Einzelbild herunterladen

wohl sich Staatsanwalt Trvpet und der Derlei- otger Rechtsanwalt Dr. Führ - Frankfurt a. M. >chon vorher über einen gemeinsamen Antrag auf Vertagung geeinigt hatten. So kam es, oaß weder die Angeklagten noch die Zeugen erschie­nen. Die Anklage lautet gegen beide Angeklagte aufviolence volontaire und beleidigende Hal­tung gegenüber dem Lucien Tonds, von dem die Angeklagten gewußt hätten, daß es sich um ein Mitglied der Besatzung sarmee handelte. Die beleidigende Haltung erblitft der Staatsanwalt darin, daß die beiden Angeklagten dem Tonds die Identitätskarte aus der Hand ris­sen, während die Gewaltanwendung auf die Zwangsweise Entfernung des Tonds aus dem 3uge zurückzuführen ist, als dieser sich weigerte, leinen Personalausweis vorzuzeigen. Dem An­trag des Staatsanwalts aus Vertagung wird stattgegeben.

Ein belgischer Protest.

Tipkomatischcs Nachspiel zum Hall Graff.

Sonderbericht des G. A.

Genf, II. März. Die Belgier, die vor Jah- .esfrist den schwachen Versuch machten, sich von der französischen Vormundschaft zu befreien, müs­sen heute mehr denn je nach der Flöte Poincares tanzen. Das trat in die Erscheinung, als Frank­reich den Belgiern verbot, Eupen und Mal - m e d h an Deutschland abzutreten, das zeigte sich, als aus diesen Gebieten heraus energisch das Selbstbestimmungsrecht gefordert wurde, worauf Brüssel offiziell feststellte, daß es eine zweite Volksabstimmung nicht zugestehen könne, das machte sich auch jetzt wieder anläßlich der B e - gnadigung der beiden Schutzpoli­zisten bemerkbar, die während des Ruhrkampfes in Hamborn den belgischen Leutnant Graff er­schossen. Sie konnten zwar damals entkommen, doch wurden an ihrer Stelle vier andere Per­sonen von den Belgiern zum Tode verurteilt. Erst, nachdem sich die Täter den deutschen Be­hörden gestellt und ein deutsches Gericht das Todesurteil gefällt hatte, wurden die vier unschuldig Verhafteten nach langen diplomatischen Auseinandersetzungen frcigelassen. Die Berliner Regierung verwandte sich aber für die beiden Verurteilten und setzte zunächst einen Aufschub her Strafvollstreckung durch. Jedenfalls ist niemals etwas darüber bekannt geworden, daß das Brüsseler Kabinett die Ausführung des Todesurteils verlangt hat. Da inzwischen das Jahr 1927 ins Land gegangen ist durfte an.ge­nommen werden, daß sie auf die Urieilsvolk- nrcdung keinen Wert mehr Iegte; Die preußische Regierung, als zuständige Behörde, hat denn auch die Verurteilten zu zehnjähriger Ge- sängn-isstrgfe begnadigt.

Das hllt nun der belgische Außenminister V ad e r v e l d e zum Anlaß genommen, sich bei Dr. Stresemann in ©enf über die Gnade nm - nahme zu beklagen. Vandervelde richtete ferner an Stresemann ein Schreiben, in dem er ihm im Ramen der belgischen Regierung daö Bedauern darüber aussprach, daß die von der Reichs­regierung übernommenen Verpflichtungen für eine gerechte Sühne (Repression) des Verbre­chens nicht eingehatten worden seien. Don unter­richteter Seite wird dazu mitgeteilt, daß die bel- belgischen Vorwürfe nicht begründet sind. Eine Umwandlung der vom Schwurgericht in Stettin über die beiden deutschen Polizeibeamten verhängten Todesstrafe in eine zehnjährige Ge­fängnisstrafe entspricht der in derartigen Fällen verfolgten Gnadenpraxis der deut­schen Justiz und wird in der Tat für eine an­gemessene Sühne angesehen werden müssen. Die Verpflichtungen, die die deutsche Regierung gegenüber der belgischen Regierung übernommen hat, find daher in jeder Beziehung eingehal­ten worden. Die belgische Rote wird entspre­chend beantwortet werden.

Frankreich und Rußland Tie Tchnldcnverhandlungen. Der Plan eines Garantiepaktö.

Paris, 11. März. (SIX.) lieber die Wie­deraufnahme der russisch-französischen Schulden­verhandlungen verlautet, daß Briand und P v i n c a r e nächste Woche den russischen Bot­schafter Ralowskl aiihören werden. Poincare interessiert sich in hohem Maße für die Ver­handlungen. Ec werde nach seiner Aussprache mit Ralows!i nicht nur den Tag des Wiederbeginns der Beratung bestimmen, sondern auch entschei­den, ob die Verhandlungen überhaupt wieder aus­genommen werden sollen. Aus Moskau wird ge­meldet. daß zum neuen Handelsvertre­terin Paris das Mitglied des Obersten Volks- wirtschaftsrales M a n z o f f ernannt worden sei. Manzoff hat bis zum Jahre 1924 im Dienste der G. K. 11. gestanden Er soll an den russisch- französischen Verhandlungen teilnehmen. Die französische Regierung soll bereit sein, unab­hängig von den Schuldenverhandlungen über einen Handelsvertrag mit der Sowjet­regierung zu verhandeln. Der Direitor der russi­schen Staatsbank. Scheinmann, wird mit der Bank von Frankreich Verhandlungen über die Diskontierung von russischen Wechseln bis zu »uns Millionen Gotdrubeln ausnehmen. Außer den russisch-französischen Verhandlungen über die Schuldenabkommen sollen noch Verhandlungen der russischen Delegation mit französischen Indü­st r i e l l e n k r e i s e n eingeleitet werden. Weiter soll die Sowjetregierung bestrebt sein, mit der französischen Regierung Verhandlungen über einen Garantievertrag aufzunehmen. Die französische Regierung soll bisher aus das An­gebot iedoch noch nicht geantwortet haben. Ein solches Abtommen erscheint der Sowjet­regierung um so leichter erreichbar, als Frank­reich durch die Betätigung Italiens in Südost- > uropa isoliert sei.

Der lettijch-russische Vertrag.

London, 12 Vlärz. (WTB. Funkspruch) . Westminster Gazette" meldet aus Genf, die Para­phierung des lettisch-russischen Reutralitätspaktes habe in Völkerbundskreisen erhebliches Aufsehen hervorgcrusen. Sie werde als ein Versuch Mos­kaus angesehen, dem Völkerbunde Schwierig­keiten zu bereiten. Mehrere Ratsmitglieder beabsichtigten, die Frage offiziell zur Kenntnis des Rates zu bringen. Man gebe bereits zu. daß Rußland die Solidarität der Völler- bundSstaaten gefährde. Der diplo- matische Berichterstatter des ..Daily Telegraph" Ipricht von einer Verschärfung des Druckes der Sowjet-Diplomatie in Riga und schreibt Wenn Lettland sich auf einen derartigen Pal einlasse, so werd'- k e i n B n n d n i S mit Eng­

land notwendigerweise geschwächc werden, was Moskau anstrebe.

Die Politik Jugoslawiens.

Belgrad, 11. März. (TU.) Es verlautet, daß die jugoslawische Regierung sich entschlossen hat, ent­gegen ihrer bisherigen Absicht, die diplomatischen Beziehungen mit Rußland nicht aufzunehmen. Diese Stellungnahme wird in manchen streifen so aus- , gelegt, daß Jugoslawien sich mehr und mehr mit dem Gedanken einer Annäherung an Ita­lien absindet, denn der Wunsch, die Beziehungen zu Rußland auszunehmen, hatte zur Voraussetzung, daß Jugoslawien dort eine Rückendeckung für eine anti-italienische Politik finden würde. Als Symptom für die sich jetzt vollziehende Annnäheruna Iugo- jlawiens an Italien wird auch die Reise des lugoslawifchen Königs nach Bukarest aufgefaßt.

Die Verzinsung aus­gewerteter Hypotheken.

Ter neue Gesetzentwurf der Ncichsregierung.

Berlin, 12. März. (VDZ.) Wie in parlamen­tarischen Kreisen verlautet, wird der vom Reichs- justizminister angekündigte Gesetze ntwurfzur Mufmertungs frage in den ersten Tagen der nächsten Woche den Reichsrat beschäftigen und bann am Freitag im Rechtsausschuß des Reichstags zur Behandlung kommen. Das Reichskabinett hat den Gesetzentwurf bereits verabschiedet. Der Gesetzentwurf wird ausdrücklich nicht als Novelle zum Aufwertungsgesetz bezeichnet, sondern als ein Gesetz zur Regelung der Verzinsung ausgewertet er Hypotheken und ihrer Umwandlung in Grundschulden, um nicht den Eindruck zu erwecken, daß es sich um eine Ergänzung der Auswertungsregelung handele, die Anlaß zu neuen großen Hoffnungen geben könne. Der Gesetzentwurf hat lediglich den Zweck, eine Reihe von Streitfällen juristisch-technischer Art zu regeln, die sich aus der bisherigen Praxis des Auf- wertungswesens ergeben haben. Außerdem erhält die Regierung am Schlüsse des Gesetzentwurfs eine Art Generalvollmacht, die übrigen Fragen der Rechtsoerordnung zu regeln. Heute abend finden noch Verhandlungen zwischen den Regierungspar­teien und dem Reichsfinanzminister statt, um noch einige Zugeständnisse in der Richtung von E r - leichterungen vom Finanzministerium zu er­langen. Es verlautet, daß der Reichsfinanzminister sich bereits damit einverstanden erklärt Hot, Klein­rentnern, die das 65. Lebensjahr überschritten haben, die sofortige Einlösung der An­leiheablösung zuzugestehen. In den Kreisen der Regierungsparteien rechnet man damit, daß es schon in den nächsten Tagen gelingen wird, über all diese Dinge eine Einigung zu erzielen

Das R t t d) s t a b i n e 11 ist, rote bas ,,'B. T." erfahren haben will, entschlossen, basGesetz zur Wiederherstellung des Volksvertnö- aens", das von der Reichsarbeitsgemeinschaft der Aufwertungsgeschädigten und Mieterorganisationen eingereicht worden ist, nicht zum Gegen st and eines Volksbegehrens machen zu lassen. Der Kabinettsbeschluß wird bekanntgcgeben werden, obalb ber Reichsjustizminister Hergt die noch aus- tehende juristische Begründung dieses Entschlußes ertiggestellt haben wird.

Der Finanzausgleich.

Erhöhung der Steucrgarantie für die Länder.

Eigener Bericht des G. A.

Berlin, 11. März. Im Steuerausschuß des Reichstags begründete Abg. Dr. Prey er (Dn) die gemeinsamen Anträge der Koalitionsparieien. Diese wollen den vorläufigen Finanzausgleich auf zwei Jahve verlängern. Inzwischen sol­len Mietssteuer Realsteuer und Geldentwcrtungs- ausgleich bei bebauten Grundstücken endgültig geregelt werden. Ein Rahmengesetz dazu soll die Reichsregierung noch in diesem Jahre vorlegen. Die Steuergarantie desReiches für die Länder soll von 2,4 auf 2,6 Milliarden erhöht Werden und die 200 Millionen mehr zur Sen­kung der Real st euer bienen. Die 450 Millionen sollen den leistungsschwachen Ländern als Ausgleich zugute kommen. Die Länder sollen gleichfalls die kleinen steuer- schwachen Gemeinden besonders berücksich­tigen.

Damit ist es also doch noch zu einer Einigung unter den Regierungsparteien gekommen eine Tatsache, die als Zeichen für die so notwendige Stabilität der Regierungsverhältnisj« nur be­grüßt werdest kann. Der Inhalt der Vereinba­rung, wie er von dem Abg. Preher kurz Umrissen wurde, muß allerdings als weniger begrüßens­wert bezeichnet werden und dürfte nicht nur in den Kreisen der Opposition auf scharse Kritik stoßen. Es handelt sich hier um eine grundsätz­liche Abwehr, von der bisher auch von der Deutschen Dottsparlei und dem Zentrum ünter» stützten Finanzpolitik des srüheren Ministers Reinhold, deren Kernpunkt öie Senkung der Steuerlasten, Beschleunigung des Fi­nanzausgleichs. W i e d e r h e r st e l lu n g . der Selbstverantwortung der Gemein­den und Länder, gründlicher Abbau der Aufgaben durch eine tiefgehende Verwal­tungsreform vor. Von all diesen auf der Tagung des Reichsoerbandes dec deutschen In­dustrie geradezu mit Begeisterung angenomme­nen Programmpunkten wird man nun, wenn der geplante provisorische Finanzausgleich tatsächlich in Kraft treten sollte, zwei Jahre lang nichts zu spüren bekommen. Jede Steucrjenkungsmög- lichkeit, jede Entlastung der Wirtschaft wird da­durch unmöglich gemacht, daß den Ländern und Gemeinden Beträge zugewicsen werden, die den Ileberweisungen des Jahres 1924 sehr nahe kom­men und die von der gesamten Wirtschaft als eine der Ursachen für die damalige unwirtschaft­liche Finanzpolitik der Länder und ©emeinöcn anerkannt worden sind In diesem Zusammen­hang ist es außerordentlich interessant, daß gerade an dem Tage, an welchem die Regie­rungsparteien neue große Subventionen für fi­nanzschwache Länder beantragen, der von der Deutschna tonalen Volkspartei herausgegebene Zeitungsdienst einen Artikel veröfsent.icht, in dem der Verwaltungsluxus schwer gegeißelt wird. Es wird daran erinnert, daß es in Deutschland zur­zeit 69 Minister und 19 Parlamente gibt, und daß etwa ein Dutzend diplomatische Vertretun­gen" der Länder bei der Reichsregiccung auf­rechterhalten werden Dieser Luxus fei nur da­durch möglich, daß die großen Länder für

die Ile inen a u f f o m m c n müsien. Rach dir- I lern Eingeständnis handelt es sich also bei dem Finanzierung^ ?lan für die Länderrerwaltungen ! um niclts tociier als um eine wesentliche Ver­st ä r i u n g des Föderalismus

Deut cher Reichstag.

Berlin. 11. März. (VDZ.) Der Reichstag seht die zweite Beratung de> Reichsarbeits­ministeriums fort. Bei dem Abschnitt Arbeits­vermittlung und Erwerbslokenfür- sorge erstattet Abg. K r ü g e r - Merseburg tSoz.) Bericht. Bedauerlicherweise habe die Reichsbahn die hierfür zur Verfügung gestellten 200 Millionen aus der produktiven Erwerbsloscn- fürsorge nicht voll verwendet. Dabei befänden sich die Bahnanlagen in jämmerlichem Zustand. Obendrein habe die Reichsbahn ihre Betriebs- Überschüsse nicht den Lokomotivfabriken und ihren Anlagen zugute kommen lassen, sondern der Börse. Wenn aber Aufträge erteilt wurden, so seien durch hie Stellung nur kurzer Lieferfristen lieberstunden erzwungen worden. (Hört! Hört! links.» In Waggonfabriken sei bis zu 80 Stun­den. beim Reckarkanal sogar bis zu 93 Stunden in der Woche gearbeitet worden. Da brauche man sich nicht zu wundern, daß die Zahl der Arbeitslosen nicht abnünmt. Der Achtstundentag müsse Bedingung für alle öffentlichen Aufträge werden.

Adg. Hoch tSoz.): Die Aroeitslosenversiche- rung könne nicht vor Beginn des nächsten Jahres durchgeführt werden. Für die Fortführung der unterstützenden Erwerbslosenfüvsorge seien aber im Etat noch keine Summen vorgesehen. Der Finanzminister solle endlich sagen, wie er darüber denke.

Abg. Lcmmer (Dem.) beklagt die geringen Erfolge des Arbeitsbeschaffungsprogramms. Richt einmal 5 Prvz. der Ausgesteuerten habe man unterbringen können. Mittelbar habe das Pro­gramm allerdings durch Hebung des Exports. Russengeschäft, öffentliche Aufträge die Wirt­schaft belebt. Aber auch die Belebung sei in der Hauptsache auf den englischen Bergarbeiter­streik zurückzuführen. Monatelang hätten die Län­der die vom Reich für Siedlungen zur Verfügung gestellten Gelder einfach liegen lassen.

Als unerträglich bezeichnet der Rpdner bie Tat­sache, baß sich 200 600 polnische Arbeiter in Veutschlanb aufhielten. Die 69 Millionen jät Lanbarbeikerwohnvngen seien leider so gut wie gar nicht in Anspruch genommen worben.

Die Landwirtschaft müsse'zum Bauen ge­zwungen werden. Komme es zum Handelskrieg mit Polen, so müsse in erster Linie öie Grenze gegen Menschen einfuhr geschlossen werden. (Beifall bei den Demokraten.)

Abg. Hartmann (Dn.) wendet sich gegen die llebecschähung der wirtschaftlichen Bedeutung der Kanäle. Man solle lieber Straßen bauen.

Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) betont, daß die Lage der Kleinrentner erbärmlich fei. Das Reich müsse endlich die Durchführung seeiner Richtlinien bei den Ländern erzwingen. Die Weihnachtsbeihilfe des Reiches fei von 19 Gemeinden den Kleinrentnern einfach nicht aus­gezahlt worden. (Lebhaftes Hört! Hört! lirckS.)

Abg. Frau Teusch (Zentr.) gibt namenä der Kvalitionsparieien die ©rflärung ab, daß diesen Parteien die Rot der Kleinrentner und die Mängel des llnterstützungsverfahrens bekannt seien. Der Reichskanzler Hape ja schon baldige Hilfe in seiner Regierungserllärung versprochen. Seit dieser Evllärung seien die Regierungspar­teien eifrig bemüht gewesen, eine Besserung her- beizusühren. In der dritten Lesung des Etats sollen die Mittel für diese Zwecke noch erhöht werden. In der bestehenden Fürsorge­pflichtverordnung soll eine schärfere Ueberwachung der Durchführung der Pflichten der Länder und Gemeinden eingefügt werden. Endlich sollen Grundsätze füx die Inanspruch­nahme der Fürsorgemittel aufgestellt werden.

Beim AbschnittArbeitsschutz, internationa­les Arbeitsrecht usw." bittet Abg. Hoch (Soz.) namens des Ausschusses um Annahme einer Entschließung, die Regierung solle mit allem Rachdruck einen stellvertretenden Direktor und die Gleichberechtigung der deutschen Sprache im Internationalen Arbeitsamt fordern.

Abg. Grolhewohl (Soz.) stellt als Grund­satz des Arbeiterschutzes den Achtstundentag als Rormalarbeitstag auf. Der Regierungsent­wurf sei kein Arbeiterschutz-, sondern ein llnter- nehmerschuhgeseh. Der Redner fordert die Aus­dehnung des Jugendschutzes aus daS Lllter zwi­schen 14 und 18 Jahren und eine Reuorganisie- rung der Gcwerbeaussicht.

Neichscrrbeitsminifter Dr. Brauns.

Das Verbot ber Selb st Versorgung der Krankenkassen sei nicht nur von den Versicherten, sondern auch von den Unternehmern abgelehnt worden. Der Vorzutz des deutschen Krankenkassensystems liege gerade in der Ver­bindung von Geld- und Sachleistungen Dieses System bedeute übrigens nichts anders als bie Selbstversorgung bet kleingewerblichen Genossen­schaften. Für eine Verbesserung der Bezüge der Invaliden und Hinterbliebenen trete auch das Ministerium ein. Das Reich wolle auch einen Teil der Kosten übernehmen. Das Ministerium werde untersuchen, ob der Begriff der I n v a l i- dität neugefaßt werden könne. Soweit das Arbeilsministerium auf die Lohngestaltung Einfluß habe, werde es nicht nur einen Aus­gleich der Mielssteigerungen anftreben. sondern auch eine allgemeine Erhöhung der Kauskraft der Arbeitnehmerschaft. Das Arbeitszeitnotgesetz habe nut den Zweck Mißbräuche des lieber - stunöenwesens zu beseirigen. Von allergrößter Wichtigkeit für dieses Ziel werde die Beseitigung der Straffreiheit für freiwillige Mehrarbeit sein. Das Rotgesey werde Arb.its-eithö »'stgrenzen auf­stellen. innerhalb deren die Ein-elsestietzung Sachx der Parteien sei. Die Gestaltung der Arbeits­zeit. die ja mit der Lohnbemessung im engsten Zusammenhang stehe, könne den Schdchtungs- ausschüssen nicht entzogen werden.

Wegen einzelner kleiner linzulrägüchkeitc' wolle man nicht ein neues Betriebsrategesetz machen. Dazu sei nach CBcrablv iehur.g des Ar- beitsschutzgesetzes Zeit. Es sollten nur solche Arbeitsgerichte errichtet werden, die genügend beschäftigt seien. Dem hätten die Länder gründ- sätzkich zugestimmt. Für die Ansätze im Etat für die unterstützende Erwerbslosen'ürsorg. versprach der Minister bei der dritten Lesung Anregung zu geben. Daß die Maßnahmen ter Rcichsregierung zu einer erheblichen Verminderung der Zahl der Arbeitslosen beigetragen hätten, käste

lc.''>.r zifierninaßig nicht nachweisen. Es fei aber nicht zu bestreiten. Die Zahl der Rokstandsarbei- tcr sei neuerdings wieder beträchtlich cmgeschwol- len. Die habe jetzt den Oktoberbestand wieder erreich!. Am 1. März habe sich die Zahl ber unterstützten Erwerbslosen auf 1 695 000 belaufen, gegen 1 827 000 o.m 1. Februar. Dabei umfasse auch die Krisenfursorgc etwa 200 000, d. h. circa 10 OOO mehr gegenüber dem Vormonat. Der Minister versprach höhere Zuwendungen des Reiches für bie Kleinrentner.

Abg. Schneider- Berlin «Dem.): Die Ab­schaffung des heutigen schematischen Zehnftunden- lags und Wiedereinführung des Achtstundentag- würde 20 bis 30 Prozent der Arbeitslosen wie­der Beschäftigung geben. Die Hauptsünder seien die Banken. «Lebhafte Zustimmung, Händellat- schen auf den Tribünen.)

Die Neuregelung der Deamten- befotbuncen.

Berlin, 12. Mörz. (VDZ.) Im Haushallsous- »chuß des Reichstages gab Ministerialdirektor Lot­holz eine Erklärung ab, wonach die Reichsregierung die Vorarbeiten für eine Neuregelung der Besoldun gs ordnung sofort m Angriff n«h men und die Neuregelung durchführen wolle, sobald die Wirtschaftslage es gestattet ~

Die Vorarbeiten im Reichsfinanzministerium zurEr- Höhung der Beamtengehälter sind bereits im Gange. In Kreisen der Regierungsparteien wird die Auf­fassung vertreten, daß es notwendig sei, die Be- ioldungserhöhung gleichzeitig mit einer Reform der Beamtengesetzgebchng zu verbin­den. In Kreisen, die dem Finanzminister nahe- stehen, rechnet man damit, daß die Besoldungsfrage noch vor der Sommerpause im Reichstag zur Er­ledigung kommen wird. Die Beamtenvertreter im Reichstag verweisen daraus, daß eine Gehaltser­höhung in der Öffentlichkeit mit ihren Auswirkun­gen meist überschätzt werde. Eine lOprozentige Erhöhung wurde für das Reich «Ine Belastung von etwa 10 Millionen Mark bedeuten.

Die Erwerbslosigkeit.

Berlin, 11. (WTB.) Die Zahl der Hauptunter­stützungsempfänger in der Erwirbslofcnnirsorge zeigt in der zwei len Februarhälste einen weite- ! r en Rückgang um rund 65 000 gleich 3,7 Proz. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungs- empfänflcr ist in der Zeit vom 15. Februar bi» 1. März von 1 509 000 auf 1 458 000 zurückgeganaen die der weiblichen Hauptunteritützungsempfän- ger von 252 000 auf 238 000, die Gesamtzahl von 1 761 000 auf 1 696 000. Die Zahl der Zukchlaysemp- fänger hat sich von 2 034 000 aus 1983 000 ver­ringert

Aus aller Welt.

Berlin erhält das größte Hallenbad Europas.

In bet Zeit vom Zo. März bis 10. April veranstaltet Der Derbanb Brandenburgischer Ath­letikvereine eine Ausstellung unter dem Ramen Deutscher Sport", bei ber unter anderen Baulich­keiten auch ein neues Hallenbad eingewriht wirk». Das Bad wird eine Länge von 40 Metern und eine Breite von 15 Metern haben, so daß man es unstreitig als das größte Hallenbad Europas ansprechen kann. Das Hallenbad, das im Luna * park im Entstehen begriffen ist, dürfte da» einzige in seiner Art sein, da es ein Wellen­bad darstellen wird. 1500 Quadratmeter Fenster­fläche lassen Licht tn die Halle, die Hälfte ist verschiebbares Oberlicht. Dem Hallenbad wirb ein Sonnenbad mit 300 Quadratmeter Dandfläch« angegliedert werden. Ss ist geplant, die Halle durch ein großes internationales Wasserball- turnier einzuweihen.

Das Caroinenunglüd in Graubünden.

Von den Opfern des Lawinenunglücks bei Schulz tonnte am Freitagnachmitatg die Leiche des Fräu- leins Kastner aufgefunden werden. Die Ret­tungsmannschaft war den ganzen Tag beschäftigt. Fräulein Kastner lag Jiid)t tief und war imverlctzt. Die Bergungsarbeiten werden fortgesetzt, um die beiden letzten Opfer, Konrad Grossing und Kon­rad Uhl. aufzufinden.

Hotelbrand im Engadin.

Am Freitag brach in dem bekannten Hotel Waldhaus" in Sils - Waria aus unbekannter Ursache im Dachstuhl des Ostflügels Feuer aus. das auch auf daS untere Stockwerk Übergriff. Der Schaden ist sehr groß. Die Untersuchung ist eingeleitet.

Gras Keyserling in Konstantinopel.

In der großen Aula der Unioersiläl Stambul hielt Graf Keyserling einen Dor trag überDie wer­dend« Welt". In der türkischen Press« ward« ber Vortrag durch «ine ausführliche Wiedergabe seines Inhalts gebührend gewürdigt. Besonderen Eindruck machten Keyserlings Gedanken über die innere Logik der Entwicklung, die die neue Türkei nach dem Welt» kriege genommen habe, und die er überzeugend in sein Gelamtbild von der welthistorischen Entwick­lung unseres Zeitalters einzufügen wußte. Unter den Zuhörern bemerkte man saft vollzählig die Vertre­ter der türkischen Wisscnschast und Viterahir, den deutschen Botschafter N a d o l n y, zahlreiche Ver­treter der deutschen Presse und Mitglieder der deut­schen Kolonie.

Deutsche Flugzeuge im Ausland.

Das pers-lche Parlament hat durch ein Gesetz den Junkerswerken ein fünfjähriges Mo­nopol zur Errichtung von Fluglinien Teheran Enzeli, TeheranBuschir und TeheranQuer­ton gewährt Außerdem verpflichtet sich öle persische Regierung, während der elften 18 Mo­nate den Junkerswerken «3 u b f i d i c n zu zahlen

Verhaftung von Zechprellern.

In Schreioerhau'(Schlesien) wurden auf Ver­anlassung der Polizei von Flinsberg ein Major a. D. Eduard Müller aus Berlin, seine Frau und ein erwachsener Sohn verhaftet. Die Fest­genommenen. die in das Hirschberger Gefängnis eingcliesert wurden, hatten in Flinsberg Zech­prellerei verübt. Sie werden von mehreren Staatsanwaltschaften, darunter in Berlin und Elberfeld, wegen Betrugs und Zechprellerei st e d- brieflich gesucht. Sie hielten sich in FlinS- berg unter falschem Ramen auf.

Goldfunbe in der wüste von Tleoada.

In der Wüskc von Nevada im Westen der Ber­einigten Staaten wurden Goldfunde gemacht, di« Hunderte von Goldsuchern veranlaßten, in Wage» und Autos an die Fundstelle zu eilen.

Wettervoraussage.

Wolkig ohne wesentliche Aendcrung ber Tempe« raturen und vielfach trocken

ttzeftrige Tagestemperaturcn: Maximum: 7,6 Gr. Celsius. Minimum: 2,4 Grad Celsius. Niederschläge: 0,1 Millimeter Heurige TI o rg en tempere tu r: 1 Tra­

ich Celsius.