Ausgabe 
12.1.1927
 
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Ur. 9 Drittes Blatt Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Oberhesien) Mittwoch, <2, Januar |92Z

Jugend und Hochschule.

JnternationaksKuIturkbcn und das Znst.tutfür geistigeSusammenarbeit Don H R. von ©alte.

lieber die heutige Lag« der Kultur ist schon diel und in verschiedenstem Sinne geschrieben Vörden. Die einen sehen Diedergang, die andern Uebcrgang, die Dritten Wiedergeburt. GS liegt nicht in der Absicht dieser Zellen, diesen Betrach­tungen allgemeiner Ratur eine neue hinzuzu- fügen. Sie sollen bloß über einige konkrete Er­scheinungen deS internationalen Kulturlebens be­richten, und zwar unter dem Gesichtspunkt der geistigen Zusammenarbeit.

Wesentlich dabei ist die Tatsache,_ bah die Bestrebungen deS Dölkcrbundinstitutes für geistige Zusammenarbeit in Paris einer allgemeinen gei- fügen und organisatorischen Bewegung entgegen- loiinnen, die immer weitere Kreise zieht. Ihr ideales Ziel muh es sein, zwischen den zersplit- lerten und isolierten Geistesarbeiten nicht nur «ine Interessengemeinschaft. sondern auch ein Ge­rneinschaftsgefühl zu schaffen. Voraussetzung dafür ist die völlige Gleichberechtigung und eine weit­herzige gegenseitige Duldsamkeit.

Eine andere Voraussetzung '> die Univer­salität. Schon in ihrer ersten Sitzung im Jahre 1922 faßte die Kommission f. g Z. den Beschluß, daß ihre Arbeiten universell sein, das heißt auch diejenigen Dölker umfassen sollen, die dem Völ- kerbund fernstehen. DaS Heröciziehen von Mit­arbeitern aus und die Gründung von Kommissio­nen s. g. Z. in solchen .außenstehenden" Aationen beweist die Aufrichtigkeit der universellen Ten­denz. Freilich ist auch hier noch fein vollkom­mener Zustand erreicht. Deshalb ist es wichtig, daß die Befürworter einer ungefälschten Völker- bundpolitik, vor allem die Intellektuellen selber, wachsam bleiben. Wertvolle Kritik kann aber nur Üben, wer selber mitarbeitet. Mitarbeit ist Kon­trolle.

Auf kulturellem Gebiet nicht weniger als auf dem politischen liegen Rationalismus und Inter­nationalismus miteinander im Kamps. Die Hüter der naticnalen Kulturgüter in allen Ländern sind versucht, in der internationalen Zusammenarbeit eine feindliche Macht zu erblicken. BildungSwesen und Wissenschaft sind allerdings fast durchweg nationalisiert besser verstaatlicht, und es hat feit dem 19. Jahrhundert eine Art kultureller Konkurrenzkampf zwischen den Völkern eingesetzt. Herr Luchaire. der Direktor des Instituts f. g. Z hat in einem Dortrag darauf hingewiesen, wie zum geistigen Fortschritt eines Volkes die Kennt- nes der Forschungen, Publikationen, Entdeckungen deS Auslandes notig sei, auf der man toeiter- baucn könne, an diesem Punkte, sagte der Redner, treffen sich die nationalen Interessen mit den internationalen Forderungen.

Außerdem kommt die (Bigenart der Rational­kulturen in gewissen repräsentativen Veranstal­tungen des Institutes zum Ausdruck. Der Ver­sammlung der Staatsvertreter ist ein Projekt unterbreitet worden, daß die Schaffung einer stän­digen öffentlichen Galerie vorsieht, in der jedem Staat ein Ausstellungsraum für feine Kunst­erzeugnisse, Bücher und dergleichen reserviert würde. Ferner bereitet die Sektion der Künste eine Weltausstellung für Volks- und Heimatkunst t'or. Der kunsthistorische und volkskundliche Wert einer solchen Schau von Kunst Produkten der primi­tiven wie der zivilisierten Völker der verschiedenen Kontinente ist ofsensichtlich.

Gründungen, die von der Kommission f. g. Z. völlig unabhängig sind, zeigen, daß gerade auf tünstlerifchem und literarischem Gebiet das Bc- Lürsnis nach Zusammenarbeit besteht. Ich er­wähne bloß die Internationale Gesellschaft für moderne Musik und die jährlichen Festspiele in Zürich. Ferner der Verband der Pen-Clubs. Ger im vergangenen Sommer einen Kongreß in Berlin abgehalten hat. Endlich die Internationale Theatergescllschaft. die ihren Ursprung einer spon­tanen Vereinbarung zwischen den französischen vnd deutschen Bühnenleitern und Schriftstellern verdankt. Auch sie plant internationale Festspiele und Ausstellungen. .

Größere Schwierigkeiten bietet öte Zusam­menarbeit zwischen den Universitäten. An Anre­gungen von verschiedenen Seiten fehlt es nicht,

Das Bergwerk der Erkenntnis.

Don Franz Karl Ginzkey.

Den stärksten Einfluß auf die innere Ent­wicklung meiner Knabenjahve hat zweifellos eine große, eisenbeschlagene Kiste gehabt, die bis zum Rande mit den Büchern meines Vaters gefüllt war. die er in seiner Bibliothek nicht hatte interbringen können. Sie stand in einer Rumpel- Sammer unserer Wohnung, di« das völlig unzu- aeichende Licht ans einem hoch angesehten, in «inen düsteren Schlachthvs mündenden Fenster- chen empfing. Mein Vater hatte die Kiste un­tersperrt gelassen; ob mit Absicht ober aus Versehen, darüber wurde ich mit niemals klar, tenn als ich ihn in unversänglicher Weise hätte befragen können, war er nicht mehr am Leben.

Es beschäftigt mich heute noch, daß ich es damals ängstlich vermied, dem Vater von der Entdeckung jener geheimnisvollen Kiste mit ihrem 5ür mich ganz unschätzbaren Inhalt zu sprechen. Es geschah wohl aus her Angst heraus, er lönnlx mir die Kenntnisnahme der Bücher ver- bieten von denen die meisten für mich zwölf­jährigen Jungen begreiflicherweise gar nicht ge­

eignet waren.

Ich hätte mich, wenn wir es genau nehmen bollen, dieser Unehrlichkeit meiner Knabenjahre Loch heute zu schämen, und ich tat es wohl da­mals auch; aber andererseits erfüllt mich ge­lobe heute noch ich bekenne offen eine Keife Genugtuung herüber, daß ich im unbezähm­baren Durste nach geistiger Rahrung sogar befl Einsatz meines guten Gewissens wagte.

Da es also verschwiegen bleiben muhte, datz ich in jenen Büchern las, durste ich auch nie- mals bei ihnen entdeckt werden. D^ nötigte mir auch im Aeußerlichen eine Art Komodien- jpiel ab, das zu meiner sonstigen Ehrlichkeit meinem guten Vater gegenüber in einem argen Mißverhältnis stand.

Die Freude, die ich nur im Geiste schm, dar also derart von einer leisen Wehmut des

die einen internationalen Hochschulverband wün­schen. um einige engere Fühlung zwischen den Prosessoren. die in demselben Fach unterrichten, herbeiführen möchten, oder fopar eine (von einem ungarischen Gelehrten neuerdings vorgeschlagene) internationale Universität gründen wollen. Die Kommission f. g. Z. übt gerade aus diesem Gebiet eine weise Zurückhaltung, indem sie zuerst spe­ziellere und dringlichere Fragen behandelt. So ist sie mit der internationalen Studentenbewegung in Fühlung getreten und hat eine Derlreterkonsc- renz der verschiedenen Studentenverbände ein- berufen zur Regelung einiger praktischer Kovpe- rationssragcn. Für die akademische Jugend sind manche dieser Probleme wichtig genug. Ausland­reisen. Studentenaustausche. Hilfeleistungen haben die internationalen Studcntenverbände schon von sich aus organisiert. Aber die Regelung und wenn möglich Vereinheitlichung der Jmmatrikulations- bebingungen für Ausländer, der Anerkennung von Studiensemestem im Ausland, der Aequivalenz der Examina und dergleichen gehören zur Kom­petenz der Universitäten und der ihnen über­geordneten Regierungen, und es wäre zu wün­schen. daß sie sich ihrerseits intensiver mit diesen Fragen befassen und untereinander verständigen wurden. Eine Sellien des Instituts f. g. 3 . bear­beitet die Universitätssragen. indem sie in erster Linie einen weitverzweigten Informationsdienst geschaffen hat. Sie gibt darüber Berichte (Bulle­tins) heraus, die über das internationale Uni­versitätswesen ein reiches Material enthalten.

Ebenso hat die Sektion für wissenschaftliche Beziehungen vor einiger Zeit ihr erstes Bulletin herausgegeben, das Informationen über Biblio- graphie. Bibliothekswesen, wissenschaftliche Der- anöe und Kongresse, neue Zeitschriften und über Methodensragen IVereinheitlichung der Romen- Hatur und der Masse) enthält. Gerade auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Zusammenarbeit er­weist sich das System der Arbeitsteilung als rationell. Alte Institutionen, wie die Union der Akademien und der Conseil des Recherches wid­men sich den internationalen Aufgaben, die eine auf dem Gebiet der historisch-philologischen, der andere auf dem Gebiet der exakten Wissenschaf­ten. Ebenso ist das neugegründete Internationale Historikerkomitee ganz unabhängig vom Institut s. g. Z., aber seine Arbeiten berühren sich mit denjenigen des Institutes; es wird eine Biblio­graphie der historischen Wissenschaften Heraus­gebern Das Internationale meteorologische Bureau hat seinen Sih im Institut in Paris.

Eine Dezentralisation der geistigen Zusam­menarbeit ist durchaus niöglich und von der Kom­mission f. g. Z. vorgesehen. So hat das Inter­nationale Institut für Bibliographie seinen Sitz in CB rüffel. Das internationale Recht hat ver­schiedene Heimstätten: in der Akademie für Völker­recht im Haag, in dem von der italienischen Re­gierung projektierten Völkerbundinstitut für inter­nationales Privatrecht in Rom. in dem Amt für geistiges Eigentum in Bern, usw. Wenn die geistige Zusammenarbeit einer gesunden Entwick­lung entgegengeht werden hoffentlich in anderen Hauptstädten ähnliche Gründungen entstehen; um die Gefahr einer einseitigen Orientierung end­gültig zu beschwören, sollle das von der fran­zösischen Regierung gestiftete Institut bloß das erste von ähnlichen Institutionen fein, die sich unter der Aegide der Völkerbundkommission zu gemeinsamem Wirken zusammenschliehen.

Zur vollen Entfaltung bet geistigen Zusam­menarbeit gehören zwei Dinge: Vertrauen und Geldmittel. Man darf sagen, daß das Vertrauen zu diesem Zweige des Völkerbundes im Wachsen begriffen ist. Schwieriger ist die finanzielle Frage zu lösen. In erster Linie ist zu wünschen, daß aus dem ordentlichen Budget des Völkerbundes dem Institut f. g. Z. ein Zuschuß gewährt wirb, was bisher nicht der Fall war. Es wäre auch eine Ausgabe für die Völkerbundvereinigungen, in diesem Sinne auf die Völkerbundverfammlung einzuwirken, oder gar einen besonderen Fonds für geistige Zusammenarbeit zu stiften; über feine Verwaltung und Verwendung könnte mit der Kommission f. g. Z. eine Vereinbarung getroffen werden.

DaS Zusammenwirken zwischen Rockeseller- ftiftung und Hygienekommission kann hier zum Vorbild dienen. Ein Vorbild vortrefflicher Otga»

Unerlaubten überschattet, ein Eindruck, den ich auch später merkwürdigerweise noch oft empfand.

Erholung im Geiste, im Becher einer Rot- lüge gereicht, welch bezeichnendes Symbol für die Unvermeidlichkeiten und Zwiespalte des Lebens!

Anderseits mag gerade der Reiz des Ver­botenen meine Phantasie für die unerhörten Eindrücke neuer Erden- und Hirnmelsbotschaft ungleich empfindlicher gestaltet haben als bei anberen Knaoen. die in Klarheit mit sich selbst ihren Bedarf an Bildung und Belehrung so unverhohlen zu fick nahmen, wie ihre sonstige Rahrung auch. .

Doch nun. was war es mit der geheimins- vollen Kiste? Als ich sie in der Ecke der dunklen Kammer entdeckte und den Deckel zum erstenmal aufschlug, drang mir jener leichte, selt­same Moderduft entgegen, den man merkwür­digerweise und fast allein an Büchern ohne Verstimmung hinnimmt. Er erfüllte mich mit einem halb scheuen, halb neugierigen Glücks­gefühl; es lauerte da etwas Fremdes, aber doch aus Ahnungstiesen mir bereits Vertrautes auf mich Botschaft vergangenen und doch noch sehr lebendigen Geistes, der bezwungen sein wollte und mich selbst zugleich bezwang. Das Dämmer­licht in bet Kammer reichte kaum hin, die Titel der obersten Bücher zu lesen: ich eilte, eine Kerze zu holen und schloß die Tur nnt Dor­sicht hinter mir

Als ich derart mit den Büchern allein war. legte ich mir einen Plan zurecht, wie ich mir ihren Inhalt zu eigen machen könnte, ohne dabei entdeckt zu werden. Sie aus der Kiste fort» zutragen, um sie andernorts zu lesen, das ge­traute ich mir nicht; daS hätte mir als eine Art Diebstahl geschienen an Dingen, die nicht mir gehörten. Sie mußten also an Ort und Stelle gelesen werden, und immer so, daß ich bei nahender Gefahr den Deckel ohne Versäumnis schließen konnte. Das erforderte aber immer, daß sie in Ordnung und ohne Häufung lagen, und so konnte mir, ich erfaßte das sofort, nichts anderes übrigbleiben, als ein sorgfältiges. un°

nifation der Hilfeleistung ist die von der Kommission f. g. Z. voll gewürdigte Rotge- meinschast der deutschen Wissenschaft.

Wenn wir die Grundsätze und die Organi­sation der geistigen Zusammenarbeit beim Völ­kerbund mit Sympathie begrüßen, so müssen wir doch hoffen, daß sie sich einst als eine Rot- und Jdealgemeinschaft der internationalen Geistes­welt auSwirken wird.

Studentenaustausch mitAmerika.

Von Dr. Siegfried Scharfe.

Don den zahlreichen (Bemühungen, tm Rah­men der Hochschule wieder üo er nationale Be­ziehungen anzuknüpfen, die naturgemäß durch den Weltkrieg zu einem großen Teil abgebrochen waren, verdient der deutsch-amerikanische Stu- dentmuiustaufch besonders Beachtung. Schon vor mehreren Jahren ergriffen private Kreise in Amerika, denen an einer engen Verbindung und fruchtbaren Wechselwirlung zwischen amerikani­scher und deutscher Wissenschaft gelegen war. die Initiative. DerAmerican German Student Exchange mit der Zentrale in Reuyork trat ins Leben und ebenso in Derckschland derAkade­mische 2lustauschdienst". der zunäck)st in Heidel­berg dem dortigen Institut für Sozialwissen- schäften ungegliedert war und später nach Berlin übersiedelte. Schon 1924 konnten die ersten zwölf deutschen Studenten nach Amerika geschickt wer­den. denen ein Jahr später eine zweite Gruppe folgte, während es sich in diesem Studienjahr um etwa 25 deutsche Studenten handelt; sie gehen meist an die Hochschulen des amerikanischen Ostens, an die in Amerika berühmten Universi­täten Harvard und Vale, nach Columbia. Prince­ton und John Hopkins. Qlbcr auch die Hoch­schulen desMittelwestens" und selbst der weite Westen, sind beteiligt. Aus der anderen Seite werden von den amerikanischen Studenten in erster Linie die modernen deutschen Hochschulen bevorzugt, so Frankfurt und Köln, daneben Ber­lin, Breslau, München. Marburg und Tübingen.

Welches ist der Sinn eines Studentenaus­tausches? Zunächst einmal dürfte er ganz all­gemein als esire politische Bildungs­möglichkeit zu werten sein. Man bemüht sich heute in Deutschland darum, politische Bildung an die Studentenschaft hcranzubringen. Die Hoch­schulen selbst, die örtlichen Studentenschaften und eine ganze Reihe studentischer Korperations- verbände haben dieselbe Parole auf ihre Fahne gefd)rieben. Durch Vorlesungen und Hebungen, Besichtigungen und Ausspracheabende soll erreicht werden, daß Deutschlands Studenten Verständnis für politische Fragen bekommen. In diesem Zu­sammenhang gehört auch der Studentenaustausch als politische Bildungsmöglichkeit. Die Austausch­studenten werden es als ihre Aufgabe anzusehen haben, daS Land, in das sie kommen, kennen zu lernen und sich über f.iiiC historischen, wirtschaft­lichen und kulturellen Voraussetzungen und Ent­wicklungsmöglichkeiten zu orientieren. Sie sollen später nach ihrer Rückkehr einmal diejenigen sein, an die man sich wenden kann, wenn dtefe oder jene Spezialfrage Antwort erheischi. Es besteht die Hoffnung, daß aus den Reihm der jetzigen Austauschstudenten einmal ein Kreis von politischen Sachverständigen hervorgehen wird.

Darüber hinaus wird selbstverständlich jeder Austauschstudcnr in erster Linie die Dinge im Ausland sehen, die ihm in seinem Spezialstudium am nächsten liegen. Ein Auslauschtyeologe wird sich um eine genauere Kenntnis des kirchlichen Lebens bemühen, ein Rationalökonom wie sie übrigens unter den Austauschstudenten besonders zahlreich vertreten sind wird nach. der wirt­schaftlichen Struktur des Landes fragen, in das er gerade kommt. Zu wünschen ist, daß durch die persönliche Wechselwirkung über nationale Gren­zen hinaus Verbindungen geschaffen werden, die sich als dauerhaft und fruchtbar erweisen.

Was hat es im besonderen mit dem deutsch- amerikanischen Studentenaustausch für eine Be­wandtnis? Er hat schon deshalb eine erhöhte Bedeutung, well die an ihm beteiligten Länder nod) vor wenigen Jahren im Krieg gegenein­ander standen. Infolgedessen hat eS auch sicher­lich nicht an Widerständen gefehlt, die sich ton Zustandekommen eines deutsch-amerikanischen Stu-

aufhörliches Umschürfen. Umbauen und Um- schichteir der vielen Bücher, und zwar immer nur in dec Kiste selbst, em Problem, das meiner zwölfjährigen Unternehmungslust durchaus will­kommen war.

Vorerst gelüstete e£ mich nun, meines Reich­tums ganzen Umfang lenneiizulernen. Ich be­gann zuerst, um mich fachmännisch auszudrücken, mit einer Art Tagbau. und begab mich dann erst in die Tiefe, trieb Stollen ins Dunkle und teufte Schächte und Querschläge ab. wobei mein Kerz- kin. als eine rechte Fackel der Reugier, phan­tastische Lichter ins Ungewisse warf und mir zu jeder neuen Entdeckung brüderlich leuchtete.

Ich wüßte nichts der Wollust voll geheimer Spannung zu vergleichen, mit der ich da in der alten Rumpelkammer geistigen Bergbau zu trei­ben begann. Unterstes zu oberft kehrte und immer wieder neue Erkenntnisse und Hoffnungen auf innerliche Abenteuer aus der unbekannten Tiefe holte. Schätze, die feit vielen Jahren hier unbenutzt schliefen. Kunde, die auf den Befreier gewartet hatte, um ihren Zweck zu erfüllen, auf­brausende, kochende Welt, and totem Behälter drängend, dessen Deckel meine Hand ganz un­bewußt geöffnet hatte.

An diesem erkenntnisreichen Tage war es zum ersten Wale, daß ich mir der hohen Zwei­gestalt deS Lebens inne wurde: daß sich der Un­mittelbarkeit des äußeren Daseins auch das Abenteuer im Geiste gesellte. Und um Aben­teuer ging es hier fürwahr, denn mein JBater hatte die Bücher seinerzeit ganz ohne Rücksicht auf ihre Zusammengehörigkett in die Kiste ge­packt. Es lag der Klassiker Brust an Brust mit dem jungen Tagesroman, dem sich wieder eine umfangreiche Chemie der Farbstoffe oder ein astronomisches Fachwerk gesellte.

Es gab kaum einen Wissenszweig und kaum auch ein Gebiet der Dichtung und der Kunst, aus denen nicht eine mehr oder minder gewich- tige Botschaft ans Licht meiner Kerze gelangte.

Was meines Vaters glühende Teilnahme an allem, was im Himmel und auf Erden feit An-

denkenausschufleS kn den Weg stellten. Man braucht sich nur einmal klar zu machen, mit welcher Scharse und (Sinbeutiglcit sich beispiels­weise andere ehemalige Feindbundmächte zu der Frage internationaler Beziehungen zu Deutsch­land gestellt haben, um das, was in Amerika erreicht werden konnte, doppelt hoch einzu- schäyem

Es wäre voreilig, wollte man schon jetzt, wo der Aufenthalt der diesjährigen Austausch­studenten in Amerika erst beginnt, ein Urteil über amerikanische Dinge insbesondere natürlich über Amerikas Verhältnis zu Deutschland fällen Das wird erst am Ende des Studienjahres im einzelnen möglich sein. Man wird erst dann ent­scheiden können, ob es wünschenswert ist, den Studentenaustausch sortzuführen ober nicht. So­viel scheint freilich feit dein ersten Tage, an dem wir amerikanischen Boden betraten, festzustehen Deutschland hat in den Vereinigten Staaten eine Reihe ehrlicher Freunde, denen es am Herzen liegt, die Zeit des Krieges und seiner Rachwehen endgültig zu überwinden. Sie erhoffen von der Durchführung des deutsch-amerikanifchen Studen­tenaustausches eine Entwicklung, die dem Ver­hältnis zwischen Amerika und Deutschland günstig ist. Gewiß gibt es auch viele Olmerilaner, die man nicht als Deutschfreunde wird bezeichnen können. Die Kriegszeit liegt eben doch vielleicht noch nicht lange genug zurück. Immerhin habe ich in den ersten beiden Wochen meines Ausent- Halles in U S. A. nichts von Zurückhaltung ober gar Mißtrauen gegenüber unß Austausch­studenten finden können. Man bahnt unS viel­mehr überall die Wege und sucht uns Gelegen­heit zu geben, die Zeit unseres Studienaufent­haltes soweit als irgend mögllch auszunuhen. Das ist gewiß ein erfreuliches Faktum, von dem man in Deutschland mit Genugtuung Kenntnis nehmen wird.

Wie hinter Eiiöer betrachten.

Von Otto Sommert

Die Art und Weise, wie Kinder Dllder be­trachten, läßt beachtenswerte Schlüsie zu auf ihre Begabung. W e die gesamte geistige Ent­wicklung des jungen Menschen, so folgt auch die Entwicklung der Fahiyleit. Bilder zu erkennen, zu deuten, sich dazu zu äußern, einem ganz bestimm­ten Stusengang. Schon in seinem zweiten Lebens' jähre erkennt das Stinb auf Bildern einfache Gegenstände, bezeichnet etwa vierfüßige Tiere mitwau-wau", den Mond mitballa , Bäume Sträucher, Blumen und überhaupt Pflanzen mit .hatzi" (Blume). Das 2'/silbrige Kind erkennt in einfachsten Strichen Dinge seiner Umgebung erkennt in drei Linien entsprechender Richtung einen Stuhl, in vier Linien einen Tisch, weiter ein Haus usw. Welche geistige Leistung das Kind damit vollbringt, erhellt ohne weiteres aus der Tatsache, daß das Sier nie in bet Lage ist, in ähnlicher Weise Dinge der Außenwelt auch auf den vollkommensten Bildern zu erkennen. Mit drei Jahren muß das normale Kind in der Lage sein, die Dinge feiner Umgebung auch auf Bildern wiederzuerkennen. Es ist in seinem6ub- stanzstadium", wie die Psychologie sagt, d. h. es benennt einfach die Dinge ohne nähere Erklä­rung. Jo nach der Umgebung, in der es auf- wachs; nach den Personen, die sich mit ihm be- schästigen, den Bildern, die zu sehen es Gelegen- hoii hat, wächst es bann mehr ober weniger schnell in bas sogenannte Aktionsstadium hinein, das heißt, es benennt nicht nur die gesehenen Gegen­stände mit Rainen, sondern spricht in Sähen, es beschreibt also die Bilder und erkennt dar- gestellte Tätigkeiten. Während das normale drei­jährige Kind etwa sagt:Sa Mann, da Peitsche", würde bas fünf- bis sechsjährige Kind den Zu­sammenhang beider Dinge ohne weiteres aus­drücken und sagenOer Mann haut mit bet Peitsche". Das kleine Kinb sagtMaus",Wau­wau".Kind" usw., das ältereDie- Maus, die läuft..bet Hund, der bellt",das Kind, das weint" usw. Diesem Aktionsstadium folgt dann allmählich das Relationsstadium, d. h. das Kind lernt den Zusammenhang der Dinge und Vor­gänge erkennen, es lernt die Bilder deuten. Zu­nächst wird es nur auf Fragen diesen Zusammen­hang angeben können (das soll mindestens mit

beginn den Geist bewegte, im Laufe eines rei­chen Wanderlebens hier abgelagert hatte, das überfiel mich Bürschchen nun mit sieghafter Dä­monie. aus der mich eigentlich nur meine Un­zulänglichkeit rettete.

Denn ich schüttete nun im Lause von kaum zwei Jahren so lange verblieb ich noch im Vaterhause diese Hunderte von Bänden in Hunderten verschwiegenen Rumpelkammersihun- gen ganz ohne Wahl in mich hinein; ich las bis ans Ende, was ich nur immer verstehen konnte, ober ich blätterte zum mindesten eifrig durch, was sich meiner Auffassung entzog.

Wollte man mich heute tragen, ob dies tolle Treiben meine Entwicklung nicht geschä­digt habe, fo wüßte ich kaum eine Antwort darauf. Mir ist Freude geworden Zeit meines Lebens an allem, was sich geistig tummelt, und meine Einfalt spiegelte sich unablässig in der Dielfall der Welt. Das Glück des Schauen­den und Aufhorchenden ist wohl das Beste und vielleicht einzig Unverlierbare im Leben; es wurde mir möglicherweise aus jener alten Kiste geooren, die das große Ereignis meiner Ju­gend war.

Hch wollte, ich könnte noch heute bei ihr sein und mein Bergwerk betreiben wie einst, Lrcht auf Licht aufleuchten lassen, aus den Stollen und Schächten unaufhörlicher Vielfalt, die doch auch wieder zur großen Einheit sich sammelt, dort, wo es nm die letzten Dinge geht.

Jedoch, ich werde die alte Kiste niemals Wiedersehen.

Zuletzt erhielt ich Kunde von ihr aus dem zerschossenen Görz, wo mein Vater, der vor vielen Jahren dort verstarb, in der von Gra­naten durchpflügten Erde des Campo Santo die langersehnte Ruhe nicht zu sinden vermochte.

Vielleicht, daß auch sie, die tm Keller eines geopferten Hauses stand, von einer im doppel­ten Sinne feindlichen Granate getroffen und durchschürft wurde, ungleich gewaltiger und un­bekümmerter als einst von meiner neugierig ver­schüchterten Knabenhand.