Samstag, 9. Zuli 1927
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger smGberhefsen)
Rr. (58 Zweites Blatt
Vereine
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einen reißenden Dach, über den bloß los gutmutig in die Welt Mes an chm ist noch schmaler Dalken als Drücke führte, frisch und neu, fogar die Krallen an den Pfotern :ierte hinüber, schritt durch das ®e» | Den Ernst des Lebens, den furchtbaren Kampf
kamen an
verstehen uns...
So ein junger Hund, dessen ganzer Gang ein einziges tolpatschiges Lächeln ist, schaut rest-
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ein langer schmaler Dalken
Ich balancierte hinüber, schritt durch
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Heule abend Kneipe mi A.H.-Abe^ js?ss
gegen Floh und Katze, kennt er noch nicht in seiner ganzen Schärfe. Dein Problem ist vorläufig noch das Zimmer: wie man es rein hält, und dann vor allem die Tür mit dieser entsetzlichen, unerreichbaren Klinke.
Aber dann wird man groß, bellt enthusiastisch, sowie der Herr nur auf die Flinte hinblickt, und lernt vorstehen, mit einer erhobenen Pfote, wie aus Erz gegossen. Och habe gesehen, wie ein Hund vor einem Grashürnpel Vorstand, aus dem, statt der Schnepfe, die aufflattern sollte, bloß ein giftgrüner Frosch — ein Frosch von Wilhelm Dusch! — heraushupfte, und nie habe ich einen solchen Ausdruck tiefster Scham beobachtet, wie an jenem armen Hunde. Ich wagte es nicht, ihm nachher noch Dorwürfe zu machen.
Doch eine kurze Bemerkung über diese Clowns, die Foxterrier, die ja natürlich nicht ernst zu nehmen sind: sie alle haben bekanntlich einen schwarzen Fleck auf dem Bücken: aber manche sind so rasch ins Leben hinausgesprungen, daß die Statur, die mit dem schwarzen Pinsel an der Pforte stand, nur noch mit knapper Bot auf die Stute hintupfen konnte. Daher denn viele Foxterrier ihren schwarzen Älecfö ganz weit hinten haben, und die tollsten zuweilen gar bloß ein schwarzes Stummelchen.
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Diese Sieben kontrastierten gewaltig mit denen Lloyd Georges, aber natürlich waren sie nicht der e®runb des Scheiterns der Verhandlungen, son- 'dern dieser lag auf ganz anderem Gebiete.
Ich hatte in jenen schicksalsschweren Tagen zahlreiche Konferenzen mit dem politisch einflußreichsten Süanne der österreichisch-ungarischen Monarchie dem Grafen Stephan Tisza und die Entschlüsse, die wir faßten, waren das Siefultat dieses Meinungsaustausches. Ich denke nicht daran, die Verantwortung für die damals beschlossene Politik nachttäglich von mir abwälzen zu wollen, ich nehme dieselbe im Gegenteil vollständig auf mich, aber ich muß die Situation erklären, ich muh erklären, warum wir den amerikanischen und nicht den englischen Weg zu gehen versuchten, — warum wir auf das falsche Pferd setzten.
Die englischen Vorschläge enthielten zwei Puntte, welche deren Annahme für uns unendlich schwierig machten: die großen territorialen Konzessionen und Aenderungen der internen Struktur der Monarchie, zwei Dinge, welche selbstverständlich von einem ganz verschiedenen Standpunkt betrachtet werden müssen. Das rechtliche Empfinden Kaiser Karls sträubte sich dagegen, einen kerndeutschen Strich Landes an Italien abzutreten. Dicht aus „Macht- gelüsten" wollte er die Drennergrenze nicht akzeptieren, sondern weil er ein Unrecht darin sah, Deutsche ohne ihre Zustimmung an Italien auszulief em, und ich unterstützte diese seine Tendenz auf das entschiedenste. Auf der anderen Seite fträubten sich die Ungarn und Tisza vor allem dagegen, ein Gebiet an die Rumänen abzutreten. 2ste andere Schwierigkeit, die Qlenberung unserer Verfassung im Sinne „nationaler Gleichberechtigung", also auf föderalistischer Dasis, hätte bei Kaiser Karl nicht die geringste Schwierigkeit gesunden: derselbe war dermaßen von dem Wunsche nach Frieden erfüllt, daß er keinen Augenblick geschwankt hätte, eine solche Verfassungsänderung durchführen zu lassen, und auch darin hatte er, meiner Ansicht nach, recht. Aber dann stand unsere bestehende dualistische Verfassung und der starre Wille der Ungarn gegenüber, welche hierüber nicht mit sich sprechen lassen wollten. So entschlossen wir uns nun auf das Programm Wilsons und seine 14 Puntte festzulegen und die englischen Verhandlungen nur nebenbei zu führen. In einem meiner früheren Artikel ward beschrieben, warum diese Bemühun- gen einen negativen Verlauf nahmen. Mit ihrem Schottern schwand die letzte Möglichkeit eines er* ttäglichen Friedens.
Außenpolitische Umschau.
Von Professor Dr. Otto H v e h s ch, M. d. R.
Der südslawisch-albanische Konflikt ist mit dem 2. Juli erledigt, indem eine neue Slote der jugoslawischen Regierung in Tirana übergeben worden ist. die den von der albanischen Regierung als Deleidigung bettachteten Ausdruck nicht enthält. Es bedarf freilich keines Wortes weiter, dah zwar dieser Konflikt erledigt, aber nicht die große Gefahr beschworen ist, die im bekannten Gegensatz zwischen Italien und Jugoslawien besteht. Immerhin ist für den AuaenÄtck hier Ruhe!
Auch im englisch-russischen Gegensatz sowie in der russisch-polnischen Spannung ist eine, wenn wir schon nicht sagen wollen, Beruhigung, so doch Stagnation eingetreten. Die englische Politik hat seit dem Slbbruch der Beziehungen kaum irgendetwas zu dem Konflikt verlauten lassen und nur selten einmal nimmt irgendeine Stimme in England darauf Bezug. Dafür ist zu vermerken, daß ein Mann wie
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Wie der „Baedeker" entsteht.
Die durch ihre Reisehandbücher weltbekannte Firma Karl Baedeker in Leipzig feiert jetzt ihren 100. Geburtstag. Der Slame des Begründers dieses Verlages ist aufs innigste mit dem Aus- schwung des Reiseverkehrs vettnüpft, denn er war es, der nach jahrhundertelangen Bemühungen als erster dem Reisenden einen zuverlässigen gedruckten Führer in die Hand gab und ihn dadurch von der bis,dahin üblichen kostspieligen Bevormundung durch Fremden-Führer oder „Lohn- bedienstete", wie man damals sagte, befreite. Wie wir aus einem Iubiläumsaufsatz des Buchhändler-Börsenblattes erfahren, sind die ersten dieser Handbücher, die den Ruhm der Firma begründeten, von Karl Baedeker selbst versaht worden. Mit vorbildlichem Fleiß und unermüdlicher Sorgfalt führte er seine Aufgabe durch und hat sich seine Kenntnisse zum größten Teil selbst „erwandert". Hat er doch diesen Ausdruck, für den ihn Grimms Wörterbuch schon 1662 als
büsch weiter und blickte mich um, da die Hunde nicht nachkommen wollten. Und da konnte ich aus meinem Versteck folgendes sehen: der Reufundländer stürzt sich mit Behagen ins Wasser und schwimmt herüber. Um Ufer bleibt er stehen und schaut zurück, denn die rotgoldene Molly winselt zitternd auf der anderen Seite und hat Angst vor dem Wasser und auch vor dem Balken. Da kehrt der große Hund um, rudert zurück, packt das Hundemädchen vorsichtig am Racken und trägt sie schwimmend übers Wasser herüber.
Wer dieser Kavalier war auch ein großer Gauner. Als ich seinen Züchter besüchte, der viele seiner Brüder besah, wollten wir einmal sehen, wer von ihnen am besten apportieren könne. Ein Stückchen Holz wurde weit in den See hinausgeschleudert. Die ganze Horde stürzt planschend ins Wasser, nur der Kavalier schließt sich nicht an und schwimmt äußerst ruhig nach. Jetzt hat der flinkeste das Holz zu! packen bekommen, schon dreht er um, und die anderen, wie ein Kometenschweif, ihm nach! Mein der Kavalier erwartet den Heranschwimmenden seelenruhig an der Mitte des Weges, hebt auf einmal seine Riesenpfote aus dem Wasser und legt sie ihm schwer auf die Stirn, so daß jener tief untergetunft wird und also aus Luftmangel das Holz loslassen muh welches an der Oberfläche auftaucht. Darauf nimmt der Kavalier das Holz bedächtig zwischen die Zähne, schwimmt ans Ufer und legt mir die Trophäe wortlos vor die Füße. Sllso ein Gauner.
Es ist grausam, einem Hund die Rute zu kappen, denn man beraubt ihn ja damit seines kostbarsten Ausdrucksmittels, — das ist beinahe so, wie wenn man uns die Zunge ausschnitte. Run kann der arme Kerl bloß noch in Gedanken -wedeln. Und wie schön war es doch, wenn man ins dämmerige Zimmer trat und auf einmal unter dem Bette her das Tak-tak-tak des Wedelns hörte. Das liebste Einverständnis aber ist es, wenn man mit einem jungen Hunde spielt und er einen beißt: aber doch nur ganz, ganz vorsichtig beißt, weil es ja ebey ein Spiel ist — wir
tend zu verhalten und erst einmal abzuwarten, was aus diesem Wirrwarr hervorgehen werde.
Lloyd George hatte mir sagen lassen, ohne große territoriale KonzessionenOester- reich-Ungarns sei der Frieden nicht zu machen. Der englische Premier verhielt sich in allen diesen Verhandlungen äußerst korrekt und ehrlich Er gab mir zu verstehen, dah er unseren Standpunkt, nach welchem wir das kerndeutsche Tirol nicht an Italien auslief em konnten, völlig begreife und verstehe, aber „ein Vertag sei ein Vertrag", England sei gebunden und könne nicht so handeln, wie es gern mochte.
Es ist mir nicht möglich, zu beurteilen, ob Lloyd George persönlich diese von England eingeleiteten Friedensversuche aufrichtig meinte, oder ob er darin bloß dem Drucke seiner Kollegen nachgab. Die Sprache der englischen Unterhändler erschien, wie gesagt, ehrlich und aufrichtig, in einem gewissen Gegensätze hierzu bekannten sich jedoch die zu dieser Zeit gehaltenen öffentlichen Reden Lloyd Georges, welche von dem Willen, die Mittelmächte zu vernichten, trieften. Während Wilson in jener Epoche Reden hielt, welche keinen Zweifel darüber ließ, dah er mit uns zu verhandeln wünsche, war in den Ausführungen des englischen Premiers auch nicht ein Hauch davon zu spüren und diese fortgesetzten Hastgesänge erschwerten es uns natürlich unendlich, unsere Oef- fentlichkeit darauf vorzubereiten, dah wir einen schmerzlichen Frieden anbahnen. Wilson sagte am 12. Februar in einer Rede vor dem Kongresse: „Graf Czemin scheint die Grundlagen des Friedens mit klarem Auge anzusehen, und er scheint sie nicht zu verdunkeln. Er sieht, dah ein unabhängiges Polen, gebildet aus allen unbestreitbar polnischen Bevölkerungen, die eine an die andere grenzt, eine Angelegenheit europäischen Übereinkommens ist und natürlich zugestanden werden muh, ferner, dah Belgien geräumt und wieder hergestellt werden muh, gleichgültig, welche Opfer und Zugeständnisse dies mit sich bringen mag, und ferner, daß nationale Bestrebungen befriedigt werden müssen, sogar in seinem eigenen Reiche in gemeinsamem Interesse Europas und der Menschheit. Wenn er über die Fragen schweigt, die die Interessen und Slbsichten seinen Verbündeten näher als Oesterreich-Ungarn allein berühren, so ist es natürlich nur, weil er sich gezwungen fühlt, unter Umständen auf Deutschland und die Türkei zu verweisen. Indem er die wichtigen infragekommenden Prinzipien in die Rottvendigkeit, sie offenherzig in die Tat umzusetzen, erkennt und ihnen zustimmt, fühlt er natür* lichÄveise, dah Oesterreich-Ungarn auf die Kriegsziele, wie sie von den Vereinigten Staaten ausgedruckt wurden, mit weniger Schwierigkeit als dies Deutschland möglich ist, eingehen kann. Er würde wahrscheinlich noch weiter gegangen sein, wenn er auf Oesterreich-Ungarns Bündnis und seine Abhängigkeit von Deutschland keine Rücksicht zu nehmen gebraucht hätte." — Und Wetter sagte der Herr Präsident in derselben Rede vom 12. Februar: „Die Antwort des Grafen Czernin, der Hauptsache nach an meine Adresse auf meine Rede vom 8. Januar gerichtet, ist in einem sehr freundlichen Tone gehalten. Er erblickt in meiner Erklärung eine hinreichend ermutigende Annäherung an die Auffassungen feiner eigenen Regierung, um seinen Glauben zu rechtfertigen, daß sie eine Grundlage für eine eingehende Besprechung der Ziele durch die beiden Regierungen liefern*, und ferner: „ich muh sagen,, Graf Hertlings Antwort ist sehr unbestimmt und sehr verwirrend. Sie ist voll zweideutiger Sätze, und es ist nicht Har, wohin sie führt. Qtber sie ist sicherlich in einem von dem Tone der Rede des Grafen Czernin sehr verschiedenen Tone gehalten und äugen* scheinlich mit einem entgegengesetzten Zweck*.
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Hebet den Umgang mit Hunden.
Von S. v. R a d e ck i.
Diese Tiere sind unserem Machtwillen und unserem Zärtlichkeitsdrang schutzlos preisgegeben: teils baut man sie durch, teils knutscht man fie ab, und zwar beides mit Vorliebe öffentlich. Denn es ist des Hundes tragische Bestimmung .Sklave und zugleich Freund eines Wesens zu H ® dem er wie zu einem Gott emporschaut. Gewiß, er ist das einzige Tier, das an einen .Gott glauvck und man muß schon sagen, daß es mn schlimmes Glück bedeutet, ausgerechnet den Menschen zum Gott zu haben. Rur der Dackel ist ein Skeptiker Als solcher zugleich aber auch Melancholiker und
Der Wettlauf um die Friedenspalme.
Oesterreichs Verhandlungen mit Lloyd George. — Wilsons 14 Punkte. — Das Wiener Kabinett setzt aus das falsche Pferd.
Von Gras Ottokar Czernin, k. u. k. österreichisch-ungarischem Minister des Aeuheren a. D?)
Während wir in Wien noch daran arbeiteten, bei den Verhandlungen mit England die mörderischen Bestimmungen des Londoner Derttages zu mildern, platzte am 8. Januar 1918 Wilson mit seinen 14 Punkten herein. Im ersten Augenblick wußten wir nicht, ob die merkwürdige Botschaft des amerikanischen Staatsoberhauptes in irgendeinem Zusammenhang mit unseren englischen Verhandlungen stehe oder nicht, aber schon nach wenigen Tagen erkannten wir, dah die 14 Punkte offenbar eine völlig getrennte separate Aktion darstellten. England hatte Wilson nichts von seinen Verhandlungen mit uns mitgeteilt. Das war ans gegenüber loyal und entsprach vollkommen dem auch von uns eing-haltenen Vorgang der Geheimhaltung. Wir beschlossen, Amerika eine entgegenkommende Antwort zu geben, gleichzeitig aber die englischen Geheimverh andlungen f ortzusetzen. Am 24. Januar 1918 erklärte ich in bet österreichischen Delegation, daß wir die Vorschläge Wilsons als Basis der Friedensverhandlungen annehmen.
Da trat am 14. Februar 1918 eine neuerliche Wendung ein: Das englische Mitglied des Unterhauses Wahte interpellierte die Regierung im Londoner Parlamente und erflärte, er verurteile die Genfer Verhandlungen „als einen Schritt der Geheimdiplomatie und als wahnwitzigen Versuch, mit einem der Feinde in Sonderverhandlungen zu treten.** Wenn man den Frieden wollte, so war diese Interpellatton keine glückliche Maßregel: beim obwohl D a l f o u r in tadelloser Korretthett sofort öffentlich die Initiattve auf sich nahm und uns zu verstehen gab, dah er trotz dieses Inzidenzfalles die Verhandlungen fortzusetzen gedenke, so spitzte dennoch jetzt Wilson die Ohren und ward argwöhnisch. Bei den Verhandlungen mit Wilson hat die Behandlung seiner typischen Men- talttät stets eine ganz spezielle Rolle gespult: Wilson toollte mit seinen 14 Punkten wirklich der Wett den Frieden geben und er glaubte auch, daß es ihm gelingen werde, er war darin völlig ehrlich, aber er wollte der arbiter mundi sein, er wollte die Friedenspalmen erorbern, er allein und er wollte keine englische Konkurrenz und als er nun plötzlich durch die Ungeschicklichkeit Wahtes Wind bekam, dah England selbständig und ohne Amerika an dem Frieden arbeite, ward er verstimmt und mißtrauisch, er wußte nicht, was eigentlich vorging.
Damit war die Situation eine ganz merkwürdige geworden. Rachdem wir durch Jahre vergeblich versucht hatten, einen Friedensfaden anzuknüpfen, hatten wir nunmehr deren plötzlich zwei, die sich aber kreuzten und dadurch gegenseitig behinderten. Dadurch, daß Lloyd George den Präsidenten über seine Friedensversuche auch jetzt noch nicht aufffärte, mußten wir notgedrungen gleichzeitig nach zwei Setten sprechen, und zwar verschieden: Rach Amerika teilten Wir mit, daß wir die 14 Puntte als Dasis akzeptteren, jene 14 Punb» welche Annektionen gegen den Willen der SlimeJrterten ausschliehen. Das war der für uns günstigere Standpunkt in Anbetracht der italienischen Eroberungswünsche, wie dies aus dem m meinem letzten Artikel reproduzierten „Londoner Protokoll" erhellt. — Da wir aber anderseits den begründeten Verdacht hatten, dah die zum -2,ecke utopischen Theorien Wilsons Eigenbrödeleten eines weltfremden Mannes seien und da wir vielmehr Vertrauen in die realistische Urteilsfähigkeit der Engländer hatten, da wir endlich mit En^ land bereits im Gespräche waren, so wollte ich den englischen Faden unter keinen Umstanden ab- relften lassen und ich beauftragte unsere Unterhändler, sich freundlich, aber zuruckhal-
•) Vgl. die Aufsätze in Rr. 146 vom 25. Juni Rr. 154 vom 7. Juli. _________
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Igesuche ichsamer
Humorist. =
Ich kannte einen, dessen Spezialität es war, stundenlang auf den Hinterbeinen aufwarten zu können: ja, er setzte sich (neben dem Speisetischfreiwillig in Positur und stieh einen mit der Schnauze ans Knie, um darauf aufmerksam zu machen. Doch die Rührung, mit der man das wahrnahm, litt wesentlich, sobald man bemerft hatte, dah dieses bloß läin Trick war, weil er nämlich seinen Schwanz dabei schlauerweise als dritten Stützpunkt verwertete und nun sozusagen als Dreifuß auf solider Basis stand. Er fraß zwar gelegentlich auch Kamelhaardecken, jedoch das Aufwarten blieb seine stabile Leidenschaft.
Mit ihm zusammen lebte eine große Tibet- kahe, die blaue Augen hatte und sich wie der Dalai-Lama benahm. 2lls einmal der Dackel mit ihr allein im Zimmer war, hat man durchs Schlüsselloch folgende Szene beobachtet: die Katze speist vornehm und nachlässig ihr Diner, während der Dackel ihr gegenüber als schwarze Statue stumm aufwartend dasitzt, seine Schaufelpfoten bittend an den Leib gepreßt hält und mit einem vorwurfsvollen Blick ihr Herz zu erweichen sucht. Er hatte geglaubt, dah auch Katzen auf seine Künste Wert legten, allein es machte auf sie nicht den geringsten Eindruck.
Ich besah einmal einen riesigen Neufundländer, der ein vollendeter Kavalier war. Ich ging mit ihm und einer entzückenden irischen Setter- Hündin, die acht Monate alt war und Molly hieß, eines schonen Tages auf die Jagd. Wir - • C - - - m n « e U am Ta 1 aCi
Beleg anführt, erst geschaffen! Seine Arbeitsweise geht aus den zahlreichen Rotizbüchern hervor, die er auf seinen alljährliehen Reisen führte. Für sein letztes Werk „Paris und Umgebung", machte er z. B. am 14. April 1854 und am folgenden Tage seitenlange Eintragungen, indem er 1372 Stunden lang auf dem Pariser Friedhof Pere Lachaise die genaue Lage von Gräbern berühmter Männer bestimmte. Sein Sohn, Fritz Baedeker, der durch die Skrleiftung des philosophischen Ehrendoktors ausgezeichnet wurde und 1925 gestorben ist, setzte seine Arbeitsweise fort und machte den „Baedeker" zum Vorbild des modernen Reisehandbuchs. Von einem großen Stab von wissenschaftlichen Mitarbeitern unterstützt, unter denen sich Gelehrte ersten Ranges, wie die Geographen Schweinfurth. Kiepert, Ratzel. Partsch, die Archäologen Dörpfeld, Hülsen, Hel- big. Slmelung, die Kunsthistoriker Springer und Iusti befanden, führte er die bis ins kleinste gehende Redaktionsarbeit selbst durch. Als Beispiel seiner Tättgkeit wird eine Auszeichnung über das Zustandekommen des Baedekers für Spanien angeführt. „Das erste Manuskript," schreibt er. „lieferte der durch seine norwegischen und schwedischen Reiseschilderungen, auch durch eine spanische Reisebeschreibung bekannte Ludwig Passarge. Dieses Manuskript wurde nach redaktioneller Durchsicht durch mich gesetzt, und mit diesem gedruckten Manuskript bereiste ein langjähriger kunstverständiger Mitarbeiter, Dr. Propping, das Land abermals und berichtigte es nach seinen Erfahrungen, in kunstgeschichtlicher Hinsicht auf Grund der Uebersicht der spanischen Kunst, die der SSerlag von Pros. Karl Iusti erhalten hatte. Den Artikel „Madrid** bearbeitete A. Dressel, der langjährige Sekretär der Deutschen Botschaft in Madrid, zweimal im Laufe der Jahre neu. Die Beschreibung und Würdigung der Gemäldegalerie im Prado hatte den bekannten Kunstkenner Wilhelm Bode zum Verfasser. Dann gingen die Korrekturabzüge an eine Anzahl xn Spanien und Portugal ansässiger Deutscher zur Durchsicht. Da mir die Darstellung immer noch zu breit war, ich auch bei der Vergleichung des Textes mit den Karten und Plänen bielerkr zu ändern fand, so arbeitete ich den Text nochmals durch, wobei ich, ohne meines Erachtens Wesentliches wegzulassen, an drei Dogen her- auSrebigierte.“
Lord Grey, der in der öffentlichen Meinung Englands mit Aufmerksamkeit angehört wird, zwar den Standpuntt des konservativen Kabinetts gegen Rußland durchaus billigt, aber vor jeder aggressiven Verschärfung iranrt und rät, man solle Rußland sich selbst überlassen.
Die gleiche Taktik verfolgt man auch (ganz ohne englischen Einfluß?) in Warschau. Die Antwortnote an Moskau ist noch nicht ergangen, und eifrig verhandelt der polnische Gesandte in Moskau, Herr Patek, über eine Beruhigung und Entspannung, an der offenbar auch auf der anderen Seite Tschitscherin energisch mithilst. Von einem förmlichen Abbruch zwischen Polen und Rußland ist keine Rede. Im Gegenteil wird sogar die Frage erörtert, wer als neuer Gesandter an Stelle des ermordeten Gesandten nach Warschau gesandt werden soll, und man nemU dabei einen mit den osteuropäischen Dingen besonders oertrauten und auch in Berlin bekannten Mann, den früheren Chef der russischen Handelsdelegation in Berlin, Stomomakow.
Was inzwischen aus Moskau über den Kampf der Richtungen berichtet wird, ift nicht ganz durchsichtig und bisher wenigstens in Bezug auf die Außenpolitik ohne wesentliche Bedeutung. Worin die beiden Richtungen sich außenpolitisch unterscheiden, etwa in der Frage des Verhältnisses zum Komintern und der welt- revolutionären Propaganda, das tritt nicht hervor, oder es kommt — was durchaus möglich ist — in den erregten Parteiauseinandersetzungem überhaupt nicht zur Diskussion. Rur das scheint unzweifelhaft zu fein, dah Stalin mit allem Rachdruck die bisherige Linie weiterverfolgt, die Oppositton der Trotzki und Sinowjew tot zu machen. Das ist an sich, wenn mir den Gegensatz der Richtungen in Moskau richtig verstehen, ein Vorteil für den europäischen Frieden. Aber die Auseinandersetzung ist weit davon entfernt, in der Beziehung schon Klarheit zu geben, und es ist fraglich, wieweit die mit dem Ramen Stalin begegnete Richtung nun gehen will. Eine erste öffentliche Aeußerung Tschitscherins nach seiner Wiederaufnahme der Geschäfte hat die Unabhängigkeit der Sowjetpolitik von der 3. internationale betont, und im übrigen die bekannten friedlichen Töne angeschlagen. So schwelt die ganze im russisch-englischen Gegensatz bezeichnete Spannung unterirdisch, und wird unzweifelhaft auch auf die Dölkerbundsversamm- lung, die in zwei Monaten stattftndet, einroirPen.
Für diese Dölkerbundsversammlung ist die zentrale Frage, die die Reichstagsdebatte erneut gestellt hat: Ruhr oder Locarno? Der Ausdruck ist etwas phrasenhaft,aber immerhin ganz gut zu gebrauchen, weil er kurz und treffend den Gegensatz bezeichnet. Was Briand in dieser Beziehung will, weiß man. Aber er ist nicht fähig, jetzt in der französischen Politik wirklich entscheidend einzugreifen. Was P o i n c a r e will, glaubt man nach seinen ganzen Reden zu wissen. Doch gibt es auch Stellen, die darauf Hinweisen, auch er suche nach irgendeinem Ausgleich, nach einer Verständigung mit Deutschland. Ist das richtig und erkennt er dabei an, daß diese SZerständigung ohne neue Vorleistungen und Opfer Deutschlands anzustreben ist, so soll uns das recht fein. Uns ist schließlich gleichgültig, wer im Ramen Frankreichs spricht, wenn er nur wirklich den springenden Puntt sieht: ob die mit dem Ramen Locarno bezeichnete Politik weitergeführt werden tonn. Wir nehmen zur Kenntnis, daß ein Mann wie der Senator de Iouvenel sich dahin ausgesprochen hat, Locarno sei als gescheitert zu betrachten, wenn Frankreich weiterhin die Okkupatvn auftecht erhalte. Er gibt zu, daß Frankreich kein Recht habe, die Qkrlängerung der Besatzung damit zu begründen, dah Frankreich noch nicht mit der
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