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Nr. 57 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, y. März 1927

Die Wasserkraftnutzung Deutschlands:

-Bon Dipl »3ng. Mangold, Duisburg (Nachdruck verboten.)

In der im letzten Drittel des 19. Iahrhun- derl» einsehenden Industrialisierung Deutschlands sonnten die Waslerkräfie aus dem Grunde vorerst gar keine Rolle spielen, weil sie örtlich gebunden und ihre Leistungen außerordentlich gering waren. Dav wurde erst ander«, al« es v. Miller, dem Tchöpser de« Deutschen Museum« in München, 1890 zum ersten Male gelana, den elektrischen Strom aus weite Entfernung hin zu übertragen. Damit war auch die Möglichkeit gegeben, an geeigneter Stelle Wasserkrastanlagen grober Lei­stung auSzubauen, durch die von ihnen angelrie­benen Generatoren Strom zu erzeugen und den letzteren über da« ganze Land zu verteilen.

Grundsätzlich unterscheiden wir heute zwei Arten von Wafserkrastanlagen: Rieder- und Hochdruchvasserlrostwerke. In der Mehrzahl der flüHc wird man beim Hochdruckwasserkrastwerk eine kleine Wassermenge mit großem Gesälle bi« zu 500 Meier und mehr zur Verfügung haben, während beim typischen Riederdruckwasser- krastwerk die Wassermenge grob, und das ®e- sülle klein ist.

Niederdruckwasserkraftwerke sind u. a. olle unsere Fluhkrastwerke, die bei der Kanalisierung eine« Flusse« an den einzelnen durch Wehre ab- ieschlosscnen Staustufen errichtet werden tönnen. lnser erste« Bild zeigt die normale Anordnung eine« solchen in oder am Flusse liegenden Kraft« werke«. Im Vordergrund link« sieht man das obere Stück de« Flusse« (Oberwasser). dessen

I Schema eine« Niederdruck-Wasserkraftwerke« in einem Strom.

Wasser durch ein quer in den Fluhlauf gestelltes Stauwehr (Dordergrund Mitte) aufgestaut und damit ein Gefälle von einigen Metern erzeugt wird. Da« Stauwehr ist in mehrere Wehröss- nungen unterteilt, deren jede durch eine eiserne stochziehbare Abschlußwa: d ^Schütze) abgeschlof en ist. 3m Hintergrund link« ist der Einlauslanal sichtbar, durch welchen da« gestaute Flubwasser aus öle Turbinen geleitet wird. 3m Hintergrund in der Milte steht das teilweise ausgedeckte Ma­schinenbau-. Das Wasser wird in großer Menge in spiraliger Bewegung auf da« Turbinenrad geleitel und verseht dieses in Drehung. Senkrecht über der Turbine, durch diese angetrieben, steht der Generator, der die Drehkrast der Turbine in elektrische Kraft umwandelt. Unter dem Ma­schinenbaus sind die vier Turbinenauölauskanale sichtbar, von wo da« ausgenutzte Wasser durch den breiten Ablauskanal in den Flußlaus (Unter- wasser) zurückgeleitet wird. Das zweite Bild zeigt die Anlage eine« typisck>en Hochdruckwerkes. Links oben im Hintergrund sieht man die Staumauer, die da« Wasser, das aus einem größeren Gebiete zufliebt. zu einem Stausee ausstaut. Vom Stausee au« wirb da« Wasser in einem wagrechien Tunnel durch den Berg hindurchgesühn. Kurz vor Aus­tritt au« dem Berg wird da« Wasser in ei-'err.c Rohre gefaßt. Dort sieht man auch den nach oben ab zweigenden Schacht, der sich zu einer großen Kammer erweitert. Diese dient dazu, da« Wasser, das bei plötzlichem Schließen der Turbinen im Stollen noch nachdrüngt. aufzu- nehmcn und dadurch das Zerplatzen der Druck-

Vom Entdecken, Erfinden und Konstr teren.

Don Dipl.-3ng. Walter Landsberg.

Mehr als je hat sich in unseren Tagen die Technik einen Anspruch darauf erworben, daß die Allgemeinheit, der jede ihrer Errungenschaften in io weitem Umfange zugute lo.nint, auch ihren inneren Angelegenheilen das nd.igfte Interelfe und Verständnis entgegenbringt. Vicht zu leugnen ist. daß da« größte Ge'chenk der letzten 3ahre, der Rundsunk. die verschiedensten Kreile und voran die 3ugend zur Be'chüftigung mit Dingen angercit bat. die außerhalb ihres täglichen Ge- sichiLscll» s liegen. Der Wunsch, dem Wunder der .leklrilchen Wellen durch Kenntnis ihres Wesen« nähcrzukrmmen. hat manchen auch an andere Probleme der Aaturwissen>chaft heran­geführt, aus deren Boden allein nur Der tech­nische Fortschritt gedeihen kann. Um so crstaun- icher ist cs daher, daß auch heute noch über die wichtigsten Arten schöpferise.'er Arbeit, die feine mbedingte Voraus chung sind, in überaus vielen Fällen völlig abwegige und unzureichende Bor- Heilungen bestehen. Welcher Ingenieur wäre wohl nit der Frage verschont worden, ob er schon fiel erfunden hätte, unD bei seiner öemci nen.cn Antwort von dem Eindruck freigeblieben, taduoch >um mindesten in den Augen dieser Wlßbegierigon eine Daselnsberechtigung so ziemlich cingebüßt tu haben! <5« sei darum Iura versucht. Die Be­griffe. von Denen hier die Rede lein soll, klar gegeneinander abzugrenzen und ihre wechselsei­tigen Beziehungen festzustellen.

Entdecken nennen wir da« Aufdecken. Er­kennen und (in beweiskräftiger Form) Veröffent­lichen solcher Tatsachen und Erscheinungen, die unabhängig von jedem menschlichen Zutun be­reits bestanden haben, ohne daß wir bis dahin um ihre Existenz und Eigenart wußten. Ob es 'ich um Vaturvorgänge. Dokumente vergangener Zeiten, geographische Erschließungen oder ab­strakte Erkenntnisse mathematischer und philo­sophischer Zusammenhänge handelt, in allen Fäl­len werden Sntdeckurtgen auf diesen Gebieten im

Aus Natur und Technik.

leitung zu verhindern. Durch die Druckleitung wird das Wasser zum Maschinenbaus des Kraft­werke« hinuntergeführt. Bel der vordersten Tur­bine strömt da» Wasser in Form eine« dünnen Strahle« mit großem Druck auf da« Turbinen- rod. dreht diese« und treibt damit den daneben stehenden Generator

Der Donell, der Wasserkrastmaschinen gegen­über der Erzeugung der elektrischen Kraft durch Wärmekraftwerke liegt in erster Linie dann, daß der Betrieb-stofs de« Wasserwerkes an und für sich nicht« kostet und auch sich nie erschöpfen kann. Dazu kommt noch, daß der Betrieb wesentlich einfacher al« im Därmekrastwerk ist und zur Deaufsichtigung nur ganz weniger Kräfte bedarf.

2. Schema eines Hocharuci-Walserkrastwerke«.

Allerdings, und das soll hier nicht verschwiegen werden, sind die Anlagekosten solcher großen Wasserkraftanlagen. mögen sie nun in einem Fluß oder im Gebirge liegen, oft sehr bedeutend. Aber diese Ausgaben werden sich in den meisten Fällen volkswirtschaftlich in jeder Weise lohnen. Es wird nicht nur eine unerschöpsbare Kraft­anlage geschaffen, sondern die Wassermassen wer­den in erster Linie in Verbindung mit Speiche­rung in einer Talsperre bei Hochwasser an- gesammelt und verhindert, im Unterlauf des Flusses unabsehbaren Schaden anzurichten. Man hält nicht nur unheilvolle Hochwasser ab, sondern zwingt das Wasfer, langsam abzufließen, dabei elektrische Energie zu erzeugen und die Vieder- wasserstände der Flüsse zu verbessern.

In Deutschland finb wir im Ausbau unserer Wasserkräste gegenüber anderen Ländern, wie z. B. der Schweiz. Italien. Nordamerika. Schwe­den und Norwegen, weit zurück. Dies hat seinen Grund weniger in der mangelnden Erkenntnis des hohen Wertes der Wasserkräste. als darin, daß einerseits unsere Mittel beschränkt, und wir eines der kohlenreichsten Länder Europas sind. Aber auch bei uns find die Wasserkräfte in keiner Weise von untergeordneter Bedeutung. Der

3. An.icht der Sperrmauer der EDcrtal perrc.

Iahreslrastbedars beträgt in Deutschland un­gefähr zur Zeit 40 Milliarden Kilowattstunden. Hiervon entfällt ungefähr die Hälfte auf die In­dustrie und je ein Viertel aas den Betrieb Der Eifenbahnen bzw. auf die allgemeine Licht- und Kraftversorgung. Dazu kommen Dann noch Die für Den Hausbrand erforderlichen Kohlenmengen. Der Anteil Der Wasserkräfte ist heute noch gering und ergibt sich, wenn wir von der erst in ihren Anfängen stehenden Elektrifizie'-ung der

letzten und eigentlichen Sinne nicht das Ergebnis einer methedich aufbauenden Arbeit sein können, well eine selche von vorneherein ein sefles Ziel varaus'eht. Dieses kennt der Entdecker nicht: er kann es bestenfalls ahnen, wenn oorausgegan- gene Unter uchungen oder besondere Anzeichen seinem Schaffen schon eine bestimmte Richtung gewiesen haben. Mag unter diesen Umständen die wissen^chofüiche Forschungsarbeit als letztes Ergebnis wirklich eine neue Entdeckung zeitigen, so kann sie uns doch nie mehr bedeuten als eine Feststellung de scn, was ist und was auch ge­wesen Ware, wenn nicht ein glücklicher Zusall ver­gönnt hätte, den Schleier au lüften. Der uns noch fo viel Unergründetes verbirgt. So stehen grund­sätzlich jedem Menschen die Wege offen zu be» DeutenDen Entdeckungen, sofern er nur fähig ist. die Der Natur abgetansten Geheimnisse als neue Erkcnntr.i.se in fein Bewußtsein zu bringen, ihre Wirkung zu über chauen und auszuwerten. Da diese Forderung immerhin auf jedem Gebiete des Wissens ein tiefgehendes fachmännisches In­teresse und Urtcil&Dttmögen v. raus'etzt. so ist es gleichwohl verständlich, weshalb die großen Entdeckungen auf Dem Gebiete Der Phy ik fast aus chlicßlich Dem Physiker, auf dem Der Me­dizin dem Mediziner .auf dem Der Altertums­kunde Dem Archäologen usw. Vorbehalten waren und auch weiterhin fein werden. Die schöpferische Leistung der Entdecker werden wir Demnach Darin erblicken müllen, daß das Auf­zeigen einer jeden Erscheinung, Deren Vorhan­densein unserem Wissen bisher verschlossen war. zur Grundlage neuer Erkenntnisse und somit von unabsehbarer Wirkung sür unsere kulrurelle Ent­wicklung werden kann.

Ganz anders find die 'Bedingungen, unter denen sich die Arbeit des Erfinders vollzieht: sestgelegt ist bereit« die Ba is. von der fein Schaffen auSgeht, festgelegt Das Ziel. Dem es duftrebL Der Erfinder schenkt der Well in allen Fällen etwas Neues, ein Produkt feines Geistes und seine« Könnens. Er hebt nicht (wie der Ent­decker) unbekannte, aber schon vorhandene Schätze ans Licht: ausgehend von der Voraus'etzung ihrer Existenz und sußerrd auf den Forschungen, die sie erwiesen und ihre Natur llarlegten. sucht er ihre

Etfenbahnen absehen, für die Zwecke der all­gemeinen Licht- und Kraftversorgung nur zu rund Ich Milllardcn Kilowattstunden. Aber wir besitzen auSbausähige Wasserkräfte von ungefähr 5 000000 Kilowatt mit einer jährlichen Energie­menge von etwa 25 bis 30 Milliarden Kilowatt­stunden. alfo mehr al« der Hälfte der heute er­zeugten Energiemengen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß durch Den Ausbau dieser Wasser­kräfte unsere Kohlenförderung erheblich herab­gesetzt würde. Gewiß wird an vielen Stellen die Wasserkraft an Stelle der bisherigen Kohle treten, aber anderseits sind wir dann in Der Lage, mehr Kohlen ausführen zu können, was nur im Inter­esse unserer Wirtschaft ist. Ferner ist Die Frage der Verflüssigung der Kohle so dicht vor Der Lösung bzw. schon erreicht. Daß damit Die Be­deutung der Kohle auf ein: ganz andere Basis gestellt wird, we.l Dann ein großer Teil Der Motoröle direkt aus Kohle hergestellt werden kann. Zum Dritten ist zu beachten, daß eine er­höhte Krafterzeugung auch eine erhöhte Kraft- Verwendung mit fich bringt, was im Interesse unserer kulturellen und wirtschaftlichen Entwick­lung zu begrüßen ist. Also mehr Denn je muh es heute bei uns heißen: planvoller weiterer Ausbau der Wasserkräfte, soweit es nur unsere jetzigen Mittel erlauben.

3m Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl ist Baden mit jährlich 2200 Kilowattstunden auf Den Einwohner das an Wasserkräften reichste Land Bayern hat nur 1700, und das Neich im Mittel 500 Kilowattstunden auf Den Einwohner. Die Wasserkräfte Badens zerfallen in Drei Teile Oberrhein von Kvnstairz bis Basel und von Basel bis Straßburg, sowie die Kraftwerke im nördlichen (Murg- und Schwarzenbachwerk) und im südlichen Schwarzwald iSchluchtseewerk». die beide samt der noch anderen Anlagen, die zum Teil Wärmekraftwerke sind, im Badenwerk zu- sainmengefaht find. Die Schwarzwaldwallerlraste find eine sehr glückliche Ergänzung der Nhein­kräfte. Während Dort infolge Der Schneeschmelze die Hochwasser in der Hauptsache im Frühjahr und Sommer auftreten, zeigen die Schwarzwald­flüsse im Winter als unmittelbare Folge der erhöhten Niederschläge starke Wasserführung. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt der Energieerzeugung bei den Nheinwerken im Som­mer, bei Den Schwarzwaldwerken im Winter. Die Leistung he« Murgwerke« beträgt heute 67 Millionen Kilowattstunden. Das Schluchtsee­werk. dessen erster Ausbau bald vollendet ist. wird zuerst 170, später 400 Millionen Kilowatt­stunden im Mittel jährlich erzeugen können.

Die Grundlagen der Wasserkraftwerke Bayerns sind das Walchenfeewerk mit 24 500 Kilowatt mittlerer 3ahres- und 117 000 Kilowatt Spitzen­leistung. die Kraftwerke der mittleren 3far mit 56 700 Kilowatt Ausbau- und 42 OOO Kilowatt mittlerer Leistung, wozu noch das Ärafitoflt Pforrn buch mit 22 100 Kilowatt Ausbauleistung kommt und verschiedene kleine Werke. Diese Werke sind alle im Bayernwerl zusammenge- schlossen.

3m Zuge Der im Bau befinDlichen Groß- schissahrtsstrahe MainDonau können an den einzelnen Staustufen ebenfalls sehr erhebliche Wasserkräfte nutzbar gemacht werden. Die fich insgesamt von Aschaffenburg bis Passau auf rund 1,5 Milliarden Kilowattstunden belaufen. Davon ist das Wasserkraftwerk bei Diereth am Main bei Bamberg mit 18 Millionen Kilowatt­stunden Leistung fertig und die Anlage Der Kach- (etftufe bei Bamberg, wo Die Donau angestaut und 250 Millionen Kilowattstunden jährlich er­zeugen wird, geht ihrer Vollendung entgegen.

3n Preußen ist Die Errichtung von (Stau­anlagen und Talsperren mit Dem alleinigen Zweck Der Wafserkrastnuhung bisher im allgemeinen nicht betrieben worden. Am kanalisierten Main zwischen Frankfurt und Aschaffenburg, an Den vorhandenen Weser-Staustufen bei Dörverden und Bremen, sowie bei der geplanten Kanalisierung von Weser und Werra, sind die Stauanlagen in erster Linie für die Schiffahrt und Zwecke der Landeskultur erbaut. Auch bei Den vorhandenen Talsperren an der Diemel und Eder, von Denen

Ergebnis.- verwerten und durch selbst erson­nene Einrichtungen bestimmten meist gewerb­lichen Zwecken nutzbar zu machen. Es ist also etwas spezifisch Eigenes, was der Erfinder aus Vorhandenem gestaltet: durch die Erteilung von Patenten wird seine Autrrschast anerkannt, und Die unbefugte finanzielle Ausbeutung feines gei­stigen Eigentums durch andere verhindert. Ilm die Beziehungen zwi'chen Entdeckung und Er­findung n-ch eingehender zu vcr eutlichen, feien aus Der Fülle Der Beispiele einige herausge­griffen: Das Hebelgesetz Der Mechanik mußte erst entdeckt werden. Damit Der Hebebaum. Die Hcbelwage und andere auf diesem Prinzip auf­gebaute Instrumente erfunden werden konnten. Die Entdeckung, daß die in einem Rohr einge- schlofsene Lust äUe hörbar zu schwingen vermag, führte zur Erfindung unserer Blasinstrumente. Au« Der Entdeckung der Volumen-Zunahme von Körpern und Zlü.sigkeiten ergab sich Die Erfin­dung beer Thermometers. Die Entdeckung der Ablenkung von Lichtstrahlen durch Prismen hatte die Erfindung sphärischer Lin en für alle Arien epti'cher Apparate zur Folge. Schließlich die Entdeckung der wellenförmigen Ausbreitung Der Elektrizität durch Den Aethrr bescherte uns Die Erfindung ter Funken-Telegraphie und -Te- lephonie, Deren Segnungen wir in Gestalt des Radio täglich mit Freuden genießen. Wir er­kennen also, daß Der Erfinder eine unmittelbar schöpferische Arbeit leistet, indem durch ihn tie theoretischen Erkenntnisse des Entdeckers zu prak­tischer und der Allgemeinheit nutzbringender Wir­kung gelangen.

Eine Erfindung darf bereits Dann als solche angesprochen und durch Patent geschützt werden, wenn sie in Der vorliegenden Form eine unan­fechtbare Neuerung auf ihre n Gebiete barst eilt. Es genügt vor Dem Patentgesetz, daß die Möglich- keit ihrer AuZ'ührung prinzipiell gegeben ist: es genügt dies aber bei weitem noch nicht, um die Erfindung ihrem eigenllichen Be'.immungszweck zuzuführen. Wie viele brauchbare Ideen sind bereit« patentiert worden, und wieviele harren noch heute ihrer Erweckung zum Leden! Von der grundsätzlichen Losung eines Problems bis zu seiner letzten Verwirklichung ist noch ein weiter

Die Edertalsperre die größte Deutschland« ist. kommt Die Gew.iuuing von Wasserkraft erst in zweiter Linie.

Was ist eigentlich Mhardeit?

Don Dipl.-Ing. Werner Kunz.

Flachdruck verboten.)

Auch in der Technik gibt es Schlagwörter. Das neueste heißt Fließarbeit. Da« das be­deutet, wissen wohl Die Ingenieure, aber auch nicht alle: die Rlchtfachlcute aber machen sich entweder gar keinen oder einen ganz falfchen Be­griff davon. Oft hort man Die Ansicht, die Fließ­arbeit sei von Henry Ford ersunben worden. Auch Da« ist nicht richtig. Denn er war wohl zwar Der erste. Der Die Fließarbeit mit Hilsq De« sogenannten Montagebandes im Maschinen­bau anwendete. aber er sagt selbst in feinem BucheMein Leden und mein Werk", daß er es Den Fleifchpackem in Den Ehikagoer Schlacht­häusern nachgemacht habe.

Auf die Frage, was Fließarbeit ist, ant­wortet Frank Mäckdach in Dem im Auftrage des Ausschusses für wirtschaftliche Fertigung her- auögegebenen Buche > Fließarbeit" folgender­maßen: .Fließarbeit ist eine örtlich fortschrei­tende. zeitlich bestimmte, lückenlose Folge von Arbeilsaänyen." Der Zweck aber jeder Fließ­arbeit ist eine Beschleunigung De« Herstellungs­vorganges und Damit eine Verringerung Der Er­zeugungskosten. Die Vorteile Der Fließarbeit be­stehen vor allem in einer Herabsetzung Der Be- förderungskosten und in Der Möglichkeit. Den Arbeitsraum sowie Die Arbeitskräfte besser au«- zunutzen. Lager namentlich Zwischenlager und vor allem Kapital zu sparen.

Meist versteht man unter Fließarbeit eine Fertigung, bei Der Da« Werkstück auf einen sehr langsam fortschreitenden FördervorrichtunH (Bandförderer. Hängebahn, Roklenbabn, Ilmlauf­kette. Drehtisch usw.) an den einzelnen Arbeits­stellen vorbeigesührt wird. Unbedingt notwendig ist das aber nicht: auch bei Der Weitergabe De« Werkstückes von Hand oder z. B.. wenn es in Rinnen oder ähnlichen Bahnen von Hand toeiter- geschoben wird, können die Bedingungen Der Fließarbeit erfüllt sein. Ieder Arbeiter führt Dabei eine bestimmte, streng abgegrenzte Ar­beitsleistung aus. wofür ihm eine stet« gleich- bleibende Zeit zur Verfügung steht. Die Stieb* arbeit bedingt daher eine starke Unterteilung Der Arbeit. Während früher ein Mann eine ganze Reihe von Arbeitsgängen aussührte. hat bei der Fließarbeit jeder Mann an seinem Werk­stück nur eine Arbeit zu leisten. Dann ist Da« Stück an seinem Stand vorbei, ein neue« Dafür herangekommen, an Dem er Da« gleiche auSführi. Die Erfahrung zeigt, daß hierbei viel mehr ge­schafft wird als früher und daß Die Gesamtlöhne geringer toerDen, selbst wenn Der Lohn De# einzelnen Arbeiters höher ist al« bisher So können Die Verkaufspreise herabgesetzt werden, wodurch sich wiederum der Umsatz hebt. Die Fordschen Kraftwagensabriken zeigen Die# am deutlichsten, wenn auch betont werden muß, daß die dort ausgeführlen Arbeitsverfahren nichid auch für Deutschland unbedingt verwendbar sind. Iedenfall« hat Ford aber den Beweis erbracht, daß beim Ersatz der Handarbeit durch Maschinen­arbeit. wo es nur irgend möglich ist. keine Ar­beiter überflüssig werden, sondern daß im Gegen­teil durch Vergrößerung de« Umsätze« der Be­darf an Arbeitskräften wächst, und Dabei bessere Löhne gezahlt werden können.

Die Fließarbeit war eigentlich da« Ursprüng­liche. denn ursprünglich hat man einen Gegen­stand in der Weise her gestellt, daß man fort* laufend Daran gearbeitet hat, bis er fertig war. Erst unsere Fabrikbetriebe haben Diesen Weg verlassen, als sie sich für jede Arbeit Sonder- Werkstätten schufen, beispielsweise eine Gießerei, eine Fräserei, eine Bohrerei und eine Dreher:« sowie eine Werlsta'.t für Montage. Einzelteile, mußten oft alle diese Werkstätten durchlaufen, was mit großen Beförderungskosten und mit erheblichen Zeitverlusten verbunden ist. Oft waren dann Die einzelnen Werkstätten nicht gleichmäßig

Weg zu gehen: in unzähligen Fällen wäre Der Einsatz von Zeit und Geld viel zu hoch, um Durch Den Endersolg gerechtfertigt zu werden. Oder Dem Erfinder. Der ja keineswegs immer ein Fachmann auf Dem Gebiete feiner Erfindung zu sein braucht, fehlt überhaupt Da« technische Rüstzeug. Dieser Die Gestalt zu geben. Die sie zu einem preiswerten gewerblichen Erzeugnis macht und den vielsältigen Anforderungen Der Verbrau-'eekreise genügt. Er bedarf noch eines Mittelmanne., der sein Geistes- Produkt in die Form umgießt. Die ein? möglichst restlose Ausnutzung für alle industriellen Zwecke zuläßt und Dem jeweiligen Stand moderner Fabri­kationstechnik angepaßt ist: Des Konstruk­teurs. So stellt sich das Konstruieren Dar al« ein Ausbauen aus Der Idee de-, geistigen Ur­hebers heraus zu realer Vollendung, als die letzte und eigentliche .Tat". Wer allein ba« äußere Bild Der ersten Lokomotive vor knapp 100 Iahren mit Der heutigen monumentalen Wir­kung unserer neuzeitlichen Schnellzugstypen ver­gleicht. wer d e beicheiDenen Brtri bsmoglichkei en von damals Den imponierenden Leistungen von heute gcgenüberstellt. der wird sich der Erkenntnis nicht Der chließen. welche Fälle von Können. Er- fmbungegabe. Gestaltungskraft und - nicht zu­letzt Eckönhellsiinn hier am Werke war. daß auch die Arbeit des Konstrukteurs im besten Sinne schöp er sch genannt to:r ei Darf Sie i es die durch Verwertung der hier ür uncr ä'lichen 5ad kenntnisfe jede Erfindung erst ihrem end­gültigen Verwendungszweck zuführt und dadurch ihren Erfolg und chre Bedeutung für Die All- gemein!)eit entscheidet.

Entdecken Erfinden Konstruieren, Drei grundverschiedene Ausdrucksforme i produktiver Tätigkeit. Die durch kein Werturteil gegen inanDer abgewogen werden können, weil jede nur mit ihrem eigenen Maßstab zu me fen ist: verbunden allein durch die Gemeinsamkeit ihres inneren Wesens. Dieses aber erblicken wir darin, daß jede Art schöpferischer Arbeit in ihren G.enzen dazu beiträgt neue Werke zu schaffen, und durch Bereicherung unseres Willens und Erweiterung unseres Kön-ens mitwirkt an Der Fortentwicklung Der Menschheit.