Ausgabe 
12.10.1927
 
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stellen hatten, bah diese Frage eine befriedigende Lösung gefunden haben würde, wenn die gegen- tcdrtige Regierung nicht auf ihre Bestätigung verzichtet hätte.

Herr Chamberlain hat die Beobachtung ge­macht. bah diese Vertrage für die gegenwärtige Regierung nicht zufriedenstellend waren und fic hat sie auÄ diesem Grunde nicht genehmigt.

3d> habe ihm zu verstehen gegebm, daß es im Interesse der englischen Regierung läge, wenn die konservative Regierung die Vorteile der Gc-setze, die Erleichterungen für den Außen- handel vorsehen (Tradc facilities acts) auch auf Ruhland auSdehne. so dah wir langfristige Kredite erhallen könnten. Er sollte mtir.er Darstellung über den Mechanismus dieser besetze mit Aufmerksamkeit. Sr rief sogar seinen Sekretär, um Auskunft über den Gang dieser Gesetze und die für ihre Anwendung auf un­seren Handel erforderlichen DÄtingungrn einzu­holen. Sr hat mir u. a. mitgeteilt, dah die konser­vative Regierung die Maßnahme zurückgenom- men habe, welche die Anwendung ter Tradcs facilities acts für den Dau von Seesch'.sten in England untersagt eine Mahnahme, die dik­tiert war von der Furcht vor fremder Kon­kurrenz für die englische Handelsflotte.

Die Unterhaltung sprang jetzt auf unsere Handelsaussichten für daS laufende Hohr über. Ich habe ihm betoiefen, dah wir die Absicht hätten, i m Ausland für 500 Mil­lionen Rubel Waren zu kaufen und dah ich als diplomatischer Vertreter in England eS für meine Pflicht hielte, soviel Bestellun­gen wie möglich hier im Lande zu machen. Er antwortete, dah die- auch für ihn sehr wün­schenswert sei und dah vielleicht auf dem Han- delSweg auch die politischen Schwierigkeiten überwunden werden könnten.

> Um die -ritte Postzustellung in Giehen.

Don der Industrie- und Handels­kammer Giehen wird uns geschriebene

Die vor einigen Wochen in Kraft getretene Port oerhöh una der RcichSpoft hat in der Di ebener Kaufmannschaft von neuem das Verlangen nach Wiedereinrichtung einer täglichen dritten Postbestellung, die gcwissermohen eine Gegenleistung für die erhöhten Mehraufwendungen an Porto bar- stellen soll. laut werden lassen. D kanntlich tour- kx'n bis zum Februar des Jahres 1922 in (Sieben täglich drei Destellgänge ausg.führt, von denen öonn einer wegen des allgemeinen Derkehrsrückgangs ausfallen muhte. Rach Unter» Handlungen zwischen dem Postamt und der Han­delskammer entschloß man sich damals, die ver­bleibenden stiXi Destellgänge in die Zeit von 7 bis 8 ilbr vormitlags und ab 2 älhr nachmit­tags zu legen. Diese Regelung wurde von der Geschäftswelt jedoch bald a's nicht zweckmäßig empfunden: in erneuten Verhandlung n zwilchen Postamt und Handelskammer wurden in Aleber- einhiinmung mit den Wünschen der Kaufmann- sch .s» die rroch heute bestehenden Zeiten für die beiden Destellgänge festgesetzt.

Da der in den RachkriegSjahren stark abge­flaute Verkehr mit der Zeit jedoch wieder eine bemerkenswerte und sehr erfreuliche Zu­nahme erfahren hat. wurde schon bald nach dieser Regelung b:r Wunsch nach Wiedereinrich­tung eines dritten De'tcllganges vrnhmbar. Insi-sgedesfen hat berai auch die Handelskammer seit b-m Jahre 1924 sich fortgesetzt in wiederholten Eingaben und persönlichen Rücksprachen bei dem Postamt für die Erfüllung dieses berechtig en Wunsches der von ihr vertre'enea Kreise bemüht leider ohne Ersoig. Die Po st Verwaltung begründete ihre abl hnend' Haltung damit, bau die Hauplpostzüge fast säm lich vormittags in Gießen einliefen und bie von ihn n hierher be­förderte Post während des um 11 Uhr beginnen­den zweiten Desteliganzes noch mit auSg tragen toürSt; die später eing.h nb n S nbung n feien für j.ben der 32 Zustellungsbezirke so wenig zahlreich, dah die dec Post aus der Einrichtung eines brit en Destcllganges ertoa yfenb.n Mehr­kosten in Höhe von etwa 2DO3O Mk. nicht g.r.cht- fertigt erf (Dienen. An dieser Tatsache habe sich bis jetzt nichts geändert, weshalb die Postverwal- tung an ihrem abl hnenden Standpunk trotz aller Vorstellungen unbeirrt fest hall en mühte, was jedoch bie Handelskammer ihrer eits nicht abhalten

LlmWolgundllebe.

Roman von Robert Misch.

Copyright by Carl Dunker. Beri.n SW 62.

14 Fortsetzung Nachdruck verboten

Da» Drum und Dran, dashinter den Kulissen" ist nicht gerade schon", sagte die Heimel achsel­zuckend. al» Isa ihr vortlagte.Man must schon eine tiefe Reiauna zu diesem Beruf haben oder grohe Triumphe feiern und (ehr jung sein, um txreubc daran zu finden Sie haben Talent und ein hübsche» Stmunchen ... es must nur größer werden warten Sie'» ab! Vielleicht kommt diese Freude noch. Im übrigen muß man darüber stehen, wie ich setzt, oder ganz darin. Für uns Frauen, wenn wir nicht heiße» Blut, Lebenslust und eine ge­hörige Portion Leichtsinn besitzen, kurz das be­rühmte Theaterblut, ist e» ein sehr schweres Da­sein. Ihnen scheint da» zu fehlen Sie sind eine kühle Matur und sensibel, liebe» Kind. Für unse­ren Beruf pafot da» nicht. Diesen Berus muß man lieben. di» zur Monomanie, sagte mein seliger Mann oder man haßt ihn. Sie finden auch in keinem anderen so viel wirklich Enttäuschte. Menn e» noch nicht zu spät ift, retten sich die Manner bann In einem anderen Berus, die Frauen heiraten den Grftenbeften. Ich fand den Besten: doch mein Glück war nur kurz. Glauben Sie mir, für viele ist die Bühne bloß eine Flucht aus dem Philister-Alltag, dem Bureau, der Ad- hängigkeii und DienftbarfeU. Für hübsche Mäd­chen. wie gesagt, nur ein oprungbret in die Ehe. Bloß wenigen ist e» ein Zwang, ein eine Berufung statt eine» Berufes Da» sind und werden die ganz Großen."

Im Januar, al» sich die Faschingsluft in dieser lebenslustigen Stadt laut austobte, fand ein gro­be» Wohltatigkettssest für dieGenossenschaft Deut- fd)»r Bühnenangehöriger" statt Ein Basar in der rieflgen Stadthalle, auf dem bie Damen und Herren de» Theater» in Sekt- und Verkaufsbuden möglichst viel Geld herausschlagen sollten, assistiert von einigen hübschen jungen Damen derGesell schuft". Dazu auch Tanz und Kabarett: vorher

wirb, ihre Demühungen um die Einführung eines dritten Destel!ganges mit aller Energie ^lun^zeigt bie Postverwaltung selbst einen Weg. welcher die Möglichket gibt, bie von der Geschäftswelt so brtr.genb erwünschte dritte Post­bestellung ohne Mehrausgaben, d. h. ohne Der- mehruna der -Zahl der Briefträger, schon jetzt einzurichten. Dieser Weg besteht in der An­bringung von Hausbriefkasten, b x in zahlreichen europäischen Ländern schon fett län­gerer Zeit üblich finb. Es handelt sich hier be­kanntlich um die Anbr.ngung einer gut ebenen Erde eingebauten Briefkast en a n- läge die für jede Wohnung ein^abgeschlossenes, verschließbares Fach für die gewöhnlichen Post­sendungen enthält. An der Klappe ,ebes ern- iclnen Fachs ist der Rame tes Wohnungsrn- habers angebracht, dem durch die Hauskltngel von dem Einlegen von Postsendungen Kennt­nis gegeben werden kann.

Die großen Vorteile einer solchen Einrich­tung liegen offen zutage. Für die Geschäfts­leute bedeutet sie infolge der durch Ersparnis des Treppensteigens wesentlich verkürzten Dauer der einzelnen Destellgänge eine erhebliche Be­schleunigung bet Zustellung der Postsendungen. Auch andere Kreise to erben sich der Einrichtung gerne bedienen, so benutzen die Zeitungsfrauen, die Geschäftsleute, bie An­preisungen verteilen lassen, sowie Bekannte die Briefkasten zum Einlegen von Zeitungen. Mit­teilungen und bergt und ersparen sich dadurch die Mühe des Treppensteigens. Ebenso haben Hauswirt und Wohnungsirchaber Dortclle von der Anbringung der Hausbriefkasten: die Haft­pflicht des ersteren vermindert sich und bie Wohnungsirchaber werben nicht so häufig in ihrer Ruhe gestört. Im Auslanb sind die Vor­züge dieser Einrichtung voll anerkannt worben: in Deutschland sind bie Hausbriefkasten bisher nur in Frankfurt a. M. allgemein üblich. In neuerer Zeit hat auch in Kassel bas Stadtbauamt bei allen Reubauten die Anbringung von Haus­briefkasten zur Pflicht gemacht. Auch in Baben toetben bei ber Erteilung von Daubeschnben die Bauherren auf die Zweckmäßigkeit dieser Ein­richtung hingewiesen.

Ratürlich kann und wird auch nicht ver­langt werden, baß bie Hausbesitzer in ihre älteren Häuser, in benen noch keine Hausbrief­kasten vorhanden sind, solche einbauen lassen: hier wäre es vielleicht empfehlenswert, bie sämt­lichen Briefkasten ber Wohnungsinhaber im Dvrflur bes Erdgeschosses nebenein» anber aufzuhängen. Im übrigen aber müßte jeder Bauherr sich künftighin zum Grundsatz machen, m seinem eigenen Interesse und in dem ber Allgemeinheit an seinem Reubau Haus­briefkasten anbringen zu lassen. Wirb der hier gezeigte Weg von der Einwohnerschaft beschrit­ten, bann wird die Postverwaltung dadurch in ben Stand gesetzt werben, bie lang erstrebte britte Postbestellung mit dem jetzt vor­handenen Personal glatt zur Durchführung zu bringen. Es ergeht daher an die Bevölkerung Gießens die recht eindringliche Ditte, für die Anbringung von Hausbrieftasten Sorge tragen zu wollen.

Die Reichsbahn und die deutsche Sprache.

Borbildlich" nennt dieMuttersprache", Zeit­schrift des Deutschen Sprachvereins, einen Erlaß der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, in welchem den Reichsbahndirektionen empfohlen wird, umfangreiche Schreiben oder Verfügungen, die sich an einen großen Kreis richten und dauernde Bedeutung haben, im Entwurf dem Deutschen Sprachverein zur Durchsicht zu geben. Uns scheint, als wenn auch kleine Verfügungen auf ihre Achtung vor der Mut­tersprache geprüft werden sollten. In deutschen Eisen­bahnwagen kann man nämlich folgende Warnungen lesen:Ne pas se pencher en dehors.Richt hin­auslehnen!"E pericoloso sporgersi. Also erst kommt der französische und danach erst der deutsche Text, statt unter allen Umständen umgekehrt. Er- baulich für uns Deutsche ist auch sonst nicht, was dieMuttersprache" gleichfalls feststellt, daß die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. einen Fahrplan herausaibt, der unter der deutschen Bezeichnung die französische Aufschrift trägt:Com­pagnie des chcmins de fer du Reich Ällemand. Weit schlimmer ist es noch, wenn im Güterkursbuch

ebenfalls zugunsten der Gcnostenschaft eineFle­dermaus" Ausführung im Stadttheater selbst.

Diese Aufführung wurde erst im letzten Moment geplant: und es ging daher dabei alles sehr eilig zu. Ursprünglich sollte Adele, das fesche Stuben- mädel. von einer Operettensängerin aus Franlsurt gespielt werden. Diese sagte ab, als die Proben schon im Gang waren. Direktor Meinert ließ Isa ins Bureau kommen: ob sie sich die Adele zu spie­len getraute und auch schnell einstudieren könnte? ... Isa nahm an.

Der Abend wurde ein großer Triumph für sie. Sogar der erste Kapellmeister, der ihr sonst nicht wohlwollte. machte ihr Komplimente. Das Publi­kum rief begeistert nach der Mengersman über­reichte ihr Blumensträuße und bewarf sie auf offener Szene mit Veilchen, während die anderen nur die ofsiziellen Kränze des Basars-Komitees er hielten.

«Nun, sind Sie glücklich, Kindchen?" fragte sie die Heimel nach dem letzten Fallen des Vorhanges Sie waren wirklich reizend."

,3a, wenn man immer nur solche Operette [ingen könnte, die eigentlich schon kornische Oper ft! Aber da» andere. ... Habe ich deshalb singen gelernt? Wozu habe ich dann meine Par­tien studiert, wenn man sie mich nicht spielen läßt?!"

Run da» kommt vielleicht noch", tröstete sie die Heimel. ,,'2lber ich hab's erlebt, daß aus dem Romeo ein ausaezeichneter Komiker wurde. Viel­leicht ist's bei Ihnen umgekehrt."

Als Isa mit der Heimel den vom Komitee ge- stellten Wagen ;um Basarfeste besteigen wollte, sah sie sich von einer Schar jugendlicher Enthusiasten umnngt. die ihr Blumen in die Hand drückten Plötzlich schrie sie laut auf ein großer junger Mann in einem langen Ulster, die weiße Korp^- mutze keck auf den Koos gestülpt, stand vor ihr und küßte ihr galant die Hand

..Eberhard wo kommst d u her?"

Direkt au» Heidelberg? Habe in der Zeitung von Eurem Fest und von deinem Auftreten ge­lesen. Da mußte ich doch dabei sein."

Wenn sie sich nicht gesträubt hätte, wäre er ihr nach dem Handkuß coram publica um den Hals ge­fallen. Aber die Heimel schob die beiden jungen Leute refotut In den Wagen.

der Deutschen Reichsbahn in einer Uebersicht der wichtigsten Stationen des Auslandes die fremdspra­chigen Rainen oorangeftellt. und die deutschen Namen in Klammern und zum Teil in kleinerer Schrift dahintergesetzt werden.

Oberhesten.

Landkreis Gictzen

ch L i n d e n st r u t h, 11. Oft. Im Gasthaus3ur Krone" hielt LandwirtschaftSassessor Dr. Sel- ze r von Grünberg in einer sehr gut besuchten Veiiammlung einen interessanten Vortrag über .W iesendüngung und -Pflege. Die Ausführungen k^s Redners lehnten sich an die praktischen Beispiele in unserer Gemarkung eng an. Gerade für die Gemeinde Lindenstruth die unter äußerst schlechten und versumpften Wielen zu leiden hat. waren die Anregungen. die Dr. Selzer in seinem Vortrag gab, von besonderem Interesse. Für viele Wiesenbesiher wird nur noch ein Umbruch und eine Reuansaat der Wiese in Frage kommen. In der Aussprache wurden viele Fragen, die sich insbesondere auf das Thema des Dorttages bezogen, erörtert und von dem Vortragenden kurz oeantwortet.

d. Deuern. 11. Oft. Eine begrüßenswerte Reuerung haben die hiesigen Landwirte dem Mühlenk^sitzer Schuck zu verdanken. Dieser hat vor kurzem in feiner Mühle zwei Saatgut- reinigungsanlagen einrichten lassen, eine für Roggen und Weizen, die andere für Haier und Gerste. Da die zur Verfügung stehende Wasserkraft der Reumühle es zuläßt, kann die Reuanlage neben dem Mühlenbetrieb gleichzeitig in Tätigkeit fein. Die Reueinrichtung erfreut sich zunehmender Inanspruchnahme durch die Land­wirte, auch aus der Umgegend, da sich mehr und mehr die Erkenntnis Dahn bricht, wie wichtig und wirischastlich vorteilhaft die Verwendung von Edelsaatgut ist. Da jeglicher Unfrautfamen sowie alle schwächlichen ober beschäd.gten Körner ausgeschieden werden, gelangen nur Körner mit starker Keirntrieblraft und Srtragsfähigkeit zur Aussaat, der Verunkrautung der 5dt>er wird vorgebeugt, so daß sich die Ausgaben für bie Reinigung des Getreides bezahlt machen, zumal ber Abfall wieder zu Futterzwecken Verwendung findet.

Lich, 11. Oft. Die Oktober-Monatsver- sammlung des hiesigen Turnvereins, die bei Mitglied Ernst Häfner stattfand, hatte einen guten Besuch von jung und alt zu verzeichnen. Oberturnwart Schön hielt einen fesselnden Do r- trag über bas ThemaDie Entstehung des Turnergrußes®ut Hei!!' Musikalische Dar­bietungen unb Ge^ichtsovrträge bereicherten dann noch den schönen Abend.

r Steinheiin, 11. Oft. Bei der Grund­stücksverpachtung eines Ausmärkers wur­den für unsre Gegend erhältnismähig hohe Pachipreise erzielt. Es ist wohl auf die gute Kartoffelernte mit dauernd steigenden Preisen zurückzuführen. Es kam ein Acker von 2256 qm Große in erstklassiger Lage auf 73 Mk.. ein solcher von 1928 qm in Fläche auf 71 Wk. Geringere Preise erzielten Grundstücke mit schwer zu be­arbeitendem Boden und in feuchten Lagen. Doch kam auch hier der kleine Morgen auf 45 Mk. Geringe Nachfrage bestand nach Wiesengelände, da hier große Wtesenflächen find und die außer- ordentlich gute Futtermittelernte in diesem Jahre die Preise drückte. Eine Wiese von 1900 qm er­hielt mit 15 Wk. Pachtpreis den Zuschlag. Aller­dings handelt es sich hier um saures, minder­wertiges Futter. Bessere Lagen erzielten immer­hin einen Durchschnittspreis von 35 je kleinen Morgen, wozu noch sämtliche auf dem Grund­stück lastenden Steuern kommen.

Kreis Friedberg.

am. Stammheim, 12. Oft. L.h en Sonntag wurde unser Ort in große Aufregung ver­setzt. Eine schon bejahrte Frau lag zu Hause an Dergiftungserscheinungen schwer erkrankt. Da am Abend vorher zwischen ber Frau unb dem noch nicht lange verheirateten Sohn unb ber Schwiegertocher ein Hausstreit statt ge­funden hatte, außerdem eine Flasch? mit Salz­säure gefunden wurde, so wurde allgemein eine Salzsäurevergistung angenommen. Der erste Befund, den der rasch herbeig rufene Arzt feststellte, schloß eine solche Vergiftung auch nicht aus. Bald kam man jedoch auf andere Spuren. Bei dem Kaufmann wurde feftgeftellt, daß die Frau sich eine Flasche Schnaps geholt

hatte. Der Inhalt dieser Flasche rief den Zustand der Frau hervor. Zur allgemeinen Erheiterung löste sich bie Aufregung im Orte. Die Frau hatte ftch am Montag von dem Rausche erholt unb konnte wieder umherlaufen.

Kreis Büdingen.

& Ridda 11. Oft. In ber jüngsten ® e- meinberatssitzung wurden folgende Be­schlüsse gefaßt: Mtt Wirkung vom 1. April 1927 ift das Recht ber Gemeinden, bei Verzicht auf bie Erhebung einer Wertzuwachsfteuer erhöhte Zuschläge zur GrunderwerbS- steuer zu erheben, in Wegfall gekommen, so daß der Zuschlag für die Gemeinden von diesem Zeitpunkt ab nicht mehr als 1 Prozent betrügt Um den Gemeinden für diesen nicht unbeträcht­lichen Einnahmeausfall Er'ay zu verschaffen, hat das Ministerium auf Grund des hessischen Aus­führungsgesetzes zum Finanzausglcichsgesetz die Erhebung einer allgemeinen Wertzu­wachsfteuer durch bie Gemeinden ungeordnet Wenn auch die Gemeinden im Gegensatz zu der seinerzeit beschlossenen InflalionswertzuwachS- fteuer zur Einführung der allqemttnen W.-rt- zuwachssteuer nicht verpflichtet find, so hat der Gemeinderat dennoch die Erhebung der Steuer beschlossen. Der wesentliche Unterschied zwischen der Inflationswertzuwachssteuer und der neu beschlossenen allgemeinen Wertzuwachs steuer be­steht darin, daß nach der letzteren die Abgabe in allen Fällen erhoben wirb, in denen das Eigentum an dem veräußerten Grundstück nach dem 31. Dezember 1913 erworben worden ist, wahrend sie nach der InflationSwertzuwachS- steuer-Sahung nur dann zur Erhebung kommt wenn bas Grundstück in ber Zeit vom 1. Januar 1919 bis 31. Dezember 1924 erworben wurde - ! Die Arbeiten unb Lieferungen für die Anlage von erhöhtem Fußsteig in der Raun- und in der Johanniters'.raße sowie die Erweiterung des Brückchens bei Geschwister Walther wurden auf Grund der vorliegenden Angebote vergeben. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Anlaae von erhöhtem Fußsteig in ber Schillerstraße zwischen den Wohnhäusern Rappolt unb Meiß­ner, sowie die Fvrtsührung des erhöhten Fuß­steiges (Hamburger Kant) in der Ludwigstrahe vom Wohnhause des Heinrich Schwalb b s zum Werk Himmelsbach beschlossen - Heber bi' Ka­nalisation ber Stadt besteht ein früheres Projekt deS Ministerialrates Hetz in Darm­stadt. das auf Anregung des Kulturbauamtes Friedberg erworben unb bei der Ausarbeitung des neuen Kanalisationsprojektes Verw.n>ung finden soll. Dem Gesuch des Polizeimeisters Friedrich Weidle, Berlin, um Abt etung deS Bauplatzes gegenüber ber ehemaligen Uhl- schen Feldscheuer im Iohanniterhof wurde statt- gegeben und ber Kaufpreis auf 1.50 M. pro Quadratmeter mit ber Maßgabe festgesetzt, daß die Kosten vom Käufer übernommen werden unb mit dem Dau innerhalb eines Jahres zu be­ginnen ist. Für den Realschulneubau wurde bie Aufnahme eines Darlehens von zunächst 50 000 M. bei der Bezirkssparkasse Ribda beschlossen. Für bie Hin benbu r g s pen de bewilligte die Stadt einen Beitrag von 50. M.

Ridda, 11. Ott. Das Herbstpreis­schießen ber hiesigen Schützengesell­schaft ist beendet unb die Feststellung ber Preisträger erfolgt. Die Bet iligung war sehr rege, wozu auch daS günstige Wetter bctaelra^cn hat. Große Anerkennung verdient die otütu;ia wertvoller Preise seitens der Apotheker Münch und S ch u st e r, der Gastwirte A b t unb Koch, beS Kaufmanns Pfeiffer unb Zahnarztes Listmann hier unb ber Firma Ricke! in Ober-Wibbersheim. Diel Anklang fand b?r neu angelegte Kleinkaliber st and. ber sich al- dringend notwendig erwiesen hat. Aus diesem errangen bie ersten Prnse Raumann- Get­tenau, Bahnmeister Struck - Ribda und Decker-Echzell. Dei der 100-Meter-Festscheibe waren A. L i st m a n n, Theodor S p a m e r und Jean Pfeiffer die drei besten Schützen: auch auf der 100-Meter-Glücksscheibe waren S p a - mer, 2 i ft mann und Rickel- Ober-Wioders- heim die ersten Preisträger. Die besten Erfolge bei ber Ringscheibe (175 Meters, erzielten Geome­ter Wenzel, Apotheker Schuster und Gast­wirt Stahlhofen, sämtlich von Ribda. Ob­gleich die Schühengcsellschaft Ribda erst kurze Zeit besteht, besitzt sie doch schon eine stattliche Zahl von Mitgliedern von hier unb auswärts

Run kommen Sie mal zunächst in die Kutsche rein, junger Mann, sonst erkältet sich Isa noch! Und Theater spielen wir nur da drinnen ..."

Im Wagen wollte er nachholen, was er auf der Straße versäumt. Aber Isa wurde ärgerlich.

Laß doch das wir sind doch keine Kinder

<

Run geben Sie ihm schon den Kuß, Isachen! Pstegebruder Iugendfrcundschaft! Sonst ist er den ganzen Abend unglücklich."

Du bist doch noch ber alte Sekundaner", rief Isa lachend, indem sie ihm den Willen tat.3m übrigen kannst du mir und Frau Heimel in der Sektbude helfen."

Und dann ein schneller Austausch von Erinne­rungen und Mitteilungen Das Korps Heidel- berg Berlin Mainz unb bas Theater. Auf­geregt schrien sie burcheinanber im Halbdunkel des Wagens:Weißt du noch damals? Rein, bift du schön geworden!"Unb du bist ja ordentlich ein Mann und einen Schmiß hast du auch, du großer Junge! ..."Der Mama geht'» nicht gut, schreibt man mir sie ist immer krank!"Du warst wundervoll heute Abend und ausgesehen hast du ... nein, was aus so einem kleinen Mäd­chen alles werden kann! ...

Die Heimel saß daneben und lächelte weh­mütig. Jugend, Jugend, die noch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunstshoffnunaen rosenrot durcheinanderwirbeln konnte, wahrend ihr nur die Erinnerung geblieben war.

Die Riesenhalle schwamm in einem Meer von Licht. Die Buden waren unter Beihilfe der ersten Künstler wirklich bunt und originell ausgeftattet worden und mit allerliebsten Ucberflülfigleiten und Luxuskram angefüllt. Die großen farmen und reichen Leute ber reichen Rhemsiadt hatten es sich etwas kosten lasten. Alle Damen sogar aus Wiesbaben und Frankfurt waren Gaste herüberge- kommen in großen Toiletten und in festlicher, erwartungsvoller Stimmung.

Die gefeierte hochbramatische Sängerin der Oper hatte einen Orientbasar aufgetan, um den sich die Herrenwelt drängte. DieRaioe" hatte ein Se denstoffzelt, bas beide Geschlechter belagerten. Der fiormfer hatte ein Marionettentheater auf ge­schlagen, die erste Liebhaberin de» Schauspiel» ein

Papiergeschäft, die Kahlenberg eine Wahrsagerbude. Aber es g.ng ziemlich ruhig bei ihr zu, wie Isa nicht ohne Schadenfreude bemerkte.

Ihre eigene Champagner- und Likörbar war zwar schon geöffnet; aber derMixer" hatte bis­her nur ein.ge Gläser Kossnak verschenkt an seine Freunde, wie er m;t Trauermiene berichtete.

»Letzt wird » aber losgehen, Fräulein Mengers alles spricht von Ihnen . . Sie waren ja phänomenal, phänomenal!"

Eberhard war etwas enttäuscht, al» er schon einen männlichen Helfer antraf, der ihn nur mit Propfenausziehen beschäftigen wollte

Eberhard erzählte, daß er da»Mixen" aus dem Ff verstünde von Berlin und Heidelberg her. Dabei schaute er Isa verliebt und den Herrn Kol­legen eifersüchtig an, der ziemlich das Gleiche tot.

Isa lächelte. Ihr Erfolg glühte noch wie Feuer in ihren Adern. Unb diese beiden Verehrer unb jungen Kampshähne machten ihr Spaß Sie fühlte sich jung und schon unb heute auch gefeiert Sie empfand zum erstenmal in biefer fremden Stabt, baß das Leben schon sein konnte.

Also, meine jungen Herren, Sie mästen sich vertragen: sonst muß einer weichen ... wir losen'» au»."

Die Herren mixen am besten abwechselnd, unb ich fürchte, ich werbe balb selbst Gläserivaschen unb Korkenziehen müssen", meinte bie Heimel salomo­nisch.Da kommt schon der erste Schwarm .. "

Eine halbe Stunde später war die Bude im weiten Umkreis belagert. Die Scheine flogen In die Koste Isa stieg mit dem Preis, die Konjunktur ausnützend, erst von zwei auf drei, bann auf fünf Mart für das Glas Champagner unb ihre Flips unb Sherrtz Kobbier». Unb viele gaben für ben guten Zweck da» Doppelte, wenn man sie auffor« berte. Man wollte sich doch nicht lumpen lasten vor dieser rotblonden Schönheit. Auch Damen kamen und machten ihre Komplimente, sogar einige männ­liche Kollegen. Die beiden jungen Herren mußten schließlich tm Schweiße ihre» Angesichts arbeiten.

Sogar ber Direktor, ber einige seiner würdigen Berwaitungsräte lachend und sekttrinkend an Isa» Bar stehen sah, ichlang-tte sich heran, ttotzdem sie seit ihrer KaltstellungSchuß" mit ihm war.

(Fortsetzung folgt.)