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Samstag, 9. Zuli (927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. (58 Drittes Blatt

Wandern und Reifen Bäder und Sommerfrischen

im

Wer im Sommer nach Italien reist.

Lire zu haben ist. Ebensoviel muh man bei beschei­dener Unterkunft in den Adriabädern rechnen, in Sorrent, Capri, Palermo: in den Großstädten etwa die Halste mehr. cb.

Mieter und Vermieter im Badeort.

Don Rechtsanwalt Dr. C h a r i g.

Für jeden, der ein Dad besucht, ist die Frage der Hnterhmft und Verpflegung beinahe von gleicher Bedeutung wie die Frage der Heilwir­kung des auserwählten Badeortes. Mir viele Llnanehmlichkeiten könnten vermieden werden, wenn jeder Badegast in rechtlich unzweideutiger und einwandfreier Weise die Beziehungen zu seinem Vermieter regeln würde. Da möblierte Zimmer der Zwangswirtschaft nicht mehr unter­stehen. gelten grundsätzlich die Dorschristrn des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB.).

Zunächst mache man sich einmal klar: W i e wird ein Zimmer gemietet? Am einfachsten natürlich dadurch, daß man selbst hingeht, sich die angebotenen Räume ansieht und dann die erforderlichen Erklärungen angibt. Oft kommt es aber vor. dah man von Hause aus einen guten Bekannten, der schon vorher ins Bad gereist ist, mit der Miete beauftragt. Dieser Freund hat dann eine regelmäßige Vollmacht, denn dazu genügt mündliche Erteilung. Was er mietet, muh ich nehmen. Findet er ein Zimmer schön, das mir nicht gefällt, so bin ich gebunden. Auf rechtliche Feinheiten aus diesem Rechts­gebiet näher tzinzugehen, erübrigt sich an dieser Stelle. Man mache sich also klar, dah solch ein Auftrag bisweilen unangenehme Folgen haben kann. Rur dann ist man nicht verantwortlich, wenn man keine Vollmacht erteilt hat, wenn z. D. der Onkel für den Reffen ein Zimmer mietet, weil erbestimmt" glaubt, dieser käme in den nächsten Tagen. Hier kann der Vermieter sich an den Onkel und nur an diesen halten. Richt selten mietet man ein Zirnmrr brief­lich auf Grund gedruckter Anpreisungen oder sonstiger Empfehlungen. Man hat das Zimmer nicht gesehen, seht aber voraus, dah es wie es in der Zuschrift heiht diebeste Aussicht" hat. Rachher stellt sich heraus, dah der Kar- wendel gerade auf der anderen Seite liegt und überhaupt nicht zu sehen ist. Hier kann man die erfolgte Willenserklärung an fechten, aber

Der ist nicht schlecht beraten, wer statt Frühling, wo es Modesache ist, im Sommer nach Italien reist. Es kommt zuweilen vor, dah es auch im März und April wenig regnet, in der Regel ab-rr bereitet sich gerade in jener Haupt­reisezeit die Ratur durch sintflutartige Wasser- stürze auf die Trockenzett vor, die Ende Mai be­ginnt und mit unbedingter Sicherheit bis in die letzten Augusttage anhält. 3n diesen dreizehn Wochen fällt kein Tropfen vom Himmel, südlich von Florenz, wo das subtropische Klima mit Macht einsetzt, arbeiten auch die Gewitter nur im Winter oder in den Llebergangszeiten. Tag für Tag geht die Sonne in derselben strahlenden Weise auf, Abend für Abend mit der nämlichen Verheißung unter. Dazwischen ist nichts als gold-

den Landessitten anpaht, hat nichts zu befürchten I Das heiht also: Früh heraus: spätestens um 11 Uhr, wenn überhaupt, die große Mahlzeit ein­nehmen, dann bis 5 tthr im verdunkelten Zimmer ruhen, oder die Zeit zwischen 10 und 2 tthr in den | Museen verbringen. Um 5 Uhr nachmittags be­ginnt dann die unsagbare Herrlichkeit der schwal- vendurchschwirrten Bläue, des Korsobummels bei einer Auswahl von 25 Gefrorenen, des Auf-der- Straße-Sihens bis in die dunkelnde Rächt.

Die Malariagefahr beginnt Ende Juni und besteht überall in Italien, ausgenommen die Höhenlagen, den Meeresstrand und die Städte. Dor Sonnenuntergang, das ist eine eiserne Regel, muh man in die Stadt zurückkehren. Abendfahrten ins Land hinein sind also nicht zu empfehlen, es sei beim, man habe Chinin bei sich. Zwei Tablet­ten das staatliche Chinin erhält man in den besseren Tabakländern wirken vorbeugend. Dah nicht alle Stechmücken, Schnaken, Gelsen, oder wie sie immer heißen, die Malaria übertragen, son­dern nur die große Art der Anopheles, dürfte bekannt sein. Dieechte" Zanzara ist zum Glück kein Freund des Strandlebens, so dah man selbst an der Maremmaküste baden kann. Seebäder gibt es an beiden Küsten ohne Zahl, schönen Sandstrand findet man dagegen nicht überall. Der Lido von Venedig ist immer überfüllt, Viareggio ziemlich teuer, Rimini, Riccione, Cattolica sucht der Mtt- lelstand auf. Wem es in der Hauptsache um das Wasser zu tun ist, der kann auch an der klippen­reichen Riviera, im Golf von Reapel, auf Capri auf seine Rechnung kommen, und besonders dann, wenn er ein Robinsondasein sucht.

Am lästigsten fallen die sonst ungefährlichen Stechmücken in Venedig, unangenehm sind sie an allen Orten. Man lasse sich daher im Hotel so­gleich eine Zanzariera, ein Moskitonetz über das Bett spannen, dann leidet man weit weniger als selbst zu Hause. Am besten, man schläft nach­mittags.

Run kommt aber das dicke Ende: Italienfahr­ten sind eine recht teure Sache geworden. Es emp­fiehlt sich daher nicht, viel herumzureisen, jeden Tag wo anders zu schlafen, sondern wo immer möglich, die volle Pension zu nehmen, die in Ab- I bazia beispielsweise in besten Hotels schon für 50

blaue Ruhe.

Wer also den Regenschirm nicht leiden kann, wer eine Schönwettergarantie für feine kargen Ur­laubswochen haben will, der braucht nur den Weg übet die Alpen zu nehmen. Er wird dann noch so manche Annehmlichkeiten entdecken, die dem Ostern in Rom"-Reisenden entgehen, zum Bei­spiel die langen Tage, die erfrischend kühlen Mu­seen, die mäßigen Hotelpveise, die nichtüberfüllten Züge, die südlichen Wundernächte.

Drei Rachteile dagegen tauscht er ein: die Stechmücken, die Malariagefahr und die Hitze. Um mit der Hitze zu beginnen, ist das nicht so schlimm, man muh sie nur zu nehmen wissen. Richt vertra­gen wird sie von den in Italien seit längerer Zeit ansässigen Rordländem, wobei Rorden schon am Gotthard beginnt. Wir fliehen daher im Juli und August nach heimatlicheren Gefilden, die uns gerade wegen ihrer Regerrfrische als das wahre Paradies erscheinen, uns fällt der ewigblaue Himmel auf die Rerven, nichts erscheint uns so sad, wie eine Reihe von schönen Tagen Umge­kehrt fühlen sich regengewohnte Menschen in der gesunden Wärme" auf einige Wochen pudelwohl. Sie müssen nur die Tollkühnheit vermeiden, etwa in der Augustglut über den Petersplatz gehen zu wollen: das wäre lebensgefährlich Wer sich aber

Schweden im Sommer.

Schweden als Sommerreiseland ist in Deutsch­land bekannt, aber viele unserer Landsleute pflegen allzulange zwischen den drei Großstädten StockholmMalmöGöteborg herumzufahren und allzu gewissenhaft dort alle alten Museen und Bauten zu besichtigen, an denen Schweden reich ist, die jedoch nicht fein Schönstes bilden. Wie wenige von den vielen, die im Sommer nach Schweden gereist sind, mögen den Landschafts­zauber Angermanlands kennen, durch dessen tan- nenbewachsene Wakdhügellandschaft Schwedens größter Fluh rauscht und von Wasserfall zu Wasserfall über Felsen und Klippen sprüht. Zu­gänglich für Touristen sind diese Distrikte in den Monaten Juli und August durch schnelle Fluhmotorboote und die Touristenstationen der schwedischen Touristenvereinigung. Abwechslung bringt in eine solche Tour eine Dampferfahrt über das Bottnische Meer nach Lulea, in Hellen Frühlingsnächten wie in heißen Sommertagen ein herrliches Rirwana in Horizontblau und Meergrün. Wer nicht so weit nördlich reisen will, der fahre mit dem Dampfer von Stockholm durch die endlose Seenkette nach Göteborg, oder in das Waldreich der Dalarna oder an die brandungsumspülte Schärenküste vor Stockholm, oder in Iämtlands grüne Berge. Ueberall kommt man leicht und angenehm vorwärts. Da in bezug auf Hygiene, Reinlichkeit und sanitäre Einrich­tungen in Schweden hohe Anforderungen gestellt werden, kann man das schwedische Hotelwesen als musterhaft hinstellen. Als Pensionspreis dürste man mit durchschnittlich zur Zett 7 bis 9 Mk. rechnen. Hauptfahrpreise: BerlinStock­holm zur Zeit rund 2. Klasse 82, 3. Klasse 55 Mk.: BerlinStockholmAbisko (Lapland), eine Strecke von 2540 Kilometern, zur Zeit rund 2. Klasse 121,50, 3. Klasse 80,50 Mk.: Berlin- StockholmRättvik (Dalarna) zur Zeit rund 2. Klasse 100,50, 3. Klasse 66,50 Mk.

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