ren, bie m Genf vom Frieden reden, die Lunte in ber Tasche

Wa, heißt bae. bie . gegenwärtige poUniche Lage"? 9Mcmot» ist eine poim'che Landkarte schwan- kender gewesen al» heute, denn niemals ist sie wlbernatürlicher verzeichnet worden al» in BeriaiBe». Wer soll mit chr zusneden sein' Bekannt­lich sind ba» nicht einmal alle Siegermächte. Richt» natürlicher also, al» ba» Trachten nach einer Adan b e r u n g ber gegenwärtigen pollttschen Vage. Italien hat erst dieser Tage mit seinemPanthersorung" nach langer gezeigt, daß e» dort ben versuch einer Abänderung der gegenwärtigen Lage unter­nehmen werde. Frankreich antwortet daraus mit einem imposanten, an sich außervrdenllich geschickten rchachzug an ber Adria. Gewiß trifft es dort bie lateinische Schwester an ihrer empfindlichsten Stelle, aber ohne jeden Nutzeste.'!. Gerade hier ist von Ita­lien nicht» zu erreichen, man kann mit ihm in 'JlorX^rifa. im Orient französischer Färbung ober in unb um Kolonien handeln unb feilschen, nie­mals aber über ba» Mare ooitrum.

Sehen wir ben Möglichkeiten von morgen ruhig in» Auge Italien hat mit Albanien einen Brr- ireg adgeschlosten, ber ihm gewisse, von Belgrad an- stößig empfundene Vorrechte über ben feinem Hause pc(h-nüber liegenden Balkon gibt. In Nom ist man gar nicht unhöflich gewesen, al» sich der Adria nach- bar. dein man jetzt m einem allerdings bald ab- lausenden ..Freundschaftevertrag" verbunden ist. so ausbegehrle. unb hat ihm oorgef(biogen, ein Gleiche» in Tirana anjuftreben. Davon wollte aber certnen nichts ruiflen, e» zog im (BeiuM eine» hinter ihm stehenden starken Freunde» den Schmoll­winkel vor. in bem e» ganz vergaß, bah e» ja selber erst kürzlich einen Nachbarn, zum Dank für feine Waflenhiste, mit Haut imb Haaren verschluckt hatte. Montenegro.

lut mm Italien in Albanien einen Schrift, ber einem versuch nach Abänderung der gegenwär­tigen. von Jugoslawien selber al» unhaltbar bezeich­neten Lage gleichsiebt, so schlägt Frankreich auf bie italienischen fanacr! Ohne ba» heutige Bund nl» könnte ein italienisch-serblscher Streit auf fernen Herd beschränkt bleiben , ber casus foederis aber e r weitert, wie 1914, ben Brant automatisch zum Weltkrieg.

Man wirb nun rinwenben, a u chItali en habe ehw Reihe von Verträgen abgeschlossi-n mit Ungarn. ^Rumänien und so weiter, und zweifellos ist feine Internationale Verflechtung bedenklich engmaschig ge­rne rb en, ober es bars nicht außer Acht gelosten »er­ben. baß es sich dabei immer um sogenannte Freundschafte oerträge handelt, bie nach dem Muster de» mit ber Schwel; getroffenen Abkom­men» nur bie beiden Kontrahenten selber blabet, während da» französisch-jugosla­wische Bündnis ein gemein! ome» Bor­geben gegen D ritte Vorsicht. Es ist nicht» andere» als eine französische Verstärkung de» natürlichen Gegner» Italien».

In Bclgrad herrscht demgemäß auch unendlicher Jubel. Man stihlt sich au» der Isolierung die sahne- lang das Schlagrvort auch für innrrpolitifche Kampfe bildete, fosgeeift, genau wie bamal». als sich zur rech­ten Zeit ber nrssische Bruber einstellte. Jem werden die serbischen Neooloerkugeln bedeutend lockerer fitzen unb Italien» Flieger um so schärfer wachen.

Auch tnerm man ber Tteimma ist, daß die Au»- rinandersetzung zwischen Frankreich unb Italien mit Naturnotwendigkeit kommen muß ber Kampf um» Mitteleneer so ober so losbrechen wird, fühlt man sich zu ber Frage berechtigt, ob e» gerade notwendig war, den Krieg durch ein dynamitgeladene» Bündnis zu beschleunigen.

.Br. her Xeichlneg erun^f'.brt muß bte Ikr- anNvorillchDett für eigene Handlungen ruhen «ei­ben. bie durch übermäßige« An'pornen ber ö.n* fuhr unb durch Mmberuna der Ausfübr künf­tig bann ausgehen, de !ran«ierm gltchstriten zu beschränken.' Dieser Satz ist nun ohne 3B*i- ♦ei mm m'.ndeffen übertrieben, befkr ge» lagt. d»ch tat'ächlich fallch. Welche H.in^ungen der beut'chen Xegterung liegen vor. d.e Me Ausfuhr kun'i. ch behindern? JA ber kr v'chc Ginwand. Deut'chland Ipaene die Ginftchr über­mäßig an, in b.eer Allgemeinheit richtig und aistrcchtiuerhaltens 8r zielt auf bie 31 nlei ben tm Auslande Wir geben dafür alle« per «. tx>a« n. *: p:r»daktiv verwenhe« tt* rb. aber ohne bie produktiven 2toleihen tm Auslände hätte Deutsch!and überhaupt nicht unb t*o i vornherein ni<t)l den Datoesplan erfüllen tbrmen. w.e er bisher ohne Re-.bungen läuft. Hier wird da« Rind mit dem Bade ausgeschcutei aber wie Me □Rachtnerhältni'se liegen. Deut'chllrnb g^'genüber kann da«, was als Absicht und ftnrberung tn etnem solchen Satz liegt erzwungen werden.

Diese Diskust on wird uns mm fange be­schäftigen. Was uns habet am mriben c'wge macht, ist weniger die Anttf de« Agenten »Vr die großen Schwier gkeillm. die er übrigen« auch zu leicht nimmt, nun die Reform unsere« Rer- waltungsapparates und unlerer Fma. »gebarung in die Hände zu nehmen, noch da«u in einer 3eit auch Cki« erichtvert die D.nge bi dar die kommende Dahl beweg i.-»g bei un« to:e bei den anderen das ruhige Urteil trübt Am meisten besorgt macht uns habet, daß diele Ovbr.erung. wenn he von unlerer Seite nicht sehr kicher ge­führt wird, einen Schatten auf die Beziehun­gen Deutschland« zu den Bereinigten Staaten werfen kann.

Diete Beziehungen find feit Kmegäende zu­nehmend besser geworden. Sie sind ein Ak­tiv u m In der B lanz der deutschen Außen­politik. Sie haben zwar praktisch In der letzten Zeit weniger gewirkt, weil aus inneren Gründen die Bereln.gten Staaten sich überhaupt grvhe Reserve In ihrer auhenpo tischen Betütignng auf erlegen. Vie hätten nach der innerpot tiichen 8ntscheidung drüoen für Deutschland v w Zweihl günstig gewirkt. Wir sagen nicht, daß sic schon gefährdet sind. Aber, wie schon die Behandlung der □ku.oder Poesie zeigt,ann diese zur Un­zeit gekommene, jetzt aber gar nicht meta ab« zu stoppen de Revstionhsdebattze d e 'Be?i-Hunnen zu den Bereinigten Staaten auch politisch trüben, zur Freude unserer Gegner

Wir hosten und nehmen an, daß der 8mft dieser verwackelten und schw.erigen Situation den dafür verautr-ortlichen Siesten vostkammen fiar ist. Sine solche Aepar. t onssrage ist nicht nur eine der Z.nanztvchn.k und der Finanz­politik. Sie ist eine Frage ber Außenpolitik im höchsten Stil. 8s steht h er lehr erhebliche«, vor allem unter den großen we.tpr-s.iischen Ge­sichtspunkten, auf dem Spiele. D.'shalp über­winde man einmal b e S<bndtrigfntcn. die bei der Bielheit der Rriforts und ber Unklarheit der Kompetenzen untere« politischen Leben« jede energische Aktion so außervrdenftich erschwert und (äbmll Wir brauchen keine neuen Ohm ter. Konnntssivnen, Claat«'dtct3re ufv für diele Frage. Die verantwortlichen TRänner auf dem verantwortlichen Posten find dafür genug.

Das deutsche Bo<k hat die Wamung. Me der Zwischeni>ericht de« Agenten im "onnwr ausspvach nicht gehört. Schneller, fchlrser unb beftumr-lcr ist Die zweite Warnung ge­kommen in diesem Schr ktloechsel. In dem. kurz gesagt. Nordamerika al« Verl re er des Dawes- vlanes koch heute bereits ein mjhnn stellt. Was an dieser Ärit.t de« Agenten sallch ist e« ist eine ganze Menge nach unterer UebT^cu» gxmg - sollen wir schneststens sachlich, in mündlicher Verhandlung mll ihm t ©r allem entkräften, aber nicht in emrm Ro enwechsel und einer Diskussion, die sich vor der Deffent» stchleit der Welt auch zu De-.ischlands Un» aunften abspielt. Was auch wir für uns richtig palten, sollen wir abstellen, ändern, umge­stalten. neu anlegen.

Roch einmal: 8« steht nicht nur kmantz- pvlitisch sondern vor allem außenpvl.tisch unb wellpolstisch sehr vel für Deutschland aus dem Spiel mit dieser Auseinandersetzung, die in lolchem Ernst und solcher Schärfe jetzt begonnen unb eine neue Spannung, eine neu kritische Phase in Deutschland« Außenpolitik eröffnet half

Die Träger des Gchillerpreises 1922.

-r«»z «trscl. Zritz von n*mb. Hermann B»ne.

Der Schillerprei«. der 1859 gestiftet und au- ert im Jahre 1863 an Friedrich Hebbel für seine ..Ribelungen" verliehen wurde, ist tn diesem Sofort, wie bereit« kurz gemeldet, an drei Dichter gefallen, von denen zwei einem größeren Publi­kum bekannt geworden ftnd. weil sie seit etwa 1910 zu den Führern ihrer Generation gehören.

Bon Werfel weiß man. dah er durch feine Gedichtbände un Leichen des 8rprestwnis- mu« Der Deltsreund" und .Wir find" eine neue Gpoche der Lyrik mit heraufgsführt hat. Unter feinen Profaschöpfimgen sind vor allem zwei Romane zu nennen, die □Derlei tn die erste Reihe auch unecer modernen Grzäfoler gestellt haben. Sie heißen ..Der Tod de« Klein­bürger»" und .Richt der Mörder, der Grmordese ist schuldig"^ von den Dramen ist da« pharttastisch- symbolifche SpielDer Spiegelmensch" feiner gro­ben szenischen Schwierigkeiten wegen nur tret und da auf geführt worden, träforenb der .Schwei­ger" sich al« ein außerordentlich wirksame« Stück erwiesen hat, und das historische Schauspiel ..Iuarez und □Rarünilian". der Höhepunkt in Werfel« dramati'chcm Schaffen, mit dem Grill- parzer-Preise gekrönt, auch dem Gießener Publi­kum noch unoer^c scn lein dürfte S;n für dielen Monat angekündigter Vortragsabend de« Goetde- Bunde« wird übrigen« eine willkommene De- Kl bieten, ben Dichter auch am Bortragö- men zu lernen.

Am lautesten hat der Kampf der Geister sich um Fritz v. Unruh erhobene in jüngster Zeit noch hat sein ..Bonaparte" die öffentliche Äritj durch ganz Deutschland in zwei unversöhnliche Lager, in ein erbittertes Für und Wider gc» spalten. 8rft eine kommende Generation wird

Unrub leidenfchafttlcfer und vor allem auch frei von polill chcr und gesinnungSmäßiger Trübung rein künst'.eri chen llrte.ls würdigen können Erst In späteren Zähren kann e« sich erweisen, ob die Hofe Wertung eine« lehr namhaften deutschen Oclefcrten Bestand haben wird, der da« Wort präatc. Fritz v Unnifo fei au« gleichem Holze ge'chnitzt. wie tveiland der preufnfche Junker Heinrich v. Kleist, mit dem er zweifellos nicht nur äußerlich manche« gemeinsam hat Sehr ungewiß, wie die vielleicht berühmtcsten, aber au<p am heftigsten umstrittenen Dramen8in Geschlecht" und .Platz". in denen Unnifo ftch al« einen b* radikalsten Derkünder de« er- pressiontfftschen Dramas in Deutschland bekannte, in zehn 3aform vor der Kritik bestehen werden. Wir glauben, dah das bleibende Bild de« Dich­ter« Fritz v Unruh vornehmlich von drei großen Werken bestimmt wird, den ..Offizieren", dem .Louis Ferdinand" und trotz allem dem .Bonaparte".

Hermann B u r t e wird dem großen Publi­kum am wenigsten vertraut sein. Vieler Dichter lein wirklicher □tarne ist Hermann ©trübe wurde 1S79 zu Maulburg in Baden geboten und hat sich ursprünglich der Malerei gewidmet. Rach seinen drei Cknaftem .Der kranke König". ..Dotma 3nee" unb .Das neue Haus", von denen ebenso wie von seinen Sonetten .Patri­zia" eine scharfe 3eitfriri! ausging hat er sich durch den Roman □Bilricber der ewige Deutsche" einen guten Romen gemacht. Barle hat mit bte'em Spo« ein stark pessimistisch gefärbte« Bill» vorn Deutschland der Dorkrieg-v i gegeben M.t kern prachtvollen Prru^en'cha fricl .xatte. da« schon 1914 entstand aber erst nach kern Kriege aufgeführt wurde, hat sich Burte aU ein Dra­matiker von Kraft, Phantasie und dichterischem Zugrift erwie'en.

8ine« dürfte den drei sehr verschieden profi­lierten künstleri'chen Persönlichkeiten. d.e sich in den Preis de« 3afotc« 1927 teilen, best ürmt ge­meinsam fein: jeder ist diele« Preile« würdig.

und keinem von ihnen ist die hohe und verpflich­tende Gfor-xng tm Romen Schiller« so Hoffnung«- los zu spät bd4leben, wie jenem, der sie als erster empfing, kurz vor ,einem 8nbe. mit den bitteren Worten: .Da« ist Menschenio«. bald sehll un« der □Dein, ball) fehlt un« der Becher.-

tfranffurfer Theater

Da» Frankfurter Schauspielhaus friert das fünfundzwanz.gjäforige Ju­biläum feines Bestehen« aU Reue« Schau­spielhaus. 25 Sabre, eine vetchälftnsniähig kurze Spainu- 3eü und doch überreichlich an freu­digem und bitterem Grtcheh.ii. Vie Fell, da das alle Schauspielhaus am Xfoeitrrplafo noch Mu- lerftempel war. liegt, verichlunaen durch das ra­sende Tempo unserer Lawe, schon im Rebel der Grichichtc Ader eines ist gletch geblrebeT», bie Rämpke. damals um den Raturallsmus. man benle an 364en und heute geht es wiederum um Irgendeinen Ismus, unb Hutter aller Form steh« das Ringen nach wahrer, nach ewiger Sun ft. Fast scheint es als führe brr Weg durch einen weit gefähelicheven unb dichter vertzwerg- ter Urwald der verichiebenen Richtungen als banul«; aber wie bem auch la, ber Wea führt nach manchem Abirven vorwärts unb mutz vor­wärts führen, da« ist die Zuversicht, tn ber mm diese« Jubiläum hoffnungsvoll beging.

Bor 25 Jahren toir c« Intendant 8mll 61 a a r . der seine Künstlerschar aus bem alten, lleinen Dchaufp.elhaus fo;nüber in dee heutige Stätte Thallas führte. Er. ber in voller Rüstig- kell bem Jubiläum beiwohnte (erst vorigen Monat hat er seinen 85. Geburtstag gefriert), hat eine stattliche Reche Rachfolger grhabt. Der erste war 3nttnbani B offner, jetzt Landestheater Prag, ihm folgte ein kurze« Gastspiel Felir Hollän­der«. dann der verstorbene Hoftat Mar B e h - r en b und der um baA Frankfurter Theater- leben besonder« verdiertte Geheunrat Dr. Aar! Zeih em Toter bei! en 2lanw in ber Jtunfi

unvergrtftn bleibt i'jc.

Intendant de« vchautpieshai-se«. untere Ze tver^ hällrlfte machen .hm dirie« Amt schwerer und komplizierter als allen seinen Tloraiiigri-n Die Festvorstellung man hatte Kleists prachtvoll emporlod-em^s Fragment .Robert Guis- kard" gewählt, würbe tvieder zum lebendig eindringlichen Beweis für Weicherts □tenie- kunst. welche alle Spiriee. an ber Spitze iatf 8bert als Gast tn dieser, leiber nur zu kurzen CMmenfoIge zu packender Dari^lluna zusommen- schloh. War es ber starke Rachhall bes Wer­ke«. oder war es bi« groß» Berltändn^slostglett gegenüber bi esem herrlichen Fraamertt. deftan Dollendung die Weit um rin klassische« Meister­werk bereichert hätte. nach dem Fallen des Dvehangs rührte sich Beine Hand

Erst nach dem zweiten Tril bet Frttvvestell«^ nach der unter der musikalischen Leitung Rot­te r. b e r g S vom Opet7ch2^sc^chrti^ mristerch-ft br tten Laom-ven-Ou vertäte Beet­hovens, löste sich die ansängllchk Starre des Publikums bi herzliche»! lausen BeistA. I- V.

Der zweite Festabend brachte die Urauf­führung von Paquets .William Penn". Alfons Po^uet ist als letnflnni»er Schriftsteller toei testen Kreisen bekannt. 6er Abend erbrachte aber ben Brtoris daß toir eine neue branutti'che Kraft tn ihm nicht gefunden Haden. Darüber dürfen auch ber lob hafte Beifall unb bie zahlreichen Hervorrufe wcht hiinoeg- räulchen. deren sich der Verfasser neben ben Dar­stellern zu edreuen hatte. Der erste Akt ist durch die ttrtft.che Zn'zemerung vim einer ge­wissen. 2ebenb;gfe t; banr. ichleppt sich da« Stück mangel« jeder Ronzentratton müde dahin. Auch die }um Teil recht gute Darstellung krrm darüber nicht h^.nwcghelfen, zumal die Haruttftgnr be« Sattler» Penn unter recht undeutlicher Aus­sprache litt.