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icr Abänderungsanträge wird lländernngeu in Fassung der Ifig angenommen.
n die Kommmisten, Tozial« ten und der Zeckrumsabgeord- Abgeordmter enthick sich der iis der Uftommng ckrd von eisallskundgebungen, von der aufgemrmmen.
u? werden die Lorlagen über öfjung unb über bk her« der (teuer angenommen, »ilt mit, daß ein vvn aller ne der konmniMen un!a- Md sei'. „Die Regierun; Liderung der durch die.11 n ■ he im Oberelbegebiet cs Neichshilfe notwendig jirt die Negierung ermächtigt, ittel beieitzustellen. Präsident i gegen die sofortige Beratung in Widerspruch erhoben mm.) empfiehlt «nenlommw- mach das Deich dm vollen Mäm Schäden ubwchm : Ltstellen svL Der kx M gegen die Antragstelln ^übrigen Parteien gegen SÄL» Ä ienemfAenderungder
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Für die aus Anlaß unserer goldenen Hochzeit uns in so reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus
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Gießen (Wilhelmstraße 36), den 11. Juli 1927
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Am 10. Juli um 5 Uhr vormittags entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit unser liebes Söhnchen und Brüderchen
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im 2. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Seng, Polizeiwachtmeister.
Gießen (Bahnhofstraße 58), den 11. Juli 1927.
Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Juli nachmittags 3*/? Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. or.ra<
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liche Dolkserziehung durch Zusammenwirken von Kirche unb Staat“. Zunächst begründete er die Rotwendigkeit einer Dolkserziehung im Vergleich zur Einzelerziehung und forderte dann eine christliche Veeinflussung derselben. Diese hat in erster Linie durch die Kirche in Form von Predigt und Belehrung zu erfolgen. Für nicht minder wichtig halt er jedoch auch eine Beeinflussung durch das Beispiel einer kleinen Kerngemeinde wirklich christlicher Persönlichkeiten, die sich In jeder Kirchengemeinde finden, und die der Massenpsychose des Volkes ihr christliches „Ich" entgegensetzen. Diese christliche Beeinflussung liegt auch nicht zuletzt im Interesse des Staates. Des weiteren fordert er ein Zusammenwirken von Kirche und Staat in der Ausführung aller gesetzlichen Bestimmungen betreffs der Religions- übimg ohne Rivalität im Geiste der christlichen Liebe. Der interessante, von tiefem Emst getragene
Stimmen der jugendlichen Sänger waren: Das Piano schien aus einem ganz anderen Raum zu kommen, so fein wurde es gehaucht. Auch die Sicherheit in der Hervorbringung des Tones war einfach bewundernswert, wie dies in allen Chören, namentlich aber in dem „Angelus" von Th. Otto zum Ausdruck kam. Eine recht schwierige Leistung war auch die Wiedergabe der „Morgen- Wanderung" von Th. Krause. Die Zartheit in dem Vortrag zeigte sich auch hier in ganz besonderem Maste. Das, aud> Aussprache und Sprachtechmk auf der Höhe waren, bewies jeder der Lieder- DDtträgc. Doch ganz besondere Anforderungen an die Sprachtechnik stellten die „llrfinstemis" von E. A. Grell uni) „Das Steckenpferd“ von F. W. Kücken, deren Schwierigkeiten jedoch spielendüberwunden wurden. Das sehr humorvoll gehaltene „Rußmännchen“ von 3. Schaaf und von dem Chorleiter Alfred Göpel für Kinderchor bearbeitet, fand großartige Wiedergabe und erntete tosenden Beifall. Sämtliche Texte wurden auswendig gesungen, anders sind ja auch solche abge- schlossenen Leistungen überhaupt nicht zu erzielen. Der Leiter des Iugendchores, Alfred Göpel, darf mit Stolz auf das in allen Teilen wohlgelungene Konzert zurückblicken. Aach Beendigung dankte einer der Berliner Jungen für den regen Besuch, insbesondere aber den Gastgebern für dir Stellung der Quartiere. Aach einigen Mitteilungen eines der Führer des Iugendchores fand der sehr genußreiche Abend seinen Abschluß.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Oberhessischer Kunstverein: 6 Uhr, im Saal Nr. 6 des Stadthauses Bergstraße, ordentliche Mitgliederversammlung. — Gießener Studentenhilfe: 8.30 Uhr, Kollegienoebäude der Universität, Ludwig- straße 23 (Hörsaal 33), ordentliche Mitgliederversammlung. — F.G. F.: 8.30 Uhr, Hauptübung. — Palast-Lichtspiele: „Der Juxbaron" — Astoria- Lichtspiele: „Großfeuer".
— Aus dem Stadttheaterbureau
Vortrag wurde umrahmt von musikalischen Darbietungen des Licher Posaunenchores, dessen schöne Weisen die Zuhörer sichtlich erfreuten.
** Schuljugend und Luftfahrt. Seit einiger Zeit stellen sich in Deutschland in dankens- werter Weise die Schulbehörden in Den Dienst der Propagierung des Luftfahrtgedankens. So befaßt ich seit längerer Zeit auch die „Staatliche Hauptstelle für Den naturwissenschaftlichen Unterricht" mit der Förderung dieses neuen Verkehrszweiges. Sie regt an, daß die Schuljugend sich jnit 'dem Bau von Flugmodellen unb der praktischen Erprobung beschäftigen solle unb will diejenigen Lehrer, die im Unterricht Anwendungen aus dem Gebiete der Luftfahrt bringen, weitgehend unterstützen. Darüber hinaus soll aber auch die Jugend mit dem praktischen Flugbetrieb näher bekanntgemacht werden, denn die Betrachtung des Flugzeuges von außen, wie sie unter Umständen bei Fluglagen möglich ist, genügt dem aufs praktische gerichteten Wissensdurst Der Jugend nicht. Die genannte staatliche Hauptstelle beabsichtigt daher, die hierfür interessierten Schulen zu Besichtigungen der Flughäfen der Deutschen Lufthansa im Lause des Sommers anzuregen. Die Schüler sollen unter Aussicht der Lehrer die in der Nähe des Wohnorts liegenden Fluahäfen besuchen unb so aus eigener Anschauung Den Aufbau unb die Inneneinrichtungen kennen lernen. Ferner die Wirkungsweise und die Aussührlingsarten der Steuerorgane, des Fahrgestells unb Der Triebwerkanlage sowie bie im Flugzeugbau verwendeten Materialien. Die Deutsche Lufthansa hat diesem Plan ihre vollkommene Unterstützung zugesagt, und es ist zu hoffen, daß nach Dem Sprichwort: „Wer die Jugend hat, Der hat die Zukunft", auf diesem Wege Dem Luftfahrtgedanken wertvolle Dienste geleistet werden.
** Radfahrerunfall. Am Samstagabend kam im Seltsrsweg ein Radfahrer auf dem durch den Regen glatt und glitschig gewordenen Asphalt gerade in dem Moment zu Fall, als ein Fuhrwerk nahe an ihm vorbeifuhr. Der Radfahrer kam zu seinem Glück auf die entgegengesetzte Seite zu liegen, während das Rad von Dem Wagen übersahren wurde. Die im Nu zahlreich anwesenden Neugierigen bekamen weiter nichts zu sehen, als ein etwas ramponiertes Rad, dem Radfahrer selbst war nichts passiert.
— — Der hiesige Geflügelzuchtver- e i n hat die Lcrndes-Geflügel-Ausstellung füv Hessen für die Tage vom 25. bis 27. Aovember übernommen und verbindet damit fein 30jäh-riges Jubiläum. Auch eine allgemeine deutsche Geflügelschau wird mit der Ausstellung verbunden, hieran können sich Aussteller aus ganz Deutschland beteiligen. Als Ausstellungsplatz ist Die Volkshalle auf dem Trieb bestimmt.
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wird uns geschrieben: Wegen Erkrankung von Frl. Alix K r a h n e r muß die für morgen angekündigte Aufführung von „Der Garten Eden" verschoben werden. Es wird dafür Hermann Bahrs reizendes Lustspiel „Das Konzert" gegeben, das sicher auch sein dankbares Publikum finden wird.
** Die Stadtverordnetensitzung in dieser Woche, von der wir am Freitag berichteten, findet nach einer neueren Mitteilung Der Stadtverwaltung nicht am Freitag, sondern schon am kommenden Donnerstag statt.
“ Wichtig für englische Kriegsgefangene. Die Kriegerkameradschaft Hassia, Verband der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Darmstadt, Ahastraße 5, gibt bezüglich der englischen Aestguthaben nachstehende Auslegungen bekannt: Zur Erläuterung des Begriffes Aestguthaben und der Entstehung der englischen Guthabenlisten ist folgendes zu bemerken: Der Kriegsgefangene hat nur Anspruch auf freien Unterhalt, auf sonst nichts. Wenn er gemäß Artikel 6 der Haager Landkriegsordnung zur Arbeit herangezogen wird, so unterliegt die Bemessung der Höhe des Arbeitsverdienstes vollkommen der Entscheidung der feindlichen Militärbehörden. „Der Verdienst der Kriegsgefangenen, so heißt es in diesem Artikel weiter, „soll zur Besserung ihrer Lage verwendet und der äleberschuh nach Abzug der Unterhaltungskosten ihnen bei der Freilassung ausgezahlt werden". Es handelt sich^also bei den zur Auszahlung gelangenden Beträgen in der Hauptsache um solche äleberfchüsse. Dazu kommen dann noch Postanweisungsbeträge, Bardepots usw. und im besonderen für das Sa- nitspersonal die diesem nach der Genfer Konvention zustehende Sanitätsgebühr. Hieraus haben sich nun die Guthabensalden ergeben, die von den englischen Lagerbehörden für jeden einzeln in Betracht kommenden Heimkehrer errechnet und in Listen der Deutschen Regierung mit» geteilt worden sind, Die deutsche Regierung ist also in Der Aufstellung dieser Listen vollkommen unbeteiligt gewesen. Die Restverwaltung für Reichsaufgaben Berlin W9, Kömggraher- Straße 122, vermittelt demgemäß nur die Auszahlung und kann jedem nur das zahlen, was in den Listen für ihn verzeichnet ist, und muß obendrein Der englischen Regiegierung über jeden Einzelbetrag Rechnung legen. Die Beschwerden über Die Höhe Der einzelnen Guthabensalden, bzw. über das Richtvorhandensein von solchen, könnten sich also nur gegen die englischen Behörden richteii. Diese lehnen aber grundsätzlich die Nachprüfung aller Reklamationen ab, und die Restverwaltung ihrerseits ist nicht in der Lage, diese wegen mangelnder Beweismittel trotzdem zu vertreten. Die Kriegerkameradschast Hassia ist gern bereit, über Versorgungsangelegenheiten unentgeltlich Rat zu erteilen. Anfragen sind zu richten an Die Geschäftsstelle, Darmstadt, Ahastraße 5.
*" Im Bund für Haus und Schule sprach Stistsdechant Lenz, Lich, über „Christ-
Eine galizische Familie — nennen wir sie „Neu- । reich" — bewirtete tagtäglich auf der Terrasse eines feinen Wcltbades einen „adeligen Leutnant in Zivil". Hinterher stellte es sich zu ihrem Leidwesen ‘ heraus, daß ihr nobler, stets gut gefütterter Gast ein einstiger Schneiderlehrling und leider auch — ein Mörder war.
Lösen solche Gauncrtypen nicht mit Recht eine gewisse Heiterkeit aus? Man denke nur an den weltberühmt gewordenen „Hauptmann von Köpenick". Von der Komik und Tragikomik bis zur «enschlichen Tragödie ist aber oft nur ein Schritt, o wie es „Transvestiten" gibt — Männer, die sich in Frauenkleidung zu stecken pflegen und umgekehrt — die Gründe dieses Gehabens sollen hier unerörtert bleiben —, so gibt es auch offenbar Menschen, die sich gewissermaßen in ihrer eigenen Haut nicht wohl fühlen und immer etwas anderes darstellen wollen, als sie in Wirklichkeit sind. Ich lernte vor Jahren einmal dienstlich einen gebildeten Hochstapler kennen, den Verfasser zahlreicher guter Novellen, sobald er der Freiheit beraubt und im Gefängnis saß! Genoß er aber die Freiheit, so verputzte er in wenigen Tagen alles, was er halte, warf sich mit Macht in Die Arme Der „Gesellschaft" und trieb unter hochklingendem Namen Holelschwindel. „Nobel" ging er in der Welt zugrunde. Er kannte sein Schicksal unb änderte es doch nicht.
„Mundus vult decipi" — sagten schon ironisch Die alten Römer: Die Welt will getäuscht werden. — Oder wer übersetzt diese Worte anders? Zu Philipps des Großmütigen — also zu Luthers Zeiten — „residierte" ein Gauner etliche Wochen im hessischen Hinterland in Frankenberg, unweit Marburg, als König von Dänemark. Die hohe Obrigkeit wandte sich an die Regierung nach Kassel. Solch' hohen Gast hatte man noch nicht beherbergt. Der Schwindler wurde als der Sohn eines kleinen Mannes aus Nastätten im Nassauischen entlarvt.
Im Zeitalter des modernen Verkehrs, des Telegraphen, des Radio, des Fernlichtbildes und — der Fingerabdrücke, die man jetzt schon wieder zu sabotieren sucht, hat es das Gaunertum, das Hochstapler- tum, in seiner Arbeit nicht mehr so leicht wie früher. Und doch wird es niemals ganz aussterben. Seine Opfer sucht der „Kavalier" oder sein weiblicher Typus, immer im Umgänge mit den besseren Kreisen. Beim Hochstapler kann man niemals das Sprichwort anwenden: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist. Aber: Traue, schaue — wem, tue die Augen auf oder den Beutel.
Der BerLiner Erk-Iugendchor in Metzen.
Sehr zahlreiche Mitglieder der hiesigen Gesangvereine und eine große Anzahl unserer Bürger hatten sich am Samstagnachmittag zum Empfang des Berliner Erk-Zugend^ores eingefunden. Aber der Himmel hatte schon eine Stunde vor Ankunft der Berliner seine Schleusen geöffnet. so daß die Wartenden in der Bahnhofshalle Kopf an Kopf stehen muhten, bis endlich mit einer Viertelstunde Verspätung der Eisen- bahnzug die kleinen Gäste brachte. Mit ihrem auf Dem Fuldaer Bahnsteig gelungenen Chor „Das Wandern ist des Müllers Lust" hatten sie sich im Fluge die Herzen aller Anwesenden erobert. Weil der Regen immer noch weiter hernieder- träufelte, mußte der vorgesehene gemeinschaftliche.Marsch durch die Stadt und Die Begrüßung auf Dem Brandplatz unterbleiben und die kleinen Gäste bezogen dehalb sogleich chre Quartiere bei den Mitgliedern Der hiesigen Gesangvereine. Am Samstagabend bot uns nun die jugendliche Schar, bestehend aus 110 Knaben und Mädchen im Alter von 9l/2 bis 16 Jahren, in Der Reuen Aula mit ihrem Konzert einen Kunstgenuß, wie er in Dieser Art in unserer Stadt bestimmt noch nicht geboten worden ist. Der gute Ruf Der Dem Chor vorausgeeilt war, mag wohl Die Hauplursache gewesen sein, daß Die Reue Aula bis auf Den letzten Platz beseht war. Der Chor, eine stänDige Chorvereinigung, Die in Den Berliner Konzertsälen konzertiert, nimmt musikalische Knaben und MäDchen aller Schulgattungen auf. Die Mitglieder werben in einem V2 -bis einjährigen' Vorkursus in Ton-StimmbilDung usw. für Den Chor vorgebildet. Die Hebungen finDen wöchentlich je einmal statt. Diese Umstände bestimmen es, daß, wie das Konzert bewies, nur allerbestes Stimmaterial in Dem Chor Vorhemden ist. Run zum Konzert selber. Im Auftrag Der hiesigen Gesangvereine, in Deren HanD die ganzen Vorbereitungen gelegen hatten, hieß Lehrer Kling die kleinen Gäste und ihren Dirigenten, Ghmnasialmusiklehrer Alfred Göpel, herzlich willkommen. Gleich Der erste ßieDertiortrag, eine Motette (Psalm 92, 1—6) von Ed. Palm, zeigte den Chor in seiner ganzen Größe. Was hier an Klang- und Tonfülle unser Ohr vernahm, ist einzigartig. Kaum endenwoklender Beifall belohnte Denn auch Diese erste Programmnummer. Es ist unmöglich, jedes einzelnen Liedervortrages zu gedenken, sie alle standen auf höchster künstlerischer Stufe. In dem Echolied von Orlando di Lasso zeigte der Chor ein Piano, daß man fast zweifeln konnte, ob es überhaupt die
Vermischtes.
Der brennende Herkules.
Anläßlich des Reichsjugendtages des Gewerk- schaftsbundes Der Angestellten vom 16. bis 18. Juli in Kassel ist eine Beleuchtung des Her« k n l e s und Der KaskaDen geplant. Es wurden bereits zwei Proben unternommen. Das großartige Schauspiel, Das nur mit Der Beleuchtung Des Heidelberger Schlosses hinsichtlich seiner Wirkung verglichen werden kann, wurde zum letztenmal im Jahre 1893 anläßlich des Besuches des Schahs von Persien in Kassel gezeigt.
Das 60 000. Kraftfahrzeug in Berlin zugelasseu.
Richt mi* der Geschwindigkeit, toiie wir es von Amerika her gewöhnt sind, aber ständig in zunehmendem Maße erhöht sich der Kraftwagenbestand in Berlin. Am 1. 3uli jedes Jahres findet in Deutschland die amtliche Automobilzähllmg statt. Die Ergebnisse für Die Reichshauptstadt liegen ietjt vor. Danach ist in Den ersten Tagen des Juli Das 60 OOOfte Kraftfahrzeug in Berlin zugelassen worden. Das bedeutet gegenüber Dem Vorjahre ein Mehr von 1 0 000 Automobilen.
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M§ der Provmzialhauptstaöt.
Gießen, Den 11. Juli 1927.
Vom Wesen
des HochftaplerLums.
Von Amtsgerichtsrat Franz Gros.
Es mag nur wenige Erwachsene geben, die nicht schon einmal etwas von Hochstaplern hörten. Unb doch haben sich wohl nicht alle Den Begriff der Hochstapelei klar zu machen versucht. Alle wissen, daß der Hochstapler irgend jemanden betrügt, „hineinlegt". Das stimmt. Aber das tut Der alltäglich vor den Schranken des Gerichts erscheinende gewöhnliche Betrüger auch. Der Verkäufer eines Pferdes beispielsweise, der die Zugfestigkeit des Tieres verbürgt, obwohl es, wie er weiß, diese zugesicherte Eigenschaft nicht besitzt, legt (ebenfalls) einen anderen, Den Käufer, hinein. Er ist ein Betrüger — ober kein Hochstapler. Ein Mensch, der mittellos eine Wirtschaft aufsucht, sich daselbst Speisen und Getränke vorsetzen läßt, um sich Dann, ohne zn zahlen, heimlich aus Dem Staube zu machen, kann ein Hochstapler fein, aber auch ein einfacher Betrüger, nicht einmal ein direkter Schwindler. Vorn „Schwindler" verlangt man wieder, um beim Wortlaut des Betrugsparagraphen des deutschen Strafgesetzbuchs zu bleiben, die Erregung eines Irrtums in einem andern durch Vorspiegelung falscher Tatsachen, durch die eben der Wirt geduscht wird, während der gewöhnliche Zechpreller sich des Kreditbetrugs schon dadurch schuldig machen kann, daß er lediglich Speise und Trank bestellt, sick) im übrigen aber über seine Persönlichkeit und Mittellosigkeit vollkommen ausschweigt.
Der berühmte Strafrechtslehrer Reinhard von Frank in München, früher in Gießen, steht auf dem Standpunkt, daß im bloßen Bestellen und Entgegennehmen von Speisen und Getränken für sich allein ein Vorspiegeln des Besitzes barer Mittel nicht gefunden werden könne. Von Betrug kann einer Ansicht nach nur dann Die Rede fein, wenn >ie Forderung des Gläubigers gefährdet ist. Man jetzt, daß die Meinungen hier recht weit auseinander gehen können, und der Mann der Praxis, vom Hotelbesitzer des Weltbades bis hinab Aum kleinen Schankwirt, wird gut Daran tun, fick) feine „Kunden" genau anzusehen, wenn er nicht Schaden erleiden will.
Wodurch unterscheidet sich nun der Hochstapler vom gewöhnlichen Betrüger? Ohne Zweifel in erster Linie dadurch, daß Der Hochstapler seiner eigenen Person fast ausnahmslos auch innere Eigenschaften beilegt, die er nicht besitzt, deren Besitz er aber Den zu Täuschenden durch Wort und Tat vorspiegelt. Der mittellose Baron I., der sich in einem Hotel längere Zeit als der Baron Z. ausgibt, besitzt die „innere" Eigenschaft, ein „Baron" zu fein. Er verübt aber gegebenen Falles lediglich eine Zechprellerei, wegen Deren er bestraft wird. Niemand wird ohne weiteres sagen wollen, daß ein „Baron", Der sich für einen „Baron" anderen Namens ausgibt, ohne weiteres ein „Hochstapler" sei. Ein Zechpreller ist er wohl, also ein Betrüger, und er wird, wenn er erwischt wird, auch bestraft. Aber er ist kein Hochstapler im „landläufigen" Sinne. Er wird aber zum Hochstapler, wenn er sich beispielsweise den ihm nicht zu- stehenden Charakter eines Obersten a. D. oder eines Kommerzienrates beilegte, weil er sich bann gewissermaßen mit einer ihn aus der großen Maste heraushebenden, wohlklingenden, eine gewisse Kreditfähigkeit oerbürgenben, ihm jedoch nicht zukom- menben Titulatur, also mit fremden Federn schmückt, um sich mittels ihrer Hilfe in den Augen ;reinbcr Menschen, mit denen er in Berührung tritt, unb Deren Bekanntschaft er fast ausnahmslos auf- suchtz als eine Persönlichkeit von ganz befonDerem Range zu präsentieren. Der Hochstapler umgibt sich, Das ist das Charakteristische, immer mit einem be- l'onDeren „Nimbus", d. h., er legt — Äußerlichkeiten genügen schon vollkommen — eine besonderen Glanz um feine Person.
Der Friseurgehilfe z. B., der in einer Universitätsstadt gearbeitet und Dort „das Räuspern und Spucken" abgegudt hat, springt an einer anderen Universität in eine leutehungrige Verbindung ein, schmückt sich mit ihrem Abzeichen, schwadroniert solange bis — Der Krug in Scherben geht mit nichts- sagenden Redensarten, wirkt gar in studentischen Ehrengerichten mit, wie ein Ritter ohne Furcht unb Tadel, unb macht — als kreditfähig angesehenes Mitglied seiner Korporation — Schulden wie ein Pfalzgraf. Kommt bann eines Tages ber Schwindel heraus — und er kommt stets heraus! — so gibt es bei den Hineingelegten gar lange Gesichter. Die andern aber — lachen.
Der hochstapelnde Heiratsschwindler gehört zu einer moralisch mit am niedrigsten stehenden Klasse der Gaunerwelt, da er nicht nur das Vermögen von Frauen, sondern auch ihre Ehre zu rauben sucht, und oft unsagbares Unglück über ganze Familien bringt. Hier hört das Lachen und selbst das Lächeln auf.
War es nicht in Oldenburg, wo es ein Betrüger auf Grund gefälschter Zeugnisse zum jahrelang amtierenden Oberkonsistorialrat brachte? Wer denkt nicht an „Flachsmann als Erzieher"? ____


