Itt. 263 Drittes Blatt
Lietzener Anzeiger iGenerai-Anzelger für Dberheflen)
Mittwoch, 9. November 1927
Kür den Büchertisch.
Neue Nomone und Novellen.
— 8elir Broun: 8gn«e 3111ir d>nr r. Boman in sieden Büchern. 1(Xju Setten Dünnbrud. y. Leinen Mk 11 — 3flfrl-»«tag. Leipzig 1W7. — Zn einer Setdflan^eige ichreibr brr Dichter über Irin Buch .«3n diesem Wert Hobe Ich rerudn. den 11 r>.n-j -bm vefterreich» durch die Heben 3cbrr 1V13 bi» 1919 bor^fkllor. nicht jo. buH btt potiNichen oder gor b*r mih'-änidycn Ere,gnlts« tm Vordergrund üdjebar gemach: würden: vielmehr blkb <111 biro in der Tiese de» Baume»: e» kommen und geben aber samUiche Personen daher und dahui. und ihre Verwandlungen durch die Zeit und durch die centfielt xu zeigen, war da» Thema der Dichtung. Ich nun'che mir, bofc cnige meiner Fi- iurrn Lgne», Frmaord. fturt Hoefstmg. der Soler EckMunaner. der nofrei Burger — von vielen meiner Leser fo geliebt werden mochten wie von mir. 3fi e» doch rin Lieberroman, ja. vorwiegend und hauplsächl.ch ein Buch der Liebt Und do e» da» ganze Leben de» Men'.yen wenigsten» iroendwo zu berühren aalt, wich lein Beroch der Liebe, der irdischen sowohl wie der himnüischen, — die» Hoss« ich. — ohne einen Blick oder Fingerzeig geblieben sein.' — Die «u»s«aNung de» Buches ist Muster- gültig. 507
— Leonhard Frank Tas Ochsenfurter Männerquartel t. (3n Leinen h U7T. Insei-Derl g. Leipzig.) Dieser Roman
ist eines der srit.- . n CBkr!-, in denen Tragik und Humor des Lebens zu einer Einheit verbunden sind. Schauplatz der Handlung ist Würzburg. die ©labt toc-rut die .Räuberbande" einst ihr ilntodc.i getrieben hatte, und cs sind vier ihrer ehemaligen nun zu Männern herangewachse- nen Mitglieder, deren Schicksale wunderlich miteinander vers loch'en werden. Scheinbar mühelos entwickelt der Tichtcr eine Handlung, die den Leser durch den W- ' Id unaewcHnlicher Personen und Ereignisse in gr^' r Spannung erhält. T>e ehrsamen 'Bürger und ihr« Rot. die sie zwingt, sich zu einem Quartett zusammenzutun, um aus der den einen von ihnen -u verhören hat. weil er Im Verdacht steht, einen Mord begangen zu haben: der dekadente, zu immer neuen Sensationen gehetzte belehrte und Weltreisende uni) sein fl!üdlid>. rer «Gegenspieler: das leB zehnjährige Mädchen mit seiner erwachenden Erotik: olle diese unvergeßlichen Thoraliere sind mit den Rügen eines echten Dichter gesehen. 525
Rebellen. Roman von Rlsrcd Reumann (Deutsche Verlags-Anstalt. Stuttgart, in Leinen 7 Ml.-. - Als red Reumann war ein Srzählertalcnt. das lange Zeit im Verborgenen blühte Erst Paul Fechter hat es eigentlich ans Licht gezogen, als er dem Dichter im ergangenen 3abre für seinen Roman .Der Teufel" den Mlviftbrci# verlieh Inzwischen hat Reumann sich auch dem Drama zugewandt. nicht mit dem gleichen Erfolg. Sine Erzählung „Der Patriot", di« «Geschichte des (Stufen 'Pahlen, der Kaiser Paul, den irren Rulsenzaren, vom Throne stieß, wurde dramatisiert und von Karl Henrz Martin mit Wegener und Köttner bei Barnowski in 'Berlin yerausge acht, ein starker Publikumserfolg. der über me Schwächen des Dramas jedoch nicht hinwegtäufchen bad. Dah Alfred Reumanns Begabung auf dem «Bediel des Romans liegt, zeigt lein neues Werk „Rebellen". Zeit und Ort dieses neuen, wiederum historilchen Romans liefen der Sphäre her allgemeinen histo- rilchen Bildung etwa» abseits: «J» ist da» «Brost- Herzogtum Toskana, seit den Rapoleonischen Kriegen wieder Sekundogenitur des Haules HabS- burg und die Zeit, die unglücklichen Jahre um die Juli-Revolution, in denen Metternich» «Beist gerade in Oberitalien Orgien feiert. Die italienischen Rationalisten streben (Befreiung vom Joch der Habsburgi'chen Fremdherrschaft Einigung zum «Brost-Italien an. Don Paris aus gehen Fäden der Betschwörung in die kleinen oberitalienischen Fürstentümer, in den Kirchenstaat und hinunter nach Reapel und Sizilien. In Florenz, wo unter dem milden Zepter des politilck) liberal denkenden, kunstsinnigen und fcbentflugcn Fürsten von einer Bedrückung deS toskonischen Volkes kaum die Rede sein konnte, war es schwer, eine revolutionär« Atmosphäre zu entsachen. Liner vom Dichter klar, grost und einen kleinen Kreis begeisterter Männer und Frauen für die grostc Idee des nationalen Italiens Ml gewinnen Bis in die nächste Umgebung des Fürsten zieht der Rebellenführer feine Streife. Die Freundin des (Brostherzogs. politische Frau und doch ganz Weib, steht der radikal-nationalistischen Bewegung nahe. U.n sie und den Führer (Buerra herum eine Reihe schadgezeichneter Gestalten. ihnen gegenüber die Mächte des Staates, der glänzend geichilderte Polizeipräsident, der tluge Diplomatenkopl de» etwa- müde resig- niertnben Staatsministers. schlicstlich der Groh- Herzog selbst: Staute • einer überaus bewegten Handlung, des ersten AuszuckenS der Revolution, die diesmal noch von den Mächten des alten Regimes zu Boden gezwungen w.rd. In einem -weilen Bande will Reumann die nächste Stoppe der nationalen Bewegung Italiens schildern, deren Mittelpunkt wiederum «Buerra der eigentliche Held dieses Roman,- stehen loIL Auch dieses Buch wird unser gröhtes Interesse beanspruchen. 600
— Sduarb Heyck: Das Ende der Flittermonde des Hei-ho. 32 Seiten 8°. Preis 1,60 Mk. Dettag von Morin Schauenburg. Lahr in Baden. — DaS ist ein allerliebstes Düchelchen. das unS der angesehene Historiker und Kulturgttchichtler Prvfttsor Dr. Eduard Heyck hier auf den Tisch legt; entzückend eingebunden und so rührend und anmutig zu Iden, io unveriällcht chinesisch von innen und auhen auf den ersten Blick, dah man in der Tat. zumal Denn man sich der sonstigen und gewittermahen hauptberuflichen Lättgkeil des Autors verge- tvifsett. das Danze für eine außerordentlich geschickt ins Derk ge'eyte ileberrragung aus irgendeinem chinesischen Tette halten könnte. Mit Nichten: das Ganze ist .echt . ist keine älebettetzung. sondern eine sehr sein empfundene, ganz eigen- gepragte Schöpfung, eine kleine Novelle au» dem fernen Osten, erfüllt von der uralten Weisheit des großen Äcngfu-tie und von der lyrischen Sanftheit der ßiebeäflagen des Li-tai-pe und des
Tu-fu. diese E-eschichte von den bräutlichen Freuden und ehelichen Schmerzen der schönen und jungen Li-tti. die jener zarten Haltung des .Aretbefreifef verichwistett scheint und von den Flittermvnden. dem «Blück und Leid des Malers Hei-hv. von der herben Trennung und nu>ii4>m Wiedervereinigung des Pärchens ist recht eine Erzählung für Liebende für Brautleute und junge «ri-egripon<e. welchen man mit diesem L'thlifilcn Bändchen etwa als einem Weih- nachlsangeblnde, triri Freude bereiten kann. 412 — Friedrich Stiele .Die letzt« «Barbe" «Otto Quitzow. Verlag Ä.-®.. Lübeck Preis Mk. 4.50). Friedrich «Briefe ist durchaus Rorddeuricher und trotz dieser starken Gebunden- Herr an btr heimi'che Scholle trotz der lastenden Schwere seiner D.chtungen hat er sich binnen kurzem weit über seine engere Heimat hinaus vehör zu schaffen gewußt. «Bs sind bislang alle» klein« Rovellen. stllisti'ch auf das Feinste geschliffen rief n.rbunden mit der Er den schwere des niederdeurichen Ackers, rief emtifunben aus der Seele seines Volkstum» Das 5Xr.egAcrldmii» als solches schlldert er in diesen drei Rovellen bic h.er zu einem köstlichen Bändchen vereinigt sind. Bauemschickfale. hart und grvst wie bic Men'chen selbst weit und schwer wie die Ratur. in die sie gestellt sind. Aufrecht« Menschen smd es. wortkarg und grablimg, aber voll Willens zum Guten, keine Kompromthnaturen. Das Recht suchet, ‘ie, und das Rechte wollen sie. Es ist das Büchlein einer groben echten Kunst, die «Babe eines Dichter». von dem wir noch Schönes erwarten büden. (253/
Schatten über dem Rhein. Roman au» dem ixrießten (Bebtet von Elisabeth Fries (Qkrtag von Ä. F. Koehler. Leipzig «Sanz- 1 einen 5 TKfj Roch lastet der Druck feindlicher Besatzung auf groben Teilen der rheinischen Bevölkerung, doch scheint die schwerste Zeit, die in dem («lselnden Roman von Elisabeth Fries eindrucksvoll geschildert ist, überwunden. Mit seinem weiblichen «Befühl hat es die Dedasserin i'c-rmiebeir. besondere Schreckenstaten in den Vordergrund zu stellen, so dah die seelischen Röt« und die tief in daS Wittschafts- und Fa
milienleben c.n greif enben mal ntllen Schwierig- ketten um lv ftarier wirken Erdrückend werden die Röte durch das E.nwlrien verständnisloser fremder «Bewalihaber und durch di« separa:,st,sche Bewegung, die selbst die Qk-.tter gutgläubiger br.mari ebenbcr Männer verwirrt. Ilm so befreiender wirkt es. ttne rheim'ch« Lebenskraft und starke Liebe zu:n Deutschen Reich fr.de dunklen Schatten verw icht. w.e die unedchütter- liche. aus rhein (chem Optimismus geborene Hoffnung aus eint bessere Zukunft, auch die E.nzel- fch.cksa'.e der um ihren Seelenfrieden kämpfenden Frauen und Männer, einer befriedigenden Lösung zuführt. 466
- Werner Deubel: «Bötttr in WoI - k e n. Roman in 2 Teilen. 263 Seiten 8 1927. Jena. Eugen Dieder.ch» 23tdag. Br 4,50 Mk . Lernen 7 Mk. Tas ist kein Roman, der modern ästhetischen JUmflihen oder Aden t cuergcl ü strn entgegerckomm! Deubel gehört zum Kreise um Ludwig Blages. Ihm geht es um die Menschen, bevor sie resignieren Deshalb setzt er mit der inneren Lebenswende ein und zwingt seine genialen und dämonischen Ra tuten in den .stampf gegen die verderblichen Berstrickungen des Ledeirs hinein. Er eripart feinem jungen Burkhard, den es zur Ausformung seines dichterischen Wesens drängt, keine Ent«L idung im Ringen um Seele und Schöpfertum Aus den Wirren der (Broh- ftodt rettet er sich in die Ratur, die er uw betouf.’t in tragischer Liebe |u ’eiiwr Halbschwester erlebt und so durch fr.e Fülle des Erlebend dem Kern seines Wesen- näher kommt. Ts sieht die Menschen von innen heraus und weih ihre geheimen Regungen zu deuten. Dadurch leben sie in der Abenteuerlichkeit ihrer Seele und spinnen die Fäden ihrer Beklebungen, die der junge Frankfurter Dichter und Ärittfcr mit unerbittlicher Wahrheit und einem tm kosmischen verwurzelten Schauen zu gestalten weih. Se.n Roman geht teils in 8er Richtung von Hesses .Dentian", teil» erinnert er in dem llebedchwang der Bilder und in der roman- nsch-nru'ikalischen Art an Hölderlin. Jeder bemüht ober unbewuht schaffettde Mensch wird in diesem Roman eigenes Schicksal wiedererleben. 586
Schriften zur bildenden Kunst.
— Pros. Dr Friedrich Behn: Allgermanische Ä u n ft. 55 Abbildungen auf 40 Tafeln mit einer Einführung, start 3.50 Mk. 1927. 3. Z. Lehmanns Verlag. München — Erst Besinnung auf unser Dolkstum hat unS die Schönheit altgermanifcher stunst wieder fühlen laffen. aber was weih heute die Oeffentlichkril von ihrer reichen Entwicklung von der jüngeren Steinzeit bis zur Dölkerwanderung? BehnS inhaltsreiches Büchlein mit den guten Wiedergaben her Äunftgcgenftänbe füllt wirklich eine Lücke Schon die Steinzeitfunde beweisen die Freude an der schönen «Bestaltung von «Berät und Waffe: Steinbeile und Dolche auS dieser Zeit sind oft bereits vollendete stunstwerke. Die reich verzierten Tongesähe dieser Periode gehören zu ben schönsten Erzeugnissen srühgeschichtlicher Töpferkunst. Die Bauten, erhalten sind in erster Linie die großen Steingräber. verraten viel Sinn für Monumentalität unb «Befühl für die Wechselwirkunaen von Bauwerk unb Landschaft.
ha raut folgende Br 4 voll reichsten
künstlerischen LebenS: bei vielen aufgefunbenen Schmuckbosen versetzt uns die bereits erreichte Eleganz der Ausführung in Erstaunen. Die Völkerwanderung schliehlich brachte die frühgerma- nische stunst zur vollen Blüte unb Entfaltung. BiS an die Schwelle der geschichtlichen Zeit verfolgt Behn die Entwicklung der germanischen Äunftüflnq: daS «Brabmal Thevdorich» in Ravenna unb die Torhalle in stloster Lodch sind die ältesten noch jetzt erhaltenen Denkmäler germanischer Baukunst. Alle für die steimtnis altgermanischer stunst besonders wichtigen Funde sind durch mehdache Abbildungen vertreten: so der Sonnenwagen von Trundholm. die Wafsenfunde von Rydam. daS Oseberg-Schifs usw. 567 — Peter Metz: Der Dom zu Mainz. (Äimftfübrcr an Rhein unb Mttel. heraus gegeben von ögid Beitz. Band 3.) 76 Seiten 8*. Tert. 44 Bildtafeln. Preis 3.50 Mk. Verlag Benno Filler, stöln, Augsburg Wien 1927. — Der Verfasser. Assistent «im Kunstwissenschaftlichen In» flitut der Landes Universität, als Mitarbeiter am Giehener Anzeiger auch unserem Leserkreise nicht unbefannt, gibt mit der voriiegenden Arbeit eine als Darstellung wie als Untersuchung gleicher- masten gediegene Leistung, die sich durch Fleitz. Exaktheil. genaue Matena 1 kmntniS und überbie» eine gerade bei wissenschaftlichen Werken von so immerhin speziellem Eharaller nicht häufge Schlichtheit unb Lebedichtlichkeit der Schreibweise auSzrichnet, wodurch sich baü Buch, ganz ereft angelegt, zu e-.ncr auch für ben Laien mit (Benutz und Ruhen zu lesenden, übrigen# erschöpfenden Einführung in die Materie enrpfiehlt Die Publikation, der angriichtS der gegenwärtig vorgenommenen Sicherung-- und 5r- neuerungsarbeiten am Dom zu Mainz auch eint gewiss« aktuelle Bedeutung zukommt, gibt eine gewissenhafte, eingehende Irdische Baug schichte unb architektonische Analvse beS Mainzer DvmeS e.nfchitetzllch des reichen D.-n.'ch-nes an Altären. Plastiken, «Brabmälern usw. Die Darstellung verarbeitet übrigen» die ffraebniHe der maßgeblichen früheren Arbeiten sstautzsch. Reeb. Schneiders. sowie die neueste, einlchläg.ge Literatur: daS bei gegebene illustrative Bildmaterial ist umfangreich und tadellos reproduziert. Die Ausstattung. die der in letzter Zeit bancricnätotrt rühr ge Verlag von Silier dem Bande hat angedeihen lallen, ist sorgsällig unb gediegen. 461
— Deutsche Da rock ft ä dte. Von Dr. P. Zucker. (W.l«enschaft und Bildung Band 237.) Ein Bilderntlas mit 77 Abbildungen auf 64 Tafeln unb 34 Serien 8 Tert Sebunden 2J2O Mk. Verlag von Quelle 4 Meyer in Leipzig. — DiefaS errtzückende Bändchen ist feines- wegs bloh für den Äunftfirunb bestunrnt. Es will jedem, der im deutschen Vaterland« reist, die Augen darüber öffnen, was die Kunst des Barocks im Städtebilde zu sagen hat, wie Re betrachtet unb verstanden werden wrll. Mer llaksi«che Barockstädte stehen ün Mittelpunkt: Bamberg. Würzburg München. Dresden. An Hand köstlicher Bilder erleben wir den rauschen
den Rhythmus barocker Kunst, ob sie Fürsten- schlösser oder (Botteshäuser. Burgen oder Rat- häuler hervvrzaüberte. in denen Architekt, Maler unb ©artenfünftler wetteiferten, einem dem Lebensstil jener Zeit entsprechenden Rahmen zu schallen. «Bs ist eine gewaltige, über den Einzel- menschen emporragcnde Kunst, die an der Wende des 17. Jahrhunderts in dem so armen Deutschland ein uns noch heute überwältigendes Städte- bild schuf. Der kenntnisreiche airregende Führer wird flch bald viele Freunde erwerben. 595
— Paul Said r n: Eupalino » ober über die Archncttur. Ein geleitet durch: Die Serie unb der Tanz. Uebcrtragen von Rainer Maria Rilke. 2H8 Seilen, 8°. Leipzig, im Insel-Verlag, 1927. — Ein von sokratischer Marheit erbrüte», von klassischem Geiste erfülltes, durchgeistigtes Buch des feinsinnigen Paul Valöro, der zu den begabtesten Kopsen des gegenwärtigen französischen Schrifttums ju zählen Ht; das künsllerifche Glaubensbekenntni» eines Schaffenden, gefaßt m die antithetisch zu gespitzt« Dialogform der Alten, voller Klugheit, tiefer Empfindung und Anschaulichkeit, gefchtifien unb vornehm in jedem Wort einer ebenbürtigen UebcrtTagung, die bas letzte Werk des unvergeßlichen Rilke fein sollte.
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Aus fremden Literaturen.
— John «BalSworthy: .Der silberne Lössel", Roman «Verlag Paul Zsolnay,Wien). — «BalSworthyS .Foriyte Saga" hat einen ungeheuren Siegeslauf auf dem deutschen Büchermarkt zu verzeichnen. Man pflegt das Buch neben Thomas Manns .Buddenbrocks" zu stellen und wenn man überhaupt literarische Dinge an einer Wertlkala messen will, könnte man sich denken, datz für den (BalSworthy noch mehr her- auskäme. Jedenfalls haben wir Deutsche in unserer Literatur nicht allzu Vieles, waS der „Forfyte Saga" gleichläw.e (SS ist in hervorragender Weife ein h storischer Roman. daS darf man nicht übersehen, ipcrm er auch bis in unsere Tage reicht und in absolut bürgerlichem «Bewände sich gibt Denn auch die «Beschichte des englifchen Bürgertums, der besitzenden Rlassen in der Viktor.anilchen 3era. ist eben Historie, und der Roman will nicht psychologisch gewettet werden, sondern als emo grobärtige Mllieusch Iderung des merry-old-6nglanb. Auf dieser Grundtendenz heraus'ist es vetttändlich dah man spätere Teile dieses riesetthasten Romangebäudes schwächer finden wird, weil hier die Sch-.Iderung historischer Zustände ganz zu- rüdtrirt gegenüber dem gewih nicht immer glücklich k urchgefühtten Bettuch, einzelne an s.ch gut gezeichnctc Pettönllchkeiten von der Seele her au erfafien. Dann kommen Ungereimtheiten zustande und eine Spannung-leere, die namentlich bei der Lektüre des .We.tzen Affen" lähmerch wirkt. Das (vorläufig?, letzte Rapitel des Ro- mans .Der silberne Löffel" zeigt den Dichter als kritischen Schilderer der brttckchen «Btteil» (chatt toieber auf feiner alten Höhe. 58 werden 'ozialpol.t sche Probleme angttchn.tten. wie z. D. die Devöllerungszunahme und die Sicherung der herrschenden Raste in ihrem Des.tz, alles etwas «chatt, sarkastisch Point ert, man ryeitz nicht immer, wo bet (Sm ft auf hott und die Ironie anfängt. Daneben die Stellung der modernen Frau innerhalb einer Gesellschaft, die mit (Erbitterung und Zähigkeit um ihre moralische Integrität kämpft, WaS sie so nennt Gerade bitte Frage könnte man ttch gewih ernsthafter und titter bell denken, aber kaum amüsanter und plasti- Der Roman spielt in unseren Tagen, es ist
tne (Bttchichte des gegentoärt-gen Englands, aber es ist w ederum H.storie. wenn auch zwrifelloS nur von einer Seite gesehen. 389
— D. H 2awrence. Liebende Frauen (Insel-Derlag, Leipzig. Preis 7 Mk.). — Die englischen Romanriers sind bei unS grotze Made. (BalswvrthyS .Fottyte Saga" ist ein Buch, das heutzutage ..jeder gele'en haben mutz", der übet moderne Literatur mitreten will. In den vielen, wie Pilze aus bet Erde schießenden Roman-
retben. für deren Herausgabe man « cckmätzig ein paar deutsche Lchri':l:cl!er non R ■ zu ge» »innen versteht spiele, Engländer und Jimett- kane« eine hervorkagende Rolle nicht . mer dte Besten. In Ermangelung etnes bc'«<rcn werden di« ausländilchen Autoren sogar gedrängt, thre Schublade auSzutümen, und 'ie ’inben denn dar.n noch manches aus längst verllungen.n Zetten dichterischen Ctun-. und D.an. > fr:» tbntn für da» deutsche Pudltkum .. . n no.t . g^naa
ettchetnt Unb in dielen .loment« xn U'.rd bann mit L 1
Oeaenübcr dtttem Xoeiben haben .Lchr.tt- stellet von «Bttchmack und Anspruch schn.itch durchzuletzen, wenn sie auch da» bet ans Deutschen alS Vorzug gellende Prae habe.-.. X.i«>• länber zu sein. Aber sie '.»erben dann auch einmal die Genugtuung haben, dast man nt'db von ihnen redet, wenn bic ^Romanrethen" und töte ^Bücher der Del»" längst ui irgendwelchen Winkeln verstaul»en Reben Gais rth : m wir seinen etwas lauten Ruhm nicht ft rett i machen möchten, und Hutchinson wird man D. H. Lawr e n i c uni. :
in der modernen englisch, n Literatur rechnen muffen. Setn Thema ist durch a.le frei Romane hindurch, die unS in deutscher HebcJeoung bislang vorliegen, die Frau in mancherlei Dar a- tIonen Die Liebe in der Ehe. dte Liebe der Mutter, die so grob sein kann, den Söhnen den V>eg zur Frau zu hindern. Was aber a er diese Probleme hinaus interdhert. tst das B>ld. da» der Dichter von der seelischen Struttur de» heutigen England zeichnet, diese in ho snungS- lofcm Individualismus auSeinandersallend. <*e- sellschast, die eine Tragödie möglich macht, t c den modernen Menschen in eminenter Weis« angebt und aufregt. So ist dieser neue Lawrence ein absolut zeitgcmätzes Buch, mit dein stch der deutsche Leser und auch die deutsch« Frau - schästigen wird. 373
— Die Rache de» jungen Metz . ' r das Wunder der zweiten Pflaumenblüte. Aus frm Chinesischen übertragen von Franz u hn. 33U Seiten 8°. Nach Art (hintttscher Blockbücher gedruckt. In Leinen 7,50 Mk.: Leipzig, im Insel 1(«r- lag, 1927. — Ein chinesischer Studenten- und ‘.He- nolutionsroman! j)ier lernen wir die Denktveis«, di« Brauche des chinesischen Abrdemikers wrftfb- n und erfahren, wie in Ehma eine Revolution geistig in» Werk gesetzt wurde. Ein packendes Kultur gemälbc wird uns hingezeichnel, au» dem uns da» mysteriöse Anllitz des wirklilhen Ehina entgegen- blickt, wie e» ein noch so phantasiebegable erro- pöische» Dichterhirn sich nie und nimmer uorftdlen kann. Tempel und Pagoden, die «strotze Mauer, die «stoldstufen de» Ä»rons. da» Mittagstor vor dem Äaiferpataft, brr Echauplatz so manch.r Umwälzung, erwachen zu warmem Leben und reden thre deutliche Sprache. Zwischendurch rochen stch die Purpur- iadrn zart romantischer Liebes
am Schlüsse zum Knoten einer kleinen Lens ilion zuzuschürzen: zwei junge Helden fuhren jeo^r zivet Bräute heim, und der Himmelriohn sanktioniert chren zwiefachen Doppelb'.ind! Hier wird n-an da» wahre, do» alte unb das heutige Chino in feiner ganzen Merkwürdigkeit begreifen! 558
Politik und Geschichte.
— Karl Friedrich Rowak: »Versailles" (Verlag für Aulturi*olttif, Berlin W 15). Rowak war österreich.tcher Kriegsberichterstatter und ist bekannt a> worden durch fein sensationelle- Buch ..Der Weg zur Katastrophe". da» nach Angabe deS Verfasser» sich auf die Intentionen de» öftere«kbi!<ben ättneral- stabSchefS Feldmattchallo Eonraa von Hötzen- horf stützte Man fühlte nicht klar heraus, wo Tonrad aufhörte und Rowak anfing. Klarheit darüber brachte erst eine spatere Auslage des Buches. Ein ähnlich unbehagliches (Befühl wird man auch bei dem vorliegenden Werk nicht immer unterdrücken können, wenn auch einig« Denkschriften und Briefe mithandelnder Pettonen als solch« gekennzeichnet werden. Unter diesem Vorbehalt wird man jedoch in dem Buch eine unerhört spannende Darstellung der größten Tragödie moderner «Beschichte, die «ich unter bern Rainen „Versailles" verbirgt, finden, eine Schilderung, die man mit atemberaubender Spannung wahrhaft durchpeitscht. Da» Buch baut sich auf, ob- gttehcrn von den ahenmäfiigen Quellen und den 'chon vorliegenden Memo.renw. rken lnamentlih denen Wil'o S. TardreuS Ritti», KeyneS, ncht genannt ist der Dcuttche Brockders-Ranyau', in der Hauptfach« auf den M.ttt Zungen von Staatsmännern. Diplomaten und Militär» tri- ber Vertrag»kontrah-rtUen. Der «Banz der Wa'^cn» stillftand»- und Fr.cdcnsverhandlungrii wird in feinen einzelnen Phasen aur erordentllch plastisch unb gut gegliedert bargeflellt. DaS Milieu von Vettallle». dieses ganz merkwürdige (Semllch von Siegesrausch und Aayenjannner. ettährt eine ausgezeichnete Schilderung. Die Staatsmänner selbst werden in ihren Eharatteren, in tbrem Menschkich-Allzumenschlichen. m ihrem politischen Wollen und in ihrem Adnncn 'chatt umri^cn. Don ihrem Spiel um höchste Ein'ätz?. d?rn erbitterten Ringen zwischen Ideal und Wacht bekommen wir ein äußerst anschauliches Bild. Besonders wertvoll ist das Porrrait. daS Tlotr-al — m einzelnen Zügen mit Recht oder Unrecht — von dem ^Herrgott" dieser la ne, Woodrow W i l- son. Professor der Geschichte und Prä'.denten der Vereinigten Staaten, entotdt. dem Wanne, dessen einzige» Ziel es war. unter bern Regime des von ihm gttchaf ttnen CQöUerbuntee ..das britte Rrich", das Reich des ewigen Fr eden», aufzurichten: dem Wanne von dem sein Freund der ttchechtsch« Staatsprü .. t T.U'arq! c.nmal gttaat hat, er sei ein Srinö in allen curopäischen Problemen. Wilsons trartV. ist einm J dah er voller Hnkennm.s der e nfc chsten eurvpai'chen Verhältnisse herüber.'am. u • hier ein Retz von vor Jahren abgttchlofsencr Bündr r>erträ.-,e vor- zutinden. deren recht au.'j'.i.’flt Dettprechungen an Land unb «Bttd. Men'chen und Boder.'chätzen man jetzt gcgen'eir.g : in tritt DaS Fett des Bären hatte man längst pcrtc.lt. ? vor er erlegt war, und bitter ideologische (Bc'chichtsprostt or aus Amerika konnte zwar ben harten T^'.'achen europäischer etaat6mcrr.iT für Augenblicke unbequem werden, aber Sc t btrl.n ihn nitt>er mit ihrer brutalen Wachlgier. die sich richt um den Pre:S betrogen sehen wollte, um den soeben bet blutigste aller Änege gttchlagen war.


