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Süehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)

Nr. 288 Zweiter Blatt

Freitag, 9 Dezember 1922

Dor den französischen Wahlen.

7k>* alffia v. 2./^r^4trrtatieT

Parts Qbitana 1927

inid. auch mit CueOnkinflabe. txrtxXm!)

2rfc-/4 mir in Dced^lanft t| auch bi Krank' rn* her polm'dx ÜD.mrr txm tten fan Srujiatir beoorffehenben Wahl« Ofxr*»aiW. Die Wahl- Propaganda dal im ajnjrn Lande bereit» «in- aefetzt und beherricht die Vt«Uungnahme der ein- Minen Parteien zu allen Problemen, die tn der Matmr er uni In der O« st entricht eit »ur Tiitiif- ffo* Krhen

Die rablkal-sozialiftlsche Par­tei. die den Auf g«i«ht, ftch tn den vorberer- tenden Arbeiten für Mr Wahlprnpaganba be- 'onders aut auszukwnen hat durch ihren lär- menben Äorjreft not einig« Wochen als erife die Aufmerksamleit der Wahlert chatt auf sich au ziehen gewuht Die Spaltuna innctb^lb oiesrr Partei, die deutlich bei den scharfen Aus- rina-nberietzungen zwischen dem rechten und dem linken Flügel zum Ausdruck kam. hat die Propa- gandawirkung de» Parteitage» nicht becinträch- tigen körm« Die Wahl de» linksstehenden Ab- aeordneien D a l a d 1 e r zmn Partrioorsitzenden, der in der Kammer siet» osientativ gegen Pvincare stimmt, hat allerdings dem Kon- arefi e.nen stärkeren Stempel der Legierung»- frinblichkeit au'gedrückt, als e» an'che.nend ur- sprünglich tn der Absicht der Parteiführer lag. Franklin Bouillon» politische Lieber- läge hat diesen antipo ncaröschen O.ndruck noch weiter verschärft Wer dem aber die geringe UZajorität an Stimmen gegenüberhielt, mit der Da lädier gewählt wurde, muhte feststellen, dah da» ilebergewichr de» linken Parteiflügel» nicht allz^bedeutend ist.

Der StrUungnabme der rabllal-sozialistisch« «artet in den Wahlen kommt deshald eine be- wndere Bedeutung zu. well Ne mit ihren 140 Anhängern bei jeder Aegierungsbil- düng a u » s ch l a g g e b e n d ist. und well sie di» noch weiter linksstehende republikanisch» svzialisi'lche Partei, der Btiand und Painlev» angehöt«, im Schlepptau führt. Aach den gegenwärtigen Part-ir^rhältniss« in der Kammer cr'cheint es fast au-gelchlo'sen, bah die recht» von diesen beiden Parteien stehenden Gruppen die Aegierungsdlldung in Zukunst über­nehmen könnten, fall» nicht ein merklicher Auck nach rechts durch die französisch« Wählerschaft gehen sollte, von dem aber zur Zett nicht» zu verspüren ist. 3m Gegenteil, man rechnet Im allgemeinen mit Wahlen, die zugunsten der Linken aussallen werden. Poincarö per­sönlich würde sich sicherlich zu einem Versuch

einer ausfchliestlich recht»gerichteten Aegier^i gs- bildung nicht hergeben. da er innerpolitisch, trotz seiner Parteifrembheit, durchaus Uni»- orientiert ist.

Gin« neu« Gefahr droht dem gegenwärtigen Legierungsblock von sozialdemokratischer Seite. Die sozialistische Grupp« hofft auf einen firosten Machtzuwach». und wäre bann sehr wohl n der Lag« gemeinsam mit den republikanischen Sozialisten und den Aadikal-Soztalisten die neue AegierungSbildung zu übernehmen Gin Zusam­mengehen bei den Wahlen mit den Sozialisten, wie es von dem rablkal-soAialistischen Kongreh empfohlen wurde, würd« gleichzeitig d e'.'r links- oti titriert« Legierungskoalition bie W g ebnen Aber so bedeutsam die Wahl Daladiers auch wäre, fall» es ihm gelingen sollt«, einen Links- kur» der radikal-sozialistischen Parte» durchzu- setzen - mit einer ernstlichen Bedrohung der Legierung Poincar^-Brtand-Herriot. die zur­zeit am Luder ist, ist sicherlich vor den kommen­den Wahlen nicht zu rechnen

3n politischen Kreisen ist viel davon die Lede gewesen, dah Poincar» alle» darin gesetzt bat. Dir Dahl Daladter» zu hintertreiben Ob die» zu- trisft. mag dahingestellt lein. Zedensalls hat die tvd) ttzaerichtete Press« di« Gefahr erkannt, und mit ihren Warnungsrufen nicht zurückgehalten. Der erneute Sturz de» Franken wird von der

gesamten Aechtspreffe vorausgesagt, für den Fall, dah ein« sozialisf.sch-rad kalt Legi.rung in Frank- reich ans Luder käme

Doch lind dir» alle» zurzeit noch Zukuilfs- sorgen Für» erste wird bu Stellung bet Legie­rung bi» zu den Wahlen al» durchaus stabil be­trachtet Die Debatten tn der französischen Kam­mer verliefen programmähtg. ohne dah der Le­gierung von der Oppo ilion unüberwindliche Schwierigkeiten gemacht wurden Auch Briand und Poineart sind bemüht, die im Schohe der Legierung zwei'ellvs vorhandenen Gegensätze

über die Durchführung der Locarnopolitik nach auhen hin zu ocT'dblcienL Weihnachten wird in Frankreich politischer Friede herrschen. 3m Januar aber wird die Wahllampaane tn verstärktem Mähe einsetzen und 'icherlich bi» iu den Wahlen im Mai andauern. S»e werden nicht nur für Frankreich sondern für gani Gur.-pa und insbesondere tür Deutschland von Dichtigkeit sein wenn es auch verfehlt wäre von ihnen die entsche.dende Förderung der deut'ch-sraniö »schen AnnLherungspolitik zu erwarten.

Zu Auto in Südwestasrika.

Bon unserem L.-r.-8.-Berichterstatter. iLachdeuck. auch mit Quellenangabe, verbötenk)

Windhoek. Oktober 1927

.Ularamo" hecht das hell« freundliche Schiss der Ostafrika-Linie, das den deutschen Farmer in die neue Heimat brachte, und das dann bet Träger der ersehnten Post war- die Berbindung mit bet Auhenwelt. die Brücke zur allen, lieben Heimat.Ularamo" hat aber auch ein« Schwe­ster ch te» La mens, eigentlich nur eine Stief­schwester. nämlich ein Büro 8in mächtiger Zwei- wnnen-Lastwagen. der weil im 3nnern des ewig sonnigen Südafrika urnheriähn und Farm bei Farm die gefüllten Sahnentannen einsammelt und zur nächsten Molkerei bringt. Achnllchkeit ist zwilchen diesen Schwestern beim besten Willen nicht zu entdecken, höchsten» derselbe hellgraue Anstrich und das farl<r< rastlos arbeitende Herz, da» die ein« durch die unermessliche Weite des ewigen Meere» vorwärts treibt und das der anderen in der großen Steppe, bergauf, bergab, durch Hunderte von Kilometern gluiheihen San­de» über holprige Felsenrifle hinweghllft. Unb beide gehorchen dem Druck deutscher 3ungmLnner- fäuste.

Der tiefe Hupenton be» groben Liv wagens, der meilenweit durch die klare Steppenluft hallt, greift in unser Innere» genau Io auf peitschend, wie das Heulen bet Dampferllrenen. da» m nebelftilkn Lächt« vom Han.bürget Hasen über die Stadt dröhnt und uns in sehnsüchtige Fernen z^-ht.

Der Lus .Die llsaramo kommt" schiebt im Farnihau» die geschäftigste Arbeit beiseite und treibt Baler, Mutter unb Kinder, Angestellte und Gingeborenc aus die De ran da, von der au» die letzte Wegbiegung zu übersehen ist. Schon kommt da» Liesengelchops angebraust, roen Fahrer in elegantem Schwung an bie Qk- randastufen gesteuert. Der Poftsack fliegt her­unter. Pakete und Kisten Hutter drein, Deutsch- landzeitungen. Deutschlanbpofi, alles wirb mit froher Hast m Gmpsang genommen, während schon die r.ngeborenen Arbeiter die schweren SrlülUen Sahnekanncn auf dem Achterdeck Der* auen. Lachen unb Geschwätz der Mitreisenden tnai in allen Vchmal>lauten der Singebvrenon- bia Lette unter dem aus gespannten Sonnenverdeck hervor. Aus den unmöglichsten Plätzen, tn den gewagtesten Stellungen hocken Mt meist weib­lichen Passagiere In ihren wetten Kattunröcken unb bunten Kopstüchern auf Kisten und Kasten umher. Gar zu gern benutzen sie diesen afrila* nischen .Drurn unb Taris", um einen Besuch auf der Lachdarwerft abzustatten. Grhvlungs- imt Berwandtenreisen sind auch für die schwarze Lebewelt, bte jede Leuerung be» Derkebr» be­geistert mitrnachl. reizvoll. Lur vor 'chwar^rn Wochenendlern ist man Ziemlich gesichelt Schwarze Besuche erstrecken sich nicht über Woche^Gnden, sondern über enblok Wochen. darin ist man gründlich

Die Worte unter den Weihen sind weniger lärmend und rascher erledigt. Lur bie Kinder Vettern jubelnd umher unb versuchen bie llsa- tamo zu entern. Doch ber Aufenchalt muh kurz fein, noch 400 Kilometer liegen auf der Sour. Zweieinhalb Tag Fahrt, ein« Lacht Luhe, wie­

der zweieinhalb Tag für bie entgegengesetzte Veite des Bezirks, so geht der anstrengende D.enst Woche um Woche, und doch lohnt es tür bie gutgehenden Molkereien, dc« Sahne aus solch« Liesenentsernungen heranzuhvlen.

Hastig trinkt der Fahrer das unvermeidliche Koppi Kaffee, das die niedliche Haustochter bringt, unb bi« Kinder müssen dem beneideten und bewunderten Onkel Hans den Führersitz wieder freigeben Die letzten Zurufe fliegen hin unb her. Bestellungen für bi« Lachbarfarmen. Bestellungen für den kleinen Bezirksori unb ber Motor springt an. unb spielend zieht der schwere Dogen den nächsten steilen B rghang hinaus Steine prasseln hinter den Lädern den Hang hinunter, eine dicke Staubwolke bleibt noch lange in der sonnenklaren Luft hängen, als der grvye Kasten schon längst wie ein Schiss in ber Pürrung schlingernd, zwischen den Zweigen unb Büschen der Hakisdornen verschwunden ist. Licht leicht ist solche Fahri, nicht mühelos lästl sich asrikanische Wildnis vom Motor besiegen. Sie stellt böse Zumutungen an Mensch unb Material

9» ist noch nicht lange her. ba schlug ein schwerer Dornenast ben Fahrer bet .Ufa- ramo glatt von seinem Sitz, unb noch herrscht überall Trauer über ben Tob dieses Irischen, jungen Menschen, der aus Deutschland gekommen war. um hier sein Leben aufzubauen.

Wenn auch der Dienst aufregend unb ge­fahrvoll ist. so ist er doch begehn. Den guten Der di en st sucht mancher jung« Ansänger als Grundlag« zur späterei, Fannenwirtschall. 21uto- frachtsähren wird heute immer mehr die Beschäfti­gung des Kavaliers, der in zahlreichen Leu- ankomuiliiigen scharfe Konkurrenten im Lebens­kampf« findet.

8» wirb den Wag« freilich allerhand zu- gemutet unb europäisch« .Shaussetflöhe kommen einem toi« Saloniiroler vor 3ch möchte bas ver­blüffte Gesicht eines Berliner Takifah- r « r » sehen, ben man meuchlings aus eine afri­kanisch« Pab setzen wollt«. Gr würde sich energisch fträuben. so ein Stück Gegend als Weg anzusehen. Die schmal« Spuren, die über Ftls- ftuftn spNng« unb in den au-gewa'chenen Fels- blöcken eine» Fl u st bette» total verschwinden, stel­len dabei noch nicht einmal di« schwersten Aus­gaben an ben Fahrer, sondern das tut der Sand, der Wethe Sand bet glühenden Lamib, der rote Sand der unendlich« Kllahari im fern« Osten. Der stellt noch andere Ausgaben und Hal noch schlimmer« Heimtücken als Ab­häng«, 5«l»nakn und owtrt1i«f« Legenrllrnen. Aber «in guter Wagen, rim zuveriäsfig« Führer- hand überwindet alle».

Disher behauptN ber .Amerikaner" ba» Feld in der Auseinandersetzung »wisch« Latur und Technik. Unfett deutsche Autoindustrie ist leider au» Mm Hintertreffen in da» der Krieg ii« gezwungen hat, noch nicht wieder aufgerückt. Man trifft nur wenig« deutsche Wag« an. Vie sind bald zu schwer, bald zu kompiliert und immer zu teuer. 9» gibt drauhen kein« einzige deutsche Marke, die ernsthaft In Konkurrenz treten könnte. Lur hin unb wieder trifft man I ein« Unn« Opel, aber auch er ist den An­forderung« des Landes noch nicht genüg«d an» I gepa bt.

Die deutsch« Bevölkerung in vüb- unb Wtst- Asnka. die stets mit Freuden deutsche Waren rzug.. B' ' tun. der bnit-

'chc-n Autmndusitte dlef« arrA« Tllarh tu er- tchl'.eben, w«n nur komkurreTizfähige Mark« heraus kämen

Fraglos wcrb bet Absatz immer gröster wer­den. benn nicht nut Gefchäll« unb Pnvatleut« hab« ihre WageTi. auch die Farmen geh« rtne nach brr anderen zum Auto über Können doch auf bie Weise auch bie entlegensi« Gegen­den Produkt« absetzen, für die eine schnell« Bo- sötberung Bedingung ist. Die Bewcnschaftung ber Farm« must heutzutage niK so viel inten­siver« fein, all« Mögllchkeit« muss« b:» aufs äustetste au»g«utzl werd«. Wie in all« jung« Ländern ändert sich ba» Gesicht des Landes reistend schnell unb trnmennäbrenb Wo geHmt noch die Wellblechbube be» erst« An'ied- ler» stand, steht man heute Geschäfts- und Bureauhäuiet. Wo vor ir-cmj« 3ahr- zehnt« noch der Herero sorglos Linen weiden­den Herb« nachzog da springt beute ber Fah­rer fluchend vom Sitz. Wenn et bas SO Farm tot öffn« und wieder schllest« muh Unb die Sorg­losigkeit hat schwerem Lachd«k« über D^eh- Jucht« unb WeideverdciI<-runa. Auskr uz« von karakuls unb Absatz von Schweines lei sch Platz gemacht Kurzum, man merkt allerorten d-ast man es mit einem Land zu tun hat das ansängt, sich dem allgemeinei, orofwn We'.lhanbel amu- schllest«. Besonders seit die Grsnerfleischhall« der Gold-S'.orase-Gef. in Walfi'chkxin fertig- gestellt und in Betrieb genomm« find Jetzt bat jeder Ochse bie beruhigende G-wist- heit vor Augen, einmal als Gesrietfleilch m einem itali«ifch-europä sch« Kochtops xu «den. Kein« Kuh braucht sich mehr Sorgen über ihre alt« Tag« z»> nxach«. sondern weist, daft selbst ihre alt« Knvch« noch bet der Liebig-Ges Verwendung sind«. Während di« Karakul» schon seit einiger Zeit wustt«. dast die Mode sie immer mehr protegiert.

Dort wie hier zu Lande hängt da» Wohl der Zarmerri letzten Gnde» von der Gnade des Himmel» unb der Fülle oder Lichtfülle der ge­spendet« Wastermeng« ab.

Man pcrEäht sich aber nicht allein auf die Landwirtschaft, sondern mit immer gröberem Siser wirb über unb unter der Gr de herumge- kratzt. Man gräbt unb schürst unb baut ab, Küpser unb Zinn, halbe und aatvK 8hfl- ft e t n e unb erhofft viel von bw Erdölboh­rungen im Süden be» Lande»

Die mit zunehmender Bevölkerung immer in* t«siver einfehenbe Durchforschung de» Lande» auf seine WeNe fördert bald hier bald dort Srzvorkomrtzen unb Bodenfchätze zu Tage Was für lleberrofchung« In b'efei Hinsicht möglich linb. hat man in dem bevölkert« Südafrika ge­sehen. bei bw Lichtenberger Diarna nl«f und« im letzt« 3ahr

So denkt man. dast unser gutes alt«» Süd- West. das fleaen die meist« Trvpenkoloni« doch immer da» Aschenbrödel war. auch eine» Tage» seinen König»mantel schütteln wird.

Aber wi« dem auch sei. e» ist doch immer ein köstliche», sonnige» Land mit seinem Frieden, seiner Klarheit und Gröst« unb erzieht in seinem gesunden Hochland, tn dem hart« Kampf mit der spröden, wechstlvoll« Latur ein kerniges Geichleche, das zu unserer Freude auch heute noch zum grölten Teil deutsch ist unb deutsch bleib« wirb, dafür bürgt dieser oft raube, aber ItfU Menschentypus den das Land heranxlfht. - Wer es sehen will, der geh« hinaus, der schwinde |ich von .llsaramo" zu .llsaramo" unb lern« so selber kenn«. 8s lohntI

Die neue Autosteuer.

Da» zur Zett gültige Kraftsahrzeug- fteuergesetz verliert nach der Dorfchrist der Lovelle vom Ist. Mal 1926 seine Gültigkeit mit Ablauf diese» Jahre» Diefe Befristung erfcht« damal» rwkwendia. weil in der Zwischen zett verschieden« grundsätzliche Frag« über die Be­steuerung von Kraflsah'ze gen eing-hender y-

Goethe-Bund.

Gedächtnisfcicr für Rainer Mari« Rilke.

G» Ist nun saft ein 3ahr her. dast wir Lllk« verloren hab«, die Zeil bald nach seinem Tod« unb später noch ist so aussallend unb beschL- mrnb arm gewesen an Zeichen der $ rauer unb be» Gedenkens, an sichtbaren Merkmal« des Berständniss«» dafür, was uns mit diesem jähen unb stillen Verlöschen da unten im Süd« ge­nommen wurde, dast man sich freuen und dank­bar fein must, wenn irgendwo tn Deutschland öffentlich des Dicheer» Lllör gedacht wird.

Der Goethe-Bund, dem solche Anerkennung «bühn, hatte bw namhaft« Lezitator und LiteraturfoNcher Dr. Fnednch Saftelle aus Düsteidorf zu einem Bvnragsabend gewonnen. Sa stelle begann mit furyn Wort« des Ge­denkens. btt, burchdacht unb Wahlgesetz,, in glück- Ischer Ju'j mmenbrängung wenigsten» eine An- beurung vom Wesensbilde LilHes zu geben Der» Mvchtw. es muhte jebermann Überla Fen Wriben. aus flüchtig eingeftreutw 'Hamen von Stöbt« unb Mensch« das herauszuhövcn, was davon, über die Zufälligkeit einer Begegnung ober eM Wohnsitzes hinweg, von t.efinnerer Bedeutsam- Mt für die Künstlerschall Lilles gewesen ist.

Dann Gedichtet sehr ausgewLhll, wenig be­kannt, nicht immer chorakteristifchf bie unerhöN nrnfilnüktNro "Berit der .Kindheit", die ent­zückende 3mpre'llon vom .Karrullet'. die mittel* alberllch tönend« Zeilen vom grosten Tode. Man ersannt« hier nicht nur wie dankbar, 'andern auch wie schw-.w.g es sein kann. LLle zu sprechen und einem großen Hörerkrei't zu vermitteln. (Ur» fiel« bi« Dvete einer sehr Bug« Frau ein. bie. als sie die Aufführung eines ganz mo­dernen Schau'viel» erleb: hatte, choc Gindrücke in b« verblühenden Lus'pruch xusammwfastte: 3ch habe kein Dort verstand«, aber es hat mich tief «griff«.)

Dieses .es" wird ben ganzen Abend hin­durch allen fühlbar gewesen sein und ftden das ersetzt haben, wa» oft bei Lille btc beste Vprachgestal!ung oerm. fen lass« must, was sich eben mir dem eindrinzenbsten. still« Oden er- schriebt.

Lach d« Michelango-SrAäblung aus den .Deichich:en vom lieb« Dvtt' .Don einem, der die Steine belauschte" wurden wieder Ge­dichte gesprochen, von Jenen .Die heiligen drei

Könige" mit ihr« wundervoll ausschwingend« Melodik uns am twfften haften Micocn.

Merkwürdig: das volkstümlichste und reprL- sentativsie Sprechstück, das man vei Lille ftn- d« kann, Di« .Weis« von Liebt und Tod", ge­riet im Gesamtbilde am schwächsten. La stelle ist. ohne Frage, ein disziplinierter, technisch ganz reifer Sprecher, mit einem erstaunlich« Gedächt­nis begabt, mit ein« warm«, biegsam« unb raumfüllenbm Stimme, mit einet glücklichen Ver­teilung von 3nteUig«z unb @ehU)l; sicher Ban­gen auch viele Stell« ün .Somei" fein unb be­seelt. ander« ab« z. B. jener berühmte kurze Abschnitt, wo die beschwingt« Prosa unver­sehens. balladesk zum Der» anwächst waren un Ton nicht getrogen. äust«llch gesteigert, in der Steigerung ft«ll«weise Ivaar n.chc zu verstehen. Aehnitche» wiederholte sich tn einem der letzt« Abschnitte.

3m zweit« Teil lag der künstlerische Höhe­punkt de» Abend»: imßob der Armut" tau» dem Stundenbuch) beeinträchtigte yoar anfang» wiederum die schwere Gtdanllichkeit de» Wort- «füge» bU Wirkung brr spvachkünftlerifch« Ge- ftaüung; bann ab«, mit ben w.c auf Goldgrund hingemalt«. blühend« FranziskuS-Der'w ver­einigt« brr Dvrtragrnde überaus harmonisch ienc inner« unb Luheren Gl em en tt feine» nochlchaf- f enden Ledeftils, von den« eb« gefprvch« wurde.

Den Brichlust machte bu aus kndllcher Heiterkeit unb htffinntg« Märchenphantafw lehr zart griponnme GrzLhIung .Du der Fingerhut dazu kam. t*a liebe Gott zu sein". Dem Dvr- tragenbcn dankte ehrlich« Beifall etn« grofyw Zuhörerschaft.y

Stillstehen in der Lust.

Cine neue Periode der Jlugorrfn*.

von DipL^ntz. rllbert @ regorp.

Bei dem letzt« ÄUuftfUgtampi zwischen Doret und 5 i e f e 1 e r würbe als einer her wichtigsten Äuf- gab« die Ziellandung gritelll. Dabei zngt« Nch. dah rin so geschickter Vtlot wie ur*r Kunst- ftieger Fusel er das Ziel doch nur mit ein« Un­genausten von 36 Metern was. Do mcht alle 8er- (d)rpiloten Kunstflieger km können, snch ch« 2an- bung<n noch «rtxbhd) ungenauer. Diese 5djw«ng- fett ber Landung mit ben ictzigen Ftagze-aarnpen bedingt die gewaltige Lusdehnun o unserer Flughäfen. Abgeseh« von der Tariachr, dah

solch« grob« Freiflächen für Flughäfen in der Zu- kunft mcht immer tn günfbaer Laa« jur Verfügung ft«ben awtben, oerhinder! «es« Ungmauigfeit t>«r Landung oor allem di« Popuianfurung btt Klein- Beuge*. Finanziell sind heut« Kinnslaazeag«

l erschwinglich und gar mancher könnt« |i« sich o ga< leisten an« ein ttuto, beim ihr vrri» be­trögt nicht mehr als sechs- bis sieben laufend Mark. Aber was soll man mit einem Flugzeug ansang«, mit dem man nur auf wohl vorbereitet« Flugplätzen landen kann, bi« oft met« Kilometer weit vom Ziriort entfernt heqen* Das nützt mir mein Flug­zeug, wenn ich von Lettin noch Schonedeberg iliegen will, und in 8«slau ober Borlift landen muh"

Die Flag^ugkonstrukteure sind deshalb seit lan­ger Zett bestrebt, ein« Flugplatz zu bau«, ber eine zielgenaue Landung ermöglicht. Zu diesem Zweck ist es notwendig, dem Apparat bas Senk- recht Aufwärts- unb Hböärtsfteigcn m der Lust zu ennöglich«. Stenn bet Flieger di« Möglichkeit hat. über dem Doch eines Hauses m der Luft «st zu träfen, schriebstch Hast zu mach«, um bann lang- s a m senkrecht n i ede r z u f i n f en, ist bas tirobtem gelöst, barm kann feber auf be m Vach seines Kaufes landen und stört« Dar Problem des senkrecht auffteigenbw Flugzeuges ist deshalb niemals aus ben Plan« ber Flug^ug- konstrukteu« oerjchwunden. Dir erinnern uns noch des Ipanitchen Fliegers delaSieroa. ber uns (etn Äindmuhlenflugzeug ytg*. bas einen ersten praktischen veriuch zur Lös'ang dieses Problems dorstellt. Dieses ®<nbmübl«<Iugirup be- kfj rnw tneriedig« Propeller, dessen Flügel sich in bortpruater Loge befanden. Aut bwte Serf« hat be la Sterva ui ber lat eine ziemlich senkrechte Srortmögstchkett gesund« und auch die üandun^n erfolgt« in tenkrechtem Hboärtritngm mit ziem, litt*r Genauigkeit. Kur bas Problem schnellen unb sicher« vorrÄttsstteg«ns n»r noch ungriöft 3n Fobarm-sial uxrben nun in letzter Zäk ernt aanjyt Anzahl ähnlich« versuch« unternommen. Tu ist zu- nächt! der deutsch« Stieger Salier Sie feier, der unter Mitwirkung des Ingenieurs Kreiser ein oerbestertes Prozett her W'nbmühlenstugzeuges aus- probiert Kiese ter hoi bei sriner Konstruktion auch bie Zroftctw. bie bei dem Prv»ek! bei Spaniers noch iorhanben waren, ganz verzichtet. Sem giu^yua besitzt au her dem Horwärtscntrvbpropeüef lediglich anittv« der Tragstachen vier arch- Sindmühl«- ftüaeL die hort yunal über dem ^sta^zeag hegen. Mit dieser Konstruktion Will Ätrider eine völlig« Ab­sturzsicherheil eryeter. und auch ernt fast senkrechte Landuogsmögstchkeii erreichen. Die ver- »uche stttd tsis jetzt noch nicht fro wett gebuota. daß

sie erkennen lassen, inwieweit bot neue Projekt zum Ziele führen wirb.

Gteichzeitig wird m Zohonnistzal ew zweites Projekt ausprobiert, bas an di« ursprünglich« fron- cojischen versuch« erinnwt, mit Hilf« dn«s Sch rau­bens lag zeug es 6ns Problem bts «krecht auf- unb absteigend« Flugapparates zu losen. Der deutsche DbtrIngenieur Engelberg-Zafchka hat eine Maschine fonftruiert, die tm wesentlich« auf dem Krrisrifystem und dem Prinzip roh«renber Trag- flächen beruht, lieber ben Traosiachen befmbet sich auf einer vertikal stehenden Achs, rin RrriM, Der durch ben Motor ongetneb« lvcrtz, unb der. in

Analogie feiner Verwendung tm Schns»rump*. bie Stabilisierung des Flugzeuges in brr Lust üderneh- mm soll. Die Tragflächen sirch nicht feststehend, [on- bem rotier« ebenfalls um eine vertikal Achs«, izier wiederhott sich also der ® «ba n f r b«s Sind- mühl«nflugtls. nur bah Zafchka sich tm Ge­gensatz zu Kieseter mi! »wn grohen Tragflächen an- Nelle bex vier Aindmühtenslügel txgnügl. Der Auf­stieg erfolgt m:t Hilf« ber rotierenb« Traqstach«. wobei der Kreisel stets für die notwendige Stabilität sorgt. Die Vorwärtsbewegung erfolgt wiederum durch ein« besonderen Propeller, der noch dazu von einem Extto-Motor angetr-ebw wird, so dah also zwei RrattqufU« im Flugzeug votchand« fein rnüs- 'm. Die senkrechte Landung ober bot Äbwartriteigen bei irgendwelchen Maschinendesekten «folgt einfach dadurch, dah man den beiden Traastächen an ihr« End« bie übliche Steigung, bi« bas j'ohenfteuer fonff oolltührt. gibt, unb nun begünwn bie Trag fläch« durch den Lustdruck bet abwärtefmfenbw Flugzeug« telbftänbig zu freifen, ohne jetten Äraftantxub, mt rin« oom Baum« bfrabfinfe*« Frucht des Ahorns.

DeserUsich neu an diesem Projekt ist iwr die Verwendung des Kreisels, ber man auherordentlüh tt«pn<ch gegenüber ftehw muh. Die Sebent en gegen ben Kreist! bestehen nicht nur bann. ba% er stets einer 'Zlntneb»freit bedarf ldiese bittet beim Proiett oov Zaschka im Fall« der Mo- foroeriogen? die rotierende Tragsläch«), sondern sie besteh« mettt-r bann, bah man überhaupt für die Zweckmähigkett des Kreisels imb fernem Luden in ber Lustschistahrt noch fernestoegs überzeugend« '8t# »«ist hoi.

Äll« biete Projekte des Senkrecht- Lustteigens bie Lust unb des Änhaltens in ber Luft sowie ber senkrechten Landung stecken leider noch m ben ersten Anfängen, und lieberyugenbee bieten auch bi« bei­den neuen Projekte noch nicht, wenn sie auch manch« westntlicht Derdesstrang gegenüber bet bisherigen WldtrstptoCL. - _ .