6«tt8tag tn Änerkemrung fehret Verdienste um das geistige Leben in Darmstadt die städtische Preis münze in Silber durch Bürgermeister Mueller überreicht. — Der Schreiner Debus stürzte von einem Neubau aus 7 Meter Höhe ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er im städtischen Krankenhaus bald nach seiner Einlieferung gestorben ist. — In der Nähe von Gimbsheim ist der 29jährige Peter Zschernck aus Darmstadt e r - trunken. Seine Leiche ist noch nicht geborgen worden. ~
00621. Offenbach, 11. Aug. Im städtischen Mainbad sind gestern nachmittag zwei Kin der im Älter von sieben Jahren ertrunken. See hatten sich, obwohl sie des Schwimmens unkundig waren, in das grobe Bassin gewagt. Trotz des starken Besuchs hat niemand das Verschwinden der beiden Kinder bemerkt. Dir Leiche des einen Jungen konnte noch am Abend, die des anderen erst heute vormittag geborgen werden.
Rheinhessen.
Lpd. Mainz, 11. Aug. Gestern nachmittag V ü r ,>.! e aus der Messe ein Erwachsener von i >- 120 Meter lange n Dratseilbahn a b. Da jedoch ein Netz darunter gespannt ist, er» c jiet? sich kein Anfall, vielmehr kam der De- >7 icrc. wie auch die vielen Zuschauer, denen t-rr Angst das „Herz stillestehen blieb", i at dem Schrecken davon. In wenigen Tagen wird auch in Mainz die vollzogene Neuordnung des hessischen Polizeiwesens praktisch in Erscheinung treten. Diese Neuordnung hat bekanntlich die E i nh e i t s p o l i z e i gcvracht, in die die ehemals „blaue", die Schutzpolizei und Gendarmerie, einaegliedert wird. Diese Zusammenfassung drückt sich nach außen hin durch die gleichen Uniformen aus, mit der die Mannschaften ausgerüstet werden. \ Der herkömmliche blaue Stoff ist durch einen grünlichen erseht worden, weiter wird im Dienst der Tschako mit dem hessischen Wappen getragen und an Stelle des langen Säbels, der untergeschnallt war, kommt ein übergcschnalltes kurzes Seitengewehr.
Preußen.
Streik Wctzlnr.
53 Wetzlar, 11. Aug. Am gestrigen Tage weilte eine Regierungskommission unter Führung des Negierungspräsidenten Dr. Brandt in unserer Stadt. Die Herren besichtigten in Begleitung des Landrats und des Bürgermeisters Dr. Kühn besonders die Gegend um den Haarplah und den alten Kanal. Die Besichttgung dürfte mit der geplanten U m - gehungsstrabe zusammenhängen, deren baldiger Bau ein dringendes Erfordernis ist. Dec von der Polizeiverwaltung angeordnete Einbahnbetrieb auf den Straßen im inneren Kern der Stadt würde dann erst an Wert gewinnen und auf die Dauer durchführbar fein. Hoffentlich werden die Absichten der Stadt in dieser Hinsicht regierungsseitig unterstützt.
<> Niederkleen, 11. Aug. Die Inst andsehungsarbeiten am Dache des hiesigen Schulhauses, über die bereits im „Gießener Anzeiger" berichtet wurde, find auf Grund öffentlicher Ausschreibung dieser Tage durch Be schluß des Gemeinderats, wie folgt, i '-ccbcn worden: die Dachdeckerarbeiten dem - k 'ckermeisder Heydt in Butzbach und die Lr:inp>ner arbeiten dem Installateur Robert Brückel in Lang-Göns. Die Gesarntkosten der Arbeiten belaufen sich auf rund 3000 Mark.
<> Ebersgöns, 11. Aug. An dem hiesigen Pfarrhaus werden gemäß Beschluß d?r Gemeindevertretung verschiedene als drin- rmd notwendig erwiesene Instandsehungs- arbeiten, ausgeführt. Bei der in diesen Tagen stattgchabten Vergebung der Arbeiten, die öffentlich ausgeschrieben waren, wurden die Maurer- aibelten dem Maurermeister Hofmann von hier und die Dachdecker arbeiten dem Dachdecker- meister K r i d a u in Wetzlar übertragen. Die Arbeiten werden unter Leitung des Kreisbauamt :s in Wetzlar ausgeführt.
0 21 u s dem Kreise Wetzlar, 11. August. Die Zahl der Erwerbslosen im Bezirke des Arbeitsnachweises Wetzlar hat auch im Laufe des Monats Juli wieder einen Rückgang erfahren. Während zu Beginn des Monats in der allgemeinen Er- werbsloseufürsorge 284 Hauptunterstützungsempfän- ger mit 455 Zuschlagsempfängern und in der Krisen-
Geld und Erfahrung
Novelle von Max E y t h.
14 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Ein Fest.
Niemand hat übrige Zeit in Amerika. Lawrence, obgleich um eine volle Generation der ältere der beiden, war ungeduldiger als selbst der jünge Owen, seitdem der letztere die Speisenfolge seines Gabelfrühstücks mit Hilfe Monsieur Merciers und mehrerer Privatgelehrter auf diesem Gebiet festgestellt hatte. Sie ließen mir kaum einige Stunden, zu, wie es ihnen schien, nutzlosen Proben meiner Maschinen. Delano, dem mürrischen Geschäftsführer der Landwirtschastsgesellschaft, wurde überdies um seinen Park bange, als ich die erste Furche durch den jungfräulichen Grasboden zog, der nie zuvor mehr als leise gekratzt worden war, und mein Pflug den schwarzen Urschlamm des verschwundenen Sumpfwaldes ans Tageslicht förderte. Nach seiner Ansicht sei es um so besser, je weniger ich ihnen von meiner Kunst zeiae, an der er nicht mehr zweifelte, seitdem er im ersten Schrecken über das gespannte Drahtseil gefallen war. So wurde der nächste Donnerstag, zwei Tage nachdem der Dampspflug sein 'Arbeitsfeld erreicht hatte, für die Eröffnungsfeier bestimmt.
Das Programm war einfach. Zwischen zehn und elf Uhr sollten die geladenen Gäste erwartet werden. Bon elf Uhr an hatte ich eine halbe Stunde den Pflug, eine weitere halbe Stunde den Kultivator laufen zu lassen. Um zwölf Uhr mußte in dem Pavillon, der sich neben der Rennbahn befand, das Gabelfrühstück bereitstehen. Um zwei Uhr sollte das Publikum gegen ein Eintrittsgeld von einem Dollar zugelassen und das Pflügen bis gegen Abend fort- iefetzt werden. Am folgenden Tage konnte die Presse odann erklären, daß der Dampfpflug den seitens er Landwirtschastsgesellschaft von Louisiana ausgesetzten großen Preis von siebenhundertfünfzig Dollar nach eingehender Prüfung errungen habe, und ich sollte in der Freude meines Herzens drei Tage lang langsam und mit häufigen Ruhepausen, um den Park nicht allzusehr zu ruinieren, weiter- pflügen. Während dieser Zeit hatte die herbeiströ- mende Volksmenge ihre fünfzig Cents an der Park
fürsorge 177 Hauptunterstutzungssmpfmrger mit 350 Zuschlagsempsängern vorhanden waren, betrug die Zahl der Erwerbslosen am Ende des Monats in der allgemeinen Erwerbslosenfürsorge nur noch 218 Hauptunterstützungsempfänger mit 376 Zuschlags- empfängern und in der Krisenfürsorge 127 Haupt- unterstützungsempsänger mit 245 Zufchlagsempfän- gern. Hiervon entfallen bei der allgemeinen Er- werbslofenfürsorge auf die Stadt Wetzlar 152 Hauptunterstützungsempfänger mit 242 Zufchlagsempfän- gern, auf die Landgemeinden des Kreises 64 Hmipt- unterstützungsempfänger mit 131 Zuschlagsempfängern und auf die Gemeinden des Kreises Biedenkopf 2 Hauptunterftützungsempfänger mit 3 Zuschlagsempfängern und Bei der Krifenfürforge auf die Stadt Wetzlar 76 Hauptunterstützungsempfänger mit 122 Zufchtagsempfängern, auf die Landgemeinden des Kreises 48 Hauptunterstützungsempfanger mit 119 Zuschlagsempfängern und auf die Biedenkopfschen Gemeinden 3 Haupdunlerstützungsempfänger mit 4 Zuschlagsempfängern. Die Zahl der im Arbeitsnachweisbezirke beschäftigten Notstandsarbeiler betrug Ende des Monats Juli in der allgemeinen Erwerbslosenfürsorge 40 und in der Krisenfürsorge 37 gegenüber 54 bzw. 78 zu Beginn des Monats.
Kreis Marburg.
sch. Marburg, 11. Aug. Zum heutigen Schweinemarkt waren 810 Ferkel und 25 Läuferschweine aufgetrieben. Es kosteten vier bis sechs Wochen alte Ferkel 10 bis 15 Mark, sechs bis acht Wochen alte 18 bis 25 Mack, acht bis dreizehn Wochen alte 25 bis 30 Mark. Für Läuferschweine wurden je nach Qualität 50 bis 90 Marl bezahlt. Der Handel war ziemlich flott.
Kreis Biedenkopf.
XX Fellingshausen, 11. Aug. Innerhalb der letzten Jahre ist in unserem aufstrebenden Dorfe eine so rege Bautätigkeit entwickelt worden, daß, ständen die neu erbauten Wohnhäuser zusammen, diese wohl ein kleines Dorf für sich abgeben würden. Mehr als - 20 zum Teil stattliche Häuser wurden in dieser Zeit erstellt, teils auf privatem Grundbesitz, teils auf früherem Gemeindegelände, welches an Bau- lustige abgegeben wurde.
Amtsgericht Gießen.
Gießen, 10. Aug. Ein Arbeiter K. steht schon seit längerer Zeit mit seinem Hauseigentümer L. und dessen Familie nicht gut. Kurz vor und nach Weihnachten hat Frau K. verschiedenen Personen erzählt, L. und seine Frau seien mit Nachschlüsseln in ein in ihrem Hause befindliches Geschäft eingedrungen und hätten dort Schuhe gestohlen. Daß auch K. selbst diese Aeuße- rung getan habe, behauptet zwar ein Zeuge, allein die andern dabei befindlichen Zeugen haben eine derartige Aeuherung nicht gehört. Da der Zeuge auch mit K. verfeindet ist, trug das Gericht Bedenken, allein auf seine Aussage hin den K. zu verurteilen. Er wurde deshalb mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Seine Ehefrau dagegen, die auch beharrptet hatte, die Tochter des L. habe Läuse imb habe sich deshalb einen Bubikopf schneiden lassen, erhielt mit Rücksicht daraus, daß sie wegen Beleidigung der Eheleute L. schon einmal bestraft worden ist, drei Geldstrafen von je 25 Mk., Hilfsweise je 5 Tage Gefängnis.
Gerichtssaal.
Die Münchener Bibliotheksdiebe vor ©eridjt
München, 11. Aug. Die großen Diebstähle in der Bibliothek des Wittelsbacher Ausgleichsfonds und der Sammlung des Kronprinzen Ruprecht, die im Frühjahr dieses Jahres großes Aufiehen erregten, tarnen jetzt in München zur gerichtlichen Murteilung. Angeklagt waren der DibliothÄar Dr. Rieger und außerdem die Händler Stark und Lüpp, von denen Stark beschuldigt wurde, sich an den Diebstählen aktiv beteiligt zu haben, während Lüpp nur der Hehlerei verdächttgt wurde. Das Gericht erkannte auf Freisprechung für Lüp p, gegen Rieger auf 11/2 Jahre und gegen Stark auf neun Monate Gefängnis.
Acht Jahre Zuchthaus für einen Spion.
Leipzig, 11. Aug. (WB.) Unter Ausschluß der Öffentlichkeit hatte sich der 36 Jahre alte Lagerist und frühere Obergefreite Friedrich
tortaffe abzuliefern, teils um die Gesellschaft in die Lage zu versetzen, mir möglichst schmerzlos siebenhundertfünfzig'Dollar auszubezahlen, teils um ihr selbst eine sorgenlosere Zukunft anzubahnen. Im ganzen ließ sich gegen diesen Plan nichts einwenden. Er kostete mich ein, wie mir schien, allzu üppiges Frühstück, verschaffte dagegen, wenn alles gut ging, dem Dampfpflug, was er vor allen Dingen brauchte: eine tüchtige, gut amerikanische Reklame.
Die kurzen Versuche, die ich anstellen konnte, verliefen erträglich. Der Pflug rannte nur zweimal in die Dampfmaschine, die Herrn Stone und seinem Heizer Cato anoertraut werden mußte, während auf der anderen Lokomotive der weiße und der schwarze Jem als Lehrer und Schüler gut miteinander auskamen: abgesehen davon, daß der schwarze sich laut und lebhaft beschwerte, durch seinen Ehrgeiz in eine hervorragende Stellung gedrängt worden zu sein, die unerwartet viel Muhe und Arbeit mit sich brachte. Ich selbst saß mit Bucephalus auf dem Pflug und suchte ihm das Steuer» des Gerätes und den Begriff einer geraden Linie im allgemeinen beizubringen. Der Mann hatte eine Riesenkraft und ließ sich mit großer Gutmütigkeit an den Ohren ziehen, wenn er gar zu krumm dreinfuhr. Ich tat dies zwar energisch, da er sonst nichts bemerkt hätte, aber doch stets mit der Miene väterlichen Wohlwollens: denn es war von der höchsten Bedeutung, meine rohen Hilfstruppen bei guter Laune zu erhalten. Das erkannte Bucephalus auch grinsend an und hatte bald die Genugtuung, mich wiederholt darauf aufmerksam zu machen, wie gerade feine krummen Furchen ausfielen. — Uebrigens hielt ich es selbst für gut, nicht allzu viele Proben abzuhalten. Jeder Augenblick, wenn das böse Schicksal es wollte, konnte, während ich an einem Ende des Feldes das Drahtseil regulierte ober dem mangelnden Wasserstand im Kessel nachhalf, am anderen Ende eine zerschmetternde Katastrophe herbeiführen und uns um ter Umständen auf Wochen und Monate das Handwerk legen. Das wichtigste blieb zunächst, wenigstens mit heiler Haut und ganzen Gliedern über das drohende Frühstück hinwegzukommen.
Eine prachtvolle Frühlingssonne strahlte über dem lieblichen Park mit seinen moosbehangenen Baumgruppen und den noch nicht verbrannten Grasflächen, die in dem Untergrund des MiMtppi- deltas reichlich Wasser finden. Die beiden Maschinen
Enders aus Stuttgart wegen Spionage und Verrats militärischer Geheimnisse zu verantworten. Der Angeklagte wird beschuldigt, in den Jahren 1923 bis 1927 in Ludwigshafen, Münster, Mannheim und Stuttgart Landesverrat und Spionage verübt zu haben. 11. a. soll er Schriftstücke und Urkunden, die im Interesse der Landesverteidigung geheimzuhalten waren, dem französischen Nachrichtendienst übermittelt haben. Gleichzeitig soll er aus dec Kaserne wichtige Schriftstück: entwendet und einem französischen Spion aus- geliefert haben. Dec Reichsanwalt beantragte zehn Jahre Zuchthaus. Das Gericht verurteilte Enders wegen Spionage und Landesverrats zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrenrechtsver- l u st, sowie Entfernung aus dem Heere. Die 2600 Reichsmark, die er für feine Spionage erhalten hatte, verfallen der Reichskasse.
Kunst und Wissenschaft.
INax Reinhardt wegen Vertragsbruches verklagt.
Anfang Juni b. I. veranstaltete Max Reinhardt, wie aus Berlin gemeldet wird, im „Va- rietö" in Prag ein „Mirakel"-Gastfpiel. Bei diesem Gastspiel hatte er sich verpflichtet, die Generalprobe zu leiten und der Premiere beizuwohnen. Entgegen der Vertragsoerpflichtung aber erschien Max Reinhardt nicht, da er anderweitig abgehalten war. Die Proben und die Generalprobe mußten also von einem seiner Regisseure geleitet werden. In diesem Nichterscheinen sieht nun der Impresario eine Schädigung der Vorstellung und hat Klage auf Zahlung der festgesetzten Konventtonalsttafe erhoben. Man darf auf den Ausgang des interessanten Prozesses gespannt sein.
Die Träger des Georg-Büchner-preises.
Der Sänger Johannes Bischoff stammt aus Berlin: er hatte sich zunächst der juristischen Laufbahn zugewandt, bildete sich dann aber als Sänger aus. Er wirkte erfolgreich am Kölner Stabttheater, am Staatstheater in Hannover unb am Staatstheater in Berlin. Vor 10 Jahren kam er nach Darmftabt. Am Lanbestheater vertritt er bas Fach bes Helbenbaritons: auch entfaltete er eine umfangreiche Tätigkeit als Konzertsänger. — Kasimir Ebschmib (sein eigentlicher Name lautet Kasimir Eduarb Schmibt) ist in Darmftabt am 5. Oktober 1890 als Sohn eines Oberlehrers geboren. Nach Absolvierung des Ludwig-Georg-Gymnasiums studierte er in Genf, Gießen, Paris, München und Straßburg. Seitdem befindet er sich vielfach auf Reifen. Seine literarischen Schöpfungen sind die No- vellenbände „Die sechs Mündungen , „Das rasende Leben", „Timur", „Die Fürstin" und „Frauen", sowie die Romane „Die achatnen Kugeln" und „Die gespenstigen Abenteuer des Hofrats Brüstkein". In den letzten Jahren hat sich Edschmid, dessen Kunst im Expressionismus wurzelt, dec Reiseschilderung zu- gewandt. Hier sind zu nennen: „Basken — Stiere — Araber" unb „Das große Reisebuch".
Wirtschaft.
Aus der Milchwirtschaft.
Der Milchverbrauch pro Tag und Kopf der Bevölkerung ist in Qlmerifa, Hollmrd und der Schweiz durchschnittlich etwa dreimal so groß als in Deutschland: in den genannten Ländern bis zu s/4 Liter und mehr pro Tag, In Deutschland etwa 1/5 bis */4 Liter täglich. Die starke deutsche Einfuhr in Büchsemnilch und in sonstigen Milchprodukten beweist jedenfalls, daß in Deutschland ein entsprechender Mehrbedarf besteht. Aus der Tatsache, daß dieser offenkundige Mehrbedarf vom Auslande gedeckt wird, statt aus heimischer Produktion, ist zu erkennen, daß die heimische Produktion nicht genügend konkurrenzfähig ist. Andererseits erfährt man, daß in deutschen Großstädten täglich durchschnittlich etwa 200 000 Liter Frischmilch pro Stadt über- ständig, d. h. unverkäuflich bleiben — in Berlin sogar 250 000 Liter —, was dazu geführt hat, daß man sich neuerdings bemüht, die ‘Belieferung der deutschen Großstädte mit Frischmilch zu kontingentieren, um die Anlieferung dem Be- barfe besser cm passen zu können. Dabei wird der Jahres durchschnittsertrag einer Kuh in Deutschland von Sachverständigen zur Zeit noch nicht höher als 1800 bis 2000 Liter geschäht, gegenüber 2000 bis 2200 Liter in der Vorkriegszeit. In Deutschland gibt es derzeit rund 10 Millionen Milchkühe, so daß eine Steigerung des Durch-
kchnitts-IahresmilchertrageS der Kühe um die bezeichnt« Differenz gegen die Vorkriegszeit - also um etwa 200 Liter je Milchkuh und Jahr bei molkereitechnischer Verwertung dieser mehr anfallenden Milch zu Butter und Käse, eine Summe von etwa 500 Millionen Mark einbringen würde, d. h. etwa ebenso viel, wie Deutschland zur Zeit für Einfuhr ausländischer Milchprodukt? an das Ausland zu Lasten der deutschen Zahlungsbilanz bezahlt. Der Ermöglichung bieder voltswirtschaftlich so notwendigen Einsparung dient die sogenannte Reichsmilchpropaganda des Reichsausschusses zur Förderung des Milchver- brauches, dessen Mitteilungen wir folgendes als allgemein interessierend entnehmen:
In der Plenarsitzung des deutschen Reichstages am 17. März 1927 hat der Abgeordnete Bornefeld-Ett mann (Zentrum) u. a darauf hingewiesen, daß die deutsche Einfuhr in Milchprodukten nur etwa 10 Prozent dec deutschen Milchproduktton betrage. Diese 10 Prozent könnten ohne weiteres im eigenen Lande mehr erzeugt werden, vorausgesetzt, daß der Milchpreis die Erzeugungskosten deckt und einen mäßigen Gewinn abwirft. Der Milcherlös ist die Haupteinnahmequelle der Keinen und mittleren Dauern, denn zwei Drittel des gesamten deutschen Rindviehbestandes entfallen auf landwirtschaftliche Betriebe unter 20 Hektar. Mit der Steigerung dec heimischen Milchproduktton müsse eine Steigerung des heimischen Milchverbrauches Hand in Hand gehen.
In England ist wissenschaftlich festgesteUt worden, daß schon die tägliche Hinzufügung von ca. x/s Liter Milch zu einer sonst als ausreichend anzusehenden Nahrung eine durchschnittliche Gewichtszunahme von iy2 bis 3 Kilogramm und ein Wachstum von 4Vs bis 51/i Zentimetern bei Kindern eines Waisenhauses hervorgebvacht hat. In Oesterreich ist eine vom Bundespräsidentsn Dr. Hainisch unterstützte Aktion im Gange, um das obligatorische Milchtrinken der Kinder in den Schulen einzuführen. In einer kürzlich erlassenen Verordnung des sächsischen Wirtschafts-, Innen- und Wohlfahrtsministeriums werden die unteren Verwaltungsstellen angewiesen, in ihren Bezirken darauf hinzuwirken, daß in Hotels, Bahnhofswirtschaften und anderen Gaststätten mehr Frischmilch als Beigabe zum Kaffee verabreicht werde und daß Milch ebenso wie Wein, Bier und andere Getränke auf Speisekarten an geboten wird. Auch auf erhöhte Frischmilch-Abgabe in Kantinen aller Art, auf Vergnügungsstätten, Sportplätzen, in Krankenhäusern und Erholungsheimen auch an das Personal soll hinaewickt werden. Die Errichtung von Milchschankstellen (Milchhäuschen) in verkehrsreichen Straßen und auf öffentlichen Plätzen wird im allgemeinen volksgesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Interesse besonders empfohlen. Eine Verallgemeinerung dieser sächsischer, Bestimmungen für das ganze Reich scheint gemeinwirtschaftlich erforderlich zu sein.
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• Von der internationalen R 0 h - stahlgemeinschaft. In einer für Ende September vorgesehenen Sitzung soll noch der deut- scheu Dergwerkszeitung über das Produktionsprogramm für das vierte Geschäftsquartal der internationalen Dvhstahlgemeinschaft Beschluß gefaßt werden. Don der Verständigung hierüber wird es abhängig gemacht werden, ob die neue Regelung der deutschen Strafzahlungen rückwirkend auf die ganze Zeit des Bestehens der Rohstahlgemeinschaft ausgedehnt werden soll.
* Vereinigte Stahlwerke A.-G. Von den 4 225 000 Hollar der L-Donds der Vereinigten Stahlwerke tourifen 3 225 000 Dollar am 11. August in Reuyork zu einem Kurse von 92'1.2 Prozent aufgelegt. Der Rest von einer Million Dollar wird im Laufe der nächsten Tage in Holland aufgelegt werden.
• Südamerikanischec Auftrag für d i e Berndorfer Metallwarenfabrik ArthurKrupp. Wie die „Neue Freie Presse" aus Wien meldet, hat die Berndorfer Metall- warensabrik Arthur Krupp nach längeren Verhandlungen von einem südamerikanischen Staat einen Auftrag erhalten, der sich auf die Lieferung einiger hundert Tonnen Berndorfer Fabrikate erstreckt.
* Deutsche Röhrenverschiffungen nach Odessa. Seit einiger Zeit finden über den Rotterdamer Hasen regelmäßig Verschiffungen von Röhren und Röhrenmaterial nach Odessa statt. Dieses Material, das deutsches Er
Meter langen Feldstücks unb sandten weiße, senkrechte Rauchsäulen frieblich in den blauen Himmel
ich Owen benken, der seinerseits vertrauensvoll auf meine Fähigkeit baute, mit einem Scheck auf meine englischen Freunde am Tag der Abrechnung die kleinen Schwierigkeiten auszugleichen, die etwa entstehen sollten.
Alles sammelte sich In dem Felde, in welchem der Dampfpflug kampfbereit aufgestellt war. Noch nie hatte dieser friedliche Träger der Kultur ein so krie- gerisches Publikum um sich gesehen. Die alten 5)au» oegen des großen Bürgerkriegs standen entlang dem ausgejpannten Drahtseil und sahen verständnisvoll ober auch anbers in bie tiefe Furche hinab, bie gestern abend noch gezogen worden war. Longstreet erklärte, mich von Zeit zu Zeit zu Hilfe rufend, was er von der Sache wußte, sichtlich bemüht, das Interesse dem Pfluge zuzulenken: aber unwillkürlich verirrte er sich samt seinen Freunden jeden Augenblick wieder in die Erinnerungen an ein abenteuerliches Gefecht, in die Beurteilung einer strategischen Bewegung und vor allem in die Betrachtung der jammervollen politischen Lage der „alten und wahren" Herren des Landes. Alle Stimmungen kamen zum lebhaften Ausdruck, vom Galgenhumor völliger Hoffnungslosigkeit bis zur finsteren Entschlossenheit, sich knirschend zermalmen zu lassen. Der Dampfpflug schien mit jeder Minute mehr vor den Augen der ganzen Gesellschaft zu verschwinden.
Da lieh ich pfeifen. Das Drahtseil schnellte in die Höhe unb zog an. Die lange Reihe ber leiben- schaftlich gestikulierenden Herren sprang mit Entsetzen und militärischer Präzision auf die Seite. Der Pflug setzte sich in Bewegung, die schweren schwarz- braunen Schollen in sechs glatten gradlinigen Reihen aufstellend. Dies brachte meine Gäste zur Sache zurück. Eifrig liefen die meisten hinter dem Pfluge her, nachdenklich maßen andere die Tiefe der Furchen. Es ging in der Tat nicht schlecht, wenn man den Umständen einigermaßen Rechnung trug. Stone und Cato auf ber fernen Maschine übertrafen sich selbst. Stolz saß Bucephalus auf bem Pflug unb steuerte in sanftem Zickzack über bas Feld. Er war überglücklich, da er unter den Eingeladenen feinen alten Herrn aus ber Sklavenzelt entbetft hatte unb ihm bie Geheimnisse seiner neuen Würbe als erster Dampfpflüger Amerikas auseinandersetzen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
standen kampfbereit an den Enden eines dreihundert 1 und der teutonische Redakteur der „Deutschen Zei- Meter langen Feldstücks und sandten weiße, senk- j tung" feine Einladung erhielt. An alles übrige ließ
empor. Jem, Bucephalus, Cato und ein halbes Dutzend weiterer Nigger, bie als Extrakräfte im Wege ftanben, waren nicht nur infolge ber Wichtigkeit bes Tages und ihrer eigenen Person, sondern auch durch bas Versprechen eines königlichen Trinkgeldes, wenn alles gut gehe, in gehobener Stimmung. Zwischen Stone und Parker war eine gewisse ehrgeizige Wettbewerbstimmung entstanden, die sich in kleinen trockenen Neckereien äußerte unb mir im Interesse der Sache so wohl gefiel, daß ich sie bei beiden heimlich schürte. Es war das instinktive Gefühl zwischen jung und alt; zwischen Amerika und Europa. Beide waren stille, wortkarge Leute und sich kaum bewußt, was sie reizte. Slber ich sah das Gefühl deutlich in ihnen arbeiten, und in beiden arbeitete es für mich. — Im Pavillon hinter unserem Felde deckten sechs schwarze Kellner in tadellosen Fräcken und weißen Halsbinden eine hufeisenförmige Tafel, unb aeheimnisoolle, angenehm duftende Korbwagen fuhren durch das Parktor. Lawrence hing feit bem frühen Morgen an meinen Fersen, unb Kapitän Owen erwartete in fieberhafter Aufregung den Champagnerwagen, der irgendwo aufgehalten, wenn nicht umgeworfen worden war.
Dann kamen in leichten Kabrioletts und Bug- gies die vornehmeren, in den maultierbespannten Wagen bie einfacheren ber gelabenen Gäste: Longstreet mit Beauregarb, Taylor mit Burnside unb Jackson, leider nicht der berühmte Stonewall Jackson, der wenige Wochen zuvor gestorben war. Auch General Lee hatte zum allgemeinen Bedauern abgesagt. Doch fehlte es nicht an Generalen, Regimentskommandeuren, Majoren und Kapitänen in verwirrender Menge; dann aber kamen auch große Grundbesitzer vom oberen und unteren Mississippi und weltbekannte Politiker aus ber alten Zeit, bie heute von ihren Erinnerungen lebten unb jeden einluden, sie mit ihnen aufzufrischen: kurz, es sammelte sich'rasch eine zahlreiche, fröhliche Gesellschaft, in der sich jedermann zu kennen schien und in deren Mitte ber wackere Longstreet ben liebenswürdigen Wirt spielte, während mir Owen die Heldentaten jedes einzelnen ins Ohr flüsterte. Auch unbekannte Gestalten erschienen zur Genüge. Ich selbst hatte nur dafür gesorgt, daß Oberst Schmettkow nicht fehlte


