harrSmitgliever, die Stadt- und Komitatvertretun- gen, die Verbände der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels und der Wissenschaft. Zu Mitgliedern deS Oberhauses können nur Personen gewühlt werden, die das 35. Lebensjahr vollendet haben. Die Wahl gilt auf 10 Jahre. Zum Oberhaus gehören auch jene männlichen Mitglieder des Hauses HabSburg-Lothringen, die ihr 35. Lebensjahr vollendet haben und ständig auf dem Gebiet des Landes wohnen Die Wahl der Oberhausmitglieder erfolgt geheim. Die Zahl der vom Staatsoberhaupt aus Grund ihrer besonderen Verdienste auf Lebensdauer ernannten Mitglieder darf 40 nicht überschreiten. Der Rechts kreis des Oberhauses ist derselbe wie der des ehemaligen Magnatenhauses und erstreckt sich auf das Recht der G e s e tz e s a n r e g u n g. Die Oberhausmitglieder haben in der ersten Sitzung, in der sie im Hause erscheinen, einen Eid zu leisten. Am Tage der Eröffnung des Oberhauses hört daS Magnatenhaus auf zu bestehen. Sollte die Stelle des Reichsverwesers vor der endgültigen Regelung der Ausübung der Rechte des Staatsoberhauptes vakant werden, so wird der neue Reichsverweser in einer gemeinsamen Sitzung der beiden Häuser des Reichstags aus den Reihen der ungarischen Staatsbürger in geheimer Wahl gewählt.
Kompromiß in hankau?
Die Chinesen räumen
das britische Konzcssionsgebict.
London, 8. Ian. (WTB.) Reuter erfährt aus Hankau, das; die chinesischen Behörden sich damit einverstanden erklärt haben, alle chinesischen Truppen aus dem Gebiete der britischen Konzessionen zurückzuziehen. Das britische Konzessionsgebiet werde dann unter der Kontrolle der britischen Polizei und der Polizei der ehemaligen russischen und deutschen Konzessionsgebiete stehen, welche von einem sowohl aus Chinesen wie aus Ausländern bestehenden gemischten Ausschuß verwaltet werden. Es ist vereinbart worden, eine Belästigung britischer Staatsangehöriger in Zukunft nicht mehr zu dulden. Unter dieser Voraussetzung rechnet man damit, daß heute die britischen Staatsangehörigen ihre Geschäfte wieder auf« nehmen werden.
Der „Chicago Tribüne" wird aus Schanghai berichtet, daß derer st eTransportFlücht- linge aus Hankau und den anderen am Vangtse liegenden Häfen gestern nachmittag wohlbehalten in Schanghai eingetroffen sei. Cs handelt sich um etwa 50 amerikanische und 350 englische Frauen und Kinder, hauptsächlich die Familien von dort ansässigen Geschäftsleuten und Missionaren. Angesichts der Unmöglichkeit, die 40 000 Personen umfassende ausländische Kolonie von Schanghai abzutransportieren, sollen die ausländischen Konsulate vorgestern bei ihren Regierungen dringend um militärischen Schuh nachgesucht haben. Der in Manila stationierte amerikanische Admiral William hat auf Grund eines Kabinettsbeschlusses den Auftrag erhalten, sofort aufzubrechen, um das Kommando über die aus 24 Einheiten bestehende ostasiatische Flotte Amerikas vor Hankau zu übernehmen. Wie weiter gemeldet wird, sollen auch die Japaner mit der Räumung ihrer Konzession begonnen haben. In K i u k i a n g ist die britische Konzession überrannt und a u s - geplündert worben.
Niederlage der Kantontruppen?
London, 10. Jan. (2BIB. Funkspruch.) Dem Pekinger Korrespondenten des „Daily Mail" hat Marschall Tschangtsolins Stabschef rnttge- leitt, der Feldzug der Alliierten gegen die Konto- npfen habe begonnen, und Marschall Wupeifus Streitkräfte in Hunan hätten zwei entscheidende Siege errungen.
Die Lage in Mexiko.
Präsident Calles über den Konflikt mit den Bereinigten Staaten.
N e u y o r k, 9. Jan. (WTB.) Wie aus Mexiko gemeldet wird, hat Präsident Calles einer Gruppe amerikanischer Schriftsteller, Geistlicher und Geschäftsleute, die zu dem besonderen Zweck, die Schwierigkeiten zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten zu untersuchen, gekommen waren, eine Unterredung gewährt, in der er erklärte, er sei bereit, die anläßlich der neuen Petroleumgesetze Mexikos mit der Washingtoner Regierung entstandenen Schwierigkeiten dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten, wenn dies der einzige Weg sei, die drohenden Schwierigkeiten für Mexiko zu vermeiden. Der Präsident gab der Meinung Ausdruck, daß die Zurückziehung der Anerkennung seiner Regierung durch die '.Bereinigten Staaten den unmittelbaren Ausbruch der Revolution in Mexiko zur Folge haben und von seinen Feinden
Houston StewattLhamberlain t.
Bayreuth, 10. Jan. (WB.) Sonntagnachmittag 143 llhr ist der Schriftsteller Houston Stuart Chamberlain im 70. Lebensjahre gest 0 rben.
Houston Stewart Chamberlain wurde am 9. September 1855 in Southsea bei Portsmouth in England geboren. Sein Baler. William Charles Chamberlain, Kapitän der Marine, war Engländer: die Mutter entstammte dem schottischen Kleinadel. Houston wuchs in Versailles, im Hause seiner Großmutter väterliches.its. auf. Seine Urgroßmutter war die Tochter des Lübecker Kaufmanns Böckmann, dessen Familie aus Skandi- navien stammte. Bon 1856 bis 1868 wohnte Chamberlain in Versailles und besuchte das Lyc£e Imperial. Einige Jahre später kam er in eine Privatschule bei Portsmouth, darauf in das Cheltenham College. 1870 verließ er infolge seiner Erkrankung Cheltenham und begab sich mit Miß Harriett, seiner Tante, nach Bad Ems. Auf Ems folgte eine Reise in die Schweiz. In Montreux wo Miß Harriett mit Houston Aufenthalt nahm, engagierte sie einen jungen deutschen Theologen alö Erzieher für ihren Reffen. Von Montreux aus begab sich die Familie nach Cannes. Hier widmete sich Houston ganz seinen Studien, besonders der Botanik. 1878 starb Houstons Vater, int gleichen Jahre vermählte der Sohn sich m.t der Tochter des Breslauer Justizrats Horst. Rech feiner Berhetratung g.ng er nach Genf, um hier an der Universität zu studieren. 1882 hörte er zum erstenmal in Bayreuth den „Parftval" Drei Jahre später Übersiedelte er von Genf nach Dresden, wo er, mit kunsthistorischen musikalischen und
als Ermutigung hierzu angesehen werden wurde. Er hob hervor, daß die Ueberweisung der Angelegenheit an das Haager Gericht ohnehin eine Gefährdung der Souveränität Mexikos bedeute. Der Präsident gab zu, daß re d 0 l u ti 0 • näre Bestrebungen bereits am Werke seien, jedoch würden diese von der Regierung unterdrückt und die Schuldigen bestraft. Die Petroleum- Gesellschaften erlitten nach den neuen gesetzlichen Regelungen keinen Schaden. Diejenigen, die ihren Besitz vor 1917 erworben hätten, könnten ihn auf 50 Jahre pachten und nach dieser Zeit die Pacht für weitere 30 Jahre erneuern.
Bezüglich Ricaraguas erinnerte der Präsident an die Geschichte des Landes, um seine Ansicht zu bekräftigen, daß die Ansprüche Diaz' als konservativer Präsident ungerechtfertigt seien. Cs würde sonst zwei Regierungen in Ricaragua geben, eine Regierung der Gewalten und Ungesetzlichkeit, und eine der Gesetzmäßigkeit. Mexiko hat die Regierung der Gesetzmäßigkeit anerkannt, erklärte der Präsident, Amerika die der Gewalt.
Wie Reuter aus Mexiko meldet, haben die Bundestruppen in den vergangenen Tagen in den verschiedenen Gegenden drs Landes 8 5 B a n- diten oder Aufständische getötet, da das Kricgsdepartement die Befehlshaber angewiesen hat, alle Personen, die sich mit den Waffen gegen die Regierung erheben, standrechtlich hinzurichten. Rach Blättermeldungen sollen sich auch zwei Priester unter den Getöteten befinden.
Der Ausstand auf Sumatra.
Padang, 8. Jan. (WB.) Die Lage in dem Gebiete des holländischen Forts Zapellen ist sehr unsicher infolge der unzuverlässigen Haltung dcr Oberhäupter der Eingeborenen. Anzeichen lassen darauf schließen, daß die eingeborene Bevölkerung einen Angriff auf die holländischen Militärposten dieses Gebietes plant. Im Bezirk von Siloenkan sind bis jetzt 550 Aufständische gefangen genommen worden. Ein Hauptleiter der kommunistischen Organisation wurde in Solok verhaftet.
Der Dawesplan.
Parker Gilbert über Deutschlands Leistungsfähigkeit.
Reuhork, 9. Jan. (TU.) Der Reparationsagent Parker Gilbert setzte feine Besprechungen mit dem Präsidenten C 0 0 l i d g e und Mitgliedern der amerikanischen Regierung im Weißen Haufe fort. Offiziell wurde über das Ergebnis der Besprechungen bekannt gegeben, daß Gilbert dem Präsidenten Coolidge gegenüber sich über das Funktionieren des Dawesplanes optimistisch ausgesprochen habe und ihn in der nächsten Zeit für durchführbar erklärt habe. Etwaige künftige Schwierigkeiten würden sich als überwindbar Herausstellen.
Pressevertretern gegenüber erklärte Gilbert nach Beendigung der heutigen Konferenz: Harte Arbeit und der Wille zum Frieden haben zu einer stetigen Erholung Deutschlands von den furchtbaren Folgen des Krieges geführt. Deutschland hat feine Währung stabilisiert und ist an die Arbeit gegangen. Einige Rationen haben das eine oder das andere getan. Deutschland hat beides getan. Darum war es in der Lage, im vergangenen Jahre 350 Millionen Dollar auf, Reparationskonto zu zahlen. Wir hoffen, daß Deutschland auch den künftigen Anforderungen gerecht werden kann. Eine etwaige Unfähigkeit Deutschlands, den Maximalbetrag von 600 Millionen Dollar zu zahlen, hätte nicht den Zusammenbruch des Dawesplanes zu bedeuten, denn der Plan ist elastisch genug, um jeder Sachlage gerecht zu werden. Parker Gilbert sagte dann weiter: In Deutschland besteht eine fortschreitende Tendenz zum Frieden. Der Locarnopakt war der Ausdruck dieses Wunsches. Es gibt kein Beweismaterial für die dann und wann auftauchenden Schreckensmeldungen. daß Deutschland rüste. Mir scheint, daß jeder Mann in jedem Lande ein paar tausend Flinten zu finden vermag.
Parker Gilben fühlt sich von Zeit zu Zeit veranlaßt, ein Loblied auf das gute Funktionieren des Dawesabkommens und die prompten Reparationszahlungen Deutschlands zu singen. Dabei hat er es >isher noch immer vermieden, sich in der ausländi- chen Presse einmal näher über die Schatten- eiten dieses Abkommens zu äußern, wie sie vor allem in der wahnsinnigen Ausbeutung unserer Wirtschaft sich zeigen, die ihrerseits gezwungen ist, unter Bedingungen zu produzieren, die innerhalb der deutschen Arbeiterschaft höchst unliebsame Strömungen ausgelöst haben, wie wir sie in der steigenden Radikalisierung der werktätigen Be- völke.rung aller politischen Richtungen beobachten können. Wir haben seinerzeit in der Erwartung das Londoner Reparationsabkommen unterschrieben, daß man uns auch die Möglichkeit geben werde, die Kriegslasten abarbeiten zu können. Statt dessen
philosophischen Studien beschädigt, bis 18E9 wohnte. Hier wurde er auch Cosima Wagner vorgestellt. 1889 vertauschte er Dresden mit Wien, trieb hier sein pflanzenphysiologisches Studium weiter und hörte an der Universität Philosophie. Im Mittelpunkt seines Interesses stand Richard Wagner, über den er nun eine Anzahl Vorlesungen im Wiener Reuen Wagner-Verein hielt. 1895 erschien sein Buch .Richard Wagner", dem 1899 das weltbekannte Werk „Sie Grundlagen des 19. Jahrhunderts" folgte. Im gleichen Jahre trat Chamberlain mit Wilhelm II.. auf den das Werk einen tiefen Eindruck gemacht hatte, in persönliche Beziehungen. 1900 erschienen die „Parsifalmärchen", 1901 die „Worte Christi", 1902 die „Brei Bühnendichtungen". 1905 kam das Werk „Arische Weltanschauung" heraus. Im gleichen Jahre folgte „Immanuel Kant". Im Dezember 1903 vermählte sich Chamberlain in zweiter Ehe mit Eva, der jüngsten Tochter Richard Wagners, und siedelte nach Bayreuth über. 1912 veröffentlichte er sein Buch „Goethe", dem während .es Krieges die „Kriegsaufsätze" folgten. 1915 .amen die „Politischen Ideale" heraus, die .1 als Ehrung das Eiserne Kreuz einbrachten 916 erwarb Chamberlain die deutsche Staatsangc.-urigkeit. Weitere Werke von ihm sind. „Ras!e und Ration", 4. Auflage 1913; „Lebenswege meines Denkens" 1919; „Mensch und Gott", 1921; „Herrn Huckebeins Schädel". 1921.
Mit Chamberlain ist eine Persönlichkeit aus öem Leben geschieden, dec aus mehr als einem Grunde außergewöhnliche Bedeutung zuzuschreiben tft. Obwohl er bis in dir letzten Lebens- tahre hinein intensiv gearbeitet und feinen in Deutschland gewonnenen Idealen die Treue be-
sperren sich alle ausländischen Märkte, bereiten dem Absatz deutscher Erzeugnisse die denkbar größten Schwierigkeiten, mit dein Ergebnis, daß bei uns seit Jahr und Tag 1,5 Millionen Arbeiter keihe Beschäftigung finden können, daß also insgesamt rund fünf bis sechs Millionen Personen aus öffentlichen Unterstützungen leben müssen. Es gehört kein allzu großer Pessimismus dazu, um aus dieser Art des Funktionierens des Danxsplanes auf bevorstehende politische und Hand in Hand damit auch auf wirtschaftliche Erschütterungen zu schließen, die letzten Endes das ganze Dawesabkommen zerschlagen können. Parker Gilbert täte besser daran, nicht nur die deutschen Goldstücke in fremde Währung umzuwechseln, sondern unserer Industrie den ausländischen Absatz zu erleichtern, damit sie exportieren und die brachliegende Kraft von eineinhalb Millionen Arbeitern verwerten kann, Sonst könnte es geschehen, daß er eines Tages vor einem Chaos in Deutschland steht, für das er und mit ihm seine Hintermänner in Washington, London und Paris verantwortlich zeichnen.
WechseiinderspanischenBotschafl in Berlin.
Berlin, 8. Jan. (WTB.) Der langjährige, hochverdiente kgl. spanische Botschafter, Pablo Soler y Guardiola, der seine Regierung seit dem 27. August 1920 in Berlin vertritt, wird mit seiner Rückkehr von seinem gegenwärtigen Urlaub aus dem Amte scheiden. An seiner Stelle wird der bisherige Unterstaats- sekretär des Auswärtigen in Madrid, Dr. Fernando Espinosa de Los Monteros, zum kgl. spanischen Botschafter in Berlin ernannt, für den das Agrement bereits eingeholt ist. Der neue Botschafter steht seit dem Jahre 1906 im diplomatischen Dienst, und zwar mit einer Unterbrechung, während deren er als Sekretär in Lissabon tätig war, durchgängig im Madrider Außenministerium. Im Jahre 1921 wurde er zum Ministerresidenten ernannt, 1923 Unter- staatssekretär des Auswärtigen. Monteros hat in Deutschland studiert und an der Universität Jena den juristischen Doktorgrad erworben. Es verbinden ihn also alte und besondere Beziehungen mit dem Lande seiner künftigen Wirksamkeit. — Der scheidende Botschafter Pablo Soler y Guardiola wurde am 6. Juli 1865 in Madrid als Sohn eines Rechtsanwaltes geboren. Auch er wurde Jurist, trat aber schon 1885 in den diplomatischen Dienst. Dort fand er nacheinander Verwendung in Japan, Belgien, Marokko, den Vereinigten Staaten, der Türkei, London, Rom, Paris, Kuba und Buenos-Aires. Der Botschafter ist mit einer Engländerin verheiratet.
Kleine politische Nachrichten.
Der Etatsooranschlag des Reichsministeriums des Innern für 1927 enthält den Antrag der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft aus Errichtung eines Instituts zu r Aufnahme ausländisch er Gäste in Berlin-Dahlem. Dadurch würde ein wissenschaftliches Forschungszentrum in Deutschland entstehen, an dem hervorragende ausländische Gelehrte ein bis drei Jahre arbeiten könnten.
Der frühere Ches der deutschen Heeresleitung Generaloberst 0. S e e ck t ist zu längerem Aufenthalt in Davos eingetroffen.
Der französische Ministerrat beschloß, gemäß dem Borschlag des Unterrichtsministers Herriot, die 100- jährige Wiederkehr des Todestages Beethovens zu feiern. *
Der Herzog von shork, der zweite Sohn des Königs von England, und die Herzogin von $ort traten an Bord des Schlachtschiffes „Renown" von Portsmouth aus ihre Propagandareise nach Australien und anderen Teilen des britischen Reiches an.
Aus aller Wett.
Sechzig Tote bei einem Thcaterbrand in Montreal.
Während einer Vorstellung brach im Theater von ZHonfreal in Kanada Großseuer aus, durch das das Theater völlig zerstört wurde. Die Gesamtzahl der bei dem Brande Getöteten wird auf ungefähr 60 geschäht. Beim Ausbruch des Feuers befanden sich in dem hause ungefähr 1200 Zuschauer. Als der Ruf „Feuer" ertönte, entstand eine Panik: die meisten Verluste sind auf das wilde Andrängen nach den Ausgängen zurückzuführen. Die Toten sind größtenteils kanadische Knaben und Mädchen.
Feuer auf der Trabrennbahn Ruhleben.
Auf der Trabrennbahn Ruyleben brach am Sonntagabend auf dem mit großen Heu» und Kornvorräten gefüllten Boden eines Stallge- bäudes ein Feuer aus, durch das der Dachstuhl völlig vernichtet wurde. Der angerichtete Scha-
wahrt hat, ist es doch seit geraumer Zeit merklich still geworden um diesen Engländer, für den der Kulturbegriff Deutschland zum elementaren, wegweisenden Erlebnis wurde. Die junge Generation, die heute am Ruder ist, oder doch dem geistigen Deutschland die Richtung zu geben und ihren Stil auszuprägen verbucht, hat, nach neuen Götterbildern suchend, mit Chamberlain und seiner ideellen Welt nicht mehr viel zu schaffen. Erst ein kommendes Geschlecht wird ermessen und auS- toerten können, was diese eigenartige, von außen her kommende Erscheinung für uns bedeutet hat, und wird sich dankbaren Herzens erinnern, einen wie außerordentlichen, obschon heule fast vergessenen Einfluß dieser Engländer auf die Generation gehabt hat, die unserer eigenen voranging. Chamberlain, der Brite, wanderte aus und fand in Deutschland — vielleicht erst durch Zufall — dann aber mit tiefer Bewußtheit und aus Wahlverwandtschaft seine zweite und wahre Heimat. Chamberlain, universaler Geist, erst Schüler, bann begeisterter Künder und Wegbereiter deutscher Kultur ist, erstaunlich zu sagen, saft so etwas wie ein praecep- tor Germaniae geworden; wenn man an feine „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" denkt, wird man ihm diesen Ehrennamen kaum vorenthalten wollen, wird man gestehen müssen, daß es sich hier nicht um eine Modesache oder flüchtige Rei- gung handelte, sondern um ein erworbenes, erarbeitetes und tief notwendiges Bekenntnis. Den ersten, "tiefsten und wohl sofort entscheidenden Eindruck erfuhr Chamberlain in der überwältigend wirkenden Begegnung mit dem Werk Aichard Wagners. Dessen MuTk wurde ihm zu einem Grundelement deutschen Wesens. In spateren Jahren stellen sich mit Wagners Ramen die Ramen Goethe und Kant zusammen als eine
den ist sehr beträchtllch, aber durch Versicherung gedeckt. Die von der Feuerwehr und der Kriminalpolizei sofort angestellten Ermittelungen ergaben, daß ein Sta11bursche infolge eines Augenleidens unvorsichtig mit Licht hantiert und dadurch wahrscheinlich daS Feuer verursacht hat.
Tagung des deutschen Luftfahrtverbandes.
Am Sonntag hielt der deutsche Luftfahrt« verband e. V. in Berlin eine außerordentliche Tagung ab. Unter den Anwesenden bemerkte man neben Oberbürgermeister Dr. Jarres- Duisburg, Vertreter des Reichsverlehrsministe- riums, des Verbandes deutscher Lustfahrtzeugindustrieller, des deutschen Ae.ockubs, des RingeS der Flieger, des Modell- und Segelslugverbandes. In erster Linie wurden Maßnahmen besprochen, die dem durch die Pariser Luftfahrtvereinbarungen vom Mai 1926 bedrohten deutschen Flugsport helfen sollen. Es wurde beschlossen, schon in diesem Jahre Flugveranstaltungen im ganzen Reiche durchzuführen, um zu toTrtfcn und gleichzeitig Mittel für die flugfportliche Betätigung zu gewinnen. Diese Flugtage sollen in erster Linie Flugzeug rennen bringen. In einer Entschließung wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß von der deutschen Re ierung Schritte unternommen werden, um auch im besetzten Gebiet der deutschen Luftfahrt die ihr zustehende uneingeschränkte Freiheit wieder zu geben.
Juslizral (trüget f.
In Berlin verschied der frühere Anwalt des Deutschen G e n 0 s s e n s ch a s t s v erbau d e s, Justizrat Prof. Dr. Hans Crüger. Er hat viele Jahrzehnte lang an der Spitze der Genossenschaftsbewegung gestanden und hat insbeson- bete die Entwicklung der Kreditgenossenschaft maßgebend beeinflußt. Die deutsche Genossen- schastsbewegung verliert in Crüger ihren besten Kenner und bedeutendsten und erfolgreichsten 1 Führer.
Von einem Eiszapfen erschlagen.
Auf dem Hofe eines Bauern in der Rähe von Linz wollte der Sohn des Besitzers einen vom Dach des Stalles heraohängenden riesigen Eiszapfen abschlagen, als dieser plötzlich abbrach und einem anderen 14jährigen Sohn des Be- siydrs auf den Kops fiel. Der Knabe wurde getötet.
Sturm auf eine Reuyorket Bank.
Wegen der Verhaftung eines Vizepräsidenten und zweier Angestellter der Broadwah-Central-Bank kam eS am Samstag zu einem „Run" auf diese Dank. Bis zum Geschäftsschluß wurden über 1 Million Dollar an 1500 Deponenten ausgezahlt. Die Bankbeamten haben erklärt, die angeblich veruntreute Summe betrage noch nicht eine halbe Million Dollar.
Ein Rttllionen-Desraudant verhaftet.
In Mailand wurde der seit fünf Jahren gesuchte ehemalige Inspektor im Ministerium für ' den Wiederaufbau der neuen Gebiete, Moro, I verhaftet, welcher 1921 als Magazinverwalter über 1 Million Staatsgelber unterschlagen hat.
Die Mehrzahl des Volkes fährt 4. Klasse.
Am Ende des Geschäftsjahres 1925 besaß die Deutsche Reichsbahn 27620 Lokomotiven, 996 Triebwagen, 63 829 Personenwagen, 21831 Gepäckwagen und 689119 Güterwagen, außerdem 1 noch 63 Schiffe und Fähren. An elektrischen Loko- II motiven besitzt die Reichsbahn heute 242 Stück. | Interessant ist es, zu beobachten, wie durch die Verschiebung des Personenverkehrs nach der niedrigsten Klasse hin ein Wechsel in den Personenwagen ftattfanb. Personenwagen, die nur erster Klasse führen, gibt es heute nur noch 19 gegen 141 im Jahre 1913; Personenwagen erster und zweiter Klasse sind I heute noch 1885 vorhanden gegen 5314 im Jahre I 1913. Abgenommen haben auch die Wagen dritter I Klasse, ihr Bestand beträgt heute 22 099 gegen I 28 405 im Jahre 1913. Die Wagen, die zweiter 1 und dritter Klasse führen, erfuhren ebenfalls I eine Verminderung um rund. ein Viertel auf I 4696. Zugenommen haben allein die Wagen I mit lediglich vierter Klasse, und zwar von I 17 482 im Jahre 1913 auf 28 454 im Jahre 1925. I Sämtliche Personenwagen der Reichsbahn ver- I fügen über 3 518 053 Plätze. Dies bedeutet gegen* I über dem Jahre 1913 eine Steigerung von 300 000 I Plätzen. Aus der Verschiebung in der Benutzung I der Personenwagen ist zu ersehen, daß die un* I teren Klassen mehr bevorzugt wurden, was nicht I zuletzt mit der Verschlechterung der fo* I zialen L a ge der Bevölkerung zusammenhängt. I
Wettervoraussage.
Vorübergehend geringe Bewölkungsabnahme und leichte Abkühlung, sonst noch trüb und verhältnismäßig milde, keine stärkeren Niederschläge.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 8 Grad Celsius, Mininnun 4,5 Grad Celsius. Niederschläge 1,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 7,9 Grad Celsius.
glänzende Trias; auf den drei Ramen ruhte für Chamberlain der Weltbau deutschen Wesens und deutscher Kultur, sie wurden ihm tragende, ragende Grundpfeiler im Monument der geistigen Entwicklung unseres Volkes, zusammengefaßter, gesteigerter Ausdruck der inneren Vormachtstellung Deutschlands vor dem großen Kriege.
Professor Friedrich Sirtt) f.
M ünch en, 9. Jan. (WTB.) Professor Dr. Friedrich H i r t h, der bedeutendste Kenner der chinesischen Sprache und Literatur, ist hier nach längerer Krankheit im Alter von 81 Jahren g e ft 0 r b e n. Ahn die chinesischen Verhältnisse praktisch kennen zu lernen, trat er 1870 in den internaiontalen chinesischen Eeezolldienst, dem er 27 Jahre angehörte. Von 1897 bis 1902 lebte Hirth in München. Darauf übernahm er den neu geschaffenen Lehrstuhl für chinesische Sprache uni Literatur an der ©olumbia-llniDerfität in Reuhork, den er bis zum Ausbruch des Krieges inne hatte Seitdem lebte er wieder in München. — Prof. Hirth, der 1869 feine wissenschaftliche Laufbahn mit einer philologischen Arbeit über Plautus und Terenz begonnen hatte, ließ 1835 seine erste sinologische Fachverösfenllichung in englischer Sprache folgen: China and the Roman Orient. Von seinen zahlreichen späteren Publikationen seien hier nur genannt: Ancient Porcehin (88); Grammatik und Handbuch der chinesischen Schrift' spräche (88); Chinesische Studien I (90); Die Länder des Islam nach chinesischen Quellen (95); Fremde Einflüsse in der chinesischen Kunst (96); Heber die Quellen zur Geschichte der chinesischen Malerei (97); The Anden TLstory of China (08) und The Story of Chang k’i^n (17).
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