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Gietzener Anzeiger (Seuerni-Anzelger für Gderheiiv.,
Nr. 238 Zweites Blatt
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Italien und die mazedonischen Bomben.
Don Hans Töbst, QMgrab
Ls wäre durchaus falsch, wollte man bu- gerade in den lehren Tage besonders leibhafte Tätigkeit der mazedonischen Ä o m i t a b • schis auf serbischem Boden als e.n (fr- rignis von nur örtlicher Bedeutung werten. An sich fallen diese Bombenattentate zwar nicht aus dem Rahmen jener regelmäßig wiederkehreitden Zwischeniälle. die aus dem 'Ballan, namentlich in den Herbsttagen, nach ötnbringima der Ernte yt den Alltäglichkeiten gehören 2lber diesmal gewinnen sie eine besondere Ikbeutung. weil sie Wltzariig den .Kampf im Dunkel" beleuchten, den Jugoslawien seit einigen Wochen mit Italien um die bulgarische Seele führt Die zur Entgleisung gebrachten Sisenbahnzüge btc in Brand gesteckten Grenzhotel*. die kleinen, fast Tag für Tag sich wiederholenden Scharnnitzel zwischen serbischer Polizei und den auf jugoslawisches Gebiet eingebt unaeiKn mazedonischen Banden hnb nicht etwa selbständige Handlungen irgendwelcher Fanatiker, die der Weit auf diese Weise in Erinneru-eg bringen wollen, baß es im Südosten noch fo etwas wie eine .M azedänische Frage" gibt. OleinI Die Grunde unk- Ursachen dieser Ereignisse liegen viel tiefer!
Man wird sich erinnern, daß die Welt vor einigen Wochen mit allerlei Rachrichten übetraf eßt wurde wonach eine Annäherung zwischen Iukosiawien und Bulgarien, wenn nicht sogar eine Verschmelzung beider Staaten zu einem großen südslawischen Reiche unmittelbar bevorstände. Serbische Ehauvinisten wollten sogar schon den Augenblick In greifbare Zlähe gerückt sehen, wo König Boris — „in ehrlicher Erkenntnis seiner deutschen Olbftam- mung (!l). die feine wirtliche Dolkstümlichkeit tn 'Bulgarien immer unmöglich machen muß" - leine Krone auf dem Olltat dieser Verständigung freiwillig niederlegen würde, um der endgültigen Vereinigung beider slawischer .Brüdervölker" jedes Hindernis auS dem Wege zu räumen. Daß Italien diese serbischen Hoffnungen auf ein Reich, das saft von Wien bis zum Schwarzen Meere reichen würde, mit allen Mitteln bekämpfen muß, daran zweifelt wohl niemand. Trotzdem sah man in Belgrad mit großer Spannung dem Ergelmi- der Besprechungen entgegen, die her serbische Außenminister Marinko- witsch in Genf mit den, bulgarischen Minister Burow angeknüpft hatte. Aber Marinkowitsch brachte abgesehen von allgemeinen Redensarten — nichts Endgültiges nach Haufe. ES to.tr vorauszusehen, daß Bulgarien luf dem begonnenen Wege nicht einen Schritt vorwärtSgehen wurde, ehe nicht — neben vielen anderen toen.ger wichtigen Dingen — die Zaribrod- Frage zu feinen Gunsten geklärt ist. Die Rückgabe dieser 1918 abgetretenen Stadt ist auch heute noch für jeden Brckgaren, ohne Unterschied her politischen Einstellung, die D o r b c b i n g u n g für jebe Annäherung ober Verständigung Aber Serbien denkt nicht Im entferntesten daran, dieS Opfer zu bringen.
Und doch wird eine rasche Einigung mit Bulgarien mit Rücksicht auf die zielbewußte italienische Einkreisungs- und Isolierungspolitik über kurz ober lang zur gebieterischen Notwendigkeit werden. Alle anderen serbischen Versuche. sich auS der immer enger werbenden Umschließung zu befreien, sind kläglich gescheitert. Zunächst zerplatzte im Sommer dieses Jahre* der schüchtern hochgelassene Versuchsballon eine* „dreieckigen" Freundschaftsbundes Berlin- Belgrad-Paris. Insolgedesien wandte Jugoslawien feine Blicke nach Osten und knüpfte mit der Türkei Verhandlungen an. die aber an den sofort einsetzenden italienischen Gegenmanövern zuschanden wurden. Al* Serbien nun versuchte, seine Beziehungen mit G riechenland enger zu gestalten, lud Mussolini die griechischen M.ni- ster nach Rom ein: wenige Tage darauf kündigte Griechenland tie Pangalosveriräge und stellte den vertragslosen 3uftanb, wie er bei Kriegsende
geherrscht hatte, wieder i,.t 2LU cinAiget noch |u umwerbender Freund blieb Bulgarien ubria. und im Qlnfang schien es auch. aU ob dre btlberfeJtgen B.'prechung»n zu einem guten Ende führen toüti-en Man bad jedoch nicht vergesset und dieser Fehler wird immer wieder gemacht daß die 2Oonführer dieser Verständigung auf jugoslawischer Sorte feine Serben, sondern Kroaten und Slowenen floß Dr. Korotzschen und Genossen arbeiten au* lehr durchsichtigen Gründen auf dies Bündnis bin: Sie croarten von einer Verschmelzung be.bcr Staaten in erster Linie ein Gegengewicht gegen das zur Zeit vorherrsche.de Alt- oder Groß-Serbentuin. Diesem würde viel von seinem parlamentarischen Einfluß genommen, wenn tatsächlich einmal bulgarische Abgeordnete in die Skupttch na einzieden sollten Saran ist natürlich in absehbarer Zeit nicht zu denken Kroaten und Slowenen haben die bulgarischen Truppen und tie barbarische Methode ihrer Kriegführung im Balkan- und im Weltkriege nicht zu erleben brauchen aber in der breiten Masse deS serbischen Volkes herrscht auch heute noch gegen Bulgarien ein Haß der zu den 'Verbrüderungsreden der Parlamentarier und Minister in krassestem ®egenfah steht.
3n das Hin und Her dieser OJerfranblungen platzten nun wie aus heuerem Himmel die Bomben der Mazedonier hinein und warfen die im besten Zuge befindlichen Ber-
äe ist uno unter nicht unbeträchtlichen Scvwierigketten gelungen, die im folgenden nicbergelegte ttunbgelnmg der Tochter deS englischen S, -Premierministers Lloyd George zur Veröffentlichung zu erwerben. Ihre ebenso nachdenklichen, wie amüsanten Betrachtungen zu einem überau* zeitgemäßen Kapitel dursten auch für unsere deutschen Verhältnisse und selbst für den, ber etwa grundsätzlich eine andere ober gar entgegengesetzte Meinung vertreten tollte, nicht ohne Anregung und Interesse lein: auch wer sich der leidenschaftlichen Verteidigungsrede der klugen und tempe- r am ent vollen Engländerin nicht anzu- schließen vermag, wird an einer Gegenüberstellung zweier durch den Krieg entscheidend getrennter Generationen innerlich Anteil nehmen — schon deshalb, weil er nicht umhin kann, sich selbst zu einer oder ber andern zu bekennen.
An waS denken die Leute eigentlich, wenn sie daS moderne junge Mä dchen kritisieren? Meinen sie das junge Mädchen, das in glücklichen Vermögensverhältnisfen lebt, und daS sich Vergnügen und Abwechslung leisten kann, solange eS rwch jung ist?
Falls sie diese jungen Damen meinen, so sprechen sie nur von einer unbedeutenden Minderheit, und selbst diese kleine Minderheit hat an sozialen Problemen ein aktives Interesse. Meistens verwendet sie auch ihre ganze Zeit auf irgendeine nützliche Betätigung — eine Betätigung, toie sie nie zuvor in einem solchen Umfange betrieben worden ist.
Wenn sich aber die Kritikusse auf die jungen Mädchen im allgemeinen beziehen, fo müssen auch sie zugeben, baß der größte Teil davon in Bureaus, in Geschäften und in Fabriken arbeitet. Und wo früher Frauen und Mädchen häufig als Z i e r st ü ck e angesehen wurden, ober gute Hausgeister waren, so haben sie heute an der Welt in ber Welt ihren kräftigen Anteil
Die heutige Jugend ist von ihren Eltern ebenso erzogen und beraten, wie jede andere frühere auch, doch mit einem Unterschied Während früher Umgangsformen und Anschauungen mehr ober weniger fest umrissen waren, geht heute eine Welle über die Welt, die sich von jebet starren Form befreien möchte. Daher glaube
bräberw mit einem Schla ,i au ihren
AuSgangSp unkt zurück Wen nutz, di«*?
ä-afl Italien fic Tätigkeit des Promazedvni- scher. Komitees utcht nut mit Wohlwollen betrachtet. 'ondern auch tatkräftig sintttzaell unter- stutzt, daran zu zweifeln liez« heute fern Grund mehr vor Bon einer Ausrottung der ma*eboni- ichen rraae. welche die drei unm ttribarcr. .Anlieger Griechenlarrd. Serbien unb Bulgarien in schärfsten Gegensatz juemanbet bringen muß. bat nur Rom Borteil«. Bon den und Attentate sind im Südost en da* beste HUtt«. um btc Aufmerktamkeit Serbiens von her Adria und Albanten abzulenken Die Frage .wer steck: jetzt hinter der wieder auflebenbcn TStigkei» bet Mazedonier ist nicht übermäßig schwer ^u beantwonen. Daß diele Revolutionär, allein nicht in bet Lage hnb. ihre engumgoenzten mehr oder minder lokalen steie zu erreichen, heg: auf ber Hand. Sie müssen also mächtige Freunde und Bundesgenossen briitzen. von denen iie in geschickter Form mißbraucht werden, und bic_bann an dem von den Mazedoniern angelegten Feuer ihr Süppchen zu koche t gedenken. Ein Belgrader Blatt kommt jedenfalls dem Stern der Frage sehr nahe wenn es offen auf Italien als treibende Kraft hinweist. das sich als lachender Dritter die Hände reibt und künstlich eine Flamme schürt die. wenn sie einmal entfacht ist. selbst durch bte europäische Feuerwehr nicht auf ihren Herd beschränkt werden kann.
ich auch, baß w unmöglich und fruchtlos sein würde, die«« Wells Einhalt zu gebieten, ebenso wie w für den unsterblichen Somitc mnnögllch W« dem Meer zu vtzfShfrn still pt sein
Tatsächlich hat sich das moderne lunge Mädchen gegen Vorwürfe z u Derlei- gen, baß eS sich gegen Aeltere unehrerbietig unbescheiden und verantwortungslos benehme und eine getoiffe Sucht nach Vermännlichung zur Schau trage.
Keine dieser Anklagen ist etwa neu. noch sind sie in ihrer Gesamtheit zutreffend. Doch jeder Angegriffene muß seine Sache selbst in die Hand nehmen und wissen, wie er sich zu verteidigen hat.
Jeder ‘Beurteiler des modernen jungen Mädchens müßte, will er fair sein, auch die erste Zeit des Auswachsens mit in seine Betrachtung ziehen. Unter welchen Verhältnissen ist die heutige Generation gediehen? Ganz bestimmt war es nicht zu einer Zeil des Friedens und deS sicheren Lebens. Krieg, widrige Verhältnisse. BIu 1 lohgleit. Freudlosigkeit, diese Schatten einer tragischen Zeit legten nicht nur ihre Keime In die Herzen derjenigen, die an dieser Zeit mittoirllen, sondern muß di«, die sie erdulden mußten, wurden von ihnen angesteckt.
Wir lesen von unverlöschbaren Eindrücken, die eine trostlose und einsame Kindheit auf aufwachsende Mädchen ausübte. D« Dachhall dieser schlimmen Zeit verliert sich auch nicht in den Jahren, die ihr folgen. Auch eine freundlichere Umgebung vermag nicht die Gewohnheit eines traurigen Zurückdenkens ganz und gar zu verscheuchen.
Das gleiche gilt auch für Kinder, die in einer Atmosphäre der Unruhe und Unrast ausgewachsen sind, »in Fieber steckt in Ihrem Blut. Rur barte Selbsterziehung kann hier noch alles zum Guten wenden.
Der Vorwurf der Unbotmäßigkeit ist eine Anklage, die man nicht scharf genua zu- rückweisen kann. Man muß von dem Wechsel in dem Verhältnis zwischen Eltern unb Kindern sprechen. Heute findet man zwischen ihnen mehr Verständnis und Vertrauen und weniger unerwünschte Respektsheischung und Verlangen nach Unterwerfung.
Zur Zeit ber Königin Viktoria trugen bie Frauen ihren Umhang schon mit Dreißig Jahren in vollster Würde — ein sicheres Zeichen für
ein vorgerückteres Hier U.tf) für bk Männe« Nehr Epoche begann bar Alt tn dem Ne * <t> ror... gesellschaftlichen Leben . rckzogen und sich an ben Kamin letzten noch früher
I» gegenwärttgen Zeiten teilen Eltern unb Kinder die gleichen Erlebnisse und VergnügeE» lag in der Raiur der Dinge daß bte* e ne intun r und stärkere Ber- bunbenixti gab Weniger Befehle unb em wohl» meinende* Hm- und H. »debattieren im Fxi mitten- kreis sind da* Gebot der Stunde Offenen Ungehorsam findet man heute wie früher, nur ift er weniger tietgehend unb mehr auf der Zünfte liegend Wenn wir von N-m Vonvuri ber Verantwortungslosigkeit sprechen so weiß ich nicht recht ob man es einen Mangel an Verantwortung nennen kann, wenn junge Vlädchen von heute in stet* wachsender 3abl ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und oft aenug auch ihren 2krbienft bergeben um bie Etter, zu unterstützen
Ich spreche nur von der großen 'Hetnoeit der jungen Mädchen, wenn ich die* sag. Aie- malS <uDor befaß ein junge* Mädchen g.-lügend Freiheit um für sich 'etbst verantwortlich zu fern. Die E h e war bi» heute Ne erste verantwortliche Aufgabe die ihm aufer- legt wurde Und vorher dachten und handelten nur die Eltern für die Tpchtei
Früher wurde ein bescheidene» luugve M.^v- 4xn feinen Eitern folgend deMcn zuruckgelostei, haben
.Liebster Pava and liebste Blanin! .fames unb ich 'ind nach 2. gefahren, wo vair un* am Rachmittag trauen I if'en. ) Ile in Her, zagt bet hem Gedanken an bas. wis ich Euch an tun muß. 3d> weiß wie wenig pflrchteriuilt und dankbar ich gegen Such handle Berget" mir nie ne Handlungsweise und laßt mich Nicht die Wertschätzung unb Liebe meiner teueren Eltern embußen. Ntiu-ii ich in größter Ehrerbietung verbleibe al* ihre fte
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Mit zitternden Fingern wird sie ibi Br allein aus da* Sofapolster beften und nach einem letzten lanacn Bit k behütetes ctübdxn liebevoll umfaßt du* ..inner verlassen, um zu dem Stetldid)ein zu ei kn, wo ihr IameS schon ungeduldig auf sie trxirtet.
Heutzutage kündigt ein junges Mädchen ihren Eltern beim F r ü h st ü ct an, daß sie vorhabe, 'ich am nächsten Morgen standesamtlich trauen zu lassen
Die gleiche Lage bet gleiche ?luegang. der gleidK Grundsatz und doch, wie verschieden in ihrer Dehandlimg In einem Fall heimlich unb
Und jetzt der Vorwurl der Unbescheiden- heit Ist es für ein junge* Mädchen unbescheidener. kurze Röcke zu tragen, ihr Haar abzusch neiden und Zigaretten zu rauchen, als eS für die Mutter ist. bie daS gleiche tut? Zu ihrer Verteidigung wirb man anführen dürfen, baß bas Beispiel der Eltern sie verleitet habe. Und in jedem Safi ist Bescheidenheit mehr eine Sache deS Herzens alS des erzwungenen Gehorsame und der guten Grziehmrg. Ober soll man vielleicht die selbständige Art unb Weise der heutigen jungen Mädchen al« unbescheiden be»eichnen? Ein modernes junge* Mädchen zerbricht sich nicht lange den Kops darüber ob eS auch schicklich fei, mit eine m Freund zu z weit eine Iagdpartie »u unternehmen ober Sportausflüge zu nrachen Scriie Vernunft erlaubt ihm bie* ebenso wie fein sportlich gestählter Körper Anstalt sie al* unbescheiden zu brandmarken, sollten wir lieber einem fo frischen und gesunden Geist von Herzen zustinr- men und den Mut und die Ausdauer und dis Tüchtigkeit anerkennen.
E* ist allerdings unmöglich, die Ducht der Frau und mancher junger Mädchen, sichmänn - [ i d> zu gebärden, zu verteidigen. So zeigt wenig wertvolle, inseriore Seelen. Eine männliche Frau ist ebenfo abscheulich unb geschmacklos toie ein weibischer Mann. Eine Frau, die die natürlichen Gaben und Eigenschaften eine* Weibe* besitzt, ist stets die vollkommenste Ergänzung be* Manne*
Zm Betteiöiqung öes MMN jungen MMS.
Bon Megan Lloyd George
Stauöamm und Pyramide.
Von Prof. Iuliu* Meier-Graefe.
Es erwächst die Frage: Steht die Pyramide unb der Torbau des Ehefren und bie strenge Geometrie ber Tempelgrundrisse von Sakkara, steht die Logik der gairzen altägvptischen Architektur dem Staudamm wirklich so fern?
Der prlonenhafte Staudamm ftaut _ Heberte gungen au* ber ersten Zeit, die ich längst im Fluß der Ereignisse weggefchwemmt glaubte, unb ber Gedaicke an den Kubismus, der mich beim ersten Befuch der Pyramiden überfiel, kehrt in aller Frische zurück und zwickt das Hirrr. Diese Menschen haben tn ihrer Glanzzeit Kultbaulen von erst amtlicher Sachlichkeit errichtet. Fünftausend Jahre später baut eine von Gott verlassene Menschheit mit ber gleichen Sachlichkeit, im gleichen Stil Staudämme, wolkenkranerhafte GeschäftSlästen. Symbole einer ausschließlich von bet Rechenmaschine beherrschten Welt.
Unter gewissen totalen Bedingungen kann man sich bte Pyramide al* Gipfel einer archr- tektonischen Mvnumentalkunst denken, und brefe Bebingungen boten sich in Aegypten. Richt* erscheint uns da, wo die Pyramiben stehen, natürlicher alS diese ber weitesten Sicht zugan^iche Struktur die nur der Sonne den wechselnden Schmuck des Denkmals überläßt. Wir staunen über die Fähigkeit der 'Abstraktion, aber vermögen uns vvrzustelleii, daß diese abstrakte Architektur einem Volk zugänglich ^tden konnte, das zu eben derselben Zeit in ber Plast» einen von keiner anderen Kultur je wieder erreichten Gipfel erfiomm. Dk Vorstellung gelingt un* um so leichter als wir von europäischen Glanzzeiten ber gewohnt sind, in ber Plastik den Handlanger des Baus zu sehen und dk Trennung der beibcn für eine letzte Stoppe auf dem Wege zum Gipfel zu halten. ...
Die ßöfung der Architektur von der Plastik, bk uns im Alten Reich als Maffirnum künstlerischen Aufwands erscheint, wiederholt sich m modernen Großstadtbauten unserer Zeit unb ist hier natürliche Folge universellen Versagens. Ausdruck eines Mechanismus, der kein Äult- gebäube mehr schassen kann und überdies, da die Götter abgetreten sind, keine mehr zu schassen braucht. Es fehlt nicht nie., und man konnte sagen, ber edelste Tempel unb der beste Stau- dämm haben denselben bharakter. Was fehlt:
Liegt der Unterschieb tn der Stauung unb in den 200 000 der Kultur erschlossenen Hektaren?
Ich kann mich mit Avancen heraus reden und finden, die Pyramide sei immerhin noch etwa* abstrakter al* der Staudamm. Ich kann mit allen möglichen Relativitäten und SpitzfindigLeiten kommen. Was aber hindert un*. einen Viadukt im reinsten Pyramidenstil zu errichten?! Dieser reinste Pyramidenstil ist Mathematik, und jeder kann sich bedienen. Um ihn richtig zu applizieren. bedarf es des Intellekts, des Geschmack* und einer gewissen Feinhörigkeil für die Bedürfnisse be* Lokals, lauter Eigenschaften, die auch zur Dekleidutig des Künstlers gehören, aber durchaus nicht sein schöpferisches Wesen bestimmen. Aus dem AU kann ein schwimmender weißer Kasten mit Reihen von Fenstern besser aussehen, als die nobelste Galeone aus Gold, unb niemand denkt daran, den Erbauer der Eookdampfer für einen Künstler zu halten. Eminente Klugheit und bewunderungswürdige Zucht trieben die Aegypter in dem Augenblick, al* sich ihr Reichtum an künstschöpferischen Möglichkeiten auf ber Höhe befand, zu dem schmucklosen Tempel, zu den Pyramiden, zu einer uns hatte wieder notgedrungen naben rationellen Struktur. Der Augenblick ist von außerordentlicher Wichtigkett.
Sie stellten in den schmucklosen Tempel aus glatten Granitquadern die unvergleichlichen Monumente ihrer Könige unb Götter unb zeigten mustergültig, toie man solche Plastiken am besten untcrbrmgL Das geringste Ornament nn Torbau des Ehefren, da* die Dioritstatuen beherbergte. war ein*, das Statue unb Wand enger zu verbinden suchte, hätte das Echo des Monuments geminbert Als das Mittlere Reich auf solche Hilfen fiel unb Pfeiler unb Statue vereinte. war schon der Gipfel überschritten. 3m übrigen folgt au* der Beziehung zu unterer Zeit lediglich eine Bestätigung der Einsicht tn bie Grenzen ber Architektur, die nie imstande ist, die entscheidenden Kriterien, bk toir mit Plastik, mit Malerei, mit der Dichtung verbinden, zu erfüllen.
Hätten die Aegypter nicht neben bk Pyramiden den Sphin? hingefeyt. gäbe es nicht gleichzeitig mit den Tempelbauten den 3c*er ben Ehefren unb bk endlose Reche der "m Kairo unb lcmsttoo aufgestapelten Wunderwerke Ihrer Plastik, so wüßte ich nicht, toie man dazu käme, fk für bas größte Kunstvolk ber Erde zu hatten.
Was wären uns bie Russen, wenn toir nur ihre Lieder unb ihre Tänze, nicht Ihre Dostojewski* besäßen Da toir sie aber besitzen, wächst unsere Freude an ben anderen Dingen. Die Gleichzeitigkeit hebt bie Bedeutung ber Gattung über den relativen Wert weit binau*. und die Beschränkung auf bie Gattung reduziert ihn Mit dieser Rebuktton haben wir uns für unseren Teil abzufinden.
Vorabdruck au* dem tn nächster Zeit erscheinenden Buche „Pyramide unb Tempel" von Julius Meier-Graefe Mit befonberer Genehmigung des Berlage* Ernst Rowohlt, Berlin.
(Emma, der Spartopf und die Marmel.
Bon Wilhelm Scharrelmann.
Ich hatte al* Kind einen Spariopf. einen Mohrenkopf, in den man wohl etwa* hineinstecken konnte, aber au* dem man so leicht nicht* wieder herauSbrachte, soviel Mühe man sich auch darum gab. So einen hatte ich und war neun Jahre alt.
Monatelang hatte ich ihn gehütet tote Alberich 1einen Schatz Aber so oft ich ihn auch schüttelte — immer klirrte nur der eine Ricke! darin, den ich geschenkt bekommen hatte, al* man mir den Spariopf gab.
Und nun kam nie einer dazu, wochenlang nicht, monatelang nicht, und ich spähte doch bet jeder Gelegenheit. Aber damals flogen die Dickel noch nicht, tote heute die Markscheme und ein Drv'chen hatte einen Wert, daß e* einfach nicht zu lagen ist.
3a ,
Run war da ein Mädchen Datürlich. Es ist immer ein Mädchen dabei, wenn etwa* Im Spiele ist.
Emma hieß fk.
Ich kann seitdem den Damen nicht mehr leiden.
Damals liebte ich ihn SS gab keinen schöneren.
Es war Frühjahr um dk Zeit der Marmel. SS gab welche in allen Farben, mattblaue und gelbe und weiße unb braune, blanke und glatte. Im nächsten Laden an der Straßenecke lag eine ganze Handvoll im vchauknster, große und kleine.
Aber die schönsten waren die ®la*marmel. Besonder* einer war prächtig, dicker al* eine Herzkirsche unb mit zierlichen roten, blauen und gelben Streifen unter der blanken Oberfläche, ein Wunder an Schönheit.
Emma verachtete alle anderen. Dieser Marmel war ihre einzige Sehnsucht.
Ich stand vor einem gewaltigen Entschluß. Zu gern hätte ich Ihr den Marmel gekauft.
Aber ich hatte den Dickel nicht, der dazu gehörte. Der Spartopf war unerbittlich, er rückte nicht* heraus.
Tagelang ging da* mit un* beiden. Aber bet Mohrenkopf grinste nur.
Zuletzt erklärte Emma wenn ich die Absicht hätte und es wirllich wollte, müßte ich e* auch tun. Sonst wäre e* au* mit unserer Freundschaft« Einfach.
Da* gab den AuSschlag. Ich lies nach Hause, nahm den Mohrenkops und warf ihn an die Wand. Ander* war chm nicht beizukommen. Es gab einfach kein andere* Mittel. Er klirrte wie ein Lampenzylinder
Ich verließ die Stube wie ein Verbrechet unb ging hin unb kaufte Emma ben GlaS- marmel.
Und Emma war glücklich. — Abend* traf ich sie wieder. Und nun kommt'*.
Dun? fragte ich unb lächelte.
Mh? machte sie ein wenig ungeduldig und von oben herab.
Den Marmel meine ich.
Den? tagte sie gebeßnt, al* handle es sich um eine alte Kartoffel. Den — hat 5>einz Bier.
Heinz *Bier? stammelte ich faNungSlo*. Du— du hast ihn verschenkt?
Ich wundere mich heute noch, daß mir bie Aug«n nicht aus dem Kopse quollen.
Aber Emma hatte muß schon stehen lassen.
Eine Wut packte mich — ich hätte heulen Brown.
Ich tat es nicht. Ich sah schon damals ein, baß e* zwecklos war
Erfahrungen sollen klüger machen.
Aber sie tun e* nicht in jedem Falle.
Denn nämlich heute eint käme — sie brauchte ja nicht Emma zu beißen — unb zu mir sagte: Schenk' mir ... na, egal waS, — ich glaube, ch würfe meinen Spariopf noch einmal an die Wand.
Gut, baß ich lernen habe.


