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Kameraden.

X"- Roman von Fehl Mo « schlin.

Copyright by Carl Sünder, Berlin W fli

10 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Gewiß", sagte Gowmonn WRrnb,ober do« Geld?"

Wir gründen ein Syndikat. Nordwesr-Del. Die- se» Syndikat führt den politischen Kamps und be- ^uhlt die Propaganda. Cs bewirbt sich gleichzeitig >nn die Generalkonzession für do« gesamte Gebiet. 2a, es führt diesen Kampf bloß unter der Vorau»- setzung. daß isnn diese Konzession zugesprochen werde, lieber die 21 rt der Sicherung müßte man noch reden. Die bereits bestehenden Gerechtsamen werden expropriiert."

Aber das Geld?"

vielleicht, daß Ämerifa in diesem falle ... nein, warum immer Amerika. Warum nicht Frankreich- Natürlich Frankreich ... Frankreich wird uns dos Geld geben!"

Frankreich?" sagte Goldmann nachdenklich.

Frankreich hat ein Interesse daran, gemeinsam mit Polen die Amerikaner zu bekämpfen. ,Das deutsche Del dem deutschen Volke mit französi­schem (Selbe ... da haben wirs!"

3a", saate Goldmann langsam,man wird sich das immerhtn ernstlich überlegen müssen. Die neuen Ertindungen auf dem. Gebiete der Äohleiwerwertung gebieten Vorsicht. Ich meine die chemische Ausschlie­ßung der Koyle zur Erzeugung von Del. Wer weiß, ob durch diese Erfindungen nicht in naher Zukunst die geichüstlichen Aussichten des Erdöls auf den Kopf gestellt werden können."

Sie haben nicht Unrecht, Goldmann. Man müßte sich also vielleicht mit Kohlenchemie beschäf- tiflcn. Und die Zukunst heißt vielleicht nicht Erdöl, fanbem Kohlenöl."

Das Kohlenol hängt mit jener allgemeinen Frage zusammen, die ich in erster Linie mit Ihnen besprechen wollte. Au» bestimmten Gründen muß ich sie aber noch einmal zurücklegen, um zuerst die Frage spezieller Natur zu erörlern. Es handelt sich um ein großes Gesck-öft. und bis übermorgen mittag müssen wir uns entscheiden."

Uebermorgen, das wäre also Sonntag?"

.Gewiß. Der TLmrt, der uns die Offerte ge- macht Hot. form nicht länger warten. Wenn sich feine Angaben bewahrheiten, so gibt es ein Riesengeschäft, ein Bombengeschäft!"

Ra, na

(Ein Massenartikel für alle. Absag Garantiert, fteine fionjunfturftorungnr. Ewiger Bedarf."

Um was handelt es fttb denn?"

Goidmann öffnete bw blaue Mappe.

10.

Al» Georg an dem Beutel herumneilelte, dachte sie unwillkürlich mit einer Jtegung des Stolzes und des Selbstgefühles: immer noch tränt er einen Bries von mir auf der Brust. Mochte sie als eine riaräugtge Person diesen Gedanken auch ebenso rasch verwerfen, als er ausgestiegen war, so mußte sie doch immerhin ein gewisses Bedauern überwin­den. als es sich nun zeigte, daß ihre Vermutung falsch war. Wenn auch dieses flüchtige Bedauern der Erschütterung gegenüver, di« si« nun ergriff, mit eine nichtige Kleinigkeit ohne 5pur versank.

Denn das schmutzige, armselige Papier, das Georg mit ehrfürchtigen Fingern aus dem verschliss«, nen Leder zog und sorgsallig au»einanberfaltete. war ein heiliges Vermächtnis. In der Art. wie er ihr den vergilbten Bogen gab, lag eine jo eindring­liche Bitte um Schonung ausgesprochen, daß sie das schon brüchig geworden« Papier fast ängstlich in die Hände nahm.

Cs ist mit Blut geschrieben" sagte er,im Schützengraben."

Sie beschaute chn forschend, als müßte sie sich noch einmal vergewissern, daß beides. Mann und Papier, Wirklichkeit sei, und entzifferte dann müh­sam: W i r wollen immer Kameraden fein... Darunter standen zwanzig ober dreißig Namen, al« erster: Georg Lutz.

Wieder schaute fie ihn forschend an.

Das ist das versprecht," sagte er. .Halten sie es, ober halten sie es nicht?" Seine Augen brannten.

(Einen Augenblick dachte sie: Ich bin in einer Irrenanstalt, vielleicht ist auch das noch Krankheit. Doch die Schrift, die in ihren Händen lag, sprach fo eindringlich, baß fie ihr glauben mußte.

,L«ben fie so?" fragte er nochmals.

War bas bamols, bevor man dich fand?" fragte fie.

3a, bevor man mich fand."

..Terr sind fie alle tot/ tagte sie tesi« und mit einer gewissen ErtriHtenmg, daß sie seine Frage nicht beantworten mußte.

Er starrte sie ar.Du hast wohl recht, ft« sind alte tot." Seine Augen wurden matt und obre Licht.

In dieser Pause, da er in sich selber zurückjank, wie ein Mensch, besten Stab zerbrochen ,ft. empfand sie den Geist, der aus diesem Papi, re sprach, und di« Wirklichkeit, die draußen ihr Seien trieb, als Zustände so großer Gegeniatzlichkeit. bah fie alle Kraft zusammen nehmen muhte, um nicht laut auf- zufchreien.

Aber wenn sie auch :ucht mehr leben", begann er von neuem,so müssen andere leben, die aus dem Schützengraben gekommen sind."

Die haben nicht unterschrieben," sagte sie mit einer Bitterkeit, die sich nicht ganz verbergen sieh.

Unterschrieben aber nicht", sagte er eifrig,auf das kommt es ja nicht an. In alten Schützengraben war der gleiche Geist: Der Geist der Kameradschaft. Und in alten sagten fie, wie in unserem: Nachher, nachher, wartet nur. bis wir nach Hause kommen, dann werden wir eine neue Welt aufbauen. (Eine Weit der Kameradschaft!"

Sie lauschte und gab sich seinen Worten hin. Träumte si«? Es war so füg zu träumen. Jahre­lang hatte man gekämpft um Kleines und Gröhes, um des Leibes Notdurft und um ein wenig Licht obendrein. Man war im Kampf gestanden, lag um Tag, im Kamps um ein Stück Brot, ein Stück Fleisch, ein halbes Pfund Fett, als feien dies heiligste Güter. Nun sah man hier auf einer Insel des Frieden». Man durfte ausruhen. die Minuten verrinnen lasten, es war erlaubt. Und ein Mann sprach von jenem Leben der Kameradschaft, von dem er so oft geschrieben hatte. Seitdem sie verheiratet war, hatte fie seine Briefe nicht mehr gelesen. Sie lagen wohlverwahrt in einer Kassette. Es wäre ihr als ein Unrecht erschienen, setzt noch diese Briefe au It^en, in denen nicht nur von Kameradschaft geschrieben stand, sondern auch von Sehnsucht noch chr, mit lener Aufrichtigkeit sehnsüchtiger Leidenschaft, die vor keinem Wort zurückscheut.

Erzähl'," tagte sie, da er schwieg. .Lch möchte gern« mehr vom Schützengraben hören."

Er schaute si« dankbar an und sagte: Ich weih nicht, wann es begann. Ich meine nicht die

Kameradschaft. die war immer da. sondern bas Snbere. Ich glaube, al, der Diepholz starb. Zuerst war der Krieg rin heftiger Krieg. Em Jahr lang. Zwei Jahre lang. Dann machte man sich *me Ge­danken. Man hatte Zeit dazu. Und da war es schließ sich nur noch ein Krieg. Man hielt dennoch aus, denn man war kein Hundsfon. aber man sprach dann und wann nicht gerade schön vorn Krieg, man muhte sich irgendwie Luft oerichafien. Und nun lag der Diep- bolz da und starb, es war nicht» zu machen. Wir hatten ibn nicht wegbringen können, unb es war« auch ui spät gewesen. Aber man war an solche Dinge gewohnt man nahm es nicht so schwer neute dtr. morgen mir, altes kam. wie es mußte. Man hatte es ihm so bequem wie möglich gemacht, jetzt ging bas Gerede weiter Der Krieg ist rin Unsinn mit ein wenig Vernunft hätte 'ich der Krieg nermeiben lasten und was derartige Sätze mehr waren. Der Krtea ist nichts anderes als eine Erftwtckclungsttuf, im Kampfe zweier rivalisierender Industrien, sagte rin er. Er hatte es irgendwo gelegen

.^rin, «s ist rin heiliger Krieg', sagte auf einmal der Diephokz. wir hätten ihm gar nicht mehr fo viel Kräfte jugetraut. Er erhob den Kops und rrnede: holte eigensinnig: ,E» muß ein heiliger Krieg sein, und schaute uns flehend an dabei Dir verstanden ihn Er wollte sagen: E» muß doch «men Sinn haben, daß ich sterbe, ich will nicht umsonst sterben. Der arme Kerl hatte recht von feinem Stand punkte aus. Dir schauten uns an. Mit einem guten Dort konnte man ihm bas Sterben leichter machen das war klar. Einer schaute den andern an. Ich sah dem Diepholz ine Gesicht. Das war voll furchtbarer Anast. Do* ist nicht nur die Angst vor dem Tode, dachte ich. Und da stand ich auf, tat di« drei Schritt, zu i£m hin, nahm seine f)anb und sagte: Ja, es ist «m heiliger Krieg!' Da lächelte er und macht, die Augen zu, und ich brauchte Irin« rianb nicht mehr lange zu halten...

Damals begann es. Für mich wenigstens. Denn als ich aufgestanden war. um dem Dtepholz zu hcl sen. da hatte ich es getan, um eine Lüge zu sagen Aber als ich neben ihm stand, da wußte ich etwas Neues: Wir werden die en Krieg zu einem heiliger Kriege machen! Vielleicht starb er getröstet weil er spürte, daß ich ihn nicht anlog. Denn das fpürt wohl ein Sterbender "

(Fortsetzung folgt.)

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