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Befestigung der Ostgrenzan habe beginnen kön­nen. Aber auch Iouvenel kommt mitGaran­tien" und denkt daran, daß Frankreich, wie er sagt, der einzige Garant der deutschen O stg re n- ;en sei. Er fordert die Garantie auch Englands für die Aufrechterhaltung des Stalusquo tm Osten. Damit ist nun die Erörterung auf das lote GKis geführt. Es wäre möglich, daß Eng­land sich jetzt, in seiner Feindschaft gegen Aus­land und seiner Freundschaft für Polen, im Gegensatz zu 1925 zu einer solchen Politik ent­schlösse. Aber für Deutschland ist das eine Un­möglichkeit. Immer wieder m»ß es darauf Hinweisen, daß. ihm eine Anerkennung dieser Ostgrenzen nicht möglich ist. weil es so, wie diese heute laufen, schlechterdings nicht leben kann und mit den Grenzen, wie sie heute sind, ein auf die Dauer solide begründetes gutes Ver­hältnis zu Polen nicht zu schaffen ist.

Sehr interessant ist, daß Ioudenel in diesem Zusammenhang auch auf Artikel 15 Absatz 7 des Völkerbundpaktes hinweist. Das ist bekanntlrch eine Art Ergänzung oder sozusagen Ausfalls- Garantie, wenn der Artikel 16 nicht in Anwen­dung kommen kann. Dieser Absatz 7, Artikel 15 lautet, daß, wenn derBericht des Rates (über eine Streitfrage zwischen Dundesmitgliedern) nicht die einstimmige Annahme derjenigen Mit­glieder erhält, die Aichtvertreter der Parteien sind, sich die Bundes Mitglieder das Recht Vor­behalten. die Schritte zu tun, die sie zur Auf­rechterhaltung von R^t und Gerechtigkeit für nötig halten". In seinem Hinweis darauf, daß dieser Absatz revidiert werden müsse, trifft* sich der Franzose mit den Russen, natürlich auch mit den Bedenken der Deutschen. Bloß daß der Ausgangspunkt und damit das Ziel auf den verschiedenen Seiten verschieden ist.

Ioudenel behauptet, daß seit dem Berliner Vertrag ein akttonsfähiger Völkerbund nicht mehr existiere, weil jede Völkerbundsaktion ge­lähmt werden könne, solange eine einzige Stimme die Einstimmigkeit, die Artikel 16 fordert, ver­hindern kann. Das ist natürlich im Hinblick auf das deutsch-russische Derhältms, einen rus­sisch-polnischen Konflikt und alle deraus sich er­gebenden Folgen gedacht. Llmgekehrt sagt Ruß­land, daß es zwar vom Artikel 16 nichts zu befürchten habe, weil Deutschland als Weltmacht jederzeit den einftimmigen Beschluß verhindern könne, daß aber in bem Artikel 15 für Ruß­land und auch für Deutschland die Gefahr liege, indem letzteres eben gezwungen werden könne, Durchmarschgebiet zu werden. Wir erinnern an die Diskussion über den Artikel 16 im Jahre 1925, wo diese Frage eine Rolle gespielt hat und daran, daß diese Frage im deutschen Inter­esse nicht eindeutig gelöst worden ist.

So treffen die Zentralfragen der europäischen Politik überall an demselben Punkte oder an denselben Punkten zusammen. Faßt man sie so herum, vom deutsch-polnischen Verhältnis und deutsch-russischen Verhältnis und den französisch­polnischen Beziehungen oder schließlich von der Völkerbundsarte und !den betreffenden Para­graphen: man kommt stets auf dasselbe Ziel und denselben Schluhpunkt hinaus. Dieser ober liegt, so wie die Dinge heute sind, ausschließlich imd:utsch-französischenDerhältnis und den Auseinandersetzungen darüber.

In Oslo hat sich in seiner Rede der deutsche Außenminister noch einmal zur Locarnopvlitik bekannt, und hat sie als einen Wendepunkt in der Entwicklung der europäischen Rachkriegszeit bezeichnet. Er wies daraus hin, daß damit der Zustand des dauernden Friedens am Rhein ge­währleistet sei. Er tonnte auch sagen, daß heute die überwältigende Mehrheit in Deutschland für die große allgemeine Idee von Locarno ein­tritt, nämlich durch ein Zusammenwirken dieser Mächte den Frieden nicht nur, wie er sagte, zu verbreiten, sondern zu erhalten und vor den zahlreichen europäischen Gefährdungen zu be­wahren. Er hat mit Recht diese Politik von Locarno als unvereinbar mit der Politik ULWD8WU Noman von Sven Elve st ad.

Copyright bei Georg Müller, München. 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Er wanderte ganz für sich umher. Don Zeit zu Zeit tauchte er an den merkwürdigsten Stellen der Stadt auf. Die Kriminalbeamten erzählten, daß sie ihn mehrfach getroffen hätten. Einmal hatte man ihn daoei beobachtet, wie er die Ziegeleiwerke umschwärmte. Ein andermal am Hafen, eifrig da­mit beschäftigt, das Einladen auf einen nach Ant­werpen bestimmten Dampfer zu verfolgen.

Auf seinen Wanderungen unternahm er nichts Besonderes. Er sah nur zu und stellte seine Be­trachtungen an, sonst war er schweigsam und ver­schlossen. In der Kriminalabteilung erzählte man auch, er habe sich im Viktoria-Hotel einlogiert.

Im übrigen bildeten die beiden Verhafteten einen wahren Schrecken für den Untersuchungsrichter. Sie hatten tausend Ausflüchte, verfielen auf die wunder­barsten Dinge, um Verwirrung in die Sachlage zu bringen, und der Richter sah nirgendwo Licht in die­sem Chaos.

Alle beide schienen entschlossen, eine bestimmte Rolle au spielen, um die Arbeit für das Gericht un­möglich zu machen.

Der Italiener trat in dieser Komödie als voll­endeter Dandh auf.

Beim Beginn jedes Verhörs trug er eine Be­schwerde über die schlechte Verfassung seiner Zelle vor, über die schlechte Seife und die elenden Toi­lettegegenstände. Kopfschüttelnd betrachtete er seine Finger und äußerte sich unwillig darüber, daß man es ihm nicht ermögliche, seine Nägel zu pflegen.

Und brachte man ihn endlich dazu, von den Ge­setzesübertretungen zu sprechen, deren er verdächtig war, so fing er an zu prahlen und zu lügen, daß der Untersuchungsrichter sich nicht zu helfen wußte. Zwei Tage verstrichen, und während des Verhörs wiederholte er an beiden Tagen, daß er die Absicht habe, zu fliehen.

Der rothaarige Kellner spielte eine ganz andere Rolle. Er hatte sein Gesicht in die allerdummsten Falten gelegt, deren die menschliche Mimik über« Haupt fähig ist. Wenn er nach seiner Mittäterschaft

der Gewalt und der ilnterbrücfung bezeichnet und darum Frankreich auf die' älnmöglichkeit der Besatzung im Rheinland hingewiesen.

Damit ist in einem anderen Zusammenhang vor einem großen europäischen Forum noch ein­mal der Standpunkt genommen, und noch einmal besiegelt, den die Reichstagsdebatte über Genf im ganzen aussprach. Im Schatten augenblickbe­schworener, aber noch vorhandener großer euro­päischer Konflikte und Konfliktsmöglichkeiten voll­zieht sich die Vorbereitung auf die Völkerbunds- Versammlung in Genf. Ihre Tagesordnung an sich wird nicht übermäßig wichtig und bedeutsam sein. Aber die Tagung wird eine große Be­deutung haben, weil für sie die europäische Zentralfrage jetzt dargestellt ist und Antwort verlangt!

Aus der ProvinzialhauMM.

Gießen, den 9. Juli 1927.

Kurbehandlung nach dem Reichsversorgungsgesetz.

Vom Versorgungsamt Gießen wird uns ge­schrieben:

Das Reichsoersorgunasgesetz (R. 23. G.) hat die nach früheren Militäroersorgungsgesetzen gewährten Leistungen erheblich ausgestaltet. Besonderer Wert wird darauf gelegt, die Folgen einer Dienstbeschädi­gung zu beseitigen, oder doch nach Möglichkeit zu mildern. Das R. V. G. gewährt daher Heilbehand­lung, um das 23ersorgüngeleiden zu beseitigen oder wesentlich zu bessern, eine Verschlimmerung zu ver­hüten, oder körperliche Beschweroen zu beheben.

Die Heilbehandlung wird im allgemeinen von den Krankenkassen durchgeführt, wobei die Leistun­gen gegenüber der Reichsversicherungsordnung nach manchen Richtungen erweitert sind. Dagegen hat sich das Reich die orthopädische Versorgung und die Kuren vorbehalten, einschließlich Heilstättenkuren für Lungenkranke.

Voraussetzung für die Badekuren ist, daß sonstige Behandlungen keinen geeigneten Erfolg hatten, wie solche nur von den in einem Kurort verfügbaren Mitteln zu erwarten sind. Die Kurzeit beträgt in der Regel vier Wochen.

Heilstättenkuren werden in erster Linie für Lun­gentuberkulose bewilligt, wenn das Leiden frisch aufgeflackert oder noch nicht gänzlich zur Ruhe ge­kommen ist. Kurbauer hier mehrere Monate, Ver­längerung nach Bedarf.

lieber beide Arten der Kurbehandlung befinden die Hauptversorgungsämter. Das H a u p t ver­so r g u n g s a m t Kassel hat im Rechnungsjahr 1925 609 Badekuren, 585 Heilstättenkuren: in den ersten neun Monaten des Rechnungsjahres 1926 778 Badekuren, 507 Heilstättenkuren bewilligt.

Nicht unerwähnt soll bleiben, daß auch die nach dem Offizier-Pensionsgesetz 06 versorgten Offiziere unter gewissen Voraussetzungen Kuren durcy das Hauptversorgungsamt erhalten können. Sie zahlen die hierfür festgesetzten mäßigen Durchschnittskosten und erhalten dazu auf Antrag eine Beihilfe.

Das Reich bedient sich zur Durchführung der Kuren eigener, von Fachärzten geleiteter Anstalten: Versorgungskuranstalten. Außerdem hat es an meh­reren Orten mit Anstalten Verträge abgeschlossen. In beiden Fällen ist sorgfältige sachgemäße Behand­lung bei guter Unterkunft und Verpflegung sicher- gestellt.

Zum Bereich des Hauptversorgungsamts Kassel gehören die Versorgungskuranstalten Bad Hom­burg und Bad-Nauheim, ferner für Heil­stättenkuren die Versorgungskuranstalt Helsa und in beschränktem Umfange das Versorgungskranken. haus Hanau.

Die Versorgungskuranftalt Bad Homburg ist eine Stiftung des Herrn Gustav Weigand da­selbst. Früher Hotel ersten Ranges, in und nach dem Kriege stark verwohnt, ist sie jetzt durchgehend er­neuert worden. Sie stellt nunmehr eine durchaus neuzeitliche Anstalt mit eigenen Kurmitteln dar. HHMDBHHHBBMBBKEKBnflBBOMMHHtanUKnflSttEMHNKnMMHHBI bei den seltsamen und verwegenen Diebstählen ge­fragt wurde, stellte er sich zunächst an, als ob er gar nicht verstände, wonach man ihn fragte. Dann tat er erstaunt, daß man ihn für etwas anderes hielt als für einen Kellner. An dieser Mauer fin­gierter Dummheit prallten die Fragen des Richters ab wie Hagelkörner an einer Bergwand. Und doch fand der vernehmende Richter, daß man mit den haarsträubenden Lügen des andern besser fertig wurde als mit dem Verhalten dieses Rothaarigen.

Unter solchen Umständen wartete man mit Sehnsucht darauf, daß Asbjörn Krag sein Schwei­gen brechen würde, oder daß ein Zeichen von der internationalen Polizei käme.

Man wußte, daß Krag in der Sache eine Spur verfolgte, von der keiner eine Ahnung hatte. Und man wußte auch, daß die Kriminalpolizei in Lon­don und Paris Untersuchunaen anstellte, um mög­licherweise etwas über das frühere Leben der Ver­brecher zu ermitteln.

So war es verständlich, daß sowohl der Unter­suchungsrichter wie der Poliaeichef ungeduldig wa­ren und in Verzweiflung gerieten, als sie unter der Hand erfuhren, daß Asbjörn Krag sich augenblick­lich für ägyptologische Studien interessierte. Er halte lange Konferenzen mit den Gelehrten der Unioer- fttät über vorägyptische Funde gehabt. Das er­zählte einer der Professoren dem Polizeichef voll Bewunderung auf der Straße, allerdings zugleich nicht ohne Erstaunen über diese plötzlich aufgetauch- ten Interessen des Detektivs.

Sobald der Polizeichef Krag wieder traf, inter­pellierte er ihn darüber.Ich studiere diese Dinge zum reinen Zeitvertreib", sagte Krag.

Zeitvertreib!" fragte der Ches erstaunt.Ich kann nicht gerade finden, daß Sie augenblicklich Anlaß haben, sich zu langweilen".

Das hab' ich auch nicht", erwiderte Krag.

Wollen Sie sich nicht auch etwas für unsere lie­benswürdigen Freunde interessieren?"

Ich denke an nichts anderes", erwiderte der Detektiv.

Der Polizeichef sah ihn erstaunt an. Krags Augen fielen ihm auf. Er hatte schon früher einige Male diesen Ausdruck darin beobachtet. Der Blick des Detektivs war zugleich tief, müde und suchend. Er zeigte, daß Krag nicht schlief.

Die wichtigste Heilanzeige bilden die Krankheiten der Derdauungsorgane.

Die Dersogungskuranstalt Bad-Nauheim ist neuerdings in zwei von der Stadt ennicteten Ge­bäuden sehr zeitgemäß untergebracht: sie benutzt für ihre Insassen meist Herzkranke die vorbild­lichen Heilmittel der Kurverwaltung. Daß hier wie in Bad Homburg den Insassen die Kurkarte kosten­los augestellt wird, so daß ihnen alle dadurch be­dingten Vorteile erwachsen, sei nur nebenbei be­merkt.

Die als Heilstätte für Lungenkranke dienende Versorgungskuranstalt Helsa ist kurz vor dem Kriege als Milttärgenesungsheim in besonders schöner Lage errichtet worden: sie ist Eigentum der Gemeinde, vom Reich ermietet.

Verträae zur Durchführung von Kuren bestehen tm Bereiche des Hauptversorgungsamts Kassel mit den 5jel(ftatten Oberkaufungen, Berka, Waldhof, Elgershausen, Sandbach i. £)., Ruppertshain i. T.

In besonderen Fällen werden Kuren für Tuber- tulöfe im Deutschen Kriegerkurhaus in Davos be­willigt.

Dom tHeubaii bes Metzener StudentenhauseL.

Se. Magnifizenz der Rettor der Landesuniver- fität Professor Dr. Zwick, hatte mit großer Freude beim Festatt aus Anlaß des ilmberfi- täts°Festes am 1. Juli verkünden können, daß auf Antrag bes Oberbürgermeisters Keller die Stadtverordneten-Versammlung das für die Er­bauung des Studentenhauses notwen­dige Gelände an dem Kreuzungspunkt der Lud- wigstraße mit dem Leihgesternerweg in einer Große von 3550 qm im Werte von 50 400 Mark unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Außer- i)eni hat die Stadtverordneten-Versammlung in Aussicht gestellt, der Gießener Studentenhilfe die von ihr zu tragenden Straßenbaukosten bis zur Hälfte zu ermäßigen. Mit dieser dankenswerten ilebeteignung des erforderlichen Bauplatzes ist ein erfreulicher Fortschritt in der Ausführung der Erbauung eines Studentenhauses für bie Gießener Studentenschaft gemacht. Auch die Studentenschaft selbst seht sich tatkräftig für den Plan ein, wie her vor wenigen Tagen ar. dieser Stelle veröffent­lichte Beschluß der Gießener Studentenschaft zeigt. Finanzielle Anterstühung wird von ihr dadurch in Aussicht gestellt, daß weiterhin beschlossen wurde, von dem kommenden Winter-Semester ab einen semestrigen Kopfbeitrag für da« Studenten- hqus zu erheben. Es ist zu wünschen, daß der Ge­danke des Gießener Studentenhauses noch mehr als bisher tatkräftige Unterstützung findet und jeder, der irgendwie dazu in der Lage ist, einen Baustein zur Errichtung eines umfassenden neu­zeitlichen Studentenhauses spendet.

Es kennt wohl jeder die jetzigen Studenten­heime Burggraben undSchöne Aussicht". Daß die dort befindlichen Räumlichkeiten für die Be­lange der Studentenschaft durchaus unzureichend sind, davon wird sich jeder durch einen Besuch der beiden Heime überzeugen können. In der aller­schlimmsten Rotzeit mußte man froh sein, in Er­mangelung geeigneter Räumlichkeiten wenigstens diese für die Speisung zur Verfügung zu haben. Es stellte sich aber immer dringender das TSe- dürfnis nach einer anderen Heimstätte ein, die nicht eng in die Altstadt, wie das Studenten­heim Burggraben, gepreßt ist. Es soll nun ein Studentenhaus erstehen, frei auf der Höhe gelegen, umgeben von Gartengelände, nicht weit von der Universität und den Äniversitäts-Klini- ken und auch in nächster Rähe der Schönen Aussicht, wo sich das Studentenwohnhaus und die gewerblichen Betriebe, Wäscherei und Gärt­nerei, befinden.

Regierungsbaumeister von der Le Yen, hat einen Plan für das Studentenhous ausgear­beitet, der in jeder Richtung befriedigt. Die Anordnung der Räume ist folgendermaßen ge­dacht :

In der Mitte des Erdgeschosses be­findet sich eine Halle, die als Aufenthaltsraum

Und so kam der Chef auf den bestimmten Ver­dacht, daß Krag auf wunderbaren Wegen die Wahr­heit zu finden suchte. Er verließ sich vollkommen auf ihn und wartete ab. Aber seine Spannung stieg.

In dieser Sache handelte es sich nicht so sehr um Tage als um Stunden. Eine seltsame Unruhe war über die sonst so friedliche und alltägliche Knminal- abteilung gekommen. Ununterbrochen wartete man auf Telegramme und Mitteilungen. In der letzten Zeit hatte man ungefähr jeden Abend Meldung von irgendeinem Verbrechen erhalten, das began­gen worden war. Dann jedoch trat mit der Verhaf­tung der drei Männer eine unbedingte und unheil­schwangere Stille ein. Sie wirkte ungemein nieder- drückeno, weil man wußte, daß der Führer der Bande, jener merkwürdige Mensch, der sich Raspail nannte, noch auf freiem Fuß war. Wo war er? Welche Pläne verfolgte er? Wie konnte er Asbjörn Krag entgehen, der doch das verhältnismäßig kleine Christiania wie feine Tasche kannte? Das waren die Fragen, die man fick stellte, und als von Stunde zu Stunde statt einer Antwort das unheilverkündende Schweigen sich fortsetzte, stiegen die Verwunderung und Spannung bis zur Unruhe. Man hatte das Gefühl, machtlos zu fein gegenüber diesen rätsel­haften Menschen.

Man verstand, daß die Bande, die mit so be­merkenswerter Kühnheit vorgegangen war, einen großen 23erluft erlitten hatte, aber man hatte doch zugleich die Ueberzeugung, daß sie nicht ganz ge­sprengt war. Eben darum wirkte die Stille so drückend.

Und eben darum kam es wie eine Art Befrei­ung, als endlich am Nachmittag des zweiten Tages bekannt wurde, daß die Bande wieder ein Lebens­zeichen von sich gegeben hatte.

Zum erstenmal war einer ihrer Anschläge miß­glückt. Und dieser Fall erregte den wenn auch nur schwachen Verdacht des Polizeichefs, daß es der Polizei dennoch gelungen fei, in dem Italiener Ferro den Hauptmann zu verhaften.

In einem der Iuwelierladen der belebtesten Straße war ein Diebstahl begangen worden. Aber der Täter war so plump vorgegangen, daß er auf der Stelle erwischt wurde.

und Lesezimmer Dient. Daran schließen sich zur Rechten die Speiseräume, und zwar drei an der Zahl mit 88 bzw. 72 und 40 Sitzplätzen. Zur Linken der Halle reiht sich ein Musikzimmer an, das mit dem angrenzenden Spielzimmer auch als Vortragsraum verwendet und mit einer kleinen Bühne ausgestattet werden kann. Die Räume sind sämtlich, mit Ausnahme des größ­ten Speisesaals, nach Süden, mit dem Ausblick nach dem Garten gelegen. Sie sind so ange­ordnet, daß die beiden kleinen Speiseräume. Halle, Musik- und Spielzimmer zu größeren Veranstaltungen geselliger Art, aber auch Kon­ferenzen, größeren Zusammenkünften usw. ver­wendet werden können. Schließlich soll das Erdgeschoß noch Geschäftsräume für die Stu­dentenhilfe mit dem Arbeitsamt. Wohnungsamt, den Abteilungen für Einzelfürsorge und Kran­kenwesen, Darlehnskasse usw. und ein größeres Besprechungszimmer (auch für Sitzungen der Fachschaften und wissenschaftlichen Pereinigun­gen) aufnehmen.

Im ersten Obergeschoß sind ArbeitS- räunte, wie Bibliothek (deren Grundstock die zur Zeit in der Universitäts-Bibliothek untergebrachte studentische Leihbücherei bilden soll) und Schveib- maschinenzimmer untergebracht, ferner die Ge­schäftszimmer für den Asta, das Amt für Lei­besübungen und vielleicht für das Instttut für Körperkultur, sowie die Wvhnräume für die Schwestern, an die sich Zimmer für Studentinnen anschließen. Die in dem Fremdenflügel vorge­sehenen möblierten Zimmer sollen möglichst nicht für das ganze Semester, sondern nur für kürzer« Zeit an von auswärts kommende Dozenten, Teil­nehmer an Konferenzen, durchreisende Studen­ten usw. vermietet werden.

Für das zweite Obergeschoß sind die Wohnräumr des Hausmeisters vorgesehen, so­wie eine Anzahl Zimmer für Studenten und zwei größere Schlafräume für Teilnehmer an wissen­schaftlichen Exkursionen.

Das Kellergeschoß enthält vor allem die Küchenräume und die Heizungsanlage, sowie Räumlichkeiten, die als Werkstätten, Packraum und evtl, für die Druckerei und Wäscherei Ver­wendung finden, in denen aber auch ein Bade- raum und Turnsaal untergebracht werden können.

Ein größerer Garten, der mit Turngeräten und etwa auch einem Tennisplatz Gelegenheit zu Sport bieten kann, soll sich an das Studenten­haus anschli^ßen.

Der Gedanke des Studentenhauses ist nicht erst jetzt aufgetaucht, sondern er wurde schon vor dem Kriege verwiÄicht an den Hochschulen Kiel und Königsberg. Mehrere Hochschulen, z. B. Aachen, Bonn, Danzig, Dresden, Breslau u. a. haben in der Rachkriegszeit sich ein Studenten­haus gebaut, und bei einer ganzen Anzahl wei­terer Hochschulen wird der Bau eines solchen geplant. Es handelt sich um eine große einheit­liche Bewegung, bei welcher Gießen nicht zu­rückstehen darf. Es ist erfreulich, festzustellen, daß die Stadtvertretung der Stadt Gießen durch die Bewilligung des Baugeländes zum Ausdruck ge­bracht hat, nicht nur wie sehr sie fortdauernd den Ausbau der Landesuniversität zu fördern be­müht ist, sondern auch wie wichttg ein neuzeit­liches, alle studentischen Einrichtungen umfassendes Studentenhaus für Stadt und 'Universität ist. Durch das vorbildliche Vorgehen des Oberbürger­meisters und der Stadtverordnetenversammlung ist ein wichtiger Schritt getan, um den Plan zu verwirklichen und zur Erfüllung des seit Jahren erwogenen Gedankens und Wunsches zu kommen: zu einem Studentenhaus, in dem sich die Stu­dentenschaft der Landesuniversität Gießen in jeder Beziehung heimisch und Wohl fühlt. Möge das Vorgehen der Stadtverwaltung auch anders Stellen veranlassen, den Reubau eines Studenten­hauses in Gießen tatträftig zu fördern!

* Personalien. Ernannt wurden zu überplanmäßigen Studienräten die Studien­assessoren: Dr. Hans Fischer aus ReichelS-

Er hatte sich als Abgesandter der Gräfin Ester­hazy ausgegeben, die nach seiner Angabe im Grand- Hotel wohnen sollte. Mit einer Legitimation von ihr ging er in den Laden, um einige Schmucksachen in Augenschein zu nehmen.

Da der Mann sehr sicher auftrat und im übrigen keinen schlechten Eindruck machte, hegte man keinen Argwohn ihm gegenüber.

Aber während er einen Schmuck aus einer grö­ßeren Kollektion aussuchte, die man ihm vorgeleyt hatte, bemerkte einer der Geschäftsangestellten, wie er einen Diamantring in die Tasche steckte. Der An­gestellte benachrichtigte in aller Heimlichkeit den Ge­schäftsinhaber, und es wurde zur Polizei geschickt. Ein Kriminalbeamter war schnell zur Stelle und war sich gleich klar darüber, daß ein einfacher Dieb- stahlsoersuch vorlag. Man fand ja den Diamant- ring in der Tasche des Mannes, und trotz feiner unwilligen und übertriebenen Protesten mürbe er nach der Polizeiwache geführt.

Solch ein Fall hatte an sich nichts Interessantes, aber bei der Untersuchung der Personalien des Mannes fand man ihn im Besitz einiger Vifiiten- karten, die in der Kriminalabteilung Aufsehen er­regten.

Als der Ning gefunden wurde, hatte es ja keinen Zweck mehr, das Verbrechen zu leugnen. Der Mann machte auch keinen Versuch dazu. Stumm stand er vor dem vernehmenden Beamten und tat, als ver­stehe er keine Silbe. Er behauptete, Vinner zu heißen und aus dem Elsaß zu fein. Mehr war aus ihm nicht herauszubringen.

Dagegen wurden die Kriminalschutzleute durch allerlei merkwürdige Manöver auf ihn aufmerksam. Er versuchte nämlich, ein kleines Paket hinter den Ofen zu schmuggeln. Einer der anwesenden Krimi­nalbeamten holte das Päckchen wieder hervor.

Es enthielt etwa zwanzig Visitenkarten. Alle waren gestempelt:Der Mann, der Christiania plündern will."

Die Karten waren mit einer Handdruckmaschine gedruckt, und die einzelnen Buchstaben standen schief zueinander, sie waren offenbar von einer unkun­digen Person zusammengesetzt.

(Fortsetzung folgt.)

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