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Lehr zur Unzeit wird England diese Wie- deraufrollung empfinden. Die Thronrede, mit der am 8. Februar das Parlament wieder in alter Feierlichkeit eröffnet worden ist, verhüllt etwas die großen Schwierigkeiten, in denen die eng­lisch« Politik heute steckt. 3m Innern die Aus­einandersetzung über daS GewerkschaftSge- s e h, das in der Thronrede gar nicht genannt ist und Gegenstand erheblichen Kampfes sein wird, und draußen die Verwickelung mit China, die immer komplizierter und schwieriger wird und zwar für ein England, das in diesem Kamps« ganz allein steht und das in sich selber zwie­spältig ist. selbst noch nicht weih, was es eigentltch dort anstreöt. Daß Chamberlain, wie er gesagt hat.auf halbem Dege" China entgegenkommen möchte, kennzeichnet eben die Halbheit dieser Politik, die am liebsten die veraltete und gar nicht mehr zu haltende Stellung sesthalten möchte, das nicht mehr kann, dafür aber große Verwicklungen riskiert und vollständig allein steht.

Die Thronrede betont den enischiebenen Wll- len. sich in die inneren Verhältnisse Chinas nicht zu mischen. Andererseits ist aber doch eine ge­waltige maritime Macht dort konzentriert und große Truppensendungen, die unter viel Trara und Kriegslärm die Heimat verlassen haben, sind auf dem Dege nach dem Fernen Osten. Do ist die Grenze zw.schen Schutz der eigenen Unter­tonen und kriegerischer Intervention in die inne­ren Verhältnisse des anderen Staates? DaS vor allem kann England da mit kriegerischen Mitteln erreichen? Ein paar Hauser vom Meer aus e.n- schiehen. vielleicht die Fremdenniederlassung in Schanghai behaupten dann ist es im Kamps mit einem Riefenlande von 400 Millionen Men­schen am Ende und es entfesselt dann mit Sicher­heit den furchtbaren Ausbruch eines immer stär­ker werdenden Hasses gegen Fremde und Christen.

Run bauert es ja mehrere Wochen, bis die englischen Truppen Sendungen draußen in China angekommen sind. 3n dieser Zeit kann der Vor­marsch dcs SiidenS gegen Schanghai gelin vn. D.e ankommenden Truppen würden dann vor einer vollendeten Tatsache stehen, ähnlich wie vor 23 Jahren der beutfefe Felbmarschall von Walder- fee, der nach Peking ausgefandt wurde. Diese Pause ist eine Zeit starker Spannung und wird zu Verhandlungen zwischen Chamberlain und Tschen ausgenuht. hoffentlich mit Eefolg und nut Verstand von Seiten Englands, mit der Dereit- willigkeit zur 2Iachoiebi-keit. da es einen anderen Ausweg aus dieser völlig verfahrenen Situation I für England nicht mehr gibt.

Auch daran ist Deutschland direkt nicht beteiligt. Deutschland und Rußland haben auf jene Vorrech!« der Fremden, gegen di« China sonst kämpft, verzichtet, oder verzichten muf­fen. Um so rußiger und zurückhaltender sollen wir sein, wenn jetzt die Stimmung und die An­regung au6 England stärker und stärker kommt. Europa oder die Christenheit möae sich zusammen- finben fiepen dieGelbe Gefahr", bi? so groß fei, weil sie vom Moskauer Bolschewismus be­nutzt würde. Es wird von England wieder so etwas wie Kreuzzugstimmung in Europa vor­bereitet, daS überall und auf alle Deise Bundrs- aenossen in diesem Kamps« sucht und alles im Lichte seines großen Gegensatzes zu Rußland sieht. Bleiben wir da ganz ruhig und ganz kühlt Alm solche Sachen, wie Bedrohung de« Christen- tum« und Bedrohung Europas durch dieGelbe Gefahr" handelt cS sich nicht. In China kämpft ein altes Kulturvolk um Freiheit und Unab­hängigkeit, und dem gehört selbstverständlich un­sere Sympathie. Deutschland und China haben, wie gesagt, llare Rechtsverhältnisse miteinander, die Chinas Ansprüche vollständig befriedigt haben. Die deutsche Politik soll auf der Hut fein, sich unter solchen Vorwänden von England brauchen zu lassen zu einer Konstellation, deren Spitze gegenRußland ginge und deren Spitz« dann von Deutschland direkt gegen Rußland gerichtet wäre.

Dir werden in diesem großen Zusammenhang daher in den nächsten Wochen und vielleicht Mo­naten die englische Politik Überall bemüht finden. Deutschland zu Entschlüssen und zu Stellung­nahmen zu treiben, die es unbedingt ablehnen muß. Es widerspräche den LebensinteressenDeutsch- lanbs. in einem großen englisch-russischen Kon- ;litt, den die nervöse und aufgeregte Stimmung in England und eine von Haus aus wenig geschickte und überlegende Politik in der chinesischen Frage auf die Spitze treiben möchte, etwa derDegen Englands gegen Rußland" zu werden. Deutsch­land soll auch hier darauf achten, der neu­trale Großstaat der europäischen Mitte zu fein und zu bleiben, und hat im übrigen infolge dieser immer weitere Kreise ziehenden chinesischen Entwicklung für feineAußen- poiitit der nächsten Dochen oder Monate unbe­dingt damit zu rechnen, daß es bei England keinerlei aktive Hilfe. Unterstützung oder gar Bundesgenvssenschast finden wird!

Die Grundlage für die Außenpolitik der neuen deutschen Regierung ist gegeben; alles Wesentliche war In der Regierungserklärung gesagt. Diese betonte die Stetigkeit in der Fortführung der bisherigen Außenpolitik, In der Richtung der Ver­ständigung. aber auf Gegenseitigkeit, und der moralischen wie politischen Gleichberech­tigung Deutschlands. Zufällig sprach Briand ge­nau zur gleichen Zeit vor dem Auswärtigen Aus­schuß seines Senats über das gleich« Thema, wie der Reichskanzler in Berlin. Vriand wiederholte, was er im Kommerausschuß gesagt hatte. Er be­kannte sich wieder zur Friedenspolitik, die er auch weiterhin betreiben will, aber mit allen Sicher­heiten für Frankreich. Es ist keine Spielerei, so formelhaft die Aeuherungen der beiden verantwort­lichen Minister einander gegenüberzustellen. Das Ziel ist beiderseitig dasselbe: stetig weiterzuführende Friedenspolitik, aber die Ausgangspunkte, die Vor­aussetzungen und die Forderungen, die dabei in die­sen Willen von vornherein hineingelegt werden, sind in jenen grundsätzlichen formelhaften Aus­drücken so deutlich bezeichnet, daß man daran die Schwierigkeiten eines deutsch-französischen Aus­gleiches ohne viel Worte erkennt.

Die Angrisse auf Briand sind stiller gewor­den. Die angekündigte große außenpolitisch« De­batte ist auf unbestimmte Zeit verschonen. Auch dir französische Politik rechnet wenigstens in ihrem Ver­hältnis zu Deutschland in den nächsten Wochen auf eine Pause. Aber das bedeutet weder drüben noch bei uns, daß damit die Vorbereitungen und Füh­lungnahmen für die nächsten Aufgaben auch vertagt wären. Die nächste große Aufgabe ist ja di« Vor­bereitung der Räumung des R h e i n l a n d « s. Daß da viel und schwierige diplomatische Arbeit vor­her getan werden muß, um da» Terrain wirklich vorzübereiten, bedarf keines Wortes.

Aber die französische Politik kann im Augen­blick auch eine derartige Pause gebrauchen. Ab­

gesehen von den weiter laufenden Mannten inne­ren Auseinandersetzungen um die Währung hat am 9. Februar nach sehr langer Pause die Tan­ger-Konferenz in Paris zwischen Frank­reich und Spanien begonnen. Damit ist ein Pro­blem von großer Kompliziertheit und reichlichen Schwierigkeiten aufgerollt. Spanien hat den An­spruch nicht aufgegeben, daß di« bisher neu­tralisierte Tangerzone, über die man sich in dem Vertrag von 1923 geeinigt hatte, in das spanische Protektorat einverleibt werde. Die Be­gründung ist vom spanischen Standpunkt aus plausibel und durchschlagend. Zu einer dauernden Riederhaltung eines etwa wieder auflebenden Widerstandes am Rif ist die Beseitigung dieses neutralen Gebietes durchaus notwendig, das. wie der Kampf mit Abd «l Krim gezeigt hat, ein Schmuggelgebiet ersten Ranges ist. Uno d.esesmal will sich Primo de Rivera nicht mit Schein- zugeständnissen begnügen. Er braucht einen wirk­lich sichtbaren Erfolg feiner Diktatur und er hat auch manche« in das Spiel zu werfen. Gr droht, wenn diese Forderung nicht durchdränge, den Vertrag von 1912 zu kündigen und sich aus Marokko endgültig zurückzuziehen. Das würde Frankreich in eine schwierige Lage bringen, weil bann eben der Widerstand am Rif doch wieder in Gang käme und weil bann irgendwie die Ma­

rokkofrage wieder im ganzen behandelt werden müßte. Andererseits will und kann Frankreich in die Überlassung Tangers an Spanien nicht willigen. Das würde ein großer Handelsmittel­punkt für Spanien, der Frankreichs Handels­interessen in Casablanca bedrohen würde. Hinter Spanien steht dabei Italien auf Grund des bekannten Vertrages und der Annäherung zwi­schen beiden, die eine Tatsache ist. die bisher frei­lich ohne große Wirkungen blieb. Hinter Frank­reich steht dabei England. Denn d eseS wünscht natürlich Tanger unter keinen Umständen in spanischer Hand. Das ist für England absolut selbstverständlich um seiner Position in Gibraltar tollten. So werden diese Tangerverhandlungen nicht gerade einfach werden, und sie stehen immer vor der Aussicht, daß an ihnen die ganze Ma­ro k k o f r a g e zwischen Frankreich. Spanien, England und Italien aufgerollt wird und nicht nur die ganze Maroklofrage, sondern überhaupt die Fragen deS westlichen Mlltelmeeres. Mit dieser Aussicht haben wir seit längerer Zeit ge­rechnet. und wir sind deshalb froh, daß an d.e er heiklen und schwierigen Auseinandersetzung Deutschland in keiner Weise beteiligt Ist. Aber die Rückwirkung dieser diplomatischen Kämpfe aut di« gesamte europäische Politik heißt es natürlich sehr genau verfolgen.

DieIukunftdes hessischen Landestheaters

VonunlererDarmstädierRedaklion

Alljährlich, wenn im Finanzausschuß des Land­tags der chauchalt des Hessischen Landestheaters be­raten wird, erhebt sich die schwerwiegende Frage, wie der Weiterbestand dieses Kunstinskituts gesichert werden soll. Niemand möchte natürlich, daß es ein- grht, kaum jemand wünscht auch nur, dcß es von seiner kulturellen Bedeutung einbüßt: der Streit der Meinungen gebt vielmehr haup.jächlich "m die Form, wie der Theaterbetrieb aufrecht erhalten werden kann, und wie die Geldmittel dafür auf­bracht werden sollen. Wünsche in bezug auf den Spiclplan und die Zahl des beschäftigten Personals machen sich zwar auch in den Landtagsoerhand- lungen geltend, doch fallen die erstgenannten Fra­gen weit stärker ins Gewicht. Die Mehrzahl der Bewohner Hessens soweit sie nicht zur Bevölke­rung Darmstadts und seiner nächsten U ngebung gehören hat begreiflicherweise gar kein Qnter-- esse an der Erhaltung des Landeetheaters, von dem sie ja doch nichts hat: und es ist zu verwundern, daß bllher noch immer die nicht unerheblichen Mittel dafür bereitgestellt worden sind. Es ist ins­besondere eine große Opferwilligkeit der Landbevöl­kerung, daß sie die finanzielle Last auf sich nahm, für ein Unternehmen, das ihr für die Inanspruch- nähme völlig fern liegt. Auch hie Abgeordneten der Städte Worms, Mainz und Gießen haben keinerlei Veranlassung, für den Fortbestand des Landestheaters einzutreten, denn diese Städte haben elbft außerordentlich schwere finanziell« Theater- argen. Das Nächstliegende wäre, daß Darm« labt das Theater ganz übernimmt, denn dieser Stadt kommen die Vorteile des Instituts so gut wie ausschließlich zugute: indessen Darmstadt ist nicht leistungsfähig genug, jedenfalls vermag die Stadt den Betrieb eines Theaters mit einem so großen Personalbestand und umfangreichen Derwaltungs- apparat nicht in der bisherigen Weife aufrecht zu erhalten.

Als das Landestheater noch Großberzogliches Hoftheater war, betrug der Zuschuß jährlich rund 250 000 Mark. Diese Ausgabe wurde aus der Zivil­liste bestritten, der Landtag brauchte sie nicht be- sonders zu bewilligen. Unter dem Einfluß der Kriegsjahre und der Inflation wurden die Aus­gaben immer größer. Der hessische Staat hatte in den ersten Nachkriegsjahren beträchtliche Aufwen­dungen zu machen, indessen lassen sie sich wegen der besonderen Verhältnisse und des Verfalls der Wäh­rung nicht mit früheren Zahlen vergleichen. In der Zeit der gefestigten Währung, im Jahr« 1924, wurde voranfchlagsmäßig ein Fehlbetrag von rund 427 000 Mark feftgefteUt; nach dem Abschluß der Rechnung für dieses Jahr ergab sich ledoch ein Fehlbetrag von 956 200 Mark. Für den Voran­schlag des Jahres 1925 schätzte man den Fehlbetrag auf 657 000 Mark, das tatsächliche Rechnungsergeb­nis waren jedoch 1 120 000 Mark. Nun werden für den neuen Voranschlag rund eine Mil­lion Mark ungefordert, wogegen sich im Finanz- ausfchuß die Vertreter aller Parteien wandten, denn eine solche Summe geht weit über d ie Leistungsfähigkeit des Landes hinaus. Ucber die Verhandlungen und die Beschlüsse des Fi­nanzausschusses ist bereits berichtet worden. Wesent­lich ist die Feststellung, daß die geforderte Summe nicht bewilligt wurde, daß aber von vornherein 50 000 Mark von den Aufwendungen für das künst­lerische Personal gestrichen werden müssen. Aber auch mit diesem Vorbehalt hat sich der Ausschuß nach keiner Richtung gebunden, vielmehr die Ent­scheidung dem Landtag selbst übertragen. Außer der sozialdemokratischen Forderung eines Abstriches von 50 000 Mark hat kein wichtiger Antrag der an­deren Parteien eine Mehrheit gesunden. Um di« rein finanziellen Dinge dreht es sich bei der Thea­terkrise zunächst. Es hat daher die Kritik an dem Spielplan und an der Hohe der Gehälter usw. wenig Bedeutung, denn der Fehlbetrag wird auf all« Fälle sehr groß sein, und nach den Erfahrungen der letzten Jahre besteht sogar die Aussicht, daß er nach dem Rechnungsabschluß noch großer wird. Es müßten deshalb in erster Linie Garantien ge­geben werden, daß der Fehlbetrag herab- gemindert und der Spielplan so umgestaltet wird, daß sich höhere Einnahmen erzielen lassen. Etwas günstiger stellen sich die Verhältnisse für das Land schon bar, das bisher an den Kosten für das Theater mit 60 Prozent beteiligt war. indem die Stadt, deren Anteil bisher 40 Prozent be­trug, sich bereit erklärt hat, sich mit 45 Prozent zu beteiligen. Don dem zu bewilligenden Zuschuß für das Landestheater hätte also der Landtag 55 Proz. zu bewilligen. Beinahe sind also die Kosten des Theaterbetriebs zur Hälfte auf die Stadt Darmstadt bereits übergegangen.

Die Verquickung des Theaters mit den Ent- fcheidunaen, ole der Landtag trifft, überhaupt die Unsicherheit der Verhältnisse des Landes- iheaterS, zeitigt allmählich Zustande für den inneren Betrieb, wie sie schon einmal bas Theater heimsuchten, bevor der gegenwärtige General­intendant Legal die Leitung Übernahm. Dieser Krisenzustand wirkt sich in dem künstlerischen Per­sonal auS, das seine wirtschaftliche Existenz nicht aufs Spiel setzen will. Damals suchten viele Künstler andere Wirkungsstätten auf. Gegen­wärtig ist bereits dl: Zahl derer, die Darmstadt verlassen wollen, nicht gering. Es mag dahin­gestellt sein, ob Generalmusikdirektor Josef R o - I s e n st o ck. der nach Wiesbaden geht, ihnen zu­

gezählt werden darf: aber zu verübeln ist ihm bei Öen unsicheren Darmstädter Verhältnissen sein Wegzug nicht. Hinzu kommt noch, daß der Beschluß dcs Finanzausschusses, 50 000 Mark von den Gehältern des künstlerischen Personals abzusehcn, eine große Unruhe erzeugt hat. und daß viele sich sagen, früher oder spater kannst du einer Ersparungsmaßnahme zum Opfer fallen.

Es hat jetzt keinen Zweck, sich in uferlose Betrachtungen zu verlieren, wie dies vielfach in der Darmstädter Bevölkerung geschieht, die diese und jene ihrer Wünsche, die sie an das Landes- thcater stellt, nicht erfüllt sieht. DaS Abonne­ment ist daher außerordentlich stark zurückge- gangen: es spricht sich in dieser Tatsache, neben den wirtschaftlichen Sorgen der Gegenwart, zwei­fellos die Mißstimmung über den Theaterjpiel- - plan aus. Doch fei d m, wie ihm wolle, allen recht machen kann es itin Theaterleiter, und so bald wird sich dieser Zustans» nicht ändern: cas Verhalten des Publikums dem Theater gegenüber ist in weiten Schichten glrichgüllig geworden, einmal, weil der Spielplan ihm das nicht bietet, was es sucht, zum anderen, weil eine Reihe anderer Faktoren, insbesondere Sport, Kino, Radio dem Theater die Besucher ent­ziehen. Das mag wohl bet Anlaß gewesen sein, daß Generalintendant Legal zu der Aufsas ung aciommen ist, es sei auch künftig mit einem jährlichen Fehlbetrag von unge­fähr einer Million Mark zu rechnen und dieser Auffassung auch dem Finanzausschuß gegenüber Ausdruck gab. Von der Bewilligung dieser Summe hat er fein Verbleiben in Darm­stadt abhängig gemacht. Wie die Dinge gegenwärtig liegen, werden die in Betracht kommenden In­stanzen, der Landtag und die Darmstädter Stadt­verordnetenversammlung. unter keinen Umstän­den einen so hohen Fehlbetrag bewilligen wollen, noch es überhaupt können. Generalintendant L e - aal hat deshalb chie Folgerung aus diesen Verhältnissen gezogen und erklärt, daß er mit Ablauf seines Vertrage«, am Ende dieser Spiel­zeit, die Leitung des Landestheaters nieder­legen werde. Zu diesem Entschluß mag noch das Verlangen des Finanzausschusses nach Kürzung des Gagenetats beigetragen haben, denn die Stellung des Theaterleiters dem Personal gegen­über würde nach der Durchführung der Gagen- kürzung außerordentlich schwierig geworden sein. Rein äußerlich betrachtet, ist der Weggang des Intendanten für das Landestheater eine schwere Schädigung als Kunstinstitut, denn im Durchschallt hat dieses jetzt alle drei Jahr« einen neuer. Leiter erhalten. Als Generalintendant Legal nach Darmstadt kam, mußte er die inneren Ver­hältnisse des Theaters von Grund auf umgestalten und neu aufbauen; dann kam die gegenwärtige Spielzeit, in der er darangehen konnte, feine eigenen Ideen zu verwirklichen, und nun verläßt er. durch widrige Verhältnisse gezwungen, diese Wirkungsstätte wieder. Es liegt eine gewisse Tragik über diesem von Legal in den besten Absichten unternommenen Versuch, daS Landes- thcaler in feinem Bestand und auf künstlerischer Höhe zu erhalten. Es hat nicht an Versuchen ge­fehlt. öen Generalintendanten zum Bleiben zu bewegen, seine Entscheidung ist nun gefallen; in Darmstadt wird von weiten Kreisen der Theater­freunde fein Weggang sehr bedauert. k.

Diesen Darmstädter Ausführungen möchten wir einige Worte anfügen, die die Dinge vom oberhesflschen und besonders vom Gießener Stand­punkt aus beleuchten. Cs wäre selbstverständlich bedauerlich, wenn die materiellen Röte bad künst­lerische Riveau des LandeStheaters beeinträchti­gen würden. Aber dieser Gesichtspunkt barf nicht allein maßgebend fein. Von nicht minder großer Bedeutung ist die finanzielle Seit«. Und da möchten wir doch sagen, bah es nach unserer Ansicht ganz unmöglich ist, den Staat mit einer jährlichen Zuschußsumme von einer Million Mark ober annähernd soviel für bas Landestheater zu belasten. Es würde im Lande von der großen Mehrheit der Bevölkerung nicht verstanden wer­den, wenn die Regierung und der Landtag bei der oft betonten starken Finanznot befl Landes für diesen Betrieb glatt eine Million zuschiehen würden. Wie liegen denn die Dinge in Wirk­lichkeit? Vom Standpunkt de« Landes aus ge­sehen, ist doch daS Landestheater gar nichts an­deres als ein Darmstädter Stadtthea- t e r. bas ausschließlich für die Darmstadter Ein­wohnerschaft und allenfalls noch für die Landtagsabgeordneten. wenn diese zu den Parla­mentsverhandlungen in Darmstadt weilen, Be­deutung hat. Daß bas ßnfemble des Landes­theaters im Jahre vielleicht einmal ober höch­stens zweimal in Gießen oder in einer andern großen hessischen Stadt zum Gastspiel er­scheint, verschafft ihm noch nicht die Eigenschaft einer für da« ganze Staatsgebiet wirkenden Bühne. Hiernach hat der Staat überhaupt keinen Anlaß, für das Landesthearec sich finan­ziell so außerordentlich stark zu engagie­ren. wie er cs bisher g.tan hat. Sn den letzten Ja,ren hat er all'ährlich rund 500 000 Mark aus den Mitteln de?> ganzen Landes zu den Kn.en deS Darmstädter LandesthemrS zu- geschoffen. dagegen Hai er Mainz alljährlich

mit 30 000 Mark für das Theater bedacht und das Gießener Stadktheater mit ganzen 5000 (fünftausend!) Mark, also nur ein Prozent der Darmstädter Zuschußsumme, unterstützt. In anerkennenswerter Weise hat die deutsavotts- partelliche Landtagsabgeordncte Frl, Birn­baum versucht, durch Anträge im Landtage für Gießen eine höher: Beihilfe zu erlangen, (sie forderte 10 000 Mark anstatt der bisherigen 5000 Mark, gewiß noch recht bescheiden im Ver­hältnis zu Darmstadt!), aber auch diesen Be­mühungen blieb der Erfolg versagt. Tebauer- licherweise blieb die Antragstellerin bei ihrem Bestreben für Gießen nahezu allein; keiner der anderen ßanbtag6abge:rDn:.cn aus Gießen hat sie unterstützt, und von den übrigen Landboten auS Oberhessen haben lediZlich die beiden Dolls­parteller den Vorstoß mitgemaa;t. Unter die­sen Umständen war cs ber Regierung natürlich leicht, Gießen unb Oberhessen bei bet Theater- Unterstützung an die Wand zu drücken. Bei der jetzigen Sachlage Hohe de- Darmstädter Theaterdesizlts, Lage der Staat-sinanzen müs­sen wir fordern, daß die Stadt D a r m ft a b t die Delung deS Fehlbetrag- beim Landes­theater, IhresStadttheaters, auf eigene städtische Rechnung übernimmt Auch im Interesse der Slaatssinanzen nmß^ie Befreiung des Staatshaushaltes vcn dieser großen Be­lastung gefordert werden. Wenn bet Staat dennoch die darstellende Kunst an den Theatern der großen hessischen Städte fördern will was wir begrüßen würden fo mag er unsert­wegen Darmstadt mit ICO COO Mark jährlich bei- stehen, aber auch nur unter ber Bedingung, daß die staatlichen Zuschüße für Mainz unb Gießen in ein entsprechendes gerechtes Verhältnis ge­stellt werben, etwa 100 COO Mark für Darmstadt, 75 COO Mark für Mainz unb 53 003 Mark für Gießen. Das wäre eine gerechte Abstufung unb auch tragbar für den Sira Shaushalt. denn diese Summe zusammen wäre immer noch geringer als die jetzige für Darmstadt all:in. Im Be­triebe des Landestheaters kann aber nach ber Ansicht unterrichteter Personen noch allerlei ge­spart werden, wenn bas Unternehmen In ftäb- tische Verwaltung kommt unb ble Stadt Darmstadt sich nach ihrer Deck« strecken muß.

Sparkassen urb Kleinwoymmgsbau.

Um im Interesse ber gesamten Volkswirt» schäft ble Herstellung von Kleinwohnungen zu tragbaren Bedingungen zu ermöglichen, hat ble Sparkassenorganifatlon für das Bau ahr 1927 Vorschläge zu einem umfassen en Finairzierungs- Programm gemacht. Sie geht dabei von folgen­den Grundsätzen aus:

Dir Lasten für eine Reuwohnung sollen nicht wesent ich hoher sein als die gesetzliche Miete für eine Altwohnung. Die jewelllae ge­setzliche Miete stellt also die ungefähre Höchst­grenze der jährlichen Belastung bar. Aus ihr wirb zunächst ber Zins für die erste Hypothek unb, soweit verfügbar, die Mittel für die Ver­zinsung deS Eigenkap talS und die Zinsen sowie Tilgung der Haus-in-steuer-Hypothek genommen. Rur eine solche Re--elung gibt Wohnungsinter- effenten unb Bauunternehmer« einen Anreiz zum Bauen.

Zins» bzw. Disagio-Zuschüsfe oder gar ver­lorene Zuschüsse sind bei ber Durchführung des Sparkassenprogramms nicht erforderlich. An der bestehenden gesetzlichen R.-geiung ber HauSzinS- fteuerverteilung soll im Interesse einer möglichst schnellen Durchführung b«s DauprogrammS nichts geändert werden. Der Eigentümer ber Hauö- zinssteuer soll lediglich vorübergehend sich mit einer geringeren, alS bisher vorgesehenen Ver­zinsung begnügen, wobei er aber im Endergebnis günstiger als bei dem bisherigen System ab- schneidet.

Der Zins für die erste Hypothek wird der jeweiligen Kapitalmarit'age angepaßt. Jede Sen­kung ber Zinsen ber ersten Hypothek, sowie jede Erhöhung der gesetzlichen Miete erhöht auto­matisch die Verzinsung bes Eigenkapitals unb die Mittel zu einer Verzinsung unb Tilgung der Hauszinssteuerhypothek.

Rachdem so eine normale Rente au« bet Reuwohnung gesichert ist, wird eine Beleihung des Dau- unb Bodenwertes In der ehemaligen Friebenshöhe von 60 Prozent burch die öffent­lichen Sparkassen wieder vertretbar.

Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte stellt sich die Finanzierung eine« Reubaues im Herstellungs- unb Bodenwert von 10 000 Mk. (dieser Betrag wird zum besseren rechnungs- mäßigen Vergleich eingesetzt) aus Mitteln der Sparkassen und ber HauszinSsteuer, wie folgt, a) 60 Prozent erste Hypothek durch ble

Sparkasse = 6 000 Mk.

b) 30 Proz. HauSzinssteuer-Hypolh =3000 . c) 10 Prozent Minbesteigenkapital des

Bauherrn = 1 000

10000 Rik.

Bei einem entsprechenden Friedensbauwert in Höhe von 7000 Mark würde sich die Fricdens- micte, falls sie 7 Prozent des Bauwertes be­trägt, auf rund 500 Mk., falls sie 6 Prozent d«S Bauwertes beträgt, auf 420 Mk. stellen. Legt man ble allgemein erwartete Steigerung der ge­setzlichen Miete Im Jahre 1927 bi« auf 120 Proz Augrunbe, so ergibt sich eine Höchstbelastung für Die Reuwohnung

a) in Höhe von 600 Mk. (120 Proz. von 500

Mari) bzw.

Schrams Eiernudeln