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Das Diner war zu Ende, die Diener schoben die hohen, wappengeschmückten Ledersessel zurück, und man ging hinüber in den hellen, gelben Salon, wo die Gräfin den Mokka auf einer Wiener Maschine bereitete. Die Zigaretten brannten. In Gruppen standen die Gäste herum, rauchend und plaudernd, um Melitta war eine Mauer von Fräcken. Sie lachte und ihre Wangen brannten ... Aber Manfred sah, daß diese Wangen gemalt waren, und ihr Lachen klang unnatürlich. Es lag eine Erzwungenheit über ihrem Wesen, die sie veränderte und sie ihm fremd machte,--ganz fremd ... Ihr blondes Haar

leuchtete golden unter dem Licht des Kronleuchters, er sah ihren weichen, weißen Arm, um den sie heute nur zwei kleine Perlreife trug. .. Der Intendant sprach eindringlich mit ihr. Sie hörte ihm zer­streut zu.

In diesem Augenblick betrat ein Diener das Zimmer und meldete:... Frau Dr. Manfred wird am Telephon gewünscht ..."

Sie wandte den Kopf ...Ich ... jetzt?"

Ein auswärtiges Gespräch ..."

Sie setzte die Mokkatasse fort, aber sie mußte wohl die Tischkante übersehen haben, die Tasse fiel klirrend zu Boden und zerbrach ...

Ah, Scherben! Die Herren bückten sich galant ... Es war eine antike, türkisblaue Tasse aus einem alten Schokoladenseroice.Eternel attachement stund in Goldschrift darauf.Sehen Sie doch," sagte der Intendant,wie hübsch--. Im acht­

zehnten Jahrhundert war man wenigstens noch siir ewige Liebe ... Der Geber und die Beschenkten sind lange tot ... die Tasse ist's nun auch ..."Man kann sie kitten", meinte eine Dame.Auf gekittete Dinge legt Gräfin Leslie glaube ich wenig Wert", sagte der Jentendant.

Manfred war Melitta in den Vorsaal gefolgt. Sie stand in der kleinen Nische am Apparat und hörte mit gespanntem Ausdruck zu, was eine Stimme aus der Ferne sagte.

Ihr Profil war ernst ...Und weshalb ... nicht, nachher? ... Was war es denn?" Er verstand nicht, was die Stimme antwortete. Melitta wurde um einen Schein fahler ...So? ... nun, es ist gut. Nein, ich weiß noch nicht ... Morgen ist das

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Die müde, weiche, feuchte Luft legte sich um seine Augen wie em grauer Schleier. Um seinen Kopf lag ein eiserner Druck wie nach Ueberanstren- gungen ... Er hätte etwas darum gegeben, heute abend zu Hause bleiben zu können, statt seinen Frack anlegen zu müssen, um in Hellen, überheizten Salons Gespräche mit gleichgültigen Menschen zu führen. In der Taunusstraße kam er an einer bekannten Mu­sikalienhandlung vorbei, in der er Noten bestellt hatte, und er trat ein.

An dem Ladentisch lehnte ein junger Herr in einem dicken englischen Mantel, der Partituren durchsah ... Er drehte sich herum.Ah, Man­fred ..."

Es war Bender. Die beiden schüttelten sich die Hand.

Wie geht's? Ich hörte, es geht nach Spanien?! Beneidenswert!"

Ach ja ... es wird eine Strapaze fein, wie das Ausland meist ... Uebrigens besten Dank, lieber Bender--"

Für was?"

Nun, Sie hoben doch die Begleitung meiner Frau übernommen ..."

O bitte, Has ist mir ein Vergnügen ... mit Ihrer Gattin zu musizieren."

Proben Sie noch vorher?"

Ach, wozu? Geniale Leute wie wir ... wir haben telephonisch alles ausgemacht ... gestern ... schon erledigt ... Die Lieder kennen wir beide aus­wendig ... sind für das Publikum übrigens viel zu schade ..." Und als der Verkäufer herbeigeeilt kam, rief Bender: Ja, jetzt hab' ich keine Zeit mehr,

was auszusuchen! Ich habe Probe zu der neuen Operette. Ein gräßlicher Schmarren", fügte er zu Manfred gewandt hinzu, indem er seinen Hut auf­stülpte. Eine Notenrolle unterm Arm, verließ er grüßend den Laden ...

Auf Wiedersehen heute abend ..."

Draußen, als Manfred schon hoch oben in den Wäldern war und unter den goldbraunen Laub-

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Konzert ... Nächste Woche? Am Montag vielleicht? Diese ewigen Absagen in letzter Minute und die Entschuldigungen hinterher ... Viel zu tun? ... Hat nicht jeder Mensch viel zu tun? ... Nein, ich kann nicht daran glauben.. ich spreche hier im Vor- zimmer ... Wie? ... Nicht ins Konzert morgen weshalb? Verhindert ... wie immer--nun, es

ist vielleicht besser ..."

In diesem Augenblick mußte sie bemerkt haben, daß jemand hinter ihr stand. Sie drehte sich rasch um ... Als sie Manfred sah, krampfte sich ihre Hand fester um den Hörer ...Du?" sagte sie gedehnt ... Was willst du?"

Ich möchte auch sprechen, ich warte ..."

Er sah sie an. Im Telephon hörte man wieder eine Stimme. Und mit einer festen, ganz veränder­ten Stimme sagte sie:Gut also Monlag--

zwischen fünf und sieben ..Und sie bängte an ...

Wer war es denn?" Er legte die Zigarette fort.

Der Musikdirektor aus Bingen, der mich wegen seines Weihnachtskonzertes festlegen will ... Ich habe auf einer Orchesterprobe bestanden. Er kommt selbst am Montag her ..."

Diesen Montag?"

Ja, du hast es ja eben mit angehört."

Sie gab ihm den Hörer in die Hand und ging.

Er rief aufs Geradewohl irgendeine Nummer an ...Hallo, Hallo ..Und dann wartete er. Im Salon tönte Klavierfpiel, Bender war ange­kommen. Man hatte ihm rasch nachserviert und er saß schon am Flügel ...

Man bestürmte Melitta, etwas zu fingen. Er härte die sonore Stimme des Intendanten heraus. Dann legte sich der Sturm--. Alles ward ruhig.

Ein Stuhlrücken ... ein paar Akkorde ... ein Vor­spiel und Melitta fang.

Ich hab' ein glühend Messer ..."

Er stand draußen, das Telephon in der Hand, im Bann der Stimme ... Ein trockenes Gefühl saß ihm in der Kehle. Fühlte sie nicht auch, wie die Lüge um sie kroch, wie sie sie in ihr Netz lockte ... bis es eines Tages ... zugeschnürt ward ... Sie konnte noch singen! Alles war still dort drinnen. Hinter den hohen, weißlackierten Türen saßen sie und lauschten. Ein Diener ging auf den Zehenspitzen durch das Vorzimmer mit einem Tablett, auf dem leere Sekt­gläser leise klirrten.

(Fortsetzung folgt.)

FLITl vernichtet Fliegen Schnaken

Wespen. Mott en. Wanzen.

Schaben. Ameisen samt Brut.

fronen der Eichen dahinschritt, fiel ihm ein, daß er ganz vergessen hatte, nach seinen Noten zu fragen ... Eine Uhr schlug in der Ferne fünf. Jetzt, dachte er jetzt in der Platanenstraße. .. DieVerab­redung mit Bender" der eine Probe im Opern­haus hatte, ihre Eile, fortzukommen der Schlan­genreif im Safe der nie erscheinen würde davon war er überzeugt es paßte alles in den Ring ... Auf eine Lüge mehr oder weniger kam es nicht mehr an.

Er stieg den einsamen blätterbestreuten Weg zu der Höhe hinauf. Er hatte das Bedürfnis, aus der beklemmend weichen, drückenden Luft der Stadt hin- auszukommen. Ein Kirchhof lag am Wege. Dort drinnen hinter der roten Mauer lag ihr Vater ... Seltsam, daß man nie daran dachte, wo man einmal begraben sein wollte. Irgendwo mußte man doch schließlich hin. Seine Heimat lag in weiter Ferne ... fortgeschwommenes Land, die Polen hatten es in Händen ... dorthin wollte er nicht mehr zurück. Hier, wo fein Leben Wurzel gefaßt, wollte er ruhen ... Das Tor stand offen. Er ging zwischen den Gräbern durch auf das Haus des Kirchhöfgärt­ners zu und fragte, wo man sich ein Erbbegräbnis bestellen könnte. Der Mann ging mit ihm an neu­geschaufelten Gräbern vorbei, er trug einen Spaten in der Hand und zeigte ihm einige Gräber an der Mauer ... Aber dorthin wollte Manfred nicht.Das ist ungemütlich, man will doch nicht gerade am Wege liegen." Unter einer schönen, hochgewachsenen Edeltanne bestellte er feine Grabstätte ...Für einen ober zwei?" fragte der Mann, das Notiz­buch in der Hand.Für zwei natürlich ... für meine Frau das andere ... wenn sie mich üoerlebt, mag sie damit anfangen, was sie will, ich möchte jedenfalls hier oben liegen." ...Es gingen schwarzgekleidete Frauen zwischen den Gräbern umher, die Kränze und Blumen trugen, und aus einem Restaurant in der Nähe hörte man ein Grammophon. Jemand sang eine Operettenmelodie.Ja, es ist nicht schön, daß man daß so neben sich hat," sagte der alte, weiß­haarige Gärtner,aber das ist so im Leben. Der Tod steht immer dicht daneben und sieht zu, während die anderen tanzen und fingen ...Er wartet nur ... draußen vor der Tür ..."

Als Manfred die Straße hinunterschritt, war ihm leichter. Er kam sich vor wie jemand, der vor-

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