Einzelbild herunterladen

Zweierlei Maß.

Litauens Kritik am Völkerbund.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Sept. Die der litauischen Re­gierung nahestehendeLietuva" Wendel sich in einer Betrachtung über die gegentoärtige Böller­bundstagung gegen die Haltung des Döl - kerbunds in der Wtlnasrage und sagt, diese Institution, die den Schuh der internatio­nalen Verträge auf sich genommen habe, habe einen brutal verletzten Vertrag nicht Wieder- Herstellen können, ja. sie habe nicht einmal den Mut aufgebracht, den rechtswidrigen Schritt der Polen zu verurteilen, sondern habe versucht, ihn durch verschiedene Kompromißvorschläge zu maskieren. Das offiziöse litauische Organ, das bezüglich der Wilnas rage den Völlerbund so schön kritisieren kann, scheint ein sehr schlech­tes Gedächtnis zu haben, denn sonst mühte es sich daran erinnern, dah Litauen seinerzeit gleichsam als Parallelaktion zu dem französi­schen Ruhreinbruch das Memelgebiet überfallen, beseht und annektiert hat, wozu der Völkerbund gleichfalls geschwiegen hat. Ferner vergißt das litau­ische Organ, dah der Völkerbund auch nichts getan hat, um die autonomen Rechte der Be­völkerung im Memelgebiet auch nur einigermaßen gegen die rohe Willlür der litauischen Behörden zu schützen. Die Dinge in der Memelsrage liegen also ganz ähnlich wie die in der Wilnafrage und man kann die Worte der Dörsenzeitung nur unterstreichen, die erllärt: Solange Litauen sein Gewaltregime im Memelgebiet aufrechterhält, so­lange hat es kein Recht, von einem ihm im Wilnagebiet zugesügten Llnvecht zu sprechen

Vie Hrcmktireur-Enquete.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Sept. Die gegenwärtig im Gange befindlichen Besprechungen zwischen Deutschland und Belgien zur Erzielung einer Vereinbarung in der Frage der Einsetzung einer Unterau ch un g s k o m m i s s i on über den Franktireurlrieg und die angeblichen deut­schen Kriegsgreuel im besetzten Belgien ver­anlaßt den Deutschen Offiziersbund, in einem Schreiben an den Reichswehrminister zu fordern, dah bei der geplanten Vereinbarung unter feinen Umftän&en die von der belgischen Regierung für die Ablehnung der von ihr selbst angeregten Llntersuchung vorgebrachte Begrün­dung anerfannt wird, als ob durch eine solche Llntersuchung d i e Verhetzung verstärkt würde. Mit Recht betont das Schreiben, daß das Gegenteil der Fall sei. Die Verhetzung fei aufs neue entflammt worden durch die angebliche deutsche Kriegsgreuel darstellenden Krieger­denkmäler in Tirlemont und Dinant und die dabei gehaltenen Hetzreden. Zum Schluß ver­langt der Deutsche Offiziersbund, dah der Reichs- wehrminifter seinen ganzen Einfluh gegen Ver­einbarungen einsetzen solle, in denen die Ehre der alten Armee nicht in vollem Um­fange getoafjrt wird, eine Forderung, die nur als berechtigt bezeichnet werden kann.

vor einer wirtfchastririfis in Amerika.

Die Rückwirkungen auf Europa.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Sept. In letzter Zeit ist wieder­holt darauf Hingewi es en worden, dah den Ver­einigten Staaten eine Wirtschaftskrise drohe. Ieht kommt der Bericht eines prominenten ame­rikanischen Volkswirts über den Ozean, der alle Anzeichen aufzählt, die auf einen K onjunk- tur Umschwung hindeuten. Die A b s a h ver­hält nisse haben sich stark verschlechtert, in­folgedessen steige auch die Arbeitslosig­keit. Für Europa, besonders aber auch für Deutschland, wäre eine Wirtschaftskrise in der nordamerikanischen Union eine höchst unan­genehme Erscheinung. Konnnt es tatsächlich dazu, dah amerikanische Erzeugnisse auf dem heimischen Markt, der bisher den allergrößten Teil der eigenen Produktion auf nahm, nicht mehr in dem bisherigen Umfang abgesetzt wer­den können, dann wird man in den Vereinigten Staaten sicherlich nicht zögern, die Einfuhr aus dem Auslande noch stärker als bisher zu unterbinden und über die amerikanischen Grenzen hinaus vorzustoßen. Schon heute sind deutsche Industrien, einem starken Druck amerikanischer Massenpr ^nkte ausgesetzt, gegen den sie nicht aufzukommen Vermögen. Geht man aber erst einmal auf breiter Front gegen Europa zur Offensive vor, dann werden sich die europäischen Staaten wohl doch überlegen müssen, ob es nicht angebracht erscheine, ge­meinschaftlich gegen Amerika Schutzzölle zur Anwendung zu bringen, damit die europäische Wirtschaft nicht zerschlagen wird und die Ab­satzmärkte diesseits öeä Ozeans den Amerika­nern nicht kampflos in den Schoß fallen.

9tat!ona!ifierung der Bodenschätze in Argentinien. Buenos Aires, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Kammer hat mit 65 gegen 55 Stimmen einen Gesetzentwurf angenommen, wonach der Staat das alleinige Recht zur Ausbeutung der Petroleum-Fundstätten erhält. Man nimmt an, daß das Gesetz auch vom Staat ge­billigt werden wirb. Ein Gesetzentwurf über die Nationalisierung der Bergwerke ist bereits von der Kammer gebilligt worben.

Faschistische Organisation der Arbeit.

Eine Rede Mussolinis.

Rom, 8. Sept. (WTB.) In der Schluhsihung des 3. Internationalen Kongresses für die wissenschaftliche Organisation der Arbeit hielt heule Mussoltni zunächst in fran- . zösischer, dann in deutscher und schließlich in englischer Sprache eine Rede, in der er erklärte: Die mächtige faschistische Regierung und die pro­duzierenden Klassen Italiens werden die Ergeb-' nisse des Kongresses berücksichtigen. Ich bitte Sie, bei Ihrer Rückkehr in Ihre Länder daraus hinzuweisen, dah Sie ein 3 t a I i en der Ar- bei t u n d der O r d nun g fennengelcmt hoben, das an seinem wirtschaftlichen Wiederaufschwung und ferner für den Fortschritt der Menschheit und den Völkerfrieden arbeitet. In italienischer

Der Mut zur Vorsicht.

Keine deutschen Ozeanflüge in diesem Herbst.

Berlin. 8. Sept. (IDB.) Wie verlautet, halten sich außer 6 ö n n e ck e auch eine Reihe von Herren in Berlin auf, die mit bem Dessauer Ozean- f l u g in Berbinbung stehen. 3n Luftfahrtkre-sen nimmt man an, baß ihre Besprechungen ben Be­dingungen des Ozeanfluges gelten, bie burch bie bauetnbe Verschlechterung der Wetterlage immer schwieriger geworben sind. Ls ist wahrschein­lich, baß bie Besprechungen zu bem Beschluß führen, in diesem Jahre von allen Ozean- flögen abzusehen unb sie auf günstigere Ver­hältnisse im nächsten Iahre zu verschieben.

*

Wenn bie deutschen Ozeanflieger bamit also jetzt enbgültig ben Plan aufgeben, in diesem Herbst den Start über den großen Teich noch einmal zu versuchen, so würden wir diesen Entschluß nur be­grüßen; denn es zeigt sich doch immer mehr, daß zum mindesten der Flug von Osten nach dem Westen ein Spiel mit Menschenleben ist, vom Westen nach dem Osten liegen die Dinge etwas günstiger. Aber schon als Linddergh zum erstenmal das Rennen machte, ist an dieser Stelle darauf hingewiesen wor­den, daß der Europa-Amerika-Flug unter den heuti­gen Verhältnissen nur ein Sport ist, der bei glück­lichen Bedingungen gelingen kann, bei denen jedoch die Chancen höchstens halb zu halb stehen. Diese traurige Voraussage hat sich inzwischen bewahr­heitet, schon sind zahllose Piloten auf der Strecke geblieben, und nachgerade muß doch ernsthaft die Frage gestellt werden, ob das Ergebnis ben Preis lohnt, ber bafür gezahlt wird. Daß Flüge über hunderttausende von Kilometer möglich sind, wissen wir. Daß sie vom Wetter beeinflußt werden, wissen wir auch.

Sportliche Gewaltleistungen sind auf dem Ge­biete nun genug durchgeführt geworden, worauf es allein ankommen kaim, ist der Rachweis, daß oder gb überhaupt die Aufnahme einer regelmäßigen Verbindung zwischen den beiden Erdteilen mit Flugzeugen denkbar ist. Es gehörte M u t dazu, daß die Iunkersflieger umkehrten, als sie einsahen, wie gering ihre Er­

folgaussichten waren, es gehört Mut dazu, daß alle deutschen Flieger auä der Ungunft der Wit­terung die Folgerung ziehen und überhaupt den Versuch aufgeben wollen. Sie würden, falls es gelingt, in Amerika als Helden gefeiert werden, aber einen Fortschritt für die Menschheit hätten sie damit nicht erreicht, eben weil auch trotz eines glücklichen Ausganges die Tatsache bestehen bleibt, daß nur beim Zusammentreffen zahlreicher günstiger Zusälligkilen das Wagnis gelingt. Die Bilanz der Erfahrungen des Sommers ist eben doch die, dah die Flugzeuge, so wie wir sie heute haben, nicht für die Bezwingung des Ozeans ausreichen. Darauf muh man sich einstellen und daran muh man weiter bauen.

Zwei Möglichkeiten ergeben sich, entweder Etappenflüge, die nicht von Dessau nach Reu- hork reichen, sondern von Küste zu Küste, viel­leicht unter Benutzung der altlantischen Inseln, oder der Bau ganz anderer Flugzeuge, bei denen der Erfolg nicht auf den Zufall eines einzelnen Motors eingestellt ist, sondern gegen die Tücke des Objekts durch Einbauen mehrerer Motore größere Sicherheiten geschaffen sind, bei denen vielleicht auch durch die Benutzung von Wasserflugzeugen die Gefahr des Ver­lustes von Menschenleben heruntergedrückt wird. Vielleicht, dah wir im kommenden Frühjahr in dieser Richtung schon weiter sind.

Kein Ozeanflugverbot in Amerika.

Washington, 8. Sept. (WB.) Beamte der Luftfahrtabteilung des Handelsamtes erklär­ten heute, die riskanten Transozeanflüge seien zwar zu mißbilligen, jedoch sei es nach der gegenwärtigen Gesetzgebung in Amerika un­möglich, sie zu verhindern. Außer Lindberghs Pivnierflug und dem Fluge Byrds, der wegen seiner Ausrüstung lehrreich gewesen fei, hätten die jüngsten transatlantischen Flugversuche nicht zur Bereicherung der Wissenschaft beigetragen.

Sprache fügte Mussolini hinzu: Ich habe ver­sucht, in der staatlichen Verwaltung wissenschaft­liche Methoden anzuwenden. Die Einheit der Leitung verbot eine Verzettelung der Kräfte und Energien. Die ausländischen Kongreßteil­nehmer werden bei dem nun folgenden Besuch verschiedener Gegenden Italiens die Anstrengun­gen feststellen können, die dieses in der Welt noch wenig bekannte Italien macht. Wahrschein­lich werden viele Gemeinplätze revi­diert. korrigiert oder ausgemerzt werden, denn neben dem alten Italien und dem dreitausend­jährigen Rom gibt es ein modernes Ita­lien der Landwirtschaft, der Industrie und der Marinewerften. Trotz aller Schwierigkeiten be­finden wir uns, was die Industrie anbelangt, auf den ersten Plätzen. Wir haben die sichere Gewiß­heit, daß die Krise glänzend überwunden wird.

Der empfindliche Duce.

Italienisch-belgische Spannung.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Sept. Die italienisch-belgischen Beziehungen sind schon seit geraumer Zeit nicht mehr die allerbesten. Mussolini und mit ihm sein faszistisches Gefolge haben es belgischen sozialistischen Ministern verübelt, dah sie sich an antifaszistischen Kundgebungen be­teiligten. Obwohl wiederholte diplomatische Vor­stellungen in Brüssel nicht ohne Erfolg blieben, sah sich der Duce doch veranlaßt, um seinem Protest einen besonderen Rachdruck zu verleihen, den Botschaft er abzuberufen. Es blieb zwar ein Geschäftsträger zurück, aber auch dieser hat sich jetzt nach Rom begeben müssen, weil die italienische Regierung an der Errichtung eines Matteotti-Denkmals Anstoß nahm. Italien ist jetzt in Belgien nur noch durch einen Kanzleibeamten vertreten. Man kann nun zum Faszismus stehen wie man will, das Ver­halten Italiens ist auf alle Fälle merkwürdig. Wenn es gegen das Verhalten einiger belgischer Minister protestierte, dann ist an sich dagegen, nichts cinzuwenden. Run aber noch daraus, was eine belgische politische Partei unternimmt, eine Haupt- und Staatsaktion zu machen, ist doch ein starker Eingriff in belgische Rechte und Frei­heiten. Wenn es Mussolini gefällt, kann er morgen ebenso gut aus irgendeiner anderen europäischen Hauptstadt seine Vertreter mit ähn­lichen Begründungen abberufen. Wo sollten wir wohl hinkomm cn. wenn jedes Wort eines Poli- iikers auf die Goldwaage gelegt würde; besonders dann, toerm bestimmte innerpolitische Absichten, wie jetzt bei der bevorstehenden Matteotti-Feier damit verbunden sind. Dann müßte Poincarä zu uns längst alle Beziehungen abgebrochen haben, dann dürfte aber Italien in Paris auch keinen Botschafter mehr unterhalten Bei allem Ver­ständnis für die italienische Empfindlichkeit bleibt das Verhalten der römischen Regierung doch recht seltsam und eigenartig.

Die englischen Gewerkschaften gegen Moskau.

Edinburgh, 8. Sept. (Wolff.) Der Vor­schlag des Generalrats der Gewerkschaften die Beziehungen zu den russischen Gewerkschaften abzubrechen, wurde auf dem Gewerkschafts­kongreß durch die Vertreter von 2>-> Millionen Arbeiter gebilligt. Die Delegierten der Min­derheit vertreten 620 000 Arbeiter.

Hindenburgs Geburtstag in Hessen.

Das hessische Staatsmini st erium in Darmstadt übergibt folgende Verlautbarung der Presse: ^Reichspräsident von Hinden­burg begeht am 2. Oktober 1927 seinen acht­zigsten Geburtstag. Es entspricht seinem Wunsche, von besonderen Feiern aus diesem Anlaß ab* zusehen. Die Reichsregisrung wird daher weder in Berlin noch in sonstigen Orten Deutsch­lands amtliche Feiern veranstalten. In einem Rundschreiben des Reichsministers des Innern an die Landesregierungen bittet die Reichs­regierung die Landesregierungen, gleichfalls auf solche Feiern zu verztchten Dem Ersah der Feiern soll die Hindenburgspende dienen.

über deren Sammlung Reichsvegierung und San- desregierungen übereingekommen sind." Die Hes­sische Regierung hat sich dieser Auffassung an- geschl vssen.

Die Besoldungsreform. Die Besprechungen der Beamtcnvertretcr mit dem Reichsfinanzministcr.

Berlin, 8. Sept. (Wolff.) Wie das Wolss- bureau erfährt, haben heute vormittag die an­gekündigten Besprechungen des Reichsfinanz­ministers Dr. Köhler mit den Vertretern der Beamtenorganisationen begonnen. Da­mit werden die Verhandlungen wegen des Ent­wurfes der Besoldungsreform in ein akutes Stadium übergeleitet. Am morgigen Freitag wird sich eine Konferenz der Finanz- m i n i ft e r beim R eichsf inanzmini st er anschließen. Rachdem diese Gelegenheit gehabt haben, ihren Standpunkt und ihre Wünsche zürn Ausdruck zu bringen, wird der Entwurf dann am Samstag das Kabinett beschäftigen, Dr. Köhler wird dann nähere Mitteilungen über den Inhalt der neuen Desoldungsresorm machen.

Die Informationen, die Reichssinanzminister Dr. Köhler heute nacheinander den Abordnungen des Deutschen Beamten t .ies, des Reichsbundes der höheren Beamten und des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes über die Grundzüge der Beamten­besoldungsreform gab, wurden als streng vertraulich erklärt. DemVorwärts" zufolge haben die Be­sprechungen, die morgen fortgesetzt werden sollen, positive Ergebnisse nicht gebracht. DasBert. Tagebl." weiß mitzuteilen, daß die von Dr. Köhler vorgetragenen Grundzüge des Entwurfs von den Beamtenverbänden als nicht ausrei­chend bezeichnet worden feien. Wenn das Reichs­kabinett zu der Vorlage enbgültig Stellung ge­nommen hat, soll nach dem erstgenannten Blatt noch einmal mit allen Spitzengewerkschaften der Beamten gemeinsam verhandelt werden.

Uebcr die Frage der Deckung der Mehr­aufwendungen für die Beamten will dieVoss. Ztg." erfahren haben, daß der Reichsfinanzminister entschlossen sei, keine Aenderung des Fi­nanzausgleichs vorzunehmen. Die Länder würden infolgedessen gezwungen sein, die Mehr­kosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Für Preußen käme eine Mehrausgabe von 150, für Bayern eine solche von ungefähr 40 bis 50 Millio­nen in Frage.

Allg. Deutscher Lehrerinnen- verein und Aeichss ulgesetz.

Auf feiner Gesamtvorstandssihung am 21. August in Berlin hat der Allgemeine Deutsche Lehrerinnen-Verein folgende Entschließung be­schlossen: In tiefer Sorge um die Zukunft der deutschen Schule und die Einheit der deutschen Kultur, hat sich der Gesamtvorstand des All­gemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins mit dem vorliegenden Entwurf eines Reichsschulgesehes beschäftigt. Er steht nach wie vor auf dem Bo^eri feiner am 2. Oktober 1925 in Dresden gefaßten Entschließung:Der Allgemeine Deutsche Leh­rerinnen-Verein betrachtet als eine der vornehm­sten Ausgaben des Staates die Erziehung des deutschen Kindes zum Staats­bürgertum im Geiste der deutschen Kultur. Er fordert daher, dah durch die Schulgesehgebung die Hoheit des Staates über die Schule, di e Einheit der deutschen Volksgemeinschaft, die Höhe der deut- fchetz Kultur und des deutschen Schulwesens, unb die Wahrhaftigkeit und Gewissensfreiheit des Lehrers im Sinne der Verfassung geschützt und gefördert werden! Er ist sich dabei bewußt, daß die Erziehung im Geiste wahrer Re­ligiosität als Quelle der deutschen Kultur und Charatterbildung die 'Verwirklichung der Erziehungsideale des deutschen Volkes, wie sie in Artikel 148 der Reichsverfassung niedergelegt sind, am sichersten verbürgt." Er tann daher dem vorliegenden Entwurf nur zustimmen, wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt wer­den, wenn in Sonderheit nicht wie im vor­liegenden Entwurf 1. die Staatshoheit durch ein zu weitgehendes Elternrecht einge­schränkt wird, 2. die Bildungshöhe durch eine Zersplitterung des Schulwesens herabge­setzt wird, 3. die in der Verfassung gewähr­leistete Gewissensfreiheit und Rechts­sicherheit des Lehrers gefährdet wird.

Der Gesamtvorstand des Hessischen Can* des-Lehrerinnen-Derbandes veröf­fentlicht diese Entschließung des Vorstandes des Allgemeinen Deutschen Lehrerinneir-Vercins mit dem Zusatz, daß der Verband die in Hessen seit Iahrzehnten bewährte, historisch gewordene Si­multanschule auf christlicher Grund­lage unbedingt erhalten sehen will. Er ist der äleberzeugung, daß dadurch die Verwirk­lichung der Erziehungsideale des deutschen Volkes am sichersten verbürgt ist.

Aus aller Welt,

Das Schicksal Filchners.

Nach einer Auskunft amtlicher Stellen in Kal­kutta hat sich die Ermordung Jilchners bisher nicht bestätigt. Wahrscheinlich handelt es sich um falsche Gerüchte, die daraus zurückzuführen sind, daß a n - dere Reisegesellschaften, bestehend aus Kanadiern und Amerikanern, nahe der tibetanischen Grenze ausgeraubt worden sein sollen. Die Behörden bemühen sich um die Aufklärung des Falles, die sich infolge der weiten Entfernungen schwierig ge­staltet.

Schwere Wolkenbrüche in Württemberg und hohenzollern.

In verschiedenen Teilen Württembergs unb Hohenzollerns gingen schwere Wolkenbrüche nie­der. Besonders schwer betroffen wurden ver­schiedene Ortschaften des Reckar - und (Stein* lachtales, wo es auf Straßen und Fluren große äleberschwemmungen gab. Das Wasser drang verschiedentlich in bie Häuser ein. In Owingen lösten sich in einem Gipssteinwerk infolge des starken Regens Erbmassen los, wobei ein junger Mann auf einen Felsblock ge­worfen wurde, einen Schädelbruch erlitt und so­fort tot war.

Zwei Personen ertrunten.

In Haltern nahm ein Landwirt mit seinem Eleven ein Bad in der Steuer. Plötzlich ging der des Schwimmens unkundige Eleve unter. Der Land­wirt wollte ihn retten, geriet aber in einen Strudel und wurde mit in die Tiefe gezogen. Beide er­tranken.

Tragischer Anglücksfall.

Die zwölfjährige Tochter eines Bahnschafs- ners in Plathe (Pommern) wollte auf dem Spirituskocher Milch für ihre Geschwister wärmen. Als sie aus einer Flasche Spiritus in den brennenden Kocher nachgoß, explo­dierte die Flasche und die Kleider des Mäd­chens und ihres neunjährigen Bruders gerieten in Brand. Der Knabe starb an den Brand­wunden, das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt.

Der Leichensvnd in Essen.

Bei der fortgesetzten Durchsuchung wurden im Verschlage des Kellers des Hauses §ve- derikenstraße 33, wo Bagosat seine Wohnung hatte,- unter Gerümpel in Lumpen versteckt d i e noch fehlenden Körperteile der Er­mordeten gefunden. Damit ist die Leiche der Maria Kcch vollständig geborgen. Dafür, daß Bagosat weitere Morde ausgeführt hat, haben sich Beweise bis jetzt nicht erbringen lassen. Ob eS sich um einen Lustmord handelt ober ob der Tod infolge eines unerlaubten Eingriff- seitens des Mannes eingetrelen, wofür gewisse Anhaltspunkte sprechen, wird die Obduktion er­geben. Der Täter konnte bis jetzt noch nicht er­griffen werden. Auf seine Ergreifung sind 500 Mk. Belohnung vom Regierungspräsidenten ausgesetzt worden.

Bon der berstenden Schleifscheibe gelötet.

In einer Budapester Maschinenfabrik ist ein stark rotierender schwerer Schleifstein geborsten. Ein Bruchstück durchschlug die Mauer des Fabrikgebäu­des und fiel auf die Strohe. Das andere Bruchstück traf einen Arbeiter auf den Kopf und tötete ihn auf der Stelle. Ein zweiter Arbeiter wurde schwer verletzt.

Die Wetterlage.

Seydlsf.

Jan

La

-VaMersui

r.6'.

Ip-

O Magert

O

O

17

rj1

OSo

Donnerstag, den d.3ept.27 JA n ad)m

henlZff < cf 1 CI ftor

O

warsch

avJSai V5

YV franW T Wien

I O

0wolkenlos.© neuer onaio oeoecxL »wenig. eoedecKL «Hegen * Schnee a «iraupem e Nehet K Gewitter.©windstille.O' sehr leichter Ost y massiger Südsüdwest \ stürmischer nordwesi Ole Pfeile fliegen mit dem wmde Die oeioen Stationen stenenden zai» (en gehen die Temperatur an. Die Limen verbinden Ortr mit gleichen* auf rtceresniveau umgerechneten Luftdruck

^ert^rvorLUssage.

Das nordwestliche Tiefdruckgebiet hat sich ostwärts weiterbewegt und lagert heute mit sei­nem Kern über Südskandinavien. Seine Aus­läufer gestalten in Deutschland unter weiterer Westluftzufuhr den Witterungscharatter verän­derlich.

Wettervoraussage: ilnbe'iänirig, wechselnd wolkig, mäßig warm, zeitweise Riederschläge in Form von Schauerregen, westliche Winde.

Witterungsaussichten für Sonntag: Fort­dauer des veränderlichen Wetters.

Lufttemperaturen am 7. September: morgens 18,6 Grad Celsius, abends 12,4 Grad Celsius; am 8. September: morgens 11 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 7. Sep­tember 18,5 Grad Celsius; am 8. September 13 Grad Celsius. Maximum 18,8 Grad Celsius, Minimum 10,6 Grad Celsius. Sonnenscheindauer: eine Stunde.