Ausgabe 
11.6.1927
 
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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

llr. 134 Drittes Blatt

Die Einführung der Reformation im Iunkerland.

Don Dr. 9. 9. 3 « d e t.

abte. Doch lebte

Der alten

o feft in bei

er

Spuren Der julbavr Fehde gettlat. Die Dauern batten sich wieder eine <tinf>c gebaut an Stelle der alten, die damals ein Qtaub der Flammen geworden nxrr; und Hermann setzte ihnen einen Pfarrer ein, den er reichst

Di« Stadt Lauterbach begeht am 12. 3um die Vierhänder tjahrfeier der TU- f oemation. SS Var Hermann Aiedesel zu Sisenvach der inerte diese« Damen«, der bte Reformation tm Gebiete der Diedefel, im ,3un- kerlande". einsühne. Schwere Erfahrungen feine« Lebens stellten ihn von früher Fügend an in einen getotHen Gegen Iah zu den Sertretem der Kirche. 3n frühester Fugend erlebte er di« grobe Fehde, di« sein Datei, Hermann III. OUebekl. gegen den TLbt zu Fulda führen muhte. Dieser wollte bte neuen lladjbarrx. die lett Snde der 1420er Fahre in und um Lauterbach einen groben Besitz erworben Hanen, nicht auffommen lassen. 3n blutiger Fehde, die weite Rreite zog. muhten sich damals bte Riedesel ihren LebenSraum er­kämpfen, wie e« wenig« 3abr» (jnte vorher Heben gegen Mainz hatte tun nüi'fen. Damal« gingen zahlreiche Dörfer tn Flammen auf; lange dauerte es, bis bte furchtbaren Schäden der Fuldaer Fehde wieder vernarbt waren. 11 nb die« war nicht die einzige Fehde. die die Riedesel gegen aelftliche Fürsten führen muhten. Auch gegen den Erzbischof von Mainz und gegen den Dtschof von Würzburg muhten sie ihre TtedjU in hartem Kampf wahren. Mit Bit'.erkei! muhte t« den jungen Hermann erfüllen, bah ein Altar zu Melsungen den sein Großvater, der .Goldene Ritter- Hermann II. bem Kloster Eppenberg gefaltet halte, von den Mönchen schmählich Der» nachläsfiat wurde. ®r muhte dann in seinen Streitigkeiten mit Fulda zusehen, wie seine Dauern, weil sie de« Al« unberechtigte Forde­rungen verweigerten, durch den Dann, um eini­ger ®ulNii oder Hühner willen, von den Gnaden- mttern der Kirche ausgeschlossen wurden. Al« Oberamt mann tn Darmstadt sah er in da« liefe Derber den. in da« da« sittliche Leben Wetter Kreise der Prieskerfchaft verfallen war: die Kirche sah gleichgültig zu. so dah fich der Landgraf gezwungen sah. einzuschreiten und seinen De- aqßen zu Mvblen. bah sie aus bie Zucht unter den Geistlichen ach'.geben sollten. Dagegen war dieselbe Kirche, di« sich so weitherzig gegenüber schweren Verfehlungen geigte, unbaimherz g. wenn sie meinte, an äußeren Gütern geschädigt zu wer­den. Hermann« ältester Sohn. Fohann. wurde mit bem Dann belegt, weil er dem Befehl seine« Fürsten solgend, einem Priester in einem Recht«- ftveit einig« G-sälle beschlagnahmte

Und doch blieb Hermann ein treuer Sohn seiner Kirche Gerade in bem Fahre, in dem Luther feine Thesen an bte Gchlohkirch« zu QBlt- Umberg anschlug, erbaute Hermann Riedesel die liebliche3munitaixlie bei Essenbach, noch heute da« Entzücken jede« Besucher« de« schönen Schlosse«, Sr legte der Gattin nicht« in den Weg, al« sie mit zahlreichen Stiftungen fich den Weg zum Himmel bahnen wollte. 3a, noch 1524 errich­tete oc Mb ft hi seinem Gebiet eine neue Psarr- stell«. in TTicbermoo« waren jetzt erst die letzten

jtirAe, dah er dem evangelisch innlen Pfarrer zu Harbstein. Kaspar Haun, der da« Riedefessche Dors Stockhauken versah, einige Gefälle ver­sagt«. well er bie dafür gestifteten Totenmessen nicht hielt.

Aber gerade in jener Zeit geschah seine Hin- wenbung ,nrr Refvrtnativn. Hermann stand Der- idnlich vielen Männern nahe, bie fich her neuen Lehre mit Begeisterung zuaewendet hatten: Ulrich von Hutten, der gel.hr! e Edelmann, Hartmut von Ärenberg, der edle Märtyrer seine« evangelischen Glauben« waren mit ihm verschwägert. Dor allem aber lebte er in Mar­burg al« Statthalter in unmittelbarer Um­gebung Philivp« des Großmütigen und sah dessen innere Wandlung. Hermann Aiedesel war tn seine« Fürsten Gefolge, al« dieser bei feinem Aitt nach dem Armbrustschiehen zu Heidelberg Im Mai 1524 jene folgenschwere Begegnung mit

Melanchthvn hatte mehr einer augenblicklichen Laune folgend, hatte Philipp bei berühmten Gelehrten angehalten Für ihn wurde daraus der Wendepunkt seine« Geben» in der Schrift, bte Melanchthvn wenige Monate später seinem Versprechen gemäß an den Landgrafen richtete, wandte er sich an das Gew len dec Fürsten, und die« Gewissen trieb ihn nun Wetter und weiter, zuerst zur innerlichsten Ueberzeugung von der Dahrhett des Evangeliums. dann zur tat- kräftigen Ausbreitung der neugewonnenen Er­kenntnis

Der Beschluß bc« Reichstags zu Speier hatte den Fürsten einen Aechtsbvden gegeben, auf dem sie sich um die Angelegenheiten der Kirchen küm­mern konnten. Sofvn machte sich Landgraf Philipp baran, in seinem Lande bie neue Lehre einzu- führen Es geschah auf dem Landtag zu Hom­berg. dessen Gedächtnis da« Hessenland im Okto­ber de« vorigen Fahre« dankbar beging Her­mann Aiedesel beeilte sich, seinem Beispiel zu folgen. 3n Lauterbach war damals 3«bann Äeu- hell Pfarrer. ein Edelmann, der wie fo viele der adligen Priester sich um sein Amt weniger lunimcrtc. als um dessen Erträgt Aiedesel gab ihm nun einen evangelischen Pre­diger bei. Fohann Hachenberg. Einer der vier Altaristen, die außer dem Pfarrer zu Lauter­bach den geistlichen Dienst versahen. Karl Bütt­ner. wandte sich gleichfalls der evangelischen Lehre zu. Er versah zu gleicher Zeit den geist­lichen Dienst zu Maar.

Bald aber gab e« Schwierigkeiten Sie kamen von Hermann« jüngerem Bruder Theodor Dieser lebte seit etwa 1510 nnt seinem Bruder tn bit­terer Feindschcllt. Sr neidet« diesem die stattliche Schar der Kinder, fünf Töchter und vier Söhne. Gr selbst konnte nur zwei Töchier fein eigen nennen, die nach bem hessischen Adelsrecht und nach dem Brauch der Aiedesel fein Anrecht auf Erbschaft im Zamilienqut hatten. Aus dem Aeid war nach und nach bitterer Hast geworden. 3n feinem Trotz stellte sich Thevm>r bei allen Ent­scheidungen auf bie Gegenseite zu feinem Bruder. So auch jetzt. Hatte sich Hermann zur neuen Lehre bekannt, so entschied sich Theodor nun für die alle Kirche. 3n dem von ihm bewohnten Flügel de« Eisenbacher SchlosfeS richtete er sich eine besondere Kapelle ein, als sein Bruder die Burakapellen der neuen Lehre öffnete.

®r wurde mm auch der Rückhalt derer, die mit der Neuerung nicht zufrieden waren. Um feinem Bruder Eintrag zu tun, sperrte er Hachen­berg, Büttner und dem Herbsteiner Pfarre die Gefalle einiger Stiftungen. Doch diese wandten sich an ihren Kollator, und dieser wieder legte ihre Klagen dem Landgrafen vor. Fn einem sehr gemessenen Schreiben forderte dieser Theodor auf, von seinem Vorhaben abzulafsen' sonst werde er .etwas unerträglichere 2icßc' gegen ihn gehen. Run gab Theomrr fernen Widerstand auf.

Rasch führte nun Sermann fein mrterbro chcnes Werl weiter. An allen Orten feiner Herr­schaft sorgte er für die ©infübi-ur.g der neuen Lehre Da der Abt von Fulda den Herbsteiner Pfarrer vertagte Her:nann Aiedesel besorgte ihm eine neue Pfarrei tn Schzell, trennte Hermann die Riedescllchen Orte, die bisher zu Herbstein gehört hatten, von der Pfarrei und wie« Schlechrenwegen, Altenschlirf und Rixfeld nach Stockhausen, Lanzenhain nach öngelrob, weil dort .da« göttllch Wort lauter und rein gepredig«" wurde. Fn ®ngclrob war ein frü­herer Riedefelscher Schreiber, Fohann Moller aus Orb, der vor Hermann zum Priester prä­sentiert worden war, dann bie Weihen empfan­gen hatte, auch zum Evangelium ribergetraen und hatte eine Ehefrau goheiratat. Hermann hatte ihm darauf sonderbarerweise außer feinem kirchlichen Amt nocy da« de« Schultheißen über­tragen. 3n Landenhausen errichtete Hermann eine neue Pfarrei, well er in Salzschlirf, bas zum großen Teil bem Kapitel zu Fulda gehörte. Die Reformation nicht durchsetzen formte. Auch in Freiensteinau setzte Hermann einen evange­lischen Pfarrer ein. ebenso in Waffenrod und

Anger« bach wo der katholische Priester Fo­hann Lipp seine Lreik. an Foha:m Hantzel abtrat

AI« Hermann fe.n Ende herannahen fühlte, wollve er in Laulerbach feste Zustände schaden noch war ja Fohann Keudell der For nach dort Pfarrer. Sr legte fein Amt in die Hände Hermanns zurück, uni dieser letzte nun Hachen­berg am 27. Füll 1529 fkrml.ch al« P'arrcr ein mit der Ausgabe, .die Pfarre und Deren Kinder mit dem heilsamen Wort Gottes und den heiligen Salramenten mit Fleist und treu­lich 'ürder zu versehen, w e er das gegen Gott und bte Welt gebenle ju verantwort»n .

Einige Wochen darauf starb Hermann Run glaubte Theodor feine Stunde gekommen. 2r liest Hachen.'vrg durch e.nen Knecht ausfvrdern, wieder katholischen Gottesdienst zu feiern Al» dieser daraus nicht eingmg, verbot er seinen Untertanen, dem Pfarrer Wetter ihre Abgaben zu reichen. Manche taten da« gern, konnten sie fich doch ft? einer unbeliebten Abgabe entziehen. Dann ober schr eb Theodor an Harenberg einen groben Brief, in dem er ihm wiklifitische. wal- densssche und hufttssche Rederei vorwart Man müsse warten, bi« ein allgeme.nes Konzil oder ein Rationalkonzil darüber entscheide, wie man sich au verhalten habe Auch verbot er ihm, die Messe weiter in deutscher S rache zu halten. Hachenberg antwortete chm in ruhigen Aus­führungen. bat ihn. ihn doch bei feiner Bestel­lung. Die ihm sein Bruder gegeben habe zu belassen, er Leh ihn aber auch durchblicken, daß er sich im Rotfall an den Landgrafen um Hilfe wenden werde. Das scheint bei Theodor gewirkt zu haben Allerdings verschwindet fern □tarne au« den Akten, aber es wird in den näch­sten Fahren überhaupt kein Aame eine« Lauter­bacher PiarrerS genannt Dies geschah im Som­mer 1530. Schon ein Fahr darauf starb auch der Degenreformation weitergekommen war. wer­den feine Reffen, die alle aus- tiefste von der Reformation ergriffen waren, deren Spuren bald getilgt haben.

Roch zweimal schwebte über Lauterbach die Gefahr der Gegenreformation. 3m März 1548 nahm bet Abt von Fulda im Dersaus von Streitigkeiten übet die Pfandfchaft in Lauter­bach bie Stabt kurzerhand mit Gewalt in Besitz. Die Riebetlage der Schmalkaldener Qkrbünbclen gab ihm ba^u die Möglichkeit Nachdem x-r s ul bische Amtmann versucht hatte, die Psanrer für bas Fnterim zu gewinnen, letzte er »alb einen katholischen Pfarrer in bie Stabt. Doch dauerte bellen Tätigkeit nur vier Fahre. 2HA bie protestantischen Fürsten sich erhoben, um bas 3och Karls V. abzuwerfen, zwang ein durch Fulda durchziehende« Heer den Abt. Lauter­bach wieder freizugeben Unmittelbar nach bet Befreiung richtete bte Bürgerschaft an bie Ried- efd mit Dem Glückwunsch zur Wiederherstellung ihres Besitzes die Ditte um einen evangelischen Pfarrer. Sie seien .eine lange Zett bi« daher mit einem Psarrberrn und Präger gam übel und böSlich versehen" gewesen, hätten selbst den Qlbt mehrmals um einen .guten Lehrer" ge­beten. nun hofften sie. baß die Stadt einen .gelehrten und rechtschaffenen Pfarrer" erhalten werbe, bet ihnen .Armen da« heilsame Wort Gotte« rein. lauter und klar an den Tag geben, eröffnen und vortragen werbe, auch bie Sakra­mente be« Altars imb der Taufe reichen und geben, gleicherweise sie von Gott eingesetzt unb verordnet seien, wellen sie Arme eine lange Zeit bi« dahin tn Mangel gestanden, Gott er­barm«.

Roch einmal tm Dreißigjährigen Kriege ver­suchten Tillhsche Kroaten unter dem Oberem Linblv Lauterbach unb da« Funker land katholisch zu machen. Auch dieser Versuch mißlang. So kann Lauterbach mit dem Funkerl and in diesem Fahre auf vierhundert Jahre evangelischen Le­bens zurückblicken.

Ans dem -rmtsverkiiudigungsblatt.

* Das Arnst SoerkündigungSblatt Ar. 44 vom 10.<0uni enthält: Die Vergnügungs­steuer in der Gemeinde CÖeitenßaufen. Die Herstellung, Verwendung unb Lagerung von Azetylen. Festsetzung des Ortdlcgns. Fn- tcrnationale MusikauSstellung. Werbewoche be«

MlMMeSlaöWÄ

Roman von Sven Elve st ad.

Copyright bd Georg Müller, München.

4. Sortierung. Nachdruck verboten.

,.SIe äußern da ja einen fürchterlichen Ver­dacht", ivarf der Chef der Kriminalpolizei ein. ,,Ge­denken eie den Dieb weiter in diesen Spuren zu suchen?"

Allerdings!"

Dann hoste ich, dah Sie mit der allergrößten Vorsicht zu Werke gehen, sonst kann es leicht einen Skandal für uns geben. Wie wollen Sie diele schwierige Sache unqreifen?"

Es scheint nicht- anderem übriguiblciben," er­widerte Rrag,als die Gäste der '.Reibe nach durch- zugehen. Ich will mit dem Bischof beginnen.*

..Und dann den General nehmen?*

Sedr richtig. Und dann den alten Prosestot mit dem weltbekannten Namen."

Cs klingt wie ein Märchen" bemerkte der Ches.

»2lh glaube, es ist auch ein Märchen", erwiderte Krag.Nun gehe ich. Unternehmen Sie nichts vor sechs Uhr, bann bin tch wieder da."

Um sechs Uhr fand sich Asbjörn Krag wieder in der Krimtnalabteilung ein. Er war in Gcsellschafts- fleibung und ganz leicht maskiett, lo le:f "ah feine Freunde ihn erkennen konnten, feine -I acn Be kannten jedoch ihn für einen Fremden halten muhten

Sie sind schon mehrere Stunden bet der Ar­beit*. sagte der Polizeichef. .Haben Sie eine Spur entdeckt >"

.Leider habe ich eine sehr interessante Unter- suchung abbrechen müssen", erwidette Krag.

..Warum?"

Weil ich eine Gesellschaft zu besuchen habe. Die Sie feden."

Ah. vermutlich eine wichtige Familienzusom- menkun'V. bemerkte der Polizeichef.

Reim cs ist eine vollkommen gleichgültige Mit- tagsgesellschaft beim Konsul Birger "

.Lch dachte. Sie machten sich nicht jo viel aus Gesellschaften, daß Sie deswegen eine interessante. Untersuchung abbrächen*, sagte der Polizelches ocr- drossen.

,^>as tue ich auch nicht", war Krags Antwott. Wenn man aber Aussicht hat, den Mann aus der Oskorstrahe 54B zu treffen, |o muß man sich ge­duldig auch in eine solche Gesellschaft finden.*

n.

Asbjörn Krag war unter den ersten von Konsul Birgers Gästen, Er wurde dem bekannten Spezia­listen für die Schlafkrankheit, Oberarzt Sobow, vor- gestellt, und zwar als Freund dec Konsule der vor kurzem aus dem Kongo heimgekehrt fei. Der Ober­arzt steh sich iofort mit Krag in ein Gespräch über den Kongo ein, und der Detektiv sah sich gezwungen, ins Blau« hinein unbeftimmic Antworten zu geben. (Er war froh, als nach und noch die anderen Gäste sich cinfanben. Es war eine Herrengesellschaft.

Strag kannte diese Abende bei Konsul Birger. Sie begannen mit einem ausgezeichneten Essen. Di« Küche tm Birgerschen Hause war bei allen Fein­schmeckern der Stadt berühmt. Alles war sehr ftil- voll. Zum Essen wurde am liebsten nur Cham­pagner getrunken, so dah olle bald in die richtige Stimmung kamen.

Gegen elf Uhr pflegte das Essen beendet zu fein. Man ttank Kaffee und plauberte ein wenig bis gegen halb zwölf, und dann wurde der Whisky gebracht.

Dies war das Zeichen zum Beginn des eigent­lichen Festes.

Das heißt. ein eigentliches Fest war es kaum. Die Herren nahmen Platz um die kleinen Tische, und die Kotten kamen zum Vorschein. Konsul Birger verkehrte nur mit geübten Spielern. Er selbst hatte, ohne eigentlid) reich zu fein, ausgezeichnete Ein­nahmen. die ihm den Lurus erlaubten, feine Spiel- lridenfchaft zu pflegen. Er war einer von den besten Spielern der Stadl. Fast alle Spiele waren bei ihm beliebt am meisten >edoch Poker. Diese Schwär­merei für Poker hatte er aus Amerika mitoebrocht, wo er eine Zeitlang gelebt hatte, und er hatte sie nie wieder abgelegt vielleicht hotte er es auch nie ernftfidj versucht. Poker war seine Abwechsiung. Die Spannung bei diesem Spiel erfrischte ihn nach den ermüdenden Geschäften. Konsul Birger spielte durch­

aus nicht des Geldes, sondern nur der Spannung megeit Aber um diese Spannung zu erzielen, war es doch nötig, dah der Einsatz eine gewisse Höhe erreichte. Daß Gewinn und Verlust zwischen einigen Tauienden hin und her schwingen konnten, berührte diese Herren nicht sonderlich. Die Spielregeln waren im übrigen sehr streng. Eine der Hauptregeln war, daß das Spiel um halb vier Uhr zu Ende sein mußte. Punkt halb vier, und keine Minute später.

Birger hatte seinen regelmäßigen Spielabend in der Woche, meist Samstags. Es kamen nicht immer dieselben Leute, aber einzelne gehörten doch zum Hauptstomm. das waven feine nächsten Freunde. Gerade die waren heul« abenb beisammen. Die Frau Konsul, die sonst bei den größeren Festlich­keiten eine so ausgezeichnete Wirtin war, lieh sich an diesen Spielabenden nicht sehen, sondern blieb in ihren Zimmern. Der Konsul war kinderlos, und das war wohl auch der Grund, doh er in seinem Heim von Zett zu Zeit Zerstreuung beim Spiel suchte. Restaurants besuchte -r nie.

Noch und noch versammelte sich also die Spiel gefelllchoft dieses Abends. Der vornehmste Tost war oftenoar der junge Professor 'Singer, einer der berühmtesten Kenner der alten Sprachen Er war ein vielgereister, sehr liebenswürdiger und lebhafter Herr, der fich mii jedem angenehm und geschmackvoll zu unterhalten wußte. Dann war da der Grund­stücksspekulant Direktor Greffen, von dem man den einen Tag sagte, er fei Millionär, und den andern, er sei arm wie eine Kirchenmaus. Ferner Dr. phil. Birkelund, ein Sohn des alten Professors Birkelund, Hauptmann Stancenberg. ein flotter, reicher Korx,!- letteoffizier. der Komponist Dinge, der einmal, in grauer Vorzeit, eine Oper komponiert hatte und seitdem von seinem ererbten Vermögen lebte, unb endlich Asbjörn Krag und Konsul Birger selbst.

Bevor bie Türen zum Spielsaal geöffnet mür­ben, nahm Birger Veranlassung, im $Iur ein paar Watte mit Asbjörn Krag zu wechseln, die erkennen liehen, dah die beiden alte Bekannte waren.

.Hch hoffe, dich öfter bei mir zu sehen", sagte der Konsul. .Lch habe gar nicht geahnt, daß du dich für etn ordentliches kleines Glückspiel interessierst.

Cs ist auch eine neue Leidenschaft von mir", meinte Krag. ..Bas in oller Deft soll man in dieser langwelligen Stabt denn aitfangen? tzch muh nun

jümstag, U- jum <-927

Vereins tur Deutschtum in Ausland 1927 älcbervachung her Zottbildungsschülcr. Lan­desjugend tag 1927. Dienstnachrichten.

5 haupw:rsümmlung scr Yess. Cdn^roirifdiaftsfammor

* Darmstadt. 9. Juni.

Heute vormittag trat nn Gebäude des ßan- desd.rchentages die Hefs.Landwirtschafts- lammer zu ihrer 5 Hauptversammlung zusammen. Präsident Henlel erdflnet.- die L.tzana um 10* . ilbr und begrünte als Cbrcn- gälte i'.c Vertreter der Reg.rrung Hhnifitrtcl* tnrettvr Hobel, ferner bie Ministerialräte Hey!,- Becker und Ocltmom;trot Bauer- ?rm6. Zu Ehr.n des verstorbenen Vorstand«.!, tg. eae« Moak - Grunb-Gchwalhe.ui. dessen Verdienste um die b<f' . 4x Landwirtichast der Borsende in einer Ansprache rühmte erhob f.ch die Ver­sammlung von den S-tzen

Der Vorfttzende. Odonomierat Hensel. Kn es in feiner anschliessenden Eröllnungs- anfproche auf den schlechten Aus all der «nut im verflossenen Fahre hin. wodurch die Land­wirtschaft die lausenden Kredite nur in Aus- nahmesällen -uriickzahlen konnte und nun noch immer unter der Schuldenlast und den sch. . eie Steuern leide Mit Genugtuung wie« der R< /.er aus die giohe Ausstellung in Dortmund hin. zeichnen konnte. Er äußerte sich weiter sehr be- faebiflt über die»Zusammenarbeit mit dem Grün- landverein. Bei einer Erörterung der Steuer» fragen hob der Redner mit Racpdtuck hervor, dah die Landwittfchast in der Rachktnegsze t lei­der noch immer nicht die Beachtung gesunden habe wie vor dem Kriege. statt schöner Worte wolle man lieber Taten sehen! Der wirksam hir da« deutsche Volk arbeiten wolle, muffe darauf bedacht fein, die Landwirtschaft zu fördern. Zum Schluffe feiner Ansprache forderte der Redner die Landwirte au einigem, festen Zusammen stehen auf.

Hieraus wurde m die Tagesordnung einge­treten. auf der ul« erster Punkt der Bericht über die Tätigkeit der Landwirtschoftskammer im abgelaufenen Fahre stand. Der Bericht lag ge­druckt vor und wurde von der Derfarnmlung zur Äcnntni« genommen.

Generaldirektor Dr. Ho mann erstattete hierauf einen längeren Bericht über

bte Lage der Landwirtschaft.

Er machte Darauf auftnerksam^dah b;e heu­tigen schwierigen Verhältnisse der Landwirtschaft nicht zuletzt bedingt sind durch die Rachwirkun- gen der Fnslotivn. Verschärft wurden diese durch die wiederholt schlechten Ernten und die Mih- ernten der letzten Fahre D-e steigenden Lasten aller Art. Steuern und soziale Lasten drucken die Lanbwtnfchaft. Der Mangel an Betriebs­kapital zwingt die Landwirte zur Aufnahme von Darlehen, die nur gegen hohe Zinsen, bie b;e Landwirtschaft nicht tragen kann, zu erhalten sind. Die Landwirtschaft ist nicht in der Lage, dieselben Zinssätze zu tragen, wie andere Be­rufe. da sie in der Regel nur einmal im Fohre erntet und deshalb da« aufgenommene Kap.tat nicht wiederholt umlegen kann. Die Landwirt­schaft kann auch nicht pretS regulier end Witten, wie die« andere Derussständ« fn der Lage sind. Gie ist dagegen oft bei Ankauf ihrer Hilfs­mittel großen Verbänden gegenübergcstellt, die die Preise regulieren unb den Produktionskosten anwassen können. IXt Abschluß ungünstiger Han­delsverträge und die nn allgemeinen meßt im Fnteresse der Landwirtschaft gelegenen Wege bvl HandelSpvlttik des Reiche« haben die Lage der Landwirtschaft noch Wetter verfchärit. Der Ver­such vieler Landwirte, durch Aufnahme von Rot- standSkrediten ihre Lage zu verbessern, in Er­wartung größerer Erträge, schlug fehl, da un­günstige Wiltcrungsverhättnisse den Ertrag der Ernte nachteilig beeinflußten. Auch die einseitige Entwicklung der Milcherzeugung, zu der die Lar.dw'.rtschaft mit Rücksicht auf Mangel an Mitteln für die lausenden Ausgaben gelun­gen wurde, hat ihr bei dem ftänögien Sinken der Mckchbreife keinen Erfolg gebracht. 3m Ge­genteil hat bte einseitige Steigerung der milch- erzeugenden Betriebe zu einer stärkeren Verschul­dung geführt. Die Landwirkfchast muß einen

mal em bißchen Spannung haben. Sonst werbe ich Morphinist."

Aber warum willst du nicht, daß ich dich unter deinem wirklichen Namen oorflelle?*

Da» weißt du doch von früher. Ich wünsche, unerkannt zu bleiben."

Selbst unter diesen rechtschaffenen Menschen?*

Gerade unter diesen rechtfchassenen Menschen", erwiderte Krag mit drolligem Augensunkeln.Was würden sie wohl sagen, was meinst du, wenn sie auf einmal erführen, daß du einen Prioatdetektiu tn deinen Spielklub emgesühtt hättest? Sie würden mindestens denken, daß du einen merkwürdigen Ge­schmack haben mußt."

Nein," entgegnete der Konsul eifrig,sie wur­den sich sehr dafür interessieren, dich kennenzulernen, besonders wenn tch ihnen von deinem glänzenden Coup erzählen würde, der den Anfang unserer Be- kanntschast bildete."

Pst", slüftette Strag.Da kommt der Oberarzt. Er wird wieder vom Kongo ansangen. Was in aller Welt soll ich ihm vom Kongo berieten, bas er nicht schon wüßte. Er glaubt, er muß höflich sein. Hätten wir bloß ein anberes Land gewählt. Aber ..

Gerettet!" rief der Konsul und klatschte in die Hände. Fn diesem Augenblick wurde bie Tür zum Speisesaal geöffnet, unb die kleine Gesellschaft ging in lebhaftem Gespräch hinein.

Schon beim Kaviar tarn unb

bie Stimmung würbe immer herrlicher. Zum Glück sprach man jetzt nicht mehr vorn Kongo. Auf iraenb- eine rätselhafte Art war bie Unterhaltung auf bas Gesellschaftsleben ber Saison gelenkt worden. As­björn Krag hatte nur hier unb da ein Wort sollen lassen, unb boch war er es, ber bem Gespräch mit meisterlicher Kunstfertigkeit die gewünschte Richtung gegeben hatte. Er wollte ßerausbringen, wieviel ober wie wenig man von den früheren Diebstählen wußte.

Es kann wohl kein Zweifel darüber bestehen,* sagte Dr. Birtelunb,baß bei der letzten Abend­gesellschaft bei Carstens etwas sorgetommen ist, worüber man nicht gern spricht.*

.Hedenfalls war das eine ganz gekünstelte Ge­schichte, die er da zum besten gab", replizierte ber Oberarzt.Er behauptet, bas Mädchen habe mtt einem Revolver herumhantiett. Wissen Sie, was man sich erzählte?* (Fortsetzung folgt)