840
mit auf den Weg geben.
231
Bücherschrank wünschen.
Buches.
341
schmeckers Hand.
248
der gesehen worden.
375
ttchen Ordnung.
395
— A. S. M. H u t chi n s vn wird mit Lin recht hinter der grasten Mode Galsworthy etwas in den Hintergrund gestellt. Die Romane, die uns bislang der Drei-Masken-Verlag in München in deutscher Liebersetzung vermittelte, liehen den
- Der verlorene Kranz. Roman von Toni Rvthmund. (Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Stuttgart.) — Ein erfrischender Roman aus dem Schwarzwald. Formvollendet im Aufbau der Handlung, liebevoll bis in die letzten Feinheiten gezeichnet die Personen, die imMittel- punkt des Geschehens stehen: Die jüngste Tochter aus dem verrufenen Hellerhof an der Grenze und der prächtige Dorsschullehrer hoch droben von Hergatingen, vortrefflich geschildert die Charaktere der Personen, die in das Leben der Hellerhoftochter und des Lehrers hineinragen. Ein Heimatroman. durch dessen Seiten der wunderbare Ruch der Schwarzwaldtannen zieht, eine Crzäh- hmg, die den Leser mächtig in Bann schlägt und ihm köstliche literarische Feierstunden bereitet. Dieser feingestimmten Dichtung darf man weiteste Verbreitung und einen Ehrenplatz in jedem guten
— John Galsworthy, „Jen seit s". Aus dem Englischen übertragen von Hermynia Zur Mühlen. (Romane der Welt, Herausgeber Thomas Mann und H. G. Schesfauer, Th. Knaur Rachf. Verlag, Berlin V/ 50.) Der Roman behandelt das Schicksal einer Frau, deren Leben die Liebe ist. Mit tiefstem Sinn für echte Menschlichkeit und meisterhafte Kenntnis des menschlichen Herzens hat hier der Dichter eine der schönsten und seltensten Fraueirgestalten geschaffen. die wir in der Literatur unserer Tage kennen. Selten ist die gvvste Liebende ergreifent-
Rilkes ein, der mir am Weihnachtstage 1912 schrieb: „Hier bin ich weit im südlichen Spanien, recht aus der Welt. Aber wo eine aufhört, fängt die andere an, und von dieser hier mag man wohl sagen: Was für eine! Es ist unbeschreiblich, wie dieses ganze Spanien noch immer in einem einzigen unbeschäftigten Heroismus zum Himmel steht/
Auch der Italien-Band, dessen Einleitung Wilh. v. Bode schrieb, zeigt Bilder, die man dort ja gar nicht oder nur viel zu flüchtig sah. Skandinavien fand ich weniger gut — man sollte Dünen oder Felder nur dann wiedergeben, wenn sie wirklich kennzeichnend für das Land sind und nicht I nur ausgezeichnete Bilder. Zu dem Deutschland- Bande hat Gerhart Hauptmann die Einführung | gegeben, und ich denke, er war nicht in seiner glücklichsten Stunde dabei. Hm so köstlicher find die Bilder, von denen man wohl mehrere Bände gewünscht hätte. Wahre Wunderwerke photographischer Kunst gleiten an uns vorüber, über dem Dome von Limburg dräut ein schwerer Wolkenhimmel, Rügens Kreidefelsen glänzen fast metallisch in der Sonnenglut, majestätisch spiegelt fich Bautzen in den Fluten, und das Eseltreiberstübchen der Wartburg lästt das Auge geradezu wohnen in seiner köstlichen Idylle.
Man kann wirklich nichts Schöneres schenken als diese Bücher, welche die Wiedergabe der Welt in Bildern für unsere Zeit wahrhaft vorbildlich geben. Einige Wünsche für die Reuauflage sollen nicht verschwiegen werden. Ich hätte gern die Unterschriften gesprächiger als sie find. Bei geschichtlichen Bauwerken genügt dem Gebildeten die Bezeichnung „mittelalterlich" nicht, das Jahr der Erbauung, vielleicht auch Bauherr und Baumeister, sind dringend nötig. Lind wir würden dankbar sein, wenn uns etwa eine Zeile unter einer Kirche sagte: früher Festung. Die Einheitlichkeit ist nicht immer gewahrt und oft liehe sich auch ein Ortsname verdeutschen. Fyen z. B. ist doch Fünen, das Kloster Huste heiht deutsch: St. Justi. „Das Bischofsgrab" wäre gleich wesentlicher, wenn wir den Ramen des Bischofs und sein Todesjahr erführen, und ob die Riesenstube nicht ein Grabmal war, weih doch der Herausgeber sicher, viele von uns aber nicht. — Liehen sich nicht, um das Herumwälzen der großen Bände zu vermeiden, die Hoch- und Querformate zusammenstellen?
Ich mag nicht tadeln, wo so viel zu loben ist wie hier! Geht hin und kauft euch eins von den Büchern, dann seid ihr sicher gefangen wie ich und bestellt die andern! Gerade heute, wo der Gebildete kaum noch grohe Reisen unternehmen kann, sind solche Bücher ein wahres Labsal. Sie sind wie ein Blick aus dem Fenster der Welt, ein Blick in Vergangenheit und Gegenwart hinein, ein Blick in fremden Sonnenschein und fremdes Untoetter. Zieht man dann den Kopf wieder in die Alltagsstube der Heimat zurück, so ist er voll lieber Erinnerungen und voll eines feinen Trostes: Gott sei Dank, dah er so vieles Herrliche schuf! Lind so arg die Zeiten auch sein mögen: Es stehen Mauern, die noch Aergeres sahen und doch blieben, was sie waren!
Es ist erstaunlich, wie die deutschen Verleger trotz der entsetzlichen Riederlage aller kulturellen Belange und insbesondere des Buchhandels immer noch zu gröberen, gediegeneren, umfassenderen Ausgaben schreiten. Eugen Diederichs' gigantischer Plan, das gesamte Wißen um die deutsche Volkheit in Hunderten von Bänden herauszugeben, steht an der Spitze dieser Pläne, und man mochte schwindeln vor dieser Fahrt in ein stürmezerwühltes Meer, wenn nicht die Persönlichkeit der Reeder Gewähr für Gelingen gäbe. Aber auch teuere Dilderwerke werden mehr als früher auf den Markt gebracht — erst kürzlich konnte ich die schonen Tiefdruckwiedergaben Dores besprechen, die Joseph Müller in München herausbringt. Zu ihnen tritt nun ein neuer groher Plan, der von Ernst Wasmuth in Berlin geplante „Orbis Terrarum*, d. h. eine Reihe von Dutzenden prächtiger Foliobände, die in meisterhaften Kupfertiefdrücken Photos aller Länder zeigen. Die Bände Spanien, Griechenland, China, Deutschland, Skandinavien, Rord- afrita, Italien, Mexiko, Kanada, Palästina, Jugoslavien, England u. a. sind erschienen, eine Menge weiterer in Vorbereitung. Gegen bequeme Teilzahlung von monatlich 6 Mark sind die jährlichen drei Bände, die fertig je 24 Mark kosten, zu beziehen.
Ratürlich ist das mehr Geld, als seinerzeit Meyers Liniversum und die Stahlstichwerke des „Malerischen und Romantischen Deutschlands' kosteten. Aber wie unvergleichlich ist auch der Fortschritt gegen die oft so leblos-dürren Wiedergaben von damals!
Die Einleitung ist meist von einem seinen Kenner des Landes geschrieben und führt mehr in die Dilder als in die Erdkunde ein. Dann folgen Seite für Seite die köstlichsten Photos in Tiefdrücken. Eine mühelose Reise durch die Welt geben diese Bände, und doch auch wieder mehr als eine Reise. Hier sind Zoll- und Reisenöte überwunden, hier kostet kein Führer Trinkgelder, hier betrügt kein Wirt den Gast, hier gibt es schlecht Wetter nur bann, wenn Rebel oder Regen gerade dieser Landschaft ihr künstlerisch wertvollstes Gewand schaffen.
Dabei ist der Wert durchaus in das Malerische gelegt und somit die Gefahr kunstgeschichtlicher Langeweile glücklich vermieden. Man erlebt von jeder Gegend das, was einem innerlich von dort bleiben würde, den einen Sekundeneindruck, der schließlich die Quinteffenz einer Landschaft, eines Palastes, eines Domes usw. darstellt. Lind wie gut Verlag und Herausgeber das Wertvollste getroffen haben, das bezeugen am besten die erstaunlichen Auflagenziffern dieser doch schließlich teueren Werke. Zehntes, dreißigstes, fünfundneunzigstes Tausend, das sind doch Zahlen, deren Beweiskraft durchschlägt!
Da rauchen die Schlote der Horkfhirer Kohlen- werke, da dämmert London im Rebel auf, da prangen englische Herrensitze in unnachahmlicher Vornehmheit. Spanien in der Meisterkamera Hielschers wird zu einem nie geahnten Erlebnis — mir fiel dabei eine Driefstelle Rainer Maria
Aus fremden Literaturen
— R. L.Stevens on: Der schwarze Pfeil. (Verlag I. C. C. Bruns in Minden, Wests.) Stevensons Abenteurerromane genießt der reife, verwöhnte Leser mit der gleichen Lust wie die Jugend. Seine Gestalten sind aus einem Guß. kein übermenschliches unwahres Heldentum, keine kitschigen Liebertreibungen sondern einfach und schlicht, gesund und ea>t Menschen und Taten hineingestellt in eine plastische Landschastsschilderung von großem Reiz. Meist hört die Kenntnis Stevensons mit seiner „Schahinsel" auf, um so verdienstvoller das Bestreben des Verlags, dem deutschen Publikum auch andere Werke des zweifellos bedeutenden Briten in guten Lieberfehungen zugänglich zu machen. 374
— Der Leipziger Verlag Paul List hat Hans Reisiger mit der Herausgabe der A u s g e w ä h l- icn Werke Rudyards Kipling beauftragt. In geschmackvoll ausgestatteten Bändchen erscheint nun in schneller Folge eine Perle nach der andern aus dem umfangreichen Schrifttum des britischen Dichters. Der neueste Band vereinigt unter dem Titel „D i e schönste Geschichte d e r W e l t" acht Rovellen, die jede in ihrer Art allesamt den anspruchsvollen Sammeltitel für sich beanspruchen könnte. Von köstlichem Humor ist die entzückende Picknickiade „Das Dors, das beschloß, die Erde sei flach". Mein um dieses unbeschreiblich treffsicheren Genregemäldes aus dem Mery old England wünschen wir dem neuen Kipling-Band in eines jeden literarischen Fein»
Durchschnitt der deutschen Romanliteratur weit hinter sich. Wir glauben allerdings, dah der Dichter die seelische Feinheit des Charakter- schilderers und bie Deutung des Kriegserlebnisses in seinem Erstling (für das deutsche Publikum wenigsteirs) „Wenn der Winter kommt" später nicht wieder erreicht hat. Der eben erschienene Roman „Der junge Lord" gemahnt an Dleckens, in seiner Zartheit der' P roblembehandlung. Eine tiefe Liebe zum Menschen geht durch dieses ergreifende Buch, das uns die Tragödie eines Knaben erzählt, eine Tragödie, die für ihn selbst eigentlich ein Glücksrausch war, ohne Leiden, ohne Enttäuschungen, wenn er, der junge Lord auch nie am die Stelle rückte, die ihm zukam. Bei all dem spezifisch britischen, was dieses Buch als Grund- element enthält, ist es doch im besten Sinne übernational, es geht den Menschen in uns an, weil es von einem Menschen handelt. 339
— Dernard Shaw: Cashel Byrons Beruf. (Romane der Welt, Verlag von Th. Knaus Rachs., Berlin W 50.) Gerade heute, wo Shaw Weltruhm erlangt hat, wirkt di es er Boxer - roman, ein Fachwerk des irischen Dichters, besonders aktuell. Scharf gezeichnete Charattere, eine spannend und amüsant entwickelte Handlung sind schon die Vorzüge dieses frühen Romans. 358
— In der neuen großen Ausgabe, die der rührige Avalun-Verlag in Dresden von den Hauptwerken Eugen Sues veranstaltet, ist nun auch „Ser ewige 2 ud e" erschienen. Bernhard Jolles hat dem berühmten Roman ein Vorwort vorangestellt, in dem die interessante Geschichte dieses vielleicht bedeutendsten Buches des Vielschreibers Sue bargestellt wird. Zu der schönen und mit den zeitgenössischen Bildern von Gavarin illustrierten Ausgabe wird man gerne greifen. (Preis in Ganzleinen 13 Mk.) 302
— Die Grenzlegion. Roman von Zane Grey. (Verlag Th. Knaur Rachf., Berlin.) — Zane Grey, in seiner amerikanischen Heimat als Meister einer besonderen Romanart geschätzt und beliebt, versteht es ausgezeichnet, die LIm- i weit feiner von packenden Geschehnissen fiebern» denGeschichten in prächtiger, farbfreudiger Malerei zu schildern. Das moderne Wildwest, die Ro° inantik der Goldsucher, tolles Reiterleben wird in diesem Roman von der Grenze in wundervoll lebendigen Bildern gezeichnet. Besonders reich und anmutig sind aber auch die herrlichen ßanb» schafts- und Raturschilderungen, so daß in dieser lebensprühenden Erzählung sich Stoff und Darstellung zu schönster Einheit verbinden. 262 — Der Texasreiter. Roman von Zane Grey. (Th. Knaur Rachf. Verlag. Berlin W. Preis in Ganzleinen 2,85 Mk.) — In knappen, kräftigen Strichen umreibt Zane Grey Menschen und Landschaft. Die ersten Pioniere, die Texas erschließen, legen den Grundstein zur Entwicklung eines bedeutenden Landes. Unter Mühen und Gefahren setzen sich Fortschritt und Zivilisation durch, und so erleben wir den Aufstieg dieses Landes von der Lynchjustiz zur bürger»
Reisen und Abenteuer.
— In Südamerika. Von Alexander Bon Humboldt. (Verlag F. A. Drockhaus, Leipzig, Sammlung „Reisen und Abenteuer", Band 37.) — Es ist keine der vielen „historisch interessanten Ausgrabungen", die eine altertümelnbe Zeit liebt, wenn der Verlag Brockhaus jetzt eine für die große Allgemeinheit bestimmte gekürzte Ausgabe von Humboldts berühmter „Reise in die Aeguinok- tialgegenben des Reuen Kontinents" in der geschickten Bearbeitung von Paul Alfred Merbach unter dem Titel „In Südamerika" herausgibt. Im Gegenteil, es ist heute von aktuellem Interesse zu erfahren, wie es noch vor hundert Jahren in den jetzt so stark aufstrebenden südamerikanischen Staaten aussah. Die vorzüglich illustrierte wohlfeile Ausgabe (Halbleinen 2.80 Mark, Ganzleinen 3.50 Mark) zeigt uns Alexander von Humboldt mit feinem Freunde Aime Bonpland auf den Wogen des Atlantischen Ozeans, in Guahra und Caracas und auf der beschwerlichen Fahrt auf dem damals fast sagenhaften Orinoko. Durch Humboldt wurde das Reisen eine Angelegenheit der Wissenschaft und der kultivierten Menschheit zugleich. Auf den Reiseschllderungen seiner Vorgänger lastet tödliche Langweile. Wohl stellt auch Humboldt scharfsinnige Beobachtungen über die geistigen und geselligen Verhältnisse der Rassen an, wohl erregen die geographischen Verhältnisse, Wasser unb Land, Raturphänomene, Flora und Fauna sein Interesse, aber wie Hermann Hauff noch heute gültig sagt, „in ihm paart sich mit der Schärfe und Llnbestechlichkeit der Llrteilskraft eine bedeutende künstlerische Begabung. Durch dieselbe Kunst der Darstellung, wodurch er uns mit dem Antlitz und der Gebärde der tropischen Ratur so verttaut macht, werden auch feine wissenschaftlichen Erörterungen so klar und anschaulich, dah sie selbst wie organische Raturbildungen erscheinen, was sie ja auch im Grunde sind. Zu allen Vorzügen des Buches lammt für den ernsten Leser noch der unschätzbare Vorteil, daß er auf jedem Schritt den Gedanken und Taren des Mannes folgt, der vielleicht mehr als irgenbeiner bie Ratur gelichtet hat. Das Puch ist reich an allem, was bie Einbildungskraft fesseln und ergötzen kann, an vortrefflichen Schilderungen tropischer Landschaften wie einzelner Gewächse dieser wun- bervollen Länder und an den belebtesten Abenteuern unb Auftritten aus dem Tierleben." 218
— öterbenbe Welt. Don AndreasRei- sche k. (Reisen unb Abenteuer Db. 38, F. A. Brockhaus, Leipzig. Halbleinen 2,80 Mk., Ganzleinen 3,50 Mk.° — Am 3. April b. I. jährte sich zum 25. Male der Todestag Reischeks, der vom Bäckerlehrling in Oesterreich zum berühmten Gelehrten aufstieg. Im Hinblick auf diesen Sag hat der Verlag Brockhaus in seiner rühmlichst bekannten Sammlung „Reisen unb Abenteuer" als Banb 38 eine billige Ausgabe des Reisewerkes des kühnen Forschers erscheinen lassen, zu welcher bei Sohn des im Leben nicht zu der oerbienten Anerkennung gekommenen Mannes die Forschungsergebnisse des Vaters zur Verfügung geftelli Hal. Das Buch führt ben Leser in die Wunderwelt von Reuseeland, lieber Land unb Leute wird ba in ungemein fesseln-
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— ch ber Koni g". Der Untergang Ludwigs des Zweiten, von Fritz Linde. (Georg Kummers Verlag in Leipzig). — Die Persönlichkeit des unglücklichen Bayernfürsten beschäftigt heute noch aud) jenseits ber blau-weißen Grenzpfähle nicht nur sensationslüsterne ober romantisch schwärmende Frauen, sondern auch ernsthafte Gelehrte und Forscher. Wenn man heute in die oberbayrischen Gebirgstäler kommt, auf die Almen des Allgäus oder ins Graswangtal, nach Oberammergau und Ettal, so farm man heute noch sehen, wie König Ludwig in den Gedanken dieser einfachen Bauern und Hirten lebendig ist. Gerade in der großen Masse seines Bayernvolkes hier im Gebirge hatte dieser psychisch reizbare, kompliziette und überspannte Fürst seine treuesten Freunde. Sie hielten zu ihm, als die Münchener Regierung den kranken König für unheilbar erklären ließ und, als an ber Ausübung der Regie-, rung verhindert, im Schloß internierte. Sie wollten nicht von ihm lassen, als er in den Fluten des Starnberger Sees feinem Leben ein Ende gemacht hatte, sie glguben heute noch an ihn. Und das Geranne um die Tragödie feines Lebens ist niemals verstummt. So würde ein Buch wie bi es vorliegende aus der Feder Fritz Lindes von vornherein auf großes Interesse rechnen dürfen, auch wenn es wem ger feuilletonistisch pikant und sensationell ab gefaxt wäre. Das Buch liest sich wie ein Roman und es ist gut, daß der Verfasser (hm ausführliche Quellen- belege beigefügt hat. um ihm eine ernsthafte Beurteilung zu ermöglichen. Auch jetzt noch roirt vieles zweifelhaft, vieles ungeflärt bleiben. Aber über manche Einzelheiten bringt das Buch Neues. 132
Für den Büchertisch
Der Orbis Terrarum.
Don Börries Freiherrn v. Münchhausen.
der Weise berichtet. Man sagt nicht zu diel, wenn man behauptet, daß dieser Reisebericht einen sehr wertvollen Beitrag zur allgemeinen Völkerkunde darstellt, dessen Anschaffung allen Interessenten dieser Literatur warm zu empfehlen ist. 179
— „Om u“. Erlebnisse in der Südsee von Hermann Melville. (Th. Knaur Rachf. Verlag, Berlin W 50. Preis in Ganzleinen 2,85 Mk.) — Fesselnd in bunter Folge und meisterhaft wiedergegeben, entrollen sich die vielfältigen Abenteuer, die der Autor zuerst auf einem Walfischfahrer und später auf den entlegenen Inseln Polynesiens, vor allem auf den Gesellschaftsinseln, erlebt. Tahiti, die Jrrsel ber Verheißung für so viele Südseefahrer, ersteht vor dem geistigen Auge des Lesers in Frische und Lirsprünglichkeit, mit ihr die ganze zauberhafte Exotik dieser Wunderwelt, von der bis jetzt kein anderer so sprühend und so lebendig zu erzählen weih wie Melville, der Abenteurer und Schilderer der Südsee. 405
Aus der Geschichte.
— Professor Dr. E. R c n a r b: Clemens August, Kurfürst von Köln, ein rheinischer Mäzen unb Weibmann des 18. Jahrhunderts (Mo nographien zur Weltgeschichte, Verlag von Velhagen unb Klasing, Bielefeld). An Hand eines selten schönen und sorgfältig zusammengetragenen Abbildungsmaterials gibt hier der verdienstvolle Erforscher rheinischer Geschichte erstmals eine für die breite Oeffent- lichkeit bestimmte Biographie des letzten Kurfürsten I von Köln. Das Kurfürstentum Köln zusammen mit den westfälischen Bistümern Münster, Paderborn, Hildesheim und Osnabrück war fast schon zwei Jahrhunderte lang eine Secundogenitur des Hauses Wittelsbach gewesen, als im Jahre 1700 Clemens August, das viette Kind des aus dem spanischen Erbfolgekrieg als Feldherr bekannt gewordenen Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, seinem Onkel Joseph Clemens in der Kölner Kurwürde nachfolgte. Das Konglomerat geistlicher Herrschaften im Nord- westen des Reiches ist seit den Tagen der Religions- kriege unter dem Zepter der Wittelsbacher stets ein starkes Bollwerk ber Gegenreformation gewesen. Clemens August, ben man gemeinhin nur als Kunst- mäzen unb Freund des Weidwerks kennt, war zwar politisch gänzlich uninteressiert, aber in kirchlichen Dingen ein frommer und verantwortungsbewußter Bischof. Die persönliche Liebenswürdigkeit seines Wesens, seine Herzensgüte und bie stets offene Hand, die er für seine Untertanen hatte, haben dem letzten Wittelsbacher weit über die Bedeutung seiner Person hinaus bis in die heutige Zeit hin Verehrung unb Liebe der Rheinländer erhalten. Obwohl das Rheinland kaum je eine politisch verhängnisvollere Zeit durchgemacht hat, als unter seiner Regierung, so I hat sich Clemens August doch durch die prächtigen
Bauten, die unter seiner Förderung im Rheinland entstanden sind, in der rheinischen Kunstgeschichte mit ewigen Lettern eingegraben. Schlosser und Kirchen, große Parkanlagen, Gemälde und Plastiken zeugen von dem lebhaften Interesse, bas der Kurfürst den schonen Kirchen entgegenbrachte. Sein Mäzenatentum, brachte Geld unter die Leute, es ließ vieles vergessen, was das rheinische Volk unter seiner Re gierung an politischen Wirren über sich hat ergehen lassen müffen. Der bei aller Charakterschwäche doch I im Grunde liebenswette Fürst hat in Professor Re- nard einen Biographen gesunden, ber uns ein er- I schöpfendes farbiges Bild von der Persönlichkeit oiefes letzten Wittelsbachers auf dem Ktirthron von Köln und seiner Zeit gibt (278)
— Karl Ludwig von Pöllnih: Das galante Sachsen (in neuer Liebertragung von O. Brandt, mit 24 Bilderbeigaben, erschienen im Avalunverlag, Hellerau bei Dresden, Leinen- banb Preis 9.50 Mk.) — „Das galante Sachsen" ist das Buch eines Höflings, der mit der Heber* legenheit des Grandseigneurs das Allzumensch- liche Augusts des Starken zeichnet. Ohne moralische Aufwallung, still, sachlich, gegenständlich und gerade dadurch ungemein fesselnd. Jm- I mer bleibt Pöllnih der amüsante Erzähler, der es versteht, alles zu zeigen, ohne zu verletzen. Selbst" das Gewagteste hat in seiner Darstellung den Zauber der Anmut. Die amourösen Abenteuer Augusts des Starken schildert er mit plastischer Eindringlichkeit. Lind obwohl es gar nicht in I seiner Absicht liegt, geschichtliche Darstellung zu geben, sondern nur behaglich zu erzählen, was ihm gefällt, um zu unterhalten — entsteht zwischen den Zeilen ein nicht minder interessantes anderes historisches Gemälde dieser Zeit. „Das galante Sachsen", das vor beinahe 200 Jahren zum ersten Male erschien, erregte damals, wie auch späterhin, größtes Aufsehen. Immer wieder griff die Welt zu biefem Buche, in dem barockes Leben in liebender Leidenschaftlichkeit sich ausprägt. Leben bedeutete Karl Ludwig von Pöllnih vor allem Genießen, war ihm buntes, flimmerndes Spiel, und in August dem Starken lebte er sich. Das schuf die europäische Wirksamkeit seines
Deutsche Romane und Novellen.
— Rovellenbücher von Simm Kröger. (Verlag Georg Wester mann, Braunschweig: 'Band „Ein schlechter Mensch" usw. 3,50 Mk.: Band „Wie mein Ohm Minister wurde" usw. 3 Mk.) — Es ist eine reine Freude, diese fein geschliffenen, gemütstiefen Erzählungen zu lesen. Kröger versteht es meisterlich, die Personen seiner Rovellen plastisch und lebendig vor dem geistigen Auge des Lesers erstehen zu lassen, vis in die Tiefen der menschlichen Seele zu leuchten und das Milieu, aus dem die Handlung hervorgeht, überzeugend zu gehalten. Sie Büchlein, die eine Zierde des guten Bücherschranks sind, verdienen eine grohe Lesergemeinde.
— Hampit der Jäger. Ern frohlrcher Roman von Jakob Kneip. (Horen-Verlag, Berlin-Grunewald. Brosch. 5 Mk., Ganzln. 7.50 Mark.) — Kneip schenkt den Bücherfreunden mit diesem fröhlichen Roman einen Band köstlicher Geschichten vom Hunsrück. Herzerquickende Schalkhaftigkeit durchzieht die Erzählung, die tief und liebevoll hineinführt in das Leben der Hunsruck- bauern. Der kernhafte, knorrige und doch allezeit zu losen Stteichen aufgelegte Jäger Hampit ist wunderbar gezeichnet, naturgetreu treten auch die übrigen Personen der Handlung hervor. Tiefe Heimatliebe überstrahlt die ganze Dichtung wie goldiger Sonnenschein. Möge dieser fröhliche Roman verdientermaßen recht viele Freunde finden. 293
Der Gast auf Juchhee. Roman von Viktor von Kvhlenegg. (I. G. Cottasche Buchhandlung, Stuttgart. Preis Ganzl. 6,50 Mk.) — Eine fesselnde Erzählung, die den Leser bis zum Schluß in Dann hält. Die Personen der von feinem Humor durchwehten Handlung sind gut gezeichnet, der Stoss packend gestaltet. Der Leser hat an dem geschmackvoll ausgestatteten Buche, dem man eine große Lesergemeinde wünschen kann, seine Freude. 838
— Der Ruck im Fahrstuhl. Roman von Paul Fechter. (Deutsche Verlagsanstalt, (Stuttgart.) — Der Verlag gibt hier den Bücherfreunden das Werk eines Autors in die Hand, der seine Leser vortrefflich zu unterhalten versteht. In fein geschliffener Handlung erzählt er aus dem Leben einer vermögenden Familie des Berliner Westens in der Zeit der Inflation und der Rentenmark-Einführung, und wenn dabei auch gegen Ende des wohlgeratenen Romans die Tragik !der furchtbaren Entwertung der Vermögen hineinspielt, »so läßt Fechter dem ganzen Spiel, das von hübschem Humor durchweht ist, doch» einen wohlgefälligen Abschluß zuteil werden. Diesem Buch darf man viele Freunde wünschen. 845
- Finsternis. Roman von O. M. Graf. (Drei-Masken-Derlag, München.) — Die Erzählung hält den Leser bis zum Schluß in lebhafter Spannung. An der geschickt gestalteten Handlung, den lebenswahr gezeichneten Personen und der fesselnden Schreibweise des Autors hat man seine Freude. Dem Buche kann man eine Empfehlung


