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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Nr. 2\\ Drittes Blatt

gieitag, y. September 1927

Die Emanzipation der Buren.

Don unterem P.W.-Derichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I Kapstadt, Ende August 1927.

Als ich nach langer Abwesenheit nach Süd­afrika zurückkehrte, fand ich d.e Dinge von Jrund auf verändert. Die Engländer haben sich in den hundertundzwanzig 2ahren, seit sie am Kap der Guten Hoffnung Fuß faßten, niemals mit einer bescheideneren Rolle abfinden müssen als heute. Roch vor wenigen 2ähren war diese Stadt nahezu ganz englisch. Wer rn groben Warenhäusern Einkäufe machte und Dabei Afri- tans" sprach, wurde von obenher abgefertigt, nur der englisch Sprechende wurdebedient". Auf den Danken, der Eisenbahn, ja selbst auf der zweistöckigen Straßenbahn war cs dasselbe. Be­sonders der junge Afrikaner verleugnete gern seine Herkunft und bediente sich der englischen Sprache, trug englische Kleidung und gab sich als Brite.

Seit General Hertz o g mit seiner Rattona- listenpartei die Regierung mit Llnterstühung der englischen Arbeiterpartei übernommen hat, ist das ganz anders geworden. Freilich konnte auch er die Afrikanisierung in diesem Tempo nur durchführen, weil ihm die englische Kriegs­politik zu Hilfe kam. Der Bur hat seine und seiner Führer absolute Lleberlegenheit über die Engländer erkannt und nutzt sie aus. Auch die Burenjugend, die gern an die deutschen hetze­rische Propaganda der Bothapresse glaubte, weiß das, trotzdem sie sieht, daß immer noch selbst der gewöhnliche englische Soldat manchem Buren- offizier an Benehmen überlegen ist. Der na­tionale Dünkel ist erwacht und er verleiht Schwungkraft.

Der Brite war im Kriege gezwungen, den Buren für seine Zwecke zu gebrauchen und jetzt muß er plötzlich erkennen, daß der Dur selb­ständig geworden ist. General Hertzog. ein scharfer Gegner des Hineinziehens der Buren in die briE-imperialistische Kriegsführung, ver­dankt gsba?e'"diesem Umstand Erfolg nach Erfolg. Alte Freunde, deren zuverlässiges und ruhiges Urteil ich kenne, sagten mir, daß, wenn nicht außergewöhnliche Ereignisse eintreten, die Rolle des Generals S m u t s und seiner aus Engländern und englisch gesinnten Duren zusammengesetzten südafrikanischen Partei erledigt ist. Man rech­net» die nächsten Wahlen zum Tlnionsparla- ment mit einer solchen Stärke der Rat.onalisten, daß diese, falls sie es wollen, auch ohne Arbeiter­partei eine Regierung bilden können.

Der verstorbene Botha, dessen Rachfolger Smuks ist, stützte seine englandfreundliche Poli­tik wesentlich auf die Ueberlegung, daß Südafrika wirtschaftlich auf den Zusammenhang mit dem britischen Reiche angewiesen sei. Wolle konnte der Farmer noch anderswo absehen, aber Fleisch? Selbst Gold und die Menge der Diamanten fanden vor dem Kriege in England den sichersten 2Ibsah, wie auch in England allein Anleihen untergebracht werden konnten.

Hertzog ist eS gelungen, Amerika, den neuen Weltbankier, für Südafrika in einer Weise zu interessieren, daß selbst ehemalige Anhänger Der Dotha-Smuts-Partei heute sagen: Wir brau­chen England nicht mehr, Amerika bietet und mehr. Die habe ich mehr amerikanische Inter­essenten in Südafrika gefunden, als jetzt. Die einen interessieren sich für Petroleum, die an­deren für Gold, Diamanten, Kohlen, Zinn. Kup­fer. Eisen, Manganerze: wieder andere für in­dustrielle Anlagen und für Hotels. Aus der Höhe des Tafelberges soll ein luxuriöses Hotel entstehen, zu dem eine Schwebebahn herauf ge­führt wird. Die Eisenbahnen will man ausbauen, komfortabeler gestalten und den Verkehr be- schleunigan. Listig hat der Amerikanismus Fuß gefaßt wirtschaftlich hat er die besten Aus­sichten. denn dem Buren fehlt die Tatkraft des Vankees.

Daneben taucht ein anderes ein volkliches Problem auf: die Frage der Stellung der weißen Rasse. Auf die Dauer beugt sich der Farbige willig nur der höheren Leistung, der Engländer erbringt diesen Beweis von Tag zu Tag weniger. Aber auch der Bur ist dem Farbigen nicht mehr so überlegen. Die Berichte über die Schulentlassenen sprechen eine für die weihe Rasse grausame Sprache, besonders, wenn man sie mit denen über die Farbigen vergleicht. Der Unternehmer richtet sich nicht mehr nach den Forderungen feiner Rasse, sondern nach denen seines Geschäftes, das die tüch­tigsten Arbeitskräfte braucht. Man sagt, der amerikanische Einfluß könnte auch hier etwas Helsen. Es läge schon näher, wenn man sich auf die Deutschen verließe. Aber die sind vor­läufig abgetan, denn ein Teil der heimischen Presse hat sich am Deutschtum schwer ver­sündigt. Die Berichte über die Aus- und Ein­wanderung sind für die Engländer denkbar un­günstig. Es ist für sie ein schwacher Trost, daß auch die Durenfamilien nicht mehr so viel Kinder wie früher haben. lleberdies nimmt die Abwanderung von Engländern zu, die Einwan­derung ab. Die Einfuhr vonWeltkriegern" aus England war ein Fehlschlag. Old England hat nicht mehr genug Menschen, die das Zeug zum Kolonialpionier besitzen.

Au- Osteuropa aber strömen Unmassen von Leuten ins Land. Politisch gehen sie immer mit der Mehrheit, schon aus Geschäftsinteresse, ilnb das Afrikaans lernt sich, weil es so pri­mitiv in Wortschatz und Satzbau ist, noch viel leichter als Englisch.

Der Kampf um die südafrikanische Flagge scheint Hertzvgs Stellung zu erschüttern. Aber der von der Presse und von Parlamentariern geführte Feldzug entspricht nicht der Dvlksstim- mung. Richt einmal alle Engländer sind empört, daß nach dem Derschwinden des Kopfes des Königs von Südafrika" von den Briefmarken nun das britische Hoheitszeichen auf der neuen Flagge nur den sechszehnten Teil der Fläche einnimmt, und daß die Farben des Freistaates und Transvaals gleichberechtigt neben bzw. unter ihm prangen. Orange-Weiß-Blau, die Flagge, unter der van Riebeck in Kapstadt landete das ist derneueste Vorschlag zur Güte", wie -Hertzog sagte.

Die Faden, die Südafrika mit England ver­binden, sind sehr dünn geworden. England kann die Beute des Weltkrieges nicht verdauen. Wer wird die Erbschaft antreten? Die Amerikaner oder die durch tüchtige deutsche Kräfte ver­stärkten Südafrikaner, die Duren?

Turnen, Sport und Spiel.

Allgemeiner

Deutscher Turnerbund (21. D. T.)

Dundesmeistrrfchaften.

Am Samstag und Sonntag hielt der All­gemeine Deutsche Turnerbund sein diesjähriges Bundesmeisterschaftsturnen inD u i s- burg ab. Cs war die 3. Meisterschaft, die der junge Bund zum Austrag brachte. Die Wett­kämpfe sanden im Stadion statt.

Am Samstag abend sand eine Begrüßungs­feier statt. Der 2. Dundesvorsihende Zöller- Hausen (im Turngau Lahn-Dünsberg) hielt die Begrüßungsansprache. Musik- und Gesangs­vorträge. Hebungen an Reck und Barren, sowie Freiübungen und Keulenschwingen einiger Frauenriegen verschonten den Abend.

Rund 500 Turner und Turnerinnen traten am Sonntag früh zum Wettkampf an. Am Rach­mittag waren die Entscheidungskämpfe in den verschiedenen Einzel- und Staffelläufen, in Schlag­ball und in Hand- und Faustball.

Einzelne Leistungen erreichten bei sehr schöner Ausführung eine beachtenswerte Höhe: z. B. Weitsprung = 6,58 Meter (Stiegel, Dietzingen), Hochsprung = 1,75 Meter (Roß, Duisburg), Stabhochsprung = 3,30 Meter (Hardt, Kelster­bach), 100-Meter-Lauf = 11,1 Sekunden (Hoff­mann, Aldingen). In den Spielen Hand-, Schlag- und Faustball wurde ganz besonders Gutes ge­zeigt. Das größte Interesse fand das Hcrndball- spiel zwischenSportverein Darmstadt von 1898 und der Handballabteilung des Turnvereins Schwarzenberg" (Riedemchein). Darmstadt ge­wann mit 3:2. Sonntagnachmittag erfolgte der Einmarsch ins Stadion. Weit über 1000 Turner und Turnerinnen nahmen daran teil. In Ver­tretung des Oberbürgermeisters Dr. Jarres be­grüßte Beigeordneter Eremers im Rainen der Stadt die Turngäste. Der 2. Bundes Vor­sitzende Zöller (Hausen) dankte der Stadt für die gastliche Aufnahme.

Rach der Schlußansprache des 2. Bundes- Vorsitzenden Zöller fand die Siegerver­kündigung statt. Aus der Siegerliste geben wir folgenden Auszug: 200-Meter-Lauf: 3. Sieger: K. Schäfer. Echzell, 23,8 Sek. 400» Meter-Lauf: 1. Sieg: K. Schäfer, Echzell 52,8 Sek. 800-Meter-Lauf: 3. Sieg: Krick- ser, Eppertshausen (Darmstadt) 2,09 Min. 5 000- Meter-Lauf: 2. Sieg: Siegel, Mörfelden (Darmstadt) 16:14,8 Min. Vi er mal-100- Meter-Staffel für Verbände: Süd- westdeutscher Tumverbd. 48 Sek.

Hochspruna: Wahlmann, Eppertshausen, 2. Sieg, 1,70 Meter. Göckel, Dreieichenhain, 2. Sieg. 1,70 Meter. Weitsprung: Adam, Eppertshausen (Darmstadt). 2. Sieger, 6,12 Meter. Stabhochsprung: Hardt, Rüsselsheim, 1. Sieg, 3,30 Meter. Steuerwald. Rüsselsheim, 2. Sieg. 3 Meter. Krickser, Eppertshausen, 3. Sieg, 2,90 Meter.

Kugelstoßen: Schneider, Rüsselsheim, 1. Sieg, 12,71 Meter. Geräte-Fünfkampf (Turner): Waldmann, Adam, Eppertshausen, 1. Sieg. 250 Punkte. Göckel, Dreieicheichain, 3. Sieg. 247 Punkte. Schieferstein, Reinhard, Launsbach, 9. Sieg. 231 Punkte.

Geräte- Fünfkampf (Frauen): S. Detters, Wixhausen (Darmstadt), 1. Sieg. 89 P. Geräte-Sechskampf (Frauen): Paula Hildebrand, Wieseck, 4. Sieg. 94 Punkte. Anna Bernhardt, Wieseck, 11. Sieg. 86 Punkte.

Spiele: Handball: Endspiel:Sport­verein Darmstadt von 1898 gegen Jahn. SH War­zen berg 3:2 (Darmstadt Dundesmeister 1927). Faustball: Endspiel: Jahn, Essen Münster a. Reckar, 23:21 (Jahn Bundesmeister 1927). Schlagball: Frischauf, Remscheid gegen Altenessen 72:27 (Frischauf Bundesmeister 1927).

Mdrcrcher 1900 geht zuPreußen" Krefeld.

Wie wir erfahren, beabsichtigt E l d r a ch e r, der hervorragende Sprinter der Spielvereinigung 1900, zu Preußen-Krefeld überzutreten. So sehr man den Abgang dieses Läufers bedauern muh, so muh man doch zugeben, daß Eidracher bei seiner glänzenden Veranlagung bei Preußen-Kre- feld unter Altmeister Houben die richtige Trai­ningsmöglichkeit geboten ist. Gleichzeitig wird die Preußen-Staffel, der außer Houben die be­kannten Sprinter Schüller und Salz angehören, durch Eldrachers Hinzukommen eine nicht zu unterschätzende Verbesserung erfahren. -i-

Neusr 300-Mtr -Rekord Houbens.

Am Mittwoch fanden sich die Amerikaner Cummings, Conger, Roll und Jackson Scholz in Dresden ein, um an den internatio­nalen leichtathletischen Wettkämpfen des SD. Dresdensia-Dresden teilzunehmen. Rur 2000 Zu­schauer hatten sich eingefunden, die Zeuge recht guter Leistungen in den Laufkonkurrenzen wurden. Die Ausländer konnten ihre bisher besten Er­folge auf ihrer Deutschlandreise erzielen. Im Rahmen des Wettkampfes unternahm Hubert Houben, Krefeld, einen Rekordversuch über 300 Meter, der ihm in glänzender Weise gelang. Auf der Strecke Begleiteten ihn der Berliner Hermann S ch 1 ö s k e. der Bres­lauer Kunde und der Dresdner Knoblich. Hubert Houben lief die 300-Meter-Strecke in der neuen deutschen Rekordzeit von 3 4,2 Sekunden und verbesserte damit den 1921 von Dünker ausgestellten Rekord um/io Se­kunden.

Nadklub Germania Gießen.

Der Club beendete seine diesjährige Rennsaison am 'Sonntag mit der Austragung seiner C l u b > I meisterschaften über 1-Kilometer-, 20-Kilo- meter= und 10-Kilometer-Jugendrennen. Sämtliche Rennen verliefen gut und zeigten schöne Kämpfe, lieber die kurze Strecke holte sich Hans Preis sicher die Meisterschaft zum dritten Male, auch die 20 Kin. waren ein Sieg für Hans Preis, nadjbem er feine stärksten Gegner Ludw. Volz und Hch. Preis auf der Strecke abgeschüttelt hatte. Bei der Jugend siegte S). Fehling nach dauernder Führung über die ganze Strecke mit einer halben Minute Vor­sprung vor O. Von-Eiff.

Ergebnisse: 1 Km.: 1. Hans Preis: 2. L. Dc^z; 3. Hch. Preis; 4. L. Schlund; 5. G. Dunges; 6. Fr.

Holleiger. 20 Km.: 1. S). Preis, 32:10; 2. Ludwig Volz, 33:15; 3. S). Preis (halbe Länge): 4. Schlund, 34:40; 5. Gg. Dunges, 35:10; 6. Fr. Holleiger (halbe Länge). 10 Km. Jugend: 1. H. Fehling, 24:10; 2. O. Von-Eiff, 24:40; 3. W. Walter, 24:55 ; 4. W. Schmidt, 25:15; 5. K. Schlund, 25:30. Außer Kon­kurrenz: W. Siewert, 24:30.

Gietzener Tennisturnier.

Das in der Zeit vom 2. bis 5. September vom Gießener Tennisverein von 1922 veranstal­tete Turnier, das erste seiner Art in Gießen, war vom Wetter auherorientlich begünstigt und nahm einen glatten Verlauf. In der Schluß­runde waren Frankfurter Spieler siegreich. Die Kämpfe hatten folgende Ergebnisse:

Herreneinzelspiel: Schlußrunde Gose- soich-Frankfurt gegen Eohn-Köln 6:3, 6:2. Dritte Preise fielen an CrweN-Frankfurt a. M und Heene-Mainz.

Dameneinzelspiel: Schlußrunde Fräu­lein Wenzel-Frankfurt a. M. schlug Frau Weck- esser-Marburg mit 7:5, 6:2. Dritte Preise fielen an Fräulein Schmidt und Frau 'Dr. Beyer, beide aus Dad-Rauheim.

Herrendvppelspiel: Schlußrunde Gose- wich Erwen schlagen RegrozHcene überlegen 6:2. 6:4.

Gemischtes Doppels Piel: Fräulein ZintErwen schlagen Frau Kleinschmidt'Wer­ner aus Darmstadt mit 6:3, 6:1.

Kämpfe im Mngen und Stemmen Friedberg - Gießen.

Arn Sonntag fanden auf der Liebigshöhe die Retourkärnpfe im Stemmen und Rin­gen Friedberg Gießen statt.

Im Stemmen trat Friedberg mit nur 5 Mann an. sehr zum Schaden Gießens, das dadurch gezwungen war, ebenfalls 2 Gewichtsklassen zu­rückzustellen. Resultat: Friedberg 1215 Pfd., Gießen 1245 Pfd.: Sieger: Gießen. Außer Konkurrenz riß D e l l o f f - G. ßen einarmig 115 Pfd., Geißler-Alsfeld 100 Pfd. Beid­armige Höchstleistung außer Konkurrenz: Geiß­ler-Alsfeld 180 Pfd.. Adolf Schepers- Gießen 170 Pfd. Der 16jährige Willi H e r t r i ch- Gießen riß einarmig 90 Pfd. und stieß beid­armig 155 Pfd.

Im Ringen konnte Friedberg nur 6 Mann stellen und erhielte 4 Siege. 1 Ali entschieden und 7 Riederlagen gleich 9 Punkte; Gießen erzielte 7 Siege, 1 Unentschieden und 4 Riederlagen gleich 15 Punkte und siegte somit mit 15:9 Punk­ten. Zum Ringen ist zu sagen, daß im Fliegen­gewicht der noch jugendliche M e i s e l - Gießen gegen den guten Friedberger Wend land nicht aufkommen konnte und sich 2 Aiederlagen ge­fallen lassen mutzte.

Im Bantamgewicht hielt Götz- Dietzen im ersten Gang seinem Gegner Greiler - Fried­berg bis zum Unentschieden stand, erlag jedoch im zweiten Gange einem gut angesetzten und blitzschnell auSgeführten Untergriff.

2m Federgewicht hatte H u n st e i n - Gießen mit dem noch sehr jungen Muhl- Friedberg leichtes Spiel und bezwang seinen Gegner durch schöne Armfesselung in beiden Gängen in je 1 Minute.

3m Leichtgewicht machte Bellos f - Gießen mit öem sonst nicht schlechten Friedberger Michel nicht viel Federlesen und warf ihn durch Armzüge bzw. Halbnelson in 1.45 und 2.45 Minuten.

Im Leichtmittelgewicht hatte Wilhelm Sche­de r s - Gießen (eigentlich Leichtgewichtler) sehr schweren Stand gegen Stab- Friedberg, der über eine sehr gute Ringtechnik verfügt. Rach wechselvollem, spannendem Kampfe gelang es Schepers, im ersten Gange nach 9.40 Minuten seinen Gegner durch Eindrücken der Brücke zu besiegen. Im zweiten Gange wurde Stab« Friedberg als Sieger nach Punkten erklärt.

Im Schwermittelgewicht trat der sonst in der Leichtmittelgewichtklasse ringende Gießener Meininger dem ebenfalls über gute Technik verfügenden Friedberger Hertel gegenüber und besiegt ihn im ersten Gange in 2 Minuten durch Uebertourf. 2m zweiten Gange nahm Mei­ninger jedoch seinen Gegner nicht mehr ernst, so daß er selbst wiederholt in gefährliche Lagen geriet, wodurch der Kampf unentschieden blieb. Rach dem dritten Gange konnte Meininger nur durch Losen feinen zweiten Sieg heraushvlen.

2m Boxkampf konnte weder Friedberg noch Gießen gegen die guten Alsfelder Bvxer auf» kommen.

Spieivereinigung 1900 Gießen.

ö. Der nächste Sonntag wird für die Fußball­abteilung der Spieloereinigung 1900 ein Groß­kampftag werden, denn sämtliche Seniormannschaf- ten sind in Meisterschaftsspielen tätig. Darunter die erste, zweite und vierte Mannschaft erstmalig, wäh­rend die dritte Elf ihr zweites Verbandsspiel absol- niert.

Die Lage in der 2. Bezirksklasse im Lahnkreis hat sich in der Zwischenzeit so gestaltet, daß alle seit dem 21. August tätig gewesenen Mannschaften Punktoerluste erlitten haben, ausgenommen der Neuling Kirchhain, der sein Debüt am vorigen Sonntag gegen Ockershausen überrafchenderweise mit 6:1 siegreich gestalten konnte. Für die jetzt erst eingreifende Elf 1900s wären somit die besten Aus­sichten vorhanden, in diesem Jahre gleich von An­beginn an einen günstigen Tabellenstand zu er­reichen. Die Leistungen der Gießener Elf sind zur Zeit aber so schwankend, daß man ernstlich be­zweifeln muß, ob sie sich in dieser Saison überhaupt Aur Geltung bringen kann. Neben drei zum Teil sehr hohen Niederlagen konnte nur ein schöner Sieg errungen werden. Ob jedoch diese Resultate einen Maßstab für die wirkliche Spielstärke abgeben, läßt sich bezweifeln, denn bis jetzt ist 1900 noch nicht ein einziges Mal seinen Gegnern in kompletter Aus­stellung entgegengetreten. So wird es aud) im Spiel am kommenden Sonntag gegen den Verein für Rasenspiele Butzbach sein, denn zur Zeit befindet sich das Militär auf dem Truppenübungs­platz, und die Studenten weilen in Ferien. Es wer­den somit abermals vier gute Kräfte ersetzt werden müßen. Zudem ist Butzbach kein zu unterschätzen­der Gegner. Das Treffen wird von Schiedsrichter Geisel (Alsfeld) geleitet.

Nach dem Ligaspiel stehen 19 00s 1. Jugend und Butzbachs 1. Jugend kn Diplomspiel

gegenüber. Hier rechnet man bestimmt mit einem Sieg der Einheimischen, da 1900 erst vor 14 Tagen über diese Elf mit 3:0 siegen konnte.

Die 2. Jugend 1900s trifft auf die neu- gegründete 1. Jugend vom Ballspielclub 1 9 2 0 Gießen. Erst nach hartem Kamps sollte hier der Sieger feststehen.

Die Ligareserve spielt vor dem Ligaspiel gegen die gleiche Elf vom Verein für Bewe­gungsspiele Gießen. Beide Mannschaften sind äußerst spielstark in kompletter Besetzung.

Die 32-Mannschaft fährt nach Dau» bringen. Sie ipird gegen die dortige 1. Elf schwer zu kämpfen haben, um ehrenvoll zu bestehen. Die 3b-Mannscyaft wird sich auch in Klein- Linden von der eifrigen 1. Elf des Verbands­neulings nicht in ihrem gewohnten Siegeszug auf­halten lassen.

Die Verdandsspiele im Arbetter-^urn- und Sportbund. £ Zu den am vorigen Sonntag begonnenen Dezirksspielen treten nunmehr am kommenden Sonntag die Spiele der K r e i s k l a s s e. Damit sind nun alle Mannschaften in Tätigkeit, und der Kampf um die Punkte wird mit vollster Intensität durchgeführt.

Die Kreisklasse.

Von den beiden dem hiesigen 3. Bezirk an­gehörigen Mannschaften tritt nur Gießen in Aktion. Das ursprünglich vorgesehene Spiel Dor­heimHeuchelheim fällt aus. Gießen hat gleich eine schwere Fahrt anzutteten, Frankfurt- Praunheim ist der Gegner. Diese Mann­schaft verfügt über recht gute Kräfte, die in den Auswahlmannschaften des Kreises stets Ver­wendung finden. Auf eigenem Platz ist der Mannschaft der Sieg unbedingt zuzutrauen. Gießen fährt mit der Absicht nach Praunheim, zu gewinnen. Ob's aber gelingt? Gießen hat schon viel gewonnen, wenn es mit einer knappen Riederlage heimkommt.

Die I. Klasse.

Gießen I b hat auf eigenem Platz Mar­burg I als Gast und wird sich abermals eine Riederlage holen. Das 3:4- Ergebnis gegen Raunheim läßt hinter den Marburger Männer- turnem eine recht stabile Mannschaft vermutnr, gegen die die Gießener vergeblich Sturm laufen werden. Auch hier hängt's, wie am Vorsonntag, von der Gießener Hintermannschaft ab, ob das Resultat hoch wird.

Wetzlar I und Lollar I werden ihr Zusammentreffen jedenfalls zu einem recht span­nenden Spiel gestalten, denn beide Mannschaften finb in ihrer Spielstärke als gleich stark zu be­werten. Hinzu kommt, daß Lollar am Sonntag ganz programmwibrig verlor und sicher bestrebt sein wird, diese Scharte wieder auszuwehen. Ob hierzu der Wetzlarer Platz geeignet ist, er­scheint recht fraglich, unZ> die Wetzlarer Mann­schaft spricht hierbei ein gewichtiges Wort. Der Ausgang des Spieles muh also völlig offen- gelassen werden.

Wieseck I hat Alsfeld I als Gast. Rehmen die Wiesecier das Spiel, durch den Si.g über Lollar nicht übermütig gemacht, nicht von der leichten Seite, so sollte man ihnen den Sieg zutrauen, aber nur dann, wenn während des ganzen Spieles jeder einzelne im gleichen Maße seine Schuldigkeit tut wie am vergangenen Sonntag. Jede Rachlässigkeit wird der flinke imb rücksichtslos angroisende Sturm Als elds zu seinem Vorteil ausnuhen und den Sieg dann in Frage stellen. Jedenfalls tut Wieseck gut, sich die Punkte erst dann gutzuschreiben, wenn der Sieg einwcnrdfrei errungen ist.

Die 2. Klasse.

Alten-Buseckl und Burkhards­felden! werden sich in Alten-Buseck ein Spiel liefern, bei dem der Ausgang schwer vorherzu­sagen ist. Beide Mannschaften dürften über die gleichen Fähigkeiten verfügen.

Rodheim! hat Leun als Gast und trifft auf einen außerordentlich zähen und harten Gegner, der ihnen schwer zu schassen machen wird. Zeigt sich Leun in diesem ersten Spiel in seiner früheren guten Spielweise, so wird sich Rodheim sehr anstrengen müssen, wenn die Mannschaft Erfolge erzielen will.

Ein Spiel, dessen Ausgang völlig ungewiß ist, werden sich F r o n h a u f e n I und Dau» bringen! liefern. Beide Mannschaften stehen in der Mitte der Tabelle, die spielerischen Lei­stungen auf beiden Seiten versprechen einen recht spannenden Spielverlauf. Fronhausen müßte den Vorteil des eigenen Platzes ausnuhen und für sich den Sieg sicherstellen.

Die Jugendklasse.

Wetzlar wird sich in Leun die Punkte ohne große Schwierigkeiten holen und sogar reich­lich hoch gewinnen. Der Ausgang des Treffens Raunheim unb Heuchelheim ist ungewiß. Raunheim spielt auf eigenem Platz und verfügt neben spielerischem Können über ein großes körperliches älebergewichtt die kleinen Heuchel­heimer dagegen besitzen die größere Wendigleit und die bessere Technik. Klein-Linden wird den Gang nach Gießen sicher mit einem Minus abschliehen. Lollar hat Aussichten, das Spiel gegen Fronhausen zu gewinnen, aber nur, wenn die Marnlschäft in ihrer best­möglichen Aufstellung antritt und das Spiel ernst nimmt. Hachborn wird Alten-Buseck auf eigenem Platz glatt überfahren und einen leichten Gewinn buchen. 2m Spiel Oppen­rod gegen Steinbach sollte man Steinbach die meisten Siegesaussichten zurechnen.

Die Schülerklasse.

Diese Spiele zählen immer zu den schönsten, hier wird noch am meistengespielt" und am wenigstengekämpft". Das interessanteste Spiel werden Lollar und Wieseck in Lollar bieten. Wieseck ist die ungeschlagene und anerkannter­maßen beste Schülermannschaft des Bezirks. Lol­lar stellt ebenfalls eine recht befähigte Elf, ss daß es bei dem Sieg knapp hergehen wird. Gießen fährt nach Daubrinaen und wird sich sehr anstrengen müssen, wenn die Mannschaft gegen die Dörfler nicht den kürzeren zi«hen will«