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weit die Wertschätzung des Verstorbenen ging, er­hellt sich aus der Tatsache, daß er nach der Pensio­nierung des damaligen Rektors Wey 1 zunächst zum stellvertretenden und dann vom Lehrerkollegium, Schulvorstand und Gemeinderat einmütig zum defi­nitiven Rektor gewählt wurde. Die Erreichung der Altersdienstgrenze setzte seinem arbeitsreichen Wir­ken ein Ende, das nunmehr in bester Erinnerung fortleben wird. Am Grabe legte zunächst Pfarrer Sattler im Namen des Kirchenvorstandes einen Kranz nieder. Lehrer Keil sprach im Auftrag des Schulvorstandes ehrende Worte, während Lehrer Schneider im Namen des Lehrerkollegiums Wie- seck von dem heiingegangenen Kollegen Abschied nahm. An Stelle der verhinderten beiden Vorsitzen­den sprach Lehrer W e st p h a l - Gießen für den Kreislehrerverein herzliche Worte des Dankes und Abschieds. Die Feier des Verfassungs­tages wird auch in diesem Jahre von unserer Ge­meinde am morgigen Donnerstag festlich begangen werden. Das mit der Durchführung beauftragte Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hat, wie im Vor­jahre, einen einfachen aber würdigen Rahmen ge­schaffen. Eingeleitet wird die Feier am Abend mit einem Fackelzug, der an der Gastwirtschaft Göbel aufgestellt wird. Daselbst findet dann später die eigentliche Feier statt. Lehrer P e t r i ° Wieseck halt die Festrede, die Kapelle Mank konzertiert, und Gesangsvorträge werden die einfache Veranstaltung umrahmen.

Mainzlar, 9. Aug. Früher als ge­wöhnlich beginnt in diesem Jahre die Dresch­maschine bei uns ihre Tätigkeit. D e Einfuhr des Korns vom Felde war sehr vom Wetter be­günstigt, so daß man nur noch ganz vereinzelte Kornhaufen auf dem Felde stehen sieht. Mit der Haferernte hat man jetzt ebenfalls begonnen. Stroh, wie Körner liefern eine ausgezeichnete Ernte. Ebenfalls sehr gut steht der Weizen, mit dessen Schnitt Ende dieser Woche begonnen werden kann. Auch zeigen die O b st b ä u m e, besonders die Aepfelbäume, einen überaus reichen Behang.

' Lich, 9. Aug. Der Geflügelzucht­verein Lich und Umgegend machte am vergangenen Sonntag unter Führung seines Vor­sitzenden Bürgermeister Völker einen Ausflug nach Echzell und Reichelsheim l. d. W. Groß- kausmann K. Köhler und Fabrikant Ludwig Heller hatten in entgegenkommender Weise ihre großen Kraftwagen zur Verfügung gestellt. Der Vorstand des Vereins Echzell stand beim Eintreffen der Gäste schon bereit, sie zu emp­fangen und ihnen einen Einblick in die Arbeit der durch ihre glänzenden Erfolge bekannten Echzeller Züchter zu geben. Das gezeigte Jung­geflügel der verschiedensten Rassen fand unge­teilten Beifall. Diel zu rasch war die für den Echzeller Aufenthalt vorgesehene Zeit verstrichen, und nun gings unter Mitnahme von Echzeller Freunden nach Reichelsheim. Auch hier erfolgten verschiedene Besichtigungen, wobei die Rhode- länderzucht des Otto Muhl und die Laufenten- und Taubenzucht des Karl Veith als ganz hervorragende Leistungen besonders bewundert werden konnten, ilm 4 Uhr nachmittags ver­sammelten sich die Teilnehmer in dem Gasthaus Zur Poft". Auch eine Anzahl Züchter aus der Umgegend hatten sich eingefunden. Der in Rei­chelsheim wohnende Vorsitzende des Landes- Verbandes der Hess. Geflügelzüchter, Beigeord­neter Karl Veith, begrüßte die Gäste, unter denen sich auch der Ehrenvorsitzende des Brünrrer- Klubs Heinrich Andreas aus Frankfurt a. M. befand. Dr. Wetzel vom Universitäts-Tierzuchck- Jnstitut Gießen hielt einen Vortrag überdie Bedeutung der Geflügelzucht und ihwer Erzeug­nisse im deutschen Wirtschaftsleben". Er betonte, daß der deutsche Geflügelzüchter alles tun müsse, damit das deutsche Volk seinen Bedarf an Ge­flügelzucht-Erzeugnissen künftig im Inland decken könne und nicht, wie es zur Zeit der Fall ist. genötigt sei, jährlich für 450 Millionen Mark Eier und andere Erzeugnisse der Geflügel­zucht aus dem Ausland anzukaufen. Deutsch­land erhalle diese Einfuhr in der Hauptsache aus Holland, Dänemark und Belgien. Auch die Frage der richtigen Ernährung des Geflügels wurde eingehend behandelt. Mit dem Hinweis, daß man die Bedeutung der Geflügelzucht für unser Wirtschaftsleben bisher nicht in der richti­gen Weise gewürdigt habe, wurde der Wunsch verbunden, daß im Schulunterricht, besonders in den Landwirtschaftsschulen und ländlichen Fortbildungsschulen, man sich künftig viel mehr mit der Lehre der Geflügelzucht befassen müsse:

Geld und Erfahrung

Novelle von Max Eyth.

12 Fortsetzung Nachdruck verboten

Ich lasse niemand gerne umsonst für mich ar­beiten: das bezahlt sich nicht", versetzte ich.Und ich bin nicht in der Lage, Ihnen soviel zu geben, als Sie, wie mir scheint, beanspruchen können. Die zwei Monteure der Ankerwerke, die Sie hier sehen, werde ich zurücksenden, sobald die Maschinen zu- sammcngestellt sind. Dann will und werde ich mit den Schwarzen auskommen. Ich kann Ihnen deshalb nicht mehr zahlen, als ich einem dieser Leute gebe: zwei Dollar den Tag."

Ganz vernünftig!" sagte der Amerikaner trocken. Ich heiße Stone. Morgen früh werde ich hier sein."

Der Mann in seiner ruhigen, geraden Weise ge­fiel mir wohl. Es gibt doch auch in diesem kuriosen Lande vernünftige Menschen, überlegte ich. Wenn sie Dampspflügen lernen wollen, um so besser; Hun­derte müssen es lernen, ehe ich hier fertig sein kann. Geheimnisse gibt es bei der Dampfpflügerei kaum. Die es gibt, lernt man nur in ein paar Jahren harter Arbeit, zu der mir jeder Pankee willkommen sein soll. Der Horizont fing an, sich ein wenig aufzuhellen und der Mut mir fühlbar zu wachsen, als ich in der Abenddämmerung einen letzten Blick über die Levees warf und den Schornstein der ersten meiner Maschinen über die BaumwoUballengebirge hervorragen sah. Ich hatte ihn bloß zu diesem Zweck im letzten Augenblick noch aufstellen lassen. Es war unsere Standarte, die ich auf dem Boden von Loui siana aufgepflanzl sah, und die Hoffnungen, die ein solches Zeichen weckt, erfrischen, auch wenn sie nie­mals in Erfüllung gehen

Die nächsten fünf Tage verliefen in gewohnter Arbeit, wenn auch in etwas ungewohntem Gleise. Stone war eine große Errungenschaft und arbeitete fleißig mit Kopf und Händen. Bei den Regern war die Neugierde und der Eifer des ersten Tages aller­dings rasch verdampft, aber die gutmütige und gut­willige Kraft des Herrn Bueephalus und die nase­weise Intelligenz des kleinen Jem, der als der Schlaueste der Bande die anderen mit komischer Ueberhebung kommandierte, förderten die Zusam­menstellung der Maschinen so, daß die Arbeit hinter

die Jugend müsse über die für die Volkswirtschaft so wichtige Geflügelzucht aufgeklärt werden, die Bildung von Jugendgruppen in den Vereinen sei eine Rotwendigkeit. Zu dem Vortrag, der mit großem Beifall ausgenommen wurde, sprach noch Lehrer S ch i e f e r st e i n vom Verein Lich und schloß sich, was die Frage der Juaendpropa- ganda und den Schulunterricht anlangt, den Ausführungen des Vorredners an. Bürgermeister Völker dankte für den freundlichen Empfang und die Unterstützung, die den Gästen von ollen Seiten geworden sei. Besonders dankte er dem Redner Dr. Wetzel für seinen sehr lehrreichen und fesselnden Vortrag. Der Landesverbands- Vorsitzende konnte noch mitteilen, daß der Ver­band der hessischen Geflügelzüchter bei der Re­gierung beantragt habe, Leistungszuchtstämme im Staatsbetrieb (Üniversitäts - Tierzucht - Institut) aufzustellen, von denen die Landwirte (Ge­flügelhalter) Bruteier und Jungtiere zur Lei- stungszucht bekommen könnten. - Es war ein schöner, interessanter und lehrreicher Tag für unseren Geflügelzuchtverein, und die Teilnehmer zogen in den Abendstunden sehr befriedigt heimwärts.

Kreis Büdingen.

? Ridda, 9. Aug. Wohl die älteste Frau einer weiten Umgebung, die Witwe Ka­tharina Kuhl aus Kohden, feierte dieser Tage ihren 95. Geburtstag.

Kreis Schotten.

Schotten, 9. Aug. Unter den hiesigen Schulkindern treten eben stark die Masern auf. -- In einer gestern hier stattgehabten Be­zirkslehrerkonferenz referierte Rektor Kröll über das Thema:Reuzeitlicher An­schauungsunterricht". Eine vorausgehende Lehr­probe befaßte sich mit dem gleichen Lehrgegen-- stand.

s^s L a u b a ch, 9. Aug. Dieser Tage hielten die Bewohner unserer Stadt, die im 5 0. Le­bensjahr stehen, eine gesellige Zusam­menkunft ab. Es waren 19 Teilnehmer, II Männer, 8 Frauen, ilm 10 Ahr fand gemein­samer Kirchgang statt. Pfarrer Laut-Ridda, ein geborener Laubacher, ebenfalls im 50. Le­bensjahre stehend, predigte in ansprechender, ein­drucksvoller Rede über die Bedeutung der Freundschaft. Am Rachmittag war gemeinsamer Gang durch den Schloßgarten zum Ramsberg. Am Abend fand eine gesellige Vereinigung mit Musikvorträgen, Liedern, Reden, Tanz und son­stiger Unterhaltung statt. Die Heuernte ist bis auf einige entlegene Wiesen völlig ge­borgen und sehr gut nach Menge und Be­schaffenheit ausgefallen. Die Getreideernte ist in vollem Gang. Korn und Gerste stehen gut im Halm und versprechen auch reichlichen Körner­ertrag. Auch die Hackfrüchte stehen gut. Die Dickwurzäcker sind infolge des lange an­dauernden Regenwetters voller Unkraut. Die diesjährige Hasenjagd hat gute Aussichten. Ueberall sieht man jetztOnkel Mümmelmann" auf den kahlen Wiesen seinen Kegel machen. Die R e h j a g d ist auch gut, wird jedoch zur Zeit geschont, da der Bestand in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Hühner gibt es in diesem Jahr nur in geringer Menge.

=. = Gedern, 9. Aug. Der am Schmitter- berg gelegene Vullriedesche Steinbruch, der seither brach tag, ging durch Kauf in den Besitz einer auswärtigen Firma über, die dem­nächst die weitere Ausbeutung des Bruches in die Wege leiten wird. Es ist dies um so mehr zu begrüßen, als dadurch neue Verdienstmöglich­keiten geschaffen werden. Die Vorarbeiten zu unserer Kriegergedenkstätte sind in den letzten Wochen derart gefördert worden, daß man noch in dieser Woche an die Aufstellung des Tempels denken kann. Man hofft, daß es mög­lich sein wird, die Einweihung des Denkmals im Laufe des Monats September vorzunchmen

X Ulrichstein, 9. Aug. Am vergangenen Sonntag wurde hier in der schön geschmückten, zahlreich besuchten Kirche der neuernannte Pfarrer unserer Gemeinde, Otto Trapp aus Gießen, bisher Pfarrassistent in Mümling- Grumbach und früher Pfarrverwalter in Am­stetten in Oesterreich, von Dekan Volp aus Laubach in feierlicher Weise in sein neues Amt eingeführt.

Kreis Alsfeld.

c** Alsfeld, 8. Aug. Gestern nachmittag fand auf Einladung des evangelischen Kirchenvorstandes dem üblichen Tempo nicht zuriickblieb. Der junge Owen besuchte uns gelegentlich, beschäftigte sich aber allerdings ausschließlich mit dem geplanten Früh­stück, mit dem er erste englische Dampfpflug auf dxm Boden der Südstaaten seine rettende Tätigkeit beginnen sollte. Ich war hierfür von Herzen dankbar und überließ ihm mit Freuden die ganze Sorge für diesen, wie es schien, hochwichtigen Teil unserer Auf. gäbe. Lawrence stattete mir täglich zweimal sei­nen Besuch ab. Sein Bruder war noch immer im Norden. Er selbst wohnte im Hause seiner Schwä­gerin, einer reichen Kreolin, und war damit beschäf­tigt, Verkaufsverträge für den Zucker der nächsten Ernte abzuschließen. Dies hielt ihn noch auf meh­rere Wochen in der Stadt zurück und gab ihm Zeit, sich dem Dampfpflug zu widmen, den er mehr und mehr als seine Schöpfung ansah und mit wachsen­dem Eifer unter seinen Schutz nahm. Seine Son­derausgabe blieb die Leitung der Presse. DerPica- yune" machte schon zum drittenmal auf die bevor­stehende Rettung des Südens aufmerksam, während die mir persönlich weniger bekannteTribüne" laut auf die großartige Feier hinwies, die bei dieser Ge legenheit im Ausstellungspark stattfinden und vor­aussichtlich die ganze landbesitzende Aristokratie Loui­sianas an festlicher Tafel vereinigen werde. Wohl zum erstenmal, nach langer, bitterer Unterbrechung, dürfte in greifbarer Weise die Erinnerung an den alten Glanz des Südens wieder auftauchen. Ohne indiskret zu sein, glaubte dieTribüne" darauf Hin­weisen zu können, daß Monsieur Mercier, der Chef de cuisine des ersten Restaurants der Kanalstrahe, seit Wochen mit der Zusammenstellung eines exqui­siten Menüs beschäftigt sei und daß eine schwere Sendung Sekt mit dem nächsten Dampfer von Reu- york erwartet werde; Nachrichten, die ich nicht ohne Besorgnis entgegennahm. Nur dieCrescent City News' blieben weniger guter Laune und erzählen von den riesigen Eisenmassen des englischen Dampf- Pflugs,die unsere herrlichen Levees am Fuß der Tschapatulastraße mit Zerstörung bedrohten".Ge­duld!" meinte Lawrence,bis wir den Redakteur bei dem Erbfsnungsjchrnaus gehabt haben. Er ist von Natur kein schlechter Mensch, aber hungrig, wie alle Reisesackpolitiker." Ich selbst kam jeden Abend müde genug nach Hause und war mit der Arbeits- teilung, die sich wie von selbst unter meinen uner­wartet Heranwachsenden Mitarbeitern vollzogen

die alljährige Gedächtnisfeier für die im Weltkrieg Gefallenen der Stadt Als- feld auf dem Friedhof vor der Friedhofskapelle, die als Ehrenhalle für die Gefallenen hergerichtet ist, statt. An der Feier nahmen außer der zahlreich er­schienenen Gemeinde, der Veteranen- und Krieger- verein Alsfeld, sowie die Freiw. Sanitätskolonne Alsfeld und die Vertreter des Stadtvorstandes teil, die in geschlossenem Zug marschierten. Nach (Er­öffnung der Feier durch einen Choral mit Musik­begleitung hielt Dekan Dr. Unverzagt die Ge­dächtnisrede, in welcher er auf die unvergleichlichen Taten unserer Heldensöhne in dem blutigen Welt­krieg hinwies, denen wir nicht besser danken tonn­ten, als wenn das Heranwachsende Geschlecht im Geiste der Opferwilligkeit für Volk und Vaterland und im rechten Gottvertrauen erzogen würde. Die feinsinnigen und tiefempfundenen Worte des Red­ners machten einen tiefen Eindruck auf die Zu­hörer. Am Schlüsse der Feier legte Buchdruckerei­besitzer Gustav v. Müller namens des Veteranen- und Kriegervereins, der Freiwilligen Sanitäts­kolonne und des Militärvereins einen prachtvollen Kranz am Fuße der Ehrenhalle nieder. Sein SOjähriges Verbandsjubiläum als Buchdrucker feierte gestern Herr Heinrich Hirt von hier. Zu diesem Zwecke hatten sich die Buch­druckergehilfen des Bezirks Fulda mit etwa 70 Per­sonen eingefunden. Die Feier fand im Gasthaus Zur Erholung" statt, wobei mehrere Ansprachen gehalten wurden. Dem Jubilar wurde als äußeres Zeichen der Anerkennung eine wertvolle Brieftasche mit Widmung und Inhalt, sowie ein prächtig ge­schmückter Frühstückskorb überreicht. Die Alsfelder Mitglieder ehrten ihren Kollegen durch Widmung eines Sessels, während der Holzarbeiterverband ein wertvolles Bild schenkte. Herr Hirt dankte in be­wegten Worten für die ihm zu Teil gewordenen vielfachen Ehrungen. Ein gemeinsames Mittagessen beschloß die Feier. Herr H i r i,. der schon seit einer Reihe von Jahren auch das Ami des städtischen Wiegemeisters versieht, erfreut sich in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung allgemeiner Wertschätzung und Hochachtung.

* Ehringshausen. 9. Aug. Vergange­nen Sonntag hielt Pfarrer Steiner seine A b s ch i e d s p r e d i g t, nachdem er nach Hausen bei Gießen versetzt worden ist. Wohl selten war die Kirche so überfüllt, wie an diesem Sonn­tage. Auch der Gesangverein lieh es sich nicht nehmen, seine Verehrung für den scheidenden Pfarrer durch Mitwirkung im Gottesdienst zu be­kunden. Man merkte es allen Besuchern an, wie ihnen der Weggang des Geistlichen zu Her­zen ging; das zeigte sich auch am Abend, wo die ganze Gemeinde mit allen Körperschaften, Ver­einen und Schulkindern mit einem Fackelzug ihrer Verehrung, Anerkennung und Dankbarkeit Aus­druck gab. Rach verschiedenen Gesängen und An­sprachen erwiderte der Scheidende in herzlichen Dankesworten, wie schwer ihm der Abschied von der in 12 Jahren ihm lieb gewordenen Gemeinde sei, zugleich der Hoffnung Ausdruck gebend, daß er in seinem neuen Arbeitsfeld mit ebensolcher Freude und Befriedigung wirken könne.

~ Ilsdorf, 9. Aug. Landwirtschaftsrctt T r a u t m a n n , Direktor des Landwirtschafts­amtes Grünberg, hielt dieser Tage hier einem Feld rundgang ab. Die zahlreich erschie­nenen Landwirte wurden von dem Rundgangs­leiter zu verschiedenen Feldern geführt. An Hand der praktischen Beispiele wurde über Sorten- und Düngungsfragen, über Saatgutbeschaffenhett und -Reinigung u. a. m. gesprochen. Die Winter- und Sommerfrucht, sowie die Hackfriichte stehen im allgemeinen in der Gemarkung Ilsdorf gut. Der Roggen war zum größten Teil geschnitten. Der Pflanzenbestand ist meist gesund. In der Aus­sprache kam deutlich zum Ausdruck, daß eine Vergrößerung der Rente in der Landwirtschaft nur durch richtige Wiesendüngung- und Pflege, sowie eine durchgreifende Reinzucht in der Viehzucht erzielt werden kann. Rach Beendigung des Rundganges wurde der FaselstaU besichtigt. Am gleichen Tage abends hielt Direktor Traut­mann einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag über Jungviehaufzucht, der sehr gut besucht war. Direktor Trautmann er­läuterte in kurzen und allgemein verständlichen Worten die richtige und falsche Aufzucht der Jungtiere. In der Aussprache tarnen neben dem Gebiet des Vortragsthemas auch andere Gebiete der Landwirtschaft zur Erörterung. Insbesondere beschäftigte man sich mit der Dünnsaat oder Sparsaat verbunden mit Egg- und Hackarbett, mit der Vermehrung der Sämaschinen und mit hatte, höchlich befriedigt. Es kam sichtlich ein gewisser Zug in die Sache: auch gewöhnt man sich's ab, in derartigen Lagen allzu weit in die Zukunft sehen zu wollen. Jeder Tag bringt schließlich von selbst seine Aufgabe und die Zeit deren Lösung.

Auch den Geschäftsführer der Landwirtschafts­gesellschaft, Herrn Selano, lernte ich in diesen Tagen kennen; einen spanisch aussehenden kleinen, gelb­braunen Herrn, der sehr elegant gekleidet war, sie­ben Ringe an jeder Hand trug und durchbohrte Ohrläppchen besaß, die in seiner Jugendzeit wohl auch mit Ringen geschmückt gewesen waren. Trotz- dem gefiel er mir nicht allzusehr. Die Komiteesitzung seines Vereins hatte mittlerweile ftattgefunben und nach einer stürmischen Beratung den Preis von siebenhundertfünfzig Dollar für den besten Dampf­pflug nachträglich bewilligt. Herr Lawrence halte mit dem Austritt seines Bruders drohen müssen, der im fernen Norden von der ganzen Sache na­türlich nichts wußte, um die Opposition der Herren zu überwinden, die mürrisch auf die völlige (Ebbe in der Gesellschaftskafse Hinweisen. Aber mein Freund hatte einen guten Tropfen echten Vankee- bluts in den Adern und damit ein unzerstörbares Vertrauen in die Zukunft.

Kein Geld?" rief er;Unfirm! wir brauchen fein Geld. Dieser gute Eyth pflügt uns acht Tage lang im Ausstellungspark. Unser Herr Delano rührt die Trommel, was er meisterlich versteht. Wir lassen uns fünfzig Cents Eintrittsgeld bezahlen. Ganz Louisiana will den Dampfpflug sehen. In zwei Tagen was! in einem halben Tag hat sich Eyth seinen Preis selbst verdient. Alles übrige fließt in die Gesellschaftskafse."

Und wenn der ganze Dampfpflug ein verflixter englischer Humbug ist?" warf der mürrische Ge­schäftsführer ein.Fragen Sie einmal im Bureau der .Crescent City News' nach, Herr Lawrence."

Um so besser!" rief Lawrence, entrüstet über Delanos böswillige Kurzsichtigkeit.Dann will jeder­mann den englischen Humbug sehen; wir brauchen keinen Preis zu bezahlen und das ganze Eintritts­geld gehört der Gesellschaft?"

Die Opposition war vernichtet. Lawrences Vor­schlag wurde einstimmig angenommen, worauf er mir mit der größten Zutraulichkeit den Verlauf der Verhandlung mitteilte. Er hatte die große Gabe, jedermann davon zu überzeugen, daß er unter einer

den Saatreinigungsanlagen. Diese drei Momente find wichtige Betriebsmittel für Steigerung der Erträge und der Erhöhung der Bodenrente. Bei­den Veranstaltungen wurde großes Interesse ent­gegengebracht. Reicher Beifall belohnte den Red­ner für seine trefflichen Ausführungen.

Preußen.

Kreis Marburg.

sch. Marburg, 9. Aug. In der heuttgen Stadtverodnetensihung dankte Ober­bürgermeister Mueller noch einmal der gan­zen Bevölkerung für ihre aufopferungsvolle Mit­arbeit zum glänzenden Gelingen der V i e r - Hundertjahrfeier der Tlniversität. Sodann wurde in der Sitzung dem Minister für Wissen­schaft, Kunst und Volksbildung sowie dem Finanz- Minister für die gestiftete Summe von 150 000 Mk. 3 um Bau eines Hallenschwimmbades Dank ausgesprochen, und es wurde beschlossen, un­verzüglich mit dem Bau zu beginnen, wenn die weiteren Mittel in Höhe von etwa 450 000 Mk. durch Anleihen bereitgestellt sind. Sodann wurde die Summe von 1000 Mk. als Unterstützung des Hilfswerks für die durch die Hvchwasser- katastrophe in Sachsen Geschädigten be­willigt. Außerdem beschloß man die Aufnahme verschiedener Darlehen für die Erwei­terung des Wasserrohrnetzes in einer Gesamthöhe von 56 500 Mk., sowie für den Ausbau der Kanalisation in Höhe von 14 000 Mk. Zum Schluß genehmigte man die Bilanzen der gewerblichen Betriebe, aus deren Einnahmen im vergangenen Geschäftsjahr der Stadt ein Tleberschuß von rund 174 000 Mk. zugeführt werden konnte. Gin tödlicher Unfall ereignete sich in Gla­denbach auf der Schieferkaute. Hier fiel ein Junge in ein mit Wasser gefülltes Loch. Der Bedauernswerte konnte zwar sofort herausgo- zogen werden, ist aber bald darauf an den Folgen dcls Sturzes gestorben.

sch. Marburg, 9. Aug. Ein tragischer 11 n g l ü ck s f a l l ereignete sich hier heute Rächt. Aus dem Fenster seiner Wohnung im zweiten Stock stürzte Dr. ehern. Franz Säl­zer und brach sich das Genick. Wahr­scheinlich hat sich der Unglückliche zu weit aus dem Fenster gelehnt, hat das Gleichgewicht ver­loren und ist dann abgestürzt. Der sofort herbei­gerufene Arzt konnte nur noch den Tod fest- ftellen.

Dillkreis.

bl. Hohenroth (Dillkreis), 9. Aug. Im SteinbruchBürbachs wurde der Arbeiter Emil Beuel von Reehe von herabstürzenden Ge­steinsmassen getroffen und mußte mit einem Unterschenkelbruch und inneren Ver­letzungen in die Herborner Klinik gebracht werden.

Bezirk Kassel.

H Gemünden, 9. Aug. Zwischen Sehlen und Haina brach au einem hiesigen Auto, das ins Schleudern geraten war, das Steuer. Der Wagen wurde gegen einen Straßenbaum ge­schleudert, wobei von den Insassen drei junge Mädchen und ein Bursche auf die Straße flogen. Während dem Führer nichts passierte, erlitten die Herausgeschleuderten mehr oder minder schwere Verletzungen. Der Wagen wurde schwer beschädigt.

Turnen, Sport und Spiel.

Lokaltreffen D. f. B. - Spielvereinigung 1900.

Zu unserem Bericht in Nummer 178 vom Dienstag, 2. August, geht uns vom Verein für Bewegungsspiele G. D. 08 mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Erklärung zu:

1. Die Behauptung, daß die V. f. B.-Jugend durchschnittlich ein Jahr älter als die der Sp. Vg. sei, wird durch folgende Tatsache widerlegt: Ge­samtalter V. f. B. 186 Jahre, Gesamtalter 1900 186 Jahre. Tlbgesehen hiervon, traten beide Mannschaften, nach vorheriger Verein­barung, in der zu den Verbandstpieken gemel­deten Aufstellung an.

2. Wer den Spielverlauf des Ligaspiels, ohne durch die Vereinsbrille zu sehen, verfolgt bat, muß den Bericht als den Tatsachen wider­sprechend bezeichnen. Das Resultat 7:2 für den V. f. B.. das den Spielverlauf klar und deutlich wiedergibt. spricht für sich und bringt das Stärke-

Decke mit ihm stecke.Da der Beschluß schon zwei Tage zuvor in allen Zeitungen gestanden hat, war mir's doch nicht unangenehm, daß wir durchdran- gen", schloß er seinen Bericht.Wann kann die Vor­stellung losgehen, Herr Eyth?"

Die zwei Straßenlokomotiven mit ihren Draht- seiltrommeln, ein Sechsfurchenkippflug, ein Kultiva- tor, eine Egge und zwei Wasserwagen ftanhen fast fertig um uns her, als mir Lawrence all dies er­zählte. Ich fuhr nun zum erstenmal mit ihm nach dem Ausstellungspark im Osten der Stadt, um unser künftiges Schlachtfeld anzusehen. Etliche sechzig Hek­tar leidlich flachen Landes waren dort von einem eleganten weißen Zaun und einem tiefen Entwässe- rungskanal umgeben, über den eine breite hölzerne Brücke führte. Da und dort standen malerische Grup- pen von Akazien und uralten Hickorybäumen, deren knorrige, teilweise kahle Aeste die wirren Girlanden deshangenden Mooses' schmückten, das den Sumpflandschaften des Mississippi eigentümlich ist. Da und dort staken aus dem Boden noch verkohlte Stämme und Wurzeln; ein nicht unbedenklicher An­blick für einen Dampfpflüger. Ob der Boden, der an vielen Stellen unter unfern Tritten fühlbar schwankte, meine Maschinen tragen würde, wußte ebenfaUs erst die Erfahrung zeigen. Aber all diese Bedenken konnten das rollende Rad des Geschicks jetzt nicht mehr aufhalten. Im stillen nagte eine viel schwerere Sorge an meinem Herzen. Wie wird vor der ganzen Aristokratie Louisianas, von der ich fort­während hören mußte, das Pflügen gehen, mit nicht einem Manne, außer mir selbst, der die Behandlung der Maschinen und die notwendigsten Handgriffe bei ihrer Bedienung kannte? Wenigstens an drei Punk- ten, die Hunderte von Metern auseinanderliegen: auf dem Pflug und auf jeder der zwei Dampfmaschi- nen war ein Mann dringend erforderlich, der wußte, was er zu tun hatte, wenn nicht alles in Stürfe gehen ^sollte. Aber es wäre Wahnsinn ge­wesen, diese Sorge meinen neuen Freunden anzu- eertrauen. Ihr Glaube mußte aufrechterhalten wer- den, solange noch eine Möglichkeit vorhanden war, in diesen herlichen Park hinein und mit heiler Haut herauszukommen. Mit einer nagenden Angst auf der Seele mutig zu lächeln, will gelernt sein. Ich hatte zum Glück diese Kunst nicht zum erftemnal geübt.

(Fortsetzung folgt.)

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