Ausgabe 
11.11.1927
 
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Nr. 265 Zweiter Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesseuj

Freitag, U. November (927

Znnenpolitischer Kamps in Polen.

Bon Dr Oll» Co e n I n»

eftem. Dtzepräfitenten M Danziger yariamrni» Erst vor toenaen Wochen st die f^nlichii

betbr.oetoimktNf 1 m« r 11 a a nle Ibe für Po­len iJunbe urfonunen Polnisch- »aller tubet- ten. Die kbr harten T^Mngiiiwn. die bie Je- girnmfl Piftudfki-Bartel mierichr eiben muhte, trnirben so ziemlich totgeschwiegen flür 60 ®U- Honen DoUar bat Polen die gdamien Wnfünfk- Der poinitchen 3oUDcrti>aUung oerpfänben müflei Die Otegierung hat «14> verpflichten müllen. U>r Dudgrt Io zu änbcrn, bah b.e Einnahmen zue flänDigen Üfiftung der Anleihep-rpflichtung aus- reichen und hab außerdem «in Budget Überschuh heraus kommt Aeue Holm bürten nicht autfli- gcben. ulte Banknoten müllen ieber^ett in Gold umgetauscht. der dlotn muh ftabUlfitrt werden Sin amerikanischer .Finanz beratet erh eit twilflebenbe XedMr. «o dah man mit Aechi ren einer amtrilani(<ten Kontrolle der pvi- n sichen Hinang, spreche,, kann Lind trotzdem landen de sonst lr» klbftbrtouhtat Polen nur Grund zu feuriger 3tHak* Ob alle Erwartungen, dir in Poien an diele Anleihe geknüpft werden, auch in Erfüllung gehen, kann Ichon beute be- zweifelt werben, namcntltd) ob endlich auch eine friedfertigere auswärtige Politik in Po­len Platz greift

3n der Inneren polnischen Politik ift vor- etil davon herzl.ch wenig zu fbüren. Tic groben Hoftmmgen, die die polnischen Links- paneorn an den Gtaatsftteich Pilsudski im Spät- rübiabv 1026 geknüpft batten, blieben ledenlalls kommen als man in Polen damals erwartete. Pilsudski ist der Diktator geblieben. der er von Anfang an gewesen ist, la leine diktatorischen Gelüste sind twch itts Maftlose gestiegen. Bor tvenigen Tagen ist die polnische Vertagung prak­tisch aufjer Kraft gesetzt, dum 3. Vovcmbcr war her Oe.jm und der Senat einberufen. um ver- fafsungsmah.g über ben neuen Staatsbausball zu beraten Der voraelogte StaatshaushallScnt- wurt war aber im <trunbe genommen gar tetn Onimurf für ben Staatshaushalt. sondern ent­hielt nur in ganz groben dügen Pauschalzisfern. aus denen Io gut wie gar nichts zu erleben war, jedenfalls jede Kontrolle des Parla­ments über die Einnahmen und ihre Derwen- dung unmöglich machte. Hiergegen sträubten 'ich so gut wie alle Parteien Die national- Demokraten wollten bielai Omtourt überh»,upt nicht beraten, sondern verlangten die Borlage r.nei ordentlichen Entwurfs mit Aachweisungen .n allen Positionen: die Sozialdemokraten toMl- ien zwar den Entwurf beraten, verlangten aber auch naberc Auskunft für die Kommisiions- Beratungen Dah dieser Pauichalelat lang- und klanglos angenommen werden würde, davon konnte also feine Re>c sein. Ehe daher in die Tagesordnung im Seit in eingetnelen werden konnte, wurde zu aller Erstaunen und Onlru ng bas Parlament nach Hause geschickt. Ter Einblick In di« Finanzgebarung der Regie­rung wurde also dem Parlament dsrw tert. Nicht viel besser erging es dem Lena er wurde schon vor feinem Zusammentritt wieder vertagt

Pilfudsli will jetzt durch Berordnung da» vorjährige Budget für da» neue Aechnungs- ;abr anwenden. Tic polnilche Ttcgierung hat 11) dadurch zunächst einmal jeglicher Kontrolle entzogen, alle Debatten, die ihr peinlich werden konnten, find abgefchnitten, wenigstens Im Seijm. Ilm so mCr loben aber, abgesehen von der Äe- perungsprelfe. alle Zeitungen sämtlicher pvlisi- cher Parteien Der to.zialiflIsche Aoboin'f bebt hervor, bah die Äegier.ing alles Aechtsgefühl und alles Bertrauen gründlichst untergraben habe, die Tczespospollta". das Organ der Ehriftlich- Tcmofralen, trarnl lehr eindringlich vor der Schäftung spanischer oder italienischer Berhält- ii!fe in Polen. Von Stromski wird das oor-

fltlegie HauShaltungsgrietz mi: einem Lottospiel verglichen Andere rechtsstehende Blätter lachen das nationale Gewtllen gegen die neuetze Dkta- kur Piliudslis >um Ichärttzen Widerstand au'zu- peitschen. Bezeichnend waren auch b-.e Worte die dem ft eiloertrelenben Ministerpräsidenten Bartel bet der Vertagung des Seipn zageru'en wurden ^Feiglinge Ihr wollt Such vor jeder Beranrwortung drücken aber die Abrechnung folgf" Borausllchtlich wäre es euch zu rtnem Handgemenge gekommen, wenn die Blugiteder der Aegierung nicht schleunigst sich in Sicherheit gebracht hätten

Die Lage st infolern noch verschar't als das Parlament 'owieio am 2£ Aooemver sein Ende erreicht. Schon ,etzt betftt cs allerdings in polnischen politischen Kreisen dah Pilsudski die Aeuwahlen solange wie irgend möglich dinaus- Ichieben wollte. Ohne neuen Staatsstreich lassen lic ich aber über Mitte Februar 1928 nicht verzögern.

Da» eine ift sicher bic neuerliche Heim- schickung des Seijm in brüsker Form und die Bereitelu"z der Beratung de» Staatshaushaltes gleicher Weise vor den Kops gehoben. Denn bisher das Kabinett Pilsudssi-Bartei ge- dolll bat. durch eine in Aussicht gestellte Links­schwenkung die ^.'inksopposition zu sch herüber- zuziehen. Io ift diese Ho'fnung letzt sicher zu­schanden geworden Schon vorher hatte Av- botnir »erlangt dah Pilfudsli ich an eine streng demokratische Aegierungstorm halten musie. wenn er die llnterftüfcung bet den Wahlen haben wollte. Ohne eine Unterordnung unter ein par- lamenta risch-demokratisches System werde es zu den Ichärsften innerpolilischen Kämpfen in Polen kommen Die Aussichten für die Sozialisten und

Kleinbauern für die kommenden Wahlen waren sowieio nicht ungünstig S'.c werden letzt eher vergröbert werden tinb c# wird kaum von Ptl- luMlt erreicht werden bah nach dieser Brüs- kürung die Sozialisten ihn noch unterstützen Eher ist zu erwarten dah die Sozialisten von nun an den persönlich bisher ve ihnen nicht angegnf- lenen Marichall auf» h.s- :c bekämp'en werden

PiftudftiS bisher geheilt batte, wird tvc . ger denn je geneigt 'ein. der Diktatur PUsudskis zu weichen So wird aftrr Doraus'icht nach In den nächsten Monaten Polen von *en schwersten innerpvsili'chen Kämpfen nicht rerfchrnt bleiben

Aber noch eine andere ä*lte hat die Ber- hinderung der parlamentarischen Finanzkontrolle Kaum ein anderes europäisches Dolk ift so durch- fühl wie die Polen. Wie fchon oben ange­deutet hat die Amerika-Anleihe auch einen Zinauzberarer gebrach; dem jeder Einblick in den Staatshaushalt zu gewähren ift. Er kann so­gar verlangen das das staatliche Fuianzsvstcm geändert wird. Gruben denn die augenblick­lichen polnischen Machthaber, dah sich der bis­herige ftntcrftaatsfekretär Sharles Dewen beim Hehlen jeder parlamentarischen Kontrolle ab- halten wird, 'einerseits ein« gani besonders strenge Kontrolle auszuüben? Was Pilkudski dem Seijm Dorentbalten hat der Amerikaner trlrb es desto mehr für sich in Anspruch nehmen Auch das wird eine schwere Belastung der Pilsudfti- Diktatur Die Zeichen in Polen Reben allo wieder einmal auf Sturm. Und dabei braucht die pol­nische Wirtschaft Auhe und Frieden im Innern und nach auften. Die man in Polen aber nach duften immer mit dem Feuer spielt so scheint man im Innern auch die Unruhe ais das Heil­mittel zu erblicken.

Womit wurde Deutschland in Versailles der Prozeß gemacht?

Trotz aller Aufklärung in der Kriegsschuld- frage if' weiten Kreisen unsere» Volke» noch immer nicht bekannt, uxe das vernichtende Urteil über die angebliche Schuld Deutschlands am Aus­bruch des Weltkrieges iaftanbegtfommen ist und tooruuf es sich gründet. Bevor das endgültige Urteil im Versailler Vertrag ausgesprochen wurde, beauftragten tie Siegerrnächte eine aus Aechtsgelehrten, wie Lansing. Xarbleu, Seialoja, Pol t .» u. a. bestehende Kommission, einen Bericht über die Schuld am Wiltkriege zu erstatten, und stellten der Kommission zu dre­iem 3totd ein bestimmtes Äktenmater.ai zur Ver­fügung

Dieses Material ist Geaenstand einer kriti­schen Untersuchung Don Alfred von Wege - rer im Vovemberheft der von brr .3eutrai-teile für Erforschung der Kriegsursachen' heraasge­gebenen Monatsschrift .Die Kriegsschuld­frage". Der Verfasser kommt zu dem Ergeb­nis. das) auch nicht eine einzige der von der Äonuniffion benutzten Unterlagen Anspruch erheben kann, als einroanbfrei?< BeweiS^tiick für die 2lbgabe des Gutachten- zu gelten. Ss wird nicht nur der Nachweis erbracht. d«rsi das Mate­rial höchst unvoliständig und ungeeignet war, sondern zum Teil sogar als direkt verwerflich bezeichnet werden muh.

Der Kommission lagen in erster Linie die so­genannten Zarbbücher d. h tle von den verschiedenen Regierungen herausgegebenen Do­kumentensammlungen über den kiploma tischen Schtiftwechfei während der Iulckrtfis 1914 vor. Wie in dem Aus atz im einzelnen nachgewiesen wird, waren diese Farbdücher durchweg un- vo11siändig Die Farbbuchcr stellen eine mit Bedacht gctioffene Auswahl nur derjenigen Do­kument dar. die geeignet schienen, die Alliierten zu entlasten, die deutsche Regierung aber zu be­

lüften. Und noch mehr felbft in den uetoffem* sichten Dokumenten waren gröfitentc'I» erheb­liche Auslassungen unter dem gleichen ®x- fichtspunft vorgenorninen worden Das trifft bc- fc-nder» auf bir englifche Dlaubuch und das rus­sische Orangebuch zu So waren z. D. in das Blaubuch 159 Dokumente ausgenommen, wäh­rend die erst Siide W2' berauögeqebene voll­ständige Sammlung 677 Dokumente aufweift. Am schlimmsten liegen die Dinge beim französischen Gelbkuch. Der Verfasser Ift in der Lag?, hier glatte Fälschungen wicht.ger Dokumente nach- zuuxifen. Um nur ein Beispiel ar^ufuhren Am 31. Juli 1914 hatte der französische Botschafter in Petersburg ein Telegramm folgenden Wortlauts nach Paris gefanbt. .Die allgemeine rusiische Mobilmachung ift angeordnet." Aus diesen sechs Worten hatte da» frawzb.ische Aufteiurnnisterium ein Pbantalieteiegr^nim von mehr als sechs Zei- len ge-.iadjt und in daS Gelbbuch ausgenommen. Der erdachte Tert sollte dazu bienen, di« rus­sische offizielle Mobilmachung als eine Folge der .von Deutschland feit sechs Tagen ge­heim. aber unausgesetzt betriebenen Mobilisie- »ungsmaftnahmen' dar^ustellen, während es In Wirklichkeit genau umgekehrt war, da Ruß­land feit dem 23. Juli mit feinen Mob-.lmi- chungsmaftnahmen offiziell begonnen unb dadurch vor Deuttchland einen Vorfpruttg von meh­reren Tagen gewonnen hatte.

Archer dem off iz eilen lag der Versailler Kom­mission auch nichtamtliches Material vor. 'Darunter ein. wie sich im Zechenbach-Prvzesi d. rausstellt' von Kurt Eisner gefälschter Der.cht der baoertfchei, Gesandtschaft in Berlin der von ban Legationsrat von Schoen stammte, fälsch- licherwe le aber dem Grafen Lerchen seid zugefprechen wurde. Ferner seien genannt: D >- durch 3nk islretton während des Krieges ber-

öftentlichie Drnkfchnit des deut «ar«.' B.->richa»ter» in Lvichon. Hürft Lichnowfky. di« d,r Bot­schafter 'clb»t al» subjektive Betracheu, für fein .Zomili.-iirchiv bestimmt betzeichi.rt han< fine Denftchnst bei Dr ft Ion. vo mah^ber.ben Vertrnlichterton. wie Krupp oo. Bohlen unb Halbach nZd Dr. Helfterich al» .pathologisch" be^'.chnct werden ift unb fchsirt sich noch die Memo.ren des amertktmfchen Bot schastertz in Kcmft rnttnopri. Henrv Morgen' tfta u : .Geheimn «fe des Bosporus d>e bereit# Vor einiger Zeit von dem amenkimfchen Ge­lehrter. Sid"«!> B Fatz einer ich ierdenden Krit t untraogen worden sind

Mit Aecht nennt daher der Verfasser dae Material, tKM her Äoenr-. Mion Du iftörm Sperich über die Schuld am Kriege rorgelegen hat gün.i- lich .uni'onftänbw. lückenhaft, renhenftös sak'ch und zum Teil sogar gefälschf'

Atlerd'nas war man tm Jahre NW üver Ne Minderv'er^gteu der Untersagen nicht fr unter- richtet ww heute und bte Kommi'iionsgtieder nxrben die Dokumente au» Treu und Glauoe'- btngeno<nmen Haden Dte es um die rtuvertä«- tnuftten aber die Auhenminifter und THimfter- nun, dah die Komnnftlonsglieder damals von ihren eigenen Auftraggeberntn U n- kenntnis gelassen und hinter» Licht geführt worden find. ^Hüftte man nun nicht erwarten, bah diese Aecht»gelehrten, die der Ver­sailler Kommiftion -iiigehört fkiben. heute nach Ausheilung der Tatsacheii ausstehen und eine er­neute Untersuchunit der Veramwortsichle t am Westkriege aus Grund da» gegenwärng vorliegen­den richtigen Materials lottern mühtenGründet sich doch auf diese» Schuldurteil, wie wir es von

Alliierten nachdrücklich unft wieder­holt vernommen hoben der gairze Versailler Friedensvertrag imt all seinen Lostrennimgen deutscher Gebiete an den Grenzen des Aeiches unter fremde Herrschaft, mit seinen Sanktionen wie die Besetzung des Ah. inlairde». mit den Jte- ^»artitionsforderimgeta, die deutsche Arbeit täg­lich aufbnngen muh. und gründet sich nicht zuletzt uf dieses Schuldurtcli die morallldK Uberheo lichkesi der Siegerstaaten über Deutschla'ck»'

Oberheffen.

Lattdkrcis Gieße»

Gründer g, 10. Aoo Das Landwilt- schaftsamt Grünberg berichtet um» Die Ernte der Hackfr»ichta wurde infolge des künftigen Herdftwetters mit ganz geringen Ausnahmen im Laufe des Monats Dttobcr beendet. Der Ausfall der Kartoffel­ernte. insbesondere der roten Sorten, unb der Dickwurzernte ift rech: gut Ein grober Teil der Dickwurz wird In Mieten aufbewahrt. D« Winterbeftelluntz konnte zum we.taus groftkn Teil bewerkstelligt werden 3n geringerem Um­fange ift mxtz Weizon zu säen infolge d.-s un- günstigen OrntctDctkre des Monats September konnte das (Brummet uim Teil erst Im Ok­tober eingebracht werben. Wie in ben Vorjahren. Io hat auch in bi eiern Jahre btr Aoggen unter ben, starken Auftreten der grauen Acker- schneck « zu leiben, infolge be# s ucht-wami n Wetters war bic Ackerschnecke in iftrrr Entwick- lung schnell vorgeschrittmi. Auf bte B .ämpsang mit ätzenben S.ocumitteln (Kalk. Kainit u. a.) würbe vom Amt besonders hingewiesen Die Vläusevlage tritt in ringelnen Gemeinden wieder starker in Erscheinung Der Aiibau von Dründüngungspslanzen (3rb,<ngvmenge unb Erblen finbet immer mehr Eingang. Da» Bebürsnis. bic Viehhaltung rentabler zu gestalten konnte allenthalben bemerkt werben Dxr D. r'.x"erung b.t Grünlanbslächen wirb mehr Beachtung geschetikt. Die landwirt­schaftlichen Ardelterverhältniffe sind nach wie vor ungünstig geblleben. Die tn ber

Die Bcrleauna her Gießener Universität nach 2)lorburg 1624, nitgeteilt ton Staatsrat Dr. h. c. Sari Schlich- hake. Darmstal t

Tor nunm.hr rund 3>3 Jahren warbe bte an Jahre lvO» b.grün?. t.- Umoet tüt ®iefien nach Vlarburg verlegt. Das; die Giehener Bür- aerfchuft bk Ä.iihel ig d.r Univers tät. t;oj>em letztere bamal# tro . tu um 150 Stuben cn unb nur wenige Do . it.m zahlte, aus das tiefste knagk. ift lrib>tt>erftän^lich: denn bam t würbe Hr ein wicht.ger iSrwerbszw.ng. au be k-n Fort­bestehen man sich einger chtet fhiltc g.nonmen D e Stadt aber muht.- be; d -n Stadtko nman- bauten um die ermähiflung des n.-acn Sleuer- anlchlag» nachsuchen, da ihr der vot der Uni- xrfilät be-w;ene Autze-. weggesallro fei und le tief in schulden ftecke «Siehe F.-ftschr-.si zur KXb-3abr1cicr der Un-oer 131 Siesten.» Wie die Aushebung der Unitxr it3t auf e.ncn Teil der Bevölferung einwirkte, geht ans folgender hier etwas gekürzten E.ngabe an den Land­grafen h«rt 07

.Euere Fürstliche Gnaden wisien sich aufter allem esivetsel noch gnädig zu r t nnen. weh- nahen Dieselbe kürt-.ch nach 8 ntuhrung Dero- clben gewesenen Acabemien etliche Plätze aus derselben Burggarlcn allfticr zu G;esien zu ver­dauen auil.-.lcn lasten. alo und beroacftalt. bah luercr Fürstlichen Ona'-en ro eit ern 3ci>m 3 Gulden Gründens da.o entrichtet oder aber mit IdVfl. abgelöft werden »olle, auch auf erlegt, das, sowohl Diejenigen, fo d es eiben überkommen, rotwe. er fclbftcn bauen oder andere vor sich darsteilen, als auch andere Bürger. Deren Gärten n »olche Abmessung gefallen, glcichergeftalt b;e- leiben verbauen o xt andere veriaffcn muffen. ?b nun tro)l bei währender Academien. dabe- Dir aus beit Häusern unb Loament.-rn etwas erheben, auch sonst untere Rahrnng besser, als po. von den Henn Praseftoren und Studenten uchen und haben mögen to'.cher Grundzins uns keine sonderliche Beschwerung aew.sen. so ift es dpch durch Einstellung solcher S. F. G gewesenen Academien aUbier, Got! er­barm cs. mehr und mehr dahin geraten, baft anlere Häuser und Lo'amenter gänzlich lebig iehcni ba auch ct.iche Hau'er sollten verliehen rnb voa uns in Dach unb Fach gehalten werben Dir über allen Lasten auch mit <od.c( Haus- zinS. aL6 S. F. G. b:s anhcro Gr-andz.ns davon entrichtet worden, daraus erheben, viel weniger aber dieselbigen verkauft oder von uns. ba wir gleich nit mehr, bann ble Hälfte verlieren wollten.

bet o. ab wegen solches schweren Grundzinses zu Geld gemacht werben können. Denn bann bte Ursache solches fast schweren ®runxt.nfe» nun- mehr tregen eingestellter Academien gänzlich ge­fallen. w.r tocgci nhingtütbrr Aahrungs- m.ttel, vertat.sicr anderer unerer F:lbgüter unb darüber noch schweren gemachten Schulden, endt- lichen weder Purer Fürstlichen Gnaden noch an­dere Schaiiunaen und Zinsen, roch unseren ©läu­ft'gern io; denen uns dargeltebene.i Geldern die Pen ion entrichten können, sondern mit Weib und Kindern fast darben, auch ba unsere Gläu­biger endllichen in uns bringen würben, unterer viele gar au# Haus unb Ho» gehen unb die- 'eiben ledig stehen Iahen müssen, alft gelangt an i?ucre Fürstliche Gnaden untere ganz unter- thän.ge hoch»lcifi ge B.tie, solches a® ein Lan- ?csvater in Gnaden zu befxrjigrt und uns bei tiefen hot getrübten gesähriichen Feten bis so­lange in dieser E. F.G Stadt und Festung etwa anderwerf. c Aahrungsmittel. dadurch w r unsere armen W.nb und Kinder au»bringen und untere Schulden bezahlen tonnen, uns erscheinen möchten, 'o'chen fchw.r.rn Grundzins, so der Burggarten­platz dabet or nimmermehr bat ertragen tonnen, gnädig zu m.lbcm und aus ooengedacht r hoch- dringenden Ursache zu mHierircn. Grweilcn E. F G uns eine bo^c Gnade und ein sonder­bares Derk der Barmherzigkeit usw.

Untertänige gehorsame sämmtlichr Bürger und Einwohner in der Burggal'e zu D eben/

Aach einem bell.egenden Zettel ftanbea .in der Turnen Ga len ohne einig nutzen ober Ge­brauch an Stut'cntenftuben jetzo gaiuz ledig 97 unb feinbt in 'olcher Gallen über 3 oder 4 Paar öftegaUen nit noch, sondern lautier arm« W i tri den '

Möge Die Lebe alte Un.versitäisftadi Gieften heute nach 3üO Jahren ror e.nem gleichen Schick­sale. das allerdings bei e nct Aushebung der Selbständigkeit Hessens n.ch: ausgetchlvs en fein Dürfte, bewahrt bleiben?

Gesellschaft für Erd« und Völkerkunde.

Die Ge'ellschatt hatte am vergangenen Mrn- tag ten erften Vortragsabend Als Acdner sprach Piarrec Kaufmann, Deinhcim übet Acgy p- ten. tro er Über ein Jahrzehnt tätig gewc'cn tpar. Ter Vortragende führte folgendes aus Der Ail ift der lebenlpendenbe Acrv für ganz Aegypten leit dem frühesten Altertum. Ss ift nicht nur der Strom des Landes, der feine historische Bedeutung hat sondern et ift die Verkehrsader, der einzige Wasieripender für

Menschen und Tiere, bringt den fruchtbaren Schlamm bei jedem Hvä'wasfer zur Ablagerung urb spenbet schliehlich bas Wasser als Ersatz sür ben Aegen ba im oberen Villanbc alle illieders^läge fehlen Ware bet Ail nicht ba, fn fehlte aud) jebc« Äulturlanb in Aegypten. Sein An chwellen. bas im Sommer beginnt unb m Herd'l seinen Höhepunkt erreicht, wat in 'einen letzten Ursachen den Alten nicht Mann! Es wirb i>erursacht durch die reichen Aiedetschläg« Ira abessinischen Hochland, die im Sommer fallen unb ui monaticlangcm Weg als Schwelle in das Mittelwert getragen werben Denn da» Hochwa'ser abflaut, werden die überschwemmten trennt sich hier scharf denn nur das von der Ueberschwewmung erreichte Land wurde srüher bewirtschaftet. D e Aussaat fällt in den Herbft und d'.e Ernte in den noch toanr.en Winter. An der Sommerhälste die durch betontet» hvh« Temperaturen ausgezeichnet ift konnte nichts an- gebaut werden Schon im Altertum versucht« man durch Kana e unb Dämme Die Äulturlanb- 'chaster zu Detgrbftetn Doch erst bet gtohe ötau- ftamri den d.e (jnalänbet bei Alfuan bauten, hat die Kulturlafidlchaste» auf eine Fläche gleich .'er Belgiens gebrach: Durch den Staudamm, der das Hochwasser au' änat. ift aber nicht allein tie Achrbausiäche vergröyert worden, sondern e. ift auch jetzt möglich ün Sommer zu be- wässern, und die früher brach liegenden Felder tragen im Sommer Baumwolle unb Suckettobr. Aach ber Sommererntc ift foaat noch eme Be­bauung bet Felder tm Herbst nötig fo daß da» Land jetzt drei Ernten im 2ahr liefert Bewohner und Land sind in engen Wechselbezie­hungen feit Jahrtausenden vcrtnüpst unb trotz pet'chiedenet Beimischungen fremden Blutes ha' 'ich immer wieber die ursprüngliche Bevölkerung in ihrer ftobe-bedingten LchTn-tre 'e Durchgeletzt An harter Arbeit waten es immer die Fellachen, die unter der Herrschaft der Pharaonen. Grie­chen Aöwet, Byzantiner, Araber. Franzosen und Engländer im Vaufe der Geschichte ihr Land be­bauten. 14,5 Millionen Menschen ernährt der Ail. Don dicien sind die Kopten m.t Ich Millio­nen dem allen Ehriftenturn treu geblieben, wäh­rend die Fellachen tum 3'Iam übergetreten sind. Die Kopten in Obetägypten heften sich kulturell b<rvvr und wehr als die Hälfte der Staats­beamten rekrutiert sich aus ihnen. Bon Euro­päer-- sind viele Griechen. Italiener, Franzosen. Engländer und Deutsche im Lande. Die Fran­zosen haben es besonders verstanden, durch Schu­len kulturellen IFMlufi zu gewinnen und ihrer

Sprache im Umgang Bedeutung zu verleihen. Was Deutsche im wirtschaftlichen Leben bi» »um Krieg geschaffen hatten, wurde bei Kriegsende vernichtet, doch zeigt sich auch jetzt wieder er- freultcherweis« ein neuer Ausbau Der deutsch« Handes stand vor dem Kriege an zweiter Stelle unb ift nach seiner vvllftänbigen Ausschaltung etzt schon wieder an vierte Stele ^«.uckt. Kairo ift eine arabisch« Gründung mit dem Huden gegen Die Wüste mit (einer Front gegen Da» xulturlanb gerichtet E» teilt sich in ein« Euro- . rstadt, eine Araberftadt, unb über Dem Strom Drüben liegt DaS alte KulturlanD und bic Pyra- mlben AIS weitere Quelle des Erwerb» ift ber Frembenverkehr zu nennen, ber in biefnn Iahr 18000 Aeisende in» Lanb führte. Darunter 12 000 Amerikaner unD 2000 Deutsche Die alle Län­der hat auch Aegypten das Erwachen her Völ­ker mit gemacht Man kann Die iflawitifch« Kul­tur in ihrer einschränkenden Wirkung auf das Leben mit dem religiösen Mittelaller be. uns vergleichen, doch wachen sich aus allen Gebieten bei3 volkswirtschasilichen. geistige» unb politi­schen Leben» Kr te fühlbar, welch»' biesi Ein­schränkungen Durch. ' I m wollen. Die moham- wedanifche Frau strebt auch in Aegypten nach Freiheit Im Gegensatz zu früher find Die Schu­let auch von Erwachsenen, stark besucht, bas nationale Bewußtsein hat sich gehoben unb käwpft aegen ben Imperialismus Groh? ritannienS tuien harten Kampf Während England im Iahre 1904 in der entente cordulc sich mit Frankreich dahin einigte, dah Frankreich Marova Ong.'anb Aegypten als unbestrittenes Gebiet erhallen sollte, fo ift jetzt Aegypten fel/t gegen England auf getreten unb fordert feine Selbftankigleii auf allen Oebieten. England ha: nn gegeben, da es sich alS Anworichgebirt für ten ihm so wichtigen Suez5ai»al Paläft'.na gd: v<rt hat und fo Aegypten frei geben lortr:.-. Um ben mit ägyptischcr Hilf« wieder er;werten Sudan geht aber heute noch der Kamp?, ui Dem England wohl nie nochgebe trieb D.e Ausführungen bes AebnerS über bas Land unb feine Entwicklung fanden mit einer groben Zahl guter Lichtbilder eine sichtbare Ausgestaltung, welche ben An­wesenden auch mannen Blick in bae Leben bes Alltags mit all 'einen Merkwürdigkeiten werten lieft. Man hatte burchaus ba Eindruck einen ^rürblichen Kerwer unb begeisterten Freund des Landes am Ail sprechen zu Horen, den Ver­fasser des BucheS .Ewiges Stromlanb; mit fltr^em Inreresis wurde tem Aedner bis zuletzt gefelgt, unb reicher Beifall lohnte (eine Aus­führung er,.