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Trzirhung unb Mittage bmijtntt ober mehr noch 'Borauil^unfltn. n inmitten unserer ^stände im Äuge, wichen. Mr heben
ErziehungSkapitrt dem alten MH- ob hie Deelhoven- lischer Aatur. atna Ue unb Derh-nbt agogik unb Sema« iwoll, ohne Scheu« Bespielen kräftig Roknltod'^rrtiau aber berechtigter 't Mischen .Stn- V hin. b. h. aus bemühen aller Mch bei ®lüd« Men, bai zu der ihrem politischen. Ins rieben in krasse« mit triU Rvsrnslsä her Führung en.
Semagogil liegen ^ung" handelt ein Beitrag von Srnft dem ethischen Felde ich ein lieWen« iberhard Srisebach- lommi, daß kein iwt philosophische iches System einer I den Zugang M lann. dah eitleren lei und das >ld immer nur je- Jng liege Ahanb« । 3ugenbbto«
Sitten, Aedräuchc. BilöungSverfahren
faltet. Sie unb umfassend. 6m reit' MWR tovenbildms M Mus" von 3-«J- Sfw®“£ il des yestLS, den > aus dem SeMt ,r \\lavierbeatptt Mt diesem Wg inftmart neuerdings gentliien, ^m3uf, ssft«k
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Nr. 60 (Erftes Blatt
UZ. Jahrgang
Samstag, 12. März 1927
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friede Wilh. Lange. DerantwortNch für Politik Dr. Fr. Wilh Lange: für Feuilleton Dr H.Idoriotp für den übrigen Teil tfrnft Blumschein- für den An« zeigenteil i. Berte. H.Deck. sämtlich in (Biegen
Zwischen Oft und West.
Sie Austen Chamberlain hat vor feiner Genfer Keife neugierige {fragen miffensburftiger Iouena- liften mit Der »cmerfung ab zu wehren versucht, bafj auf dieser Ratstagung leine einzige Frage von irgendwelcher Bedeutung zur Debatte stehe. Das mag Dom englischt-n Stanbpunlt au» richtig fein. Da ja bie chinesische Angelegenheit mit allem Jladjbrutf vom Vollerbunde serngehialten wird, obwohl sie ihrer ganzen Natur nach besonders geeignet gewesen wäre. Das Interesse Des Völkerbundes zu 'inben. Auf Der Herbstoersammlung hat ja auch Der Delegierte Der sogenannten gelinget 3entralregie- rung Herr Ch^o 5)siwChu einmal tn überraschender Weise Den Vorfall von Wahn-sin, bei Dem britische Kanonenboote auf chinesische Truppen geschossen hatten, zur Sprache gebracht. Aber Chamberlain hatte mit der Faust auf Den Tisch geschlagen unb lategorisch erllärt, diese Dinge gehörten nicht hierher, das fei eine Angelegenheit, Die England mit China Direkt adzumachcn habe. Es gibt laum ein zweites Beispiel, Das Den wahren Lharalter des BölferbunDes, wie er heute besteht, traffer enthüllt. Wenn so Der Krieg in China und was Dahinter steht. Der britisch-russische Konflikt, zwar uu» Dem Sitzungssaal Des Völlerbundes selbst ver« bannt bleibt, so Doch hinter Den Kulissen von Genf von kaum etwas anderem Die Rede, und man hat Den Eindruck, daß das offizielle Tagungsprogramm den Öerrcn IRatsDelegierten weit weniger Den Schlaf Der Nacht raubt, als eben Das grofze weltpolitische Problem, die von beiden Seiten seit Jahren vorbereitete lluseinanberfetzung zwischen Dem russischen Bolschewismus und Dem britischen Imperialismus.
liebtraü in der weiten Welt, wo sich nur Die beiderseitigen Interessensphären berühren, ist fieber- hafte Tungleit, Diängt alles zur Entscheidung. In China ist Der Eilmarsch auf Schanghai vorläufig zugunsten der Nordarmce, also der verbündeten Truppen des anfibolschewistischen Marschalls Tschang- tso-ttn beendet Gerüchte von neuen Kämpfen zwi« chen Den Nordtruppen unb Der Südarmee von Danton harren noch der Bestätigung. Im allgemeinen iber Darf man wohl sagen, daß auf dem chinesischen Kriegsschauplatz eine Hampfpaufe eingetreten ft, Die beiden Parteien Gelegenheit geben soll, ihre Inneen zu ordnen und in neue Stellungen zu i*ringen. Daß es hierzu kommen konnte, liegt vielleicht nicht zum m.nbeftcn Daran, daß bie Einigkeit in ft a n t o n einen Ritz bekommen hat. Während -^r General T f ch a n g k a i -1 s ch e k und der gc- näfante Flügel der ftuomingtang, zu Dem auch mahle b ende M.tgiieber der Kantonregierung, wie z. B. der Außenminister Eugen Tschen gehören, anti- ommunistisch gesinnt sind unb auf eine Ausschaltung Der ooroiftbelegicrtcn hinarbeiten. wirkt der Ver- irauensmmin Moskaus Borodin — dessen Frau in die Hände der Schantungtruppen gefallen ist unb tffoi für T schon g«tso lin ein wertvolles Pfanb Dar- teilt — mit zähem Eifer für bie Sache bes Äoinmu- liimus. Er hofft auf bem in diesen Tagen in Han- 'au jufamemntretenben Parteitag ber fluomingtang uit f)ilfe ber Nadilalen Tschang-kai-tschek unb seine Ilnhanger beifeitefdjicben zu können. Die Entschei- )ung des Parteikongresfes ist nun deshalb von so ußerordentlicher Bedeutung, weil es sich darum tanbelf. welche Politik China gegenüber den Fremd- nächten, d. h. heute immer noch England, in Zukunft treiben will. Denn man darf wohl mit einiger Sicherheit annchnen, baß die fiantonarmcc in ihrem Siegeslauf durch bie Truppen ber Schantung-Gene- rale sich kaum wird aushalten lassen. Es ist wahr- heinlich, bah Schanghai bald in den Händen der lantonesen sein wirb, für bie bann bie Auseinander- etzung mit England über die fremden Konzessionen :on neuem akut wird. Siegt auf bem Parteikongreh mter Borodins Einfluh der radikale kornrnunistifche Bügel, bann wird man mit blutigen Zusammen lösten zwischen den Kantontruppen unb bem britischen Expeditionskorps immerhin rechnen müssen. a.las dann wirb, ist heute noch gar nicht abzuseh.m. siegen bie Gemäßigten, so wirb E igen Tschen seine luge Politik Der Verhandlungen fortfeßen mit dem nbjicl, bie Briten ohne Kamps aus China l-eraus- iumanönrieren unb auf frieblichem Wege Chinas Befreiung von ben briirfenben Verträgen zu er reichen.
Kämpft allo hier in China ber russische Bolschewismus um die Erhaltung seines maßgebenden Ein- luffes im nationalen Befreiungskampf ber Chineien, b hat Moskau auch in Europa zum Gegenzug ange 'etzt. Seit Jahren gehen die Verhandlungen um <inen Garantiepakt zwischen Nuhland unb Den 'tanbftaatcn. Die baltischen 9Räd)te sinb samt- Ich Mitglieder des Völkerbundes und find als solche lurch den Artikel IS des Völkerbundspaktes ver iflichiet, jedes internationale Abkommen, bas sie cb fhliehen, unverzüglich beim Sekretariat des Völker- lunbes einzutragen unb burch biefes veröffentlichen .il lassen. Das bolschewistische Ruhlanb ist jedoch 'er heftigste Gegner des Völkerbundes, in bem es *ets nur den Sammelpunkt aller ..kapitalistischen- 'ntcrcifenten unter britischer Führung gegen sich Ziehen hat. So haben sich Die russischen Unterbänb r in Kowno, Riga und Reval stets bemüht, bie b-ltischen Staaten vom Vötterbunbe als Dem Machten isbruck bes politischen Systems der Westmächte, 'pzitziehen unb sie als Dundesgenosien gegen Polen, 1 i’ten Endes aber gegen England, zu verpflichten. Tas war Ruhland bis zu einem gewissen Grade
• bem berühmten Vertrage mit Litauen schon dehmgen. Der Vertrag sprach bekanntlich erneut XSilna den Litauern zu und trug bamit einen ent 'Mieden antipolnischen Charakter. Die legte Rcoo- Ittion in Kowno hat bie Lage bort für Ruhlanb tiwas kompliziert. Man weih nicht recht, worauf Sie neuen Machthaber abzielen. Um so energischer öct das Auhcnkommissoriat in Riga und Revol 9-:= Jtbeitet, mit bem Ergebnis, daß in dieser Woche Ser Garantievertrag zwischen Ruh-
Die deutschen Fragen in Genf.
Um unser Recht.
(Eigener Bericht deS .Vieh Anz.")
Vens, 11. März. De grobe Politik ist in ein entscheidendes ©fatium gerückt. Obwohl man, namentlich in Frankreich, bisher immer und immer wieder betont hatte, die Genfer Ratstagung würde im Zeichen sogenannter kleiner Fragen stehen, eine Behandlung der Frage der Bheinlandräumung käme nicht in Frage usw., läht eS sich doch nicht Wegleugnen, dach die grofjen politischen Fragen mit außerordentlicher Intensität und Aktivität behandelt werden, was nur darauf schliehen läsit. dah man sich doch allgemein bewuht ist dah diese Fragen behandelt werden müssen. In Frankreich hat die Tagung deS Dölkerbundsralcs ein sehr geringes Interesse gefunden. Gewih steht die Saarfrage, sowie das deutsch-polnische Problem im Mittelpunkt Der össentlichen Diskussion, man benutzt aber diese beiden Momente nur, uin sie in Der- bindung mit den Frankreich weit mehr interessierenden Fragen der Aheinlandräumung, des sogenannten Oft Locarno» und Dem Buhland- problem in Berbindung zu bringen.
Diese Tatsache hat, der sozialistische Abgeordnete Leon Blum im ?Popula:re" in ausgezeichneter Deise beleuchtet. Ausgezeichnet insofern, als dieses Urteil Blums einmal in objektiver Weise über Die Stimmung in Frankreich berichtet und ehrlich auf die politischen Belange entgeht. Er spricht es offen aus. dah das Eaargebiet deutsch fei und deutsch bleiben wolle, dah Deutschland das Recht habe, auf Grund des Sicherheitspakts von Locarno und deS Artikels 431 des Versailler Vertrages die Räumuttg der Rheinlande zu verlangen. Ebenso freimütig bereitet aber Blum auf die großen Schwierigkeiten vor, die Deutschland in dieser Frage entgegen stehen. Sr verweist dabei auf das Argument Der unvollkommenen Abrüstung Deutschland S. das ja jetzt in Frankreich nur allzu beliebt ist. und weshalb man eS auch für nötig gehalten hat. ein neues VerteidipungSshstem in Form eines Festungswalls von Calais biö Basel zu schaffen, weshalb man wahrscheinlich auch, eigentlich wider alles Erwarten, erneute Schwierigkeiten in der Bereinigung Der Saarfrage wacht. Dazu kommt die Forderung eines besonderen Locarnos für Osteuropa, auf Grund dessen Deutschland die dortigen Verhältnisse ein für allemal anerkennen soll.
Betrachtet man all diese Dinge im Zusammenhang. so steht zunächst eins fest, nämlich, dah die Widerstände, die der französifche Chauvinismus einer Verständigung mit Deutschland entgegenstellt. bei weitem unters chätzt worden sind. Die Stellung Briands ist deshalb im Augenblick außerordentlich ungünstig. Dies mag vielleicht seine Vorsicht in Gens begründen. Für Deutschland ergibt sich aber die eindeutige und klare Forderung aus Achtung des deutschen Rechts st andpunktes. ES geht um unser Recht, das uns auch durch den Verlailler Vertrag gegeben worden ist. wir müssen also auf Innehaltung dieser wenigen durch diesen Vertrag uns zugestandenen 2n.'chte in jeder Beziehung Dringen. Reichsminister Dr. ©trclemann hat dies auch unzweideutig bei L'incm Empfang Der ausländischen Preise in Genf zu erkennen gegeben. Die große Politik ist so in ein entscheidendes Stadium getreten, und cs besteht Die grobe Ge
fahr. dah man auf dem Wege berüchtigter ®e- Heimdiplomatie versuchen wird, Dinge gegeneinander auSzuspielen. die sich rechtSmähig in keiner Weise in Beziehung bringen lassen. Es geht jetzt um die Entschridung. ob es in Europa eine Politik Der Verständigung ober eine solche der Ranküne geben soll.
Die Saat und Gberschlesien.
(Eigener Bericht Des „Gieß. Anz.^)
G>enf, 11. März. Wieder einmal steht eine DölkerbundSrattagung kurz vor Dem Abschluh. die zunächst einmal schon dadurch sich auszeichnete, dah Reichsminister Dr. 6trcfcmann Den Vorsitz führte. Obwohl die Lagesordnung in ihrer Mehrzahl allgemeinere Fragen auswies, sind doch gerade diejenigen drei Punkte. Die Das deutsche Interesse am stärksten berühren, nämlich die Saarfrage. Die Minderheitsschulen tn Oberschlesien und Die Deutschen Flug- zeuglisten zunächst noch nicht erledigt worden, im Gegenteil. eS scheint, vor allem nach Dem Verlaus Der heutigen Besprechungen und Verhandlungen, dah der Lösung dieser 'Fragen noch auherordentlich grobe Schwierigkeiten ent- gegenstehen.
Dabei ist bie wichtigste Frage Die Des Bahn« fchvhes im Saar gebiet, bei Der es trotz aller Bemühungen von feiten Der Deutschen Delegation nicht möglich war, eine Einigung zu erreichen, hn BrianD unter allen Umständen auf Die ver« tragswibrige Eifenbahnschutztruppe nicht 0 er« zichten will, am allerwenigsten auf ihren ausgesprochen französischen Charakter unb auch in ber Angelegenheit Der Umbildung ber R e« gierungskommission für das Saargebiet wenig Entgegenkommen zeigt, wobei er auch noch burch Englonb unter st ützt wirb, bas eben- falls für Beibehaltung bes belgischen Mitgliedes Lambert eintritt. So stehen sich also die Auf fossungen biomenlrol gegenüber und man must, wenn es nicht noch in den späten Abendstunden gelingt, eine Einigung zu erreichen, durchaus mH ber Möglichkeit rechnen, baß der Bericht Der Saar regierung in der morgigen Schlußsitzung behandelt wird, unb baß es damit zu einer öffentlichen Behandlung dieser Frage, mithin also zu einer Feldschlacht zwischen Briand und Strese« mann und zu einer Abstimmung im Rat kommt. Dabei ist es noch keineswegs gesagt, baß bie Abstim mung diesen Vorschlag in seiner bisherigen unocr änderten Form betreffen wird. Es sind eine ganze Reihe von technischen Möglichkeiten gegeben, Da ber Rat in seiner Entscheidung vollkommen souverän ist und auch durch keine Gepflogenheiten an irgendwelche Vorschläge, bie nicht von einem Völkerbunb'- organ bireft ausgehen, gebunden ist. Es märe also 4- B. denkbar, daß die Vorschläge teilweise angenommen und teilweise abgelehnt oder durch selbständige Zusätze bes Rates ergänzt wurden. Das kann in und auf Grund der Diskussion, die bann in bieser Frage recht lebhaft werben bürste, ober aber in einer ooron» gehenben geheimen Sitzung oder auf Grund formulierter Vorschläge geschehen, die in der heutigen Nacht i noch zustande kommen könnten. Es gibt Kreise, die gut informiert sein dürften, die bereits von einem Einlenken Briands wissen wollen, bas dahin geht, den Bahnschutz zu vermindern, allerdings noch weiter daran sesthält, daß dieser Dahnschütz aus sranzösischenTruppen bestehen müsse. Mit einem Wort, es sind noch nicht alle fioffnung-m verloren.
In Der oberschlesischen Schulfrage, die zunächst von Dem eingesetzten Alnlcrlonütee. D<to aus Den fübamerilamfcpen Delegierten il r u - t i a. Dem italienischen Senator Ecial 0 ja unb Dem Holländer Troestewyk besteht, behaitdelt wird, wird eine Entscheidung während dieser Tagung nicht erfolgen, man w.rD sie vielmehr auf Den Juni vertagen. Zunächst ist ein entgegenkommender deutscher Vorschlag erörtert worden, der auf die Einsetzung einer Gemischten Kommission von Schulmännern hin- auSläuft. die jeweils nach einmonatiger Probezeit über die Verweisung der Kinder angeblich polnischer Muttersprache von deutschen an polnische Schulen zu befinden hätten. Von deutscher Seite-wird dabei nach wie vor der RechtSgiund- fab ausrechterhalten. Man will auch vcrsuo)en, doch noch morgen eine endgültige Entscheidung herbeizuführen. Obwohl die Polen noch keineswegs Reiqung zu einer Einigung aufweifen, durfte vielleicht in Dieser Frage Der heutige Gegenbesuch Dr. Strefemanns bei Zcklekki eine Zwischenlösung ermöglicht fxiben
Vie deutschen euftschifsahttsiisteil
Genf, 11. März. (XU.) Reben der ober- schlesischen Schnlsrage und Dem Saarproblem soll Der Völkerbunds rat in seiner Schlußsitzung am SamStag auch über Die Regelung der zweien Deutschen Luftfahrt eine Entsche.Dung treffen Zwischen Staatssekretär Dr. v. Schubert und Dein tschechoslowaki'chen Ausienm nifter Dr. Bene sch. Der Berichterstatter für diese Frage ist sanden Darüber schon Verhandlungen statt. Bekaniustch war im Mai v. I. zwischen Dein Deutschen Vot- fchasler von Hoesch unD der Botschaster- konferenz aus GrunD deS Artikels 198 Des Vcr- sailler Vertrages eine Vereinbarung getroffen worDen. durch Die Deutschland e.nc Vermehrung seiner zivilen Luftschifsahrt zugestanden wurde, wogegen Deutschland die Der-- Pflichtung zu übernehmen hatte. Listen über die Regelung Der gesamten deutschen zivilen Lu!>- ichisfahrt zu führen. Ferner tour fr? vereinbart, baß die Deutsche zivile Luftschissahrt nach Artikel 213 DeS Versailler Vertrages einer Ä r n - t r olle des VölkerbundSraleS unterliegen solle, die dieser auf Grund vorhergehender Verhandlungen mit Mehrheitsbeschluß belchli.-nt.
Don französischer Seite war nunmehr aus Gründ dieser Tatsache die Behauptung ausgestellt worden, Deutschland sei nicht nur verpflichtet, Listen über seine Luftschissahrt zu führen, sondern Dic’c and) jederzeit zur Verfügung des Völkerbundes zu hasten. Dieser Etandvunkt ist von deutscher Seite grundsätzlich abgelehnt worden, da nach Artikel 213 Des Versailler Vertrages Kontrollmaßnahmen des Dölkerbundsrates nur auf OJrunb eines Mehrheitsbeschlusses oorgenommen werden können. Diele Frage ist nunmehr, und zwar auf besonderen Wunsch des Generalsekretärs des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, auf die Tagesordnung ber morgigen Ratssitzung gesetzt worden.
Der Prozeh gegen die deutschen Gendarmen vertagt.
k. 2anDau. 11. März. Der Prozeß flegeln Die betten OenDarmeriefommanDanten Ullrich und Grosser von Winden und SkinfelD stand am Donnerstag nachmittag offiziell vor dem französischen Kriegsgericht zur Derhandlung, ob-
land und Lettland paragraphierl werden konnte. Das ist rin großer Erfolg der Moskauer Diplomatie, obwohl vorläufig Dabei noch ein haken bleibt. Lettlands Pflichten gegenüber Dem Völker' bunb müssen in einem Zusatzabkommen mit Dem neuen Garantieoertrag in Einklang gebracht werden. Heber dieses Abkommen hat man sich noch nicht geeinigt, aber es besteht kein Zweifel, daß hieran das neue Bündnis nicht scheitern wird. Welchen Wert Rußland Darauf legt, durch dieses lettische Bündnis dem britischen Gegenspieler auf einem wichtigen Felde De; welii'olitnchen Schachbrettes malt zu setzen, zeigt besonders Die Tatsache, daß Moskau sich in Streitfällen dem Schiedsspruch eines Neutralen, also eines „Bourgeois", zu beugen bereit erklärt hat. Das ist ein Entgegenkommen, das man früher kaum hätte erwarten Dürfen und das sich nur aus Dem britisch-russischen Ringen um Die Seele Der Saltenflaaten crilären läßt.
Rußlands politischer Ehrgeiz geht weiter. Auch in Warschau arbeitet die corojctDiplomatie euer- flifd) unD zielsicher. Chamberlain hat erst eben Der in Gens versammelten Weltpresse erklärt. Daß alle (3crüch!c über britische BünDnisverhanDlungen mit Polen eben halt nur Gerüchte feien. Denen jede tatsächliche Unterlage fehle. Und ctreiemann hat am Donnerstag ebenso energisch Die Behauptungen bestritten. Daß in Genf unter Chamberlains Aegide eine prüfte antirussiiche Koalition^politik betrieben werde, soweit in Diesen Dementis von Polen Die Rede ist. muß man uns erlauben, hinter sie ein Frage- zcichen zu setzen. Englands Bemühungen tn War- 'chau — wenn auch gewiß die Sowjetpresse sie hei- iig aufgebauscht haben wird, um in Deutschland Stimmung zu machen — waren zu offenkundig, um nun durch ein paar wortreiche Erklärungen aus Der Welt geschasst zu werden. Man hätte wobl gerne in Polen einen Verbündeten gegen Rußland gewonnen unD Dafür seine Assistenz bei D^r Losung der polnischen 'Bcftprobleme — Danzig, Korridor, Obcrschlesien — in Aussicht gestellt. Wie weit diese Tendenz sich bei Der Behandlung des Deutsch-polnischen
Konsliktsstofses schon in einem Deutschland natürlich nachteiligem Sinne praktisch wird ausgewirkt haben, werden wir erst überschauen können, wenn das Er- gebnis Der Genfer Ratstagung vorliegt.
Rußland dürfte jedenfalls gerade hier in War schau einen schweren Stand haben, aber um so zäher wird fein Stampf fein, denn es weiß, daß nur über Warschau Der Weg nach Paris geht. Und ein gutes Verhältnis zu Frankreich ist eins Der wichtig^ ften Ziele der russischen Außenpolitik. Gerade in die- sen Tagen wird der Sowjetdotschaster Rakowlki von feinem Moskauer Aufenthalt nach Paris zurück- kehren, um dann Die Verhandlungen über Das franzöfifch . russische Schuldenproblem, Die sich ja schon seit Jahren hinziehen, mit neuer Energie aufzunehmen. Cs handelt sieb Dabei einmal um Die Entschädigung französischer Staatsangehöriger für ihr in Rußland beschlagnahmtes Eigentum. Zum anderen um Die Regelung Der Bo- krieg-schulden, also um Die teilweise Rückerstattung der Dielen Milliarden, mit Denen der französische Rentner vor Dem Kriege Den Arm Des russischen Muschik gegen DeutfchlanD gemaffnet und während des Krieges Die russische Kampffreudigkeit zu erhalten getrachtet hatte. Die Verhandlungen sind deshalb »o schwierig, well Rußland glaubt leine Zahlung versprechen zu können, ohne eine ansehnliche Anleihe zu erhalten und Frankreich, dos ja selbst bei Amerika unD England schwer in Der Kreide sitzt, diese russi- 'chen Anleihebedürfnisie nicht befriedigen kann. Aber ohne eine Klarstellung Dieser finanziellen Seite wird Rußland politisch kaum mit Frankreich ins reine kommen, wenn auch in Paris für Die russischen Unterhändler Der LoDen kaum jemals günstiger ae- wesen sein Dürfte. Denn Die Ratifizierung Des Bessarabien-Abkommens durch Italien, Durch Die Mussolini feine Stellung auf Dem Balkan auherorDentlich verstärkt hat. Dürfte am Quai d'Oriay keine reine FreuDe ausgelöst haben. Ita- lien macht alle Anstrengungen, Frankreichs Rolle als Protektor Der Lalkanstaalen zu übernehmen. Nur Jugoslawien, Das sich Durch Musiolinis Politik
von allen Seiten eingekreist fühlt, bleibt ein Stützpunkt der französischen Balkaninteressen.
In Diesem riesenhaften Spiel Der Kräfte, in Dein cm jeder Spieler sucht, moglimft zahlreiche Figuren auf [em Feld zu bringen, steht Das entwaffnete, machtlose Deutschland in seiner unglücklichen geographischen Mittellage zwischen Ost unb M e st. Cs wäre seltsam, wenn nicht beide Parteien alles Daran setzen würden, die Figur zwischen den «fronten zu sich herüberzuziehen. Diese Versuche hat der deutsche Außenminister in seinen Erklärungen oor her Presse auch wohl kaum leugnen wollen. Aber mit Recht hat er Deutschlands Stellung im britisch- russischen Konflikt dahin skizziert, daß Deutschland weder mit Rußland geheime Abmachungen getroffen habe, noch auf Der anderen Seite bereit 'ein werde, sich von England in eine anüboische- wisttsche Front einglicbcm zu lassen. Heute ist Dcutjchland zu einer Politik gezwungen, bie vor dem Äncae vielleicht zu einem guten Teil zu (einem Verderben beigetragen Hot. Das entwaffnete Deutschland kann nicht für eine Der beiden Weltmächte optieren. Das entwaffnete Deutschland hat i-’-ne internationale Stellung durch Die Garant, vertrage von Locarno nach Westen hin, und durch den gleichartigen Berliner Vertrag nach Osten hin Mtgclegt Es hat Darüber hinaus keine gehftmen Abmachungen, die es für Die eine oder Die andere Seite verpflichten könnten. Aber es liegt mi Interesse dieses entwaffneten Deutschlands, daß es zwischen Ost und West zu keiner Erplosion komme, die deutsches Volk und deutsches Land in ’GjnJcrfte (Befahr bringen könnte. Deutschland setzt alle Kräfte daran, seine Wirtschaft wiederaufzu- bauen, es sucht seinen Verpflichtungen aus Dem verlorenen Kriege nachzukommen, es braucht Absatz, gebiete für seine Ausfuhr, es wünscht die Eingliede« rung des riesigen russischen Marktes in eine roreter* erstarrende Weltwirtschaft, cs hat daher kaum ein Interesse an der Zuspitzung Des britisch.rufsischen Gegensatzes, sonDern wird das (einige beifragen zu einer Entspannung zwischen Ost und West.


